The Irishman

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The Irishman kann man sich ansehen, großartige Schauspieler, aber zwiespältiger Plot. Ich habe einiges zu meckern.

Auf Rotten Tomatoes jubeln fast alle. Ich finde mich aber bei Rachel Wagner wieder: „In the end, the pacing is too ponderous and self-indulgent, the characters are too stagnant, and the story lacks an emotional punch.“

Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci von Martin Scorseses in Szene gesetzt- da kann eigentlich nichts schief gehen. Der Film, obzwar obwohl ein Mafia-Plot, ist im Vergleich langsam und aus der Perspektive alter Männer erzählt, insbesondere des Auftragskillers Frank Sheeran (de Niro), die kühl auf Schreckliches zurückblicken. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Man weiß aber nicht, um welche Art Film es sich handelt – eine romanhaft erzählte Dokumentation? Bei vielen Personen wird das Datum ihrer Ermordung eingeblendet. Ein Sittengemälde wie „Der Pate“? Dazu ist der Film zu kurz, und das Thema hatten wir schon 100 Mal im Kino. Action? Sehr wenig, und wenn man de Niro mit einer Pistole flüchtig und selten herumballern sieht, fragt man sich, wie man überhaupt treffen kann, wenn man so herumzappelt. Die Geschichte eines eiskalten Killers? Hatten wir schon vor 50 Jahren mit Alain Delon, wäre also ein Remake des Plots.

Die zweite Hälfte von „The Irishman“ handelt aber vorwiegend von Jimmy Hoffa, als dessen Leibwächter Sheeran arbeitete. Das ist aber schon in F.I.S.T. mit Sylvester Stallone das Thema – für mich immer noch der ultimative Gewerkschaftsfilm. In F.I.S.T. ist die Verbindung zum organisierten Verbrechen eher zwangsläufig und konsequent: Ohne die Mafia und deren „militärisches“ Eingreifen wären die Streiks gescheitert. Warum überhaupt eine Gewerkschaft sich mit der Mafia einlässt, wird in „The Irishman“ nicht erklärt, sondern schlicht vorausgesetzt.

Hoffa (der von Al Pacino brilliant gespielt wird) bleibt in „The Irishman“, was seine Motive angeht, aber seltsam blass, obwohl seine Ermordung am Ende den Film weitgehend dominiert.

Den Schluss im „Seniorenheim“ habe ich mir nicht mehr angesehen, es war langweilig. Vermutlich soll es auch um Loyalität gehen und um deren bittere Konsequenzen, wenn man zwischen zwei Menschen wählen muss, die man beide mag. Aber dazu ist diese Figur eines Killers auch ungeeignet, weil ihr die psychologische Tiefe fehlt.

Das authentische Ambiente und die Kunst der Schauspieler entschädigen für den Plot. Kann man ansehen – aber man sollte nicht mehr erwarten als man schon von Mafia-Filmen aus Hollywood kennt.

Kommentare

4 Kommentare zu “The Irishman”

  1. Martin Däniken am Dezember 2nd, 2019 10:43 am

    Es geht Scorsese immer um den äusseren Anschein von Loyalität und „Freundschaft“,Familie und dabei gehts knallhart ums Geschäft…
    Wenn jemand vorzeitig in den Ruhestand versetzt wird und ein „Freund“ war-wirds gemacht!
    Ganz einfach aber durch die Kosmetik einer dick aufgetragen Heuchelei fast nicht erkennbar.
    Jemand mit genügend Entscheidungsgewalt hatte entschieden das Jimmy Hoffa weg musste
    -Hoffa kam weg…
    Da spielt eine ausgefeilte,tiefgründige Motivation keine grosse Rolle (mehr)!
    Und das ist um es nochmal zusagen das Dingen bei richtigen Mafiafilmen:
    Es geht um Geld und die Macht,
    nur mit einem Augenbrauenzucken Aktionen in Bewegung zusetzten…
    die dem gesagten diametral entgegengesetzt sind!
    Und die Entscheider haben das gleiche Mindset wie die Handelnden und die „Behandelten“.
    Von daher gibt es ja auch keine Fehlentscheidungen…persönliche Animositäten lassen sich naturlich noch besser verbergen ;_)
    „Jimmy ist schlecht fürs Geschäft“ (und vöglt meine Tochter)..weiss jeder in Umfeld,wird um verdeuen nicht sagen oder sich anmerken lassen.
    Das ist natürlich ein Manko das vieles bei Scorsese ungesagt bleibt…
    Wir, die wir in einer Kultur aufwuchsen, die das „Lasst uns drüber reden/Was macht das mit dir “ kultiviert hat und dem Nicht-Handeln Hochämtern hält.
    Kriminelle werden dagegen als Männer der Tat gesehen und bewundert!
    Aber die Geschäfte laufen aber besser wenn sie ruhig laufen…
    Wenn die Leute arbeiten,maulhalten und zahlen gleich Ausbeutung.
    Die aber als Widersprüche erscheinenden Geschehnisse sind aber dem Faktor Mensch zuzuordnen, aber nicht weil das System Schwächen hat. Nun gut das System und die Regel sind von Menschen geschaffen…
    Aber ich habe Marx nicht gelesen nur Macchiavelli und Suntse und Mao und Kevin Dutton/Andy Mcnab und Lem.

  2. Roman Bardet am Dezember 2nd, 2019 11:10 am

    Betrifft: obzwar

    Sie sollten dieses Wort nicht mehr benutzen.

    Ich wüßte nicht wo dieses Wort in Deutschland noch gelehrt wird.

    Selbst Adolf Hitler nutzte dieses Wort in MEIN KAMPF Teil 1 und 2 nicht. Oder ist das vielleicht der Grund es hier zu schreiben?

  3. Huskynarr am Dezember 2nd, 2019 12:24 pm

    Kann dir da definitiv zustimmen. Teilweise wirkte er so langatmig, das man kurz vorm einschlafen ist.
    Ich finde es allerdings gut, das man nicht wie bei den bisherigen Mafiafilmen, insbesondere mit diesen Darstellern, die Mafia als attraktiv und toll ansieht. Sondern sie präsentieren etwas mehr die Realität wie sie geschehen ist mit ihrer, teils, schrecklichen Seite.

    Eventuell lohnt es sich mal bei ein paar freien Minuten noch die zusätzliche Doku anzuschauen. :)

    Joe Pesci, das man ihn noch mal in Filmen sieht ist grandios. Auch wenn er schon sehr sehr sehr alt ist. De Niro und Al Pacino muss man ja nicht weiter nennen :D

  4. ... der Trittbrettschreiber am Dezember 3rd, 2019 12:48 pm

    @Roman Bardet

    „obzwar“… ein interessanter Hinweis. Ich empfinde bei der Verwendung solcher Wörter einen Genuss, in den ich sonst nur in alten Cafès komme (2 Eier im Glas, wozu das?). Es erinnert mich an Sachertorte, die von einem Frackträger mit Monokel und abgespreiztem kleinen Finger verköstigt wird. Kaum zu glauben – aber diese Welten existieren tatsächlich noch vollkommen frei von (Selbst-)Ironie. Juristen z.B. sprechen nicht vom Gewinnen eines Prozesses sondern vom „obsiegen“. Alles uraltes Zeugs, mit dem man aber wunderbar kokketieren kann, wenn man sich als moderner, über allem Gestrigen schwebend outen will.

    Das geht aber auch mit dem Kauf eines Beanies:

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