Eine Art von Sieg

Was will Putin? Ich darf die geschätzte Leserschaft auf ein höchst aufschlussreiches Interview mit Sergey Karaganiv aufmerksam machen (deutsche Übersetzung im Tagesspiegel). Zusammenfassung mit Kommentar:
1. Es war ein Krieg mit Ansage. In 2008 President Putin said that if Ukraine’s membership of the alliance became a possibility then there will be no Ukraine. He was not listened to. So the first objective is to end Nato’s expansion. Die Ukraine hat seit 2019 in der Verfassung, der EU und der NATO beitreten zu wollen. Sie waren also gewarnt.
2. …there are people in the Russian government concerned with the rise of ultra-nationalism in Ukraine to the extent that they think it is beginning to resemble Germany in the 1930s. There is also an aim to free the Donbas republics of eight years of constant bombardment. Daher das Framing „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“. Das ist natürlich Unfug und kein Grund, einen Krieg zu starten. Die Ukraine war und ist ein failed state, regiert von einer Kleptokratie wie auch Belarus, nicht zu vergleichen mit Hitler-Deutschland, und wäre mitnichten in der Lage, Russland anzugreifen, auch nicht als NATO-Staat. Letztlich geht es darum, die Separatisten im Donbass zu legitimieren.
3. Karaganiv meint, man habe vermutlich einem Krieg auf russischem Territorium zuvorkommen wollen. Das hätte man auch anders erreichen können: Wenn das russischen Modell des Kapitalismus attraktiv wäre für die Bewohner der Ukraine, wären sie sicher selbst auf die Idee gekommen, sich der ehemaligen Sowjetunion anzunähern. Außer der Sprache, die von den ukrainischen Nationalisten gewaltsam unterdrückt wird, gibt es aber nicht viel, warum Russland dem „Westen“ vorzuziehen wäre.
4. … I think it will involve the partition of Ukraine, one way or another. Hopefully there would still be something called Ukraine left at the end. But Russia cannot afford to “lose”, so we need a kind of a victory. Das ist natürlich ein weites Feld. Immerhin gibt Karaganiv zu, dass Teile der russischen Elite vermuteten, die Ukrainer würden den Einmarsch irgendwie unterstützen. Mit dem Rückzug de Russen von Kiew hat sich das Thema zunächst erledigt.
5. I also know from the history of American nuclear strategy that the US is unlikely to defend Europe with nuclear weapons. But there is still a chance of escalation here, so it is an abysmal scenario and I hope that some kind of a peace agreement between us and the US, and between us and Ukraine… Das sieht nicht so aus, die Gefahr einer direkten Konfrontation zwischen Russland und der NATO ist also auch aus Sicht der Russen nicht gebannt. Und da man nicht weiß, wie weit die westliche Hysterie und um welchen Preis die Oligarchen der Ukraine und ihre Marionette Selenskij den „Westen“ in einen Krieg hineinziehen würden, bleibt das Szenario einer atomaren Apokalypse bestehen.
6. Poland will gladly take back some of parts in the west, maybe Romanians and Hungarians will, too, because the Hungarian minority in Ukraine has been suppressed along with other minorities. But we are in a full-on war; it is too hard to predict. The war is an open-ended story. Bemerkenswert, dass Karaganiv davon spricht, es handele sich um einen full war und die offizielle Sprachregelung von eine militärischen „Spezialoperation“ nicht übernimmt. Natürlich gibt es auch in Polen und in Ungarn ultranationalistische Kräfte, die die ehemalige Gebiete wiederhaben wollen, aber die Polen wären schön blöd, sich diesen Klotz ans Bein zu binden.
6. If you asked me how I would describe Russia in one word, it is “sovereignty”. We defeated those who sought to rule us, starting with the Mongols, and then Carl [Charles XII] of Sweden, then Napoleon and Hitler. Also, recently, we had years of Western domination here. (…) And nevertheless, you see what has happened: Russia revolted against all that. Das ist so irrational wie die Deutschen, als beriefen sie sich auf „die Germanen“ als ihre Vorfahren oder auf das das „Deutschland“ im 13. Jahrhundert. Auf den Mongolensturm könnten sich auch die Ukrainer berufen, da es auch um Kiew ging. Gleichzeitig argumentiert Karaganiv: And Siberia is at the core of the Russian empire: without Siberia, Russia wouldn’t have become a great country. Von einem Sibirien als Teil Russlands kann man aber frühestens im 17. Jahrhundert sprechen.
7. I think the biggest loser will be Ukraine; a loser will be Russia; a great loser will be Europe; the United States will lose somewhat, but still it could very well survive as a huge island over the ocean; and the big victor is China. I told you so.
8. Russia will win, whatever that victory means, and second, because we have a strong and tough regime, so in any event, or if the worst happens, it will not be the dissolution of the country or collapse. I think it will be closer to a harsh authoritarian regime than to the dissolution of the country. But still, defeat is unthinkable. Eine Niederlage ist undenkbar? Das erinnert mich an einen anderen größten Feldherrn aller Zeiten. Wenn er sich da mal nicht täuscht. It’s the economy, stupid!

Punishing Quotas oder: Was macht eigentlich das Großkapital?
Es zittert ein wenig: „Amazon will block and flag employee posts on a planned internal messaging app that contain keywords pertaining to labor unions, according to internal company documents reviewed by The Intercept. An automatic word monitor would also block a variety of terms that could represent potential critiques of Amazon’s working conditions, like “slave labor,” “prison,” and “plantation,” as well as “restrooms” — presumably related to reports of Amazon employees relieving themselves in bottles to meet punishing quotas.“ (via Fefe)
Die müssen ganz schon unter Druck stehen, wenn sie zu so dämlichen Maßnahmen greifen. Die Gewerkschaft ist übrigens unabhängig. „Amazon Labor Union’s Guerrilla“ – sehr schön!
Entbanderafizierung jetzt!
Hier ist dringend eine Entbanderafizierung nötig. Auf den unsäglichen Tweet des ukrainischen Botschafters gibt es eine schöne Antwort: „The moment of Bucha massacres should be the moment Ukrainians really understand WHAT Bandera and his accomplices did to Poles from Volhyna in 1943″.
Selbstverteidigungs- und Gegenangriffskampf wie üblich

Die Deutschen wieder im Kriegsmodus (Symbolbild)
Putin ist unstrittig ein Auslaufmodell. So geht Imperialismus heute nicht mehr. Man macht das wie die Chinesen: Man klaut das Gute vom Feind oder imitiert es, dann macht man es besser und kauft den Feind auf oder sieht vom Sessel aus zu, wie der zusammenbricht oder um Hilfe bitte. Problem solved.
Die Chinesen haben mit dem klassischen Einmarschieren nicht so gute Erfahrungen gemacht, ähnlich wie Russland jetzt, mit einer identischen Rolleneinteilung, nur dass die im jahrzehntelangen Guerillakrieg gestählte vietnamesische Armee die Ukraine vermutlich schneller erobert hätte als die Russen jetzt. Danach gab es immer nur asymmetrische bewaffnete Konflikte, wenn man von Kriegen zwischen drittklassigen Kombattanten absieht.
Ich versuche gerade, mir eine Meinung über das Massaker in Butscha zu bilden. Das ist gar nicht so einfach. Die Propaganda-Strategie der Russen ist klar: Alles vom Feind inszeniert. Wer über Jahrzehnte vertuscht, verleugnet und lügt, dass sich die Balken biegen, dem glaubt man nicht so einfach. Es bleibt aber vieles ungereimt. Thomas Röper hat sich schon festgelegt: „Warum die Meldungen über angebliche russische Kriegsverbrechen in Butscha eine Lüge sind“. Der „Anto-Spiegel“ bezieht aber offenbar die meisten Informationen von Alina Lipp und deren Telegram-Kanal „Neues aus Russland“.

Thomas Laschyk hat das überprüft und bietet im Gegensatz zu den meisten oberflächlichen Medienberichten ausführliche Links und Quellen. Für mich klingt das einigermaßen überzeugend: Die Russen lügen, wenn sie behaupten, sie wären schon abgezogen, als die Leute massakriert wurden. (Es kommt offenbar auf die Timeline an). Außerdem gab es schon Berichte Anfang April von Augenzeugen. Der Guardian hat die Einwohner von Butscha aktuell befragt; das sieht alles seriös aus, obwohl nicht alle meine Bedenken ausgeräumt worden sind. (Die viel zitierten Satellitenbilder sind aber irrelevant – das kann alles Mögliche bedeuten.)

Wir werden weitere Massaker erleben, von beiden Seiten. Das Selenskyj-Regime, das die Kleptokratie in der Ukraine organisiert, ist keinen Deut besser als Putin. Wenn man Krieg bestellt, weiß man, was man geliefert bekommt. In jeder Armee gibt es viel zu wenige vom Schlage eines Hugh Thomson.
Die hier schon vertretene These scheint sich zu bewahrheiten: Die Angriff im Nordosten der Ukraine und auf Kiew war ein Scheinangriff, um ukrainische Kräfte zu binden, dass ein Entsatz von Mariupol und den beiden umkämpften Oblasten vereitelt wurde. Es war offenbar auch egal, wie das enden würde für die Einheiten um Kiew. Das ISW meint: „Russian forces retreating from around Kyiv will likely need considerable time before they can return to combat.“
Die eigentliche Entscheidung kommt noch: Efforts by Russian forces advancing from Izyum to capture Slovyansk will likely prove to be the next pivotal battle of the war in Ukraine. Russian forces likely intend to cut off Ukrainian forces in eastern Ukraine and will need to take Slovyansk as their minimum step to do so.(…) If Russian forces are unable to take Slovyansk at all, Russian frontal assaults in Donbas are unlikely to independently breakthrough Ukrainian defenses and Russia’s campaign to capture the entirety of Luhansk and Donetsk oblasts will likely fail.

Wg.: Kriegsgräuel [Update]
Polnische Zivilisten als Opfer des Massakers vom 26. März 1943, das von der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) mit Hilfe ukrainischer Bauern im Dorf Lipniki begangen wurde (Wikipedia)
Reminder: „Der Feind begeht wissentlich Grausamkeiten, wenn wir Fehler machen, geschieht dies unbeabsichtigt“.
George Orwell: Looking back on the Spanish War (August 1942):
„I have little direct evidence about the atrocities in the Spanish Civil War. I know that some were committed by the Republicans, and far more (they are still continuing) by the Fascists. But what impressed me then, and has impressed me ever since, is that atrocities are believed in or disbelieved in solely on grounds of political predilection. Everyone believes in the atrocities of the enemy and disbelieves in those of his own side, without ever bothering to examine the evidence. Recently I drew up a table of atrocities during the period between 1918 and the present; there was never a year when atrocities were not occurring somewhere or other, and there was hardly a single case when the Left and the Right believed in the same stories simultaneously. And stranger yet, at any moment the situation can suddenly reverse itself and yesterday’s proved-to-the-hilt atrocity story can become a ridiculous lie, merely because the political landscape has changed.
In the present war we are in the curious situation that our ‘atrocity campaign’ was done largely before the war started, and done mostly by the Left, the people who normally pride themselves on their incredulity. In the same period the Right, the atrocity-mongers of 1914-18, were gazing at Nazi Germany and flatly refusing to see any evil in it. Then as soon as war broke out it was the pro-Nazis of yesterday who were repeating horror stories, while the anti-Nazis suddenly found themselves doubting whether the Gestapo really existed. Nor was this solely the result of the Russo-German Pact. It was partly because before the war the Left had wrongly believed that Britain and Germany would never fight and were therefore able to be anti-German and anti-British simultaneously; partly also because official war propaganda, with its disgusting hypocrisy and self-righteousness, always tends to make thinking people sympathize with the enemy. Part of the price we paid for the systematic lying of 1914-18 was the exaggerated pro-German reaction which followed. During the years 1918-33 you were hooted at in left-wing circles if you suggested that Germany bore even a fraction of responsibility for the war. In all the denunciations of Versailles I listened to during those years I don’t think I ever once heard the question, ‘What would have happened if Germany had won?’ even mentioned, let alone discussed. So also with atrocities. The truth, it is felt, becomes untruth when your enemy utters it. Recently I noticed that the very people who swallowed any and every horror story about the Japanese in Nanking in 1937 refused to believe exactly the same stories about Hong Kong in 1942. There was even a tendency to feel that the Nanking atrocities had become, as it were retrospectively untrue because the British Government now drew attention to them.
But unfortunately the truth about atrocities is far worse than that they are lied about and made into propaganda. The truth is that they happen. The fact often adduced as a reason for scepticism – that the same horror stories come up in war after war – merely makes it rather more likely that these stories are true. Evidently they are widespread fantasies, and war provides an opportunity of putting them into practice. Also, although it has ceased to be fashionable to say so, there is little question that what one may roughly call the ‘whites’ commit far more and worse atrocities than the ‘reds’. There is not the slightest doubt, for instance, about the behaviour of the Japanese in China. Nor is there much doubt about the long tale of Fascist outrages during the last ten years in Europe. The volume of testimony is enormous, and a respectable proportion of it comes from the German press and radio. These things really happened, that is the thing to keep one’s eye on. They happened even though Lord Halifax said they happened. The raping and butchering in Chinese cities, the tortures in the cellars of the Gestapo, the elderly Jewish professors flung into cesspools, the machine-gunning of refugees along the Spanish roads – they all happened, and they did not happen any the less because the Daily Telegraph has suddenly found out about them when it is five years too late.“
[Update] Das ist kein Whataboutism. Es sollte nur klar sein, dass Russen als auch Ukrainer eine identische „kulturelle“ Basis haben. die sich von den meisten „westlichen“ Staaten unterscheidet. Das sieht man auch daran, dass die jeweilige Propaganda auf uns total lächerlich wirkt mit ihrem Heldenpathos und den Versuchen, den Gegner zum Untermenschen zu deklarieren. Wenn ich mich so umschaue, stelle ich jedoch fest, dass das Kriegsgebrüll jede vernünftige Stimme niedermacht. Es fehlt nicht viel, und wir reiten wieder gen Ostland.
Propaganda und keine Propaganda

„Etwa 900 Menschen haben am Sonntag in Berlin an einem Autokorso mit russischen Fahnen teilgenommen. Der Umzug mit mehreren hundert Fahrzeugen wurde als Veranstaltung mit dem Titel „Keine Propaganda in der Schule – Schutz für russischsprechende Leute, keine Diskriminierung“ angemeldet, wie die Berliner Polizei mitteilte.“ (Tagesspiegel)
„Ein pro-russischer Autokorso ist am Sonntag quer durch Berlin gefahren. Das bestätigte die Polizei der Berliner Zeitung. Etwa 900 Menschen haben daran teilgenommen. Auf Twitter waren Dutzende Fahrzeuge mit russischen Fahnen zu sehen.“ (Berliner Zeitung)
„Auto-Korso der Schande in Berlin“. (BZ Berlin)
Was macht eigentlich das Proletariat?
Unter Manichäern

Vielleicht geht es nur mir so. Ich kann es nicht mehr lesen und hören. Wir wissen alle: einen Krieg anzufangen gilt als verbrecherisch. Mir fallen spontan Dutzende Politiker ein, die in Frage kämen, darunter auch einige US-amerikanische Präsidenten. Mir muss nicht jeden Tag mit dem Holzhammer eingebläut werden werden, dass Putin für den so genannten „freien Westen“ der Oberbösewicht ist. Die Russen sehen das übrigens ganz anders.
Man weiß schon lange vorher, wie die Schlagzeilen lauten: Die Ukraine gewinnt. Die Russen sind unmotiviert, Sklavennaturen, doof, brutal und bombardieren das, was man nicht bombardieren darf. Die Ukrainer sind immer das Gegenteil von den Russen. Nazis gibt es nicht in der Ukraine/sind Einzelfälle. Flüchtlinge in Deutschland sind glücklich. Frauen und Kinder. Selenskij/Klitschko/wer auch immer appellieren an das deutsche Volk. (Was sagt die deutsche Bevölkerung dazu? Und was sagen die Sorben?) Ich glaube kein Wort, auch nicht den Russen (weil die Bandera-Versteher aufheulten).

Den Bürgern des freien Westens ist es noch erlaubt, feindliche Websites zu lesen. Sie sind aber verpflichtet, dabei einen angewiderten Gesichtsausdruck zu machen.
Manchmal muss man sich einfach mal das Gegenteil ansehen, aus Trotz. Die Kadyrowzy machen die besten Propagandafilme: Durchweg athletische Herren mit Bärten, die bis an die Zähne bewaffnet sind, das Herumballern untermalt entweder mit Sufi-Musik oder mit Rhythmen, die zu einschlägigen Computerspielen passen. Wenn die mit großen Kalibern hantieren und dazu Allahu akbar rufen, dann ahnen die Asowschen vermutlich, dass sie es jetzt nicht mit Laien oder russischen Wehrpflichtigen zu tun bekommen. Wieso muss ich jetzt an den Göttinger Mescalero denken?
No compromises and concessions, they have only one way, short, but extremely painful. Well said, dude.

Tschetschenischer Sniper in Mariupol
Ich aber prophezeie euch: Putin wird diesen Krieg gewinnen. Und wenn nicht, dann stelle ich mich auf den Richardplatz und murmele laut und deutlich: „Bandera war ein lupenreiner Demokrat“.
By the way: kennt ihr Adam Delimkhanov? Interpol sucht(e) ihn. Ich weiß, wo er ist.
Die Lage an allen Fronten
– Militärische Front: Kadyrowzy – Asow 1:0 nach Verlängerung
Russia is withdrawing some elements of its forces around Kyiv into Belarus for likely redeployment to other axes of advance and did not conduct any offensive operations around the city in the past 24 hours, but Russian forces will likely continue to hold their forwardmost positions and shell Ukrainian forces and residential areas. I told you so.
– Energiefront: Russian president Vladimir Putin has signed a decree that demands ‘unfriendly countries’ must pay for Russian gas in rubles.
The new law dictates that ‘unfriendly countries’ must open accounts in Russian banks and will come into force on April 1.
Current gas supply contracts will be stopped if buyers from ‘unfriendly countries’ do not meet new payment terms.
– Juristische Front: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Gil Ofarim wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung.
– Z(!)ensurfront: Zensur im freien Westen weitet sich aus. Autoritären Regimen gefällt das. Anderen auch. Bin mal gespannt, wann Links auf russische Websites verboten werden. Das kennen wir doch schon.
– Genderfront: Everyone who has a penis is a man. Na ja. Ich sage nur: Katheoy und Parinya Charoenphol.

Scheinoperationen oder: Maneuver warfare, Russian style

Vor Odessa
Wir lassen mal einen Experten zu Wort kommen – Scott Ritter (@RealScottRitter), Former United Nations Weapons Inspector, former Marine Corps Intelligence Officer:
For all those scratching their heads in confusion, or dusting off their dress uniforms for the Ukrainian victory parade in Kiev, over the news about Russia’s “strategic shift”, you might want to re-familiarize yourself with basic military concepts.
Maneuver warfare is a good place to start. Understand Russia started its “special military operation” with a severe manpower deficit—200,000 attackers to some 600,000 defenders (or more). Classic attritional conflict was never an option. Russian victory required maneuver.
Maneuver war is more psychological than physical and focuses more on the operational than on the tactical level. Maneuver is relational movement — how you deploy and move your forces in relation to your opponent. Russian maneuver in the first phase of its operation support this.
The Russians needed to shape the battlefield to their advantage. In order to do this, they needed to control how Ukraine employed it’s numerically superior forces, while distributing their own smaller combat power to best accomplish this objective.
Strategically, to facilitate the ability to maneuver between the southern, central, and northern fronts, Russia needed to secure a land bridge between Crimea and Russia. The seizure of the coastal city of Mariupol was critical to this effort. Russia has accomplished this task.

Google übersetzt: „Video der Konzentration der belarussischen Armee in der Region Brest. Das Gerät ist mit einem Erkennungszeichen gekennzeichnet – einem roten Quadrat. Es ist erwähnenswert, dass der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine heute Morgen im offiziellen Bericht erklärte: „Es gibt Anzeichen für die Vorbereitung der Streitkräfte der Republik Belarus auf eine direkte Invasion des Territoriums der Ukraine.“ I told you so.
While this complex operation unfolded, Russia needed to keep Ukraine from maneuvering its numerically superior forces in a manner that disrupted the Mariupol operation. This entailed the use of several strategic supporting operations—feints, fixing operations, and deep attack.
The concept of a feint is simple—a military force either is seen as preparing to attack a given location, or actually conducts an attack, for the purpose of deceiving an opponent into committing resources in response to the perceived or actual actions.
The use of the feint played a major role in Desert Storm, where Marine Amphibious forces threatened the Kuwaiti coast, forcing Iraq to defend against an attack that never came, and where the 1st Cavalry Division actually attacked Wadi Al Batin to pin down the Republican Guard.
The Russians made extensive use of the feint in Ukraine, with Amphibious forces off Odessa freezing Ukrainian forces there, and a major feint attack toward Kiev compelling Ukraine to reinforce their forces there. Ukraine was never able to reinforce their forces in the east.
Fixing operations were also critical. Ukraine had assembled some 60,000-100,000 troops in the east, opposite Donbas. Russia carried out a broad fixing attack designed to keep these forces fully engaged and unable to maneuver in respect to other Russian operations.
During Desert Storm, two Marine Divisions were ordered to carry out similar fixing attacks against Iraqi forces deployed along the Kuwaiti-Saudi border, tying down significant numbers of men and material that could not be used to counter the main US attack out west.
The Russian fixing attack pinned the main Ukrainian concentration of forces in the east, and drove them away from Mariupol, which was invested and reduced. Supporting operations out of Crimea against Kherson expanded the Russian land bridge. This phase is now complete.
Russia also engaged in a campaign of strategic deep attack designed to disrupt and destroy Ukrainian logistics, command & control, and air power and long-range fire support. Ukraine is running out of fuel and ammo, cannot coordinate maneuver, and has no meaningful Air Force.
Russia is redeploying some of its premier units from where they had been engaged in feint operations in northern Kiev to where they can support the next phase of the operation, namely the liberation of the Donbas and the destruction of the main Ukrainian force in the east.
This is classic maneuver warfare. Russia will now hold Ukraine in the north and south while its main forces, reinforced by the northern units, Marines, and forces freed up by the capture of Mariupol, seek to envelope and destroy 60,000 Ukrainian forces in the east.
This is Big Arrow War at its finest, something Americans used to know but forgot in the deserts and mountains of Afghanistan and Iraq. It also explains how 200,000 Russians have been able to defeat 600,000 Ukrainians. Thus ends the primer on maneuver warfare, Russian style.
Set goals are achieved

Eine Rakete zerstört eine Verwaltungsgebäude von Nikolayev (Mykolajiw), im Hintergrund die Warwariwka-Brücke. Auf der westlichen Seite des Bug, von wo aus der Video gedreht wurde, habe ich nur die Staatsanwaltschaft gefunden. Ich bin mir nicht sicher, was da zerbombt wurde.
Wenn man zwischen den Zeilen liest, merkt man, worauf das alles hinauslaufen könnte. Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland machen Fortschritte.
The special military operation in Ukraine will continue until the set goals are achieved: Russian Defense Minister Shoigu

Ein zerstörtes Verwaltungsgebäude in Mykolajiw
Judging by reports in open sources, Nikolaev will be next after Mariupol. The locals should probably leave. While this is still possible.
Aber das Ziel ist erreicht: Die militärische Infrastruktur der Ukraine, um einen Angriffskrieg zu beginnen, ist mehr oder minder kaputt. Die Nazi-Brigaden in und um Mariopol (vgl. Foto unten) werden den Krieg nicht überleben. Putin wird natürlich nicht zurückweichen, aber ein Kompromiss kann auch darin bestehen, dass die unlösbaren strittigen Fragen einfach ausgeklammert werden. Die Ukrainer Oligarchen und ihre Marionetten werden nicht auf die Krim und den Donbass verzichten. Aber die Russen könnten sich aus dem Rest der Ukraine zurückziehen, also auch von Kiew. Militärisch wäre das ein Patt.
Main tasks of first stage of special operation in Ukraine has been completed, now the focus is on the main goal, the liberation of Donbass – Defence minister Shoigu

Das Hauptquartier der Nazis in Mariupol
Gute Nachrichten: Die Russen haben die ukrainischen Nazis gefangen, die russische Soldaten gefoltert haben.
Vermischtes oder: In case you missed it

Mariupol, noch Ukraine
– Venezuela darf nicht mehr bei der UN mitstimmen, weil die Regierung die „Beiträge“ nicht bezahlt hat.
– Finfisher ist pleite.
– Die Deutsche Welle darf nicht mehr aus Russland und aus Afghanistan senden.
– Die Online-Präsenz der Bild-Zeitung ist in Russland gesperrt.
– Der Terror gegen Israel hat wieder Opfer gefordert.
– Nurses protest against COVID policy at a hospital in Shanghai. Die Schulen bleiben geschlossen. Vielleicht werden die Chinesen ihre Strategie ändern.
– Die Ukrainer wollen das Rote Kreuz boykottieren.
– Die Lakaien der herrschenden Klasse in Peru wollen den linken Präsidenten loswerden.
– Rund 30 Prozent der US-Amerikaner misstrauen der Wissenschaft.
– Südafrika steht zu Russland.
– Es gibt da noch diese Stellvertreterkriege im Jemen und in Berg Karabach.
– Ich rate von Reisen nach Mali ab.
– Die Regierung in Belize geht gegen die Selbstverwaltung der Maya vor.
– Eine Splittergruppe der FARC ist wieder in Kolumbien aktiv.
– Die mexikanischen Zapatistas brauchen deutsche Übersetzer.
– Ich habe die Blogroll upgedated.
Chess and Revolution
„Die einzige Möglichkeit, etwas in Russland zu ändern, ist eine Revolution.“ (Daniil Dubow). Kluger Mann! Er spielt ja auch Schach, nur ein bisschen besser als ich.
Bonus: Ersetze „Russland“ durch „der Linken“.
kastrierende Operation

33. Jahrgang. Die wussten also 1989 schon Bescheid.
Interessanter Essay von Slavoj Zizek in der Berliner Zeitung: „: Warum Russland und USA eine „kastrierende Operation“ durchmachen sollten“.
So hat das staatliche Komitee für Fernsehen und Rundfunk der Ukraine im Jahr 2018 die Übersetzung des Buches: Auf ziemlich plumpe Art und Weise wurde in dem Erlass behauptet, das Erscheinen des Buches würde „zu ethnischem, rassischem und religiösem Hass aufstacheln“. Und wie das? Der Grund für das Verbot ist Rydells kritische Analyse der Taten von Symon Petljura, einem Nationalisten, dessen Truppen in Pogromen unzählige Juden ermordeten. (…)
Deshalb sollten wir der internationalen Gemeinschaft empfehlen, Russland (und bis zu einem gewissen Grad auch die USA) einer kastrierenden Operation zu unterziehen – sie so weit wie möglich zu ignorieren und an den Rand zu drängen, sie wie peinliche Obszönitäten zu behandeln, wie einen Kerl, den man in der Öffentlichkeit auf der Straße kotieren sieht, und dafür zu sorgen, dass danach nichts mehr von ihrer globalen Autorität wächst.
Objective Analysis. Effektive Solutions.

Heute schon die richtige Fahne in den richtigen Farben in den richtigen Wind gehängt?
Die Russen lieben es nicht, sich in offenen Gräben zu verschanzen. (Friedrich Engels: „Nachrichten von der Krim“, New-York Daily Tribune 4211, 17.10.1854, in: ML Werke 10, S. 518)
Auch der schönste Krieg wird irgendwann langweilig. Was wäre, wenn wirklich alles ein großer Masterplan gewesen wäre? Die Rand Corporation hatte 2019 einen: „Overextending and Unbalancing Russia“ (via Fefe)
– Provide lethal aid to Ukraine
– Increase support to the Syrian rebels
– Promote liberalization in Belarus
– Expand ties in the South Caucasus
– Reduce Russian influence in Central Asia
– Flipping Transnistria.
Der erste Punkt wird offenbar gerade abgearbeitet. Aber der Russe plant auch. Mit Ansage: „In the near future, a referendum on joining Russia may be held in the republic – head of the LPR Leonid Pasechnik„.

Russische Truppen auf dem Weg in den Donbass (Foto angeblich von gestern)
In letzter Zeit sind uns einige authentische Berichte über die Verteilung und die letzten Bewegungen der russischen Streitkräfte zugekommen, und ihre Zusammenstellung wird gut sein, um zu zeigen, was für ein relativ geringer Teil der russischen Streitkräfte bis jetzt im Kampf eingesetzt und was von dem übrigen Teil zu erwarten ist. (Friedrich Engels: „Die Militärmacht Rußlands“, New-York Daily Tribune 4223, 31.10.1854, in: ML Werke 10, S. 537)
Oder war es ganz anders? Putin hat alles so geplant, wie es jetzt läuft? Dazu hat Al Jazeera etwas: Russian general says combat power of the Ukrainian military ‘considerably reduced’ and troops will now focus on the ‘main goal, liberation of Donbas’. (…) Russian forces might be aiming to continue the war with a narrower focus, not necessarily as an endgame but as a way of regrouping from early failures and using the Donbas as a new starting point, analysts say.“ (…)
„The winter campaign is basically over. There’s going to be flooding and more dirt. Come May, it will all dry up and then comes the summer campaign, which most likely will be decisive,“ Felgenhauer told Al Jazeera.
Die Sache ist also noch nicht lange vorbei. Nina Chruschtschowa, die Urenkelin Nikita Chruschtschows, meint: Die Ukraine müsse sich klar darüber werden, wie viel sie bereit wäre, an Russland abzutreten. Putin gehe es um die Krim und die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Seine Frage sei diese: „Wollt Ihr einen größeren Krieg? Oder gebt Ihr mir, was ich will? Und die Frage ist: Wie viel würde die Ukraine geben, um zu beenden, was gerade passiert? Würde sie diese Gebiete dafür abtreten, die doch ohnehin für sie verloren sind?“
Plan B oder auch C und geteiltes Polnisches
Man fragt sich in Zeiten des Krieges, wo man gesicherte Informationen bekäme. Deutsche Medien beschränken sich auf zwei Alternativen: ukrainische Propaganda wiederzukäuen und auf die Tränendrüsen zu drücken oder eben da, aber mit dem Hinweis: Wir können es nicht verifizieren. Mein Vorschlag: Man könnte zum Beispiel die jeweiligen Quellen evaluieren und einfach die Kresse halten, wenn man nichts Genaues nicht weiß.
Für zensurumgehende Informationsjunkies wie mich ergibt sich leider das Problem, dass man unzählige Kanäle zur Verfügung hat (das Usenet und Internet Relay Chat lasse ich mal weg): Websites, Telegram-Kanäle, Youtube, Twitter, Tik Tok, WeChat, Signal, WhatsApp, Instagram, E-Mail; Mailinglisten, Skype und andere Videokonferenzen und noch einiges (von Avatar zu Avatar in Secondlife – da sind auch Russen). Ich habe alles, gebe ich verschämt zu. Aber wo anfangen?
Eine Quelle wie die New York Times ist in diesem Fall (aber nicht bei trumpischen Themen) das Seriöseste, was man kriegen kann, weil die sich schnell blamieren würden, wenn sei Unsinn verbreiteten, da die Konkurrenz niemals schläft. Ich informiere mich mich meistens zuerst bei Intel Slava Z, einem russischen Propaganda-Kanal, und versuche dann, den Wahrheitsgehalt zu verifizieren. Man muss feststellen, dass die russischen Medien einige Themen aufgreifen, die im „freien Westen“ gar nicht vorkommen. Andererseits liest man zum Beispiel bei RT Deutsch so hanebüchenen Unsinn, zum Beispiel über die Impferei, dass man den Rest auch nicht gern glauben mag. Die sollten mal einen Propaganda-Lehrgang bei mir machen: die russen sind zwar insgesamt besser als die Ukrainer, aber immer noch auf dem Stand des 2. Weltkriegs. Die Guten siegen ausschließlich und immer, und da alle die Guten sind, kann man auch alles gleich in die Tonne treten.
Ähnlich seriös wie die NYT ist das Institute for the Study of War, die sich mit dem üblichen Geschrei ziemlich zurückhält. Lustig ist der Vergleich zwischen den jeweiligen offiziellen Quellen, dem russischen Verteidigungsministerium und dem ukrainischen Generalstab.
Die US-amerikanische Website MintPress News hat sich die Mühe gemacht zu recherchieren, wer hinter den diversen Quellen steckt. Follow the money usw. Witzig, dass die Russen MintPress News als „rechts“ bezeichnen, Wikipedia aber als „left-wing“. Das könnte ein Gütesiegel sein.

Hübsches Gerücht von den üblichen russischen Verdächtigen:
The Ukrainian leadership missed its chance for a sovereign state, – the official representative of the Russian Foreign Ministry Maria Zakharova. „They have already missed the main chance for the existence of Ukraine within their own borders, a sovereign Ukraine, an independent Ukraine,“ she said. If you read between the diplomatic lines and Zakharova does not carry a gag, then this can be understood in such a way that a course has been taken for the annexation of Ukraine.
Ich aber sage euch, Russen: Das wird nix. Also ist es nur eine Drohung. Wer aber Drohungen nicht realisieren kann, macht sich lächerlich. Ist wie bei der Kindererziehung. Übrigens kann man der attraktiven Dame bei Facebook noch folgen, obwohl das ja jetzt für die Russen ein Feindsender ist. Genau mein Humor.
Unstrittig ist, dass die Ukrainer noch in der Lage sind, Sabotageakte zu verüben. Und wenn man keine Politiker oder andere Schwätzer fragt, sondern richtige Experten, begreift man auch, warum die Ukrainer den Russen mit begrenzten Mitteln ganz schön einheizen. Oder Putin will nur den alten Schrott loswerden und nicht im eigenen Land entsorgen. Aber die Russen verlieren auch Zeug, was sie garantiert nicht gern in anderen Händen sehen. Die Israelis sind gewöhnlich gut informiert und wissen, was sie tun: Spyware gibt es nicht für die Ukrainer (die Quelle ist auch die New York Times).

Mariupol ist klar. Da gibt es nicht mehr viel zu holen für die Asows und andere Helden der Ukraine Nazi-Banditen. Kein Nachschub mehr, keinen Entsatz, keinen Ausweg, und die freundlichen Tschetschenen haben gestern verkündet, dass sie ab jetzt keine Gefangenen mehr machen.

Interessant ist, dass offenbar geplant ist, Mariupol der sogenannten Volksrepublik Donezk einzuverleiben. Die Kröte werden die Ukrainer nicht schlucken wollen, es sei denn, sie ergeben sich, der Staat zerfällt ohnehin oder der Kriegszustand bleibt in Permanenz, ohne dass eine der beiden Seiten gewinnen könnte.

Die unterhaltsamste Verschwörungstheorie These haben wir heute auf RT Deutsch. Vielleicht haben die die Idee auch von mir geklaut.
Laut den Quellen des Telegram-Kanals „Джокер ДНР“ soll der Einmarsch polnischer Streitkräfte in den Westen der Ukraine bereits Ende April 2022 stattfinden, im nächsten Monat, unter der Flagge der sogenannten „NATO-Friedensmission“, die am 24. März in Warschau beschlossen wurde. (….)
Demnach soll Polen an vier Regionen der westlichen Ukraine interessiert sein: Oblast Wolyn, Oblast Riwne, Oblast Lwow und Oblast Ternopil. Um sich das besser vorzustellen: Insgesamt handelt es sich hier um ein Gebiet, das 75.847 Quadratkilometer umfasst, beziehungsweise der Fläche nahekommt, die Irland übersteigt und fast der Tschechiens gleicht.
Großartige Idee und eine Win-Win-Situation! Außer fǘr die Ukrainer natürlich. Ob die Polen auf den Geschmack gebracht werden sollen? Die NATO könnte so heimlich unter der polnischen Flagge in die West-Ukraine einmarschieren und retten, was zu retten ist. Das Gebiet wollen sich die Russen sowieso nicht ans Bein binden. Polnische Teilung mal unter umgekehrten Vorzeichen – das wäre eine schöne Ironie der Geschichte. Und die Polen haben da noch eine Rechnung offen…

Ausgehuniform
Bei dem Wetter sollte ich eigentlich auf der Neuköllner Sonnenallee spazierengehen. Die Kleidung muss natürlich passen.
Klare Zeichen senden oder: Wir sind die Guten, und wir sind viele
„Wie hätte der Künstler, der Soldat im Künstler nicht Gott loben sollen für den Zusammenbruch einer Friedenswelt, die er so satt, so überaus satt hatte! Krieg! Es war Reinigung, Befreiung, was wir empfanden“. (Thomas Mann 1914)
Und die Karl-Marx-Straße muss auch umbenannt werden – am besten in Stepan-Bandera-Straße! Es erstaunt, wie schnell die Deutschen wieder kriegslüstern werden, wenn der Ruf zu den Waffen ertönt. Vielleicht ist das ja doch genetisch bedingt. Dieselben Leute, die die allgemeine Volksbewaffnung in den USA verurteilen, fordern jetzt erhöhte Wehrbereitschaft gegen den irren Iwan.
Die Diskussion, ob die Russen jetzt die neue Antifa sind, wäre sicher interessant. Sie inszenieren sich so. Ich kann klammheimliche Sympathie nicht verhehlen. Vermutlich bin ich aber durch den Konsum der Feindsender schon ideologisch verblendet worden.
Meine Prognose zur Lage: Weißrussland wird auch bald in die Ukraine einmarschieren. Ich denke, dass deren Verbände den Nachschub aus Polen kappen sollen. Viel traue ich den belarussischen Kombattanten aber nicht zu. Die russische Armee bombardiert schon Ziele bei Odessa. Mariupol ist nach Angaben der Russen erst zu 50 70 Prozent unter Kontrolle. (Die Kadyrowzy scheinen zu schwächeln.) Kramatorsk ist unter Beschuss; Isjum nördlich davon umkämpft. Den Plan kann jeder Laie erkennen: den Osten der Ukraine in zwei Teile zu trennen.
Der alt böse Feind mit Ernst
ers jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.
(evangelisches Kirchenlied)
„Niemand will tatenlos zusehen“, schreibt die Taz. Ach?! Der Appell an die Volksgemeinschaft, die keinen Klassenkampf mehr kennt? Auch Helfen ist Propaganda, und die Motive sind oft fragwürdig. Man möchte sich als Teil des Kollektivs fühlen. Wir sind die Guten, und wir sind viele. Da ich mich auch mit der guten Sache nicht gemein mache, biete ich daher hier (unten) mehrere Optionen an.
Ich kenne dein Tun und weiß, dass du weder heiß noch kalt bist. Wenn du doch das eine oder andere wärst! Doch du bist lau, weder heiß noch kalt. Darum werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.
(Paulus an die Gemeinde von Laodizea)
Diese Sätze aus der Bibel sind ganz klar eine Allzweckwaffe. Ich habe den in meiner Kindheit tausend Mal gehört, privat und von Laienpfaffen. Zu den Maoisten meiner Semler-KPD passte er auch, aber die wollten das so nicht hören. Du musst dich mit ganzem Herzen der guten Sache widmen. Heute schaudert mich, wenn ich mir vorstelle, was das de facto bedeuten kann – sich aufzuopfern.
Man stelle sich vor, irgendwer drohte damit, deutsche Erde zu besetzen (die Polen? Luxemburg? Der Russe?)! Wer da aus der medial orchestrierten Volksgemeinschaft ausscherte, wäre in Gefahr, Opfer von Lynchjustiz zu werden wie jetzt die Roma in Lemberg: Die werden öffentlich an Pfähle gebunden und mit Farbe bespritzt, weil sie hungern und Lebensmittel stehlen (davon gibt es genug Fotos und Videos, aber nicht in deutschen Medien). Lynchjustiz ist nur pöhse, wenn andere sie verüben, nicht aber Freunde des freien Westens.
Unter Stalinorglern, revisited
Neu in (auf?) meinem Telegram-Kanal: Das Video zeigt, wie sich ein ukrainischer MLRS „Grad“ („a Soviet truck-mounted 122 mm multiple rocket launcher“) in dem Einkaufszentrum versteckt, das die Russen anschließend bombardiert haben. Ist natürlich putinistische Propaganda, wird man hierzulande sagen. Nicht angucken, das könnte die Bevölkerung beunruhigen. Ich überlasse es dem Publikum, das zu entscheiden.
Bitte beflaggen Sie sich! Oder: Mariugrad und die Ökonomie

Die Lage: ist unverändert. Die übliche Verdächtigen hatten vollmundig angekündigt, Mariupol am Wochenende einzunehmen. Das war wie zu erwarten Wunschdenken. Selenskij gibt im Gegenzug Durchhalteparolen bis zum Endsieg aus.
By the way: Dank dem Publikum für den Hinweis auf das Telepolis-Interview mit dem Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe (2015): „“Ohne historische Aufarbeitung bleibt die Ukraine ein Pulverfass“. Man sollte das zur Pflichtlektüre machen. Mehr muss man zur Vorgeschichte der Ukraine und des gegenwärtigen Krieges nicht wissen.
Ich bekenne hier und heute: Mich beeindruckt der Kerl nicht, genau so wenig wie sein Berufskollege Ronald Reagan. Ich werde immer misstrauisch, wenn ich merke, dass es einen nationalen Druck oder gar Zwang gibt, bestimmte Gefühle zeigen zu müssen wie bei der Rede im Bundestag. So etwas tue ich mir aus Prinzip nicht an. Es erinnert mich zu sehr an meine Kindheit: Man musste bei bestimmen Textbausteinen automatisch bestimmte Emotionen haben. Anderenfalls stand man im Verdacht, ein Werkzeug des Bösen zu sein.
„Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen. Von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.“ (Kurt Tucholsky)
Das bedeutet konkret: Falls jetzt die Russen die Guten sein sollten, auch nur zeitweilig, kann das nicht sein, und es darf auch nicht berichtet werden. Alles nur putinistische Propaganda. Für jemanden, der sowohl einen imperialistischen Angriffskrieg als auch den failed state Ukraine ablehnt, ist kein Platz vorgesehen. In Neulateinisch Neudeutsch: Das öffentliche Narrativ erlaubt das nicht. Das ist ungefähr so, als wenn Alexa ein Gerät nicht erkennt, obwohl es da ist. Oder wenn die Ukrainer ein Einkaufszentrum zu einem militärischen Objekt umrubeln umrüsten: Nein, das gibt es doch nicht.

Ich habe ein wenig herumrecherchiert, wie die Russen sich die Ökonomie vorstellen, nachdem der Eiserne Vorang 2.0 wieder heruntergelassen wurde. Ich bezweifele, dass deutsche Journalisten das können, da die Zensur russischer Medien sicher in Redaktionen nicht umgangen wird, aus technischen und aus inhaltlichen Gründen (ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber ich weiß, wie es dort zugeht).
Der hier schon erwähnte Wassili Kaschin, Leiter des Zentrums für umfassende europäische und internationale Studien an der Higher School of Economics (HSE), hat das analysiert*. (Es gibt auch eine deutsche Übersetzung des russischen Originals von globalaffairs.ru auf einer dubiosen Quelle.)
Infolgedessen wird sich China, das in dieser Krise am Rande steht und zur Zurückhaltung aufruft, als das einzige Zentrum der Weltmacht erweisen, das langfristig von der ukrainischen Katastrophe profitieren wird. (…)
…wird sich die Schockwirkung der Unterbrechung der üblichen Zahlungsmechanismen, Produktionsketten und der Logistik in den kommenden Monaten unweigerlich bemerkbar machen. Die Unternehmen werden neue Wege finden müssen, um Geschäfte zu machen.
Gleichzeitig haben die Parteien bisher erhebliche Anstrengungen unternommen, um eine sichere Infrastruktur für den bilateralen Handel zu schaffen, und diese Bemühungen wurden bis vor kurzem fortgesetzt. Im Jahr 2020 betrug der Anteil des Rubels am bilateralen Handel sieben Prozent, der des Yuan 17 Prozent. Peking ist bestrebt, seine Währung zu internationalisieren, und sie kann für Zahlungen zwischen nicht in China ansässigen Personen verwendet werden.
In Vorbereitung auf einen harten Konflikt mit dem Westen hat Russland den Anteil des Yuan an seinen Gold- und Devisenreserven drastisch erhöht. Einigen Schätzungen zufolge besitzt die Bank von Russland allein chinesische Staatsanleihen im Wert von 140 Milliarden US-Dollar, die in Yuan lauten. Indirekt könnte dies auch darauf hindeuten, dass das derzeitige Volumen der Sanktionen schon seit Langem erwartet wurde. (…)
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde man erwarten, dass der Anteil Chinas und der EU am russischen Handel Anfang/Mitte der 2030er Jahre in etwa gleich groß sein wird. Angesichts des EU-Embargos gegen russische Importe könnte sich der Prozess der Umorientierung auf China jedoch leicht beschleunigen. China könnte innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahren zum wichtigsten Handelspartner Russlands werden. Infolgedessen wäre der Handel Russlands mit seinem neuen wichtigsten Handelspartner vor jeglicher äußeren Einflussnahme geschützt. (…)
Der Aufstieg Chinas zum alleinigen oder wichtigsten Abnehmer einiger russischer Produkte und der Handel in Yuan werden für die russischen Exporteure wahrscheinlich einige Preisverluste bedeuten. Unter den derzeitigen schwierigen Bedingungen können sie jedoch kaum als kritisch angesehen werden. (…)
China könnte ein erhebliches Interesse daran haben, russische Rohstoffexporte zu sich umzuleiten und gleichzeitig in Yuan umzuwandeln. In diesem Fall profitierte Peking nicht nur von zahlreichen politischen und strategischen, sondern auch von enormen wirtschaftlichen Vorteilen. Unter anderem würde Chinas eigener Schutz vor Sanktionen und Blockadeversuchen drastisch wachsen, die Kosten für erworbene Ressourcen sinken und die Rolle des Yuan im Welthandel dramatisch ansteigen (die Internationalisierung des Yuan ist ein wichtiger Bereich der chinesischen Politik).
Die russischen Kapitalisten scheinen sich also ökonomisch durchaus vorbereitet zu haben. Gleichzeitig sehen sie, was auf die zukommt: Die Chinesen werden gewinnen, und Russland hat keine Wahl. Auch die russische Presse (Zusammenfassung auf Englisch) sieht das so.
Der Preis dafür wird sein, dass die von Moskau seit vielen Jahren verfolgte Politik der Diversifizierung seiner Beziehungen zu Asien unterminiert wird. Russland wird gezwungen sein, im Einklang mit Chinas Asienpolitik zu handeln, nicht nur, um die Vereinigten Staaten einzudämmen, sondern auch, um die Verbündeten der USA, allen voran Japan, zu konfrontieren…..“
Man kann das mit einer unverdächtigen „westlichen“ Expertise konfrontieren, die zum dem Schluss kommt, dass Russland auf jeden Fall gewinnen wird. Der US-amerikanische Kapitalist Andy Schectman meint auf QTR’s Fringe Finance, der Krieg sei gleichzeitig das Ende des Dollars als Leitwährung:
The United States has militarized the dollar by restricting its use by countries the administration wishes to punish, such as Iran and Russia. A reserve currency is supposed to be available to everyone, not just the nations we choose.
This is the death knell to the dollar. Countries around the globe are coming to realize that the U.S. cannot be trusted and that anyone can be locked out of the swift system at a whim. China and Russia hold the most gold in the world, after the U.S., but that is if you believe that we still actually have the 8,000+ tonnes at Fort Knox and that our gold is not incumbered – pledged to other countries – and that is a big “if.”

* Wer das nicht sehen kann und keine Lust hat, zu technischen Lösungen zu greifen, die Zensur zu umgehen:
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cdn.rt.com/app/rtnews.apk
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– rtde.xyz
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