Russische Märsche oder: Noch ein 1000-jähriges Reich

sussanin
Iwan Sussanin auf dem Nationaldenkmal Tausend Jahre Russland in Weliki Nowgorod

Ein Leben für den Zaren – habe ich nie gehört – allein schon der Titel schreckt ab. Vielleicht sollte man sich mit dem Plot der Oper befassen, um etwas darüber zu lernen, wie „der Russe“ so denkt. Ein Bauer, den den Zaren vor den pöhsen Polen rettet, von denen ermordet und damit zum nationalen Märtyrer wird – das wäre ungefähr so, als hätte Thomas Müntzer sein Leben für Georg den Bärtigen geopfert.

Die nationalen Mythen sagen immer viel aus über das Verhältnis der herrschenden Klassen und den Untertanen – oder darüber, wie jene es gern hätten. In Russland feiert man auch einen Tag der Einheit des Volkes, also reaktionären Kitsch, der die Klassenunterschiede leugnet und stattdessen ein Gemeinschaftsgefühl zwischen Kapital und Arbeit erzeugen will, was der Realität im Kapitalismus widerspricht. Da wundert es nicht, dass die Teilnehmer und Organisatoren der Russischen Märsche (darunter früher auch der so genannte „Oppositionelle“ Nawalny, das Hätschelkind der westlichen Medien) gern die Mumie Lenins aus dem Kreml verbannt hätten. Vermutlich ist der ihnen zu kosmopolitisch und „unrussisch“, wie Rosa Luxemburg den Polen heute suspekt ist, weil sie den polnischen Nationalismus kritisierte.

Was im ideologischen Mainstream Russlands zur Zeit herumschwimmt, lässt einen fragen, ob es die Sowjetunion jemals gegeben hat und ob die noch alle Tassen im Schrank haben. Die sind ideologisch total verwahrlost, und man muss vermuten, dass bald, wie schon in Polen, die Lektüre von Marx nicht mehr möglich ist. Auf RT Deutsch lässt man einen Herrn zu Wort kommen, der das demonstriert: Valeri Korowin ist Direktor des Zentrums für Geopolitische Expertise, Leiter der Informations- und analytischen Abteilung der öffentlichen Nichtregierungsorganisation Internationale Eurasische Bewegung und ein Vize-Leiter der NGO selbst, Journalist, Publizist, Politologe und Philosoph, Experte im Zentrum für geopolitische Expertise des Expertenbeirats für Fragen der nationalen Sicherheit beim Vorsitzenden der Staatsduma der Russischen Föderation.

Har har. Allein schon das Herumgeschwurbel mit merkwürdigen Titeln macht einen misstrauisch. „Journalist, Publizist, Politologe und Philosoph, Experte“ – ja klar, bin ich auch alles. Dieser Korowin hat patriotische Ansichten, als hätten russische Versionen von NPD und MLPD fusioniert. (Chor skandiert dissonant im Hintergrund: Alain de Benoist! Carl Schmitt!)

Lauschen wir kurz hinein:
Taiwan ist für China das, was die Ukraine für Russland ist – und sowohl die Ukraine als auch Taiwan gingen aus geopolitischen Konfrontationen hervor, die vom Westen initiiert worden waren.

Die Ukraine ist ein Projekt des Westens mit dem von Anfang an gesetzten Ziel, ein Fragment von Großrussland abzutrennen. Mit anderen Worten: Die Ukraine ist ein politisches Projekt, das von der österreichisch-ungarischen Regierung in Auftrag gegeben und später von Deutschland und Polen mitgetragen worden war – und zwar mit dem Ziel, das Russische Reich zu schwächen und einen Teil seiner Gebiete zu entfremden. Ursprünglich hatte das Projekt auf dem Mythos beruht, dass im Südwesten des Russischen Reiches ein besonderes Volk lebe – und dass der Raum Südwestrusslands selbst nichts anderes als die Ukraine sei, die da die Unabhängigkeit von Russland erringen müsse, koste es, was es wolle. (…)

Aus geopolitischer Sicht ist die Ukraine ein wichtiger Teil des Großen Russlands, ohne den Russland nach den Worten des verstorbenen Zbigniew Brzeziński aufhört, eine eurasische Supermacht zu sein, und sich in ein asiatisches Regionalreich mit einer Reihe von Konflikten mit seinen Nachbarn verwandelt – wohingegen ein mit der Ukraine vereintes Russland automatisch ein Imperium werde.

O heilige Sch….! Wenn man sich ausmalt, auf welchem weltanschaulichen Pferd Putin gerade reitet, wenn er mit dieser völkischen Mischpoke anbandelt – es ist auf jedem Fall tiefbraun.

Bonus: Make Alaska russian again:
Ganz zu schweigen vom freien und unabhängigen Alaska, das seit hundert Jahren unter der Unterdrückung durch US-Kolonialisten leidet – und wo, inmitten des glitzernden Schnees und der Nordlichter, die russischen Iskander-Raketen sich besonders gut machen würden.

Dramatisch

dramatische lage

Burks‘ kleiner Lehrgang in Agitation und Propaganda: Zwei Möglichkeiten, die Situation in Mariupol bildlich darzustellen. Welche wählen wir und warum?

By the way: Ich finde auch die intellektuelle Lage deutscher Medien dramatisch.

Homo Hominem

axel void

Ich hatte bisher übersehen, dass sich der Künstler Axel Void dort auch mit seinem Namen verewigt hat. Große Kunst! Und vermutlich eine der meistfotografierten Hauswände in Kreuzberg., obwohl nur wenige wissen werden, woher der Satz kommt und was er bedeutet.

CPIM tells the truth

indian express

Was importieren wir eigentlich aus Kerala?

Unter dem roten Banner

Lenin

Es gelang den Bolschewiken im nun folgenden Bürgerkrieg, den Großteil der Gebiete des ehemaligen Russischen Reiches unter ihre Kontrolle zu bringen und den Widerstand der Weißen Armeen und auch anderer gegnerischer Bürgerkriegsparteien militärisch und durch Einsatz des roten Terrors als Reaktion auf den weißen Terror zu brechen, trotz der materiellen Unterstützung der Weißen Armee durch zahlreiche ausländische Mächte und der zeitweiligen Besetzung russischer Gebiete durch andere Staaten. (Wikipedia)

Irgendwie wiederholt sich alles, aber jetzt als Tragödie, nicht als Farce. Bemerkenswert, dass die russische Armee, die bekanntlich nicht mehr die Rote Armee ist, noch deren Ikonen und Kostüme benutzt. Vielleicht ist ja sogar die Taktik aktuell, natürlich auch bei den Ukrainern.

Aber Lenin?! Der steht offenbar nicht mehr als Symbol für den Bolschewismus, sondern für die russische Regionalmacht das russische Imperium. Vermutlich würde sich der Genosse Wladimir Iljitsch Uljanow im Grabe umdrehen, wenn er nicht eine Art Mumie wäre. Man könnte ja auch stattdessen auf die Idee kommen, ein Denkmal für Fanny Kaplan oder Marija Spiridonowa aufzustellen. Oder die Ukraine macht das. (Wird sie nicht, darauf wette ich.)

flag soviet union

Ich habe einen Verdacht, warum das so ist. Der russische Kapitalismus bietet nicht genug Möglichkeiten, die Emotionen hoch kochen zu lassen, wie das Volk es liebt, ist doch das, worauf man stolz glaubt sein zu müssen (ist die Wortstellung korrekt?), nur der übliche Unfug wie Nation, Volk und Vaterland, womit bekanntlich das Kostüm der herrschenden Klasse gemeint ist oder andere ideologischen Opiate. Die große Erzählung vom Vaterländischen Krieg bietet immerhin die Möglichkeit, dass die Guten (drinnen) und die Bösen (draußen) klar getrennt sind, was die jeweils ausgedachte Moral und die Maximen was tun und und zu lassen sei, einfacher macht. Vergleichbar und Mythen-schwangere Heldenepen sind ebenso lange Märsche wie in China, bei den Mormonen oder wie der gar nicht real stattgefundene Marsch des Volkes Israel aus Ägypten.

Deswegen nutzen die Russen jetzt die rote Siegesfahne. Putin hatte schon 2007 ein Gesetz abgelehnt, das Hammer und Sichel verschwinden lassen sollte. Ich finde die ja auch schöner als eine nüchterne Kombination irgendwelcher Farben.

flag soviet union

Die Grünen. Da weiß man, was man bekommt.

sumjenny

Der Herr, der den Atomkrieg gegen Russland fordert, war Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew von 2015-2021.

I do not believe that civilization will be wiped out in a war fought with the atomic bomb. Perhaps two-thirds of the people of the earth will be killed. (Albert Einstein)

Last Man Standing

mariupol

Die letzten Verteidiger der strategisch wichtigen Hafenstadt „werden bis zum Ende kämpfen“, sagte der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal. Aha. Sie sollen also in aussichtloser Lage Märtyrer werden? Warum? Süß und ehrenvoll ist es, für die Oligarchen zu sterben? Merkt ihr noch was? Oder wartet ihr auch auf Jungfrauen im Paradies?

Warum die neue deutsche Volksgemeinschaft so glücklich macht und noch mehr

volksgemeinschaft

Ich musste überlegen, wann ich zum letzten Mal so etwas Dämliches gelesen hatte. Die Frage, ob das noch Journalismus sei, lassen wir mal so stehen. Das Bild lässt mich Kotzen. Jedes Wort lässt mich Kotzen. Neu. Deutsch. Und dann diese „Hilfsbereitschaft“, die nur nur verkappter Egoismus ist und eine paternalistische Attitude. Um das klarzustellen: Ich habe nichts dagegen, zweifle aber an den Motiven und jetzt erst recht, wenn Menschen aus der Ukraine kommen. Was wäre, wenn es Russen wäre? Nein, noch besser: Flüchtlinge aus Mali? Oder aus dem Jemen? (Der Chor der „Linken“ im Off: Alle aufnehmen, wir nehmen wirklich alle!)

Wir bleiben beim Thema. Noch mal der hier schon zitierte Fabian Lehr: „Was mich aber immer noch ziemlich irritiert ist ein Take, der mir in Diskussionen mit grünen und liberalen Slawa Ukraini-Leuten schon mindestens ein halbes Dutzend Mal begegnet ist: Regelmäßig wird mir an einem bestimmten Punkt der Diskussion in triumphierendem Ton das vermeintlich überwältigende Argument entgegengeschleudert „Aber lass mich raten: Wenn Deutschland überfallen würde, würdest du das plötzlich ganz anders sehen??!!“
Äh, nein, würde ich nicht? Selbstverständlich würde ich keine Sekunde in Erwägung ziehen, für die Verteidigung der territorialen Integrität der BRD mein Leben zu riskieren oder irgendjemanden zu töten? Selbstverständlich würde ich die Frage, ob die Pfalz französisch, die Lausitz polnisch oder Bayern österreichisch wird, für keine Frage halten, die Sterben und Töten für Deutschland zum Gebot macht?
Wenn man das erwidert, sind die Leute darüber dann meistens entweder ungläubig („Jaja, das sagst du JETZT, solange es nur ein Gedankenspiel ist“) oder empört und irritiert. Dass es Menschen gibt, die sich wirklich nicht mit ihrem Staat identifizieren und den Grundsatz „Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben“ nicht einleuchtend finden, scheinen Grüne und Liberale sich 2022 tatsächlich überhaupt nicht mehr vorstellen zu können.“

Well said, dude.

newd.cn
Verwenden die bei news.cn noch Windows 3.11? Eine Datei, die auf „htm“ endet? Ich musste übrigens extra auf Android umschalten, um das überhaupt lesen zu können – alle meine Browser unter Linux weigern sich.

Dann waren da noch die Chinesen. Peking hat die Vereinigten Staaten von Amerika aufgefordert, alle offiziellen Kontakte zu Taiwan abzubrechen. Das erklärte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Lijian am Freitag, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Am 15. April hat das Kommando des östlichen Schauplatzes der chinesischen Volksbefreiungsarmee Kriegsschiffe, Bomber, Kampfjets und andere Kräfte entsandt, um Mehrzweck-Kampfpatrouillen zu organisieren und See- und Luftübungen im Ostchinesischen Meer und um die Insel Taiwan durchzuführen.“

Au weia. Zum Glück kommt mein Gas zum Kochen, Heizen und Duschen nicht aus China. Noch wieder andere Chinesen schildern das Geschehen in Mariupol.

Max Hoelz
Franz Seiwert: Figurative Constructivist painting of Max Hölz 1921

Und now for something completely different. Am 15. April 1921 wurde Max Hoelz in Berlin verhaftet. Als Arbeiterführer in Sachsen stellte Hoelz – entgegen dem Willen der KPD-Führung – bewaffnete Kampfgruppen auf, die 1920/21 im Vogtland den nach ihm benannten, stark von anarchistischen Vorstellungen geprägten Aufstand initiierten. Mehrere Tage lang lieferten sich linke Republikfeinde mit der Polizei einen regelrechten Krieg. Wegen dieser Aktivitäten schloss ihn die KPD mit der Begründung der Disziplinlosigkeit aus. Hoelz schloss sich nun der linkskommunistischen KAPD an, der er bis Mitte der 1920er Jahre angehörte.

Hoelz wirkte 1921 an mehreren Sprengstoffanschlägen gegen Symbole der „Reaktion“ mit. 1921 wurde er zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Dabei spielte auch der Mord am Gutsbesitzer Heß eine Rolle, der Hoelz zur Last gelegt wurde. Doch später fand sich der eigentliche Täter. Anlässlich der 1927 erschienenen Zuchthausbriefe von Hoelz, die von dem bekannten Journalisten Egon Erwin Kisch herausgegeben worden waren, wurde ein Aufruf zahlreicher Intellektueller der Republik (Bert Brecht, Martin Buber, Otto Dix, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Carl Froelich, Heinrich Mann, Thomas Mann, Ernst Rowohlt, Arnold Zweig etc.) zur „Nachprüfung“ des Urteils veröffentlicht. Am 18. Juli 1928 wurde Hoelz, der zwischenzeitlich wieder der KPD beigetreten war, amnestiert und freigelassen. 1929 emigrierte er auf Einladung Josef Stalins in die UdSSR. 1933 kam er unter ungeklärten Umständen ums Leben.

sewastopol
Russische Flotte in Sewastopol. Iwan Aiwasowski, 1846

Da wäre noch: Die Araber räsonnieren über die russische Marine. (Araber? Über Marine?) Dann doch eher Kachelmann: „Manchmal wünschte ich mir, dass es bei Medien einen Recherche-Impetus gäbe, der oberhalb desjenigen eines abgetauten Kühlschranks wäre und der mit einem Zeitaufwand von zwei Minuten (…) nachsieht, ob es wirklich einen Sturm gab und das Ergebnis gleich in die Meldung einbaut.“

Frage an Radio Eriwan: Ist das Feuer auf der Moskwa inzwischen gelöscht?
Radio Eriwan: Im Prinzip Ja.

Antisemitenpack, revisited

„Die jüngsten Irritationen löste die am 10. April abgehaltene Vollversammlung des Berliner Landesverbandes der Linksjugend aus. Dort hatte eine Mehrheit der Mitglieder für einen Beschluss gestimmt, in dem unter anderem die „konsequente Benennung Israels als Apartheidsstaat“ gefordert wird. Darüber hinaus setzt sich die Linksjugend ein „bedingungsloses Rückkehrrecht für alle Palästinenser“ ein und fordert die „konsequente Benennung des Zionismus als reaktionäre, bürgerliche Ideologie“.“ (Tagesspiegel)

Es ist wie in der Ukraine: Der Landessprecher der Linksjugend [‘solid] Berlin ist Jude.

Auftakt

campus efeuweg

Hehe, mein Schwesterherz ist dort Rektorin! „An deutschen Schulen fehlen mehr als 23.000 ausgebildete Musiklehrerinnen und – lehrer. Dabei ist wissenschaftlich nachgewiesen, wie wichtig Musik für die kindliche Entwicklung ist. Deshalb startet an einer Schule in Berlin ein Musikprojekt…“ (ZDF Mediathek)

Wg.: Ukraine

ukraine

Fabian Lehr schreibt auf Fratzenbuch:
Keine andere ehemalige Sowjetrepublik hat durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und die Bildung kapitalistischer Nationalstaaten einen so extremen gesellschaftlichen Zusammenbruch erlebt wie die Ukraine. Die Ukraine war in der Sowjetunion zusammen mit den baltischen Republiken die wohlhabendste und höchstentwickeltste Sowjetrepublik (wohlhabender als Russland), erlebte im Zuge der kapitalistischen Restauration dann aber einen völligen Zusammenbruch: Ausgedrückt in Dollar mit der Kaufkraft von 2011 ist das ukrainische BIP/Kopf zwischen 1988 und 1995 von etwa 10.000$ auf etwa 4.000$ gesunken und hat bis heute nie wieder das Wohlstandsniveau der 80er Jahre erreicht. Die Lebenserwartung stürzte in den 90er Jahren um etwa 5 Jahre ab und liegt für Männer immer noch leicht unter dem Niveau der späten Sowjetunion in den 80ern.

Diese drastische Verarmung des Landes wurde durch Reste des sowjetischen Sozial- und Subventionssystems ein bisschen abgefedert, aber seit die Ukraine nach dem Umschwung von 2014 ökonomisch de facto zu einer westlichen Kolonie wurde, war damit auch immer mehr Schluss: Als Gegenleistung für die Milliardenkredite, die die Ukraine 2014 ff. bei EU, Weltbank und westlichen Banken aufnehmen musste, um die bisherigen russischen Unterstützungen auszugleichen und den Staatsbankrott abzuwenden, haben Brüssel, Washington und Co ultimativ einen neoliberalen Umbau der ukrainischen Wirtschaft, Massenentlassungen im öffentlichen Dienst und drastische Reduktionen der Sozialleistungen gefordert und erhalten – dasselbe Rezept, das dann auch die Troika in Griechenland anwandte.

Hier ist England! Ta ta ta Taaa!

war ukraine mariupol

Die BBC berichtet:
„Azov fighters and the marines have managed to defend pockets of the besieged city over the past few weeks despite dwindling resources and a fierce Russian onslaught.

If marines were surrendering en masse it would not be surprising, says Dr Aglaya Snetkov, lecturer in International Politics at University College London.

„Their supplies have been degrading, they’ve run out of food, ammunition and water – Ukrainian soldiers have posted online that their only option is either surrender or death but Kyiv authorities shut that claim down“ she said. But if thousands of Azov fighters are similarly forced to surrender, they would face a „horror show“ at the hands of Russian soldiers, she added. „Many will be killed and many will be made to go in front of Russian TV cameras to recount what they’ve done.

„It will effectively be the end of the Azov battalion which is a major part of the Russian narrative as to why they’re engaged in what they’re doing in Ukraine….to fight the ‚Nazis‚.“

Es hat sich doch etwas geändert, seitdem die BBC Feindsender war und Karl-Eduard dort arbeitete. Damals setzten sie Nazis nicht in Anführungszeichen.

Zweifellos

mariupol
Mariupol gestern, der Rauch im Hintergrund kommt von Azovstahl, wo sich die letzten Nazis verschanzt haben.

Das wird es sein. Daran gibt es keinen Zweifel.

Kann es sein, dass ein führendes Mitglied des Ausschusses, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisklasse in der Ukraine verwaltet, schon aus beruflichen Gründen einen Hang zur Theatralik hat?

Gute Nachrichten Ein Drittel der Deutschen hat erkannt, dass die Herrschaft der Bourgeoisie im Kapitalismus nur eine Scheindemokrokratie ist. Irgendwie fällt es mir heute schwer, einen Anfang zu finden. Neuer Versuch:

„Wir leben in einer Scheindemokratie, in der die Bürger nichts zu sagen haben“, meinen 31 Prozent der deutschen Bevölkerung. Auffällig dabei ist der Ost-West-Unterschied: Im Westen sind 28 Prozent der Meinung, in einer Scheindemokratie zu leben; im Osten ist es fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent).

Ich habe gestern wutentbrannt ganz entspannt mein „Welt“-Abo gekündigt. Dort wird man noch mehr als bisher nur antirussische Propaganda lesen werden (Futur II hört sich immer kompliziert an). Ich habe prinzipiell nichts dagegen, konsumiere ich doch durchaus auch die bürgerliche Presse sogar die hierzulande zensierte Presse. Das verändert mein Weltbild nicht. Ich will es aber „ausgewogen“, von allem etwas. Kakophonie ist besser als Euphonie.

Don Alphonso ist unterhaltsam, schreibt aber nur noch für Eigenheimbesitzer und Liebhaber italienischer Fahrräder und für den reaktionären Teil der Kleinbourgeoisie. Deniz Yücel ist mittlerweile zahm geworden – das mag aber dem Martyrium in türkischen Gefängnissen geschuldet sein. Harald Martenstein ist immer dann gut, wenn er über Berlinerisches schreibt – aber in der „Welt“ wird das weniger vorkommen.

Ich habe jetzt nur noch den Guardian und die Online-Ausgabe der Berliner Zeitung abonniert. Letztere verzichtet auf Gendersprache und ist Nuancen anders als der „Tagesspitzel“, wie wir das Blatt früher nannten. Mehr brauche ich vermutlich nicht.

Und jetzt das Wetter. Und jetzt der Krieg. Nicht viel passiert. Alle treffen nur richtige Entscheidungen, wie gewohnt. Die Ziele sind unverändert.

Vermischtes

Punta Gorda

Revisited: Fotografiert in Punta Gorda, der südlichsten „Stadt“ in Belize. Das sind dieselbe Frau und dieselbe Hängematte im Hintergrund.

Eilmeldung: Ein Mitglied des Ausschusses, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet, ist zurückgetreten.

Was sonst noch geschah:
– Überall sind Nazis auf dem Vormarsch, nur nicht in Mariupol.

– „Dieser Krieg wird auf dem Schlachtfeld entschieden!“ – Diese Aussage des EU-Außenbeauftragten Sepp Borrell (vorbestraft) klingt ein bisschen wie die Kriegsrhetorik aus seinem Geburtsjahr (um 1840). Würde vorschlagen, ihn von EU-Chefdiplomat in EU-Chefmilitärhonk umzubenennen. (Martin Sonneborn)

– Neues aus Gaga-Land. Schwarzwälder Bote: „Platzwärterin schaut nach Nutzenden“.

– Russisch ist jetzt offizielle Sprache der FIFA. (Als wenn das jemanden interessieren würde!)

Tatkraft vortäuschen oder: Die Oligarchen haben das Sagen

Selenskyj

Neben der Süddeutschen könnte man auch die Deutsche Welle lesen: „Der neue Präsident der Ukraine versprach vor seiner Wahl und beim Amtsantritt einen radikalen Bruch mit den korrupten Eliten. Doch statt eines politischen Neuanfangs verfällt das Land in alte Muster.“ – „Selenskyj spielt zunehmend die für seine Vorgänger übliche Rolle eines Moderators unter den Oligarchen.“

Election présidentielle 2022

Die Stichwahl hat Macron in der Tasche. Danke, Putin!

Ein guter Deutscher

georg elser

Wenn das der Gröfaz gewusst hätte

asow

Selenskjy sprach online vor dem griechischen Parlament, zusammen mit zwei Nazis des ukrainischen Bataillons Asow. Einige Abgeordnete hatten die Sitzung boykottiert. Nur die Abgeordneten der Regierungspartei Neue Demokratie begrüßten Selensky.
„Es ist inakzeptabel, dass Mitglieder des Asow-Bataillons heute vor dem griechischen Parlament zusammen mit Präsident Selensky gesprochen haben“, sagte der Sekretär der Oppositionspartei SYRIZA – Progressive Allianz.

I stand with Israel!

terror agaist israel

Der Terror gegen Israel geht weiter. Für Deutsche ist es weitaus sinnvoller, diese Fahne zu zeigen anstatt die der Bandera-Versteher. Just saying. Nun entfreundet mich.

Traditionellen Werte

asow

Aus anthropologischer Sicht finde ich es normalerweise spannend, wie die Russen meinen, Propaganda machen zu müssen. Sie haben neulich stolz verbreitet, der ukrainische Nazi-Anführer sei Svyatoslav Palamasei in Mariupol liquidiert worden.

Jetzt machen sie sich immer noch über ihn lustig, aber auf eine Art, die mich an die Herrenwitze aus dem 50-er Jahren erinnert. Warum ist es denen so wichtig, über Homosexuelle beiderlei Geschlechts ihre Häme auszuschütten bzw. andere zu „bezichtigen“, sie wären schwul oder lesbisch?

Man kann natürlich auch fragen, warum es dem sexualisierten kleibürgerlichen Milieu, das man mit einer Reihe zahlloser Buchstaben, die ich nicht behalten kann, zu beschreiben beliebt, so wichtig ist, darüber zu lamentieren, wer warum welche Geschlechtsteile hat und warum nicht, statt über den tendenziellen Fall der Profitrate zu räsonnieren.

Ich verstehe es nicht. Es ist lächerlich. Deniz Yücel hat in hinter der Paywall der Welt neulich zu etwas geschrieben. Er zitierte Putin: In der Tat haben die Versuche, uns für ihre Interessen zu missbrauchen, unsere traditionellen Werte zu zerstören und uns ihre Pseudowerte aufzuzwingen, die uns, unser Volk, von innen heraus zersetzen würden, nicht aufgehört, jene Haltungen, die sie bereits aggressiv in ihren Ländern durchsetzen und die direkt zu Degradierung und Entartung führen, da sie gegen die menschliche Natur selbst gerichtet sind.

Yücel kommentiert: „Antiliberalismus meint hier die Verachtung für das, was oft als „westliche Werte“ bezeichnet wird, bei denen es tatsächlich aber nicht um kulturelle Eigenarten und Sitten geht, sondern um zivilisatorische Errungenschaften. Da auch in Deutschland – historisch gesprochen: insbesondere in Deutschland – Kultur und Zivilisation gerne verwechselt werden, zur Veranschaulichung: Bratwurst und Wandern, Borschtsch und Eisbaden sind kulturelle Güter, die man mögen kann oder nicht. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung als Teil eines umfassenden Konzepts von individueller Freiheit hingegen ist eine universalistische Idee. Basierend auf den Ideen der Aufklärung, brauchte es auch in der westlichen Welt jahrzehntelange Kämpfe, bis sie (einigermaßen) Wirklichkeit wurden – und wieder einkassiert werden können.“

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