Bayerische Aussichten

Berlin-Mitte, gesehen von Kreuzberg aus. Wolkenformen: bayerisch. Ein Zeichen?
„Scholz sieht gute Chancen auf einen SPD-Kanzler.“ Weitere Meldungen: „Satan lässt Klimaanlage in der Hölle einbauen.“ – „Polen verschenkt Schlesien an Österreich.“ – „Mohrenstraße wird in Kim-Il-Sung-Straße umbenannt.“
Was haben wir denn heute noch?
– Vorschlag: Vielleicht sollten Frauen und Männer einfach verschiedene Sprachen sprechen anstatt diesen Sternchenquatsch in Wörtern zu benutzen?
Zu diesem allseits beliebten Thema hat die Welt (Paywall):
Politiker, Vereine, Institutionen, staatliche und private Organisationen maßen sich das Recht an, ihren Mitgliedern und, in diesem Fall muss man sogar das altertümliche Wort verwenden, „Untertanen‟ einen bestimmten Sprachgebrauch zu diktieren.
Denn um ein Diktat handelt es sich. Wer ausschert, ist ein Paria. Es wird ein sektenartiger Verhaltenskodex aufgestellt, der jeden Andersdenkenden zum Anderen stempelt. Das hat es in 1000 Jahren deutscher Sprachentwicklung nicht gegeben.
– Martin Beglinger in der NZZ: „Der Fundamentalismus breitet sich aus: Die real existierende Misere des Islam. Der Soziologe Ruud Koopmans seziert so schonungslos wie präzise die Lage der muslimischen Welt. Dabei hält er sich an die Empirie – und verzichtet auf ideologische Diskussionen.“
Ich behaupte nicht, dass es sich um eine marxistische Religionskritik handele, die den Überbau korrekt aus der Basis ableitet. Ich finde Denkanstöße anregend. und der Artikel ist besser als das, was man gewöhnlich in deutschen Medien geboten bekommt.
– Auch interessant: „Als sich Barak und Arafat gegenseitig an Höflichkeit überboten. Vor 20 Jahren trafen sich der damalige israelische Premier Barak und Palästinenserführer Arafat zu Friedensgesprächen in den USA. Was genau verhandelt wurde, ist bis heute nicht klar. Ein Ergebnis brachte der geheime Austausch in Camp David jedoch nicht.“
Urich Sahm kommentiert: „Warum die Linke in Israel implodiert ist und warum es keinen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1949 geben wird: das endgültige Scheitern des Oslo-Friedensprozesses und der Zweistaatenlösung vor 20 Jahren (wovon der deutsche Bundestag bis heute nichts mitbekommen hat). Jeder Rückzug, jede Schwäche der Israelis wird von ihren Feinden nicht als Entgegenkommen, sondern als Signal zum Losschlagen gewertet.“
– Wenn Söder Bundeskanzler ist, wird es wieder ein deutsches Raumfahrtprogramm geben. Der erste Astronaut wird dann vermutlich Friedrich Merz sein.
-Zum Schuss schon wieder die verflixte deutsche Sprache:
Ich saß eben unter der Rotzeder, in die sich die Zwergelstern wegen des Baumentasters verkrochen hatten, im Park.
Mir gegenüber ein Gebäude mit klassischem Altbaucharme, vor dem der Kreischorverband, zu Ehren der FIugentenzucht, unter Beinhaltung der Brotherstellung, sang und Bratheringe verkaufte.
Als dann aber ein Urinsekt seine Versenkantenne ausfuhr und die Musik aufdrehte, bin ich weg. (Norbert Löffler)
Es lebe usw.
Wenn ich mich recht erinnere, habe ich damals ein Polaroid-Foto gemacht. Jetzt dürft ihr herausfinden, wo und wann das war.
Vue aérienne de Paris
Paris, auf dem Rückflug von Südamerika (1982). Links unten der Bois de Bologne, auf der Halbinsel die Stadtteile Nanterre und Colombes. Das Zentrum ist rechts unten.
Frauenpower

Frauen-Power in Maos China:
Aufs tatkräftigste holt Li Dsching-Beng aus, um gemäß der weisen Lehren des Großen Vorsitzenden des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas ihren nichtsnutzigen Gemahl mit unwiderstehbarem Tritt in den gähnenden Abgrund der Vergessenheit zu befördern! (Gerhard Seyfried)
Keine Schrauben zu wenig
Mein Großneffe wird heute vier Jahre alt. Ich habe ihm was freestyle gebaut. Gut für die Feinmotorik, geht nicht kaputt und hat niemand sonst. Wie hier schon angekündigt, hatte ich mich bundesweit antiquarisch eingedeckt. Auf deutschem Boden darf nie wieder eine Schraube zu wenig sein.
Allesfressende Schwarmintelligenz
Die Ameisen auf meinem Balkon bilden Ameisenketten und helfen sich gegenseitig über den Abgrund. Ich bekämpfe sie nicht wirklich. Ich schütte ihnen nur manchmal Kaffeesatz über den Kopf, damit sie sich daran erinnern, wo Gott wohnt.
These: Schwarmintelligenz findet man u.a. bei Ameisen und Fischen, aber beim Homo sapiens offenbar nicht.
Kapitäne der Badewanne
Der Tag fängt gut an. (Versucht nicht, den Titel des Aufsatzes zu entziffern.)
By the way: „Kolumnisten haben Entlastungsfunktionen. So wird der Eindruck erweckt, in dieser Zeitung dürfe geschrieben werden, wie und was die Schreiber wollen … Sie werden relativ gut bezahlt, ihre Namen werden fett gedruckt. Kolumnen sind Luxusartikel, Kolumnisten sind Stars, in ihrer Badewanne sind sie Kapitän.“ (Ulrike Meinhof)
Gilt das auch für Blogger? Ich schrob schrieb auf Fratzenbuch: „Heute werden sie nicht gut bezahlt, ihr Wert bemisst sich in der Anzahl der Twitter-Hashtags. Freiberufliche Journalisten können heute nicht von ihrem Honorar leben, genausowenig wie Hengameh Yaghoobifarah. Sie hat entweder reiche Eltern, macht das Schreiben als Hobby und ist Aufstockerin oder hat eine wohlhabende Lebensabschnittsgefährtin.“ Ich weiß, wieviel in der Branche wofür bezahlt wird.
Wird man ja mal fragen dürfen. Klassenstandpunkt und so. Zum Thema hat das Neue Deutschland einen guten Artikel: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns – Solidarität und Müll: Die Zuteilung von Identitätsrechten schreibt jene Ungleichheit fest, die eigentlich aufgelöst werden soll“.
Aber Aufklärung der Diversitysten wird nicht helfen. (Manchmal ist das Deutsche ungenau: Gemeint ist das Passiv – sie werden aufgeklärt – Widerstand ist zwecklos!)
By the way II: Müssen die Bismarckheringe nicht jetzt umbenannt werden? Vielleicht zu Yuhki-Kamatani-Hering?
In Ungnade oder: Zombies und der Twitter-Mob-Slacktivism

Drei Frauen am Pranger, China, Anonym, um 1875
Cancel culture refers to the popular practice of withdrawing support for (canceling) public figures and companies after they have done or said something considered objectionable or offensive. Cancel culture is generally discussed as being performed on social media in the form of group shaming.
Der Tagesspiegel publizierte vor einem Jahr eine überraschend kritische Definition:
Gerade nach #Metoo erwuchs in den sozialen Netzwerken eine Praxis, die heute im englischsprachigen Raum als „Cancel Culture“ zusammengefasst wird. Ziel ist die systematische Boykottierung und „Annullierung“ einer Person, die durch zweifelhafte Aussagen oder diskriminierende Handlungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Eine Verbannung aus dem öffentlichen Leben als Strafmaß für Verstöße gegen die politische Korrektheit.
Markus Gelau (Link führt zu RT Deutsch – der Twitter-Mob würde gleich triggern!) schrieb auf Fratzenbuch:
Es gibt im Englischen einen Begriff für die moderne Form des Bildersturms, dessen Zeugen wir werden: Man spricht von Cancel Culture. Alles, was nicht den moralischen Anforderungen genügt, muss den Augen und Ohren entzogen werden. Das können Filme sein. Oder Denkmäler. Oder Straßennamen. Wer glaubt, der Bildersturm gehe an Deutschland vorbei, hält die Grüne Jugend auch für eine Nachfolgeorganisation der Pfadfinder. Was geht da vor sich? John Cleese hat eine Theorie. Je emotional instabiler ein Mensch sei, desto größer seine Neigung, sich aufzuregen. „Wenn Leute ihre eigenen Emotionen nicht im Griff haben, müssen sie anfangen, das Verhalten anderer zu kontrollieren“, sagte er in einem Interview. Ich glaube, da ist was dran.
Schwache Charaktere neigen zur Identifikation mit dem Stärkeren, deshalb üben Ideologien auf sie einen so großen Reiz aus. Sie sind auch die Ersten, die ihre Loyalität durch besondere Aufmerksamkeit gegenüber Glaubensverstößen unter Beweis stellen. Es sind selten die gefestigten, in sich ruhenden Persönlichkeiten, die überall moralische Verfehlungen wittern – es sind in der Regel die Unglücklichen, vom Schicksal Niedergedrückten und Gebeutelten.
Mein Verdacht ist, dass der Kampf gegen den Rassismus die Empörungsbereitschaft auch deshalb befördert, weil viele Teilnehmer den Vorwurf fürchten, sie wollten sich in Wahrheit nur auf die Schnelle ein gutes Gewissen verschaffen. Es gibt für diese Form des Protests, der bequem zwischen Yogastunde und Urlaubsplanung passt, ebenfalls schon ein Wort: Slacktivism. Es ist eine Kombination aus „Aktivismus“ und „Slacker“, dem englischen Begriff für „Bummelant“.

Frans Hogenberg: The Calvinist Iconoclastic Riot of August 20, 1566 (Hamburg, Kunsthalle). Text: Nach wenigh Predication / Die Calvinische Religion / Das bildenssturmen fiengen an / Das nicht ein bildt davon bleib stan / Kap Monstrantz, kilch, auch die altar / und wess sonst dort vor handen war / Zerbrochen all in kurtzer stundt / Gleich gar vil leuten das ist kundt. Anno Dnj. M. D. LXVI XX Augusti
Das ist zwar phänotypisch richtig beobachtet, zu psychologisieren greift aber zu kurz. Ich stelle die Klassen-, nicht die Charakterfrage: Welche sozialen Klassen betreiben (Online-)Pranger – und immer öfter? Und warum?
Das ist ganz einfach. Interessiert so ein Quatsch die herrschende Klasse? Nur, wenn der Profit sänke. Auch das ununübersetzbare Diversity wird nur akzeptiert, weil man sonst die zahlungskräftigen Mittelschichten tendenziell als Käufer verlöre.
Was sagt das Proletariat ähm… die Unterschicht die Arbeiterinnen dazu? Die haben eh keine Zeit, sich damit zu beschäftigen, weil sie andere Sorgen plagen. („Liebe Arbeiter*innen, wir müssen Sie leider freisetzen…“ Dagegen hätte unsere politisch korrekte Sprachpolizei vermutlich nichts.)
Der politische Ikonklasmus ist weder „links“ noch irgendwie fortschrittlich. Diese Leute sind nur die Wiedergänger des Protestantismus unter kapitalistischen Bedingungen: Den Mittelschichten, die zwischen denen da oben und denen da unten ökonomisch zerrieben werden, fällt, wie gewohnt, nichts besseres ein, als auf ein „korrektes“ (Sprach)Verhalten zu pochen, als sei damit ihr sozialer Status garantiert, was – auch wie gewohnt – ein tragischer Irrtum ist.
Mein Mitleid für diese Art des schleimigen moralischen Opportunismus hält sich in Grenzen. Das gilt auch für die „Diversity“-Mischpoke. Wenn es hart auf hart käme, würden die sich alle in die Arme der Herrschenden flüchten und mit dem denunzierenden Finger auf die da unten zeigen, die sich nicht so verhalten, wie die Gendersprecher „man“ es soll. (Pegida lässt grüßen.)
#Denkmalsturz und Ikonoklasmus
„Jede Aufzeichnung wurde vernichtet oder verfälscht, jedes Buch überholt, jedes Bild übermalt, jedes Denkmal, jede Straße und jedes Gebäude umbenannt, jedes Datum geändert. Und dieses Verfahren geht von Tag zu Tag und von Minute zu Minute weiter.“ (Goerge Orwell, 1984)
Die antisemitische Stalinisten-Sekte MLPD stellt sich irgendwie gegen den Trend und stellt ein Denkmal für Lenin auf. Immerhin nicht Stalin, das trauen sie sich doch nicht.
Mir fällt dazu Marcel Mauss Soziologie und Anthropologie I. Theorie der Magie. Soziale Morphologie ein. Der magische Ritus spiele sich „in einem ausdifferenzierten magischen Milieu ab, das sich (…) von anderen Milieus abgrenzt und unterschieden werden soll. Streng genommen genügen eine einfache Haltung, ein Gemurmel, ein Wort, eine Geste oder ein Blick, um anzuzeigen, daß dieses Milieu vorliegt.“
Magie ist nicht „primitiv“, sondern immer und in jeder Gesellschaft, unterhalb der Ebene der Religionen oder ist Teil dieser.
Die Bilder- und Denkmalstürmerei ist selbstredend eine magische Handlung. Vermuteten die Stürmer, dass diese Denkmäler nicht wirkten, brauchten sie diese auch nicht zu zerstören. Die Pointe ist also, dass diejenigen, die am stärksten gegen die Ikonen des jeweils neu zu definierende Böse vorgehen, am meisten daran glauben.
„Wir müssen die Magie als ein System apriorischer Induktionen ansehen, die unter dem Druck von Bedürfnissen von Gruppen von Individuen vollzogen werden.“
Welche Gruppe? Natürlich das neue Kleinbürgertum, das von oben unter Druck steht und das sich „rein“ halten will, weil – so das magische Denken – durch „Purifikation“ (das Bedürfnis) die Gruppe stabil bleibt. Das gilt für Sprache (vgl. Gendersprache), Bilder und Denkmäler bzw. Skulpturen.
Mauss meint einleuchtend, dass die ikonoklastische magische Handlung „der Religion in ihrer Sühnefunktion Konkurrenz macht.“ Schuld und Sühne – etwas Erzprotestantisches, was nicht zufällig in den USA und in Deutschland den Furor der Sitten- und Tugendwächterinnen hervorbringt. „Zwischen dem Wunsch und seiner Verwirklichung gibt es in der Magie keinen Zwischenraum.“
(Man müsste statistisch untersuchen, ob diejenigen, die Denkmäler umwerfen, auch dem Veganismus-Asketismus huldigen vegan essen und Gendersternchen benutzen. Ich will jetzt nicht anfangen zu wetten…)
Ich empfehle einen klugen Artikel von Gesine Krüger: #Denkmalsturz:
Wo soll das alles enden? Wer stünde noch zur Disposition – Churchill, Bismarck, alle Nationalhelden der westlichen Welt? Kant gar? Doch hinter der Frage, wo soll das enden, verbirgt sich oft die Angst, überhaupt anzufangen. Und sie zeigt, dass es tatsächlich erst einmal kein Ende gibt, denn so vernetzt, global die Proteste sind, so vernetzt und global, so tief verankert in der Gesellschaft waren Sklavenhandel und Kolonialismus. (…) Wem wollen wir Denkmäler setzen und in welcher Form? Das ist vielleicht die bessere Frage als die, wer weg soll.
Wellenförmig

SCNR!
Sprachsteuerung 2.0
Herunterladen der Corona-App per Sprachsteuerung. By the way: Niemand hat die Absicht, eine Pflicht zum Besitz eines Smartphones einzuführen.
Nehmt dies, Bilderstürmer!
In Zeiten, in denen ein gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht, dass große Mehrzweckhallen in Stuttgart-Cannstadt nach einem SS-Hauptsturmführer benannt werden konnten, sollten die protestantisch geprägten Bilderstürmer sich zurückhalten, wenn es darum geht, Straßen umzubenennen, die nach Personen benannt sind, die schon lange tot sind und die kaum jemand noch kennt. (Ist der Satz jetzt zu kompliziert? Soll ich den für die Nachgeborenen und Studenten noch mal in Schlichtdeutsch umdichten?)
Blume mit Leidenschaft
Meine Passionsblume überrascht mich mit einer Blüte. Also ist sie doch winterfest.
Herdentrieb in der vollendeten Zukunft

SAIS Túpac Amaru (La Sociedad Agrícola de Interés Social “Tùpac Amaru” Ltda.. Nº 1), Peru 1979
Der deutsche Hang, sicher immer der Mehrheitsmeinung anschließen zu wollen, zum Opportunismus und zur untertänigsten Kriecherei gegenüber den Herrschenden könnten nützlich sein, wenn erst der Kommunismus gesiegt haben wird. (Ich schreibe das ausschließlich mit der Absicht, hier das seltene Futur II vorzustellen.)
Durch- und hochbrettern et al
Ich fuhr im Walde so vor mich hin. Plötzlich tauchten rechts und links verwitterte Grabsteine auf. Laut Google gehören die zum Friedhof Baumschulenweg. Trotzdem komisch – vielleicht ist das der alte Teil, den man einfach zuwachsen lässt?
Ich gebe übrigens zu, dass ich nur auf die Insel der Jugend gefahren bin, um mit dem Mountain-E-Bike den steilen Anstieg der Brücke (Foto unten) mit mehr als 20 km/h hinaufbrettern zu können.
Besuch bei der Antifa
Never forget: (jetzt kommt eine kühne These!) Wenn es keine russische Revolution gegeben hätte und keine Rote Armee, wäre jetzt ganz Osteuropa unter der Herrschaft der Nationalsozialisten. (Ganz oben auf dem Bild schwebt eine Drohne. Ich habe den Besitzer ausgefragt: Das Teil kostete über 1.000 Euro.)
TL;DR, schon klar
Heute musste ich zur Polizei, nicht etwas, weil sich heute vor 40 Jahren die Bewegung 2. Juni aufgelöst hatte, sondern um des neuen Fahrrads wegen und um es zu chippen kennzeichnen zu lassen. Nach dieser Aktion bin ich noch flugs den Humboldthain hinaufgeradelt – ja, geradelt mit rund 20 km/h trotz der anspruchsvollen Steigung bis hin zum ehemaligen Hochbunker bzw. Flakturm auf der Spitze. So ein kleiner elektrischer Motor unter dem Allerwertesten ist schon praktisch!
Ach ja, Trump. Es ist ermüdend. Alle haben schon etwas geschrieben, nur ich nicht. Ich halte diejenigen, die Trump permanent kritisieren, für total naiv. Sie täuschen sich (Vorsicht! Orthodoxe marxistische Termini!) über den Charakter (Vorsicht! Zwei Genitive hintereinander!) der Klassenherrschaft des Kapitals im Kapitalismus.
Zum Erinnern: Der US-amerikanische Präsident sitzt einem Gremium vor, das auch als „Regierung“ bekannt ist und das schon Marx schlicht und treffend beschrieben hat: „Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet.“
Und was erwartet man von so einem Vorsitzenden dieses erlauchten Gremiums? Dass er „gut“ aussieht, vegan isst, Gendersternchen benutzt, sich gesund ernährt, die Musik hört, die bei der wohlhabenden Mittelschicht beliebt ist?
Nein. Ich erwarte genau das, was Trump liefert.
Das „neue“ berliner Stadtschloss würde Trump gefallen, so kitschig ist es (ich wollte den Begriff „eklektizistisch“ vermeiden). Wenn es nach mir ginge, hätte man den grässlichen Dom abreißen und den Palast der Republik renovieren und umgestalten können. Es passt wie Arsch auf Eimer, dass jetzt noch ein Kreuz das Ensemble krönt.
By the way (ich wiederhole mich gern): Trump verhält sich mit der lächerlichen Forderung, die „Antifa“ in den USA zu verbieten, konsequent. Ich hätte an seiner Stelle genau das auch gesagt. Warum? Ganz einfach: Lest mal Bellingcat: „The Boogaloo movement is not what you think“. Man sollte schon genau hinsehen, wer die Riots in den USA unterstützt – leider macht das niemand. „I’m looking for fellow Minneapolis residents to join me in forming a private, Constitutionally-authorized militia to protect people from the MPD, which has killed too many people within the last two years.“
Die Faschisten demonstrieren also auch und sehen ebenfalls in der Polizei den Gegner. Die New York Times spricht davon, dass die Proteste von der Ultrarechten unterwandert und infiltriert seien. Auch Synagogen wurden schon antisemitisch beschmiert.
Natürlich kennt Trump seine Pappenheimer. Er darf und muss die Massen und vor allem seine Wähler belügen. Er muss die rechten Demonstranten aus der medialen Schusslinie nehmen und gleichzeitig verurteilen, was sie tun. Die einfachste Methode: Man gibt denen die Schuld, die am unbeliebtesten sind, auch wenn es die gar nicht so gibt. „Linksradikal“ ist in den USA noch mehr ein Schimpfwort als hier (obwohl hierzulande Politiker auch allzugern alles radikal Linke verbieten würden). Damit sind seine eigenen Leute aus dem Schneider.
Wem das noch nicht reicht, der konsumiert IFLScience: „The Psychology Of Riots – And Why It’s Never Just Mindless Violence“. Natürlich ist jeder „Riot“ auch ein Klassenkampf, selbst wenn die Ziele und Motive im Dunkeln liegen. According to Science: „The Psychology of Rioting: The Language of the Unheard“. Sagte auch Martin Luther King.
And now for something completely different. Sinnfreie Worthülsen, die ich nicht mehr lesen will: „sozio-ökologisch“. #neusprech #sprechblasenfacharbeiterinnen #gefasel #linke #deutschdesgrauens
Ich radelte so vor mich hin, wählte einen mir bisher unbekannten Radweg ab der Monumentenbrücke nach Süden bis zum Südkreuz, um die Gedenktafeln für Rosa Luxemburg in Friedenau zu fotografieren.
Die Tafel in der Cranachstrase ist von Blumen überwuchert und kaum zu sehen. „Die Bezirksverordnetenversammlung ließ in den siebziger Jahren die Tafel aufstellen. Da sich der damalige Hausbesitzer gegen eine Anbringung an der Fassade gewehrt hatte, wurde ein Gestell in einer Blumenanlage – für die man sogar einen Parkplatz opferte – aufgerichtet.“
Immerhin, einen Parkplatz für das Gedenken an Rosa Luxemburg. Der Hausbesitzer hatte vermutlich einen gesunden Klasseninstinkt. So ein Verhalten ist primitive Magie: Man erträgt das nicht, was offenbar Macht hat oder haben könnte.
And now for something completely different. Lustkauf im Internet: Kurbelradio, das wahlweise per Akku, Solarenergie, mit Batterien oder mit Handkurbel betrieben werden kann. Licht und Leselampe sind auch dabei. RTFM! Wenn der Strom ausfällt: Ich bin jetzt empfangstechnisch autark!

Das letzte Foto (nach exakt 40 Kilometern per Rad) ist eine frohe Botschaft an meinen Kollegen und Freund Albrecht, der mir dieses T-Shirt geschenkt hat und damit auf ein vereinsinternes Hauen und Stechen anspielte: Eine Gruppe von Intriganten aus dem DJV Berlin hatte vor Jahren versucht, mich in E-Mails an alle möglichen Leute zu verleumden und dabei geflissentlich die Berufsbezeichnung „Journalist“ weggelassen, sondern das gefühlt mindere „Internet-Aktivist“ gewählt (die wussten damals vermutlich nicht, was ein „Blogger“ ist). Die Herren sind zum Teil noch in Amt und „Würden“ – ich vergesse so was aber nicht, ihr Loser. #djv #vereinsmeierei
Vermischte Alu-Hüte

Müller’sches Volksbad München, fotografiert am 20.10.2003, Symboldbild für alles
Was ich unbedingt noch mitteilen wollen, aber nicht dazu kam:
– Jacobin spricht mir aus der Seele, was die Aluhut-Träger angeht.
„Dennoch müssen wir uns hüten, Menschen dafür zu verurteilen, »das Falsche« zu glauben und sie für ihre Verstöße gegen den ordnungsgemäßen öffentlichen Vernunftgebrauch an den Pranger zu stellen. Wir sollten stattdessen fragen, wie der Nährboden für das weitverbreitete Unbehagen an der Aufklärung entstehen konnte: Welche Funktion nehmen die Glaubenssysteme der Gegenaufklärung in unserer Gesellschaft ein?“
„Eine zentrale Schwäche des politischen liberalen Rationalismus ist, dass er in Klassenfragen blind ist. Oft mündet er in kaum verhohlenen Klassenhass einer liberalen, gebildeten Mittelschicht auf »die Bildungsfernen«. Ungeachtet der realen Klassenzusammensetzung der verschwörungstheoretischen, vor allem aber der esoterischen Bewegung – die eine heterogene Klassenstruktur aufweist und sich zu großen Teilen auch aus der Mittelschicht speist – stellt der dumme, ungeduschte Aluhut in der öffentlichen Vorstellung eine Figur der unteren Klasse dar.“
– Telepolis beschäftigt sich mit dem kurzgeschorenen Rasen an sich, der ab sofort „peinlich“ sein sollte: „Wer sich nicht freiwillig der Gartenzwergarmee anschließt, wird von den Nachbarn eingereiht.“
– Twitter verbreitet die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. #prawda (Volksweisheit)
Oder auch: Trump legt sich mit [bitte selbst ausfüllen] an. Guter Mann. So funktioniert Werbung, und so setzt man Agenden.
Apropos Wahrheit: Ich empfinde irgendwie Schadenfreude. Die FAZ: „Die Recherchegruppe „Correctiv“ hat einen Bericht von „Tichys Einblick“ im Auftrag von Facebook mit einem „Teils falsch“-Stempel versehen. Das hat das Oberlandesgericht Karlsruhe nun untersagt.“
– Die USA führen einen unerklärten heimlichen Krieg gegen Venezuela. Aber das wussten wir schon.
– Zum Schluss. Ich hoffe, dass die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser, die Linux nutzen, einige Befehle, die möglich, aber desaströs wirken, nicht ausführen? Wie wäre es mit mv / /dev/null?
Die Schlacht auf der Rose
Nachdem das Publikum auf Fratzenbuch mich neulich aufgeklärt hatte, dass die tierische Invasion auf meinem Balkon gutartig sei, ja zu begrüßen, weil es sich um Marienkäferlarven aka Blattlauslöwen handele, noch eine kurze Nachfrage: Muss ich diese Tierchen vor den Ameisen schützen? Meine Marienkäferlarven fressen denen gerade die Blattlausplantagen weg, die ich sonst mit Wasserstrahlen, Lavendel und noch schlimmerem bekämpfe…. Macht das die Ameisen nicht sauer?
What ist to be done (?)

– Ich sage nur – und wiederhole mich: Normenklarheit.
Der Verfassungsgerichtshof hat die aktuelle Bußgeldvorschrift außer Kraft gesetzt. Aber nur das. Ansonsten wurde der Antrag eines Berliner Rechtsanwalts, eine „Einstweilige Verfügung“ zu erlassen, abgeschmettert. (Sehr geehrte Juristen: Das ist besser und verständlicher als „der Antrag auf Erlass einer“ usw..)
„Die Vorschrift versetzt die Bürgerinnen und Bürger nicht in ausreichender Weise in die Lage, zu erkennen, welche Handlung oder Unterlassung bußgeldbewehrt ist. Diese mangelnde Erkenntnismöglichkeit kann gerade rechtstreue Bürgerinnen und Bürger veranlassen, sich in ihren Grundrechten noch weiter zu beschränken, als es erforderlich wäre, um keine Ordnungswidrigkeit zu begehen.“
Ich bin dafür, solche Urteile auf Latein zu verfassen. Die wären dann kürzer, vermutlich auch logischer, und übersetzt werden müssen sie allemal. Deutsch ist einfach keine Sprache für Juristerei.
– Was zu Tieren: Der letzte Alligator, der (!) Hitler lebend gesehen hat, ist jetzt gestorben. In Englisch klingt das sehr süffisant:
„Saturn the alligator had an eventful life. He was born in Mississipi, USA, in 1936 before being taken to Germany, where he lived in the Berlin Zoo. This wasn’t the ideal time to grow up in Germany, even if you’re largely unaware of what’s going on by virtue of being an alligator. (…) In July 1946, Soviet soldiers took Saturn from Berlin to Moscow zoo, where he lived out the rest of his life, with zookeepers describing him as „a very peaceful character“ apart from one incident „in 1970, when he almost bit off the arm of a young guard who was too inexperienced and tried to feed him out of his hand.“
By the way: Elefanten können weniger gut saufen als der Homo sapiens.
– New York Times: „How the Taliban Outlasted a Superpower: Tenacity and Carnage“. Zum Gruseln, aber es war zu erwarten.
Ein ähnliches Frauenbild wie die Taliban scheinen die Mexikaner zu haben.
– Zum Schluss: Nehmt dies, Trump-Basher aus dem deutschen Feuilleton! „People in Republican states are moving more, buying more, and suffering less unemployment“. Ach?!














































