Wahlen NRW, Nachtrag

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Wahlen NRW: Neusprech und Altsprech

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Ich verfolge gerade die Bürgerliche Presse über die Wahlen in NRW. „CDU klar vorn – AfD verdreifacht Ergebnis – Grüne stürzen ab.“

Altsprech: „Nach den 18-Uhr-Zahlen liegt die Linke mit prognostizierten 5,5 Prozent über ihrem Ergebnis von 2020, als sie auf 3,8 Prozent kam.“ Neusprech: „Das ist ein grandioses Ergebnis für die Linke – wir haben unser Ziel nicht nur erreicht, sondern übertroffen! Der Aufschwung der Linken setzt sich ungebremst fort…“ 5,6 % sind rund 500.000 Wähler, also so viele, wie Duisburg oder Essen Einwohner haben.

Altsprech: „Die Christdemokraten kommen demnach auf 34,2 Prozent und liegen damit ungefähr bei ihrem historisch schlechten Kommunalwahl-Ergebnis von 2020, als sie 34,3 Prozent erreichten.“ Neusprech: Das historisch schlechteste Ergebnis wiederholt zu haben, ist ein großartiger Erfolg für die CDU.

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Frontberichte oder: Dulce et Decorum es

welt am Sonntag

Innere Front

Dulce et Decorum est

Zweifach gebeugt wie alte Bettler unter ihrem Sack,
X-beinig, hustend wie alte Weiber, fluchten wir uns durch Schlamm,
Bis wir den herumgeisternden Leuchtkugeln den Rücken zuwandten
Und unserer fernen Ruhe entgegentrotteten.
Männer marschierten im Schlaf. Viele hatten ihre Stiefel verloren
Aber hinkten auf blutigen Sohlen weiter. Alle wurden lahm, alle blind,
Trunken von Erschöpfung, taub selbst für das Heulen
Der fehlgegangenen Granaten, die hinter uns einschlugen.

Gas! GAS! Schnell, Jungs! – eine ekstatische Fummelei,
Um die plumpen Helme rechtzeitig aufzusetzen.
Aber jemand schrie da noch und taumelte
Und zappelte wie ein von Feuer oder Ätzkalk Verbrannter.
Undeutlich, durch die beschlagene Scheibe und trübes grünes Licht
Wie in einem grünen Meer, sah ich ihn ertrinken.

In all meinen Träumen, vor meinen hilflosen Augen,
Taucht er auf mich zu, flackernd, würgend, ertrinkend.

Wenn auch du in erdrückenden Träumen liefest
Hinter dem Wagen, in den wir ihn warfen,
Und die verdrehten weißen Augen in seinem Gesicht sähest,
In seinem hängenden Gesicht, wie das eines Teufels, der der Sünde müde ist,
Wenn du hören könntest, wie bei jedem Stoß das Blut
Gurgelnd aus seinen schaumgefüllten Lungen läuft,
Ekelerregend wie der Krebs, bitter wie das Wiederkäuen
Von Auswurf, unheilbare Wunden auf unschuldigen Zungen,
Mein Freund, du erzähltest nicht mit so großer Lust
Kindern, die nach einem verzweifelten Ruhmesglanz dürsten,
Die alte Lüge: Dulce et decorum est
Pro patria mori. (Wilfred Owne 1917)

Man sieht angesichts der vaterländischen Schlagzeilen in deutschen Medien: Die Menschheit lernt nichts dazu. Es wird noch die Zeit kommen, dass Leute wegen ich wegen Defätismus angeschwärzt werden oder noch Schlimmeres. Ich habe kein „Vaterland“, für das ich mich opfern würde.

Lesen wir dazu de passende Fachliteratur: „Den Kommunisten ist ferner vorgeworfen worden, sie wollten das Vaterland, die Nationalität abschaffen. Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.

Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse.

Die Herrschaft des Proletariats wird sie noch mehr verschwinden machen. Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten Länder, ist eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung. In dem Maße, wie die Exploitation des einen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Exploitation einer Nation durch die andere aufgehoben. Mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.“

Das war natürlich viel zu optimistisch. Nationalismus und der Appell an irrationale niedrige patriotische Instinkte werden immer noch von den herrschenden Klassen aller Länder benutzt, um vom Klassenkampf abzulenken oder um äußere Feinde zu konstruieren. Alles Vaterländische ist eine ekelhafte und dumme Heuchelei. Das gilt auch für Russen und Ukrainer.

sixtus

Medienfront

Mir fällt auf, dass die bürgerliche Presse eine Tatsache, die über den mutmaßlichen Mörder Charlie Kirks bekannt ist, weder diskutiert noch irgendwelche Schlüsse versucht daraus zu ziehen: „Aufgewachsen sei Robinson in einem republikanischen Umfeld im Bundesstaat Utah. Er soll Mitglied einer lokalen Mormonen-Kirche gewesen sein: „Ich kann bestätigen, dass Robinson in jungen Jahren Mitglied der Kirche wurde, aber alle weiteren Fragen zu seiner kirchlichen Tätigkeit bitte ich Sie, an ihn oder seine Familie zu richten“, sagte ein Sprecher. Ein regelmäßiger Kirchenbesucher bezeichnete Robinson als „inaktives Mitglied“.“

Wait a minute. Tyler Robinson, der mutmaßliche Schütze, war als Kind Mitglied eine ultraorthodoxen christlichen Sekte? Da gehen offenbar nur bei mir ein paar Warnlichter an. Ich weiß bekanntlich, wovon ich rede. Egal, ob aktives oder „inaktives“ Mitglied – diese Biografie ist nicht „normal“ und deformiert den Charakter, wenn man das nicht später und rechtzeitig aktiv in den Griff bekommt. Aber das interessiert offenbar niemanden.

transgender

Ich schrieb 2015: „Wer es gern etwas abstrakter, aber dafür gehaltvoller mag, sollte zum Thema „Terror“ Hans Blumenbergs „Lebenszeit und Weltzeit (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)“ studieren (aber das erste Kapitel einfach weglassen).

Er beschreibt diejenigen, die ihre ganz private Apokalypse auf Kosten anderer meinen ausleben zu müssen: Deren psychische Dispostion bestehe nicht nur im Erflehen von Beschleunigung und im Sich-Freihalten von der Welt, „sondern im Betreiben des Untergangs“. Das jeweilige weltanschauliche oder religiöse Kostüm ist dabei ganz irrelevant, ob es um den Massensuizid von Jonestown, um Amokläufer an Schulen oder um „islamistische“ Terroristen handelt.“

Anna Schneider schreibt: „Dass es nun Gruppen gibt, die seinen Tod feiern, ist mit nichts zu rechtfertigen, auch nicht mit seinen oftmals abscheulichen, rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen. Offensichtlich hat der radikal-religiöse Verschwörungsanhänger aber auch genau damit einen Nerv getroffen“, sagte Dunja Hayali am Donnerstagabend im „ZDF heute-journal“.

Abscheulich, rassistisch, sexistisch und menschenfeindlich“ – Belege? Er hatte nur eine andere Meinung als die sogenannten „Linken“ hierzulande und das Glottisschlag-Milieu, deren Lautsprecher in den Anstalten sitzen. „Radikal-religios“ nenne ich auch Gendersprecher und diejenigen, die in guter protestantischen Tradition gleich die Apokalypse an die Wand malen, wenn es mal wärmer oder kälter wird. Ich nenne auch alle, für die die Hautfarbe mehr aussagt als die Augenfarbe, Rassisten. „Sexistisch“ war Kirk bestimmt nicht, nur ultrakonservativ. Wer ihn vom Tod eines Brandstifters faselt, ist selbst einer. Es ginge auch anders, Hayali.

UN

Naher-Osten-Front

Man könnte angesichts des „Theaters“, das die UN um den fiktiven „Palästinenser“-Staat macht, die Meinung Gil Mandelzis in der Jerusalem Post teilen: „Defund, dismantle, and do over the UN – The idea of the UN remains relevant and incredibly important. However, there is zero reason for us to continue to trust the UN to do a job it hasn’t been doing for years“.

Es wäre so gut wie sicher, dass es keine Mehrheit dafür geben würde, wenn die Staatsgründung Israels heute auf der Tagesordnung stünde. Damals – 1947 – gab es zum Glück die Sowjetunion noch und auch die Tschechoslowakei, die eine positive Rolle spielten.

Frage für einen Freund: Deutschland ist für einen weiteren arabischen Terrorstaat in Palästina? Jerusalem soll wieder geteilt werden? Oder soll die Hauptstadt Ramallah sein? Die sind doch von allen guten Geistern verlassen. Oder wurden sie von den Wagenknechten beraten? Die sind mittlerweile offen antisemitisch und lassen bekannte Judenhasser zu Wort kommen: „Bei einer israelfeindlichen Kundgebung am Samstag in Berlin soll neben BSW-Chefin Sahra Wagenknecht und Schauspieler Dieter Hallervorden auch Pink-Floyd-Gründer Roger Waters zu Wort kommen. Er werde mit einem Beitrag aus New York zugeschaltet, kündigte Wagenknecht in Berlin an.“

Vermutlich muss ich mich Israel für das Verhalten des hiesigen Ausschusses, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisie organisiert, entschuldigen.

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Die Zukunft

future

Fällt es nur mir auf, dass es kaum noch gute Science Fiction gibt? Die meisten Filme sind woker Fantasy-Schrott oder Fast-and-Furious-Versionen mit pseudofuturistischen Mobilgeräten Fahrzeugen. Meine These dazu: Da niemand eine positive Vision hat, wie die Zukunft aussehen könnte, fällt allen nur noch an Postapokalypse ein.

Das war mal anders, wenn man an die sowjetische Science Fiction denkt wie an Konstantin Ziolkowski oder die Gebrüder Strugatzki. Oder an den Ausnahmeschriftsteller Stanislaw Lem, der die Science Fiction aus den Niederungen der Populärliteratur in die Höhen der ernst zu nehmenden Literatur gehoben hat. (Den Unterschied gibt es im angelsächsischen Raum gar nicht.)

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Der Kapitalismus bringt keine Ideen hervor, die ihn selbst als Vergangenes schildern könnten. Entweder gibt es reaktionäre Zurück-zur-Natur-Fantasien wie in Aufbruch nach Pandora oder der Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit wird noch auf die Spitze getrieben wie in Elysium oder Snowpiercer.

Die meisten anderen Plots drehen sich um aufsässige Roboter oder um die Begegnung mit den ganz Anderen aka Aliens – beide Themen hat Lem schon vor mehr als einem halben Jahrhundert optimal literarisch dargestellt (Die Verhandlung, Solaris).

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Meine Fantasie reicht aus, um mir die Welt in ferner Zukunft umrissartig vorzustellen. Man muss nur die einzelnen relevanten Variablen extrapolieren.

Verfügbarkeit von Informationen: Informationen als Resultat dessen, was der Homo sapiens über seine Welt denkt und welche Schlüsse er zieht, wurden schon immer ausgelagert, um sie mehreren zugänglich zu machen und sie gleichzeitig zu speichern, damit man später noch etwas davon hat. Der Codex des Hammurabi unterscheidet sind prinzipiell nicht von der Gutenberg-Bibel oder dem Internet.

Man kann sich natürlich vorstellen, dass um den Zugang zu Informationen gekämpft werden wird. Informationen sind genau so eine Ressource wie Rohstoffe. Aber wenn man sich langfristigen Trend seit Beginn der Menschheit ansieht, geht es doch, mit Unterbrechungen, in die Richtung: Alles könnten alles wissen, wenn sie nur wollten.

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Aussehen. Auch hier haben sich die Basics nicht groß geändert: Der Mensch bedeckt seinen Körper halbwegs. Wenn der Homo sapiens im Sinne des Wortes vielleicht zur Vernunft kommt und aufhörte, höhere Wesen zu verehren, würde die Kleidung nicht unbedingt so puritanisch sein wie heute, sondern vielleicht sogar der in der minoischen Zeit vor vier Jahrtausenden ähneln. Solange Christentum und der Islam aber noch eine Rolle spielen, bleiben nackte Brüste tabu.

Lange oder kurze Haare: Lange Haare bei Männern, ohne irgendwie „frisiert“ zu sein, sind in der Geschichte eher selten, auch wenn uns zahllose Germanen- und „Barbaren“-Filme etwas anderes weismachen wollen. Der Suebenknoten kommt gerade wieder in Mode. In soldatisch geprägten Kulturen trug der Mann Kurzhaar. Oder auch: Je patriarchalischer die Kultur, um so mehr haben die Frauen lange Haare und die Männer kurze (Israel ist ein gutes Beispiel!)

In einem Science-Fiction-Film müsste man schon sehr viel Fantasie haben, um sich Frisuren auszudenken, die es noch nie gegeben hat.

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Ökonomie: Wir stellen uns eine Wirtschaft vor, die viel höher entwickelt ist als unsere jetzige – ein Gesellschaft, in der die grundlegenden Bedürfnisse erfüllt sind: Energie und Nahrung. Das wäre jetzt schon theoretisch möglich, aber der Kapitalismus will es nicht so.

Alle Informationen über den Bedarf müssten den Produzenten von Waren fast in Echtzeit zur Verfügung stehen. Das machte rationales Wirtschaften möglich. „Ich kann morgens jagen, nachmittags fischen, abends Viehzucht betreiben, nach dem Essen kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne jemals Jäger, Fischer, Hirte oder Kritiker zu werden.“

Warum kommt keinem Autor die Idee, so etwas zu beschreiben? Die KI könnte wunderbare Bilder dazu liefern. Natürlich gäbe es genug Konflikte, da der Mensch an sich nicht nur nach dem Guten, Schönen und Wahren strebt, sondern auch nach dem Bösen – weil er es kann.

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Mobilität: Unerreichter Standard hierzu ist Bladerunner. Ich würde es aber ganz anders darstellen. Individualverkehr und die dazu passenden Fahrzeuge, mögen sie auch aus dem Stand fliegen können, haben keine Zukunft, zumindest nicht in hoch verdichteten Städten. Man kommt viel schneller staulos irgendwo hin mit Metro, Straßenbahn oder Hochgeschwindigkeitszügen. Oder mit motorisierten Zweirädern. Oder man reitet auf Robotern.

Oder man fragt sich: Warum muss ich überhaupt weg, wenn mir alles ins Haus geliefert wird und ich jederzeit per Video jeden sehen kann, den ich sehen will?

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Waffen: Auch hier, wie beim Fahrzeug. Individuelle Bewaffnung hat keine Zukunft oder ist nur eine mehr oder wenige irrelevante Option im close combat Die gehört Drohnen in jeder Größe und mobilen künstlich intelligenten Robotern. Warum sollten sich Menschen der Gefahr aussetzen, getötet zu werden?

Steuerknüppel, Joystick, Knöpfe oder Schalthebel sind die Waffen der Zukunft. Unbemannte winzige Drohnen hat schon Frank Herbert beschrieben.

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Wie weit in die Zukunft hinein kann man spekulieren? Was würden Beethoven und Marx von der Welt noch verstehen, wenn sie heute wieder aufwachten? Oder Kaiser Augustus?

Wir geraten automatisch ins Lemsche Dilemma, wie in „Solaris geschildert“: Etwas, das uns fremd ist, kapieren wir nicht. Imitation ohne Plan ist dann die einzige Form der Kommunikation. Es geht auch den Aliens so, wie in Der Unbesiegbare.

Was würden wir verstehen, wenn man uns die Welt in 100 Jahren zeigte? Sprechen dann alle Mandarin, loben den Kommunismus, und Frauen zeigen nackte Brüste?

future

Ich vergaß Sex. Was auf jeden Fall wegfallen wird, weil erst vom Kapitalismus erschaffen, ist die eheliche Treue. Die Ehe ist primär ein Entschluss, gemeinsam zu wirtschaften und Kinder großzuziehen, aber keinesfalls, nur mit einer Person Sex zu haben. Leider werde ich diese Zeit vermutlich nicht mehr erleben. Oder es geschieht ein Wunder…

future

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Alles instabil

Kuba

„Es war auch eine moralische Wahrheit, dass der Krieg begann, weil 1300 Juden getötet und 200 als Geiseln genommen wurden (…).Und wenn man Israel den Krieg erklärt, muss man mit einem Feuersturm rechnen. (…) Ein Kind weiß, dass Israel der Gute und die Hamas böse ist. Es ist viel weiser als ein Student wie Sie an der Universität Cambridge.“ (Charlie Kirk)

Während anderswo Attentate verübt werden und die Russen fragen, ob die Ukraine dahinterstecke, während die Terroristen-Führer vielleicht doch nicht genug abgekriegt haben, die Grünen noch mehr und immer öfter verbieten wollen, zog ich mich in die virtuelle Welt zurück, um mich von dem Quatsch, mit dem man überschüttet wird, zu erholen, und baute mit einem Mitspieler einen fiktiven Strand auf Kuba mit Havanna-Hintergrund, alles für ein einwöchiges Rollenspiel-Event im Oktober. Danach werden Strände, Häuser und der Bewuchs wieder abgerissen.

Kuba

Vielleicht macht es der Schockwellenreiter richtig, der nur über Software und Kiez-Events berichtet und das große Ganze weglässt. Und warum wiederhole ich täglich Spanisch, wenn man Spanien als anständiger Mensch boykottieren sollte? Und Frankreich auch? Und Belgien? Und Norwegen? Nach Schweden kann man wegen der dortigen Araber ohnehin nicht mehr. Nur die Niederlande bleiben weltanschaulich stabil, auch wenn das den so genannten Linken hierzulande nicht gefällt.

Ich bereite mich jetzt mental auf vier Nachtschichten vor, solange mein Körper noch stabil ist und das ohne Herumzumucken mitmacht.

Kuba

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Drei Filmchen

fall for me

Ich empfehle drei Filmchen auf Netflix. Sie sind nicht herausragend, aber ich finde kaum noch Filme, die mich fesseln – der letzte war Yellowstone.

Fall for me ist trotz des Titels ein deutscher Film, der auf Mallorca spielt. Das Label „Erotikthriller“ ist natürlich nur da, um die nicht besonders originelle Story interessanter zu machen.

Die Hauptdarstellerin Svenja Jung ist überhaupt nicht mein Typ, obwohl sie ein äußerst attraktives Mädel mit vielen körperlichen Vorteilen ist. (Ich kannte die gar nicht, weil ich kein deutsches Fernsehen gucke.) Aber ihre Augen hinterlassen einen bleibenden Eindruck und auch ihre Präsenz – im Gegensatz zu den anderen Schauspielerinnen.

Die Jung ähnelt übrigens frappant einer jugendlichen Jodie Forster und könnte die glatt doubeln, ohne dass das jemand merkte. Sie ist, wenn man die Fotos online vergleicht, sehr wandlungsfähig und würde eine 20-jährige, aber auch eine MILF spielen können, die doppelt so alt ist. Man muss aber schon anmerken, dass Kelly Reilly eine Klasse besser ist.

Der Plot – na ja. Man weiß vorher, was kommt. Grundstücke, die jemand besitzt und die jemand anderes haben will. Die Hauptdarstellerin ist „Wirtschaftsprüferin“, weil „Immobilienmaklerin“ jedem gleich mit dem Holzhammer verraten hätte, worum es geht. Und jeder hintergeht jeden.

Fazit: Nicht allzu tiefgründig, aber nett anzuschauen.

zwei gräber

Zwei Gräber (Dos Tumbas) ist ein spanischer „Thriller“, der in Andalusien spielt) und den ich natürlich OmU ansehe).

Aus einer Rezension: „…ein düsterer und kraftvoller Beitrag zur blühenden Landschaft des zeitgenössischen europäischen Thrillers. Als kompakte, dreiteilige Miniserie präsentiert sie eine Erzählung über tiefen Verlust, die sich zu einer grimmigen Suche nach Vergeltung auswächst. Die Serie etabliert ihre düstere Prämisse mit brutaler Effizienz: Zwei Jahre sind seit dem Verschwinden von Verónica und Marta, zwei 16-jährigen Freundinnen, vergangen. Der Fall ist zu den Akten gelegt und von den Strafverfolgungsbehörden aufgrund eines völligen Mangels an Beweisen oder plausiblen Verdächtigen offiziell geschlossen worden. Diese institutionelle Kapitulation wird zum auslösenden Moment der Erzählung und aktiviert eine Kraft, die entschlossener ist als der Staat selbst. Die Protagonistin ist keine hartgesottene Ermittlerin oder ein rachsüchtiger Vater, sondern Isabel, die Großmutter eines der vermissten Mädchen.“

Eine Großmutter (Kiti Mánver) auf Vendetta, die auch noch mit einem Verbrecherboss kooperieren muss, weil der ebenfalls seine Tochter verloren hat und auf Rache sinnt. Das ist originell. Der Film schlägt auch einige überraschende Volten, dass man gut unterhalten wird.

Erst das Ende erklärt den Titel des Films: „Wer auf Rache aus ist, der grabe zwei Gräber.“ Sagte Konfuzius. Auf die pädagogisch wertvolle Moral von der Geschicht‘ muss jeder selbst kommen.

Beyond the bar

Beyond the Bar ist eine koreanische Version der US-amerikanischen Anwaltsserie Suits. Die Hauptdarstellerin Jung Chae-yeon als Kang Hyo-min sieht mit ihrem Schmollmund extrem süß aus und ist im Film, soweit ich das verstanden habe, eine Art Legasthenikerin, aber dafür genial in der Juristerei. Ihr Mentor Lee Jin-wook spielt ein knallhartes Arbeitstier. Lee Jin-wook as Yoon Seok-hoon findet schon eine zweiminütige Verspätung völlig indiskutabel und einen mehr als 12-stündigen Arbeitstag normal.

Koreanische Filme sind ganz anders. Ich finde es gewöhnungsbedürftig, wenn man immer den Eindruck bekommt, man sei zu doof, um den komplizierten Plot zu verstehen oder die Schauspieler seien alle wesentlich intelligenter als man selbst. Mit Hollywood-Filmen passiert das nie; da muss dem Publikum auch noch indirekt erklärt werden, dass die Erde keine Scheibe oder dass der Tyrannosaurus Rex schon ausgestorben ist.

Ich verstehe auch mindestens die Hälfte der Gesten und die Mimik und die emotionalen Reaktionen nicht. Aliens wären mir vertrauter. Aber das macht den Film sehr interessant: Oberflächlich sind das alle Menschen, die Anzug und Schlips oder Stöckelschuhe das kleine Schwarze tragen und einen nicht außergewöhnlichen Beruf haben und die man sich auch in Berlin vorstellen könnte, aber sie agieren manchmal total anders als wir. Oder man kapiert überhaupt nicht, warum sie ausgerechnet so reden oder handeln.

Ich fürchte, dass Koreaner viel mehr und besser unterhalten werden, weil sie alles verstehen, auch das Untergründige und die Anspielungen. Die würden sicher sagen, dass der Film bei europäischen Zuschauern Perlen vor die Säue geworfen sei.

Unterhaltsam ist die Serie auf jeden Fall. (Omu mit deutschen Untertiteln.)

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Unter richtig tief digital Bearbeitenden

nepal

Ich habe mich geirrt, aber zum Glück wird es niemand gemerkt haben.

Frage an ChatGPT: kann man unter Linux ein pdf, das man online nicht ausfüllen kann, trotzdem bearbeiten?

Ja, absolut! 🎉 Unter Linux kannst du ein PDF auch dann bearbeiten, wenn es kein interaktives Formular ist – du brauchst nur das richtige Werkzeug. Hier sind ein paar gute Wege:

1. Text oder Kommentare hinzufügen
Okular (KDE) : damit kannst du Kommentare, Markierungen oder Textfelder über das PDF legen.
Evince (Gnome): eher zum Lesen, aber mit Plugins auch Anmerkungen möglich.

2. PDF wie ein Bild bearbeiten
Xournal++: perfekt, um handschriftlich oder mit Tastatur Text ins PDF einzutragen [kann man über synaptic installieren, der Befehl zum Starten lautet xournalpp.)
LibreOffice Draw: öffnet ein PDF, so als wäre es eine Grafik – dann kannst du Text an beliebiger Stelle einfügen, verschieben, sogar Bilder einbauen. Danach einfach wieder als PDF exportieren. [So hätte ich meine Unterschrift einfügen können. Ich habe aber Xournal installiert, das ist benutzerfreundlich.]

3. Richtig tief bearbeiten
Inkscape: für einzelne Seiten, sehr mächtig, wenn du Layout oder Grafikelemente ändern willst.
PDFtk (Kommandozeile): eher für Bastler – damit kannst du Seiten neu zusammensetzen, extrahieren, zusammenfügen.

👉 Wenn es nur darum geht, ein Formular auszufüllen, ist Xournal++ meist die angenehmste Lösung. Willst du eher den Text direkt editieren, probier es mit LibreOffice Draw.

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Klassenkampf in Nepal

nepal

Klassenkampf in Nepal – der Präsidentpalast steht in Flammen. „The Government Palace in Nepal is completely engulfed in flames – they are not even trying to extinguish it (…). The building housed the main offices and departments, including the Prime Minister’s offices. All important documents have burned. It was the largest palace in all of Asia, with nearly 2,000 rooms. It was built as the Prime Minister’s private residence in 1903. The Nepalese army threatens to deploy troops on the streets if looting, arson, and vandalism do not stop.“

Angeblich ist der Premierminister auf der Flucht. (Die Kathmandu Post ist gerade nicht erreichbar – vermutlich wird die Website gerade von Anfragen überflutet.)

BY the way: Von 1996 bis 2006 befand sich die Kommunistische Partei Nepals (Maoistisch) in einem Bürgerkrieg gegen die Monarchie und das hinduistische Klassensystem.

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Regards

Spain bans Smotrich, Ben-Gvir

feedback@knesset.gov.il
Berlin, September 9th 2025
Dear Mr. Smotrich,

The world isn’t just made up of anti-Semitic idiots. I just wanted to make that clear. If you come to Berlin, you are cordially invited to my modest private apartment…

Warm regards from an atheist Zionist Goj (!) from Germany
Burkhard Schroeder

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Stand der Digitalisierung in Deutschland, Miszellen

pdfenhancer

Ich bekomme Nachrichten von meinen Krankenversicherungen in mein elektronisches Postfach (hier: Die DKV – meine Zahnzusatzversicherung). Das ist die gute Nachricht.

Jetzt die schlechte Nachricht. Ich erhielt ein pdf-Dokument mit 13 Seiten, das aber fünf verschiedene Formulare erhielt, die nicht zusammengehörten und an verschiedene Leute bzw. Instanzen verschickt werden sollten. Das kriegte ich noch hin.

Frage an ChatGPT: Mit welchem Linux-Programm kann ich einzelne Seiten aus einem pdf extrahieren und wie geht das?
PDFtk: pdftk dokument.pdf cat 3 output seite3.pdf
QPDF: qpdf dokument.pdf –pages dokument.pdf 5 — seite5.pdf
pdfseparate: pdfseparate -f 4 -l 4 dokument.pdf seite4.pdf (1 Seite) oder pdfunite seite4.pdf seite7.pdf neue_datei.pdf
pdfarranger (grafische Oberfläche): Datei öffnen → gewünschte Seite auswählen → Rechtsklick → „Seiten exportieren“.
Okular (KDE) oder Evince (Gnome)

Ich entschied mich für pdfarranger, musste aber noch mal nachfragen, wie zum Beispiel nur zwei Seiten aus dem Dokument zu extrahieren seien (warum soll ich die Hilfe-Seiten lesen, wenn es so viel schneller geht?):

Ganz einfach – das geht in ein paar Klicks 🥳. Hier der Ablauf mit **PDF Arranger**:
1. – PDF öffnen
– pdfarranger starten.
– ein PDF reinziehen oder über Datei → Öffnen laden.
2. – Seiten auswählen
– Klicke die gewünschte erste Seite an.
– Halte Strg gedrückt und klicke zusätzlich die zweite Seite. (Beide sind nun markiert.)
3. – Exportieren
– Rechtsklick auf eine der markierten Seiten.
– „Seiten exportieren“ auswählen.
– Speicherort und Dateinamen angeben, z. B. `meine_zwei_seiten.pdf`.
– Bestätigen.

Jetzt ging es erst los. Das pdf konnte online nicht bearbeitet werden. Ich sollte es aber unterschreiben und dann weiterleiten. Ich stellte die Leninsche Frage.

Ich rief also wutentbrannt die Krankenversicherung-Hotline an (Headset, rund 35 Minuten Warteschleife). Wie soll ich ein pdf unterschreiben, das man nicht bearbeiten kann? Ähm. Die Vorgesetzte, an die ich weiterverbunden wurde, wusste es auch nicht. „Ausdrucken?“ Und dann? Soll ich 13 Seiten wieder einscannen, wenn ich die Formulare offline unterschrieben habe? Ähm. “ Die meisten Versicherten lassen sich die Formulare per Post schicken.“ Gut zu wissen. Ich aber nicht.

Es lief tatsächlich darauf hinaus: Fünf Dokumente einzeln drucken, unterschreiben, die Blätter wieder als Grafik einscannen, mit Gimp bearbeiten, alles in Open Office dröseln, als pdf exportieren. Gefühlt sechs Stunden.

Offensichtlich war ich der erste Kunde, die sich beschwerte, sonst hätten die eine Antwort parat gehabt.

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Unter Grogzillenden

staatsoper

Ich hatte jetzt sechs Nachtschichten hintereinander, zwei davon mit 12 Stunden, und bin ein bisschen groggy. Man erlaube mir einen Tag Pause.

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Kernräume, revisited

greater Israel

Noch ein Update zu meinem Beitrag „Kernräume“. Ich lese gerade von Jean Améry „Der neue Antisemitismus“. – „Jean Amérys Essays, die zwischen 1969 und 1976 geschrieben wurden, erschrecken geradezu durch ihre Aktualität. Sie lesen sich in ihrer Prägnanz, als wären sie für den heutigen Tag geschrieben.“ Genau so ist es.

Zitat (S. 36f.): Eın Judentum freilich im Sinne historischer Tradition und positiver existentieller Lebensbasis habe ich mir nicht erworben. Das einzige, was mich positiv mit der Mehrzahl aller Juden der Welt verbindet, ist eine Solidarität, dıe ich mir längst nicht mehr als Pflicht gebieten muss, und namentlich die mit dem Staat Israel. Nicht, dass ich in diesem Lande würde wohnen wollen. Es ist mir zu heiß, zu laut, zu fremd in jeder Hinsicht. Auch nıcht, dass ich gutheiße, was immer man dort treibt. Ich verabscheue die theokratischen Tendenzen, den religiös getönten Nationalismus. Auch habe ich das Land nur ein einziges Mal zu kurzem Besuch gesehen und werde vielleicht nie wieder dahin kommen. Aber ich bin den Menschen dieser heillosen Erde, die allein sind, verlassen von aller Welt, unablösbar verbunden, auch wenn ich ihre Sprache nicht spreche und ihre Lebensformen niemals die meinen würden sein können. Für mich ist Israel keine Verheißung, kein biblisch legitimierter Territorialanspruch, kein Heiliges Land, nur Sammelplatz von Überlebenden, ein Staatsgebilde, wo jeder einzelne Einwohner noch immer und auf lange Zeit hin um seine physische Existenz bangen muss. Mit Israel solidarisch zu sein heißt für mich, den toten Kameraden die Treue bewahren.

Das trifft den Kern der Sache, auch für Nichtjuden. Dieser religiöse Mumpitz, der zum Beispiel auch von Israel heute vertreten wird, suggeriert, dass man höhere Wesen verehren und fromme Legenden für historische Tatsachen halten müsse, um Zionist zu sein Israel zu unterstützen. Das ist aber Unfug. (Schönes Thema für ein neues Buch!)

Ich sehe da eine große Gefahr, wenn die Religiotisierung in Israel fortschreitet. Die Ultras warten auf einen Messias, der natürlich nie kommen wird, und wollen am liebsten den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee abreißen und einen neuen Tempel (wofür? Um Ziegen zu schlachten?) bauen.

Ich lasse mich übrigens im Oktober von Noam Chen in Jerusalem herumführen, der ähnlich wie „Israel heute“ denkt. Der weiß schon, was ihn weltanschaulich mit mir als „Kunde“ erwartet. Wir werden auch gemeinsam nach Me’a Sche’arim gehen. Die feiern dort das Laubhüttenfest, wenn ich gerade da bin.

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Demografische Falle

arafat

Interessante Meinung von Tova Herzl in der Jerusalem Post: Herzl argumentiert, dass eine vollständige Annexion von Judäa und Samaria mehr Nachteile als Vorteile hätte. Ich muss ihm ihr in jedem Punkt recht geben.

„Even if Israel annexes the territory, as is currently being discussed, it is unlikely to endanger its identity as a Jewish state by granting voting rights to the local population. There is ongoing debate about whether an Arab majority exists between the Jordan River and the Mediterranean Sea, or whether there is merely a very large minority. Either way, indefinite control would require ever-heavier burdens on both taxpayers and security forces.

Moreover, the world will not accept such disenfranchisement. Whatever the differences, the code word for institutionalized discrimination is “apartheid,” and we recall the fate of white South Africa. In other words, Israel is willingly entering an enduring demographic and political trap of its own making.“

Das war ja schon seit der Staatsgründung 1948 das Problem. Bei der Geburtenrate der arabischen Palästinenser (durchschnittlich (!) mehr als drei Kinder pro Frau – mehr als doppelt so viel als in Deutschland) würden die Juden über kurz oder lang als Staatsbürger in der Minderheit sein.

Smotrichs Plan löst das Problem temporär, aber nicht auf Dauer. Israel kann sich auf Dauer auch nicht der Unterstützung der USA sicher sein. Wenn dort die Wirtschaft den Bach runtergeht, wovon ich ausgehe, könnten die merkwürdigsten antisemitischen Gestalten plötzlich an die Macht kommen.

Israel könnte natürlich eine Lesotho- und Eswatini-Lösung ins Auge fassen. Darauf wird es hinauslaufen.

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Führerschaft über alles, revisited

ney york times

Wegen diesen Screenshots (vgl. 27.08.25) aus der New York Times wurde gerade mein Facebook-Konto gesperrt. Ich hatte ironisch kommentiert: „Führerschaft. Man weiß wie das ausgeht. Deutschland über alles.“ Ich habe zwar erfolglos widersprochen, aber eigentlich habe ich auf den Quatsch gar keine Lust mehr. Ohne ginge auch. Wäre nur schade wegen der mehr als 7.000 Follower.

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Homines stulti oder: Das Ende ist nahe in leichter Sprache

attention
metaphoric picture about shortened attention span and reduced ability to concentrate –s 750, Midjourney

„Viele Menschen arbeiten und lernen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz“. So wie diesen ersten Satz übersetzen Universitäten ihre Netzauftritte in Leichte Sprache. Für die FAZ hat Andreas Cevatli nach dem Warum gefragt, denn eine Hochschulzugangsberechtigung setze ja voraus, auch komplexe Wissensinhalte verstehen zu können. Für die Mainzer Sprachwissenschaftlerin Silvia Hansen-Schirra ist die Darstellung in Leichter Sprache „eine Demokratisierung von Wissenschaft“. Immerhin sei die Zahl der Studenten mit „studienerschwerenden Beeinträchtigungen“ stark gestiegen, wird eine Studie zitiert, unter anderem „verkürzte Aufmerksamkeitsspanne und verminderte Konzentrationsfähigkeit“. Wissenschaftliche Publikationen in Leichter Sprache seien allerdings wegen der darin enthaltenen Fachtermini und des Umfangs bisher nicht geplant.

Man fasst es nicht. „Verkürzte Aufmerksamkeitsspanne und verminderte Konzentrationsfähigkeit“: Bedeutet das, dass Studenten von heute meine Blogeinträge gar nicht mehr lesen geschweige denn verstehen können?

ChatGPT: Übersetze „Versetzen wir uns einen Augenblick in einen Anthropologen, der gerade vom Planeten Kepler-452b angereist ist und das Verhalten des Homo Sapiens studieren will und zufällig nach Peking gerät, wo die Massen in Vierecken geordnet an ihm vorbeimarschieren, während die zuschauenden Massen in ebenfalls viereckigen Kästen sitzen“ in leichte Sprache!
Stellen wir uns vor, ein Forscher vom fernen Planeten Kepler-452b kommt auf die Erde. Er möchte die Menschen beobachten. Zufällig landet er in Peking. Dort sieht er, wie viele Menschen in geordneten Reihen an ihm vorbeimarschieren. Andere Menschen sitzen daneben in viereckigen Kästen und schauen zu.

Ist es so besser? „Homo sapiens“ verstehen Studenten nicht? Müsste es dann heute nicht homo insipiens oder homo stultus heißen? Was mach ich jetzt mit meinem großen Latinum? Und nein, die marschieren eben nicht nur in Reihen, sondern auch in Vierecken!

ChatGPT: Übersetze auf Deutsch, aber in leichter Sprache und so kurz wie möglich: „Speech brain-computer interfaces (BCIs) show promise in restoring communication to people with paralysis but have also prompted discussions regarding their potential to decode private inner speech. Separately, inner speech may be a way to bypass the current approach of requiring speech BCI users to physically attempt speech, which is fatiguing and can slow communication. Using multi-unit recordings from four participants, we found that inner speech is robustly represented in the motor cortex and that imagined sentences can be decoded in real time. The representation of inner speech was highly correlated with attempted speech, though we also identified a neural “motor-intent” dimension that differentiates the two. We investigated the possibility of decoding private inner speech and found that some aspects of free-form inner speech could be decoded during sequence recall and counting tasks. Finally, we demonstrate high-fidelity strategies that prevent speech BCIs from unintentionally decoding private inner speech.“

Computer, die mit dem Gehirn Sprache entschlüsseln, können Menschen mit Lähmungen beim Sprechen helfen. Forscher fanden heraus, dass auch gedachte Sprache im Gehirn erkannt werden kann. Sie entwickelten außerdem Methoden, damit private Gedanken nicht aus Versehen gelesen werden.

Wie lange können Studenten konzentriert bleiben?
– Keine fixe Grenze wie 10–15 Minuten – Aufmerksamkeit schwankt individuell.
– Bereits nach 30 Sekunden kann ein erster kurzer Einbruch auftreten.
– Digitale Ablenkungen verkürzen die effektive Konzentrationsphase deutlich – teilweise auf nur ca. 14 Minuten. (Quellen: Journalistic Learning Initiative: „Are Students’ Attention Spans Shrinking?“, Engageli.com: „Increasing Attention with Social and Collaborative Learning“, journals.physiology.or: „Attention span during lectures: 8 seconds, 10 minutes, or more?“)

Übrigens: „Das Ende ist nahe“ in leichter Sprache heißt „Wir werden alle störben“.

attention
metaphoric picture about shortened attention span and reduced ability to concentrate –s 750, ChatGPT

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Alles muss raus

Was macht eigentlich der US-Imperialismus? Die bürgerliche Presse schreibt: „Vor einigen Jahren verkaufte die Bundesregierung Gasspeicher ins Ausland. Die Abgabe kritischer Infrastruktur erwies sich als Fehler. Nun strebt ein US-Unternehmer, der US-Präsident Donald Trump nahesteht, nach einem Fünftel der deutschen Öl-Speicher. Die Bundesregierung schweigt vielsagend.“

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Die „Tagesschau“ künftig mit Avataren?

Frühstück

Ein Artikel von mir im aktuellen Nitro-Magazin (3/2025): „Die Tagesschau künftig mit Avataren?“

Würde es den Zuschauern auffallen, wenn die Nachrichtensprecher der „Tagesschau“ von künstlicher Intelligenz generiert würden? Man ahnt, was Zyniker antworten. In China aber stellt sich das Problem ganz real. Was noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang, ist heute Teil des regulären Fernsehalltags: Nachrichtensprecher aus Fleisch und Blut werden zunehmend durch digital erzeugte Avatare ersetzt – oder zumindest ergänzt. Chinesischer Sender wie Xinhua und die Hangzhou Culture Radio Television Group sind die technischen Pioniere.

Im Jahr 2018 stellte Xinhua international den ersten vollständig KI-generierten Nachrichtensprecher vor – in Kooperation mit dem Technologieunternehmen Sogou. Der virtuelle Moderator heiß Qiu Hao – ein Avatar, der auf der realen Person eines bekannten Xinhua-Sprechers basierte. Er konnte auf Grundlage von Textvorlagen eigenständig Nachrichten präsentieren, Mimik und Sprache wirkten für viele Zuschauer überraschend natürlich. [Mehr lesen (pdf)]

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Flash

solimoes
Mündung des Rio Negro in den Solimoes (Amazonas) bei Manaus, fotografiert Februar 1980

Ich hatte jüngst nostalgische Anwandlungen. An welche Momente auf meinen Reisen kann ich mich besonders gut erinnern, und welche haben eine Art „Flash“ erzeugt? Das kann man schwer beschreiben, und es sind gar nicht so viele, die extrem positive Gefühle und Adrenalin hervorriefen.

Auf meiner ersten Reise 1979/80 durch die USA, Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Guyana und Barbados habe ich das trotz der Exotik nicht gespürt. In Belize gefiel es mir außerordentlich, vor allem, weil ich so gut wie nichts über das Land wusste. Aber es fehlte dieser „Wow“-Moment.

Ziemlich nah dran war, als ich zum ersten Mal den Amazonas sah. In dem Milieu, aus dem ich komme, waren Reisen dieser Art damals gar nicht denkbar bzw. vorstellbar, genau so wenig wie der Berufswunsch „Journalist“ oder „Schriftsteller“.

Leimus
Der Rio Coco, Grenzfluss zwischen Honduras und Nicaragua (auf der gegenüberliegenden Seite), fotografiert Dezember 1981.

Auf der zweiten Reise gab es so einen unvergesslichen Moment. Als wir in einer gottverlassenen Pampa und allein am Rio Coco in Honduras saßen und einen Einbaum sahen, der uns herüberholen wollte, gesteuert von einem Mädchen, das fast noch ein Kind war. Und dann am anderen Ufer der misstrauische Empfang durch bis an die Zähne bewaffneten Sandinistas, die unser gesamtes Gepäck auseinandernahmen. Und – endlich! – die Einladung des „Revolutionskommandanten“ zu einem comida international („internationalen Essen“) mit allen zusammen, womit Spagetti gemeint war. Das war wie ein „Flash“ – nach dem Motto: Das glaubt uns keiner! Und das lässt sich nicht wiederholen.

salar
Salzwüste in Bolivien westlich von Oruro, 1984

Dritte Reise 1984, sieben Monate Peru und Bolivien. Zwei Tage Fußmarsch durch eine Salzwüste, zuerst mit schwerem Gepäck, dann mit leichtem. Und dann endlich am späten Nachmittag die primitiven Hütten von Chipaya am Horizont. In einer der ersten wurde gerade Brot gebacken. Die Nachricht, dass damals in Bolivien eine Inflation wie in der Weimarer Republik war, war noch bis dorthin nicht vorgedrungen. Die beiden Brote, die wir kauften, kosteten weniger als damals zehn Pfennig. Ich habe noch nie so leckeres (Weiß)Brot gegessen. Das war schon wie im Film. Man fragt sich: Ich das jetzt real oder nur ein Traum?

Ausangate
Ein Dorf östlich von Urcos in Peru. Der schneebedeckte Berg ist der Ausangate (6.384 m) am westlichen Rand der Cordillera Vilcanota 1984.

Der zweite Flash-Moment ist klar zu benennen, aber nicht der Ort (vielleicht Mahuayani). Ich war mit einem LKW (illegaler Holztransport, rund 20 Personen auf der Ladefläche und ein paar Benzinkanister) unterwegs von Puerto Maldonado im Urwald von Peru nach Cusco, zwei Tage und eine Nacht, auf einer der damals gefährlichsten Straßen (Teil der Interoceanica Sur) der Welt.

In der Nacht hatten wir bei klirrender Kälte den Pass nördlich des Lago Sinkrinaqucha (4.377 m, spanisch: Singrenacocha) überquert. Ich weiß noch, dass der LKW gegen Mitternacht ein paar Stunden anhielt, weil der Fahrer sich nicht traute weiterzufahren, und dass ich austreten musste und fast alles anzog, was ich hatte, um nicht zu Eis zu erstarren: Zwei Pullover, Wollmütze, Wollhandschuhe. Wir führen weiter und erreichten kurz darauf dieses Dorf kurz nach Sonnenaufgang.

Ich sprang immer noch bibbernd vor Kälte vom LKW. Dann kam mir ein Reiter entgegen, der vom Pferd stieg und die anderen „Fahrgäste“ fragte, wer ich sei (ich trug eine Art Poncho und einen Hut). Alles war total unwirklich, aber ein unvergessliches Erlebnis.

coro
Mein Rucksack auf der Plaza Falcón in Coro, Venezuela, kurz vor Sonnenaufgang, 18.1.1998

Auch 1998 in Venezuela gab es Momente wie die Tänzerinnen in Coro. Aber noch mehr flashte mich ein paar Tage vorher die Ankunft dort:

Der Bus fährt direkt nach Coro. Krachendes TV, daily soap auf venezolanisch, ich brauche nicht lange, um mich daran zu gewöhnen und trotzdem zu schlafen. Um kurz nach fünf rüttelt mich jemand – wir sind schon da. Eine Brise, irgendwo muss das Meer sein. Mit schweren Füßen durch schmale, holprige Straßen einer Vorstadt. Ich bin ganz allein. Hunde bellen mich an, ohne mich zu sehen. [Ich habe mir das angesehen: Der Terminal Terreste Polica Salas – der Busbahnhof – von Coro ist an der Calle Maparari, es sind von dort gut zwei Kilometer zu Fuß bis ins Stadtzentrum.]

Endlich: die Plaza von Santa Ana de Coro, gegründet 1527 vom Spanier Juan de Ampiés, der sich dazu die Erlaubnis des Kaziken Manaure holte. Die kleine Kathedrale, dem heiligen Franziskus geweiht. Als Georg Hohermuth von Speyer und Philipp von Hutten 1528 auf diesem Platz standen, war sie noch nicht fertig. Sonnenaufgang.

Ich sitze auf einer Bank und versuche mir vorzustellen: 400 deutsche Landsknechte und sächsische Bergknappen, die hier, genau an dieser Stelle, damals, vor fast 500 Jahren, aufgebrochen sind nach El Dorado. Ich schaue auf die Uhr. Es ist unfassbar. Von Berlin nach Coro in weniger als 48 Stunden.

coro

Je mehr ich in Erinnerungen schwelge, um so mehr fällt mir ein. Aber einen Flash habe ich noch, und der ist gar nicht so lang her.

Jaffa Gate
Jaffa Gate, Jerusalem, 10.10.2023

Ich kann mich daran erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Es war wie im Fieber. Ich hätte am liebsten einen Passanten gepackt und ihn gebeten, mich zu schütteln. Bin ich wirklich hier? Ist das wahr?

Im Oktober werden ich ein bisschen gelassener sein, wenn ich wieder da stehe.

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Kernräume

Israelk

Ich musste schmunzeln. Wer – wenn nicht Bezalel Smotrich – würde sich das trauen. Das Label „rechtsextrem“ von Wikipedia halte ich für völlig bescheuert, aber rationale Argumente helfen bekanntlich nicht.

Israel heute (Telegram): „Die von Finanzminister Bezalel Smotrich vorgestellte Karte eines möglichen israelischen Annexionsplans im biblischen Kernland Judäa und Samaria zeigt: Die großen arabischen Städte (gelb markiert) sollen als autonome Zonen bestehen bleiben, während der übrige biblische Kernraum unter direkte israelische Zivilverwaltung gestellt würde.

Die Karte wurde mit dem Logo des israelischen Verteidigungsministeriums veröffentlicht.

Die Rufe nach einer Ausweitung der israelischen Souveränität über Judäa und Samaria nehmen zu – gerade jetzt, da sich die UN-Generalversammlung nähert, bei der mehrere westliche Staaten beabsichtigen, einen unabhängigen Palästinenserstaat anzuerkennen.“

Die gelben Orte sind Jenin und Tulkarm im Norden, Jericho, Hebron und Ramallah.

Biblisches Kernland – das genau ist das Problem mit den Verehrern höherer Wesen der jüdischen Art. Wie kann man politische Forderungen mit einem Buch voller frommer Legenden, Mythen und Märchen begründen wollen? Als der moderne Staat Israel entstand, war das gar nicht nötig. Soll ich mich etwa als atheistischer zionistischer Goi auf die Bibel berufen? Gott bewahre Das fehlte noch.

Unstrittig ist, dass Israel schon 3000 Jahre existiert, in welchem Umfang auch immer. Das allein ist auch kein Argument, weil die Deutschen auch mehrere Jahrhunderte in Osteuropa siedelten und irgendwann weichen mussten.

Es hat sich eben historisch ergeben, dass Palästina der einzige Ort ist, in dem Juden heute sicher sind. Wenn das die Araber nicht wollen, ist das ihr Pech. Sie hätten es anders haben können, waren aber zu blöd dazu und sind es immer noch. Die herrschenden Klassen in allen muslimischen Staaten brauchen ein äußeres Feindbild, um vom internen Klassenkampf abzulenken. Das wird sich so schnell nicht ändern.

Alle Nationalstaaten, außer vielleicht Island, sind mit Gewalt entstanden, mitsamt ihrer Grenzen. Die Römer hatten die richtige pragmatische Haltung dazu: Vae victis!

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FYI Frühstück und mehr

Frühstück

Seitdem ich wieder kauen und nicht nur flüssige Nahrung zu mir nehmen kann, lebe ich noch gesunder als vorher. Falls die Zeit dazu bleibt zum Frühstück: jugo especial à la Arequipa (das Rezept stammt von dort) à la Burks mit einer Banane, einer Birne, einem Ei, einem Esslöffel Honig und Milch, dazu Müsli (eine Mischung aus Müsli mit Nüssen und Rosinen und Kölnflocken). Kaffee natürlich auch.

Zur Zeit sind zwei Mahlzeiten am Tag das Maximum, weil einfach keine Zeit für mehr ist. FYI: 22.8. 12 Std. Tagschicht, 23.8. 12 Std. Tagschicht, 24.8. 12 Std. Tagschicht, 25.8. 10 Std. Tagschicht, 26.8. 8 Std. Nachtschicht, 27.8. 8 Std. Nachtschicht, 29.8. 4 Std. Tagschicht, 30.08. 12 Std. Tagschicht, 31.8. 9 Std. Tagschicht, 2.9. 8 Std. Nachtschicht, 3.9. 8 Std. Nachtschicht, 4.9. 8 Std. Nachtschicht, 5.9. 8 Std. Nachtschicht, 6.9. 12 Std. Nachtschicht, 7.9. 12 Std. Nachtschicht. Ich bin jung und brauche das Geld.

Ihr könnt also froh sein, dass ich überhaupt zum Bloggen komme.

Nachher, vor der Nachtschicht, gibt es Dal.

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