Kernräume, revisited

greater Israel

Noch ein Update zu meinem Beitrag „Kernräume“. Ich lese gerade von Jean Améry „Der neue Antisemitismus“. – „Jean Amérys Essays, die zwischen 1969 und 1976 geschrieben wurden, erschrecken geradezu durch ihre Aktualität. Sie lesen sich in ihrer Prägnanz, als wären sie für den heutigen Tag geschrieben.“ Genau so ist es.

Zitat (S. 36f.): Eın Judentum freilich im Sinne historischer Tradition und positiver existentieller Lebensbasis habe ich mir nicht erworben. Das einzige, was mich positiv mit der Mehrzahl aller Juden der Welt verbindet, ist eine Solidarität, dıe ich mir längst nicht mehr als Pflicht gebieten muss, und namentlich die mit dem Staat Israel. Nicht, dass ich in diesem Lande würde wohnen wollen. Es ist mir zu heiß, zu laut, zu fremd in jeder Hinsicht. Auch nıcht, dass ich gutheiße, was immer man dort treibt. Ich verabscheue die theokratischen Tendenzen, den religiös getönten Nationalismus. Auch habe ich das Land nur ein einziges Mal zu kurzem Besuch gesehen und werde vielleicht nie wieder dahin kommen. Aber ich bin den Menschen dieser heillosen Erde, die allein sind, verlassen von aller Welt, unablösbar verbunden, auch wenn ich ihre Sprache nicht spreche und ihre Lebensformen niemals die meinen würden sein können. Für mich ist Israel keine Verheißung, kein biblisch legitimierter Territorialanspruch, kein Heiliges Land, nur Sammelplatz von Überlebenden, ein Staatsgebilde, wo jeder einzelne Einwohner noch immer und auf lange Zeit hin um seine physische Existenz bangen muss. Mit Israel solidarisch zu sein heißt für mich, den toten Kameraden die Treue bewahren.

Das trifft den Kern der Sache, auch für Nichtjuden. Dieser religiöse Mumpitz, der zum Beispiel auch von Israel heute vertreten wird, suggeriert, dass man höhere Wesen verehren und fromme Legenden für historische Tatsachen halten müsse, um Zionist zu sein Israel zu unterstützen. Das ist aber Unfug. (Schönes Thema für ein neues Buch!)

Ich sehe da eine große Gefahr, wenn die Religiotisierung in Israel fortschreitet. Die Ultras warten auf einen Messias, der natürlich nie kommen wird, und wollen am liebsten den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee abreißen und einen neuen Tempel (wofür? Um Ziegen zu schlachten?) bauen.

Ich lasse mich übrigens im Oktober von Noam Chen in Jerusalem herumführen, der ähnlich wie „Israel heute“ denkt. Der weiß schon, was ihn weltanschaulich mit mir als „Kunde“ erwartet. Wir werden auch gemeinsam nach Me’a Sche’arim gehen. Die feiern dort das Laubhüttenfest, wenn ich gerade da bin.

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Kommentare

4 Kommentare zu “Kernräume, revisited”

  1. Godwin am September 7th, 2025 10:30 p.m.

    ich bin etwas am Grübeln:

    ob eingebildete höhere Wesen oder ehemals real existierende Tote.
    egal wen man als Ausrede vorschiebt – die habe selber nichts (mehr) davon, was in ihrem Namen fabriziert und angestellt wird…

    ich widdere da etwas wie Heuchelei bei Améry:
    selber in der scheinbar gemütlichen Situation, da nicht selber hin zu wollen oder gar zu müssen, voller Abscheu wider dem was dort passiert, fordert er doch gelebte Solidarität für eben alles was passiert.

    Kreuz-Köln ist auch Sammelplatz von Überlebenden.
    Warum zeigt sich Burks nicht solidarisch mit denen??

  2. blu_frisbee am September 8th, 2025 1:09 a.m.

    Burks wohnt in Rixdorf.

    Als in Folge von Reparationen durch gewonnen dt-fr Krieg 1871 sich Döland industrialisierte (Gründezeitboom, Copyright law nicht vergessen) verkauften Bauern ihre Äcker und Rixdorf entstand.
    Die Wohnungen boten Unterkunft für Proletarier, oft mit Schlafburschen.

    Aus der Zeit stammt Textilinternehmer Quandt, Firmen Siemens&Halske, Borsig etc.
    Rixdorf war ein verrufenes Vergnügungsviertel, so peinlich, daß man es in Neukölln umbenannte.

    Kreuz-Kölln sagen nur Touristen die nix von der Stadtgeschichte wissen.
    Der Bezirk Neukölln umfaßt noch die Ortsteile Britz, Rudow, Buckow wo die CDU stark ist.

    Die Antideutschen sind stark im Publikationswesen.

  3. nOby am September 8th, 2025 2:11 p.m.

    Rost, viel Rost und eine geschlossene Fischbrötchenbude.

    Ist jemand in den nächsten Tagen in Cuxhaven? Neuköllner jeder Rasse sind dort bestimmt gerne willkommen. Außerdem ist Cuxhaven nicht so gefährlich wie Neukölln und um das Berliner Rote Rathaus herum. Schrecklich. Ich würde dort nur bewaffnet die Öffentlichkeit betreten. In Cuxhaven ist das nicht nötig.

    Ich war letzten Samstag am frühen Morgen mit einem Teil meiner Sippe in Cuxhaven, um U16 zu besichtigen. Anschließend ging es zu Fuß nach Döse zum Mittagessen und wieder zurück.

    U16 liegt auf zwei Schwimmpontons verteilt für alle sichtbar im sogenannten Fährhafen. Ungesichert. Kein Wachmann zu sehen. Wer mutig ist kann den einen Ponton zu Fuß entern, den anderen Ponton schwimmend und das Wrack besichtigen. Nebenan liegt der Jachthafen mit dem DLRG Seenotrettungskreuzer, deren nächste Version womöglich so groß wird wie ein Schlachtschiff. Wahnsinn! Etwas weiter die Kugelbake. Auf der anderen Seite ist der An- und Ableger für Schiffe die Touristen nach Helgoland schippern und vor dem Anleger eine geschlossene Fischbrötchenbude.

    U16 ist sehr lang, aber vom Durchmesser her sehr schlank. Ich hatte mir das Boot wesentlich kürzer vorgestellt. Hier zum Vergleich das bei Laboe ausgestellte U-Boot. Es ist kürzer und viel fetter.

    Jetzt ist ein Streit entstanden. Mehrere Behörden beanspruchen das Boot für sich oder besser gesagt deren Führungskräfte die Lorbeeren der Bergung für sich bzw. die entgangenen Lorbeeren. Die wollen nicht wirklich den Schrotthaufen. Es wird sogar gefordert das Wrack wieder in die Nordsee zu versenken, weil die Bergung illegal gewesen sein soll. Nicht zuständige Behörden sollen die Bergung genehmigt haben. Das ist vermutlich alles Quatsch. Das Wrack landet garantiert auf einem Schrottplatz oder es findet sich ein privater Sponsor, der die Restaurierung bezahlt.

    U16 wurde nicht geborgen um es in ein Museum zu stellen. Es stellte eine Gefahr für die ganz großen Schiffe mit entsprechendem Tiefgang dar und wurde aus dem Weg geräumt. Mit mehr Geld hätte das Boot vermutlich in einem Stück gehoben werden können. Darüber ist jetzt ein zweiter Streit entbrannt. Typisch ’schland eben.

    ***

    Wir updaten das Thema 3 Tage später.

    Ohne Genehmigung gehoben: Streit um U-Boot-Wrack aus Kaiserzeit

    Jetzt geht es rund in norddeutschen Behörden. Wir stellen uns das mal praktisch vor.

    Da wird ein U-Boot aus der Nordsee durch eine Landes- und eine Bundesbehörde geborgen. Das dauerte von der Planung bis zur Ausführung wahrscheinlich mehrere Jahre. Über 200 Staatsbedienstete waren an der Bergung beteiligt. Mehrere Schiffe – alle im Staatseigentum – waren im Einsatz. Im Vorfeld berichteten diverse Leitmedien über die Bergung. Natürlich nicht die „taz“ oder „ZEIT“. Womöglich war es ein Fehler als Beamter nur diese politisch korrekten Blätter zu lesen. Andere Blätter berichteten über die Absicht das Boot zu heben. Jetzt nach erfolgter Bergung behaupten konkurrierende Bundesbehörden das war illegal und die praktische Ausführung der Bergung stümperhaft. Hoho!

    So etwas gibt es nur in ’schland. Nirgendwo anders auf der Welt gibt es so was! Wie verrottet ist ’schland mittlerweile? Oder können Beamte in ’schland fachlich nichts mehr? Kann auch sein das ich ein Vollpfosten bin. Jetzt soll der Haufen Schrott sogar in ein Museum. Zwei Museen zeigen plötzlich Interesse an den beiden rostigen Schrotthaufen, aber wie immer ist die Finanzierung ungeklärt. Nee auch? ’schland dreht völlig frei.

    Der Auftraggeber der Bergung war ’schland. Die Bergung erfolgte demnach nicht mit dem Gedanken etwas archäologisch Wertvolles zu retten, sondern um Schrott vom Grund der Nordsee zu entfernen. Ja, mit den entsprechenden Geldmitteln hätte U16 in einem Teil geborgen werden können. Davon bin ich überzeugt. Danach wäre eine Restaurierung wahrscheinlich einfacher gewesen. Aber auch nur vielleicht. 100 Jahre lag das Boot unter Wasser und keinen Menschen hat das interessiert. Jetzt sollen die Gelder für eine archäologische Bergung plötzlich verfügbar gewesen sein? Was ist das für ein Theaterstück. Schämen die sich nicht?

    Worum geht es wirklich? Es geht darum das sich Behördenchefs nicht in Szene setzen können und jetzt als Zuschauer am Ufer stehen. Als Archäologe ein deutsches Kriegsschiff bergen zu dürfen das ist was. Das schafft Bekanntheit. Dadurch wird jemand international zu einer kleinen Berühmtheit, jedenfalls innerhalb der Archäologie und zumindest kurzfristig in den Medien. Jetzt ist Rache und Nachtreten angesagt und das in aller Öffentlichkeit.

    Mein jüngster Enkel hat übrigens nicht kapiert was er da sieht. Boote und Schiffe kennt der von der Elbe, aber nicht als Haufen braunen Schrott auf einem Ponton liegend.

  4. Godwin am September 8th, 2025 9:59 p.m.

    Diskussion im SRF

    https://www.srf.ch/play/tv/sonntagszeitung-standpunkte/video/geht-israel-zu-weit?urn=urn%3Asrf%3Avideo%3A4c8285f8-4087-42a3-b405-8a7241d98a84

    man kann es kaum noch hören
    alle sind gegen uns (Israel), Framing und Propaganda…
    die bösen linken Medien…
    blablabla

    Didier Pfirter berichtet im Gegenzug von systematischen Klagen gegen Journalisten (Konzessionsklagen?) und anderen Formen der Beeinflussung der Berichterstattung…

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