Freiheit wichtiger als Sicherheit

Es scheint eine Revolution gegeben zu haben und ich habe sie überraschenderweise nicht mitbekommen. Laut einer Allensbach-Umfrage ist erstmals seit 2001 „den meisten Deutschen die Freiheit im Zweifel wieder wichtiger als die Sicherheit“ (via daten-speicherung.de). „88% der Befragten ist es wichtig, 64% sogar sehr wichtig, vom Staat nicht überwacht zu werden. Nur wenigen Freiheitsrechten messen die Deutschen eine so hohe Bedeutung zu.“

Potztausend. Das hätte ich von den Deutschen nicht gedacht.

Schreibe! Mir!

aussicht

Bemerkenswert ist in der U-Bahn in Neukölln eine ältere Frau mit Kurzhaarfrisur und Ernst-Thälmann-Mütze, die die „Junge Welt“ liest und Sätze von Artikeln mit einem rosa Marker anstreicht und dabei streng guckt.

Bemerkenswert ist eine weißhaarige Frau neben mir, die ärmlich und proletarisch gekleidet ist, eine weiße Handtasche aus Leder-Imitat auf dem Schoß hält, und ein E-Book liest.

Bemerkenswert ist eine Frau in den Dreißigern, die einen roten Mantel trägt, Musik über ein Smartphone hört und dabei etwas in ein rosa geblümtes Notizbuch schreibt,

Bemerkenswert ist, dass beim Berliner Datenschutzbeauftragten [Hauptsatz], den ich heute aufsuchte [Nebensatz 1. Ordnung], um der Berliner Polizei [Nebensatz 2. Ordnung], die meinte, unbefugt zu viel und zu lange Daten über mich zu sammeln [Nebensatz 3. Ordnung], eine offizielle behördliche Klatsche zu verpassen, eine attraktive Dame arbeit, die vermutlich genau so intelligent und clever war wie sie schön ist, und dass ich sogar vergessen habe, nach ihren Namen zu fragen, obwohl sie keinen Ehering trug und sie in mein Beuteschema passt. Schreibe! Mir!

By the way: Was ist der kleine Turm in der Mitte des Fotos?

Wer ist schuld an der Vorratsdatenspeicherung?

Heise meldet: Vorratsdatenspeicherung: Bundesregierung verlangt Abweisung der EU-Klage. Dazu schreibt ein Nutzer im Forum:

Erst bekommt die EU die VDS von diversen nationalen Regierungen aufgedrückt, weil die die gegen den Widerstand im eigenen Land nicht durchbekommen haben. (…) Dann, nachdem reihenweise Verfassungsgerichte die auf der EU-Richtlinie basierenden VDS-Gesetze wieder kassiert haben, wurde die Kommission von den selben nationalen Politikern (einschließlich deutschen!) dazu aufgefordert, doch bitte Druck für eine erneute Umsetzung zu machen.(…) .. es ist einfach ein dreckiges, unwürdiges Spiel, unpopuläre bis illegale Maßnahmen auf die EU abzuschieben und dann seine Hände in Unschuld zu waschen.(…) Dabei hätte es die VDS-Richtlinie ohne Druck durch die deutsche Regierung oder gar gegen deren Widerstand niemals gegeben.(…) Diese Wut sollte sich besser gegen die nationalen Politiker richten, die VDS und Co. wirklich zu verantworten haben.

Bei (USSD-)Anruf SIM-Tod

ussd

Verdammt. Mein Samsung Galaxy S 3 war angreifbar. Beim Aufrufen der Heise-Testseite zeigt der Default-Browser ohne Nachfrage die IMEI an, die „eindeutige 15-stellige Seriennummer, anhand derer jedes GSM- oder UMTS-Endgerät eindeutig identifiziert werden kann.“ (Ich habe aber auch Firefox auf dem Smartphone.)

„Im schlimmsten Fall kann etwa eine bösartige Web-Seite oder auch eine gezielt an Sie geschickte Nachricht ihr Handy manipulieren. Konkret gefährdet sind derzeit bestimmte Samsung-Modelle, für die ein USSD-Lösch-Code bekannt ist,“ schreibt Heise. Ich habe also sofort das App NoTelURL von Jörg Voss installiert (vgl. oben).

IDA – Inhaltliche Datenträgerauswertung

IDA

Also liebes BKA, das was Ihr da macht, das mache ich jeden Morgen, wenn ich meine E-Mails und andere Medien-Meldungen lese! Bei mir reicht jedoch meine Medienkompetenz, ich brauche dazu keine Software.

Besenreine Computer dank Truecrypt

truecrypt

So sieht es aus, wenn das kostenlose Programm Truecrypt eine externe Festplatte mit mehr als 90 Gigabyte verschlüsselt (ganz unten das Ergebnis).

Ich kann nur jedem empfehlen, auch den blutigen Technik- und Computerlaien, sich einen Abend freizunehmen und Truecrypt zu installieren (für alle Betriebssysteme).

Den Windows-Nutzern sei folgendes empfohlen: Den Rechner aufräumen, das heisst sich einen Überblick verschaffen, wo die Dateien liegen, die man braucht – Texte, Bilder usw. Dann alle Dateien ganz ordentlich in Ordner sortieren (zum Beispiel Ordner „Texte“, mit Unterordnern 2010, 2011 usw.).

Dann alle Ordner zeitweise auf eine externe Festplatte schieben. Auf dem Rechner sollte nur noch das Betriebssystem sein und die Programme, aber keine Dateien mehr in irgendwelchen „home“ oder „Benutzer xy“-Ordnern.

Dann auf der externen Festplatte nachschauen, wie groß die Ordner sind (rechte Maustaste: Ordnereigenschaften).

Dann auf dem Rechner Truecyrpt-Container erzeugen (wie das genau geht, habe ich hier schon erklärt) – ungefähr in der doppelten oder dreifachen Größe des Ordners/der Ordner, die man dort hineinschieben und verbergen will. Ich habe zum Beispiel Container, die 10 GB groß sind, 5 Gigabyte und noch ein paar kleinere.

Danach nacheinander die Truecrypt-Container öffnen und die Ordner und Dateien von der externen Festplatte hineinschieben. („Öffnen“ heißt bei Truecrypt „mount“, schließen „dismount“.) Ja, man kann mehrere Truecrypt-Container gleichzeitig geöffnet haben.

Nicht vergessen, die Truecrypt-Container zu schließen, wenn man sie nicht mehr braucht. Wenn man das vergisst und den Rechner herunterfährt, sind sie (mit Ausnahmen) noch geöffnet, wenn der Rechner wieder hochgefahren wird.

Danach sollten auf dem Rechner keine Dateien mehr zu sehen sein, falls der beschlagnahmt oder gestohlen würde. Ich weiß nicht, warum das nicht alle Leute machen. Ich verstehe es einfach nicht. Man schließt doch auch seine Haustür ab?!

Wenn die Drehbuchautoren von Krimis im deutschen TV das verstanden haben werden (so in circa zehn Jahren), wird man sich nicht mehr über den unglaublichen Quatsch ärgern müssen, den man dort sieht: Kommissare öffnen Laptops von Verdächtigen oder Toten und sehen etwas! Oder lesen gar die E-Mails! Was für ein Computer-Voodoo!

Nein, sie sollten nichts sehen und lesen können, selbst wenn der Eigentümer des Rechners vergessen hat, das BIOS mit einem Passwort zu sichern. Nein, auch „die IT-Abteilung“ kann dann nichts mehr machen.

Datenschutzfreundliche Add-Ons für Firefox, revisited

add-ons

Running and Encrypt Devices

device

Dieselbe Zeit, aber ein bisschen weiter. Es geht voran.

Nur für die besorgten Leserinnen und stirnrunzelnden Leser, die meinen, ich wäre, weil ich ein Smartphone mit GPS und Jogger-Devices benutzte, auf die Seite der Datenkraken gewechselt: Ich mach es denen immer noch so schwer wir möglich. Ja, ich habe auf encrypt geklickt!

German Privacy Foundation hat neuen Vorstand

GPF

Die German Privacy Foundation hatte gestern Mitgliederversammlung. Der Vorstand wurde neu gewählt:
Jan-Kaspar Münnich, Vorsitzender
Tone Franziska Koch, stellvertretende Vorsitzende
Jan Suhr, stellvertretender Vorsitzender
Gunter Mintzel, Schatzmeister
Burkhard Schröder, Schriftführer.

Der gemeinnützige Verein German Privacy Foundation e.V. (GPF) wurde 2007 als Reaktion auf zahlreiche Ermittlungsverfahren, Beschlagnahmungen und Hausdurchsuchungen bei Tor-Betreibern gegründet. Die GPF informiert über sichere Kommunikation im Internet und organisiert und unterstützt Weiterbildungs- und Aufklärungmaßnahmen für Erwachsene und Jugendliche. Die GPF steht mit Experten für Anfragen zu den Themen Kryptographie (insbesondere Verschlüsselung von E-Mails) und Anonymität im Internet (zum Beispiel Tor-Server, Java Anon Proxy, anonyme Remailer) zur Verfügung. Der Verein betreibt im Internet zahlreiche kostenlose Anonymisierungsdienste..

Die Mitglieder des Vorstands und die Mitglieder verpflichten sich, über Vereinsangelegenheiten ausschließlich verschlüsselt – das bedeutet: abhörsicher – zu kommunzieren. Wir reden nicht nur über Datenschutz, sondern praktizieren ihn konsequent. Wir arbeiten eng mit Journalisten- und Bürgerrechtsorganisationen zusammen und wollen erreichen, dass das Thema „Sicherheit im Internet“ besser und sachgerechter in den Medien dargestellt wird.

Dem Verein gehören unter anderem IT-Fachleute, Juristen und Journalisten. Er hat zur Zeit rund 80 Mitglieder. Der Newsletter der GPF wird ab sofort monatlich erscheinen.

Gib ihnen einen kleinen Finger

„Die Funkzellenabfrage ist ein Lehrbuchbeispiel für die bei Strafverfolgern inzwischen übliche Methode, neue Befugnisse, die durch die Weiterentwicklung von Technologie möglich geworden sind, in Paragraphen hineinzuinterpretieren, deren Zweck niemals eine Massenerfassung der sozialen Aktivitäten von Menschen war. (…) Der Richtervorbehalt ist ohnehin nurmehr ein Schatten seiner selbst.“ (FAZ, via lawblog)

German Angst

german angst

German Angst

Heute Abend um 23 Uhr könnt ihr mich bei ZDFneo sehen.

Thunderbird und Truecrypt

Truecrpt

Wie ich gestern schon sagte, habe ich nach der Neuinstallation eines meiner Rechner endlich konsequent auch meine digitale Korrespondenz vor den Augen derjeningen verborgen, die Rechner beschlagnahmen, stehlen oder mit irgendwelchen Methoden durchsuchen wollten – gegen meinen Willen.

Für Laien und die, die das noch nicht gemacht haben, hier die Arbeitsschritte für einen Computer mit dem Betriebssystem Windows 7 (64 bit) und Thunderbird 14.0:

1. Truecrypt installieren. (ausführliche Anleitung mit Screenshots)
2. Truecrypt aufrufen und ein verschlüsseltes Laufwerk („container“) erzeugen (meines ist 1 Gigabyte groß – das sollte reichen).
3. Das E-Mail-Programm Thunderbird herunterladen, aber noch nicht installieren.
4. Das verschlüsselte Laufwerk öffnen („mounten“, vgl. Screenshot oben) und die ausführbare Datei mit Thunderbird dort hineinschieben. Erst dann Thunderbird installieren und bei jeder Frage, wo es installiert werden soll, den geöffneten Truecrypt-Container (im Windows-Dateimanager „lokaler Datenträger“ genannt) angeben. Bei mir wäre das das verschlüsselte „Laufwerk“ Y. (vgl. den Screenshot unten)

Truecrpt

Jetzt kommt der wichtige Arbeitsschritt, wenn ein E-Mail-Konto eingerichtet wird:
5. Bei den „Account Settings“ (Voreinstellungen des eigenen E-Mail-Accounts, sorry, ich habe alles in Englisch) und den dortigen Optionen („Server Settings“) muss der Dateipfad geändert werden („local directory“, vgl. Screenshot unten), so dass die eingehenden Mails innerhalb des verschlüsselten Truecrypt-Containers gespeichert werden.

Nicht vergessen: Um mit Thunderbird arbeiten zu können, muss jetzt natürlich immer erst das verschlüsselte Laufwerk geöffnet („gemounted“) werden.

Ab jetzt ist auf dem so abgesicherten Rechner gar kein E-Mail-Programm mehr zu sehen, auch die unverschlüsselten E-Mails sind verborgen. (Liebe Drehbuch-Autoren von Vorabend-Krimiserien und Tatorten: Da kann auch „die IT-Abteilung“ nichts machen, die bei euch immer zaubern soll, wenn es mit dem Passwort-Raten ausnahmsweise nicht klappt.)

Truecrypt ist nicht „knackbar“. Die Angriffsszenarien, die im Wikipedia-Artikel geschildert werden, beziehen sich alle auf die Situation, dass das Passwort zum Öffnen eines Truecrpyt-Containers dann abgegriffen werden könnte, wenn der Rechner eingeschaltet und das Laufwerk geöffnet ist oder man vergessen hat, es zu schließen („dismount“).

Und jetzt wieder einmal viel Spaß beim Offline- und „Online-Durchsuchen“.

Truecrpt

Wie Bürgerdaten zu Geld gemacht werden

OptOutDay (Piraten): „Einnahmen der Meldeämter: Wie Bürgerdaten zu Geld gemacht werden – Meldebehörden dürfen Daten der Bürger verkaufen. Der Ausverkauf beim Datenschutz spült Geld in die Kassen. Den Preis für eine Melderegisterauskunft können Kommunen selbst festlegen. Der Preis schwankt dabei zwischen 1-2 Euro und 25 Euro je Datensatz. Doch über welche Summen reden wir hier eigentlich? Wir haben einmal einige Kommunen ausgewählt und die Einnahmen zusammengefasst.“ (via Fefe)

Und zwar, Fratzenbuch

Ist das sinnvoll oder beunruhigend? Fratzenbuch lässt eine Spezialsoftware die Chats seiner Nutzer überwachen. Das Ziel: Wirtschaftsverbrecher und andere Kapitalisten aufzuspüren, die sich auf Kosten der Armen bereichern wollen.

Es ist einer dieser Grenzbereiche, in denen es schwer fällt, zwischen falsch und richtig, gut oder schlecht zu entscheiden. Fratzenbuch, das wurde Ende vergangener Woche bekannt, überwacht gezielt die privaten Chats seiner Nutzer, um eine mögliche Ausplünderung gesellschaftlicher Ressourcen seitens des Kapitals schon im Vorfeld zu erkennen und gegebenenfalls die Behörden einzuschalten.

Fratzenbuch betont, dass das Chat-Mitlesen zunächst nicht von Menschen, sondern von Maschinen mit marxistischen Algorithmen erledigt wird.

Übrigens, Spiegel Online: Man beginnt keinen Satz mit „und„, und nach „und zwar“ steht auch kein Komma.

Anonymität ist erlaubt

Das das Landgericht München I hat bestätigt, dass anonyme WLAN-Hotspots erlaubt sind:
„Eine Verpflichtung, die Nutzer vor Zugang zum Internet zu identifizieren und deren Verkehrsdaten während der Nutzung zu speichern, ergibt sich für die Beklagte nicht aus § 111 TKG.“

Das Urteil kann man hier nachlesen.

Und wie ist das jetzt mit der real gar nicht existierenden „Online-Durchsuchung“? Ich gehe davon aus, dass die Lautsprecher der Überwachungs-Lobby bald fordern werden, das Telekommunikationsgesetz zu ändern.

E-Geld-Dienstleistungen: Nur Bares ist Wahres

Ein Datenschutz-Blog beschäftigt sich mit den Risiken des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Bargeld wird immer mehr zurückgedrängt – die Bürger können flächendeckend überwacht werden.

Diese Entwicklung erhält Dynamik durch eine Richtlinie der EU-Kommission, die ‚E-Geld-Dienstleistungen‘ den Weg ebnen soll. Sie sieht für Bürger der EU den flächendeckenden Einsatz von Zahlungskarten vor sowie den Einsatz von Mobiltelefonen als Speicher- und Zahlungsmedien für E-Geld. Gerade Banken dürften ein großes Interesse an dieser Entwicklung haben, da sie durch für die Geldbewegungen anfallenden Gebühren ein wesentlicher Profiteur sein dürften.

Lesenswert!

SPD und Grüne wollen den Überwachungsstaat

Koalitionsvertrag SPD/Grüne in NRW ab Zeile 7058:
Wir wollen dem Verfassungsschutz NRW die sog. Quellen-Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) ermöglichen und die gesetzliche Grundlage dafür schaffen.

Quod erat demonstrandum.

Grossbritannien wird totalitärer Überwachungsstaat

The Guardian: „Internet and phone companies will be forced to track email, Twitter, Facebook and other online data under new legislation“.

Textviewer Privacy Policy

Privacy

Der kleine Unterschied bei den Textviewern für 3D-Welten macht’s: Der Sceenshot oben ist von Radegast Metaverse Client.
Radegast Development Team is committed to protecting your privacy. We do not collect, store or use any information on users or usage of Radegast Metaverse Client.

Man vergleiche hierzu die Privay Policy von Metabolt:
Like most website operators, METAbolt.net collects non-personally-identifying information of the sort that web browsers and servers typically make available, such as the browser type, language preference, referring site, and the date and time of each visitor request. METAbolt.net’s purpose in collecting non-personally identifying information is to better understand how METAbolt.net’s visitors use its website. From time to time, METAbolt.net may release non-personally-identifying information in the aggregate, e.g., by publishing a report on trends in the usage of its website.

METAbolt.net also collects potentially personally-identifying information like Internet Protocol (IP) addresses. METAbolt.net does not use such information to identify its visitors, however, and does not disclose such information, other than under the same circumstances that it uses and discloses personally-identifying information, as described below. (Es geht noch unendlich lang weiter.

Drei Mail dürft ihr raten, welche Software ich installiert habe. (Ja, ICH lese das Kleingedruckte!)

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