Junge alternative Sichtweise

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie schrieben:
„(…) gerade dabei, ein Magazin zum Dachthema „Brandenburg“ zu realisieren. (…) soll das Bundesland durch eine junge, alternative Sichtweise thematisiert werden.“
Was ist eine „junge“ Sichtweise? Und was eine „alternative“ – zu wem oder was?
„Die Problematik Rechtsradikalität würde ich gern durch ein Porträt eines Aussteigers aus der rechten Szene (…)“
Meinen Sie das Problem Rassismus und/oder Antisemitismus? Google: Danny Thüring
„(…) oder durch eine interessante Initiative, die sich in dem Bereich Aussteiger oder Integration engagiert erzählen.“
Warum? Gut gemeint reicht nicht. Derartigen Initiativen sind sinnlos und kontraproduktiv. Darüber habe ich zahlreiche Artikel geschrieben.
„Kein politisches Konzept“ – Rechtsextremismus-Experte Burkhard Schröder über Aussteigerprogramme: „Nur Freunde können beim Aussteigen helfen, keine Organisationen“
Der „Kampf gegen rechts“ ist gescheitert
Mit freundlichen Grüßen
Burks

Sein Weg nach Jannah – die Memoiren des Islamisten Eric Breininger

Spiegel Offline verschweigt seinen Lesern wesentliche Fakten. „Über mich, mit gebürtigem Namen Eric Breininger (…) Mit diesen Worten beginnen die Memoiren Eric Breiningers, eines deutschen Dschihadisten aus dem Saarland, (…) die an diesem Mittwoch im Internet veröffentlicht wurden. “

Im Internet? Wenn man nur wüsste, wo das ist. Der Redakteur Yassin Musharbash weiß es vermulich, verrät es uns aber nicht. Wir, das normale Volk, sind sittlich gefährdet, wir könnten bei der Lektüre islamistischer Propaganda womöglich die nächste Rikscha nach Afghanistan nehmen und herumballern. Yassin Musharbash hingegen darf alles lesen und uns dann in pädagosch wertvollen mundgerechten und garantiert Jugendschutzwart-kompatiblen Häppchen darreichen.

Das Original-pdf der in grausamem Deutsch zusammengestoppelten Propaganda-„Memoiren“ findet der medienkompetente Leser auf de.ansar1.info. Der Server steht übrigens nicht, wie der Whois-Eintrag uns glauben lassen will, in Brüssel, sondern, wie man mit traceroute leicht ermitteln kann und wie APNIC anhand de IP-Adresse bestätigt, in Malaysia. Wenn es bei Spiegel offline Online-journalisten gäbe, würden sie uns das auch mitgeteilt haben – anstatt geheimnisvoll „im Internet“ zu raunen.

Übrigens machen die Islamisten jetzt auch schon Werbung für den Nationalsozialismus: „Es schau’n aufs Hakenkreuz voll Hoffnung schon Millionen. Schon bald flattern Hitlerfahnen über allen Straßen“. Gleich zu gleich gesellt sich eben gern.

Jugendschutzmafia

Wer legt den so genannten „Jugendschützern“ (auch bekannt als Jugendschutzwarte) endlich das Handwerk? Ein sehr schöner Artikel bei golem klärt auf: „Der Einfluss von Politik und vermeintlichen Jugendschützern auf den Deutschen Computerspielepreis ist viel zu hoch, Qualität spielt keine Rolle.“ Quod erat demonstrandum. Jugend“schutz“ ist eben vergleichbar mit Politik – Qualität spielt keine Rolle. Es kommt nur auf die moraltheologische Attitude an.

„Aber auch aus weniger formaler Sicht hat die Jury dem Preis geschadet: Inzwischen haben alle Beobachter festgestellt, dass Spiele offenbar in erster Linie nach dem Kriterium „auf jeden Fall gewaltfrei“ ausgezeichnet werden. Spaß oder Innovation spielen so gut wie keine Rolle.“

Die Jugend“schutz“mafia spielt mittlerweile in Deutschland eine ähnliche Rolle wie das Komitee für unamerikanische Umtriebe: Aus soziologischer Sicht handelt es sich bei derartigen Pressure-Groups um einen öffentlich sanktionierten Exorzismus aus niedrigen Motiven (Angst vor dem Bösen, Gelder abzocken, um den eigenen Arbeitsplatz zu finanzieren, keine Kontrolle der erreichten Ziele).

Kein Mensch in der zivilisierten Welt würde es heute wagen, die Prohibition wieder aufleben lassen zu wollen – wenn es um Alkohol geht. Für Cannabis ist sie noch in Kraft – und genau so irrational wie das damalige Verbot von Alkohol. Ein rationaler Diskurs der Öffentlichkeit ist aber kaum möglich, weil das Thema emotional besetzt ist und sofort hysterische Reflexe auslöst.

Wie war es damals in den USA mit dem House Committee on Un-American Activities? „Die Untersuchungen brachten zuerst wenig. Das Komitee und die Medien stellten es jedoch als großen Erfolg dar“. Genau wie hierzulande mit dem „Jugendschutz“. Derartige Umtriebe von selbst ernannten „Jugendschützern“ können nur funktionieren, wenn die Medien unkritisch mitspielen. Wer würde sich denn trauen, öffentlich den Jugend“schutz“ insgesamt in Frage zu stellen, obwohl das eine ernst zu nehmende Option ist? Niemand.

Wissenschaftliche Bücher gibt es genug, die meine Meinung unterstützen. „Kindheit“ und „Jugend“ sind kulturelle Konzepte, die auf einem unausgesprochenem gesellschaftlichen Konsens beruhen. Es nicht nicht selbstverständlich, dass die „Jugend“ vor irgendetwas „geschützt“ werden müsse.

„Im 18. Jahrhundert erkannte man erstmals in der Kindheit eine eigene Lebensperiode, die gegenüber Normen und Traditionen der Erwachsenen ihren eigenen Wert hatte. Kindheit wurde hier nicht bloß ‚entdeckt‘, sondern als Konstrukt überhaupt erst ‚entworfen‘, was auf fatale Weise pädagogischen Allmachtsphantasien Vorschub leistete.“

Jugend“schutz“ basiert auf Allmachtsphantasien. Schön, dass das mal jemand klar ausspricht. Es erklärt auch Einiges. Aber hören will es niemand.

Drei Plus

Laut ZDF-Umfrage liegt die Piratenpartei in NRW zur Zeit bei drei Prozent. 37 Prozent der Wähler haben sich noch nicht entschieden.

Carbon Copy Cacke

NPD

Warum eigentlich verschickt die NPD Sachsen offene Carbon-Copy-Verteiler? Damit ich sehe, welche Journalisten die Pressemitteilungen auch lesen? Neonazis und moderne Technik – das passt wohl doch nicht zusammen. Har har.

Child pornography is great

So richtig schön ekelhaft zum Abkotzen (via Fefe): „EU zahlt 300.000 Euro für Pro-Netzsperren-Lobbying“ (Quelle, Quelle, englisch). Zensur wird also finanziell gefördert, Meinungsfreiheit nicht. Und was sind „Jugendschutzgruppen“?

Deren schmierigen Motive mag ich mir gar nicht ausmalen, sie werden vergleichbar sein mit denen der katholischen Jugendarbeit. Um Profit geht es auch, und darum, um Gelder für sich selbst abzuzocken: „Unter anderem soll die European NGO Alliance for Child Safety Online (ENACSO) im Europaparlament direkt eine Lobbying-Veranstaltung abhalten, um Abgeordnete zu beeinflussen, für Netzsperren zu stimmen“.

„Ein Anwalt der Musiklobby IFPI soll laut Engström schon 2007 bei einer Veranstaltung gesagt haben, dass Kinderpornos ‚großartig‘ seien, da man über sie Politiker zur Einführung von Netzsperren bewegen könne.“ (Quelle)

Noch Fragen?

Gut gemeint

„Das Internet sei stärker von Politikern mit ‚guten Absichten‘ bedroht als von offen agierenden Zensoren in China.“ (sagte CCIA-Präsident Ed Black laut Heise)

Burka-Verbot, ja bitte!

Hasskappe

Ich oute mich hiermit als Befürworter des Burka-Verbots, das in Belgien ausgesprochen wurde. Über das Vermummungsverbot (§ 17a Abs. 2 Versammlungsgesetz) regt sich ja auch niemand auf: „Es ist auch verboten, an derartigen Veranstaltungen in einer Aufmachung, die geeignet und den Umständen nach darauf gerichtet ist, die Feststellung der Identität zu verhindern, teilzunehmen oder den Weg zu derartigen Veranstaltungen in einer solchen Aufmachung zurückzulegen.“ Na also. Wir haben schon so ein Gesetz. Man muss nicht immer so weit gehen wie das mir sympathische Atheist Media Blog, aber ich will durch religiöse Symbolik nicht in der Öffentlichkeit belästigt werden. Wer die Burka erlauben will, sollte auch das Vermummungsverbot aufheben wollen.

Hasskappe

Extrem rationale Finanzjongleure

Der Bundespräsident hat auf seine Art dem Volk erklärt, wie der Kapitalismus funktioniere. Heute ist der Begriff „Finanzkapital“ aus der Mode gekommen, weil die Antisemiten ihn benutzt haben. Daher ist jetzt „Finanzjongleure“ angesagt, die angeblich an der der Krise schuld sein sollen.

Gemeint ist etwas Ähnliches – die suggestive und affirmative These, einige Leute würden zu sehr „spekulieren“. Dahinter verbirgt sich der angebliche Unterschied zwischen den bösen Kapitalisten, dem „raffendem Kapital“ und den guten Kapitalisten, dem „schaffenden Kapital“. Die Diskussion kennen wir schon aus der „Heuschrecken“-Debatte.

Das Handelsblatt macht den Sachverhalt wohl eher unfreiwillig klar: „Die Finanzkrise glich einem Dschungelkrieg. Sie ist durch extremes Rationalverhalten der Banken und der Finanzjongleure im Zusammenhang mit fehlerhaften staatlichen Spielregeln voll und ganz zu erklären.“ Extremes Rationalverhalten? Wenn man das ins Deutsche übersetzt, heißt das: Die Kapitalisten verhalten sich sehr vernünftig.

Das ist richtig. Und staatliche „Spielregeln“? Da lachen ja die Hühner: Das wäre doch wieder Sozialismus, oder?

Spiegel Offline käut die Köhlersche Agitprop gewohnt unkritisch wider: „Die Praxis des heute vorherrschenden Finanzkapitalismus kann nach seinen Worten kein Leitbild sein.“ („könne wäre die korrekte Form für die indirekte Rede). „Finanzkapitalismus“ gibt es nicht, es gibt nur Kapitalismus, der in seinen Grundzügen immer noch so funktioniert, wie er im Marxschen „Kapital“ beschrieben worden ist

Man könnte Project Syndicate lesen: „The Marx Renaissance“: „The implication of Marx’s renewed popularity is that capitalism is now universally accepted as being fundamentally broken, with the financial system at the heart of the problem. Marx’s description of ‚the fetishism of commodities‘ – the translation of goods into tradable assets, disembodied from either the process of creation or their usefulness – seems entirely relevant to the complex process of securitization, in which values seem to be hidden by obscure transactions.“

Der Warenfetisch ist genau das, auf das auch Köhler hereingefallen ist: „Marx bezeichnet den Warenfetisch deshalb auch als scheinbare Vertauschung von Subjekt und Objekt, als ‚Quid pro quo‘. Durch die weiteren Entwicklungsstufen der Warenform, das Geld und das Kapital, wird diese Verkehrung noch verstärkt. Das Kapital erscheint beispielsweise als ‚Geld heckendes Geld‘ und ‚automatisches Subjekt‘, das sich in der Form des Zinses scheinbar wie von selbst vermehrt.“

Der auf die „Finanzjongleure“ einprügeln will, will unterschlagen, dass es sich um eine ganz normale Krise des Kapitalismus handelt, mit den üblichen Risiken und Nebenwirkungen, die auch nichts Neues sind. Der emeritierte Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel hat im Hinblick auf die Finanzmarktkrise die Aktualität des ökonomischen Standardwerkes von Karl Marx hervorgehoben.

Und was faselt Köhler? „Er steigert seine eigenen Renditen ohne Rücksicht darauf, ob das dem Wohlergehen der Nationen nutzt.“ Der pöhse Kapitalismus. Das pöhse raffende Kapital. Es kümmert sich nicht um das Schöne, Gute und Wahre und dass wir alle in unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung reich und glücklich werden, wie es uns versprochen wurde, sondern denkt nur an den Profit. Extremes Rationalverhalten eben. Quod erat demonstrandum.

Was wirklich ist, ist auch vernünftig, sagte schon Hegel. Vielleicht sollte Köhler wenigstens den mal lesen, anstatt das Volk zu verdummen.

Dutschke – ein grosser Deutscher

Gefunden in Niggemeiers Blog: „Welt entlarvt: Dutschke-Film ist Film!“ Der Film läuft heute Abend im ZDF. Ich habe Dutschke ein Mal persönlich erlebt, ich werde das Fernseh-„Drama“ also auf jeden Fall ansehen.

Wie sich die Bilder (fast) gleichen

Heise: „Oberstes US-Gericht befasst sich mit kalifornischem Jugendschutzgesetz“. Markanter Satz: „Die Richter urteilten, es sei nicht erwiesen, dass solche Inhalte bei Minderjährigen mehr Schäden anrichten als Fernsehen, Filme oder Internetseiten. Der Gesetzestext sei „übertrieben restriktiv“ und benutze „schwammige Definitionen“.

Hierzulande ist es nicht anders. Nur dass sich kaum jemand traut, gegen das gesunde Volksempfinden anzuschwimmen, das von der üblichen Leyenspielschar (sic) und den Jugendschutzblockwarten verkörpert und von unkritischen Medien choreografiert wird.

„Nach Meinung der Videospiele-Händler verstößt das Gesetz gegen den ersten Zusatz zur US-Verfassung, der freie Rede und Meinungsäußerungen garantiert.“ Das wiederum ist hier anders. Unser Verfassung aka Grundgesetz garantiert die Meinungsfreiheit nur relativ. Das ist unserem Land, das den Obrigkeitsstaat und den treudoofen Untertanen par excellence erfunden hat und in dem fromme Märchen Teil des Lehrplans in Schulen sind, auch nicht anders zu erwarten.

Meinungsverbrecher jagen II

Schon gestern: „Die Berliner Polizei hat am heutigen Montag ab 10 Uhr den Berliner Internet-Provider SO36.NET durchsucht. Ziel der Aktion war es, Verantwortliche für die antimilitaristische Webseite bamm.de zu ermitteln.“

„Kurze Zeit später stufte die Staatsanwaltschaft den Beschluss zur Beschlagnahme der Server jedoch als unverhältnismäßig ein und nahm ihn wieder zurück. Daraufhin wurden die Server zurückgegeben, ohne dass Daten durch die Beamten kopiert wurden. Update: In der Privatwohnung wurden zwei Rechner sowie mehrere Festplatten beschlagnahmt und mitgenommen.“

Das Übliche eben. Willkommen im Club. Erst einmal alle Rechner beschlagnahmen, auch wenn man nichts damit anfangen kann – vgl. Truecrypt oder Ubuntu. Als wenn Einschüchterung der Wahrheitsfindung diente…

Meinungsverbrecher jagen I

LawBlog: „BDK fordert Gestapo 2.0 und will die Vorratsdatenspeicherung wieder.“ Das soll ein FDP-Politiker getwittert haben. Was macht der Bund Deutscher Kriminalbeamter, in Person seines Vorsitzenden Klaus Jansen? Er erstattet Strafanzeige. Sofort. Unnachsichtig. Und gleich beim Landeskriminalamt.“

Nur damit es klar ist: „Der BDK fordert zum schnellstmöglichen Zeitpunkt ein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung“. Aha. Klar und deutlich.

Und der Angezeigte ist kein FDP-Mitglied. Soviel zur Recherche-Fähigkeit des BdK.

Irgendjemand – ich weiß nicht mehr wer – hat mal formuliert: Immer wenn man glaubt, dümmer geht’s nimmer, kommt der Bund Deutscher Kriminalbeamter daher….

Das Wahrheitsministerium informiert

Ich habe mir mal einen gewohnt linkfreien Artikel bei Spiegel Offline vorgenommen: „US-Spezialeinheiten töten Top-Taliban bei Kunduz“. Das Wahrheitsministerium Orwells hätte seine wahre Freude an der Sprache.

Bei einem von den USA angeführten Präzisionsluftschlag. Was ist der Unterschied zwischen einem Luftschlag (auch bekannt als Bombenangriff) und einem „Präzisionsluftschlag“? Beim ersteren werden die Bomben einfach so zielllos in Massen auf die Gegner oder was man dafür hält geworfen? Oder übernimmt der Autor des Artikel hier einfach unkritisch die Sprachregelung des Wahrheitsministerium, also der Kriegspropaganda der ISAF? (Ja, Spiegel Offline, wenn schon, dann könnt ihr die betreffende Presseerklärung auch verlinken. Oder überforderte das eure intellektuellen Fähigkeiten als so genanntes Online-Medium?)

Für die Bundeswehr, auch für die Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte KSK, gilt generell, dass Verdächtige festgenommen und nicht getötet werden sollen. Die US-Spezialeinheiten, die rund um Kunduz mit von ihnen trainierten Afghanen agieren, gehen robuster vor und haben in den letzten Monaten mindestens zwei Dutzend Taliban-Kommandeure rund um Kunduz eliminiert.

Wer hat das Wort „robust“ erfunden, um damit suggestiv zu verschleiern, dass es sich um gezieltes Töten auf Verdacht handelt? Im übrigen töten Soldaten im Krieg vermutlich so oft wie möglich gezielt. „Robust“ erinnert an die bekannte Sprachregelung aus dem deutschen Ministerium für Wahrheit, das „Krieg“ immer schon gern umschrieb als „robustes Mandat“. Licence to kill wäre ehrlicher.

Vor allem die berüchtigte „Task Force 373“, die seit dem Sommer in Masar-i-Scharif eingezogen ist, macht Jagd auf die Taliban. Im September 2009 hat Spiegel Offline schon einmal über diese Einheit berichtet (die verlinken noch nicht einmal auf sich selbst). „Die „US Special Forces“, für ihr ruppiges Vorgehen bekannt, haben Quartier im deutschen Afghanistan-Stützpunkt Masar-i-Scharif bezogen. (…) Immer wieder sterben Zivilisten, wenn die amerikanischen Spezialisten im Einsatz sind.“ Der Satz Deutsche Einheiten waren an der Aktion offenbar nicht beteiligt bekommt vor diesem Hintergrund eine ganz spezielle Bedeutung, als sei der Autor froh, dass andere die Drecksarbeit machen. Die Terroreinheit „Task Force 373“ wohnt zwar im deutschen Stützpunkt, aber wir sind „dem Vernehmen nach“ „nicht beteiligt“. Dem Vernehmen nach. Wieviel unabhängige Quellen waren das noch mal?

„…doch sollen pakistanische Militärs die Angriffe insgeheim unterstützen.“ Sollen? Ich rezipiere keine Medien, um mit Gerüchten abgespeist zu werden. Dann kann ich auch den nächstbesten Taxifahrer fragen.

So einen gequirlten Propaganda-Mist als Journalismus auszugeben, ist schon dreist.

Geschichte der Internet-Zensur in Deutschland

Guter und sehr empfehlenswerter (juristischer) Vortrag über die Geschichte der Internet-Filter/Zensur/Sperren in Deutschland: http://j.mp/ck0QQ2 (pdf).

Die größte Geißel der Menschheit

Nein, die Antwort können selbst die wohlwollenden Stammleser und die geneigten Stammleserinnen nicht vorhersagen. Die größte Geißel (mit eszett!) der Menschheit ist mitnichten die Religion, obwohl vieles dafür spricht. Die Verehrung höherer Wesen (Götter) oder niederer Wesen (Kaiser, Tribunen) oder gar nichtstoffllicher Substanzen (Energie, Esoterik) ist nur eine Unterabteilung dessen, unter dem die Menschheit am meisten leidet.

1. Beginnen wir bei der Berliner Treberhilfe. Laut Spiegel Print verdiente Harald „Maserati“ Ehlert 322.000 Euro im Jahr daran, dass sein „Konzern“ angeblich Obdachlosen half. By the way: Die Arbeitsagentur zahlte die Miete eines Menschen, der kein Einkommen hat. Obachlos ist jemand aus anderen Gründen.

Luxus ist kein Argument. Wir führen keine Neid-Debatte. Was mich ärgert, ist nicht dieser Ehlert, sondern die Leute, die ihn haben gewähren lassen. Ein Schmarotzer kann nur deshalb schalten und walten, wenn andere daran teilhaben. Es gab mal einen Verein, der wurde Gesellschafter einer gemeinnützigen GmbH, zur Hälfte gehörte der Laden Ehlert. Warum war das so? Man ließ ihn. Er unterschrieb seine eigenen Mietverträge. Es gab noch mehr Immobilien.

Warum eine gemeinützige GmbH? „Während bei Ihrem Verein die Mitglieder das Sagen haben und normalerweise jedes Mitglied eine Stimme hat, sind bei der gGmbH die Gesellschafter die Entscheidungsträger in allen grundsätzlichen Angelegenheiten.“ Noch Fragen?

„Einen Großteil ihrer Gelder, knapp acht Millionen Euro im Jahr 2008, bekam die Treberhilfe von der sozial- und Bildungsverwaltung des Berliner Senats und den Stadtbezirken.“ Wieviele Leute hätten der Treber“hilfe“ auf die Finger gucken können? Die Sozialsenatorin Bluhm (gehört zur Partei „Die Linke“) sagt, man hätte nicht kontrollieren können, was die „gemeinnützige“ GmbH mit ihren Gewinnen machte.

Wer prüft? Das Finanzamt für Körperschaften. „Nach Informationen dieser Zeitung prüft das Finanzamt für Körperschaften für das Jahr 2009, ob der Verein möglicherweise Gelder zweckentfremdet hat. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, würde dem Verein die Gemeinnützigkeit entzogen. Die Folge: Es müssten Steuern aus Erträgen bis maximal der letzten zehn Jahre zurückgezahlt werden.“ Und wenn sich der Verdacht nicht erhärtet? Bleibt alles so wie es ist, außer Ehlert. Aber seine bisherigen Getreuen und Groupies werden es schon richten. Und die „linke“ Sozialsenatorin findet die „Hilfe“ immer noch toll.

2. Bonn – auch im letzen Spiegel „lobend“ erwähnt. Der hier noch nie zitierte Generalanzeiger schreibt: „Zunehmend beschäftigen sich auch andere Medien mit den mysteriösen Vorgängen rund um das World Conference Center Bonn (WCCB), eines der zurzeit größten kommunalen Infrastrukturprojekte in Deutschland.“

Zunehmend? Spiegel Print: „Wie dumm darf sich eine Stadtverwaltung anstellen, bevor es kriminell wird? (…) Vieles spricht dafür, dass die Bonner Stadtspitze schon sehr früh und dann immer wieder vor dem Risiko Kim gewarnt wurde. Dass ihr klar hätte sein müssen, wie gefährlich jeder weitere Kredit sein würde. Trotzdem bürgte und bürgte sie.“

So etwas kritisch zu beleuchten und zu untersuchen, wäre Aufgabe der rheinischen Medien gewesen. Die Stadt ist mit ihrem riesigen Kongress-Bau auf einen Aufschneider hereingefallen. Der Kölner Stadtanzeiger zum Beispiel findet kein kritisches Wort, sondern druckt einfach das ab, was die PR-Abteilung der „Koreaner“ vorkäuen. Das ist kein Journalismus, sondern peinliches Gefasel.

Wikipedia: „Nach Beantragung eines Insolvenzverfahrens durch den Generalübernehmer kam es Ende September 2009 zu einem Baustopp. Die Fertigstellung des Konferenzzentrums kostet nach Einschätzung des Insolvenzverwalters rund 74 Mio. Euro.“

Es muss also nicht nur „Der Märchenmann“ heißen, sondern muss die Medien einbeziehen – die Märchenonkels.

3. Der erzreaktionäre Piusbruder und Antisemit Richard Williamson ist in Abwesenheit wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ist das gut oder schlecht? Hat auch nur ein deutsches Medium darüber räsonniert? Nein. Mainstream. Herdentrieb. Kurzes Gedächnis. Mangelnde Courage.

Ich halte es mit Winfried Hassemer, dem ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts: Der Volksverhetzungsparagraf gehört in seiner jetzigen Form abgeschafft. Er ist einer Demokratie unwürdig. „Die Gegner der Freiheit, solange sie nur ihren Mund aufmachen, meine ich, müssten durch einen Diskurs der Gesellschaft bedient werden, wenn es irgendwie ginge, und eben nicht durch das Strafrecht.“

Und was machen deutsche Gerichte? Sie fühlen sich dafür zuständig, die ganze Welt am deutschen Wesen genesen zu lassen. Ich finde das Urteil gegen Williamson peinlich und lächerlich – also falsch.

Was wollte ich eigenlich sagen? Ach ja. Die größte Geißel der Menschheit ist selbstredend die Dummheit, abgrundtiefe Dummheit, bei vielen Politikern ab Werk als Standard vorhanden, beim Volk sowieso.

Ich werde noch zum Misanthropen, wenn ich Medien konsumiere. Über das Stachelschwein-Gleichnis muss ich aber noch nachdenken: „In einer Gruppe von Stachelschweinen entwickeln an einem kalten Tag die Schweine ein allen gemeines Wärmebedürfnis. Um es zu befriedigen suchen sie gegenseitige Wärme und damit Nähe. Doch je näher sie aneinanderrücken, desto stärker schmerzen die Stacheln der Nachbarn. Deshalb verändern sie ihren Abstand, bis sie die erträglichste Entfernung gefunden haben.“ Vielleicht sollte ich zu den Medien einen größeren Abstand halten. Zu den Dummen sowieso – den größtmöglichen.

Unter dem Lack ein Feudalsystem

Manchmal ist ein kleiner Hinweis in einem Blog wertvoller als ein ganzer Artikel in einem Mainstream-Holzmedium. Via Feysinn wurde ich auf einen Satz in Spiegel Online aufmerksam:

„Über die Hälfte des deutschen Top-Managements stammt aus dem winzigen 0,5-Prozent-Segment der reichsten deutschen Familien.“

Noch Fragen zur Überschrift? Übrigens nennt man dieses System in Neusprech „freiheitlich-demokratische Grundordnung“, in normalem Deutsch „Kapitalismus“. Das meint: Der Sinn des Ganzen liegt darin, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, dass die Armen aber nichts dagegen tun, weil ihre Gehirne durch Religionen und andere geistigen Seuchen vernebelt werden.

Bloggerinnen und Sexismus im Netz

Empfehlenswert auf Mädchenmannschaft: „Bloggerinnen, Sexismus im Netz und Blogcharts: Eine Linksammlung“

Karl Marx würde Piraten wählen

Karl Marx schrieb in der Rheinischen Zeitung Nr. 298 vom 25. Oktober 1842 über die Debatte über das Holzdiebstahlsgesetz: „Der Landtag soll entscheiden, ob er einen Holzfrevel für einen Diebstahl hält“ Aha. Es ging also um ein Thema, das mit dem Urheberrecht verwandt ist.

„So wenig es euch gelingen wird, den Glauben zu erzwingen: hier ist ein Verbrechen, wo kein Verbrechen ist, so sehr wird es euch gelingen, das Verbrechen selbst in eine rechtliche Tat zu verwandeln. (…) Das Volk sieht die Strafe, aber es sieht nicht das Verbrechen, und weil es die Strafe sieht, wo kein Verbrechen ist, wird es schon darum kein Verbrechen sehen, wo die Strafe ist. Indem ihr die Kategorie des Diebstahls da anwendet, wo sie nicht angewendet werden darf, habt ihr sie auch da beschönigt, wo sie angewendet werden muß.“

Jawohl. Einer musst es ja mal aussprechen.

EU fordert Zensurgesetz

Lesenswerter Artikel in der c`t: „Déjà vu – EU-Kommission fordert Websperren gegen Kinderpornografie. Schien die Debatte um Websperren vorerst vom Tisch, folgte der nächste Paukenschlag nun von Seiten der Europäischen Union. Mit denselben schwachen Argumenten wie zuvor Ursula von der Leyen fordert EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström die rasche Einführung von Sperren im Web.“

Mir gefällt die Wortwahl nicht. Was zum Teufel sind „Websperren“? Wer sich die Begriffe der Zensur-Lobby zu eigen macht, hat schon verloren, auch wenn die Argumente noch so vernünftig sind. Man nennt als Atomkraftgegner ein Atommülllager auch nicht einen „Entsorgungspark“ – diesen Begriff hat die Atomlobby extra erfunden, weil „Park“ sich so schön anhört.

Websperren gibt es nicht. Man kann DNS-Server manipulieren wie in Nordrhein-Westfalen, wo die Provider gezwungen worden sind, die „Dolmetscher“ falsche Auskünfte geben zu lassen (wie etwa bei stormfront.org, falls man den URL in NRW aufruft). Oder man kann Wortfilter einbauen wie in vielen deutschen Bibliotheken (versuchen Sie zur Kontrolle, die University of SusSEX aufzurufen). Oder man kann IP-Adressen sperren oder ganze Netze – wie die chinesischen Zensoren.

Da es Kinderpornografie auf öffentlich zugänglichen Websites so gut wie nicht gibt (und wenn, dann nur, weil die Gesetzgebung unterschiedlich ist: Was bei uns darunter fällt, ist in den USA noch lange nicht Kinderpornografie), ist eine Diskussion ohnehin heiße Luft. Der Kaiser ist nackt. Es geht um ZENSUR und Gesetze, die vorgeben, etwas zu „sperren“ oder noch schlimmer: den Zugang zu „erschweren“, sind ZENSURGESETZE und sollten auch so genannt werden – ausnahmslos.

image_pdfimage_print

← Next entries — Older entries