Jugendschutzmafia
Wer legt den so genannten „Jugendschützern“ (auch bekannt als Jugendschutzwarte) endlich das Handwerk? Ein sehr schöner Artikel bei golem klärt auf: „Der Einfluss von Politik und vermeintlichen Jugendschützern auf den Deutschen Computerspielepreis ist viel zu hoch, Qualität spielt keine Rolle.“ Quod erat demonstrandum. Jugend“schutz“ ist eben vergleichbar mit Politik – Qualität spielt keine Rolle. Es kommt nur auf die moraltheologische Attitude an.
„Aber auch aus weniger formaler Sicht hat die Jury dem Preis geschadet: Inzwischen haben alle Beobachter festgestellt, dass Spiele offenbar in erster Linie nach dem Kriterium „auf jeden Fall gewaltfrei“ ausgezeichnet werden. Spaß oder Innovation spielen so gut wie keine Rolle.“
Die Jugend“schutz“mafia spielt mittlerweile in Deutschland eine ähnliche Rolle wie das Komitee für unamerikanische Umtriebe: Aus soziologischer Sicht handelt es sich bei derartigen Pressure-Groups um einen öffentlich sanktionierten Exorzismus aus niedrigen Motiven (Angst vor dem Bösen, Gelder abzocken, um den eigenen Arbeitsplatz zu finanzieren, keine Kontrolle der erreichten Ziele).
Kein Mensch in der zivilisierten Welt würde es heute wagen, die Prohibition wieder aufleben lassen zu wollen – wenn es um Alkohol geht. Für Cannabis ist sie noch in Kraft – und genau so irrational wie das damalige Verbot von Alkohol. Ein rationaler Diskurs der Öffentlichkeit ist aber kaum möglich, weil das Thema emotional besetzt ist und sofort hysterische Reflexe auslöst.
Wie war es damals in den USA mit dem House Committee on Un-American Activities? „Die Untersuchungen brachten zuerst wenig. Das Komitee und die Medien stellten es jedoch als großen Erfolg dar“. Genau wie hierzulande mit dem „Jugendschutz“. Derartige Umtriebe von selbst ernannten „Jugendschützern“ können nur funktionieren, wenn die Medien unkritisch mitspielen. Wer würde sich denn trauen, öffentlich den Jugend“schutz“ insgesamt in Frage zu stellen, obwohl das eine ernst zu nehmende Option ist? Niemand.
Wissenschaftliche Bücher gibt es genug, die meine Meinung unterstützen. „Kindheit“ und „Jugend“ sind kulturelle Konzepte, die auf einem unausgesprochenem gesellschaftlichen Konsens beruhen. Es nicht nicht selbstverständlich, dass die „Jugend“ vor irgendetwas „geschützt“ werden müsse.
„Im 18. Jahrhundert erkannte man erstmals in der Kindheit eine eigene Lebensperiode, die gegenüber Normen und Traditionen der Erwachsenen ihren eigenen Wert hatte. Kindheit wurde hier nicht bloß ‚entdeckt‘, sondern als Konstrukt überhaupt erst ‚entworfen‘, was auf fatale Weise pädagogischen Allmachtsphantasien Vorschub leistete.“
Jugend“schutz“ basiert auf Allmachtsphantasien. Schön, dass das mal jemand klar ausspricht. Es erklärt auch Einiges. Aber hören will es niemand.
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2 Kommentare zu “Jugendschutzmafia”
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[…] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von korbinian polk erwähnt. korbinian polk sagte: .@burks_gpf über die Jugendschutzmafia http://bit.ly/cAkw5S […]
[…] Stil hin oder her, jedenfalls hat die Dame recht: Das Verbot ist – wie jede moraltheologisch begründete Prohibition – natürlich absurd. Aber das hindert die Befürworter der Verbote […]