Die „Linke“ oder: Reforming Capitalism

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Wenn nur die Regierung Waffen hat

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Ich habe den Eindruck, dass unsere hiesigen hysterischen Clinton-Groupies vom kulturellen Mainstream und von den Trump-Wählern in den USA nicht die geringste Ahnung haben. Auch Freiheit heisst in den USA etwas ganz anderes als bei unserem dampfplaudernden Pfaffen Gauck.

Vielleicht hilft dieses Plakat weiter. Als Linker könnte man sofort zustimmen: „Waffen für das Volk“ war immer eine revolutionäre Forderung. Zur Erinnerung:

Da eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.

Und was sagt Alice Schwarzer dazu? Oder die Peschmerga?

Der kranke Mann am Bosporus oder: Nimm dies, Erdogan!

türkei

Credits: Thomas Steiner/Wikipedia/Putzger Historischer Weltatlas/DTV-Atlas Weltgeschichte

Welt online informiert hervorragend über die hierzulande fast unbekannte Geschichte der Kriege zwischen der Türkei (bzw. dem Osmanischen Reich) und Griechenland. Man könnte es aber noch besser machen, wenn deutsche Journalisten auch andere Quellen verlinken würden und nicht nur sich selbst. Zum Beispiel:

– Vertrag von Lausanne (1923) (warum verlinkt ihr nicht das Original bei Welt online? Zu faul zum Suchen? Die Leser zu dämlich, um einen englischen Text zu verstehen?

– Vertrag von Sèvres (1920): „Der Vertrag von Sèvres bildete die letzte Stufe mehrerer Verträge, Abkommen und Deklarationen seitens der Entente-Mächte, die den Weltkrieg gewonnen hatten. (…) Durch den Vertrag von Sèvres hätte das Osmanische Reich einen Großteil seines Territoriums verloren. (…) Die Unterzeichnung des Vertrags von Sèvres durch seine Bevollmächtigten führte zu einer nachhaltigen Erschütterung des Ansehens und der Autorität des Sultans bei der türkischen Bevölkerung und legte den Grundstein für die spätere Abschaffung der Monarchie. Die Nationalisten in Ankara lehnten den Vertrag ab, erklärten sich zur rechtmäßigen Regierung und leisteten der griechischen Armee im Griechisch-Türkischen Krieg Widerstand. Infolge des Vertrag von Lausanne zugunsten der Türkei revidiert.“

Welt online: Den Plan Atatürks, mit einem militärischen Präventivschlag Mosul in türkische Hand zu bekommen, machten kurdische Aufstände zunichte, die von London aus geschickt gefördert wurden. Schließlich beugten sich beide Parteien dem Spruch des Völkerbundes von 1925 [auch hier kann man einen Link setzen!], der die Region – da mehrheitlich von Kurden besiedelt – dem britisch beherrschten Irak zuschlug.

Ich halte es seit Erdogan mit Karl May: „Man spricht von dem Türken kaum anders als von dem ‚kranken Mann'“.

Übrigens, Erdogan, wenn Du in alten Verträgen herumkramst, um populistisch deine Macht zu sichern bei den geistig Armen deiner Nation: Das könnten wir Deutschen auch, wenn wir nur wieder Karl May läsen, zum Beispiel „Die Liebe des Ulanen“: „Metz war eine echt deutsche Stadt, denn als Lothar der Jüngere seine Länder theilte, kam es nebst Austrasien in den Besitz Ludwigs des Deutschen, also an das deutsche Reich. Nur fortgesetzten französischen Umtrieben und Hinterlistigkeiten gelang es, die Schutzherrschaft über Metz zu erlangen, und im westphälischen Frieden die volle Souveränität über diese wichtige Stadt zu erhalten.“

Und was ist eigentlich mit Straßburg?

Wir wollen Ergebnisse und das Rechtssystem

Der NDR berichtet über Freisprüche und über die Richterin im Prozess um die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht: „In ihrer Begründung kritisierte die Vorsitzende Richterin am Hamburger Landgericht am Dienstag die Ermittlungsbehörden scharf. Sie sei geschockt, wie leicht das Rechtssystem zu erschüttern sei, wenn die öffentliche Meinung und die Politik Ergebnisse sehen wollten.“

Ich nicht. Ich hatte ja mal ein ähnliches Problem während des Medienhypes um „Bombenbauanleitungen im Internet“.

Das neue Terrain des Klassenkampfs

streik

Kim Moody spricht mit Analyse & Kritik (früher „Arbeiterkampf“ vom KB/Nord) über Gewerkschaften und den Klassenkampf. Er meint, die Chancen für eine kämpferische Arbeiterbewegung in den USA stünden so gut wie selten.

Die Arbeit ist in den letzten 30 Jahren sehr viel härter geworden – und wird es noch. Das geschah durch Lean Production, die die Arbeitszeit pro Produkt bzw. Dienstleistung erheblich reduziert hat und an Just-in-time-Produktion gebunden ist. Lean Production begann in den 1980ern in der Autoindustrie, aber inzwischen gibt es sie auch in Krankenhäusern, Schulen, eben überall.

Ein weiterer Aspekt ist die elektronische Kontrolle, Messung und Überwachung, die es Arbeitgebern ermöglicht zu erkennen, wie sie mehr Arbeit aus buchstäblich jeder Minute herausholen können. Auch die Pausenzeiten sind seit den 1980ern dramatisch gesunken. (…) Die andere Seite ist das Einkommen. Die Reallöhne sind seit den frühen 1970ern gesunken. Immer mehr Leute arbeiten für weniger Geld als früher.

Über die Logistikrevolution in den USA: Der ganzen Outsourcing-Idee der 1980er lag das Ziel zugrunde, große Arbeiterkonzentrationen in Orten wie Detroit, Pittsburgh oder Gary zu zerschlagen. Nun haben die Unternehmen unbeabsichtigt gewaltige Ballungszentren manueller Arbeiter geschaffen.

Damit hat er sicher recht (vgl. die Streiks bei Amazon). Was im Interview noch nicht vorkommt ist, dass viele Produktionstandorte durch 3D-Printing mobil werden.

Moodys Idee ist somit: Wenn die Zahl der an einem Ort beschäftigten Arbeiter in der Produktion abnehme, nähme sie gleichzeitig bei der Logistik zu, bzw: das System der Logistik könnte ein Ansatzpunkt für Klassenkampf sein, da es sehr anfällig ist – z.B. für Sabotage: …dass diese Cluster durch Just-in-time-Systeme miteinander verbunden sind. Es gibt also Hunderte, vielleicht Tausende hochsensibler Punkte im Transportsystem. Wenn die Arbeit an einem Ort stillsteht, kannst du schnell riesige Gebiete lahmlegen. (…) Normalerweise dauert es eine Generation, bis die Beschäftigten sich über die Macht klar werden, die sie haben, und begreifen, an welchen Punkten sie ansetzen müssen.

Moody: Die Produktivität hat sich verdoppelt, die Zahl der Industriearbeitsplätze hat sich mehr als halbiert. Die Produktivitätszuwächse sind der Grund für den Jobabbau. Das hatten wir schon als Feature des Kapitalismus im „Kapital“ von Karl Marx: Der Wertanteil des variablen Kapitals sinkt, wenn sich die Produktivkräfte entwickeln (je ein Arbeitsplatz schafft mehr Wert).

Der Job Futuromat zeigt übrigens sehr gut an, wie sich das gestalten wird – immer mehr Arbeitsplätze werden durch Roboter ersetzt.

Moodys Einwand hierzu: Mich erinnert das an die großen Automatisierungsängste der 1950er. Damals war es äußerst beliebt, das Verschwinden der Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter vorherzusagen. Automatisierung hat die Zahl der Fabrikarbeiter ja auch tatsächlich reduziert. Trotzdem gibt es noch acht oder neun Millionen von ihnen allein in den USA – trotz all der technologischen Neuerungen, die die wildesten 1950er-Jahre-Fantasien in den Schatten stellen.

Moody fordert die Gewerschaften auf, koordiniert vorzugehen. „Darüber müssen sie anfangen nachzudenken…“ Da sehe ich allerdings schwarz.

Twenty-First Century Victorians

Jacobin: „The nineteenth-century bourgeoisie used morality to assert class dominance — something elites still do today“.

Sag ich doch: „Hass“ ist ja auch nur eine moralische Kategorie und nichts Politisches. „A prudishness about all things sexual“. Ich verkneife mir, das jetzt einschlägig zu illustrieren.

Only 2 points [Update]

Carsten Hübner analysiert die Chancen für Clinton und Trump. „Denn in mindestens 7 Bundesstaaten scheint es laut den jüngsten Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu geben.“ – „Fazit: Clinton weiter die Favoritin, Trump aber mit Endspurtchancen.“

Dazu passt die Washington Post: „Only 2 points separate Clinton, Trump in latest tracking poll“.

Ich wünsche mir, dass Trump gewinnt – nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern nur, um die deutschen Medien gemeinsam heulen zu sehen.

Update: The Independent: „Donald Trump overtakes Hillary Clinton for first time since May in ABC poll“.

Willkürlich herrschende Schufte und Sicherheitsmaßnahmen

schufte

Im Nachlass meines Großvaters Hugo Reinhold Schröder (1902-1992) hat sich noch ein kleines Buch gefunden, das wir für ein Poesiealbum gehalten und unbeachtet gelassen hatten. Beim Entziffern fanden wir jetzt heraus, dass er auf den letzten beiden Seiten Tagebuch geschrieben hat. Hier geht es um das Jahr 1929. Beim Opa war damals Lehrhauer auf der Zeche Vereinigte Margarete in Dortmund-Sölde. Die Schachtanlage Margarethe wurde am 15. Juni 1926 stillgelegt. Mein Großvater verlor seinen Job, wurde „an die Fürsorge überwiesen“ und musste „Stempeln gehen“. Danach heißt es im Tagebuch:

Pflichtarbeit muss geleistet werden. Von den willkürlich herrschenden Schuften dazu gezwungen. Gegenaktion eingeleitet aus der ungerechten Behandlung heraus geboren.

„Pflichtarbeit, also Zwangsarbeit bei Arbeitslosigkeit wurde 1923 in der Weimarer Republik eingeführt. „Die Verordnung zur Pflichtarbeit legte fest, daß sich jeder Arbeitslose, der nach Auslaufen der Arbeitslosenversicherung auf Krisenunterstützung angewiesen war, für gemeinnützige Arbeit zur Verfügung stellen mußte, ohne dafür entlohnt zu werden. Auf diese Weise wurden nicht nur zahlreiche Produktivkräfte außerhalb geregelter Arbeitnehmerrechte, wie Organisations- und Streikrecht, beschäftigt. Die Verordnung zur Pflichtarbeit sah auch erstmalig den Entzug der Unterstützung bei Arbeitsverweigerung und Sabotage vor, was praktisch der Verurteilung zum Hungertod gleichkam. (…)

Im Gegensatz zur ‚unterstützenden Erwerbslosenfürsorge‘, die zur Sicherung des Existenzminimums beitragen sollte, war die Sicherung des Überlebens von nun an an die Verrichtung von Notstandsarbeiten gebunden. Auch hier stand weniger der ökonomische denn ein pädagogisch-disziplinierender Faktor im Vordergrund, wie aus dem folgenden Zitat aus der Begründung zum Entwurf der Änderungsbestimmungen von 1925 deutlich hervorgeht:

‚Vor allem aber ist die produktive Erwerbslosenfürsorge das beste Mittel, um die Verelendung des Erwerbslosen und den Verfall seiner Arbeitskraft und seines Arbeitswillens zu verhüten; sie wirkt heilend und vorbeugend. (…) Wenn Arbeitslosigkeit in dicht zusammendrängender Bevölkerung in größerem Umfange und mit längerer Dauer eintritt, sind Störungen der öffentlichen Ordnung zu befürchten, besonders dann, wenn unter gewissen bekannten Einwirkungen der Wille der Massen in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. (…) Notstandsarbeiten bilden eine Sicherheitsmaßnahme, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf.'“

Von meinem Vater weiß ich, dass mein Großvater damals Kommunist gewesen sein soll. Leider wird sich nicht mehr feststellen lassen, um welche „Gegenaktionen“, die er im Tagebuch erwähnt, es sich handelte. Wenige Monate später hat er auf der Zeche Achenbach Arbeit als Bergmann gefunden.

Das erinnert mich doch sehr an heute – an Hartz IV und 1-Euro-Jobs.

Lesen! Oder was Burks so meint

Lesen in der neuen „Konkret“: Who cares – „Warum wir die Ängste der weißen Arbeiterklasse ernst nehmen sollten“ – von Jacinta Nandi, sowie „Ich bin eure Stimme! – Bei den US-Präsidentschaftswahlen haben einige was zu verlieren, die meisten aber nichts zu gewinnen“. Beide Analysen sind richtig und gut, aber leider ziemlich allein auf weiter Flur.

Du hörst die Erleichterung in der Stimme, wenn weiße Mittelschichtsleute dir erzählen, wie arm und elend die ganzen Brexit- Befürworter sind. Oder in den Staaten: die Trump-Anhänger. Und in Deutschland: die AfD-Anhänger. Es verschafft eine gewisse Genugtuung. (…) Vor allem aber wird die weiße Arbeiterklasse ausgebeutet und als Sündenbock benutzt. Gebildete und wohlhabende weiße Menschen nutzen die weiße Unterschicht als eine Ausrede dafür, dass es Rassismus überhaupt gibt

Man braucht nur die unzähligen deutschen Journalisten auf Fratzenbuch lesen, wie sie sich alle gemeinsam und gegenseitig geil fühlen, Trump blöd zu finden. Darum geht es aber leider gar nicht.

Falls jemanden interessiert, was Burks eigentlich so meint: In der „Konkret“ kann man es ungefähr lesen. Also? Ich würde Clinton genausowenig wählen wie Gerhard Schröder. Ihr Pseudo-Feminismus ist nur was für die weiße Mittelschicht. Usw. Lesebefehl.

Arbeitsbuch

Arbeitsbuch

Das so genannte „Arbeitsbuch“ meines Großvaters Hugo Schröder. Als mir das in die Hände fiel, wusste ich noch nicht, worum es eigentlich geht – Geschichtsunterricht live! Das Arbeitsbuch „war ein von staatlichen Stellen ausgestelltes Dokument, das einem Arbeitgeber [Kapitalisten] bei der Einstellung verpflichtend vorzulegen war. Ziel war es, die berufliche Mobilität von Arbeitnehmern [Arbeitern] zu kontrollieren und von der Zusage durch den früheren Arbeitgeber [Kapitalisten] abhängig zu machen. Damit sollte es Arbeitnehmern Arbeitern unmöglich gemacht werden, Lohnunterschiede zwischen Unternehmen oder Branchen mittels eines Firmenwechsels auszunutzen. Das Arbeitsbuch war somit ein Mittel, die Berufsfreiheit grundsätzlich einzuschränken, nach 1935 zudem ein Instrument der wirtschaftlichen Mobilmachung zur Vorbereitung des Vierjahresplans. In einigen Ländern wie Slowenien ist das Arbeitsbuch noch gebräuchlich und für jeden Arbeitnehmer gesetzlich vorgeschrieben. In der DDR wurde das Dokument teilweise bis 1967 geführt.“

Es wird gern vergessen, dass eines der wichtigsten Anliegen des Nationalsozialismus war, die Rechte des Proletariats abzuschaffen. Die NSDAP nannte sich „sozialistisch“, in Wahrheit war sie genau das Gegenteil – eine Partei, die den Interessen des Kapitals diente – mit Terror. Deswegen hat die deutsche Großindustrie die NSDAP auch teilweise finanziell gefördert.

Unbestreitbar ist, dass in den frühen dreißiger Jahren Unterstützungsgelder der Industrie an die NSDAP flossen. Spenden kamen außer von dem bekennenden Nationalsozialisten Thyssen auch von Fritz Springorum, Paul Silverberg, Kurt Schmitt und Friedrich Flick. Kollektiv kam Geld von der so genannten Ruhrlade, dem Verein für die bergbaulichen Interessen, dem Arbeitgeberverband für den Bezirk der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller sowie dem I.G.-Farben-Konzern. Allein Thyssen hat von 1930 bis 1933 etwa 400.000 Reichsmark der NSDAP zukommen lassen. Auch bei dem Erwerb und der Renovierung des Palais Barlow (Braunes Haus) in München war er beteiligt. Allerdings unterstützte Thyssen wie auch die übrigen Industriellen wenn möglich solche Nationalsozialisten wie Hermann Göring oder Walther Funk, die sie für gemäßigt hielten.

Die Quellenlage ist allerdings relativ dünn. Die Interessen des Kapitals waren damals genausowenig einheitlich wie heute. Deswegen halte ich die vulgärmarxistische These, „das Kapital“ habe die Nazis finanziert und damit an die Macht gebracht, für unsinnig.

Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Industriellen unterstützte laut Turners Forschungen in der Endphase der Weimarer Republik nämlich nicht Hitler und die NSDAP, sondern Papen und die DNVP. An sie ging der ganz überwiegende Teil der politischen Spenden. (…) Erst nach der Machtübernahme kann von einer massiven finanziellen Unterstützung der NSDAP durch die Großindustrie gesprochen werden.

Es gibt jedoch ein relativ neues Buch von Karsten Heinz Schönbach zum Thema, das ich mir trotz den hohen Preises bestellt habe: Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926-1943.

Der Historiker Karsten Heinz Schönbach widerspricht wiederum in seiner 2015 veröffentlichten Dissertation der Auffassung, die Unterstützung der NSDAP durch die Großindustrie sei vor 1933 eher marginal gewesen. Nach Schönbach zeigten die Quellen, dass die NSDAP von Großindustrieellen von 1927/28 an erheblich unterstützt worden sei. Allerdings könne von einer vorwiegend NS-freundlichen Haltung der Großindustrie erst nach der Wahlniederlage der konservativen Rechten am 6. November 1932 die Rede sein.

Mit dem kleinen „Arbeitsbuch“ meines Großvaters könnte man ein ganzes Seminar an einer Universität bestreiten, und eine Schulstunde sowieso. Das „Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches“ stammt vom 26.02.1935.

Mein Opa war damals Bergmann, zuerst auf der Zeche Margarete in Dortmund-Sölde, die 1926 stillgelegt wurde, dann auf Zeche Caroline in Holzwickede (wo ich geboren bin). Die Zeche wurde 1951 stillgelegt.

Werkelzeit, update

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[x] Neues Smartphone einrichten und synchronisieren
[x] Geld von der Bank holen
[x] Fahrrad zur Reparatur bringen (60 Euronen)
[x] Beleuchtung im Bad reparieren
[ ] Kaputte Dusche im Bad reparieren, Flex leihen, alte Duschwanne rausreißen, neue Duschwanne besorgen, neues Rohr und neuen Abfluss kaufen, mauern und erden, Silikon kaufen, alles abdichten: an polnischen Nachbarn/Handwerker outgesourced
[x] einkaufen
[ ] Eribon „Rückkehr nach Reims [x] lesen und [ ] besprechen
[ ] englische Wochenzeitung „The Voice of Gor“ in Secondlife schreiben
[ ] alle sechs Bücher über Spartacus [x] lesen und [ ] besprechen
[ ] Buch über Caesars Bellum Gallicum [x] lesen und [ ] besprechen: Markus Schauer: Der Gallische Krieg: Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk
[x] Leere Flaschen wegbringen
[ ] Harald Haarmann Auf den Spuren der Indoeuropäer: Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen weiterlesen
[x] neuen Pömpel kaufen
Addendum:
[ ] Küchenfußboden streichen
[x] Blumentopf, der von der Fensterbank gefallen war, ersetzen kaufen, Pflanze umpflanzen

Stadtfeind, Pömpel et al

stadtfeind

Die Stadt hat mich wieder, und ich bin ihrer verworrenen Wunder voll. Das obige Gedicht habe ich in einer Art Poesiealbum meines Großvaters Hugo Schröder gefunden. Bauernsohn aus dem so genannten Warthegau, dann Bergmann im Ruhrgebiet, dann Kommunist, dann (leider) religiös geworden und Laienprediger. Das Zitat stammt vom Arbeiterdichter Karl Bröger, aus Flamme. Brögers Lebenslauf ist sehr interessant: Er war Sozialdemokrat, sogar im KZ, wurde aber von den Nazis vereinnahmt, obwohl er nichts mit ihnen zu tun hatte.

Ich frage mich, woher mein Opa dieses Gedicht kannte. Der Inhalt ist mit der Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis kompatibel. „Stadtfeind“ passt sowohl zum Mainstream „Landlust“ aka Stadtflucht (die auch zur Weimarer Zeit bei kleinbürgerlichen Aussteigern beliebt war), aber auch zur Stadtfeindlichkeit Pol Pots und der „Roten Khmer“ in Kambodscha.

Das Doofe am Älterwerden ist eben, dass man erkennt: Alles ist schon mal dagewesen, nur das historische Kostüm ändert sich. Das macht es aber auch leichter, Dinge einzuordnen.

Liebe Freunde, ich habe immer noch Urlaub, aber so viel zu tun, dass ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll.

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[ ] Harald Haarmann Auf den Spuren der Indoeuropäer: Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen weiterlesen (sehr interessant!)
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Nonkonformisten oder: Arbeit macht nicht frei

Der Spiegel schreibt über Sinti und Roma aka Zigeuner im ehemaligen Ostblock: „Doch der Plan, die Nonkonformisten an Ordnung und Arbeitsfleiß zu gewöhnen, ist bislang mißlungen.“

Oh, wait. Der Artikel ist schon älter… Erinnert mich alles an das, was gewisse Protestanten über die Tarahumara sagen.

Wo Trump links ist

Fefe fragt ganz richtig: „Für viele Leute ist das ja völlig offensichtlich, dass Trump ein rechtsnationaler Rassist ist. Wie komme ich also darauf, das als Frage zu formulieren?“ Eine mögliche Antwort: „By this measure, Donald Trump sounds more liberal than Bernie Sanders“.

Die Zeit hatte das Thema schon im April: „Was hierzulande oft übersehen oder verkannt wird: Sozialpolitisch ist er ein Linker. Er will Obamas Gesundheitsversorgung Medicare und Social Security beibehalten, auch wenn er ein Trump-Etikett darauf zu kleben sucht. Und er sagt: „Our jobs are going to hell.“ Er will sie aus der „Hölle“ wieder nach Amerika zurückbringen. Die Auto-Jobs, zum Beispiel. „Wenn Ford nach Mexiko geht, kriegen wir gar nichts“, meint er. (…) Viele Bürger stimmen ihm zu.

(…) Trump will weg vom Freihandel, er will das Pacific Trade Agreement (PTT), das Handelsabkommen mit dem pazifischen Raum verhindern, das Nafta-Abkommen aufkündigen, und auf Einfuhren aus China 45 Prozent, auf Importe aus Mexiko 35 Prozent Zoll erheben. Soweit gehen die anderen Kandidaten nicht. Aber auch sie sagen, dass die bisher abgeschlossenen Freihandelsabkommen Amerika benachteiligen, dass sie Millionen Arbeitsplätze ins Ausland vertrieben und die einheimischen Löhne gedrückt haben. Selbst konservative Ökonomen kommen an den Fakten nicht vorbei.“

Da aber die deutschen Medien according to science die Sicht der Herrschenden verbreiten, redet man über lieber über Moral. Als wenn Trump schlimmer wäre als Reagan oder Bush? Ihr spinnt doch.

What if Karl Marx had it figured out all along?

The New Yorker: „Inequality is surging. The center is falling apart. What if Karl Marx had it figured out all along?“

Yeah! He did.

White House Watch

The Independent: „A new poll has given Donald Trump a three-point lead over his rival Hillary Clinton. According to Rasmussen’s „White House Watch“, which is at odds with most other polls across the US, Mr Trump has 43 per cent support among likely voters while Ms Clinton has 40 per cent support.“

Just saying.

Kartenspiel

Fefe (mit Quellen): „Zusammenfassend können wir also sagen: Die US-Präsidentschaftswahl ist eine komplett abgekartete Wahlmanipulation und Demokratiesimulation der Democrats. Der Grund, wieso der Wähler am Ende die Wahl zwischen der furchtbaren Hillary und dem entsetzlichen Trump hat, ist fiese Demokratie-Unterwanderung und Wahlmanipulation“.

Löschquoten oder: Zensurweltmeister Deutschland, revisited

Telepolis: „Grüner Justizsenator will Shitstorms zur „bandenmäßigen Straftat“ machen“. „Außerdem schwebt ihm [Till Steffen] vor, dass ausländische Unternehmen deutsche „Zustellungsbevollmächtigte“ für Klagen benennen und „Löschquoten“ veröffentlichen müssen.“

Zensurquoten? Der Blitz soll ihn beim Koten treffen!

The Future is Urban

pentagon

The Intercept hat ein schönes Video des Pentagon veröffentlicht, wie die Zukunft aussehen könnte. Megacities: Urban Future, the Emerging Complexity,” a video created by the Army and used at the Pentagon’s Joint Special Operations University. (…) The video was used as part of an “Advanced Special Operations Combating Terrorism” course offered at JSOU earlier this year, for a lesson on “The Emerging Terrorism Threat.”

Das Video ist auch interessant, weil es dmonstriert, wie die Mehrheit der städtischen Bevölkerung heute schon lebt. Keine Ähnlichkeit mit Deutschland, nirgends.

„Wir sind nicht vorbereitet“.

Totgesagte leben länger

Ist Trump erledigt? Die Umfragewerte für ihn gehen in den Keller. Das heißt aber nichts oder nicht viel.

Per Zufall sah ich neulich die phoenix-Talkrunde, die mich angenehm überraschte. (Ich hasse Talkrunden.) Die US-Amerikaner dort waren sich einig, eben dass noch nicht ausgemacht ist, wer die Wahlen gewinnt, die Deutschen sahen das anders.

Was ist Trumps Zielgruppe? Jetzt sei es ein „reiner Lagerwahlkampf“. Beide Kandidaten sind ohnehin total unbeliebt. Trump riskiere sogar, einen Teil der traditionellen republikanischen Wähler zu verschrecken, da es darum geht, aus dem „Kuchen“ der Nichtwähler ein genügend großes Stück herauszuschneiden.

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