Avocado-Hummus mit Kartoffel-Fladenbrot
Das Restaurant Ben-Sira-Hummus hat mich auf den Geschmack gebracht. Wenn man Hummus im Supermarkt kauft, schmeckt das nach irgendeiner undefinierbaren Chemie-Pampe. Das mochte ich nicht. Wenn man Hummus aber selbst zubereitet, sieht es gleich ganz anders aus, und es gibt auch noch unzählige Variationsmöglichkeiten.
Avokado-Hummus
Zutaten:
– 1 Dose Kichererbsen
– 2 Avocados
– 2 Knoblauchzehen
– 3 EL Zitronen- oder Limettensaft
– 1 EL Tahini Sesampaste (kann man auch selbst machen)
– 3 EL Olivenöl
– 1 EL Wasser (optional, oder die Flüssigkeit aus der Kichererbsen-Dose)
– 1 Prise (¼ TL) Salz
– ½ TL Chiliflocken
Zubereitung:
1. Kichererbsen abtropfen lassen. Avocados halbieren und die Kerne entfernen.
2. Alle Zutaten in einem Mixer oder mit einem Pürierstab zermatschen, bis die Substanz cremig wird (wie cremig, ist Geschmacksache).
3. Den fertigen Avocado-Hummus in eine Schüssel füllen und mit einem Schuss Olivenöl oder Kürbiskernen oder Schnittlauch garnieren. Koriander oder Petersilie gehen auch.
Kartoffel-Fladenbrot
Zutaten
– ca. 400 g Pellkartoffeln
– 1-2 Knoblauchzehen
– 140 g Mehl
– 1 (eine halbe Tüte) TL Backpulver
– Salz und Pfeffer
– Öl
Zubereitung
1. Pellkartoffeln machen. (Wie das geht? Mit Schale 20 Minuten kochen, abkühlen lassen und dann mit einem kleinen Messer – im Ruhrpott sagt man Hümmelchen dazu – pellen.)
2. Kartoffel zerstampfen (am besten mit einem Kartoffelstampfer oder mit den Händen zerquetschen). Dann Mehl und Backpulver, Salz und Pfeffer hineinmatschen. Aus allem einen Teig kneten.
3. Aus dem Teig sechs Kugeln formen. Backpapier auf die Arbeitsfläche legen und mit Öl bestreichen (am besten mit einem Küchenpinsel). Die Teigkugeln nacheinander im Öl hin und her rollen.
4. Aus den Kugeln Fladen machen, ca. einen halben Zentimeter dick. (Am einfachsten geht das mit einem Pfannenwender – einfach draufhauen).
5. Die Fladen in Öl in einer Pfanne von beiden Seiten goldbraun braten (dauert ca. fünf pro Minuten pro Seite, kommt natürlich auf die Hitze und den Ofen an.)
ChatGPT sagt dazu:
Dein Avocado-Hummus mit Tahini, Zitrone und 3 Kartoffel-Fladenbroten (die anderen esse ich morgen) enthält etwa:
➡️ 1690 kcal
Fett ≈ 85 g
Kohlenhydrate ≈ 211 g
Ballaststoffe ≈ 55 g
Eiweiß ≈ 46 g
Unter Kibbutzimern
Im Kibbutz Jad Mordechai. „Der Kibbuz wurde im Dezember 1943 gegründet; benannt wurde er nach dem Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto Mordechaj Anielewicz.“
The sites we visited:
– Town of Sderot – A viewpoint & The police station memorial site.
– The burned cars site near Moshav Tekuma.
– The Nova festival site.
– The Migunit ( Shelter) near Kibbutz Re’im ( Aner Shapira’s story )
– We ate in Kibbutz Yad Morechai
– A tour & meeting in the Kibbutz
Die Minimalisten schlagen zurück
Ich habe mir einen Artikel von Israel Finkelstein in der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins übersetzen und zusammenfassen lassen: „The Large Stone Structure in Jerusalem – Reality versus Yearning“ [Das große Steingebäude in Jerusalem – Realität versus Sehnsucht] (2011).

Vgl. „Die Stadt Davids“ vom 14.10.2025
Der Artikel behandelt die kontroverse Deutung der archäologischen Funde aus den Ausgrabungen von Eilat Mazar in der Davidsstadt (Jerusalem).
Zwei gegensätzliche Interpretationen stehen sich gegenüber:
Die erste stammt von Eilat Mazar selbst, wird von Amihai Mazar und Ariel Faust unterstützt und vertritt die Ansicht, dass die freigelegten massiven Mauern zu einem einzigen großen Gebäude – der sogenannten *Large Stone Structure* (LSS) – gehören. Diese LSS soll zusammen mit der *Stepped Stone Structure* (SSS) ein einheitliches architektonisches Ensemble bilden, das spätestens im 10. Jahrhundert v. Chr. errichtet wurde.

Ein Auszug aus dem Prospekt der „Stadt David“ (Jerusalem Walls National Park) Stadt David, der die große Steinstruktur beschreibt.
Die zweite Interpretation, vertreten von Z. Herzog, L. Singer-Avitz, D. Ussishkin und dem Autor des Artikels, widerspricht dieser Sicht deutlich. Nach ihrer Analyse bilden die Mauern kein einheitliches Gebäude. Einige Abschnitte stammen vermutlich aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. (Eisenzeit IIA), andere hingegen aus der hellenistischen Epoche. Auch die SSS sei keine monolithische Struktur, sondern sei über Jahrhunderte hinweg immer wieder erneuert worden. Der obere Teil der SSS gehöre wahrscheinlich zur hellenistischen Stadtbefestigung, während nur der untere Teil in die Eisenzeit reiche. Eine bauliche Verbindung zwischen der LSS und der SSS lasse sich heute nicht nachweisen.
Der Autor kritisiert die Interpretation von E. Mazar, A. Mazar und Faust als methodisch problematisch. Das Grabungsgebiet sei stark gestört, die Mauern fragmentarisch, und viele frühere Bauphasen seien durch spätere Eingriffe – insbesondere aus hellenistischer, römischer und moderner Zeit – zerstört oder verändert worden. Zudem sei das Areal bereits im frühen 20. Jahrhundert ausgegraben und anschließend verfüllt worden, wodurch viele Funde nicht mehr sicher *in situ* seien. Moderne Restaurierungen hätten zudem den Befund verfälscht, vor allem an der entscheidenden Verbindung zwischen Mauer 20 und der SSS.
Auch architektonisch und stratigrafisch sei die Hypothese einer großen einheitlichen Struktur nicht haltbar. Die Mauern verlaufen unregelmäßig, unterscheiden sich in Bauweise und Niveaulage, und es existieren keine durchgehenden Fußböden oder Funde, die eine gemeinsame Nutzung belegen. Die LSS sei daher vermutlich keine einheitliche Konstruktion, sondern bestehe aus mehreren Bauphasen und Gebäuden unterschiedlicher Zeitstellung.
Hinsichtlich der Datierung zeigen die Funde, dass die ältesten Mauern frühestens in der Mitte bis zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts v. Chr. entstanden sein können. Keramikfunde und stratigrafische Beobachtungen widerlegen eine Entstehung im 10. Jahrhundert v. Chr., wie von Mazar und Faust angenommen. Auch der Zusammenhang zwischen den eisenzeitlichen und hellenistischen Mauern bleibe unklar.
Der Autor schließt daraus:
1. Es gibt keine nachweisbare einheitliche „Large Stone Structure“.
2. Eine bauliche Verbindung zwischen LSS und SSS existiert nicht; nur der hellenistische Teil der SSS steht in Zusammenhang mit der hellenistischen Stadtmauer.
3. Die freigelegten Mauern stammen aus unterschiedlichen Epochen – teils aus dem 9. Jahrhundert v. Chr., teils aus der hellenistischen Zeit.
4. Ohne Rückgriff auf biblische Texte gäbe es keine archäologischen Gründe, diese Funde als Überreste eines monumentalen Baus des 10. Jahrhunderts v. Chr. zu deuten.
Damit stellt der Artikel die These eines großartigen, davidischen Palastbaus in Frage und plädiert für eine nüchterne, quellenkritische Auswertung der Befunde.
Also leider wieder nichts mit dem Palast Davids. Und Doron Spielman hat sich auch zu weit aus dem Fenster gelehnt. (Vgl. auch Emek Shaveh: „The Debate over „King David’s Palace“,2020)
„Hessen gegen Hetze“ – diese Denunziationsbude gehört geschlossen“
Deniz Yücel hinter der Paywall der bürgerlichen Presse: „Das Verfahren gegen Bolz verdeutlicht, warum in den vergangenen Jahren die in der BKA-Statistik als „Politisch motivierte Kriminalität“ erfassten Äußerungsdelikte enorm gestiegen sind. Allein die Verfahren (nicht: die rechtskräftigen Verurteilungen) nach §86a StGB sowie nach §86 StGB (Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger und terroristischer Organisationen) haben sich von zusammen 5704 Fällen im Jahr 2015 auf 20.074 Fälle im Jahr 2024 vervierfacht.
Diese Zahlen zeigen aber nicht (oder nicht nur), dass an jeder Ecke, wie ständig moniert wird, „Hass und Hetze“ lauern würden. Vielmehr belegen Verfahren wie das gegen Bolz, dass Ermittlungsbehörden und Justiz nicht nur gegen tatsächlich und eindeutig strafbare Inhalte vorgehen, sondern immer häufiger dazu neigen, das Strafprozessrecht als Mittel zur politischen Maßregelung und Einschüchterung einzusetzen – ohne Rücksicht auf die gefestigte Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Und kühn der Gefahr trotzend, dass man sie für Deppen hält, die nicht imstande sind, jahrtausendealte Kulturtechniken wie Satire, Ironie und Polemik zu erkennen.“
Unter Aussichtgenießenden

Jerusalem–Yitzhak Navon (central station)- „It is the world’s deepest heavy-rail passenger station, with its platforms extending down to 80 metres (260 ft) below street level.“
Zurück im O-Pod-Hotel in Tel Aviv.

Sderot Rothschild (Rothschild Avenue)
Ich habe heute die Gegend nördlich des Stadtteils Florentin in Tel Aviv erkundet. Ich musste eh einkaufen, weil morgen wieder alles geschlossen ist wg. Schabbat, außer bei den Arabern.
Übrigens: Man bekommt zu Falafel normalerweise ein kleines Schälchen gratis, in das man irgendein scharfes Zeug packt – sozusagen als Gewürzzulage. Man kann selbst aus einer großen Auswahl entscheiden, mit was man sich den Gaumen verbrennen will.
Empfehlenswert zum Bummeln ist auf jeden Fall der langgestreckte Park HaMesila: „Stillgelegte Eisenbahntrasse aus dem 19. Jh. mit Wegen und Grünflächen sowie Bänken, Cafés und Street-Art.“ Der war heute total überfüllt.
Mittendrin ist der Biergarten Teder.fm (kein Foto): „Online-Radiosender mit beliebter Pizzeria und lebhafter Wochenendszene mit Livemusik und DJ-Auftritten.“ Die Leute standen draußen an mehreren Eingängen Schlange; ich hätte eh keinen Platz mehr bekommen.
Im Künstlerviertel Neve Tzedek stehen wunderschöne alte Gebäude, total mit Pflanzen überwuchert, und hinter ihnen die Hochhäuser – man kann nur hoffen, dass sie sich nicht weiter ausbreiten. „Das Künstlerviertel Neve Tzedek bietet Geschäfte für Avantgardedesign, Modeboutiquen und Kunsthandwerksläden sowie allwöchentlich einen Bauernmarkt im HaTachana, einem restaurierten Bahnhofsgebäude. Angesagte europäische Restaurants liegen neben eleganten Bistros; viele der Freiluftcafés der Gegend verwandeln sich nach Einbruch der Dunkelheit in Jazzbars mit Livemusik oder Cocktaillounges.“
Ich werde jetzt den Sonnenuntergang über Jaffa genießen. Noch drei Tage Urlaub… 28 Grad hier um 17.38 Uhr. Und bei euch so?
Es fehlen noch: Etzel Museum und Jerusalem Museum in Tel Aviv, Kleine Klagemauer in Jerusalem, Tell es-Sultan in Jericho, Österreichisches Hospiz in Jerusalem.
Melden, durchführen, hausdurchsuchen
Hausdurchsuchung bei Norbert Bolz wegen Ironie – das könnte mir auch passieren. „Junge, nette Polizisten, die mir abschließend den guten Rat gegeben haben, in Zukunft vorsichtiger zu sein. Das werde ich tun und nur noch über Bäume sprechen.“
Youtube: „Meinungsfreiheit in Gefahr: Razzia bei Norbert Bolz – Joachim Steinhöfel im Gespräch“.
Die Denunziation kam von der staatliche Meldestelle „Hessen Gegen Hetze“.
Was soll’s. Auch die CDU schafft die „Meldestellen“ nicht ab. Deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen.
On the Road again
Sorry, ich bin froh, wieder zurück in der Zivilisation in Jerusalem zu sein. Die Straßencafés sind voll mit Frauen und Männern und nur selten sieht man Hijabs oder Niqabs und nie Burkas.
Kleine Randbemerkung: ChatGPT, was steht auf dem Schild in meinem Zimmer in Jericho (oben)?
„Das Kunstwerk zeigt eine Metallplatte in der Form des historischen Palästina, in die arabische Schrift kunstvoll eingraviert ist.
Der arabische Text lautet: **أنا إنسان من فلسطين (ʾanā insān min Filasṭīn)*
Übersetzt bedeutet das: „Ich bin ein Mensch aus Palästina.“
Diese Art von kalligrafischem Design ist in der arabischen Kunst häufig anzutreffen, besonders in Werken, die kulturelle oder nationale Identität ausdrücken. Hier verbindet die Form der Karte mit der kalligrafischen Inschrift eine politische und emotionale Botschaft über Zugehörigkeit und Herkunft.“
Und dieses „Palästina“ erwähnt Israel gar nicht, umfass aber dessen Grenzen, nicht etwa „Levante“ oder Groß-Syrien, was man am ehesten mit „Palästina“ verbinden könnte oder gar das römische Syria Palaestina.
Also? Was soll ein Israeli denken, der in diesem Zimmer übernachtet?
Ich wollte eigentlich über Almog Junction schreiben. Dort setzte mich das Taxi aus Jericho ab, und ich wartete auf einen Bus nach Jerusalem.
Once a thriving pit stop for tourists, the situation there has dramatically changed from years of terror attacks, army incursions, and checkpoints nearby.
Davon erfahre ich erst jetzt. Ich habe davon nichts gesehen oder gemerkt. Dort sieht aus wie auf einem deutschen Autobahnrastplatz, nur knapp 40 Grad heiß, und die meisten Geschäfte aufgegeben oder kaputt. Und zwei arme angebundene Kamele als Attraktion für Touristen, die nicht kommen.
Ich mag so etwas. Man bekommt das Gefühl, on the road zu sein, auch wenn alles ringsum abgefuckt ist. Das erinnert mich an meine Zeit des Trampens überallhin.

Die Geschäftsidee, Hamburger zu verkaufen, hat sich offenbar nicht durchgesetzt.
Der Bus war voll mit Soldaten beiderlei Geschlechts samt Gewehren und riesigen Armeerucksäcken. Einer stand auf und bot mir einen Platz an. Ich lehnte heftig ab, aber er bestand drauf. Ich nahm es als Höflichkeit und weniger als Respekt vor dem nicht gefühlten Alter.
Kurz vor dem Busbahnhof in Jerusalem gab es den totalen Verkehrskollaps. Nichts ging mehr, eine halbe Stunde lang. Dann fingen die Soldaten an auszusteigen, die wenigen übrigen Fahrgäste dann auch. Der Busfahrer kauderwelschte irgendwas und zeigte immer nach vorn zu einer Fußgängerbücke über der Autobahn.
Ich nahm meinen Tasmanian Tiger und den kleinen Rucksack und folgte den anderen. Nach einem Marsch von 20 Minuten waren wir an der Jerusalem Central Station samt der Tram die Jaffa Road entlang. Die Stationen kann ich auswendig.
Jetzt genieße ich die beiden letzten halben Tage in Jerusalem, bevor es morgen Nachmittag nach Tel Aviv geht.
Es fehlen noch: Etzel Museum und Jerusalem Museum in Tel Aviv, Kleine Klagemauer in Jerusalem, Tell es-Sultan in Jericho.
Fehlende arabischen Frauenhaare, Sykomoren und der Berg der Versuchung

Bei Google ist der Neubau gegenüber der Moschee an der Gamal-Abdel-Nasser-Straße noch nicht fertig.
Woran erkennt man sofort, dass man nicht mehr in Israel ist? Plötzlich sind die Städte fast ohne Frauen, und die, die man sieht, sind verschleiert bis hin zur Burka. Ich habe, außer bei kleinen Mädchen, hier noch keine arabischen Frauenhaare gesehen.
Jericho ist im Prinzip eine Kleinstadt, die jedoch nach Süden ausufert. Dort sind „Flüchtlingslager“, vor allem Aquabat Jaber.

Ein-Alsutan-Straße gegenüber dem (geschlossenen) Touristenbüro.
In allen Städten dieser Art, die keinen Suq mehr haben, kann man ein „Zentrum“ nicht erkennen. Die Straßen sind hässlich und zusammengewürfelt, wie Vorstädte in den USA oder Lateinamerika.

Auf dem Schild steht „Franziscan Sisters kindergarten“
Und nun zu uns, Russen. Putin habe ich eigentlich nicht erwartet. Aber es ist gar nicht Putin, sondern Dmitry Medvedev, nach dem auch die Straße benannt wurde (was Google offenbar noch nicht gemerkt hat). Das Gebäude ist ein „russisches Museum“. Es war auch geschlossen (unten).
Aber es gibt ChatGPT zum Übersetzen:
Under the auspices and in the presence of
His Excellency Dmitry Medvedev,
Chairman of the Government of the Russian Federation,
and
His Excellency Mahmoud Abbas,
President of the State of Palestine,
the inauguration of
President Dmitry Medvedev Street in Jericho
Friday, November 11, 2016
Rechtes Poster (mit Foto eines jungen Mannes vor dem Felsendom in Jerusalem)
Arabisch (transkribiert):
الشهيد البطل حميد عواجنة
استشهد في معركة طوفان الأقصى
Der heldenhafte Märtyrer Hamid Awajneh
Gefallen in der Schlacht der Al-Aqsa-Flut
am 8. Oktober 2023
Tufan al-Aqsa“ ist die arabische Bezeichnung für den Angriff der Hamas auf Israel am 7./8.Oktober 2023.
Das ist wieder das Kleingedruckte unter der Oberfläche, was man auch lesen muss, selbst wenn alle Leute ultrafreundlich sind.
Die Sykomore des Zachäus (polnisch: Sykomora Zacheusza, englisch: Zacchaeus Sycamore Tree) in Jericho ist einer der bekanntesten christlichen Pilgerorte im Westjordanland und bezieht sich auf den biblischen Zachäus, der in Jericho auf so einen Baum gestiegen sein soll, um Jesus zu sehen.
„Der heute sichtbare Baum ist eine uralte Maulbeerfeige (Ficus sycomorus), die laut lokaler Überlieferung über 2.000 Jahre alt sein soll. Botaniker weisen allerdings darauf hin, dass Sykomoren in diesem Klima selten älter als 500–600 Jahre werden.“ Also schon wieder Fake News.
Ich war noch frisch, obwohl die Temperatur schon in Richtung 40 Grad ging. Da oben am Berg klebt ein griechisch-orthodoxes Kloster. Zum Glück gibt es eine Seilbahn.
Ich marschierte dorthin, immer auf der Seite, wo es mehr Schatten gab. Ich kann mir vorstellen, dass die hiesige Kleinbourgeoisie die Hamas verabscheut, weil der Krieg seit 2023 den Tourismus ziemlich zum Erliegen gebracht hat. Früher war das wohl anders.
Die Seilbahn hat schon bessere Tage gesehen. Ich war froh, dass ich allein drin saß. Um Panikattacken zu vermeiden, wird darauf hingewiesen, dass die Kabinen in der Mitte der Strecke kurz anhalten, um oben und unten neue Passagiere aufzunehmen.
Oben links kann man das Monastery of the Temptation erkennen. „Es wurde an den Hängen des Berges der Versuchung erbaut, 350 Meter über dem Meeresspiegel, entlang einer Klippe, die auf die Stadt Jericho und das Jordantal blickt.
Seine ältesten Bauwerke stammen aus dem 6. Jahrhundert und wurden über der Höhle errichtet, in der Jesus der Überlieferung nach vierzig Tage und vierzig Nächte fastete und meditierte, während er vom Satan versucht wurde.“
Ich habe keinen blassen Schimmer, wie man so etwas da oben hinbauen kann, ohne dass alles wieder in die Tiefe stürzt. Die Felsen sehen auch aus, als würden permanent Teile abbrechen.
Während die Kabine nach oben bzw. nach unten ruckelt, erscheint der See Genezareth im Süden. Tiberias ist nicht zu sehen. Die Berge im Westen und Südwesten sind schon Jordanien (Foto ganz unten).
Das Bild unten ist eine abfotografierte Postkarte. Ich wollte den einsamen griechisch-orthodoxen Mönch, der den Besuchern die winzige Kapelle zeigt, nicht umhauen, sondern fotografierte brav nicht, weil das bestimmt irgendeiner Wahrheitsfindung dient.
Solche Toiletten habe ich das letzte Mal Anfang der achtziger Jahre in Südamerika gesehen. So etwas gibt es nicht in Israel. Wahrscheinlich müssen die so genannten „Palästinenser“ unser Geld dringend anderweitig verwenden.
Morgen geht es im Frühtau zu Berge, nur ohne Frühtau.
Am Westufer

Sogar in der kleinstädtischen Pampa (hier: Mizpe Ramon) zeigen die Bushaltestellen an, wann die Busse kommen bzw. abfahren.
Kurz zwischendurch und IMHO ohne interessanten Inhalt. „Die Entfernung zwischen Mitzpe Ramon (Israel) und Jericho beträgt etwa 232 km auf der Straße. Die reine Fahrzeit mit dem Bus liegt – je nach Route und Umstiegen – bei rund 4 Stunden.“
Auf dem Weg nach Be’er Scheva, der „Hauptstadt“ des Negev, sieht man ziemlich oft Baracken- oder Slum-ähnliche Behausungen. Ich gehe davon aus, dass sich dort Beduinen angesiedelt haben.
Den Busbahnhof von Be’er Scheva finde ich sehr interessant: Scharen bewaffneter Soldaten beiderlei Geschlechts, vollverschleierte Beduinen-Frauen und allerlei buntes Volk jeder Art, aber kaum orthodoxe Juden. Man kann da gut eine Weile herumsitzen und sich die Leute ansehen.

Busse haben USB zum Laden und oft – wie hier – einen eigenen freien Internet-Zugang für die Fahrgäste.
Die Strecke zum Toten Meer bin ich schon 2023 gefahren. Typisch: Die Steinwüste der judäischen Berge wird karger und karger und fast Sand, der Anblick öde. Man muss so etwas schon mögen; es schreckt total ab. Wer begibt sich freiwillig in eine solche Einöde?
Das Reisen mit Apps wie Moovit ist natürlich kinderleicht, im Prinzip. Man verfolgt in Echtzeit die Busse und sich selbst, vorausgesetzt, man hat Internet – was aber in ganz Israel der Fall ist, außer man steht mitten in der Wüste.
Die Reise nach Jericho ist etwas kompliziert, weil es keine direkten Verbindungen von Israel aus gibt. Mein Rat: Von der Jerusalem Central Busstation nach Almog Junction (die Busfahrer verstehen auch „Almog“).
Das Problem: Der Busfahrer wusste zwar, wohin ich wollte, weil ich es ihm bei der Abfahrt gesagt hatte, vergaß aber anzuhalten. Er bretterte bis zum Abzweig nach Deir Halja und bequemte sich erst dann anzuhalten. Ich musste also gut einen Kilometer mit dem gesamten Gepäck zurücklaufen, ohne Schatten und in glühender Hitze. Das liegt hier übrigens alles schon weit unter dem Meeresspiegel.
Mit meinem unglaublich hilfsbereiten Hotelbesitzer kommunizierte ich per WhatsApp. Zum Glück hatte mein Gastwirt schon einen Taxifahrer zum Almog Junction samt Beschreibung meiner Person geschickt, der dort wartete und mich nach Jericho brachte (40 ILS = rund 10 Euro). Zusätzlich bekam ich noch ein Video, wie ins Haus und in mein Zimmer zu gelangen sei, weil sonst niemand hier ist und der Besitzer arbeiten muss. Ich war froh, als ich endlich da war und die luxuriöse Dusche nutzen konnte.
B&B La Luna Jericho – höchstmögliche Anzahl von Sternen und ein unglaubliches Preis-Leistungsverhältnis – knapp 100 Euro für drei Nächte, mit Frühstück und Garten und großem eigenen Bad.
Könige, Kamele und noch mehr
Prolog, revisited: Hier laufen die Ibexe wieder herum, und alle Autofahrer wechselten in Zeitlupe. Die Tierchen sind pfeilschnell und machen große Sprünge, und wenn sie in Panik geraten, weiß man nicht, in welche Richtung sie dann laufen werden.
Ich muss jetzt wieder zusammenposten, was gar nicht zusammengehört. Heute stand – auf Empfehlung von Einheimischen – ein kleiner Ausflug zum Midreshet Ben-Gurion auf dem Programm. Der gestrige Tag steckte mir noch fühlbar in den Knochen. Das ist nördlich des En-Awdat-Nationalparks (der auf den Panorama-Bildern zu sehen ist).
Zwischendurch die Weltläufte. Ich gehe davon aus, dass der Krieg in Gaza jetzt weitergehen wird. „The war is not over yet, there are a few more things that need to be done, we know that.“ – „Im südlichen Gazastreifen bei Rafah kam es zu heftigen Feuergefechten. Terroristen stürmten aus einem Tunnelschacht und attackierten israelische Soldaten. Erste Meldungen sprechen von Todesopfern auf unserer Seite.“
Ceterum censeo: Hamas esse delendam.
Ach ja. Gegen Trump wurde demonstriert. Bei den Qualitätsgenderhauptstadtmedien ist das Wort „Demonstranten“ verboten, es heißt jetzt laut Ministerium für Sprachesoterik „Demonstrierende“,
Der US-Präsident kontert mit einem lustigen ekligen Video, auf dem King Trump und viel Scheiße zu sehen sind. [Auch bei den Österreichern anzuschauen – für die, die Truth Social nicht mitlesen.] Die New York Times weist vorsorglich darauf hin, dass das Video ein Fake ist.
Ich habe mir kurz das Grabmal Ben Gurions und seiner Frau angesehen, das in seinem reizenden kleinen Park – wieder mit vielen Ibexen – liegt. Und mit grandioser Aussicht.
Übrigens: Die spinnen, die Griechen.
Ich habe gerätselt, wofür auf dem obigen Foto das fette Abflussrohr ist, das links aus den Felsen kommt. Darüber liegen die Ramat Negev Regional Library und Shermans Hotel. Aber sind die nicht an die Kanalisation angeschlossen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendwas Schmutziges vor aller Augen direkt in den Nationalpark abgelassen würde.
Vielleicht hat Trump das ja so geplant. „Trump expressed doubt that Hamas would disarm voluntarily, but noted that if not, the United States would do so.
At the same time, he emphasized that the US would not deploy ground troops in Gaza — the operation, he said, could be carried out by Israel with US support.
„They promised they would disarm. They said they would disarm. There is doubt that they will do so. Now they said they were gang members and so on, and so on, you know. But these are very cruel people. This is a very cruel part of the world. No one has seen such violence. If necessary, we will disarm them. Whether it is me or the US, or, you know, a proxy — it could be Israel with our support. And we will not have ‚bare‘ troops on the ground. There is no need for that,“ Trump said.“
Auf dem Schild – aus dem Lokalbus nach Mizpe Ramon fotografiert – steht: „Beware of camels near the road“.
Heute ist mein letzter Tag in der Negev. Morgen fahre ich nach Jericho. Wenn die IDF wieder loslegt, kann es unter Arabern ja heiter werden.
Sicherheit & Formalitäten:
⦁ Ausweis/Pass mitnehmen; du passierst teils Checkpoints.
⦁ Rechtslage: Jericho (Kernstadt) liegt in Gebiet A; israelischen Staatsbürgern ist die Einfahrt untersagt. (Bitte beachte deine Staatsangehörigkeit/Visa-Situation.)
⦁ Frequenz/Zeitfenster: Arabische Busse/Servees fahren ohne strengen Fahrplan und starten, wenn voll; nachmittags ist Betrieb normal, abends dünner.
(Quellen: ChatGPT/Ramallah Tourist Center)
Russischer Imperialismus oder: Marx (und Engels) kontra Moskau

A colossal bear made of ice and iron, emerging from the northern snows, its shadow stretching across continents from the Baltic to the Black Sea, devouring colors and cultures. Each claw marked with centuries: Peter, Catherine, Stalin, Putin. The landscape below transforms from empire to revolution to modern state, yet the beast’s eyes remain the same cold, golden, patient. –s 750
Ich darf die Leserschaft auf einen sehr interessanten Artikel Michael R. Krätkes (deutsch, pdf) aufmerksam machen: „Marx (und Engels) contra Moskau“.
Auf die Altvorderen, die alten weißen Männer, geben heutige Linke nicht mehr viel. Täten sie es, sie würden einige Überraschungen erleben, nicht nur wegen der politisch unkorrekten Ausdrucksweise der Herren. Denn Männer wie Karl Marx und Friedrich Engels, Männer des vergleichsweise friedlichen 19. Jahrhunderts, waren keine Pazifisten. Bellizisten waren sie auch nicht. Doch haben sie den Krieg wie die meisten ihrer Zeitgenossen als ein normales – im Sinne von häufiger wiederkehrendes, also erwartbares – Phänomen der internationalen Politik betrachtet. An Kants „ewigen Frieden“ glaubten sie nicht, sie lebten in einer Welt
rivalisierender imperialistischer Mächte, die untereinander wie gegen die von ihnen unterworfenen Völker immer wieder Krieg führten, in Europa ebenso wie auf anderen Kontinenten. (…)
Alle politischen Revolutionen der Neuzeit, die englische, die amerikanische wie die französischen Revolutionen, die alles andere als friedlich verliefen, gingen mit Bürger- und (Interventions)Kriegen einher; oder sie führten zu einer Serie von Eroberungskriegen. Alle Mächte, die großen wie die kleinen,
waren kriegerisch, alle Staaten, die großen wie die kleinen, waren Militärstaaten, das Militär, die modernen stehenden Berufsarmeen ebenso wie Volksarmeen, also die Kriegsbereitschaft in Permanenz, kostete Unsummen. (…)
Hegemonialmacht wurde Russland nie, das russische Imperium setzte voll und ganz auf militärische Gewalt. In seinen Einflusssphären wollte es die stärkste Landmacht sein und als Seemacht mit allen übrigen mithalten können. Im Kaukasus, in Zentralasien führte es Jahrzehnte lang blutige Eroberungskriege. Im Süden führte es einen Krieg nach dem anderen gegen den alten Erzfeind, die Türkei. Mit dem Ziel, die Vorherrschaft im Schwarzen Meer zu erringen und schließlich Istanbul zu erobern, den Bosporus und die Dardanellen unter seine Kontrolle zu bringen. Sei dem Vertrag von Kücük-Kaynarca von 1774 beherrschte die „Orientalische Frage“ die europäische Politik. Russland griff immer wieder an, schließlich mündeten die russischen Kriege gegen die Türkei in den Krimkrieg, in dem sich England und Frankreich mit der Türkei verbündeten. Ein Krieg, der das durch Russlands Aggression bedrohte Gleichgewicht der Großmächte in Europa bewahren sollte. Russland verlor, blieb aber als Großmacht im Spiel der Großmächte, dank der Nachgiebigkeit seiner Kriegsgegner. Russlands Eroberungsdrang stand außer Frage. Das russische Imperium führte im 18. und 19. Jahrhundert einen Angriffskrieg nach dem anderen gegen das osmanische Reich. (…)
Die zeitgenössische Linke war kein Jota besser als die vor dem vermeintlich übermächtigen Russland kriechende Bourgeoisie des Westens. Also legten sich Marx und Engels mit der linken Prominenz ihrer Zeit an, ohne Rücksicht auf deren Befindlichkeiten. Mit besonderer Schärfe reagierten sie auf die linken
Friedensschwärmer, die sich gegen den Kampf der Polen für ihre nationale Unabhängigkeit wandten, also die Partei des russischen Imperialismus ergriffen. Da kannten die beiden keine Kompromisse, die Frage der polnischen Unabhängigkeit war und blieb für die Schlüsselfrage, die die Zukunft ganz Europas berührte. Konnten sich die Polen vom russischen Joch befreien, war Europa vor russischen Angriffen sicher. Blieb Polen unter russischer Herrschaft, wie nach den in Blut erstickten Aufständen von 1830 und 1863, war ganz Europa in Gefahr.
Anmerkung 5: Der geschichtsverklärenden Vorstellung, in grauer Vorzeit habe es völlig friedfertige, nur auf friedliche Kooperation mit allen Nachbarn erpichte, durch und durch unkriegerische, ja kriegsunfähige Gesellschaften gegeben, erst mit und durch die Zivilisation sei das Urübel Krieg in die Welt gekommen, sind viele erlegen. Der Mythos vom edlen und friedliebenden Wilden, bis heute bei Pazifisten beliebt, ist durch die Arbeit der Anthropologen und vor allem der Archäologen längst widerlegt worden. Vgl. zum aktuellen Forschungsstand das Buch von Lawrence H. Keeley, War before Civilization. The Myth of the Peaceful Savage, Oxford University Press 1996. Keeley und viele andere greifen nicht auf biologische Argumente zurück, die Frage, ob einige Primaten Konflikte gewaltsam oder friedlich zu lösen pflegen, ist für die Frage nach dem Ursprung des Krieges völlig unerheblich.
Hinaus ins Mittagland
Da sie nun Mose sandte, das Land Kanaan zu erkunden, sprach er zu ihnen: Ziehet hinauf ins Mittagsland und geht auf das Gebirge… (4. Mose 13)
Ich schrieb schon, dass man die Panoramen nicht fotografieren kann. Morgen gehe ich auf einen langen Marsch, dann werden wir sehen, wie das aussieht.

Mizpe Ramon liegt auf einer Anhöhe. Hier kann es zwar bis zu 40 Grad heiß werden, aber es weht immer ein lauwarmer Wind, so dass die Hitze erträglich ist.
„There are moderate to strong winds all year long, caused by its location above the crater, which make Mitzpe Ramon feel much colder than it really is.“ Sag ich doch. Unten im Krater wird es leider nicht mehr so sein.
Da stand eine Gruppe von Leuten herum, die alle in einem dicken Buch lasen und dabei ab und zu in den Krater schauten. Es waren vermutlich US-Amerikaner, und es war die Bibel. Wenn es der Wahrheitsfindung dient…
Weißt du etwas über ein Denkmal in Mizpe Ramon, auf einem Rondell an einer Straßenkreuzung, von zwei arbeitenden Männern?
ChatGPT: Nachgedacht für 35 Sekunden: Ja – das ist kein Denkmal, sondern ein öffentliches Kunstwerk in Mizpe Ramon. Es heißt auf Hebräisch „שחזור פריצת הדרך למצפה רמון“ („Rekonstruktion des Durchbruchs der Straße nach Mizpe Ramon“). Die Bronzeplastik zeigt zwei arbeitende Männer bei Straßenbauarbeiten und steht auf dem zentralen Kreisverkehr der Stadt. Urheber ist der israelische Bildhauer Asaf Lifshitz; die Aufstellung ist spätestens 2018 belegt.
Zu diesem Standort passt die lokale hebräische Bezeichnung כיכר החלוצים (Kikar HaHalutzim = „Pionier-Platz“), die von Gemeinde/Ortsquellen verwendet wird – das ist der große zentrale Kreisverkehr am Stadteingang, auf dem die Skulptur mit den zwei Arbeitern steht.
Der Mann hatte seine Familie und das Gewehr dabei. Ich wollte die Leute nicht nerven, aber ich habe mindestens vier Bewaffnete im Supermarkt gesehen, alle mit Sturmgewehren.
(Der Einkaufszettel liegt verkehrt herum.) Alles zusammen kostete 147,50 Schekel, das sind 38,14 Euro. Das reicht für zwei Tage. Sagte ich schon, dass ich wieder mein Idealgewicht habe?
Gefühlt es es um die Mittagszeit 40 Grad heiß, und ich bin nur haarscharf an einem Sonnenbrand vorbeigeschrammt. Obwohl das hier mitten in der Wüste liegt, leisten sie sich Wasserspiele. Unzählige Bänke im Schatten gibt es auch, weder beschmiert noch dreckig. Ich will nicht alles schönreden, aber es ist eben so.
In Jerusalem habe ich auch einen Obdachlosen gesehen, der auf dem Trottoir der Jaffa Road übernachtete. auf dem Davida Square sitzen immer ein paar Säufer herum – das war schon so vor zwei Jahren.
Die Katze darf immer raus, wenn sie will. Wenn man rausgeht, wartet sie dann oft vor der Wohnungstür, wenn man zurückkommt. Meine Wirtin sagte, die Katze hatte sie adoptiert, nicht sie die Katze. Das Tierchen ist total entspannt und ruiniert auch keine Pflanzen, obwohl das bei Kakteen auch nicht ganz so einfach ist.
Bet Guvrin – Stadt der Freien
Das Café im Kibbutz Bet Guvrin besteht nur aus einer Art Currywurstbude ohne Currywurst und Bänken im Schatten. Es gab aber leckeren Milchkaffee, Obstsäfte und ein herzerwärmendes Lächeln. Und ein längeres Gespräch. Nein, der Krieg ist nicht zu Ende.

Gali und Ziv sind frei! Willkommen zurück! Wie sehr haben wir auf euch gewartet!!!
„Der heutige Kibbuz wurde 1949 von Palmach-Veteranen auf dem Gelände des arabischen Dorfes gegründet. Ein wichtiger Wirtschaftsbereich der Siedlung ist der Tourismus.“
Die Ruinen von Eleutheropolis und das römische Amphitheater habe ich mir nur von weitem angesehen, weil ich ein bisschen kaputt war (dazu später).
Man sieht kilometerlange Sonnenkollektoren und Pflanzen, an die, um sie zu bestimmen, ich eine App hätte halten müssen. An der Bushaltestelle an der stark befahrenen Landstraße wurde ich von einigen Autofahrern gegrüßt. Vielleicht sieht ein Kibbuz-Bewohner so aus wie ich oder die dachten, ich wohnte dort.
Die korrekte Schreibweise im Deutschen ist „Kibbutz“. ✅
– Kibbutz – richtige Schreibweise (aus dem Hebräischen קִבּוּץ, *qibbuts*, „Versammlung“, „Gemeinschaft“).
– Kibbuz oder Kibutz – gelegentlich anzutreffen, aber falsch oder nicht standardsprachlich.
👉 Der Plural lautet Kibbutzim (קיבוצים).
Ich aber sage euch [Update]
Ich aber sage euch, trotz der Reden Trumps und Netanjahus vom ewigen Frieden: Das wird nicht lange halten.
Man merkte das schon Rauswurf Ayman Odehs von der Hadash–Ta’al-Allianz und des so genannten „Linken“ Ofer Cassif: Sie können es einfach nicht lassen mit ihrem Phantomstaat „Palästina“. Der Protest der israelischen Araber beweist eben auch: Sie sind beide Nationalisten, und beide können nicht mit Juden friedlich zusammenleben – sonst brauchten sie keinen eigenen Staat fordern. Wie würde der wohl aussehen?
Die Junge Welt kann den antisemitischen Irrsinn noch toppen: „Entgegen der Behauptung von Kanzler Merz machten Zehntausende Demonstranten am Sonnabend in Berlin deutlich, dass es auch nach einer Waffenruhe Grund genug gibt, weiter an der Seite der Menschen in Gaza zu stehen.“- „»Ein Waffenstillstand bedeutet noch lange nicht Befreiung«, machten Redner deutlich.“ Befreiung von was wohl?
Khalil al-Hayya, einer der Hamas-Führer, die an den Kairo-Verhandlungen teilnahmen, sagte heute Folgendes: „Der Countdown zum nächsten Massaker hat begonnen. Beim nächsten Mal werden wir alle Juden abschlachten.“
Ich aber sage euch: Beim nächsten Mal wird keiner von euch arabischen Hampelmännern übrigbleiben.
[Update] „Die Stimmung ist gekippt: Europa sei nicht mehr ernstzunehmen, heißt es in Israel. Und höchstens noch gut, um etwas Geld beizusteuern.“ Full ack, bürgerliche Presse.
Und jetzt wieder alles wie gewohnt hier.

Im Hintergrund die Klagemauer aka Western Wall.
Mea Shearim oder: Ultra Ultras, revisited
Wir rollen die Katze vom Schwanz her auf. Am Ende der gestrigen Hidden-Gems-Tour mit Noam Chen stand ein Besuch im ultraorthodoxen Stadtviertel Me’a Sche’arim. Das liegt nördlich vom Damaskus-Tor.
Aktuell angemerkt: Ich weiß hier kaum mehr, als in den israelischen Medien online oder von deutschen Qualitätsboulevardmedien live verbreitet wird.
„Nach den Informationen, die soeben vom Roten Kreuz eingegangen sind, wurden sieben Geiseln in dessen Obhut übergeben, und sie befinden sich nun auf dem Weg zu den Kräften der IDF und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet im Gebiet des Gazastreifens.“
Die ersten freigelassenen Geiseln können mit ihren Familien reden.
Me’a Sche’arim ist heute ein Viertel im Westteil Jerusalems, wo die Alltagssprache vornehmlich Jiddisch ist. Die Bewohner, welche verschiedenen charedischen, also teils chassidischen und teils misnagdischen Gemeinschaften angehören, halten sich an die traditionelle Auslegung der Tora und an die Mitzwos, die schon seit mehr als 3300 Jahren von Lehrer zu Schüler, Vater zu Sohn und Mutter zu ihren Kindern weitergegeben wird (Wikipedia)
Die Fotos sind selbsterklärend. Ich habe mich mit Noam natürlich die ganze Zeit über alles unterhalten. Wir stimmten fast in allem überein, auch darin, dass die öffentlich verbreiteten Meinungen in Deutschland über Israel „für die Katz“ sind. Bis jetzt sagten alle Israelis, mit denen geredet habe, das sei noch nicht das Ende, und es würde natürlich weitergehen, weil die so genannten „Palästinenser“ völlig irre sind, und zwar mehrheitlich.
Daher ist divide et impera eine gute temporäre Lösung, aber das ist ja schon einmal schiefgegangen (obwohl die Haaretz in Israel so „Mainstream“ ist wie in Deutschland die „Junge Welt“). Der Sprecher der Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde: „Die Hamas legt derzeit den Grundstein für einen Bürgerkrieg im Gazastreifen“. Es ist gut möglich, dass Israel dies in der nächsten Phase bereits mit einkalkuliert hat und dass diese Entwicklung die Hamas von selbst schwächen könnte.
Die Hamas lässt sich mittlerweile von den Bewohnern Gazas feiern. Quod erat demonstrandum.
Zu Mea Shearim: Normalerweile sieht es dort ein bisschen anders aus. Jetzt sind auf allen Balkonen, die jedem Bauingenieur einen Nervenzusammenbruch bescheren würden, sukkotische Holzhütten gebaut. Auf dem Foto oben lugen Kinder aus dem Fenster so einer „Hütte“ auf die Straße. Noam sagte, auch er wäre ein Fremder hier, der neugierig betrachtet würde.
Überall wird darum gebeten, „angemessene“ Kleidung zu tragen. Was das ist, weiß man nicht so genau. Männer, von denen man bei den Orthodoxen offenbar annimmt, sie dächten nie oder immer an Sex, sollen kein nacktes Fleisch sehen.
Wir kamen ein paar Mal in den Gassen ins Gespräch, was aber immer komisch endete. Ich redete einen Mann mit einem Mädchen auf Jiddisch an, und er verstand nichts, obwohl er von oben bis unten voll halachisch aussah. Es stellte sich heraus, dass er orthodoxer Tourist war, also gar nicht von dort stammte. Das andere Mal wurde Noam gefragt, ob er Jude sei, und der Orthodoxe verwickelte ihn ein chiliastisch und für mich einseitig aggressiv klingendes Gespräch, bei dem es, wie mein Guide sagte, darum ging, warum überhaupt arabische Terroristen freigelassen würden.
Wir waren uns auch hier einig. Kann man machen, aber der Mossad kriegt sie auf lange Sicht sowieso alle.
Wir begegneten auch einer Familie, von der Noam sagte, man nennte sie spöttisch „Taliban-Juden“. Die Frau trug Ganzkörperburka und wäre auch im hintersten Afghanistan nicht aufgefallen. Offenbar eine Abspaltung von einer Abspaltung der halachischen Befreiungsfront mit elfeinhalb Mitgliedern.
Und Graffiti „Free Palestine“ oder so ähnlich (Foto unten), gesprüht von Juden. Sachen gibts. Die ultra Ultras lehnen den Staat Israel ab. Wer soll sie aber vor arabischen Terroristen schützen? Diese Haltung, auch hier stimmten Noam und ich überein, wäre eine sehr komplizierte Methode, Suizid zu begehen, wenn es die IDF nicht gäbe.
Auf dem Schild des Fotos unten steht: „Ich bin Jude und zutiefst entsetzt – ich würde lieber sterben, als mich der Armee des zionistischen Staates anzuschließen.“
Das ist nicht spezifisch judensektiererisch, auch die Zeugen Jehovas und die Mennoniten sind ähnlich gestrickt. Offenbar gibt es eine komische Sorte Jecken, wie hier schon kommentiert wurde, in jeder Religion.
Zweite Vorrede zu den Gems
Die geplante Tour morgen in die Umgebung von Gaza fällt aus bzw. wird verschoben, vermutlich auf den letzten Tag meiner Reise.
Noch einmal zur allgemeinen Stimmung. In der Altstadt knirscht es auch symbolisch zwischen Juden und Arabern, weil einige heilige jüdischen Stätten mitten im Araberviertel sind. Und dort stehen dann die riesigen siebenarmigen Leuchter und flattern die israelischen Fahnen möglichst so, dass es kein Araber übersehen kann.
Mir wurde gesagt, dass das arabische Viertel als für Juden gefährlich gilt. Nur jetzt während der Feiertage war auch das muslimische Viertel voll jüdischer Strenggläubiger. Und dann wieder die jüdischen Ultras, die mit einem kleinen Auto durch die schmalen Gassen bretterten und religiöse Propaganda per Lautsprecher ertönen ließen. Ich stand neben einem älteren Araber, der grinsend den Kopf schüttelte. Zu Fuß hätten sie sich das vermutlich nicht getraut.
Während man sich darüber Gedanken macht, steht man plötzlich vor einem Schild, das einen darauf hinweist, man gehe gerade über eine Straße, die von dem Römern vor rund 2000 Jahren angelegt wurde.
Ja, gefährlich ist es vermutlich nicht, oder nicht immer. Aber das weiß man eben nicht genau in Jerusalem. Es kann immer alles passieren.
Smotrichs Ultras
Ja, am Anfang muss ein Foto stehen, auf dem jemand dem Publikum in die Augen sieht oder so ähnlich, um Aufmerksamkeit zu erheischen.
Ich bin also heute mit der Bahn nach Jerusalem, bekam aber zwischendurch einen Anruf des Hotels, ich habe etwas dort vergessen. Ich muss am Montag noch mal dahin, aber Israel ist ein kleines Land – von Jerusalem nach Tel Aviv ist wie Dortmund – Münster. Und der Zug brettert wie sonst was…
Nur die Lokalbusse nicht immer: Ich nahm in Tel Aviv den Bus 238, weil der zum La Guardia Interchange fuhr. Nördlich der Levinski verfuhr sich der Busfahrer, weil er vergaß abzubiegen, aber ein halbes Dutzend ortkundiger Fahrgäste lotste ihn lautstark durch die vielen engen Einbahnstraßen auf die richtige Strecke. Ich habe mich amüsiert, weil ich nicht unter Zeitdruck war.

La Guardia Interchange Station von Israel Railways
Der Zug – wie vermutlich die anderen auch – war brechend voll. Ich war plötzlich umringt von Soldaten in Kampfuniform, die alle ihre Gewehre vor der Brust baumeln hatten, auch mit mehreren Magazinen Munition. Ich fühlte mich ziemlich sicher, traute mich aber nicht, sie um ein Gruppenfoto zu bitten.
Endlich ergatterte ich doch einen Sitzplatz, vermutlich weil ich weniger höflich als Israelis bin: Ein korpulenter Kerl, der aussah wie Dennis Nedry, hämmerte auf die Tastatur seines Laptops ein, blockierte mit einem riesigen Koffer noch einen Sitz, und einen dritten mit verkabelten Devices. Ich quetsche mich dahin und balancierte meinen nicht sehr kleinen Rucksack auf den Knien, während die Reisenden mit den Augen rollten, weil sie über das Verhalten des offensichtlichen Nerds nicht beglückt waren.

Bahnstrecke Tel Aviv – Jerusalem, kurz vor dem Tunnel
Irgendwann – kurz vor dem Flughafen – fing er an, seinen Kram zusammenzupacken und lachte plötzlich los, als er mein T-Shirt sah. Ich fragte ihn, ob er wüsste, was das bedeute, und er antwortet of course, das wäre very funny. Ich habe ihm glaubwürdig versichert, dass ich in ganz Israel noch niemand getroffen habe, der $ sudo rm -rf / Don’t try this at /home verstünde, yes, only a few, meinte er und kicherte die ganze Zeit vor sich hin.
Auch die unendlichen Rolltreppen waren dieses Mal voll wie sonstwas, die Busse ebenso. Ich war recht stolz, dass ich gar nicht mehr auf Google Maps oder Moovit schauen musste; ich erkannte auch die Jaffa Road sofort wieder.


Mahane Yehuda Markt (durch die Scheiben der Straßenbahn fotografiert), vgl. 16.10.2023
Im The Post Hotel lief alles nicht so glatt, weil ich über eine Stunde warten musste, bis ich einchecken konnte. Die Zimmer und sanitären Anlagen entsprechen dem extrem niedrigen Preis, 10-Betten auf einem Zimmer, und das Bett ist so kurz, dass nachher vermutlich meine Füße raushängen werden – außerdem muss ich die senkrechte Leiter raufklettern. Aber ich habe Schlimmeres gesehen – und wo bezahlt man weniger als 300 Dollar für eine ganze Woche mit Frühstück?
Ich bin dann doch wieder zum Jaffa Gate und zur völlig überfüllten Altstadt. Die meisten Touristen waren religiöse Juden, die das Laubhüttenfest feierten und voll in Partylaune waren – viele hatten Zweige gekauft.
Geht in die Berge und holt Zweige von veredelten und von wilden Ölbäumen, Zweige von Myrten, Palmen und Laubbäumen zum Bau von Laubhütten, wie es vorgeschrieben ist! (Nehemia 8,15-16)
Ich habe mich mit den Massen bewegt und natürlich verlaufen, als ich in der Nähe der Klagemauer die Treppen hinaufstieg. Es war schon recht spät. Das Tourismus-Büro hatte geschlossen, weil Schabbat vor der Tür stand, und ich hatte seit dem Frühstück nichts gegessen. Ich beschloss also, in der Jaffa Road nach etwas Nahrhaftem zu suchen, bevor gegen fünf oder sechs sowieso alles zu ist.
Dann begegnete ich Smotrichs Ultras (wie ich sie znächst nannte). Ultraorthodexe Männer mit Plakaten brüllten chiliastische Botschaften zum Publikum. Das waren aber nicht die normalen Frommen mit Familien. Sie schwenkten auch noch Fahnen, auf denen ich sofort den stilisierten Tempel Salomos erkannte (den es so vermutlich gar nicht gegeben hat).
Ich wollte herausfinden, welche Gruppe das war. Von denen sprach aber niemand Englisch. Auch bei den Namen „Smotrich“ und „Ben-Gvir“ wollten sie nicht anbeißen.
Da musste die künstliche Intelligenz her. Ich tippte also die hebräischen Buchstaben und fragte, was die bedeuten.
Nachdem ich auch das Foto hochgeladen hatte, wurde es noch klarer (die ellenlange Erläuterung spare ich mir jetzt):

Ich habe später mit einem Israeli gesprochen, der sagte, das sei eine ultraextreme Gruppe, „Smotrich ultra ultra“, die den ersten Tempel wiederaufbauen wollten. Dazu müssten sie den Felsendom und die al-Aqsa-Moschee abreißen, worüber 1,9 Milliarden Muslime nicht besonders erfreut wären.


Blick von der Terrasse des Post Hotels in Jerusalem
Vergleichbares bekam ich dann im Hotel in einer christlichen Version zu sehen: Ein Haufen weiß gekleideter Leute, mehrheitlich Asiaten, mit Harfen, sangen christliche Lieder, stundenlang und im Hare-Krischa-Rhythmus. Es war nicht zum Aushalten. Die Israelis zuckten nur mit den Achseln. Ich überlegt schon, ob ich den Laptop anwerfen und mit Preußens Gloria oder Manowar gegenhalten sollte, aber dann hörten sie dann doch auf.
Ich wurde an einen Satz Tom Segevs erinnert: In Jerusalem könne man keinen Stein werfen, ohne einen heiligen Ort oder einen Idioten zu treffen.
Ich bekam dann doch noch eine leckere Falafel beim ortsüblichen Döner-Laden.
Die Straßen – hier die Jaffa Road – waren kurz nach fünf wie ausgestorben. Vorher wimmelte es nur so von Leuten, die noch unbedingt etwas einkaufen wollten.
Morgen werde ich improvisieren. Ich habe da so eine Idee.
Wenn das Bar Kochba wüsste
Nach dem Frühstück besuchte ich das Etzel-Museum, das vor zwei Jahren geschlossen war.
Etzel aka Irgun – muss man das kennen? Menachim Begin war auch einmal deren Anführer. Und dann gibt es noch ein Zitat des – heute würden deutsche Medien formulieren: höchst umstrittenen – Gründers Ze’ev Jabotinsky: „Zionist colonisation must either stop, or else proceed regardless of the native population. Which means that it can proceed and develop only under the protection of a power that is independent of the native population – behind an iron wall, which the native population cannot breach.“
Vermutlich hatte und hat er immer noch Recht mit den „Natives“. Aber das Thema muss ich verschieben.
Die Strände waren heute voll von Besuchern, die man sonst in Tel Aviv eher selten sieht und die man gleich als Religioten religiöse Juden erkennt. Die Frauen tragen längere Kleider, oft irgendwas auf den Haaren, wenngleich kein Kopftuch, und Männer oft Kippa. Es ist immer noch Sukkot aka Laubhüttenfest, das eigentlich eine ganze Woche dauert.
„In Israel und im Liberalen Judentum ist nur der erste Tag (der 07.10.) ein voller Feiertag, in orthodoxen und konservativen Gemeinden der Diaspora dagegen die ersten zwei Tage, während die darauffolgenden Tage Halbfeiertage (חוֹל הַמּוֹעֵד Chol HaMoed) sind“. Heute also Halbfeiertag oder sowas.
Am Strand und auf der Promenade laufen – wie erwartet – sehr viele äußerst attraktive Menschen herum, die eine Hälfte in atemberaubend enger und spärlicher Kleidung, dass man sich gar nicht sattsehen kann. Auch das Meer war heute ziemlich aufgeregt und schäumte brandungsmäßig krachend auf die Steine.
Ich bog in die Allenby Road ein – eine Art Kurfürstendamm von Tel Aviv -, die vor zwei Jahren eine fast nicht begehbare Baustelle war. Ist sie heute immer noch. Vielleicht sollte man sie in Karl-Marx-Straße umbenennen – die in Neukölln wird ja auch nie fertig.
Mir war ein wenig mulmig zumute, Es war schon ziemlich heiß und zum Frühstück gab es nur zwei winzige Kuchen. Ich hatte seit 24 Stunden nichts Vernünftiges mehr gegessen und wollte es langsam angehen lassen. Ich erinnerte mich an den Israeli Grill und schlug mir dort den Bauch mit einer köstlichen Falafel voll. Die (Fast-Food) Restaurant-Empfehlung gilt immer noch. Das ist übrigens kein teurer Hipster-Laden, der auf den einschlägigen Websites auftaucht.
Ich bekam noch Unterhaltung geboten. Ein Idiot von Autofahrer parkte direkt vor dem Grill auf dem Bürgersteig, so dass man noch nicht einmal als Fußgänger vorbeikam. Der Grillbesitzer stürmte hinaus, und es ergab sich ein lautstarkes Wortgefecht, das sogar die Nachbarn anlockte. Irgendwann gab der Autofahrer nach. Die Kellnerin – oder die Ehefrau des Besitzers – ging erst einmal seelenruhig woanders hin, und der Chef auch. Plötzlich hatte ich die Kneipe für mich allein. Vielleicht wird sie ja vom Mossad videoüberwacht und ich hätte keinen Döner unbemerkt mitnehmen können.
Im Photohouse überbrachte ich Grüße eines Fotografen aus Berlin. Über den Inhaber Ben hatte das Magazin Nitro, für das ich schreibe, etwas veröffentlicht.

Pinzker Street

Dizengoff Square

Entweder ist das zum Armauflehnen oder für Kinder, oder dass die Ultrareligiösen nach Geschlechtern getrennt sind und sich nicht berühren oder alles zusammen.

Kommen wir also zu Bar Kochba aka Sohn des Sterns. Der ist so etwas wie ein Tupac Amaru des antiken Judentums, also ein Vorbild für die Jugend. Als ich das Straßenschild sah, dachte ich an eine wirklich anrührende Geschichte aus Doron Spielmans „When the Stones Speak.
Archäologen haben beim Hiskia-Tunnel, der die Gihonquelle in Jerusalem bzw. den Teich von Siloah, also die Stadt Davids mit der Altstadt unterirdisch verbindet, Münzen gefunden, „the latest of which are from Year Two and Year Three of the Jewish War, shortly before the city was destroyed in 70 CE“.
In the research, it is accepted that Great Revolt Year Four coins were minted in Jerusalem under the leadership of Shimon Bar Giora, one of the prominent commanders in the revolt’s last year. Year Four coins are considered relatively rare, given the historical circumstances towards the end of the revolt and its impact on the much-reduced rebel production capabilities.

„Platz“ der Geiseln“ vor dem Tel Aviv Museum of Art und der Oper
Warum haben die damals Münzen geprägt, obwohl sie jedes Stück Metall für die Produktion von Waffen brauchten? Ein Archäologe in dem zitieren Buch hat eine Theorie: Die Aufständischen wussten, dass sie gegen die römische Militärmaschinerie eh keine Chance hatten. Die unterirdischen Gänge waren die letzte Zuflucht, bis alle entdeckt und massakriert wurden. Man denkt, dass Bar Kochba und seine Leute etwas hinterlassen wollten, eine „E-Mail aus der Vergangenheit“, wie der Archäologe sich ausdrückt.
Das erinnert an Simonides von Keos, umgedichtet von Friedrich von Schiller: Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.
Wenn Bar Kochba wüsste, dass man heute seiner gedenkt und Straßen nach ihm im Staat Israel benennt! Nach mehr als zwei Jahrtausenden!
Endlich hatte auch das Café Tachtit geöffnet. Speisen und Getränke ein Traum! Ich bestellte auf Hebräisch Kaffee mit Milch und Wasser – und musste dann doch ins Englische wechseln. Einfaches Wasser! Eine ganze Karaffe mit Zitrone – ergab vier Gläser. Dann erst der Salat! Alles nur vom Feinsten – aber da saßen auch die passenden Leute dazu herum, wie in Hipster und „alternativen“ Berliner Cafés, nur dass hier natürlich niemand Antisemit ist.
Ich muss das jetzt vorsichtig formulieren. Meine Kellnerin war zierlich, hatte ein steinschmelzendes Lächeln, langes schwarzes Haar bis zu dem Körperteil, auf dem man normalerweise sitzt, Augenbrauen, die in ihrem schmalen Gesicht wie die von Waigel wirkten, aber sehr gepflegt, ein bauchfreies Top, das oben so viel Appetitliches zeigte, dass sie es hätte auch weglassen können – man sah eh alles. Das erinnerte mich an einen Satz, den ich als Junge in Reader’s Digest las und damals nicht verstand: „Ungetarnte Geschütze sind wirkungslos.“
Ich wollte eigentlich den orthodoxen Juden wiedertreffen, der der erste Israeli war, mit dem ich – außer dem Flughafen- und Hotelpersonal – vor zwei Jahren gesprochen und mit dem ich mich köstlich amüsiert hatte. Aber sein Lädchen war verschwunden, und das Gia Dormitory im Stadtteil Harakevet scheint weg oder aufgekauft worden zu sein. Da steht jetzt Domus Metro Hotel (bei booking.com ist Gia auch nicht mehr zu finden). Die sagenhafte Terrasse kann man noch von unten sehen.
Ich lief noch über den Carmel Markt – der größte Markt in Tel Aviv. Ich bin eigentlich kein Fan der Kleinbourgeoisie – das ist im Kapitalismus reaktionäre Romantik. Vielleicht sind solche Märkte pittoresk und gut für exotische Fotomotive, aber ich habe dort nur Ramsch gesehen. Kann man auch alles online bei der Großbourgeoisie bestellen – und teurer ist es auch nicht, sogar wenn es auch China kommt.
Was in Israel anders ist als in Lateinamerika damals: Ich habe keine Angst vor Taschendieben. In Israel gibt es weniger Kriminalität als in Deutschland, aber auch eine clanmäßig organisierte Mafia, deren Mitglieder sehr oft aus dem arabischen Raum oder dem Iran stammen. „Obwohl Araber nur ein Viertel der Bevölkerung stellen, ist diese sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppe für zwei Drittel aller Morde verantwortlich. (…) Ein großer Teil der Morde unter den arabischen Banden wird nicht aufgeklärt.“
Beim Reisen wechselt man als Ex-Globetrotter automatisch in die Attitude, davon auszugehen, dass auch benutzte Unterhosen geklaut würden. Geldgürtel ist ein Muss, Dinge von Wert ganz tief in den Taschen usw.. Ich sehe vermutlich auch nicht so aus, als könnte man mir einfach etwas wegnehmen. Mit den Kreditkarten ist das so eine Sache: Die kann man nicht jedes Mal herausfummeln, aber wenn man sie verliert, ist man am Gesäß. Auf dem Carmel-Markt habe ich trotzdem höllisch aufgepasst.
Heute habe ich den Sonnenuntergang um 18.20 Uhr – according to ChatGPT – nicht verpasst. Man kann sich über die dämlichen Araberinnen, die da in Vollburka herumstehen, während es ringsum von Bikinis wimmelt, lustig machen – aber die orthodoxen jüdischen Frauen gehen auch nicht spärlich bekleidet ins Wasser – oder gar die Ultras mit ihren Perücken!
Morgen fahren ich nach Jerusalem.
Die Macht des Drachen
Ich habe mir einen englischsprachigen Artikel von RT.com übersetzen lassen (der mir hier zunächst – trotz eigenem VPN und DNS-Server – wegzensiert wurde – daher nur per Tor-Browser erreichbar). Ich habe ihn in besseres Deutsch umgeschrieben und Bilder und Links hinzugefügt.
Von ICBMs bis zu Hyperschall-Gleitflugkörpern – Peking hat ein gestaffeltes Arsenal aufgebaut, das mit dem der USA und Russlands konkurriert – und es in mancher Hinsicht sogar übertrifft.
Raketen sind die neue Visitenkarte der chinesischen Macht. Nicht Flugzeugträger, nicht Panzer, nicht Kampfjets – sondern Geschosse, die die halbe Welt umrunden oder eine US-Flotte im Pazifik zerreißen können.
Am 3. September 2025 zeigte Peking sein Arsenal in einer Parade, die weniger wie eine Militärschau, sondern mehr wie ein Warnschuss wirkte. Schlanke ICBMs, Hyperschall-Gleiter und sogenannte „Träger-Killer“-Raketen rollten über den Tiananmen-Platz und sendeten eine einfache Botschaft: China ist angekommen – und spielt nicht länger Aufholjagd.
Anders als Russland und die Vereinigten Staaten war China nie durch Rüstungsabkommen des Kalten Krieges gefesselt. Diese Freiheit hat der Raketenstreitmacht der Volksbefreiungsarmee (PLA Rocket Force) das breiteste Raketenarsenal der Welt ermöglicht – interkontinental, intermediär, hyperschall, von U-Booten gestartet oder aus der Luft abgeworfen. Das ist nicht nur Technik – es ist Pekings Art, der Welt mitzuteilen: Das Kräfteverhältnis verschiebt sich – Rakete für Rakete.
Raketen aus Russland: Ein Blick in Moskaus aktuelles tödlichstes Arsenal
Chinas Raketenprogramm begann mit dem Nachbau sowjetischer R-2-Raketen, die der Volksbefreiungsarmee überlassen worden waren. Sprung nach vorn und ins Heute: Peking verfügt nun über das gesamte Spektrum land- und seegestützter ballistischer Raketen – schwere, flüssig angetriebene Silowaffen, mobile Feststoffsysteme und SLBMs (U-Boot-gestützte ballistische Rakete). In allen Varianten können die Sprengköpfe mit MIRVs (Mehrfachsprengköpfen) bestückt werden.

Vergleich der Flugbahnen eines Hyperschallgleiters (rot) und herkömmlichen ballistischen Sprengköpfen (grün)
DF-61 und DF-41: Chinas mobile Schwergewichte
Die Parade am 3. September 2025 zeigte das öffentliche Debüt der DF-61, einer neuen straßenmobilen, feststoffgetriebenen ICBM. Vom Aussehen und vom Umfang her wirkt sie wie eine Weiterentwicklung der DF-41, die seit 2017 im Dienst ist. Das Upgrade ist logisch: An der DF-41 wurde seit 1986 gearbeitet. Als sie in Serienproduktion ging, waren Teile ihres Designs bereits veraltet. Das erklärt möglicherweise auch die Verzögerung bei der Einführung der Silos- und Schienenmobil-Versionen, die zwar getestet, aber verschoben wurden. Mit der DF-61 könnten diese Hürden genommen sein. Beide Systeme teilen wahrscheinlich viele der gleichen technischen Leistungsdaten.
Ihre Abschussfahrzeuge ähneln Russlands Topol-M und Yars: achsige (achtachsige) TELs, die die Raketen in versiegelten Containern tragen. Jede Rakete wiegt grob 80 Tonnen. China verfügt sehr wahrscheinlich über die Technik, sie nicht nur von vorbereiteten Abschussplätzen, sondern überall entlang ihrer Patrouillenrouten abzufeuern. Die DF-41 gilt als voluminöser als ihre russischen Verwandten. Sie wurde ursprünglich dafür konzipiert, bis zu 10 hochexplosive (low-yield) Sprengköpfe (~150 kt je Stück) auf Entfernungen von 12.000–14.000 km abzuschiießen.
Westliche Schätzungen legen nahe, dass seit 2017 mindestens 300 DF-41 in verschiedenen Stationierungsformen eingesetzt wurden; dazu kommt jetzt die neuere DF-61. Diese Mischung aus mobilen und festen Stationierungen diversifiziert Chinas Abschreckung und sichert eine überlebensfähige Zweitschlagfähigkeit.

Geschätzte Reichweite der DF-5C. Source: Military Power of the People’s Republic of China 2007
DF-5C: der silobasierte Riese
Die Kommentartexte zur Parade in Peking beschrieben die DF-5C als in der Lage, „jedes Ziel auf der Welt“ zu treffen, mit einer Reichweite von bis zu 20.000 km. Im russischen Sprachgebrauch würde man das als „globale Rakete“ bezeichnen, obwohl dieser Begriff technisch oft Systeme meint, die Nutzlasten in eine erdnahe Umlaufbahn heben, bevor sie wieder abtauchen. Die Abweichung hier liegt wahrscheinlich eher an der Übersetzung als an der Leistungsfähigkeit.
Die DF-5C ist die neueste Version der flüssiggetriebenen DF-5, die erstmals 1971 flog. Technologisch steht sie in der Linie der sowjetischen R-36-Entwürfe der späten 1960er, wobei die DF-5C dem R-36M2 „Satan“ ähnlicher sein könnte. Erste Tests datieren auf 2017; berichtet wird, dass sie 10–12 Sprengköpfe mittlerer Sprengkraft trägt und in Silos stationiert ist. Heute betreibt China rund 20 dieser Raketen.
DF-31-Familie: Chinas erste straßenmobile, feststoffgetriebene ICBM
Chinas erste straßenmobile, feststoffgetriebene Interkontinentalrakete, die DF-31, wird oft als Pekings Antwort auf Russlands Topol beschrieben: eine dreistufige Rakete mit einer Reichweite von 12.000 km und einem einzelnen Sprengkopf mit 200–300 Kilotonnen. Entwickelt in den 1990er und 2000er Jahren, trat sie 2006 in den Dienst.

DF-31AG-Rakete der chinesischen Volksbefreiungsarmee
Die DF-31AG, erstmals 2017 beobachtet, feierte ihr Paradedebüt im September 2025; sie war auf einem verstärkten Mehrachs-TEL montiert, das an die DF-41 erinnert. Ebenfalls gezeigt wurde eine fortschrittlichere Variante, die DF-31BJ; ihr auffallend längerer Container nährte Spekulationen, dass sie einen hyperschallmanövrierbaren Gefechtskopf tragen könnte. Insgesamt könnten mehr als 80 Raketen der DF-31-Serie in China stationiert sein.
Seegestützte ballistische Raketen (SLBMs): JL-2 und JL-3
Seit den 1990er-Jahren baut China den maritimen Zweig seiner strategischen Kräfte auf: nuklearbetriebene ballistische Raketen-U-Boote, die mit feststoffgetriebenen SLBMs bewaffnet sind. Seit 2007 betreibt die Marine der Volksbefreiungsarmee (PLA Navy) die Typ-094-SSBNs, von denen jedes Boot 12 JL-2-Raketen mitführt. Sechs Boote sind heute im Dienst, zwei weitere sind im Bau.
Die JL-2 greift auf Technologie der DF-31 – und vermutlich auch der DF-41 – ICBMs zurück. Sie bietet eine Reichweite von bis zu 8.000 km und kann entweder einen einzelnen Sprengkopf der Megatonnenklasse oder bis zu acht MIRVs tragen.
Ab 2022 wurden JL-2-Raketen Berichten zufolge schrittweise durch die fortschrittlichere JL-3 ersetzt, die ähnliche Abmessungen aufweist. Die JL-3 hatte ihr öffentliches Debüt auf der Parade am 3. September 2025. Schätzungen gehen von einer Reichweite von etwa 10.000 km aus, wobei MIRV-Bestückungen zum Standard gehören.
Da bereits die neuen Typ-096-SSBNs im Bau sind, ist klar ersichtlich, dass Peking den maritimen Bestandteil seiner strategischen Nuklearkräfte priorisiert.
Intermediär- und mittelstreckenballistische Raketen (IRBM / MRBM) & Hyperschallwaffen
Bevor wir zu den interkontinentalen Schwergewichten kommen, lohnt es sich, sich die Klasse von Raketen anzusehen, die in einem tatsächlichen Konflikt um Taiwan oder das Südchinesische Meer womöglich am wichtigsten sind: Intermediär- und Mittelstreckensysteme. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten und Russland, die lange durch den INF-Vertrag beschränkt waren, hatte China nie Beschränkungen beim Bau von Waffen in der 500–5.500-km-Reichweite. Diese Freiheit verschaffte Peking einen entscheidenden Vorteil in ganz Asien. Diese Raketen bilden das Rückgrat seiner regionalen Schlagkraft – ausgelegt, um US-Stützpunkte, verbündete Infrastruktur und Marineverbände in Gefahr zu bringen – und sie sind das schärfste Instrument in Chinas Anti-Access/Area-Denial-Strategie (A2/AD).

YJ-20 – eine Hyperschall-Antischiffs-Aeroballistikrakete, einsetzbar auch gegen Flugzeugträger. Foto: Screenshot chinesische Medien
DF-26 und DF-21 – die Gestalter der Region
Die DF-26 hat sich einen treffenden Spitznamen verdient: den „Trägerkiller“. Diese zweistufige, feststoffgetriebene intermediäre ballistische Rakete kann bis zu etwa 4.000 km erreichen und wird in Varianten mit konventioneller oder nuklearer Nutzlast eingesetzt. Einer Variante wird nachgesagt, sie trage einen hyperschallmanövrierbaren Gefechtskopf, der für den Einsatz gegen sich bewegende Seeziele ausgelegt ist – eine Fähigkeit, die Trägerkampfgruppen direkt bedroht und Peking ein mächtiges A2/AD-Werkzeug in die Hand gibt.
Die DF-26 ging ab 2016 in Dienst und ersetzt schrittweise die ältere DF-21, Chinas erste feststoffgetriebene Mittelstreckenrakete, die Anfang der 1990er Jahre eingeführt wurde. Die DF-21-Familie existiert weiterhin in mehreren Konfigurationen; der Text schätzt mindestens ~80 DF-21-Systeme in unterschiedlichen Rollen. Gemeinsam verschaffen DF-21- und DF-26-mobile Abschussfahrzeuge China Reichweite über Südostasien, große Teile des westlichen Pazifik und sogar in Teile russischen Territoriums – eine geografische Abdeckung, die die operativen Optionen in der Region neu gestaltet.
DF-17 – Chinas einsatzfähiges Hyperschall-Gleitflugkörper-System
China testete sein erstes Hyperschall-Gleitflugkörper-Konzept im Jahr 2014, offenbar unter Verwendung einer DF-16-Trägerrakete. Mobile Systeme mit dem DF-17-Hyperschall-Gleitflugkörper traten ab 2019 in den Dienst. Bemerkenswert an der DF-17 ist nicht nur ihre Geschwindigkeit, sondern auch ihre Manövrierfähigkeit: Der Gleitflugkörper fliegt mit Überschallgeschwindigkeit entlang der oberen Atmosphäre und kann sowohl seitlich als auch vertikal manövrieren – was die Verfolgung und Abwehr durch moderne Raketenabwehrsysteme erheblich erschwert.
Berichten zufolge liegt die effektive Reichweite der DF-17 bei etwa 2.500 km, wobei die Nutzlasten – selbst konventionelle – mit Geschwindigkeiten von über Mach 5 zugestellt werden. Während diese Reichweite die Reichweite über dem Meer begrenzt, ermöglicht sie präzise Schläge über Küstengewässern und Landgebieten, die sich klar innerhalb von Chinas strategischer Peripherie befinden – genau jene Zonen also, die Peking am ehesten verteidigen oder beanspruchen würde. Offene Schätzungen gehen davon aus, dass heute mehrere Dutzend DF-17-Einheiten im Einsatz sind.
Hyperschall-Gleitflugkörper wie die DF-17 sind besonders effektiv, weil sie die Reaktionszeit für Verteidiger drastisch verkürzen und die Wirksamkeit von Abfangsystemen, die auf vorhersehbaren ballistischen Flugbahnen basieren, stark verringern. Genau deshalb hat China sie zu einem zentralen Bestandteil seiner gestaffelten Abschreckungs- und Gebietsverweigerungsstrategie gemacht.

JL-1 (luftgestützte ballistische Rakete Chinas)
Luftgestützte Raketensysteme (JL-1, H-6 / CJ-10 / YJ-Familie)
Chinas strategische Raketenhaltung beschränkt sich nicht auf Silos und U-Boote – die Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee (PLAAF) verfügt ebenfalls über ein umfangreiches luftgestütztes Arsenal, das rund um die bewährte Bomberfamilie H-6 aufgebaut ist. Die H-6N, die fortschrittlichste Variante, die derzeit öffentlich gezeigt wird, dient als Startplattform für eine neue Generation luftgestützter ballistischer und Marschflugkörper, wodurch Peking seine Schlagreichweite weit über die Küstengewässer hinaus ausdehnen kann.
JL-1: Eine neue luftgestützte ballistische Option
Bei der Parade am 3. September stellte Peking die JL-1 (Jù Làng-1) vor – eine zweistufige, luftgestützte ballistische Rakete, die von der H-6N getragen wird. Die JL-1 wird von einem Pylon unter dem Flugzeug gestartet und folgt anschließend einer ballistischen Flugbahn zum Ziel. Jede H-6N kann eine einzelne JL-1 mitführen, und die Kombination aus Bomber und Rakete ergibt einen Einsatzradius von bis zu etwa 8.000 km – ausreichend für präzise Schläge gegen Marineverbände und stationäre Ziele über große Entfernungen hinweg. Die Einführung der JL-1 in die strategische Luftflotte der PLAAF scheint im laufenden Jahr begonnen zu haben.
H-6 als vielseitiger Raketen-Träger
Die H-6-Familie – im Wesentlichen eine inländische Weiterentwicklung der sowjetischen Tu-16 – bleibt Chinas wichtigste Langstreckenbomberflotte. Moderne H-6-Varianten können eine Vielzahl von Waffen unter den Tragflächen tragen, darunter die CJ-10/CJ-12-Marschflugkörper (abgeleitet von sowjetischer Kh-55-Technologie, die nach dem Zerfall der UdSSR adaptiert wurde). Diese Unterschall-Marschflugkörper – mit Reichweiten im Bereich von 1.500 bis 2.000 km – tauschen Geschwindigkeit gegen Nutzlast und Ausdauer ein, sodass H-6-Bomber stationäre Ziele oder Marineeinheiten aus sicherer Entfernung angreifen können – allerdings auf Kosten der eigenen Reichweite des Bombers.

YJ-15 Überschall-Antischiffs-Marschflugkörper (Bild: SinoDefenceForum)
YJ-Familie: Überschall- und Hyperschall-Antischiffsraketen
Besonders beunruhigend für Überwasserflotten ist Chinas wachsendes Arsenal an Hochgeschwindigkeits-Anti-Schiff-Waffen. Die H-6 kann die YJ-12 tragen – eine Überschall-Antischiffsrakete mit angegebenen Geschwindigkeiten zwischen Mach 2,5 und Mach 4 und einer Reichweite von bis zu etwa 500 km – Leistungswerte, die das Zeitfenster für die Verteidigung von Marineeinheiten drastisch verkleinern. Bei der Parade in Peking zeigte China außerdem eine Familie von Raketen der nächsten Generation – YJ-15 sowie möglicherweise YJ-17, YJ-19, YJ-20 und YJ-21 –, von denen einige offenbar Überschall- oder Hyperschall-Designs sind.
Die YJ-17 soll Berichten zufolge einen zweistufigen Booster und einen Hyperschall-Gleitflugkörper nutzen, um Reichweiten von etwa 1.000 km zu erreichen; die YJ-19 verwendet angeblich ein Staustrahltriebwerk (Scramjet) und operiert im Bereich von rund 500 km; YJ-20 und YJ-21 ähneln aeroballistischen oder aeroballistisch inspirierten Raketen mit einer Reichweite von 300–400 km – ähnlich in Funktion wie die russischen Iskander-M oder Kinzhal. Viele dieser Systeme werden vermutlich noch erprobt, doch ihr öffentliches Auftreten signalisiert Chinas Fokus auf schnelle, schwer abzufangende Anti-Schiffs- und Küstenverteidigungswaffen.
In ihrer Gesamtheit verleihen die H-6-Flotte und ihre Raketenfamilie China die Fähigkeit, große Teile des westlichen Pazifiks von Landbasen aus zu erreichen – eine Fähigkeit, die im Zentrum jeder möglichen PLA-Operation steht, die auf die Kontrolle der umliegenden Seegebiete oder die Bedrohung entfernter Einsatzverbände abzielt.
Kurzstreckenraketen – das Taiwan-Werkzeugkasten
Während Interkontinentalraketen (ICBMs) und Hyperschallwaffen die Schlagzeilen beherrschen, sind es Chinas Kurz- und Mittelstreckenraketen, die mit größter Wahrscheinlichkeit in einem regionalen Konflikt eingesetzt würden – insbesondere über Taiwan sowie im Süd- und Ostchinesischen Meer. Diese Systeme sind speziell dafür ausgelegt, den Zugang zu sperren, Verteidigungssysteme zu überlasten und Abschuss- oder Basiseinrichtungen zu zerstören, bevor ein Gegner überhaupt reagieren kann.
China stellte 2013 die DF-12 in Dienst – ein modernes, hochpräzises taktisches Raketensystem, das nach vielen Berichten die US-amerikanische ATACMS in Reichweite und Mobilität übertrifft. Abgeschossen von geneigten Transport-Start-Containern auf einem vierachsigen Fahrgestell, erreichen DF-12-Raketen 400–500 km. Peking exportiert außerdem eine M20-Abwandlung für die weißrussischen Polonez-Werfer mit reduzierter Reichweite von etwa 300 km.
Ergänzt wird die DF-12 durch andere Kurzstreckenraketen mit Feststoffantrieb wie die DF-15 (bis zu 600 km) und die DF-16 (rund 1.000 km). Beide Familien existieren in mehreren Varianten und können mit konventionellen oder nuklearen Sprengköpfen bestückt werden – darunter präzisionsgelenkte, terminal manövrierende Gefechtsköpfe, die die Treffgenauigkeit gegen Punktziele erhöhen. Zusammengenommen betreibt die Volksbefreiungsarmee (PLA) wahrscheinlich mehrere Hundert Abschussfahrzeuge für diese Systeme.
Diese Dichte und Tiefe an Startsystemen sind entscheidend. In jeder Operation gegen Taiwan könnte die PLA massierte Angriffe mit SRBMs (Kurzstreckenraketen) und MRBMs (Mittelstreckenraketen) einsetzen, um Luftverteidigungssysteme zu unterdrücken, Aufklärungseinrichtungen zu blenden sowie Start- und Landebahnen oder Häfen zu zerstören. Der kombinierte Einsatz dieser Raketen – ergänzt durch Marschflugkörper und Anti-Schiffs-Systeme – würde es jedem Gegner extrem schwer machen, eine wirksame Verteidigungsstellung aufrechtzuerhalten.
Bei der Parade 2025 hob Peking außerdem Überschall- und Hyperschall-Antischiffswaffen mit gemeldeten Reichweiten von bis zu 1.000 km hervor (YJ-Familie). Selbst wenn einige dieser Systeme noch Prototypen sind, ist der Trend eindeutig: China rüstet seine Küsten- und Regionalstreitkräfte mit schnellen, schwer abfangbaren Waffen auf, die Marineoperationen innerhalb der ersten Inselkette erheblich erschweren.
Vom Aufholen zum Überholen
Chinas Raketenarsenal holt heute nicht mehr nur zu den führenden Nuklearmächten der Welt auf – in einigen Bereichen liegt es bereits vorn. Die schiere Vielfalt der in Peking präsentierten Systeme – von schweren Silo-ICBMs bis zu straßenmobilen Startern, von U-Boot- und luftgestützten Systemen bis hin zu Hyperschall-Gleitflugkörpern und Überschall-Antischiffsraketen – weist auf eine gestaffelte, flexible und moderne strategische Abschreckung hin.
Tatsächlich drückt Peking gerade in dem Bereich am stärksten aufs Tempo, in dem seine Rivalen deutlich hinterherhinken: Hyperschalltechnologie. Während Washington sich noch in der Forschungs- und Testphase befindet, hat China bereits operationelle Hyperschall-Gleitflugkörper im Einsatz und erweitert sein Hyperschall-Antischiffsarsenal. Russland ist das einzige andere Land in diesem exklusiven Kreis – doch sowohl Moskau als auch Peking bewegen sich derzeit schneller als die Vereinigten Staaten.
Die Parade vom 3. September 2025 war also nicht bloß ein Schauspiel – sie war ein Signal. China baut eine Raketenstreitmacht auf, die nicht nur einen Zweitschlag im nuklearen Krieg garantiert, sondern auch den Zugang zu seinen Küstenzonen verwehren, gegnerische Flotten bedrohen und Rivalen in jedem regionalen Konflikt im Unklaren lassen soll.
Zum ersten Mal in der modernen Geschichte spielt Peking bei der Raketentechnologie nicht mehr die zweite Geige. Es gibt den Takt vor – und fordert die anderen heraus, Schritt zu halten.
Von Dmitry Kornev, Militärexperte, Gründer und Autor des Projekts MilitaryRussia (Website erlaubt kein https).
Anmerkung: Alle Links stammen von mir. Wieso können andere das immer noch nicht, auch nicht der Autor des Artikels? Sollen die Leser sich das selbst zusammensuchen? Was ist so schwierig daran, Quellen und Informationen zu verlinken?
Wahrscheinlichkeitsmaschine
Großartiger Artikel von Thomas Grüter auf SciLogs: KI: „Der Kollaps des Schlaraffenlands“ – mit das Beste, was ich zum Thema bisher gelesen habe.
Within thirty years, we will have the technological means to create superhuman intelligence. Shortly after, the human era will be ended. (Vernor Vinge, 1993)
Grüter stellt zunächst die apokalyptischen Modelle zur KI vor: „Aktuelle generative KI-Systeme wie ChatGPT werden trainiert, nicht programmiert. Deshalb sei kaum vorherzusagen, welche Ziele sie tatsächlich erreichen wollen und welche Wege sie dafür einschlagen. Ihre innere Funktionsweise, sagen die Autoren, sei dermaßen unterschiedlich von der des menschlichen Gehirns, dass man sie mit Recht als „Außerirdische“ bezeichnen könne. Menschliche Ethik sei ihnen fremd. Die Autoren resümieren, dass eine übermenschlich intelligente KI (ASI = Artificial Superintelligence) von Menschen nicht mehr kontrollierbar ist.“
Natürlich gab es die Schlussfolgerungen daraus schon in zahllosen Science-Fiction-Filmen und -Büchern. Der Mensch ist gefährlich und stört nur – ein Standpunkt, den man aus der Sicht der Evolution durchaus vertreten könnte. Deshalb sollte er verschwinden. Und dann handelt die KI dementsprechend. Die Artificial Superintelligence könnte zum Beispiel heimlich der Erde den Sauerstoff entziehen.
Jetzt das große „Aber“: „Die heutigen KIs beantworten zwar Fragen, entwerfen Präsentationen und schreiben Computerprogramme, aber ihnen unterlaufen dabei groteske Fehler. Deshalb sind die aktuellen Large Language Models (LLM) in kritischen Situationen schlicht unbrauchbar. Ein aktueller Report des MIT Media Lab stellte dazu fest: Dieser Report deckt die überraschende Tatsache auf, dass trotz Investitionen von 30 bis 40 Milliarden US$ in generative KI, 95 Prozent aller Firmen keinen Gewinn daraus erzielt haben.“
Grüter geht davon aus, dass die meisten Unternehmen, die mit KI Geld verdienen wollen, scheitern werden. Die KI funktioniere als “ Wahrscheinlichkeitsmaschine“ und habe kein kein tieferes Verständnis der Fragestellung.“
„Im Wahrheit ist eine ASI sehr viel weiter entfernt, als die meisten Menschen denken. Selbst das größte heutige LLM spiegelt ihre Intelligenz nur vor. (…) Füttert man KI-Modelle immer wieder mit ihren eigenen Antworten, werden die Aussagen immer fahriger, bis sie sich am Ende in sinnlosem Gebrabbel verlieren. Experten sprechen hier von einem sogenannten Modell-Kollaps.
Fazit: „Bei Menschen sind Beharrlichkeit, gute soziale Fähigkeiten, Übersicht und Zielstrebigkeit wichtiger als bloße Intelligenz. Die erfolgreichsten Zeitgenossen sind nicht die mit einem himmelstürmenden IQ, sondern eher diejenigen, die unbeirrbar ein Ziel verfolgen und dabei sehr gut mit anderen Menschen zusammenarbeiten (oder sie für sich arbeiten lassen)“.
Auf die Ökonomie übertragen: „Man hat im teuersten Lokal der Stadt Austern bestellt und hofft jetzt, in einer davon eine Perle zu finden, mit der man die Rechnung bezahlen kann. In der Vergangenheit haben solche Szenarien im besten Fall zu einer Marktbereinigung geführt, im schlimmsten Fall zu einem kompletten Zusammenbruch der Weltwirtschaft.“
Na also. Erst die Apokalypse des Kapitalismus, dann übernehmen die Chinesen alles und nennen es Kommunismus.





































































































































