S-Bahn
Es gibt ja hier Superspezialexperten, die erkennen jede Berliner S-Bahn-Station sofort. Welche ist also diese?
Gut Klostermühle, revisited
Gesehen hier.
Gut Klostermühle zensiert das Internet
Bin grad auf einer Journalisten-Klausur im Gut Klostermühle. Brandenburger Landschafts-Idylle. Kaiserwetter. Freundliche Leute.
Aber: Wie zu erwarten war, filtern die das Internet und keiner weiß wirklich, warum und wie. Ich musste mit Jondonym surfen, um die Zensur zu umgehen.
Das ist der Kitzler oder: Das Tagebuch der Anne Frank ist pornografisch
Das Tagebuch der Anne Frank soll pornografisch sein, wenn es nach einigen Leuten geht. Es geht u.a. um diese Passagen:
Bevor ich elf oder zwölf Jahre alt war, wusste ich nicht mal, dass es auch noch die inneren Schamlippen gab, die waren überhaupt nicht zu sehen. Und das Schönste war, dass ich dachte, der Urin käme aus dem Kitzler… Von vorn siehst du, wenn du stehst, nur Haare. Zwischen den Beinen ist eine Art Kissen, weiche Dinger, auch mit Haaren, die beim Stehen aneinanderliegen. Man kann das, was drinnen ist, dann nicht sehen. Wenn du dich setzt, spalten sie sich auseinander, und innen sieht es sehr rot und fleischig aus. Am oberen Teil, zwischen den äußeren Schamlippen, ist eine Hautfalte, die bei näherer Betrachtung eigentlich eine Art Bläschen ist. Das ist der Kitzler.
Vgl. pornoanwalt.de, gawker.com, washingtonpost.com
Armlose Banditen
Linkes Betschwestertum
Ein köstlicher Artikel Jan Fleischhauers über einen taz-Kongress: „Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie wenig ausreicht, um Menschen, die der Linken angehören, in Aufregung zu versetzen. (…) Die meisten Menschen suchen in ihrem Meinungsumfeld nach Bestätigung für ihre Weltsicht, das gilt lagerübergreifend. Aber nirgendwo ist die ideologische Selbstisolierung so weit fortgeschritten wie in den Vierteln, in denen man sich auf die eigene Weltläufigkeit sonst so viel einbildet. (…) Ein gewisser Hang zur Bigotterie ist dabei fast unausweichlich“.
Und der von Deniz Yücel über dasselbe Event ist auch sehr lesenswert. Der lässt es wieder krachen….
Kein Sex für Anna

Gibt es die Content-Mafia jetzt auch bei Pflanzen? Vermehrung verboten? Was will uns das höhere Wesen, das diese Pflanze wachsen ließ die Evolution, in deren Namen jemand hier zu sprechen befugt sein will, damit sagen? Darf die Pflanze keinen Sex haben? Oder bin ich verpflichtet, Moskitonetze gegen Bienen über Anna zu stülpen oder gar eine Selbstschussanlage gegen geflügelte Pollentransporter zu installieren? Oder ist Anna so dekadent, dass sie ohne Gentechnik ohne Hilfe des Homo sapiens der evolutionären Pflicht zur Erhaltung der Art nicht mehr nachkommen kann?
Hat jemand schon ein Patent auf Anna Chlorophyll? Der Kapitalismus und sein goldenes Kalb seine heilige Kuh, das Privateigentum an allem, überraschen mich doch immer wieder.
Seelenverkäufer

Anna Emilie Kukuk
Meine Urgroßmutter (die Großmutter meines Vaters) Anna Emilie Kukuk, Bäuerin, geb. 22.5.1864 in Elsendorf (Groß Dombrowo, heute Dambrowa Wielka, ehem. Westpreußen), gest. 1943. Das Foto stammt aus dem Jahr 1877, sie war damals 13 Jahre alt.
Überprüfung des Tsarnaev-Verkehrs
Computer-Voodoo at its best: „Laut FBI ergaben die (…) Überprüfung von Reisedokumenten, Internetverkehr… (…) Die Mutter Subeidat Zarnajewa sagte ‚Russia Today‘ laut CNN, das FBI habe Tamerlan bereits seit drei bis fünf Jahren überwacht. „Sie wussten, was er tat, welche Internetseiten er besuchte…“
Da würde ich dich zugern wissen, wie man den „Internetverkehr“ einer verdächtigen Person überwacht oder gar herausfindet, welche „Internetseiten“ man besucht hat. Würde Spiegel online ernsthaft recherchieren, würden sie nachfragen, anstatt den Quatsch einfach wiederzugeben.
Dass sie die Quelle Russia Today nicht verlinken, regt mich schon gar nicht mehr auf. Im Original (andere Version) hat die Mutter des Terroristen das auch gar nicht gesagt; entweder hat Spiegel online das einfach woanders abgeschrieben oder sie haben das dazufantasiert:
Zubeidat Tsarnaeva, the suspects’ mother also told RT that her son was being manipulated by the FBI. “How could this happen?… They were controlling every step of him, and they are telling today that this is a terrorist attack,” she told RT.
Erhaben hässliche Langeweile
Berlin, Alexanderplatz
Panoramen der Macht
Zersetzung nach Plan
Aus aktuellem Anlass dokumentiere ich hier einen Artikel, den ich am 12.12.1990 im Berliner Stadtmagazin ‚zitty‘ über Jens-Uwe Vogt geschrieben habe. Vogt galt schon zu DDR-Zeiten als Rädelsführer der Hooligans des BFC Dynamo. Die Stadtmagazin „Prinz“ hatte damals einen Artikel veröffentlicht, der suggerierte, Jens-Uwe Vogt sei Agent der Stasi gewesen. In Wahrheit hatte das Ministerium für Staatssicherheit selbst eine Kampagne initiiert, um Vogt in den Augen der Hooligans verdächtig zu machen, ein Spitzel zu sein. Das Ziel der Stasi war laut deren Akten, die Hooligan-Szene Ost-Berlins zu „zersetzen“, indem der informelle Anführer gezielt diskreditiert wurde. Vogt ist kein sympathischer Zeitgenosse, und seine Aktionen auch nicht „gesellschaftsfähig“, aber ein Spitzel war er nicht.
So arbeiten Geheimdienste heute auch noch. Ich selbst – so suggerierten mehrfach Mitglieder des Chaos Computer Clubs -, sei verbandelt mit dem Verfassungsschutz oder wem auch immer (die Tatsache, dass ich seit einem Jahrzehnt fordere, den Verfassungsschutz abzuschaffen, ist vermutlich nur eine besonders geschickte Tarnung). Ein Vorstandmitglied der German Privacy Foundation soll (wieder einmal) IM eines Dienstes sein. Quellen und Belege sind nicht nötig; ein Verdacht, den irgendjemand faktenfrei in den Raum wirft, reicht aus, um die Person in einem bestimmten Milieu zu diskreditieren – eine Methode, die perfekt funktioniert.
Auszüge (der komplette Artikel oben als pdf):
Auch dieser Tage [1990] steht Vogt im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Eine bunte Berliner Stadtillustrierte [‚Prinz‘] will erfahren haben, daß der „Führer der Hools“ Agent für die Staatssicherheit gewesen sei. So beruft sich das Magazin auf die Aussagen eines ehemaligen Stast-Mitarbeiters, wonach Vogt „Lektionen in DDR-Rechtsprechung, Psychologie und Taktik“ erhalten habe. „Blödsinn“, erklärte Vogt gegenüber Zitty, „Ich kann mir nicht erklären, wieso so etwas geschrieben wird. (…) will Vogt seine Vergangenheit vertuschen? Hat er, wie das Magazin behauptet, seine Führungsoffiziere ausgespielt, oder wurde er von der Stasi über den Tisch gezogen, instrumentalisiert, um die Hooligan-Szene zu sersetzen? (…)
Die Hauptabteilung XX konterte [die Aktionen der Ost-Berliner Hooliganzs] mit einen Plan für die „Einleitung differenzierter Vorbeugungs- und Zersetzungsmaßnahmen“ der Hooligan-Szene. Dieser Plan war so differenziert und raffiniert, daß selbst heute noch die Folgen für einige Hools zu spüren sind.
Prominenter Mitarbeiter der OPK („operativ-politishen Kontrolle“) war der „BFC-Kommandore [Spitzname der Ost-Berliner Hooligans für einen bestimmten Hauptmann des Staatssicherheitsdienstes]. Seine spitzel, im Stasi-Jargon IM („informelle Mitarbeiter“) genannt: Drei Herren mit den Decknamen „Bär“, „Dirk Heinze“ und „Jens Pollack“. Zielobjekt: Jens-Use Vogt. Deckname der Operation: „Vogel“.
Erste Maßnahme: Information. Die Informanten belegten, daß Vogt Mitte der 80er Jahre zwar nicht von allen Hooligans als Anführer akzeptiert wurde. Er hatte aber „organisatorisch und stimmungsmäßig“ in der Fan-Gruppe „die Fäden in der Hand“. Er galt als „Anführer der Skinheads“.
„Vogt trat auch aktiv als Texter von Verspottungsliedern der Sicherheitsorgane in Erscheinung“, heißt es in einem Stasi-Protokoll vom 26. November 1987. Wenn er in einer Gaststätte anwesend war, „kam es vor, daß am Tisch leise Lieder mit rassistischem oder faschistischem Charakter gesungen wurden.“
Zweiter Schritt: Der Hooligan-Chef und ausgewählte Anhänger wurden unter Vorwänden von Ermittlungsbehörden vorgeladen und verhört. „Irgendwo mußte man immer Kompromisse eingehen“, erinnert sich Vogt heute über sein Aussageverhalten bei der Polizei. (…)
Seine vermeintliche Schlauheit nütze ihm nichts. Die Stasi war noch gewitzter. Seine Aussagen würden „über inffizielle und offizielle Wege anderen Mitgliedern der Gruppierung zur Kenntnis gegeben, so daß in der Gruppe eine starke Verunsicherung gegeneinander hervorgerufen wurde.“ Vogt behauptet heute, daß seine Aussagen teilweise verdreht lanciert wurde. Seinen Spitznamen hatte er weg: „Stasi-Vogt“. „Die Skins haben sich alle von mir distanziert“, sagt er.
Dritter Schritt: Bei einer Party von Hooligans und Skinheads im Dezember 1986 werden Fascho-Lieder gesungen und „Sieg Heil“ gebrüllt. Die Polizei verhaftet ein Dutzend der Teilnehmer. Vogt und zwei weitere mitglieder der „Annalen“ [ vermutlich sind die „Vandalen“ gemeint – eine Ost-Berliner Rocker- und Nazi-Bande] entkommen. Die Polizei lädt Vogt zum Verhör vor. Kommentar des Abschlußberichts der „operativ-politischen Kontrolle“. „Um den Zersetzungsprozeß zu forcieren, wurde der Vogt im März 1987 gezielt als Zeuge zum Gerichtsverfahren gegen die Teilnehmer des Vorkommnis 24. November geladen.“ Im Beisein anderer Gruppenmitglieder weisen die Stast-Mitarbeiter auf seine „entscheidenden“ Aussagen und sein „ängstliches Verhalten“ hin. Jede weitere „Zuführung oder Befragung“ wird durch „offensives Auftreten verschiedener IM bekannt gemacht“.
Ergebnis der Maßnahmen: Es verbreitet sich unter den Hools und Skin „die Auffassung, daß der Vogt machen könne, was er wolle, ohne daß ihm etwas geschehen würde. Daraufhin distanzierten sich weitere entscheidende Personen von ihm.
Vierter Schritt: Zügige Ausreise. (…) Die Stasi hatte schon 1987 vorgemerkt, die Übersiedelung [Vogts] solle schnell realisiert werden, „um so seine zuk+nftige Wirksamkeit in Westberlin zu untergraben, denn bei den rowdyhaften Jugendlichen bestand … die Auffassung, daß man nur für gewissen Gegenleistungen schnell ausreisen darf.“ (…)
„Als weitere Maßnhame, um die Glaubwürdigkeit des Vogt herabzusetzen, wurde die zügige Realisierung seines Antrags auf Übersiedelung nach WB (WEst-Berlin, d. Red.) genutzt.“ (…)
Nachtrag, der mit dem obigen Artikel inhaltlich nichts zu tun hat, aber mit dem Anlass, ihn noch einmal zu veröffentlichen: Wenn mich jemand nach meiner privaten Verschwörungstheorie fragt, antworte ich, dass irgendjemand Karsten N. „gebrieft“ hat, weil der am ehesten „paranoid“ genug ist, um auf so etwas hereinzufallen. N. behauptete vor einigen Jahren (das wird ab und zu wieder hervorgekramt) vor seinem Austritt aus der GPF über ein anderes Vorstandsmitglied (nicht, nicht über mich): „der meiner Meinung nach im Verdacht steht, als informeller Mitarbeiter unter dem Decknamen „Sysiphos“ für die „Dienste“ zu arbeiten.“
Vielleicht sollte Karsten, der sich beharrlich weigert, irgendwelche Fakten zu nennen, doch lieber seine eigenen „Quellen“ überprüfen. Gegen meine Theorie spricht aber, dass die German Privacy Foundation mit ihren knapp 90 Mitgliedern einfach nicht wichtig genug ist, um Ziel einer Geheimdienst-Operation zu sein, um die GPF zu „zersetzen“ oder zu diskreditieren.
Werbung ist böse
„Werbung ist im Kern böse. (…) Werbung mag ich aber einfach nicht. Ich will sie nicht und niemand wird mich dazu zwingen, mir sie anzuschauen. Das ist meine Sicht und ich weiß nicht, wie sich jemand anmaßen kann, dagegen argumentieren zu wollen.“ (Quelle: ein Posting im Heise-Forum)
Deswegen sehe ich mir grundsätzlich keine Videos von Spiegel online und anderen Websites an, die mich zum Konsum von Werbung zwingen wollen. Ich weiß nicht, was sich die Pappnasen in den zuständigen „Agenturen“ dabei denken? Falls jemand auf die Idee käme mir verbieten zu wollen, bei Werbung in der Glotze wegzuzappen, würde ich das Gerät doch auch ausgeschaltet lassen!
Es kommt auch „gut“, wenn man in der vorgeschalteten Werbung eines Youtube-Videos Pseudojugendliche oder pseudoprominente Arschgesichter mit dämlichem Grinsen und merkwürdiger Kleidung herumzappeln sieht, die einem ein Gefühl suggerieren wollen, dieses und jenes kaufen zu müssen, und in den Filmen über Tsunamis oder Verkehrsunfälle, die man sich ansehen will, dann ein paar Leichen gezeigt werden.
Ich war schon immer der Meinung, dass die Anzahl der Hohlbirnen in Werbeagenturen so hoch ist wie bei der FDP, bei „Abmahn“-Anwälten oder in der Immobilienbranche.
Kreuzberger Grüninnen wollen keine Plätze nach jüdischen Männern benennen
Political correctness at its best: die Grüninnen in Berlin-Kreuzberg wollen zwar eine Rudi-Dutschke-Straße (Mann), aber keinen Moses-Mendelsohn-Platz (Mann und Jude).
Unter linken Finanzexperten
Rbb Nachrichten: „Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) hat Kritik zurückgewiesen, er gehe bei der Anlage von Geld aus dem Pensionsfonds für Beamte zu hohe Risiken ein. Markov sagte dem rbb am Samstag, er halte sich an die Anlage-Richtlinien, denen der Landtag zugestimmt habe. Zwar seien Gelder aus dem Pensionsfonds für Beamte in Zypern angelegt…“
Vgl auch Telepolis: „Brandenburg investierte Rücklagen für Beamtenpensionen in zyprische Staatsanleihen“.
ROTFL!
Rebellion in Ubangi-Schari
„Ich wünsche Ihnen eine gute Entwicklung da unten.“ (Heinrich Lübke, Bundespräsident 1959-1969, zu einer Delegation aus Mauretanien)
In der Zentralafrikanischen Republik (aka Sango Ködörösêse tî Bêafrîka oder R.C.A.) gab es vor einigen Tagen einen Militärputsch. Ich fühle mich durch die deutschen Medien nicht hinreichend informiert und habe daher selbst über die Hintergründe recherchiert.
Das letzte Mal hatte ich etwas über dieses Land im Zusammenhang mit „Kaiser“ Jean-Bédel Bokassa gehört, einer der zahlreichen durchgeknallten und korrupten Folter-Despoten Afrikas, der sich aber der besonderen Zuneigung des damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing erfreute: Der schützte ihn mit französischen Soldaten und der Fremdenlegion und erhielt dafür Uran für das französische Atom-Programm. Das übliche und bekannte Muster eben.
Der Plot des aktuellen Putsches scheint zunächst einfach zu sein: Eine ehemalige französische Kolonie, ohne deren Willen oder Duldung bis heute nichts passiert, wie BBC 2007 Einheimische zitierte. „CAR is in many ways still a French colony“. Und zu 80 Prozent christlich.
Der jetzt gestürzte Präsident François Bozizé hatte am 15.03.2003, also vor zehn Jahren, den damaligen Präsidenten Ange-Félix Patassé (Premierminister unter Bokassa) aus dem Amt geputscht. Patassé war offenbar eine Allianz mit Libyen eingegangen, sagt Roland Marchal in französischen Medien; das würde erklären, warum die Franzosen den ersten gewählten Präsenten des Landes damals zugunsten Bozizés fallen gelassen haben. Der abgesetzte Präsident ist laut Al Jazeera in den Kongo geflüchtet.
Der Afrika-Experte Marchal meint, Frankreich habe sich aus den aktuellen Kämpfen herausgehalten, weil „there is no structural or significant strategic interest there“. Das glaube ich nicht: „The landlocked Central African Republic, which is bordered by the Sudans, Chad, Cameroon and the Democratic Republic of Congo, is rich in natural resources such as gold, timber, uranium and diamonds.“
Der jetzige starke Mann ist Michel Djotodia, er war schon vorher „Verteidigungsminister“ und Anführer der so genannten Séléka-Rebellion („Allianz“ in der zentralafrikanischen Sprache Sango) vor einem Jahr. Das ist eine Gruppe mehrere tribal orientierter Warlords aus dem Norden der Zentralafrikanischen Republik. Französische Medien berichteten über Djotodia: „He comes from … a region where he is mostly known as an intellectual who speaks several languages. (…) He studied in Russia and has always had huge political ambitions.“
Einige Medien tischen uns die These auf, die „Instablität“ des Armenhauses Afrikas sei „hausgemacht“. Wie überall in Afrika haben auch die Staatsgrenzen der RCA nichts mit realen ökononmischen, sprachlichen oder kulturellen Gegebenheiten zu tun, sondern waren reine Willkür der Kolonialmächte rund um Französisch-Äquatorialafrika. Übrigens war ein westlicher Teil der heutigen Zentralafrikanischen Republik, der so genannte „Entenschnabel„, vorher Deutsch-Kamerun.
Am 11.01.2013 war es zu einem Stillhalteabkommen zwischen Bozizé und den Aufständischen gekommen. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt dazu, Bozizés Macht sei damals eingeschränkt worden: „Ihm wurde als Premierminister der 55-jährige Nicolas Tiangaye vor die Nase gesetzt, ein angesehener Verfassungsexperte und ehemaliger Menschenrechtsanwalt.“ Tiangaye wird auch unter den neuen Machthabern im Amt bleiben. [Wenn man sich den Wikipedia-Eintrag über ihn anseht, den die Mainstream-Medien natürlich nicht verlinken, bekommt das „angesehen“ einen merkwürdigen Geschmack: Der Mann weiß vermutlich zu viel, als das man ihn loswerden könnte.]
Die Nachrichtenagentur AP schreibt: „The rebels say they are seeking the release of political prisoners and the integration of rebel forces into the national army. Seleka also wants South African soldiers who have been on assignment in Central African Republic to leave the country.“ Interessant ist, dass Südafrika (Mandela-Land!) Truppen geschickt hatte, die dem jetzt gestürzten Präsidenten helfen sollten, was offenbar misslungen ist.
Man fragt sich natürlich, warum Frankreich in Mali interveniert hat, nicht aber beim Putsch in Bangui. Die NZZ berichtet, dass die Warlords der „Webellen“ aus dem Tschad unterstützt würden. Man muss wissen, dass es vor allem um Diamantenschmuggel geht. Ein Drittel der Edelsteine verlassen illegal das Land. Die Organisation Kimberley-Prozess, einer internationalen Organisation zur Unterbindung des Handels mit „Konfliktdiamanten“, zu der auch die RCA gehört, sollte das eigentlich verhindern. eine Pressemitteilung von medico international klärt uns auf, dass es sich wohl nur um eine „Selbstverpflichtung“ der Industrie handelt, keine Diamanten zu akzeptieren, mit denen Kriege finanziert werden. Es gibt keine Konsequenzen, wenn sich jemand nicht daran hält. „Holz und Diamanten stellen die wichtigsten Exportgüter dar, die zusammen zwei Drittel des Exports ausmachen.“
Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Frankreich greift nur dann militärisch ein, wenn jemand anderes an der Ausbeutung Afrikas beteiligt werden will, etwa einheimische „Rebellen“. Das ist aktuell nicht der Fall. Die neue Machthaber hätten gegen französische Soldaten keine Chance. Die Kolonialmächte können mit Warlords sehr gut leben, auch wenn die die Bevölerung abschlachten und den Staatshaushalt in die eigene Tasche verschwinden lassen. Die Idee einer wahren Unabhängigkeit ist ausgestorben.
Es war auch einmal anders: Ubangi-Schari, wie das Gebiet früher genannt wurde, wurde im „Afrikanischen Jahr“ 1960 „unabhängig“ von Frankreich. Der erste Premierminister Barthélemy Boganda progagierte die „Vereinigte Staaten von Lateinafrika“, ähnlich wie Simon Bolivar in Südamerika.
„Ein wichtiges Anliegen war Boganda, die Einheit der Staaten des bisherigen Französisch-Äquatorialafrika auch für die Zukunft zu sichern, was am Widerstand des relativ wohlhabenden Gabun unter Léon M’ba scheiterte. Als Gegengewicht zu den arabischen und ehemals britischen Gebieten Afrikas schlug Boganda 1957 den Zusammenschluss der ehemaligen französischen, portugiesischen, spanischen und belgischen Kolonien Zentralafrikas zu den Les Etats-Unis de l’Afrique Latine (Französisch) bzw. Estados Unidos da África Latina (Portugiesisch) vor.“
Boganda, schon zum Premierminsiter ernannt, verunglückte 1959 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz – noch vor der Unabhängigkeit. Wen wundert das…
Bildquellen: Wikipedia (unten: „Soldiers of the Forces Françaises Libres near Bangui in the Oubangui-Chari region (nowadays the Central African Republic) in 1940“)
Banker bangen um Peanuts

Deutsche Banker bangen um sechs Milliarden Euro (Foto bangender deutscher Banker exklusiv auf burks.de). Da bangen wir jetzt alle mit.
Rein informelle Deals auf dem Jahrmarkt
Zeit online zu Absprachen vor Gericht: „Der Düsseldorfer Kriminologe Karsten Altenhain hatte in der mündlichen Verhandlung Studienergebnisse vorgestellt, wonach mehr als die Hälfte der Richter ihre Deals überwiegend rein informell absprächen, um weitere Formvorschriften wie ein Protokoll zu umgehen. Die häufig falschen Geständnisse würden nicht überprüft, verbotene Straferlasse in Aussicht gestellt.“
Die Linke, die Malvinen und noch mehr
Ein Thema wird sicher ein spannender Streitpunkt werden. Der neue Oberpfaffe der Katholen ist bekanntlich Argentinier und unterstützt die Rückgabe der britischen Falklandinseln im Süd-Atlantik, auch bekannt als „Malvinen“ oder „Islas Malvinas“, an Agentinien, das diese seit 1833 beansprucht.
Die deutsche Linke hatte noch nie eine nachvollziehbare und vernünftige Position zum Thema.
Was die Wenigsten wissen ist, dass auch der US-Imperialismus seine Hände im Spiel hatte:
1829 wurde Luis Vernet zum Inselkommandant ernannt. Er versuchte sein Monopol bei benannten Fischfang- und Jagdrechten mit Gewalt gegen US-amerikanische Walfänger durchzusetzen. Infolgedessen griff die US-Navy Vernets Siedlung an und zerstörte Puerto Soledad. Die USA erklärten 1831 die Inseln zum Niemandsland und dass sie jede argentinische Ansiedlung auf den Inseln als Piratennest betrachten würden. 1832 kehrten die Briten nach Port Egmont zurück. (…) So wurden die Inseln offiziell von Großbritannien in Besitz genommen, wogegen die USA nichts unternahmen.
Die USA maßten sich also an, eine Gruppe von 200 Inseln vor Argentinien zum Niemandsland erklären. Heute wie damals ging es um Rohstoffe, nur um andere.
Die Linke in Deutschland (nein, ich meine nicht die gleichnamige Partei, sondern die Linke als politische Strömung) unterstützte immer kritiklos die Position Argentiniens und nannte die Falklandinseln Malvinen. Mit dem nationalistischen Quatsch lässt sich in Lateinamerika halt immer punkten, obwohl Simon Bolivar, der Befreier vom kolonialen Joch, dagegen war, dass sich der Kontinent in Staaten zersplitterte, die zudem noch gegeneinander Krieg führten.
So sympathisch die lateinamerikanische Linke auch ist (schöne Frauen, gute Musik): Hier denkt und agiert sie einfach total bekloppt.
Auf den Falklandinseln leben keine Argentinier, man müsste die Leute vertreiben. Wollen die Linken das? Die haben abgestimmt und wollen nicht Argentinier werden. Schon seltsam, dass die meisten Linken und britische „Überseegebiet“ an Argentinien vergeben wollen, aber beim französischen „Überseegebiet“ Guyana das Maul halten. Die Bewohner Französisch-Guyanas wollen auch Franzosen bleiben. „Politics in French Guiana are dominated by the Guianese Socialist Party. It is aligned with the Left Radical Party.“
Wenn man aber erst anfängt, das nationalistische Fass aufzumachen: Wen unterstützt die Linke bei der Frage, ob halb Guayana zu Venezuela gehören sollte? Ob Bolivien einen Zugang zum Meer haben sollte – eine Forderung, ohne die sich kein Politiker in La Paz auf die Straße traut? Was ist mit dem Grenzkonflikt zwischen Kolumbien und Ecuador? Sollte das mittelamerikanische Belize wieder Guatemala einverleibt werde?
Manchmal muss man einfach Fakten anerkennen, auch wenn man die Geschichte, die zu einer bestimmten Situation führte, nicht mag.
Meine Meinung: Solange die Bevölkerung der Falkland-Inseln das so will, hat Argentienien dort nichts zu suchen. Ja, und Breslau soll auch polnisch bleiben und Straßburg französisch und Bozen italienisch.

































