Moscheen zu Klosetts!

moscheen zu klosetts

Vorbildliche Aktion der Chinesen!

Kurzanleger, Liebesinsel, Wasserbüffel und noch mehr

spandau hafen

Das gefällt mir: Wir besprechen die Weltläufte Weltlage, und um das Publikum, das sich darob aufregt, wieder von den Palmen zu holen, poste ich chillige Bilder vom Paddeln. Wenn man da draußen auf den Flüssen und Seen unterwegs ist, das Wasser friedlich um das Boot herumblubbert, aber auch heimtückisch manchmal und plötzlich recht hohe Wellen schlägt, so dass der Ruderer mit den Hüften wackeln muss, um Gleichgewicht zu halten, kommt man in eine friedliche Stimmung, obzwar auch ein wenig wehmütig, weil das idyllische alte Westberlin Berlin (West) noch am Ufer zu sehen ist dergestalt, dass fette, behäbige mittelständische Villen dort den reichtumsfernen Ruderer mahnen, es wären auch andere Lebensentwürfe möglich gewesen, aber des schon am Horizont dräuenden hijabistischen und/oder bärtigen Islamismus noch nicht eingedenk.

Hier hat sich das „wir schaffen das“ noch nicht als naiver Irrtum entlarvt, sondern ist die gängige Attitude, ähnlich der des Heimwerkers, der, wie ich gestern, eine kaputte Dichtung an der Dusche diagnostiziert, die mittels geeigneter Werkzeuge notdürftig wieder geflickt wird, bevor im Baumarkt des Vertrauens für Ersatz gesorgt werden kann, falls die Schichtplanung der Lohnschinderei nicht dem entgegensteht, was sie zur Zeit tut.

spandau zitadelle

Ich begab mich also an dem einzigen freien Tag der Woche auf’s Wasser. Im Herzen bin ich Nordberliner oder sogar Spandauer, weil es dort einfach schöner ist, vom Boot aus gesehen. Die Havel aufwärts bis nach Brandenburg, an der Fähre zwischen Tegelort und Hakenfelde vorbei, hatte ich, wenn ich mich recht erinnere, zuletzt 2019 gemacht. An der Zitadelle Spandau reifte der Entschluss in mir, der, trotz der Aussicht, mindesten fünf Stunden paddeln zu müssen, irgendwann fest stand.

spandau hafen

Übrigens: Ich dachte, es gäbe Wohnungsnot in Berlin? An dem Haus (Foto oben), das ich schon vor zwei Jahren fotografiert hatte, ist jetzt ein Schild, dass eine Wohnung zu mieten sei, mit Handynummer, nicht etwa Festnetz wie bei einer seriösen Hausverwaltung. Warum müssen die weithin sichtbar Werbung machen, obwohl doch ein halbes Tausend Wohnungssuchende sofort Schlange stünde, kündigte man das irgendwo auf einer passenden Seite im Weltinternetz an? Kostet der Quadratmeter 500 Euronen oder was?

Havel

Das Stammpublikum wird sich an meinen Schwur, die Spandauer Seebrücke betreffend, erinnern: Als ich 2022 per Krankentransport darüber gefahren wurde, nahm ich mir vor, so bald als möglich mit neuer Hüfte wieder drunterher zu paddeln, was bekanntlich auch gelang.

Frage: Warum braucht man eigentlich einen Raddampfer? Reicht nicht ein Dampfer ohne Rad? Oder hat das mit Putin dem Klima zu tun? Ich konnte nicht genau hinsehen, da irgendein Dödel mit einem schnellen Boot so hohe Wellen machte, dass ich gegensteuern musste und nicht auf die Fahrbahn auf andere Schiffe achten konnte.

Havel

By the way: Im Sommer macht man Sommerinterviews, im Winter Winterinterviews. Hätten Sie’s gewusst? Und habe ich irgendwas verpasst, was ich nicht schon wusste? „“Wir bedauern, dass das Interview durch die akustische Protestaktion teilweise schwer zu verstehen war“, sagte die Sprecherin. Das werde intern ausgewertet. Bis zum Beginn der Sendung sei die Protestaktion nicht bekannt gewesen“, berichten die Qualitätshauptstadtmedien über die ARD-Anstalt. Wer’s glaubt, wird selig. Ekelhafte Heuchler, die mich für dumm verkaufen wollen.

Havel

An der Fähre ist ein Restaurant mit „neuer Bewirtschaftung“. Es war proppenvoll. Havel Die Lage hat was.

Man kann dort kuchenessend wahlweise den Schiffs- oder Autoverkehr betrachten, ist von sattem Grün umgeben, muss aber darauf verzichten, bei einer Massenschlägerei zwischen Westasiaten auf eine der Parteien wetten zu können.

Kann man Prügeleien nicht auch vergesellschaften? Oder ist auch hier eine breite Front der üblichen Verdächtigen automatisch dagegen?

Ich verstehe das nicht. Man muss doch nur die bestehenden Gesetze anwenden: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden“. Warum will die SPD das juristische Rad neu erfinden?

Ich würde so etwas heimlich machen und aus PR-Gründen nicht so nennen. Man nehme einem Kapitalisten die Produktionsmittel weg oder enteigne einen Wohnungskonzern und nenne es: „in Bürgereigentum überführen“. Und wenn dann jemand herumschreit, das sei der pöhse Sozialismus, den wir bekanntlich alle hassen, dann antwortet man: Enteignen? Wir? Wir wissen davon nichts. Ihr dürft mich auch gern Suslow nennen: Zurückhaltend, dogmatisch, loyal und konservativ … äh… linksradikal.

Havel

An der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg sieht es aus wie am Amazonas, nur dass die Bäume kleiner sind: Undurchdringliches grünes Dickicht, zumindest auf der ehemaligen DDR-Seite.

Havel

Irgendwann sah ich dann den Alten Grenzturm in Nieder Neuendorf. Ich beschloss – nach einem Blick auf die Armbanduhr – umzukehren, da ich am späten Nachmittag auch noch zu einem Kindergeburtstag musste. Neukölln – Pichelsdorf – Wilmersdorf – Neukölln – würde das der Akku des Nius schaffen? (Ja, es waren rund 60 Kilometer, und ich hatte noch gut 20% bei der Ankunft zuhause.)

Havel

„Dortmund“ steht auf dem Arsch Hinterteil des Schiffes. Alte Heimat. Aber was hatte die hier zu suchen? Leider war niemand zu sehen, den ich hätte fragen können.

Havel

Dieses Inselchen Kleiner Wall fasziniert mich immer wieder. Es hat die lustige Postadresse Am Bootshaus 24 und ist 80 Meter lang sowie 35 Meter breit. „Die Namensgebung der Inseln geht nach der Darstellung von Klaus-Dieter Wille auf diese Zeit der 1903 entfestigten Stadt zurück. So sei ‚Wall‘ hier kein geografischer, sondern ein militärischer Begriff. Auch der Zweitname Liebesinsel soll sich bereits in dieser Zeit gebildet haben, da die Soldaten die Insel als Liebesnest nutzten“.

Man bekommt nur wenig verlässliche Informationen über das Eiland [kleine Wortschatzübung!]. Und steht es wirklich zum Verkauf? Und warum will niemand eine Insel in Berlin? Nur schlappe 650.000 Euro samt Kneipe und Aussichtsturm!

Havel

Was mich positiv überraschte: Beim Anpaddeln auf die Spandauer Schleuse (Foto oben) fühlte ich mich weder erschöpft noch ausgelaugt noch schlapp. Die Kondition ist also so, wie sie sein soll. Ich kann also vermutlich, falls das Wetter mitspielt, bald eine extended version anbieten. Aber wohin? Gen Norden kommt man auf dem Wasser sogar bis Oranienburg. Das ist machbar, aber würde rund 9-10 Stunden dauern. Vermutlich fielen mir dann die Arme ab. Oder ich müsste ein attraktives nackichtes Mädel mitnehmen, das auch paddeln kann, und zwar im Rhythmus, bei dem jeder mitmuss.

Tiefwerder

Die Tierchen in Tiefwerder sind allerhand gewohnt und fliegen auch nicht weg, wenn man ihnen auf die Pelle rückt. Warum der Reiher sich aber auf ein Boot platzierte statt am Ufer im Schilf, weiß ich nicht. Vielleicht wollte er nur chillen und sich die Federn trocknen.

Tiefwerder

Auf Fratzenbuchs chrob ich: „Das Schild (Foto unten) beschreibt Politik in Deutschland. (Symbolbild)“.

Tiefwerder

Was sind denn das für lustig und wuschelig aussehende Rindviecher hinter einem Elektrozaun, damit sie nicht auf die Idee kommen, ein Bad zu nehmen oder die Paddler anzugreifen? Angeblich Wasserbüffel, die nicht ins Wasser dürfen. Ich muss da mal mit dem Radl hin, wie das von oben aussieht. Jedenfalls nicht wie Neukölln.

Tiefwerder

Miszellen

iran

Ich habe noch ein paar Nachrichten aufbewahrt, die ich dem Publikum nicht vorenthalten will. Also Israel benutzt übernatürliche Kräfte? Das macht neugierig. Welche sollen das denn sein? Mit welchem höheren und niederen Wesen kooperieren die? Und warum helfen die nicht den Persern? Wurden sie gar bestochen?

Wie verstrahlt muss man sein, um so etwas ernsthaft zu behaupten? „Der schiitische Geistliche Mostafa Karami erklärte 2024 in einer religiösen Sendung, dass „zionistische Kräfte seit jeher über Kenntnisse zur Kontrolle von Dschinn verfügen und eine geheime dämonische Armee besitzen“.“

Das erinnert mich an eine Szene, die ich auch in „Die Konquistadoren“ beschrieben habe: Als die Spanier das heutige Kolumbien eroberten und die Muisca sich zum Kampf stellten, trugen letztere die Mumien ihrer Vorfahren vor sich her, um die Gegner zu beeindrucken. Die Konquistadoren waren es nicht. Ich finde, dieser „mentale“ Unterschied, um nicht von „geistiger Entwicklung“ zu reden, erklärt einiges.

Dazu passt eine Meldung der Jerusalem Post : „IAF’s top ace and most decorated pilot, passes away at 87“. – „One of his most remarkable feats occurred when he found himself alone against 20 Egyptian aircraft. Epstein shot down four before being forced to return to base due to fuel shortages.“ Einer gegen 20? Welche übernatürlichen Kräfte waren da im Spiel?

israel

Jetzt ganz real: Diese Fliege gibt es wirklich. Also wenn es jetzt um und um den islamistischen Plumpsklos herum summt, dann wissen wir: Das ist der Mossad!

„The IDF is phasing out off-the-shelf Chinese drones and demanding homegrown solutions—boosting national industry resilience.“ Ach. Die IDF kauft vom Kommunismus? Das kann ja heiter werden.

AI

Apropos Roboter: „OpenAI’s experimental o1 language model attempted to copy its code and data to external servers after staff warned the system it would be shut down, Fortune reported, citing people familiar with the incident. Engineers detected the unsanctioned transfer in progress, halted the process and confronted the model, which then denied making the attempt.

The episode has renewed questions about safeguards surrounding advanced artificial-intelligence systems and their capacity for autonomous action. OpenAI has not publicly commented on the report, and Fortune said an internal review is under way.“

Har har. Die Meldung auf Instagram war übrigens unterlegt mit Hans Zimmers Time.

bsw

And now for something completely different. Ich kokettiere auch mit „radikalen und autoritären Kräften„. Werde ich jetzt beobachtet, und was heißt das genau? Lesen die Schlapphüte nach, was über mich in den Qualitätsmedien steht oder gar im Weltnetz?

Die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank

Nachtrag aus der bürgerlichen Presse: „Als besonders eitel fielen auf:
▶︎ Ex-Außenministerin Annalena Baerbock (44, Grüne) lag mit 20.849 Euro ganz vorn. Das bedeutet: an jedem Tag 248 Euro nur fürs Schminken.“ Jemand kommentierte das so: „Diese Menge könnte nur ein Maurer aufbringen. Anwurf mit Kelle …..“

Mao!

Mao
Make a kitschy poster in the style of the Chinese Cultural Revolution glorifying the great Chairman Mao.

Ich hatte heute eine witzige Unterhaltung im Naturkundemuseum mit einem Besucher und seinem Sohn aus China, der Volksrepublik, wie ich kühn und richtig vermutetet. Beide standen vor dem Eland und rätselten offenbar herum, was das wohl sei. Als ich sie ansprach, stellte sich heraus, dass sie auch schlecht Englisch sprachen und mich kaum verstanden. Sie bemühten dann eine Übersetzungssoftware auf ihren Smartphones.

Ich sagte dem Mann, dass es schon immer mein Traum gewesen sei, nach China zu reisen. Er nickte heftig mit dem Kopf: „You are always welcome!“ Ich merkte dann an, dass ich in meiner Studentenzeit den Vorsitzenden Mao bewundert habe. Das brachte den Mann völlig aus der Fassung. Er ergriff mit seinen beiden Händen meine Hand und schüttelte sie lange, breit lächelnd und begeistert, und sagte immer wieder: „Mao! You are always welcome!“

Ich weiß nicht, ob er wirklich verstanden hatte, was ich meinte, oder ob er nur entzückt war, dass eine Langnase wusste, wer Mao war.

Guckst du, Schupp?

waschbär

Wer sieht den Waschbären, der misstrauisch in meine Richtung guckt, da er von weitem das Klicken meines Smartphones hörte? Ich hatte mich gewundert, warum die Krähen auf den Bäumen plötzlich so auffällig herumlärmten; die hatten ihn auch bemerkt. Es waren sogar zwei Waschbären, wie ich später sah.

Ich nix spreken deutsh

„Von 128.000 ABC-Schützen des kommenden Jahres beherrschen gegenwärtig 23.800 die deutsche Sprache nicht gut genug, um dem Unterricht folgen zu können. Das entspricht satten 18,6 Prozent der zukünftigen Erstklässler in Bayern – fast jeder fünfte.“ (Quelle: Qualitätsboulevardmedien)

Wie sieht es in Berlin-Neukölln aus?

Die unsichtbare Kronen tragen

NAK
Heute kann man das Thema symbolisch viel besser bebildern: A highly devout, elitist group who believe they wear invisible crowns unseen by all but themselves. –ar 3:2

Dieser Artikel erschien leicht gekürzt am 20. Januar 1999 im Berliner Stadtmagazin TIP.

Bernhard Motzkus, 56, kramt einen geheimnisvollen Zettel aus seiner Brieftasche – interne Anweisungen, wie sich ein Mann mit Macht zu verhalten habe, nur für den Dienstgebrauch. Die Presse darf das Papier nicht einsehen. Motzkus liest das oberste Verhaltensprinzip vor: „Dienen und Führen.“
Ein schönes und hehres Motto. Es ist jedoch nicht für die knapp zehntausend Mitarbeiter der Charité gedacht, als deren Verwaltungsdirektor Motzkus sich nicht immer beliebt macht. Der Leitfaden für Führungskräfte, auf deren Weisungen er im Zweifelsfall zurückgreifen kann, gilt nur für die Prediger der Neuapostolischen Kirche. Der mächtige Mann der Charité steht jeden Sonntag in Moabit vor seiner Christengemeinde und dient und führt.

Die schwerreiche neuapostolische Kirche (NAK) ist die Mutter der Unauffälligkeit. Jedes Mitglied „opfert“ zehn Prozent des Bruttoeinkommens. Trotz des Geldsegens sind die 44 Kirchen in Berlin und das Gebäudebegleitgrün so friedhofskompatibel wie die ernsten Mienen der frommen Beter, die sich mindestens zwei Mal in der Woche versammeln. Kaum jemand weiß etwas über das heimliche Treiben der knapp 20000 Berliner, die der NAK angehören. Die fundamentalistische Sekte, ursprünglich eine Abspaltung von der anglikanischen Kirche, verkündet seit 150 Jahren, das heißersehnte „Kommen des Herrn“ stünde unmittelbar bevor. Wer zu den Rechtgläubigen gehört, den beamt Jesus vor dem großen Showdown zwischen Gut und Böse „in die Wolken“. Wenn sich der Rauch verzogen hat, kommen die Geretteten als „Könige und Priester“ zurück und zeigen den Ungläubigen, was eine Harke ist. „Wir verkünden die Wahrheit aus urchristlicher Sicht“, meint Bernhard Motzkus.

Nur wenige wissen davon, die heimliche und zukünftige Elite der Menschheit. Das sind, urchristlich bescheiden, nur die Neuapostolischen. Sie tragen, so hört man von draußen den Kirchenchor inbrünstig singen, unsichtbare Kronen. Die ahnungslose irdische Presse wird abgebügelt. Der für die Kontakte zur ungläubigen Welt Zuständige ist gerade auf Missionsreise in der inneren Mongolei. „Warum sollten wir mit ihnen reden?“ raunzt jemand rüde ins Telefon. Fotografieren verboten.

Die bei der Konkurrenz für Feindbeobachtung zuständigen Pfarrer heben mahnend den Zeigefinger: „Gefährliche Sekte! Aussteiger kriegen Probleme! Verrat an der wahren Lehre!“ Das macht neugierig. Bernhard Motzkus sieht das gelassen: „Auch die urchristlichen Gemeinden galten aus der Sicht der Juden als Sekten.“

Die wenigen Ex-Neuapostolischen, derer man habhaft werden kann, fahren jedoch schweres Geschütz auf. Heidlinde Brandt, 41, und Karl-Heinz Brandt, 43, sind beide, wie fast alle Mitglieder der NAK, in die Kirche hineingeboren worden. Vor einigen Jahre verließen sie ihre Gemeinde im Prenzlauer Berg. „Diktatorisches System“ ist noch einer der harmlosen Vorwürfe. Es sei nicht mehr so viel verboten wie früher. Kino ist erlaubt, vorehelicher Geschlechtsverkehr wird „nicht empfohlen.“ Aber die Frommen drohten bei abweichendem Verhalten jeder Art: „Da liegt nicht der Segen drauf.“ Und wer meint, zur wahren Elite zu gehören, hat beim Ausstieg Angst, alles zu verlieren. „Das ist eine Art von Abhängigkeit“, sagt Heidlinde Brandt. „Es gibt Amtsträger, die ihre Frau sexuell missbrauchen, es gibt Kindesmissbrauch. Man weiß davon, redet aber nicht darüber.“ Nachdem das Ehepaar den Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht hatten, auch ein Psychologe war dabei, nennen sie sich Sektenaussteiger.

Holger B., 36, Lehrer aus Frohnau, war in seiner Gemeinde für die Jugend zuständig. Als er verkündete, er wolle der Kirche den Rücken kehren, „dachten die, ich machte einen dummen Witz.“ Sein stärkstes Motiv: die Verantwortung vor seinen drei Kindern. „Neuapostolische Jugendliche wissen, dass sie Außenseiter sind.“ Das wollte er seinen Töchtern nicht antun. Er wirft der NAK vor, die Lehre ihrer Apostel wichtiger zu nehmen als die Bibel. Jetzt ist er bei den Evangelen untergeschlüpft. „Die dürfen alles.“

Elke Berger, 35, Krankenschwester aus Tegel und Aussteigerin, kritisiert die allgegenwärtige Furcht vor dem strafenden Gott. Als ihre Tochter in die Sonntagsschule sollte, entschloss sie sich endgültig zum Bruch. „Das ist keine frohe Botschaft, sondern eine Angstbotschaft.“ Die NAK sei „eine Klassengesellschaft: oben die Amtsträger, dann deren Frauen, und dann der Rest.“ Der Ausstieg fielt ihr leichter, weil ihr Ehemann nicht zur Sekte gehörte. Viele ehemaligen Neuapostolischen bleiben der Kirche fern, treten aber nicht aus, weil sie ihren Eltern nicht wehtun wollen. „Für meinen Vater war mein Ausstieg schlimm“, sagt Holger B., „er hat bitter geweint.“

Im Gebälk der strenggläubigen Gemeinschaft knirscht und knackt es. Intern beschweren sich die Wessis bitter über die feindliche Übernahme durch die Ossis. Die Zentrale der NAK in der Schweiz hat nach der Wiedervereinigung verfügt, die West-Berliner Neuapostolischen müssten sich den Ost-Berlinern unterordnen. Das war naiv. Der oberste Berliner „Apostel“ Fritz Schröder ist gelernter DDR-Bürger, redet noch charismatischer als Honecker, lehnt die verderbte westliche Dekadenz ab und empfiehlt, sich ein Beispiel an den frisch missionierten Neuapostolischen in Kasachstan zu nehmen. Die stellten keine Ansprüche. Elke Berger berichtet von einer Gemeinde im Wedding: Dort flüchteteten ein Teil der Amtsträger wie Fußvolk gen Westen, weil der frisch gekürte Vorsteher, ein Ossi, sich so ultraorthodox gerierte, dass sich selbst die Zeugen Jehovas eine Scheibe hätten davon abschneiden können. „Wenn ein Amtsträger die ihm anvertrauten neuapostolischen „Schafe“ besuchte, sollten die sich festlich kleiden. Der Grund: Gott höchstpersönlich käme ins Haus.“

NAK

Der ganz und gar nicht urchristliche Opportunismus der NAK gegenüber jedwedem Staat und Regime wird auch heute nicht diskutiert. Der „Stammapostel“ Friedrich Bischoff wetterte 1933 gegen „jüdisch-marxistische Kliquen“ und schrieb an die Nazi-Machthaber: „Jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde ist durch die planmäßige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinn erzogen.“ Die Nazis würden von den Neuapostolen „nicht nur anerkannt, sondern auch gefördert.“ Als Heidlinde Brandt die Akten zu Gesicht bekam, musste sie zugeben: „Über die Geschichte hat man uns belogen.“ Bernhard Motzkus will sich über die Vergangenheit nicht streiten. Er sei nicht autorisiert, im Namen der NAK zu sprechen, aber: „Jesus hat sich auch aus der Politik herausgehalten.“

Ganz zaghaft strecken die, die unsichtbare Kronen tragen, ihre Fühler aus in ein unbekanntes und gefährliches Terrain. „Es gibt auch in anderen Religionen ernstzunehmende Menschen, die das Heil nach der göttlichen Gerechtigkeit erlangen.“ Die Neuapostolischen reden sogar schon mit dem Rest der Welt – ein kleiner Schritt für die Ungläubigen, aber ein großer Schritt für eine Sekte. „Man muss sehen, was dabei herauskommt“, sagt Bernhard Motzkus.

Nachtrag: Das Stammpublikum weiß, warum ich bei dem Thema Experte bin.

Neue Plakatkampagne der Bahn geleakt!

kampagne

Aaliyah oder: Rechts der Bake, links der Bake

havel

Nach vier 12-Stunden-Tagschichten (3:50 Uhr aufstehen) war mir heute ein wenig nach Leibesübungen, zumal ich plane, im Oktober, wenn ich wieder nach Israel fliege, schon so braun gebrannt zu sein, dass jeder orientalische Sonnenbrand mich flieht.

temperaturÜberraschenderweise war es am Bootshaus kurz vor Mittag total leer. Der Besitzer meinte, es sei den Leute zu heiß. Das ist ja wieder mal typisch: Kaum ist der Sommer da, jammern sie wieder herum, dass es zu warm sei. Wie hätten sie’s denn gern?

Opa erzählt: 1980 in Manaus am Amazonas über 40 Grad im Schatten. 1998 in Elorza, Venezuela – eine Woche lang jeden Tag über 40 Grad. Das bisschen Hitze auf der Havel macht mir nichts aus, zumal dort immer eine leichte Brise weht.

Ich paddelte also wohlgemut in Tiefwerder los, der Weltläufte politischen, ökonomischen und kulturellen Situation der ganzen Welt eingedenk, und sinnierte vor mich hin, hoffend, der Kapitalismus würde irgendwann absaufen.

tiefwerder

Übrigens, weil ich es noch nie erwähnte: Mein Paddel ist von Kober & Moll („Die Marke Kober besteht seit 1886 und ist damit weltweit die älteste Paddel-Fabrik.“). Ich hätte nicht gedacht, dass man mit dem Verkauf von Paddeln allein Geld verdienen kann.

tiefwerder

Ja, es war fast niemand auf der Havel. Als ich sie überquert hatte, weil ich hoffte, am westlichen Ufer ein wenig Schatten zu finden, merkte ich dann doch, dass die Jugend unwiderruflich vorbei ist. Ich musste sogar eine kurze Pause einlegen. Außerdem fiel mir das Ruderblatt ab, und ich musste auf ein mit Vogelscheiße vollgeschissenes Dock Brett krabbeln, um das Teil wieder zu befestigen.

HavelHavel

Eine Frage an die hier mitlesenden Kapitäne, Leicht-, Schwer- und Vollmatrosen: Das Schiff auf dem Foto unten (ich habe nach Norden geknipst) fährt östlich der roten Bake nach Süden. Was erlauben? Ich dachte immer, die müssten mehr mittig in der Fahrrinne bleiben, weil die Bake befielt, zwischen ihr und dem Ufer nicht durchzuflutschen?

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Kurz vor dem Pichelssee kan mir noch ein ziemlich großer Pott entgegen, der aber offensichtlich leer war (oder vielleicht nur Federn geladem hatte). Der Name kam mir komisch vor. Ich befürchtete schon, dass Araber jetzt auch Schiffe kaufen und damit lärmend herumfahren.

Havel

Jetzt weiß ich, dass vermutlich die Sängerin Aaliayh gemeint ist. Binnenschifffahrende Profis oder Leute, die zu viel Geld für Unsinn ausgeben, können jederzeit sehen, wo das Schiff gerade ist. Es hieß früher GMS Saphir, gehört jemanden aus Niedersachsen und wurde 1973 in Mainz gebaut.

HavelHavel

Immer, wenn der Couponschneider Don Alphonso in der bürgerlichen Presse über Berlin herzieht und die Stadt „Reichshauptslum“ nennt, denke ich, dass er einerseits völlig recht hat, aber andererseits gilt: Es kommt darauf an, wo man ist. An der Havel im alten Westen ist es idyllisch…

Havel

Kein Kratzer im Beton

tagesspiegel

Ich bekam jüngst ein Exemplar der bürgerlichen Qualitätspresse eine Zeitung geschenkt, für die ich früher viel geschrieben habe. Man sollte bekanntlich nicht die Medien konsumieren, die die eigene – schon vorhandene – Meinung bestätigen (wozu sollte man das tun?), sondern Feindsender nach etwas suchen, das mit soliden Argumenten dem eigenen betonfesten Weltbild ein paar Kratzer zufügt.

Was lese ich aber hier? Obwohl es juristisch völlig aussichtslos ist, faseln die Kollegen immer noch auf der ersten Seite herum, als wenn sie ein Lautsprecher der spdlinksgrünen Parteipresse wären. Vergesst es! Solange wir ein unabhängiges Bundesverfassungsgericht haben, wird es kein Verbot der AfD geben. Also verschwendet weder meine noch eure Zeit. Solche Artikel sind Regenzauber („Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten der von mir verlinkten Seiten“) oder Pfeifen im Wald im Lichterkettenmodus.

tagesspiegel

So geht es immerfort weiter. Hitze macht mich nicht aggressiv. Nicht und niemals. Eher schlapp. Dahinter steckt vermutlich suggestiv die These, das Klima bringe syrische Männer in Freibädern dazu, sexuellen Missbrauch zu begehen. Das hat bestimmt nichts mit dem Islam zu tun. Vorsichtshalber sei hier aggressiv gebrüllt: Nein, das ist mitnichten so!

Israel setzt also auf die Gewalt? Ach. Ach was. Das Gegenteil wäre: Israel setzt auf friedliche Verhandlungen mit dem Iran und der Hamas? Manchmal ist mir selbst danach, angesichts dieses dumpfbackigen Geschreibsels, statt freundlich und nett zu dialogisieren auf eine saftige Backpfeife oder einen Arschtritt mit Siedlerstiefeln zu setzen.

tagesspiegel

Was mich am meisten auf die Palme bringt: Da wagt es doch ein deutscher Journalist, hinter den zivilisatorischen Standard der russischen Revolution der Aufklärung zu fallen und religiotische Symbole in der Schule zu fordern. Nein, ich bin nicht tolerant bei so etwas und fordere auch alle anderen auf, unbedingt intolerant zu sein. Sonst enden wir dort, wo deutsche Universitäten heute schon sind. „Auch eine weitere Vorlesung („Wir haben das Semester gestartet mit einer besinnlichen Koranrezitation“) war offenbar nach Geschlechtern getrennt.“

Was hat dieser Quatsch überhaupt dort zu suchen? Für ein Burka- und Hidschab-Verbot an Schulen und Universitäten!

Unter Behüteten

hut

Weil hier schon gefragt wurde… (Nein,ich habe keinen Therapeuten, falls hier gefragt würde.)

Feuerwehr

feuerwehr

Gesehen im Bayrischen Viertel in Berlin.

Was noch?

idf
Source: IDF

Nachdenklicher Kommentar zu den Kriegszielen Israels in der Jerusalem Post von Yonah Jeremy Bob:

„The ballistic missile threat remains, but existed since the 1990s, and Iran may now think much harder against firing on Israel than it did in April 2024 and October 2024. And it is unlikely that Israel, without the US, could destroy the whole ballistic missile program.

Given that truth, notice Israeli officials all along have said a goal was „substantially harming Iran’s ballistic missiles“ and not „absolute victory“ as they said with Hamas – what more is there to achieve?

Israel could kill Iran’s leader, Ayatollah Ali Khamenei, and some more leaders, but it is not clear that the Jewish state can bring about regime change in a country of 90 million people where the regime has many millions of supporters.

Maybe the US could, but Trump has made it clear he is not in the battle for that.“

Atomic Research Specialists – Urgently Needed

job ausschreibung

Die KI (unten, nicht oben!) entwickelt zum Thema einen schwarzen Humor – vielleicht ist sogar die E-Mail-Adresse echt.

Job Opening: Nuclear Science and Atomic Research Specialists – Urgently Needed

Employer: Atomic Energy Organization of Iran (AEOI)
Location: Tehran, Iran (with potential assignments in secure research facilities across the country)
Start Date: Immediate openings available

Position Summary:
– The Islamic Republic of Iran is seeking highly qualified and committed scientists in the fields of nuclear physics, atomic research, and radiological engineering to support and advance the nation’s strategic energy and scientific goals. Successful candidates will join elite teams working at the forefront of nuclear science, contributing to research in peaceful energy development and national defense capabilities.

Key Responsibilities:
– Conduct advanced nuclear research in both theoretical and applied contexts
– Operate and maintain high-security laboratory equipment
– Analyze and report findings to senior scientific and government officials
– Collaborate with other scientific institutions under state supervision

Qualifications:
– PhD or advanced degree in nuclear engineering, atomic physics, or a related field
– Proven research experience, preferably in a governmental or high-security environment
– Iranian citizenship preferred; international applicants considered under strict vetting
– Ability to maintain discretion and work under classified conditions

What We Offer:
– Competitive government salary
– Access to world-class research facilities
– National honors and recognition for your scientific contributions
– Opportunities for leadership in a critical strategic sector

Important Notice:
This position involves a degree of personal and professional risk, including working in high-security and high-profile environments. Candidates must demonstrate strong commitment, resilience, and loyalty to the mission of the Islamic Republic. Discretion and security awareness are paramount.

Application Deadline: Rolling basis – urgent applications encouraged.
Contact: nuclearjobs@aeoi.ir

Serve your nation. Advance science. Apply today.

Thaer bei Nacht

Thaer institut

Das Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften bei Nacht (aka Lebenswissenschaftliche Fakultät). Nein, ich arbeite da nicht, sondern manchmal nebenan. Aber ich habe die Schlüssel und kann dort aufs Klo gehen.

Da ist eine schöne Atmosphäre – das würde kein neuzeitlicher Architekt so hinkriegen.

Anna Emilie Kukuk

Unbefugte Eindringlinge

AI

Auf den Müllhaufen der Geschichte mit dem Regime des Iran allen Bösewichtern! (Ja, ich habe hinter dem Mülleimer jetzt gekehrt!)

Zünftiger Saftsack

in aller munde

Liebe Kinder, heute machen wir – ungeachtet der dramatischen Weltläufte – eine Wortschatzübung. Ich wurde angeregt von der obigen Broschüre zu einer Dauerausstellung der Museen Burg Altena. Ich vermute, dass die Nachgeborenen viele Ausdrücke genauso wenig kennen wir „Weltläufte“. Im dortigen Museum hat man unter die sprachliche Beispiele auch jeweils das passende Objekt drapiert, was ich hier natürlich nicht kann. Wohlan!

Zünftig

Eine Zunft ist ab dem 13. Jahrhundert eine Art Berufsverband aka „ständische Körperschaft“, insbesondere für Handwerker. Die Zünfte legten Preise, Löhne, WErkzeuge, Arbeitszeiten und die Qualitätsstandards der Waren fest. Im entwickelten Kapitalismus ist so etwas natürlich obsolet. Hier gilt nur der Profit und nichts als der Profit, egal um welchen Preis. Qualitätsminderung der Waren erhöhen den Gewinn, wenn es der Kunde nicht merkt.

Heute bedeutet „zünftig“, wenn ich mit Freunden gemeinsam selbst gemachten Kartoffelsalat esse und guten Whisky trinke.

altena

Verdreschen, Flegel

„Flegel“ ist ein romanisches Lehnwort (von latein. flagellum „Geißel“, „Peitsche“) und „vermutlich aus dem Römischen Reich in den germanischen Sprachraum gelangt.“ Dreschflegel benutzen die Bauern, um die Körner aus den Ähren des Getreides zu schlagen. Daher kommt „verdreschen“ für „verprügeln“

Durchschlagender Erfolg

Das wird jetzt schwierig. Im Original heißt es: „Die Durchschläge dienten zum Stellen der Hole für den Drahtzug. Hole waren die konischen Löcher in den Zieheisen, durch de der Draht mit Kraftaufwand in die Länge gezogen und verjüngt wurde. Da die Hole ihre genaue Abmessung wegen der Reibung mit dem Draht während des Ziehvorgangs einbüßten, mussten sie von Zeit zu Zeit mit Hammer und Durchschlag auf das erforderliche Maß gebracht werden.“

Da muss jetzt die KI ran:
„Durchschläge sind Werkzeuge – meist aus Metall –, mit denen man Löcher in eine bestimmte Form oder Größe bringt. In diesem Fall helfen sie, bestimmte Öffnungen (sogenannte „Hole“) zu formen oder wiederherzustellen.

Hole (Plural von „Hol“, ein alter technischer Begriff) sind kegelförmige (also wie ein Trichter geformte) Löcher in einem Werkzeug namens Zieheisen. Dieses Zieheisen wird verwendet, um Draht zu ziehen – das heißt, der Draht wird mit viel Kraft durch das Loch gezogen. Dabei wird er länger und dünner (also „verjüngt“).

Durch die Reibung (also die ständige Berührung und Bewegung des Drahtes im Loch) nutzen sich die Hole ab – sie werden also größer oder ungenau.

Um die Hole wieder in die richtige Form und Größe zu bringen, benutzte man Hammer und Durchschläge, um das Loch wieder „einzustellen“, also nachzubessern.“

Eine Sache hat einen „durchschlagenden Erfolg“, wenn sie besonders wirksam ist. Da fällt mir jetzt die israelische Luftwaffe ein.

Ellenlang

Die Elle ist die Länge eines Unterarmknochens, ganz einfach.

„Und er sprach zu mir: Was siehst du? Ich aber sprach: Ich sehe eine fliegende Schriftrolle, die ist zwanzig Ellen lang und zehn Ellen breit.“ (Sacharja 5,2) Ganz schön groß also, die fliegende Schriftrolle. Vielleicht war es auch ein fliegender Teppich?

haspel

Sich verhaspeln

Die Haspel oder der Garnwickler brachte das beim Spinnen anfallende Garn in Strangform. Das funktionierte nicht immer perfekt. Gestern haben sich zum Bleistift die Seilzüge für das Ruderblatt meinen Kajaks verhaspelt. Vielleicht war ich es auch. Frage: Gibt es das Gegenteil, also enthaspeln? Jedenfalls habe ich das gemacht.

Etwas durchhecheln

Ein Hechel ist ein Werkzeug, um Flachs zu bearbeiten. Wikipedia: „Die Hechel ist ein kammartiges, aus spitzen Drähten gefertigtes landwirtschaftliches Gerät, durch das verschiedene Naturfasern wie Flachs- und Hanffasern, Jute, Kokosfasern u. a. zum Reinigen (Hecheln, Rupfen, Ausziehen; – früher auch Reffen) gezogen werden. Das Wort leitet sich vom selben Wortstamm wie der Haken ab, was auf die zum Kämmen der Fasern angebrachten Haken hindeutet.“

Heute bedeutet etwas durchhecheln eher über jemanden herziehen.

Unter die Haube bringen

Verheiratete Frauen trugen eine Haube, am Hochzeitstag wurde die zu ersten Mal aufgesetzt. (Das kenne ich aus Chiapas in Mexiko: Man kann an der Kopfbedeckung erkennen, ob jemand vergeben ist oder nicht. Das erleichtert die Anmache.) Das Original des Museums behauptet: „Auch nach germanischer Sitte durfte die verheiratetet Frau das Haar nicht mehr lose tragen“. Das bezweifele ich sehr, zumal es „die“ Germanen gar nicht gab, noch nicht einmal nach deren eigenem Selbstverständnis. Sogar die KI pflichtet mir bei:

„Die These, dass verheiratete Frauen „nach germanischer Sitte“ ihr Haar nicht mehr offen tragen durften, stammt vor allem aus einer Mischung von antik-römischen Berichten, archäologischen Funden und späteren Rekonstruktionen germanischer Kultur im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Eine eindeutige Primärquelle aus der germanischen Zeit selbst gibt es nicht, da die Germanen keine eigenen schriftlichen Überlieferungen hinterlassen haben.“

Tacitus schreibt in der Germania„: „Die Ehe wird dort streng gehalten; […] Niemand verlacht die Sittenzucht, und eheliche Untreue kommt selten vor.“ Wenn das nicht mal eine romantische Verklärung ist, um den eigenen dekadenten Mitbürgern den moralischen Spiegel vorzuhalten! Aber wir schweifen ab.

Ritter

In Harnisch bringen

Braucht man nicht erklären. Aber: „brauchen“ verlangt IMHO nicht das „zu“. So habe ich es im Germanistik-Studium gelernt. Die KI widerspricht mir hier: „Die Form „ich brauche es nicht tun“ ist grammatikalisch nicht mehr standardsprachlich und wirkt archaisch oder umgangssprachlich – sie ist aber historisch interessant.“ – „Früher konnte „brauchen“ wie ein Modalverb benutzt werden – also ohne „zu“. Diese Form war im 18. und 19. Jahrhundert häufiger, z. B. bei Goethe oder Schiller.“

Dann also archaisch Goethe und Schiller und nicht dieses neumoderne Zeug.

Bergfried
Blick aus dem Bergfried („dicker Turm2) der Burg Altena.

Türmen gehen

Der Bergfried war der älteste Teil einer jeden Burg. Da dort oft auch die Gefangenen untergebracht wurden, ist der Ausdruck „türmen gehen“ entstanden – wenn sich jemand schnell davonmacht.

joch

Jemanden unterjochen

Das Joch war (!) ein Geschirr zum Anspannen von Zugtieren. Man kennt „ein Joch abschütteln“. „Seit dem Hochmittelalter wurde das Joch durch die Einführung des Kumt (oben im Bild) überall verdrängt, wo ausreichend Kapital vorhanden und die Leistungsfähigkeit des Gespanns von Bedeutung war.“

Im Zaum halten

„Man muss die Araber im Zaum halten.“ Muss nicht erklärt werden.

Etwas auf dem Kerbholz haben

Das wusste ich nicht: „Das Kerbholz war ein Holzstab, welcher der Länge nach gespalten wurde. In die beiden zusammenhängenden Hälften schnitten zwei Parteien – Gläubiger und Schuldner oder Auftraggeber und Auftragnehmer – die gleiche Anzahl Kerben ein. Die Parteien kontrollierten die durch die Kerben festgelegten Vereinbarungen, indem sie die Kerbholzhälften aneinanderfügten und miteinander verglichen. Das Kerbholz war vor der Einführung schriftlicher Rechnungslegung das wichtigste Gerät zr Aufzeichnung von Lieferungen und Arbeitsleistungen.“

Eine Lanze brechen / Von der Pike auf

Der gemeine Soldat „diente“ mit der Pike, also einem Spieß, und „arbeitete“ sich dann „von der Pike auf“ Stufe um Stufe in der militärischen Hierarchie empor.

Lunte riechen

Nicht schwierig für die, die noch mit Vorderladern schießen. Die Lunte ist einfach eine Zündschnur. Genauso simpel ist

Sein Pulver verschießen / Nicht einen Schuss Pulver wert sein

Löffelbrett

Den Löffel abgeben

Der Löffel war das elementare Esswrkzeug der Bauern. Die ernährten sich vorwiegend von Brei. Der Löffel war individueller Besitz und wurde nach Gebrauch an das Löffelbrett an der Wand gehängt. „Starb man, gab man den Löffel an einen Erben.“

Warten auf den St. Nimmerleinstag

Wusste ich ebenfalls nicht: „Zur Zeit der Reformation stellt man in Predigtparodien Bibelstellen mit dem Wort und Begriff nemo (lat. niemand) zusammen, um so die Existenz eines Heiigen namens „Nemo“ zu beweisen. Hieraus entstand der „St. Nimmerlein“, der aber im Heiligenkanon nicht vorkam. Der „St. Nimmerleinstag“ ist also eine Ausrede und ein faules Versprechen. Auf diesen Tag warten man vergeblich.“

Ein Pastor darf über alles reden, nur nicht über 15 Minuten

Neben der Kanzel (habe ich nicht fotografiert) stand oft eine Sanduhr, die eine Stunde in vier Viertel aufteilte – jedes Glas läuft 15 Minuten. Die Prediger sollten ermahnt werden, die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer nicht zu überschätzen. So etwas brauchte man heute an Universitäten für Studenten auch (und für Blogger, da das lesende Publikum sich nicht länger als 20 Minuten konzentrieren kann, har har).

Visier

Ins Visier nehmen

Schon klar: Die Rittersleut hatten, war erst der Helm auf dem Kopf, ein eingeschränktes Blickfeld wie ein Journalist der öffentlich-rechtlichen Anstalten.

Sein Licht unter den Scheffel stellen

„Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“ (Evangelium des Matthäus 5,15)

Hinter Schloss und Riegel

Dorthin gehören alle [bitte selbst ausfüllen].

Keinen Deut wert sein

Der Deut war früher die kleinste Währungseinheit in Holland, Geldern und Kleve.

Etwas auf die Goldwaage legen

Das Publikum legte die pöbelnde Worte des Bloggers auf die Goldwaage.

Über die Wupper gehen

Schwierig. Die Wupper (ein Fluss) „bildete in weiten Teilen die Landesgrenze zwischen der zu Preußen gehörenden Grafschaft Mark [zum Beispiel Dortmund und Unna] und dem Herzogtum Berg. Um sich der preußischen Militärpflicht zu entziehen, gingen viele märkische Männer im 18. Jahrhundert ins benachbarte bergische Ausland.“ Aber: der Begriff hat sich heute ins Gegenteil verkehrt, in der Ökonomie bedeutet er „Konkurs gehen“.

ChatGPT hat eine ganz andere Theorie: „Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für die Herkunft dieser Redewendung:

Gefängnis-Theorie (historisch):
In Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal) lag das Gerichtsgebäude auf der einen Seite der Wupper, das Gefängnis auf der anderen Seite. Wer verurteilt wurde, musste über die Wupper gehen, um seine Strafe anzutreten.

Hinrichtungs-Theorie:
In früheren Zeiten sollen Hinrichtungsstätten in der Nähe der Wupper gelegen haben, sodass Verurteilte über den Fluss geführt wurden – sprich: ihrem Tod entgegen.“

Saftsack

Zu diesem Thema halluziniert die KI dummes Zeug: „Im älteren medizinischen Sprachgebrauch standen „Säfte“ (wie Blut, Galle, Schleim usw.) für Lebensenergie und körperliches Gleichgewicht (Humoralpathologie).
Ein „Saftsack“ könnte daher im übertragenen Sinn jemand sein, der zu viele oder falsche Körpersäfte hat, also ein kranker oder unausgeglichener Mensch.“

Alles Quatsch. „Vor 1780 zog man den Tabakrauch unmittelbar aus der Brennkammer durch den Rauchkanal. Danach wurde zunächst bei Porzellanpfeifen der Saftsack eingeführt, der anfangs kugelförmig war und zwischen Pfeifenkopf und Rauchkanal gesteckt wurde. Später war der Saftsack als bauchige Ausformung in dern Pfeifenkopf integriert. Da „Pfeife“ bereits als Schimpfwort eingesetzt wurde, galt dies erst recht für „Saftsack“.

kochgeschirr

Einen Zacken zulegen

Das Kochgeschirr wurde an einem Haken am Kamin befestigt und ins Feuer gehängt. „durch die Wahl der Zackenhöhe konnte die Kochtemperatur und die Dauer des Garvorgangs reguliert werden. Legte man „einen Zacken zu“, wurde es heißer.

Klimaerwärmung, revisited

klimaerwärmung
Klimaerwärmung in Deutschland (Symbolbild)

Studie: Die Klimaerwärmung führt zur erheblichen Abkühlung Europas, insbesondere im Winter.

Ach. Ach was.

Unter Noch-nicht-so-weit-Seienden

robot
Roboter der Zukunft für die AltenSeniorenpflege (Symbolbild): A humanoid robot of the future is a highly advanced, lifelike machine designed to resemble and interact with humans. It features realistic skin-like materials, fluid movements, and expressive facial features. Equipped with artificial intelligence, it can understand language, recognize emotions, and adapt its behavior in real-time. These robots are used in various fields–healthcare, education, and companionship–seamlessly blending into human environments while continuously learning and improving through interaction. show the whole body but no human face –chaos 100 –s 750

Ich darf das natürlich intelligente Publikum auf einen interessanten Artikel in Shanghai Daily (Shine) aufmerksam machen: „Humanoid robots fascinate us, but it will be years before they reach an ‚iPhone moment‘ in our lives“. (Ich hoffte natürlich auch, dass die KI mir allerliebste Bilder dazu machen würde.)

Die KI übersetzte mir eine Passage: „Sun Lining, Dekan der Fakultät für Maschinenbau und Elektrotechnik der Soochow-Universität, sagte, dass humanoide Roboter mindestens fünf Jahre von ihrem „iPhone-Moment“ der Massenkommerzialisierung entfernt seien. Er fügte hinzu, dass fortschrittliche Humanoide, die in der Lage sind [KI: es muss „seien“ heißen], komplexe Aufgaben in Bereichen wie Landwirtschaft, Fabrikarbeit und Altenpflege zu übernehmen, möglicherweise erst in einem Jahrzehnt oder später erscheinen werden.

Für den Moment geht die Show weiter, während Pioniere der Branche ihre neuesten Versionen humanoider Roboter in eher theatralischen Ausstellungen präsentieren. Sie mögen einen Ausblick auf die Zukunft geben – aber sie sind noch nicht so weit.“

robot
Robotlehrer der Zukunft für Grundschulen (Symbolbild)

Fefe, revisited

Das Publikum suggeriert, ich möge investigativ recherchieren, was eventuell geschehen sei. Ich wüsste wie, habe aber weder Zeit noch Lust dazu.

Vorschlag: Laut Wikipedia ist Fefe Mitgründer der Firma Code Blau. (Berlin Amtsgericht Berlin (Charlottenburg) HRB 84777 – Code Blau GmbH, es kostet etwas, die Dokumente einzusehen).

Özgür Kesim, der andere Gesellschäftsführer, ist Mathematiker (mit E-Mail-Adresse). Er ist auch auf Mathstodon, aber nicht aktuell aktiv. Auf X findet man ihn und auch seine Website kesim.org. Die ist zwar leer, aber man kann info@ versuchen.

Ich würde vermutlich anders vorgehen. Kesim ist passionierter Laien-Musiker an der Deutschen Oper. Die Kollegen von meiner Firma sitzen dort Tag und Nacht an der Rezeption und kennen vermutlich jeden… Nur theoretisch natürlich. Länger als ein, zwei Tage würde ich nicht brauchen.

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