Kurzanleger, Liebesinsel, Wasserbüffel und noch mehr
Das gefällt mir: Wir besprechen die Weltläufte Weltlage, und um das Publikum, das sich darob aufregt, wieder von den Palmen zu holen, poste ich chillige Bilder vom Paddeln. Wenn man da draußen auf den Flüssen und Seen unterwegs ist, das Wasser friedlich um das Boot herumblubbert, aber auch heimtückisch manchmal und plötzlich recht hohe Wellen schlägt, so dass der Ruderer mit den Hüften wackeln muss, um Gleichgewicht zu halten, kommt man in eine friedliche Stimmung, obzwar auch ein wenig wehmütig, weil das idyllische alte Westberlin Berlin (West) noch am Ufer zu sehen ist dergestalt, dass fette, behäbige mittelständische Villen dort den reichtumsfernen Ruderer mahnen, es wären auch andere Lebensentwürfe möglich gewesen, aber des schon am Horizont dräuenden hijabistischen und/oder bärtigen Islamismus noch nicht eingedenk.
Hier hat sich das „wir schaffen das“ noch nicht als naiver Irrtum entlarvt, sondern ist die gängige Attitude, ähnlich der des Heimwerkers, der, wie ich gestern, eine kaputte Dichtung an der Dusche diagnostiziert, die mittels geeigneter Werkzeuge notdürftig wieder geflickt wird, bevor im Baumarkt des Vertrauens für Ersatz gesorgt werden kann, falls die Schichtplanung der Lohnschinderei nicht dem entgegensteht, was sie zur Zeit tut.
Ich begab mich also an dem einzigen freien Tag der Woche auf’s Wasser. Im Herzen bin ich Nordberliner oder sogar Spandauer, weil es dort einfach schöner ist, vom Boot aus gesehen. Die Havel aufwärts bis nach Brandenburg, an der Fähre zwischen Tegelort und Hakenfelde vorbei, hatte ich, wenn ich mich recht erinnere, zuletzt 2019 gemacht. An der Zitadelle Spandau reifte der Entschluss in mir, der, trotz der Aussicht, mindesten fünf Stunden paddeln zu müssen, irgendwann fest stand.
Übrigens: Ich dachte, es gäbe Wohnungsnot in Berlin? An dem Haus (Foto oben), das ich schon vor zwei Jahren fotografiert hatte, ist jetzt ein Schild, dass eine Wohnung zu mieten sei, mit Handynummer, nicht etwa Festnetz wie bei einer seriösen Hausverwaltung. Warum müssen die weithin sichtbar Werbung machen, obwohl doch ein halbes Tausend Wohnungssuchende sofort Schlange stünde, kündigte man das irgendwo auf einer passenden Seite im Weltinternetz an? Kostet der Quadratmeter 500 Euronen oder was?
Das Stammpublikum wird sich an meinen Schwur, die Spandauer Seebrücke betreffend, erinnern: Als ich 2022 per Krankentransport darüber gefahren wurde, nahm ich mir vor, so bald als möglich mit neuer Hüfte wieder drunterher zu paddeln, was bekanntlich auch gelang.
Frage: Warum braucht man eigentlich einen Raddampfer? Reicht nicht ein Dampfer ohne Rad? Oder hat das mit Putin dem Klima zu tun? Ich konnte nicht genau hinsehen, da irgendein Dödel mit einem schnellen Boot so hohe Wellen machte, dass ich gegensteuern musste und nicht auf die Fahrbahn auf andere Schiffe achten konnte.
By the way: Im Sommer macht man Sommerinterviews, im Winter Winterinterviews. Hätten Sie’s gewusst? Und habe ich irgendwas verpasst, was ich nicht schon wusste? „“Wir bedauern, dass das Interview durch die akustische Protestaktion teilweise schwer zu verstehen war“, sagte die Sprecherin. Das werde intern ausgewertet. Bis zum Beginn der Sendung sei die Protestaktion nicht bekannt gewesen“, berichten die Qualitätshauptstadtmedien über die ARD-Anstalt. Wer’s glaubt, wird selig. Ekelhafte Heuchler, die mich für dumm verkaufen wollen.
An der Fähre ist ein Restaurant mit „neuer Bewirtschaftung“. Es war proppenvoll.
Die Lage hat was.
Man kann dort kuchenessend wahlweise den Schiffs- oder Autoverkehr betrachten, ist von sattem Grün umgeben, muss aber darauf verzichten, bei einer Massenschlägerei zwischen Westasiaten auf eine der Parteien wetten zu können.
Kann man Prügeleien nicht auch vergesellschaften? Oder ist auch hier eine breite Front der üblichen Verdächtigen automatisch dagegen?
Ich verstehe das nicht. Man muss doch nur die bestehenden Gesetze anwenden: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden“. Warum will die SPD das juristische Rad neu erfinden?
Ich würde so etwas heimlich machen und aus PR-Gründen nicht so nennen. Man nehme einem Kapitalisten die Produktionsmittel weg oder enteigne einen Wohnungskonzern und nenne es: „in Bürgereigentum überführen“. Und wenn dann jemand herumschreit, das sei der pöhse Sozialismus, den wir bekanntlich alle hassen, dann antwortet man: Enteignen? Wir? Wir wissen davon nichts. Ihr dürft mich auch gern Suslow nennen: Zurückhaltend, dogmatisch, loyal und konservativ … äh… linksradikal.
An der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg sieht es aus wie am Amazonas, nur dass die Bäume kleiner sind: Undurchdringliches grünes Dickicht, zumindest auf der ehemaligen DDR-Seite.
Irgendwann sah ich dann den Alten Grenzturm in Nieder Neuendorf. Ich beschloss – nach einem Blick auf die Armbanduhr – umzukehren, da ich am späten Nachmittag auch noch zu einem Kindergeburtstag musste. Neukölln – Pichelsdorf – Wilmersdorf – Neukölln – würde das der Akku des Nius schaffen? (Ja, es waren rund 60 Kilometer, und ich hatte noch gut 20% bei der Ankunft zuhause.)
„Dortmund“ steht auf dem Arsch Hinterteil des Schiffes. Alte Heimat. Aber was hatte die hier zu suchen? Leider war niemand zu sehen, den ich hätte fragen können.
Dieses Inselchen Kleiner Wall fasziniert mich immer wieder. Es hat die lustige Postadresse Am Bootshaus 24 und ist 80 Meter lang sowie 35 Meter breit. „Die Namensgebung der Inseln geht nach der Darstellung von Klaus-Dieter Wille auf diese Zeit der 1903 entfestigten Stadt zurück. So sei ‚Wall‘ hier kein geografischer, sondern ein militärischer Begriff. Auch der Zweitname Liebesinsel soll sich bereits in dieser Zeit gebildet haben, da die Soldaten die Insel als Liebesnest nutzten“.
Man bekommt nur wenig verlässliche Informationen über das Eiland [kleine Wortschatzübung!]. Und steht es wirklich zum Verkauf? Und warum will niemand eine Insel in Berlin? Nur schlappe 650.000 Euro samt Kneipe und Aussichtsturm!
Was mich positiv überraschte: Beim Anpaddeln auf die Spandauer Schleuse (Foto oben) fühlte ich mich weder erschöpft noch ausgelaugt noch schlapp. Die Kondition ist also so, wie sie sein soll. Ich kann also vermutlich, falls das Wetter mitspielt, bald eine extended version anbieten. Aber wohin? Gen Norden kommt man auf dem Wasser sogar bis Oranienburg. Das ist machbar, aber würde rund 9-10 Stunden dauern. Vermutlich fielen mir dann die Arme ab. Oder ich müsste ein attraktives nackichtes Mädel mitnehmen, das auch paddeln kann, und zwar im Rhythmus, bei dem jeder mitmuss.
Die Tierchen in Tiefwerder sind allerhand gewohnt und fliegen auch nicht weg, wenn man ihnen auf die Pelle rückt. Warum der Reiher sich aber auf ein Boot platzierte statt am Ufer im Schilf, weiß ich nicht. Vielleicht wollte er nur chillen und sich die Federn trocknen.
Auf Fratzenbuchs chrob ich: „Das Schild (Foto unten) beschreibt Politik in Deutschland. (Symbolbild)“.
Was sind denn das für lustig und wuschelig aussehende Rindviecher hinter einem Elektrozaun, damit sie nicht auf die Idee kommen, ein Bad zu nehmen oder die Paddler anzugreifen? Angeblich Wasserbüffel, die nicht ins Wasser dürfen. Ich muss da mal mit dem Radl hin, wie das von oben aussieht. Jedenfalls nicht wie Neukölln.
Kommentare
12 Kommentare zu “Kurzanleger, Liebesinsel, Wasserbüffel und noch mehr”
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Nieder-Neuendorf aka Papenberge
Landseitig der Bootssammlung am Wendepunkt der Kanutour sieht es anders als früher aus, denn dort war die Slipanlage der Bootskompanie. Auf gleichem Gelände befand sich auch die 1. Grenzkompanie des GR-38.
https://die-anmerkung.blogspot.com/2022/11/die-anmerkung-mit-mr-bean-auf-besuch-in.html
https://www.marina-papenberge.de/portrait/
Faschos haben ein anderes WELTBILD als Bürgerliche.
Darauf kommen Jurnis nicht. Es ist weder Haß & Hetze noch Lügerei daß die sich nicht verstehen.
Beide argumentieren nicht ad rem sondern ad hominem.
Wie im Kindergarten und SitComs gelernt.
Mal warten ob Trump den Epsteingestank loswird.
https://www.youtube.com/watch?v=26o22Y33h9s
Was ist denn vom alten Westberlin überhaupt noch erhalten?
Inzwischen müsste doch alles neoliberal überformt oder zur Touri-Folklore verkommen sein…
Die Insel wäre doch ein idealer Kauf für die rrrrechten Pappkamerrraden.
Müssen ja nicht immer Bauernhöfe in der ostdeutschen Pampa sein…
Was heißt 2025 noch vergesellschaften?
Was hat das 2025 noch mit Sozialismus zu tun?
Fungiert der Staat dann nicht auch als Kapitalist??
Ich bitte um zeitgemäße Schulung zu solch grundlegenden Fragen.
Die Zielvorstellungen vom 19. Jahrhundert helfen nicht mehr im Stadium des 21. Jahrhunderts…
Just saying
Vergesellschaften? Alles wegnehmen und dann verfallen lassen. Siehe „DDR“ in der Endphase…
Darf man dort wo gestern das Sommerinterview statt fand paddeln oder kommt binnen weniger Minuten die Polizei oder die Wasserschutzpolizei? Das ist Bannmeile. Aber vielleicht reicht seit Sonntag die Flagge der „Omas gegen Rechts“ als Passierschein aus.
@ Godwin
Die modernen Nazis kaufen Immobilien in Ungarn und nicht im Multikulti Berlin. Die modernen Kommunisten gründen Aktiengesellschaften. Politruks und Schulungen werden durch Selbstverantwortung und gesunden Menschenverstand ersetzt. Es ist nicht verboten, smart zu sein, Chancen und Risiken anzunehmen. Und manchmal muß man außer seinen grauen Zellen auch die schwarzen benutzen. TANSTAAFL.
BUWOG vermietet über Tochter 37qm zu 800€ und 70qm zu 1500€ kalt. Also 18-20 pro Europalette.
Mit Glasfaserdose gegen Aufpreis.
Privateigentum macht Mieten und Kriege.
https://www.youtube.com/shorts/HaDsDF2AByM
Nach Hitler wollten alle nix gewußt haben.
https://www.youtube.com/watch?v=bmllCevE-Kw
Naherholung als Alternative zum aufkommenden Massentourismus weltweit.
Neben den „klassischen“ Zielen werden ja mittlerweile auch die Ränder entdeckt und geflutet.
https://www.fr.de/panorama/die-stimmung-kippt-norwegen-tourismus-am-limit-einheimische-fuehlen-sich-wie-freiwild-zr-93845166.html
Samoa z.b. ebenfalls.
Oder die alten Hippie- und Backpacker-Routen.
Eine Art Gentrifizierzng des Tourismus.
@ Crazy Eddie
„nicht im Multikulti Berlin“
Genau das war mein Gedanke. Eine teutsche Insel Mitten im weltoffenen Berlin.
Quasi als Keimzelle des Widerstandes.
@ blu_frisbee
Die Notwendigkeit territorialer Expansion erwächst vor allem solchen Staaten, die das freie Spiel von Zins und Eigentum wie im Kapitalismus nicht zulassen, indem sie eins von beiden verbieten. Das Brechen der Zinsknechtschaft durch die Nazis führte zwangsläufig zur Blut- und Bodentheorie, der Kommunismus drängt zur Weltrevolution. Und der Islam fordert den Jihad, das nur nebenbei. Die DDR wollte nie die Staatsschulden zurückzahlen, immer nur die Zinsen. Am Ende würde man laut Doktrin ja sowieso die Gläubiger vernichten. Das klappte nur nicht, am Ende war man hoffnungslos überschuldet, weil sich das geliehene Kapital nicht amortisierte und -puff- war alles vorbei. Nur das freie Spiel von Zins und Eigentum läßt zu, daß sich Investitionen friedlich amortisieren, sprich finanziell lohnen können. Der Appell Deng Xiaopings „Lasst einige zuerst reich werden!“, Kurzform „Werdet reich“, dürfte genau dieser Erkenntnis entspringen und hat China gerettet.
Die Sängerin Vicky Leandros, der Sänger Bruce Springsteen, der Gitarrist Agnus Young, der Sänger Brian Johnson, Keith Richards, Black Sabbath aka Ozzy Osbourne, Bob Weir (!!!!), Willie Nelson und dieser Absatz
haben mich zu einem Kommentar inspiriert. Yeah! Mein Problem ist nur, wie sage ich es ohne das Thema zu benennen?
Es geht um Greise. Die Leserschaft des Burksblog sind meiner Beobachtung nach alte Männern. Die wenigsten dieser Männer waren und sind vermutlich musikalisch nicht in der Art und Weise aktiv wie die Eingangs erwähnte Greisin und die Greise. Sportliche Aktivitäten waren und oder sind womöglich sowieso Fehlanzeige, außer damals der Laufschritt in Reihe auf Demos, wobei sich alle unterhaken und bis zur Atemlosigkeit etwas skandieren bis die Polizei das beendet.
Peinlichkeiten, Selbstüberschätzung und andere Gefahren lauern auf Ältere – überall. Einige ziehen diese Gefahren magisch an. Andere merken, selbst als schwerst Betroffene, nichts. Zu denen die nichts merken oder es wissen gehören für mich die genannten Musiker. Das greise Musiker keine Akkorde mehr richtig greifen können, Texte vergessen, nicht mehr alle Töne hören oder wie im Fall Bob Weir augenscheinlich ein „Walking Dead“ sind oder wie Carlos Santana, Phil Collins und Ozzy Osbourne nur noch sitzend und auf einem bedenklichen Niveau Konzerte geben können, das interessiert niemand. Sollte es aber. Es würde das Leben einfacher machen. Vor allem für die Betroffenen und die nachwachsende Generation. Das liegt auch daran das immer mehr Ältere aus dem öffentlichen Leben verschwinden und in großen Häusern kaserniert leben. Der Bezug zu diesen Menschen geht verloren.
Im Öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) wird gerade die Tour de France (TdF) gezeigt und ich schaue zu. Jeden Tag 3 bis 6 Stunden. Den Ton habe ich abgeschaltet. 1983 waren es noch 12 Minuten täglich – maximal. Die TdF war nie mein Ding. Eigentlich ist die TdF heute nur noch langweilig. Wer erleben will wie junge Männer sich am Berg selber nahezu „Tod treten“, der kann sich die TdF 1983 im Video ansehen und wird schnell den Unterschied zu heute sehen. Damals war noch jeder Radrennfahrer für sich selbst verantwortlich. Das gibt es heute nicht mehr. Das mit dem „Tod treten“, also den Eindruck zu erwecken gerade besonders zu leiden, das ist ebenfalls vorbei.
Italien war auf dem Rennrad das Land meiner Sehnsüchte. Tolle Landschaften, aus der Ferne bereits schön anzusehende Steigungen mit Serpentinen, begeisterte Menschen, tolles Essen, toller Wein, tolles Gebäck und flache Strecken, die jemand schon speziell suchen muß, um die zu finden. Ich habe dort nie ein Rennen gefahren. Wahrscheinlich ist es für mich als Flachländler im Rückblick genau richtig gewesen dort nie gestartet zu sein. Egal.
Wir alle wissen das es Menschen gibt und es gibt andere Menschen. Damit meine ich nicht „manche sind gleich, manche sind gleicher“ und ich meine auch nicht die wenigen mit Talent und schon gar nicht sogenannte Super-Talente.
Als ich im Jahr 2011 im Urlaub in Italien war, bin ich auf einen gewissen Italo Zilioli getroffen. Der war von 1962 bis 1975 Radprofi. Der ist mir damals auf dem Rennrad begegnet und muß zu dem Zeitpunkt 70 Jahre alt gewesen sein. Der hat mich auf dem Rennrad sitzend überholt und – was in ’schland sehr selten ist, wenn sich Rennradfahrer begegnen – der hat mich gegrüßt. Der radelte nicht Solo, sondern in Begleitung einer Gruppe von 15-20 Mann. Das sah ungefähr so aus wie in diesem Video. Der im rot-gelben Trikot ist Italo Zilioli. In dem Video ist er ca. 76/77 Jahre alt, 1,82 groß und gut und gerne 85 Kilogramm schwer. Das Video ist in der Nähe von Sanremo aufgenommen. Topografisch geht’s dort ohne Unterbrechung entweder einen Hügel hoch oder einen Hügel runter und das bei ständigem Wind vom Meer herüber. Als junger Mann wog der laut alter Zeitungsberichte knapp unter 70 kg.
Dieser Italo ist ein anderer Mensch.
Diesen Typus Mensch gibt es heute nicht mehr. Die heutigen Radrennfahrer haben mit seinem Typus Radrennfahrer überhaupt nichts mehr gemein. Gar nichts. Nichts. Dieses Nichts kann man problemlos auf Musiker, Sänger, Maler, Schauspieler, Moderatoren, Journalisten anwenden. Ich weiß nicht was der Zilioli vor diesem Ritt, der im Video gezeigt wird, gegessen hat. Wahrscheinlich ist er einfach auf sein ca. 7000 € teures Rad italienischer Fabrikation gestiegen und los geradelt. Das mit 76/77 Jahren. Dieser Typ anderer Mensch kann das. Herz, Lungen, Kreislauf ist bei denen anders gewachsen. Dazu die körperliche Abhärtung. Womöglich gibt es jemand in Asien oder Afrika der das genauso kann. Aber der nutzt sein Fahrrad als Transportmittel für Brennholz oder Wasserkanister.
Radrennfahrer erkennen einen anderen Radrennfahrer am Tritt, der Ausdauer mit der jemand die Pedale ohne Unterbrechung bewegt und wie oft und wann er Gänge schaltet. Ein Saxophonist, ein Autodidakt, ein Schwarzer aus den USA, der hat mir vor langer Zeit etwas ähnliches über Saxophonisten und Trompeter erzählt. Wer in dem Video auf Zilioli’s Beine achtet, der wird möglicherweise erkennen das seine Beine nichts verlernt haben. Wer genau hinschaut, der kommt womöglich zu der Erkenntnis, dass er gar nicht beschreiben kann, was der Italo Zilioli mit seinen Beinen macht. Mit 76/77 Jahren finde ich das bemerkenswert. Vor allem deshalb, weil dieser Zilioli aus einer Zeit stammt in der Radrennfahrer – nach heutigen Maßstäben – gigantische Widerstände überwinden mußten, um die Pedale nach unten zu drücken und das mit Beinen, die dünner als die Beine der Heidi Klum sind und das mit einer – nach heutigen Maßstäben – völlig Sport untauglichen Ernährung. Damals waren die Radprofis quasi Selbstversorger auf dem Rennrad. Jeder war sein eigener Trainer und mußte selber dafür sorgen pünktlich am Start eines Rennen zu stehen oder es gab kein Geld. Wer sein mitgeführtes Futter gegessen oder unterwegs verloren hatte, der konnte damals trotzdem noch das Rennen gewinnen. Das ist heute ausgeschlossen.
Bei der Tour de France ist am Samstag einer der belgischen Stars ausgestiegen. 25 Jahre alt, sicherlich 20 Mio. € auf dem Konto, mehrere Häuser in Belgien und Spanien und alle mit fest installierter Höhenkammer. Der ist verheiratet mit einer Moslem. Nein, er ist nicht konvertiert, er betet aber regelmäßig zusammen mit seiner Gattin und das war Thema in den belgischen Medien. Unter anderem finanziert er die Sippe seiner Gemahlin. In ’schland würde sich aktuell kein Medienhaus an das Thema wagen. Dabei gäbe es sicherlich einige Journalisten die es brennend interessiert wie der Fußballspieler İlkay Gündoğan sein Geld verteilt. Der 25-Jährige ist jemand der gewinnt Eintagesrennen wie am Fließband. In Belgien bedeutet das eine menschliche Gelddruckmaschine zu sein. Der wird umhegt und behütet wie jener Prinz aus „Tausendundeine Nacht“. Mit Rundfahrten wie der Tour hat er allerdings Probleme und das gilt es zu korrigieren. Deswegen hat der sich vor der Tour in einem Zeitraum von 7 Wochen rund 3 Kilo Körperfett abtrainiert. Dabei sah der bereits aus wie jemand der kürzlich aus einem nordkoreanischen Konzentrationslager entlassen worden war. Samstag bekam er das Ergebnis dieser Anstrengungen frei Haus geliefert. Der Mann bekam die Pedale nicht mehr runter gedrückt. Selbst im kleinsten Gang, also nahezu 1:1, und das ist eine Übersetzung für Kinder, wollte es bei ihm quasi nur mit letzter Anstrengung klappen. Das Drama war nahezu 20 Minuten live im TV zu sehen bis er endlich vom Rad stieg.
Zu meiner Zeit nannte sich das Hungerast. Das gibt es heute wegen der Softgel Orgien und der Dauerüberwachung der Sportler durch die Betreuer eigentlich nicht mehr. Bin gespannt welche Ausrede sein Team veröffentlicht. Es gibt nicht wenige die ernähren sich auf Bergetappen wie heute während der 5/7 Stunden ausschließlich von diesen Gels und einige nehmen nach eigener Aussage dabei mehr als 35 dieser Gels zu sich (das sind Beutel mit Kohlenhydraten und vom Geschmack her ist das Gel süßer als holländischer Brombeerlikör) und das nur um im letzten Zehntel des Fahrerfeld mithalten zu können. Ich, wir bekämen bei dieser Menge binnen weniger Stunden die Scheißerei. Deswegen wird der Massenkonsum dieser Gels trainiert. Nein, das ist kein Witz.
Ein anderer Fahrer ist in einer Kurve gegen ein Verkehrsschild gefahren. Nicht zum ersten Mal. Der mit seinem knapp 2 Mio. Euro Jahresgehalt fährt öfter gegen irgendetwas. Normalerweise fahren die mit dem Vorderrad gegen ein Hinterrad und stürzen oder sehr populär sind Stürze in Kurven. Um auf das Jahr 1983 zurück zu kommen, damals bremsten unerfahrene Fahrer vor Kurven wenigstens noch oder steuerten die Kurve gleich langsam an und aus. Das macht heute niemand mehr. Was der Vordermann kann, das kann ich auch ist das Motto. Ich bin gut und fühle mich gut ist deren Motto. Das ist die heutige Generation der Radprofis, die mehrheitlich kaum Renneinsätze bestreiten und im Rennen völlig überfordert bzw. irgendwann wie „K.o.“ auf dem Rennrad sitzen und eigentlich eine Gefahr für sich selbst und andere darstellen, es aber nicht merken und auch von niemand darauf hingewiesen werden und wenn doch, dann wird es mehr „durch die Blume geflüstert“, um den Schützling nicht aufzuregen. Er könnte beleidigt das Team wechseln und für das neue Team pltzlich große Rennen gewinnen. Auf diese Weise schaffen es nicht wenige über einen langen Zeitraum als Talent durchzugehen und gutes Geld zu verdienen. Italo Zilioli ist das nie passiert. Ich glaube sogar, der ist nie gestürzt und noch wichtiger, er hat sich nie so verhalten das Dritte stürzten und zu Schaden kamen und er zu einer Belastung oder Gefahr für Dritte wurde. Das Gegenteil ist heute nicht nur im Radsport die Normalität.
Ich, die Leserschaft gehören nicht in die oben beschriebene Kategorie „anderer Mensch“. Ich denke da gibt es keinen. Diese Erkenntnis wird zweifellos niemanden jucken. Aber ich wollte es aus gegebenem Anlaß nicht unerwähnt lassen und daran erinnern. Es gibt die Redensart „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Das hat besonders dann seine Gültigkeit, wenn die Restlaufzeit tickt. Danke wer es bis hierher durchgehalten hat. :)