Kurzanleger, Liebesinsel, Wasserbüffel und noch mehr
Das gefällt mir: Wir besprechen die Weltläufte Weltlage, und um das Publikum, das sich darob aufregt, wieder von den Palmen zu holen, poste ich chillige Bilder vom Paddeln. Wenn man da draußen auf den Flüssen und Seen unterwegs ist, das Wasser friedlich um das Boot herumblubbert, aber auch heimtückisch manchmal und plötzlich recht hohe Wellen schlägt, so dass der Ruderer mit den Hüften wackeln muss, um Gleichgewicht zu halten, kommt man in eine friedliche Stimmung, obzwar auch ein wenig wehmütig, weil das idyllische alte Westberlin Berlin (West) noch am Ufer zu sehen ist dergestalt, dass fette, behäbige mittelständische Villen dort den reichtumsfernen Ruderer mahnen, es wären auch andere Lebensentwürfe möglich gewesen, aber des schon am Horizont dräuenden hijabistischen und/oder bärtigen Islamismus noch nicht eingedenk.
Hier hat sich das „wir schaffen das“ noch nicht als naiver Irrtum entlarvt, sondern ist die gängige Attitude, ähnlich der des Heimwerkers, der, wie ich gestern, eine kaputte Dichtung an der Dusche diagnostiziert, die mittels geeigneter Werkzeuge notdürftig wieder geflickt wird, bevor im Baumarkt des Vertrauens für Ersatz gesorgt werden kann, falls die Schichtplanung der Lohnschinderei nicht dem entgegensteht, was sie zur Zeit tut.
Ich begab mich also an dem einzigen freien Tag der Woche auf’s Wasser. Im Herzen bin ich Nordberliner oder sogar Spandauer, weil es dort einfach schöner ist, vom Boot aus gesehen. Die Havel aufwärts bis nach Brandenburg, an der Fähre zwischen Tegelort und Hakenfelde vorbei, hatte ich, wenn ich mich recht erinnere, zuletzt 2019 gemacht. An der Zitadelle Spandau reifte der Entschluss in mir, der, trotz der Aussicht, mindesten fünf Stunden paddeln zu müssen, irgendwann fest stand.
Übrigens: Ich dachte, es gäbe Wohnungsnot in Berlin? An dem Haus (Foto oben), das ich schon vor zwei Jahren fotografiert hatte, ist jetzt ein Schild, dass eine Wohnung zu mieten sei, mit Handynummer, nicht etwa Festnetz wie bei einer seriösen Hausverwaltung. Warum müssen die weithin sichtbar Werbung machen, obwohl doch ein halbes Tausend Wohnungssuchende sofort Schlange stünde, kündigte man das irgendwo auf einer passenden Seite im Weltinternetz an? Kostet der Quadratmeter 500 Euronen oder was?
Das Stammpublikum wird sich an meinen Schwur, die Spandauer Seebrücke betreffend, erinnern: Als ich 2022 per Krankentransport darüber gefahren wurde, nahm ich mir vor, so bald als möglich mit neuer Hüfte wieder drunterher zu paddeln, was bekanntlich auch gelang.
Frage: Warum braucht man eigentlich einen Raddampfer? Reicht nicht ein Dampfer ohne Rad? Oder hat das mit Putin dem Klima zu tun? Ich konnte nicht genau hinsehen, da irgendein Dödel mit einem schnellen Boot so hohe Wellen machte, dass ich gegensteuern musste und nicht auf die Fahrbahn auf andere Schiffe achten konnte.
By the way: Im Sommer macht man Sommerinterviews, im Winter Winterinterviews. Hätten Sie’s gewusst? Und habe ich irgendwas verpasst, was ich nicht schon wusste? „“Wir bedauern, dass das Interview durch die akustische Protestaktion teilweise schwer zu verstehen war“, sagte die Sprecherin. Das werde intern ausgewertet. Bis zum Beginn der Sendung sei die Protestaktion nicht bekannt gewesen“, berichten die Qualitätshauptstadtmedien über die ARD-Anstalt. Wer’s glaubt, wird selig. Ekelhafte Heuchler, die mich für dumm verkaufen wollen.
An der Fähre ist ein Restaurant mit „neuer Bewirtschaftung“. Es war proppenvoll.
Die Lage hat was.
Man kann dort kuchenessend wahlweise den Schiffs- oder Autoverkehr betrachten, ist von sattem Grün umgeben, muss aber darauf verzichten, bei einer Massenschlägerei zwischen Westasiaten auf eine der Parteien wetten zu können.
Kann man Prügeleien nicht auch vergesellschaften? Oder ist auch hier eine breite Front der üblichen Verdächtigen automatisch dagegen?
Ich verstehe das nicht. Man muss doch nur die bestehenden Gesetze anwenden: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden“. Warum will die SPD das juristische Rad neu erfinden?
Ich würde so etwas heimlich machen und aus PR-Gründen nicht so nennen. Man nehme einem Kapitalisten die Produktionsmittel weg oder enteigne einen Wohnungskonzern und nenne es: „in Bürgereigentum überführen“. Und wenn dann jemand herumschreit, das sei der pöhse Sozialismus, den wir bekanntlich alle hassen, dann antwortet man: Enteignen? Wir? Wir wissen davon nichts. Ihr dürft mich auch gern Suslow nennen: Zurückhaltend, dogmatisch, loyal und konservativ … äh… linksradikal.
An der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg sieht es aus wie am Amazonas, nur dass die Bäume kleiner sind: Undurchdringliches grünes Dickicht, zumindest auf der ehemaligen DDR-Seite.
Irgendwann sah ich dann den Alten Grenzturm in Nieder Neuendorf. Ich beschloss – nach einem Blick auf die Armbanduhr – umzukehren, da ich am späten Nachmittag auch noch zu einem Kindergeburtstag musste. Neukölln – Pichelsdorf – Wilmersdorf – Neukölln – würde das der Akku des Nius schaffen? (Ja, es waren rund 60 Kilometer, und ich hatte noch gut 20% bei der Ankunft zuhause.)
„Dortmund“ steht auf dem Arsch Hinterteil des Schiffes. Alte Heimat. Aber was hatte die hier zu suchen? Leider war niemand zu sehen, den ich hätte fragen können.
Dieses Inselchen Kleiner Wall fasziniert mich immer wieder. Es hat die lustige Postadresse Am Bootshaus 24 und ist 80 Meter lang sowie 35 Meter breit. „Die Namensgebung der Inseln geht nach der Darstellung von Klaus-Dieter Wille auf diese Zeit der 1903 entfestigten Stadt zurück. So sei ‚Wall‘ hier kein geografischer, sondern ein militärischer Begriff. Auch der Zweitname Liebesinsel soll sich bereits in dieser Zeit gebildet haben, da die Soldaten die Insel als Liebesnest nutzten“.
Man bekommt nur wenig verlässliche Informationen über das Eiland [kleine Wortschatzübung!]. Und steht es wirklich zum Verkauf? Und warum will niemand eine Insel in Berlin? Nur schlappe 650.000 Euro samt Kneipe und Aussichtsturm!
Was mich positiv überraschte: Beim Anpaddeln auf die Spandauer Schleuse (Foto oben) fühlte ich mich weder erschöpft noch ausgelaugt noch schlapp. Die Kondition ist also so, wie sie sein soll. Ich kann also vermutlich, falls das Wetter mitspielt, bald eine extended version anbieten. Aber wohin? Gen Norden kommt man auf dem Wasser sogar bis Oranienburg. Das ist machbar, aber würde rund 9-10 Stunden dauern. Vermutlich fielen mir dann die Arme ab. Oder ich müsste ein attraktives nackichtes Mädel mitnehmen, das auch paddeln kann, und zwar im Rhythmus, bei dem jeder mitmuss.
Die Tierchen in Tiefwerder sind allerhand gewohnt und fliegen auch nicht weg, wenn man ihnen auf die Pelle rückt. Warum der Reiher sich aber auf ein Boot platzierte statt am Ufer im Schilf, weiß ich nicht. Vielleicht wollte er nur chillen und sich die Federn trocknen.
Auf Fratzenbuchs chrob ich: „Das Schild (Foto unten) beschreibt Politik in Deutschland. (Symbolbild)“.
Was sind denn das für lustig und wuschelig aussehende Rindviecher hinter einem Elektrozaun, damit sie nicht auf die Idee kommen, ein Bad zu nehmen oder die Paddler anzugreifen? Angeblich Wasserbüffel, die nicht ins Wasser dürfen. Ich muss da mal mit dem Radl hin, wie das von oben aussieht. Jedenfalls nicht wie Neukölln.














