Air Mail, nachverpackt

Interessant. Jetzt öffnet die Post schon harmlose Neujahrsgrüße an mich aus Kanada? Oder kontrollieren die US-Amerikaner die Post ihres Nachbarlandes und schließen die Briefe nicht ordentlich?
Wostotschny oder Baikonur, Hauptsache die Krim!
Einmal mit Profis arbeiten: Laut NZZ hat Russland ein neues Kosmodrom eröffnet, aber die Raumfahrtbehörde Roskosmos hat bei einem Raketenstart im November irrtümlich die Koordinaten des alten Weltraumbahnhofs Baikonur verwendet.
Irvingianer, Xenoglossisten und die Gemeinschaft des göttlichen Sozialismus

Ihr müsst jetzt sehr stark sein. Nein, ich will Euch nicht das obige Buch Bilder zur Geschichte der Katholisch-apostolischen Gemeinden empfehlen und auch nicht – von demselben Autor – Die Katholisch-apostolischen Gemeinden in Deutschland und der „Fall Geyer“
(beide in meiner Bibliothek).
Ich habe in den neunziger Jahren im Auftrag einer Stiftung mit dem Autor Vortragsreisen in Sachsen und Thüringen unternommen; es ging immer über „Religion“ und „Sekten“. Albrecht ist heute Oberbürgermeister von Jena, und bin nichts dergleichen. Unsere Diskussionen waren immer sehr anregend und interessant. Aber schon damals wusste ich, dass wir im Umkreis von ein paar hundert Kilometern, wenn nicht mehr, niemanden finden würden, der sich dafür interessierte, worüber wir stundenlang debattieren konnten. Und warum habe ich für das obige sehr seltene Buch fast 200 Euro bezahlt? Natürlich weil es mit meiner Biografie zu tun hat, der man, wenn sie so exotisch ist wie meine, niemals entrinnen kann.
Man könnte behaupten, dass Edvard Irving an allem schuld ist und seine Anhänger, die man Irvingianer nannte. Irving initiierte die Katholisch-apostolische Gemeinden, die sich von der Anglikanischen Kirche abspalteten. Es ging um Eschatologie („das Ende ist nahe“), Zungenreden (Variante: Xenoglossie) und später, als die Endzeitstimmung auf Deutschland übergriff, vor allem in der Person Heinrich Geyers, um die Frage, ob die Volksfront von Judäa oder die Judäische Volksfront die wahren Propheten seien. Wer es hardcoremäßig mag, beschäftige sich in Zeiten der Muße mit dem Apostelamt Juda, auch bekannt als „Gemeinschaft des göttlichen Sozialismus“. Man stelle sich eine Abspaltung von einer Abspaltung der Judäischen Volksfront vor.
Wie allgemein bekannt, bin ich als Kind in die Neuapostolische Kirche hineingeboren worden (und erst mit gut zwanzig ausgetreten) – also nicht die Irvingianer, sondern eher die Geyerianer. Als eine deren Spezialitäten gilt, dass sie die Toten nicht in Ruhe lassen. Ich habe das erst begriffen, nach dem ich Elias Canettis grandioses Buch Masse und Macht gelesen habe und darin das Kapitel „Die unsichtbare Masse“ – ich kam aus dem Kopfnicken gar nicht mehr heraus.
Wenn man in so einer extrem rigiden Gruppe aufwächst, ist das nur deshalb nicht lustig, weil man die Außenwelt gar nicht kennt. Man lernt das bequeme und angenehme Gefühl auszuhalten und damit umzugehen, dass alle anderen die Wahrheit nicht kennen und nur man selbst weiß, wo es langgeht, ähnlich wie ein Geisterfahrer. Man empfindet für die da draußen nur Mitleid. Dem Stammpublikum meines Blogs wird diese Attitude, die man nicht einfach ablegen kann, schon öfter begegnet sein. Charisma, eine Version dieser Haltung, setzt unter anderem voraus, dass man andere überzeugen kann. Das ist eine „Gabe“, die eben nicht jeder hat. Bei Sektenführern ist es ein Feature.
Interessant ist, dass diese winzigen Gruppen erstaunlich zäh sind. Manche haben eine geringe vierstellige Mitgliederzahl und existieren schon ein Jahrhundert. Als ich gestern die obige Skizze ansah, fiel mir auf, dass ich in meinem allerersten Buch Unter Männern – Brüder, Kumpel, Kameraden (1988) eine Reportage über die „Apostolische Gemeinde Wiesbaden“ geschrieben hatte, die damals gerade im Begriff war, sich von der „Neuapostolischen Kirche“ abzuspalten. Ich beobachtete das Geschehen wie ein Entomologe in vivo. (Vgl. Unter Aposteln, 1-3)
Wer hat bis hierhin durchgehalten? Chapeau!
Gut zu wissen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenssituationen und Lernstrategien in verschiedenen Lebensphasen
Alles Evolution (Blog): „Geförderte Projekte in den Gender Studies“.
Besonders gefällt mir „Verbundvorhaben ‚Konzeption, Umsetzung und Evaluation eines modellhaften multimedialen Wissenspools in der IT-Expertinnenbildung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenssituationen und Lernstrategien'“. Oder auch: „Gender- und Diversitydimensionen bei der Förderung von gesunder Ernährung in verschiedenen Lebensphasen, Teilprojekt im Forschungscluster enable – healthy choices in all stages of life“.
Brothers and Sisters!
Ich bin von einer gestrigen Weihnachtsfeier immer noch verkatert. Daher heute etwas Unpolitisches… nein, das schaffe ich nicht. Also ein Rätsel: Ich sitze in einer Hafenbar, die einem Diktator gehörte, der kurz vor meinem Eintreffen auf der Insel zum Teufel gejagt worden war. Hier die Original-Meldung:
„Brothers and Sisters, this is Maurice Bishop speaking. At 4.15 am this morning, the People’s Revolutionary Army seized control of the army barracks at True Blue. The barracks were burned to the ground. After half-an-hour struggle, the forces of Gairy’s army were completely defeated, and surrendered. Every single soldier surrendered, and not a single member of the revolutionary forces was injured.“
Und wo sitze ich, und wie heisst die Bar heute?
Homosexuelle Porno-Darsteller
Fefe dokumentiert, wie Mobbing in der Schwulen- und Lesben-Szene geht, bis Leute in den Selbstmord getrieben werden. (Ja, ich weiß, es gibt da irgendeine Abkürzung für dieses Milieu, die heute von Leuten benutzt wird; die ist aber so kompliziert, dass sie mir entfallen ist.)
Lesesaal
Findet den Arm!
Ein Mann hatte mit einer Flex gearbeitet und sich den Arm unterhalb des Ellenbogens sauber abgetrennt. In Panik rannte er auf die Straße und wollte mit einer Taxe in ein Krankenhaus fahren. Der Taxifahrer rief aber die Feuerwehr. Die kam mit dem schon halb bewusstlosen Mann im Galopp in die Notaufnahme. Dort versorgte man ihn, dann wurde er in eine Spezialklinik gebracht.
Die Polizei hatte die undankbare Aufgabe, den Unterarm samt Hand in der Wohnung zu finden. Ich hörte mit, dass sechs Beamte vor Ort und erfolgreich waren.
Vermutlich operieren sie immer noch. Das kann sieben Stunden dauern, wie ähnliche Beispiele zeigen.
Adlershofer Busen und die Weltläufte
Bei den Betontitten beiden Kugeln handelt es sich um denkmalgeschützte Isothermische Kugellabore in Adlershof. Wenn man da als nichtsahnender Passant und an einem verregneten Novembertag vorbeiläuft und den wissenschaftlichen Hintersinn nicht kennt, dann vermutet man, der Architekt habe das falsche Zeug geraucht.
And now for something completely different. Das Stammpublikum möchte bestimmt wissen, was ich zu einem Thema meine (Katja Kipping würde schreiben: „welche MeinUNG ich habe“), zu dem schon alle etwas gesagt haben, nur eben ich noch nicht.
Bei Telepolis las ich, dass die Verfassung offenbar auch eine Diktatur Kanzerschaft in Permanenz erlaubt, obwohl das Volk das nicht so gewählt hat. Sehr spannend. Wäre ich Merkel, ich würde es drauf ankommen lassen. Neuwahlen würden nichts ändern. Die SPD legt sich schon mal flach (und steht hoffentlich nie wieder auf).
And now for something completely different. Der Kommunismus siegt, jedenfalls der chinesische Staatskapitalismus, und ich weiß noch nicht, ob ich das gut finden soll.
And now for something completely different. Auf Audiatur online fand ich einen sehr interessanten Artikel über rassistische und nicht-rassistische israelische Fußballfans und deren Vereine. Fußball interessiert mich überhaupt nicht, aber man lernt dort mehr über Israel als in manchen politische Analysen. Lesenswert!
Life is bitter
Eine Getränkemarke schärft das Klassenbewusstsein beim neuen Kleinbürgertum. Löblich!
Blubber oder: Multitoxikomanie, mal anders
Ein alkoholkranker Mann torkelt in der Notaufnahme zur Toilette. Die schlechte Nachricht: Er greift nach der erstbesten Flasche, die da ist, und trinkt sie fast aus. Die gute Nachricht: Es ist nicht das Desinfektionsmittel, sondern die flüssige Seife. Deshalb kotzt er großflächig herum. #Notaufnahme #rettungsstelle #kannmansichgarnichtausdenken
Rappenlochschlucht mit Burks
Die Rappenlochschlucht bei Dornbirn in Vorarlberg. Ich stehe da in der Mitte herum (1967).
Gare de Palaiseau
Klassenreise 1970 nach Palaiseau, der Partnerstadt Unnas. Das Foto wurde am Gare de Palaiseau gemacht. Der vierte von links bin ich. (Hallo, Harald und Dirk!)
Auf hoher See
Auf der Rückseite des Fotos steht: „M.S, „Roland v. Bremen, Auf hoher See, 31. Mai 1978 Bremerhaven/Columbuskaje – Helgoland“. Auf dem Foto bin ich zu sehen… Ich bin damals nicht von Bremerhaven aus nach Helgoland gelangt, sondern von Büsum aus. Dort legt das Schiff an.
Im Frühtau zur U-Bahn wir ziehn, vallera
Wo ziehn wir im Frühtau?
Ist der nackte Körper sexistisch?

Darauf hatte jemand in der gruppe „Deutsch mich nicht voll“ diese Antwort: „Sex und Nacktheit sind nicht sexistisch. Sexismus ist die Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes. Weil Sex im Wort vorkommt heisst das noch lange nicht, dass es um Sex geht. Prüderie ist nicht antisexistisch, nicht im Geringsten.“
Paddeln in Klein-Venedig
Soeben bin ich stolzer Besitzer eines zweisitzigen Paddelbootes (oder sagt man Kajak?) samt Liegeplatz (da nur Mieter) geworden, direkt bei Klein-Venedig auf der Halbinsel Tiefwerder. Verflixt, wenn man sich das von oben anschaut: Da braucht man ja einen Kompass?! (Danke, Andreas!)
Wer sich bewerben will ab März zum Mitpaddeln, kann das tun, vielleicht sogar per unverschlüsselter E-Mail (kommt natürlich auf die Person an).
Proletarischer Journalismus oder: Ehre, wem Ehre gebührt
Mal so ganz unter uns, liebe an Geschichte interessierten Leserinnen und historisch gebildeten Leser: Was wäre, wenn die Website Ruhr 1920 offline ginge? Ich habe nichts gefunden, was korrekt über den Austand des Proletariats im Ruhrgebiet 1920 berichtete – und was davon an Denkmälern übriggeblieben ist. Ja, ein Rapper-Video von den Grenzgängern kann man jungen Leuten empfehlen (Einfach grandios! Ich wüsste gern, woher das Filmmaterial ist. Ideen oder Tipps?) Wenn ich es nicht schon wüsste, hätte ich wieder etwas über die Arbeiterverräterpartei SPD gelernt.
Natürlich haben wir dann noch Rote Ruhrarme 1920 von Heiner Herde. Dort wird angekündigt, dass einer der Augenzeugen „aus der Distanz des bürgerlichen Journalisten“ zu Wort käme. Har har. Wer würde das noch heute sich zu sagen trauen? (Ja, ihr dürft mich gern einen proletarischen Journalisten nennen!)
[By the way: habe gerade gelernt, wie man Youtube-Videos per Terminal downloaden kann.]
Ich habe den Kommunalfriedhof Hamm-Wiescherhöfen bzw. Weetfeld, Weetfelder Straße besucht und das dortige Ehrenmal. Hier wurden gefallene Kämpfer der Roten Ruhr-Armee begraben. Der Stein ist erhalten, weil ein Bauer ihn nach der Machtübernahme der Nazis versteckte. Die Namen der Ermordeten sollen hier noch einmal genannt werden: Franz Casper, Otto Abt, Otto Probst, Theo Vehring, Albert Fusselberg, Anton Ehlert, Franz Sobeck, Wenzel Bontkowski, Johann Balake und ein unbekannter Toter.
„1920, wen juckt das schon? Die Revolution!“
Nicht weit davon ist ein weiteres „Ehrenmal“, sozusagen inhaltlich das Gegenteil (Foto unten). Für mich sind die dort „Geehrten“ keine „Helden“. Es könnte sein, dass eben diese Soldaten auch die waren, die die Arbeiter niedergemetzelt haben. Der Stein lädt auch nicht ein, zu „gedenken“. Ich habe mir die Namen gar nicht erst angesehen.
Nachtwacht
Woran denkt man als Bildungsbürger? An Spitzwegs Nachtwächter? An den Maler, der den Deutschland am liebsten ist? An den Wanzlikpfad in Neukölln? Die angeblich gute, alte Zeit, romantisch verklärter Antikapitalismus, also reaktionärer Scheiß? In dem Fachwerkhaus residiert übrigens das Westfälische Literaturbüro in Unna.
Xavier, nicht nett!

Direkt am Urban-Krankenhaus stürzte ein Baum auf die Auffahrt und begrub eine Frau unter sich. Sie konnte sich nicht selbst befreien. Zum Glück hatte der Wachschutz das gesehen und alarmierte das medizinische Personal. Die Frau war erfreulicherweise nur leicht verletzt.


































