Früher war mehr Lametta
Das bin ich, Weihnachten 1954
Ministry for Digital
Was bedeutet eigentlich „Federal Ministry for Digital and Transport“? Ist das Englisch? Und fehlt da nicht irgendetwas mit „Cyber“?
Precision and elegance oder: Die Brillenlage am Mittwoch

– Es ist alles, wie es immer war: Deutschland hat bald nicht genug Impfstoff. Surprise, surprise! Hätte uns doch jemand gewarnt! Der Mangel habe viele überrascht – auch ihn, sagte Gesundheitsminister Lauterbach. Mich nicht.
– Bürgerrechtler seien „quasiliberale Wichser“, Homosexuelle „Schwuchteln“, die weggesperrt gehörten. Das sagt Alexei Nawalny. Dahe wird er für den EU-Menschenrechtspreis nominiert.
– Scholz sagt, wir schafften das. „Der Dezember schlage mit seinen dunklen Tagen ohnehin aufs Gemüt, derzeit fehlten zudem die stimmungsvollen Weihnachtsmärkte und geselligen Weihnachtsfeiern, sagte der 63-Jährige.“ Wie meinen? Dann schaff dir eine Brille wie Mick Jagger an! Mir schlägt im Dezember nichts auf irgendwas. Und wenn das doch drohte, lasse ich meinen Avatar ein paar Leute umhauen oder befehle virtuellen Sklavinnen, dass sie mir ihre gravitationsbefreiten Titten 2.0 zeigen. Dann fühlt man sich gleich besser.

– Übrigens: Gratulerer, Magnus Carlsen!
Irgendetwas mit Rädern
Da war ich knapp zwei Jahre alt. Ich kann nicht erkennen, was ich da mit mir herumziehe, irgendetwas mit Rädern.
Harmful Social Consequences

Spermaschmuggler in der Karibik (Symbolbild)
Zuerst wollte ich etwas über Spermaschmuggler schreiben, aber das funktionierte nicht, weil ich weinend auf meinem Schemel saß: Fast vierzig Personen hatten mich auf Fratzenbuch „entfreundet“. Ich hatte gepostet: „Annalena Baerbock wird vermutlich die schlechteste Außenministerin seit Joachim von Ribbentrop werden.“
„Entfreunden“ – das schmerzt unsäglich. Als ich mich wieder beruhigt hatte, las ich Henryk M. Broder (Paywall), dass das Amt an sich völlig überflüssig sei und ohnehin der Kanzler die Außenpolitik bestimme. Als Außenminister ist Baerbock eine Art Briefbote. Sie kann nicht viel Unheil anrichten. Stimmt: Diplomatische Verstimmungen könnte man auch faxen.
Der Guardian berichtet über regierungsamtliches „Entfreunden“ in SüdKorea: The government invests heavily to remove human contact from many aspects of life but fears of harmful social consequences persist. Mir wäre es auch lieber, wenn eine freundliche Roboterin den Kaffee brächte, falls dieser gut schmeckte, oder wenn diese silikonisch aussähe.
Indien hat COVID-19 fast besiegt: Studien zeigen, dass die Mehrheit der 1,4 Milliarden Menschen im Land bereits Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt hat. Der Virologe Jacob John, emeritierter Professor am Christian Medical College im südindischen Vellore, ist überzeugt, dass Indien als erstes Land der Welt die Pandemie besiegt hat und in die „endemische Phase“ übergegangen ist. „Dieser Zustand ist erreicht, wenn sich die Neuinfektionen auf einem niedrigen Niveau stabilisieren“, sagt John. Und genau an diesem Punkt befindet sich Indien jetzt.
Die Gründe kann man sich denken: Demografie, vorhandene Infrastruktur, was Impfen angeht, eigener Impfstoff, der nicht unzählige bürokratische Hürden überspringen musste, um eingesetzt zu werden.
[Einschub: Ich habe es aufgegeben, die deutschen Qualitätsmedien zu mahnen, dass man Links ins Internet setzen könne. Es ist zwecklos, und ich bin nicht Don Quichotte. Dann geht doch sterben.]
By the way; Sieben junge Deutsche infizieren sich in Südafrika trotz Dritt-Impfung. Vierte Corona-Impfung rückt näher. Und: Es wird nicht besser werden, weil die Misere des Gesundheitswesens endemisch ist.
Carthaginem esse delendam
The Punic cothon of Carthage, in modern-day Tunisia, as it would have appeared in the 3rd century BCE compared to today (Zinedine Loucif auf Facebook).
Vor mehr als zwei Jahrtausenden sah das da besser aus.
欢迎!
Erster Besuch der deutschen Außenministerin in China.
Baerbock: Guten Tag, Herr Außenminister!
Wang Yi: Baerbok 女士,下午好,欢迎来到中华人民共和国。 你靠什么谋生?
Grenzenlose Freiheit
Moskau bei Nacht. Das Foto wurde mir gerade von einem Freund zugeschickt, der im Flugzeug saß und darüber räsonierte, ob es angesichts der Nachrichten aus Deutschland nicht besser gewesen wäre, in Russland zu bleiben.
Ich habe aus dem Stream der Nachrichten ein paar Zitate aufgegabelt. „Aus aerosolphysikalischer Sicht macht ein Verbot von Weihnachtsmärkten absolut keinen Sinn. Im Freien finden nur sehr wenige Ansteckungen statt“, sagte Gerhard Scheuch, früherer Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosolmedizin (…) „Bei langen Schlangen vor den Impfzentren hat man auch keinerlei Bedenken.“ Das Risiko einer Infektion sei in Innenbereichen 20- bis 100-mal höher als draußen. (…) „Eine allgemeine Maskenpflicht im Freien macht keinen Sinn und hilft nicht, das Infektionsgeschehen zu reduzieren.“
Feuchtigkeit macht übrigens Masken effektiver.
Joachim Sauer [der Ehemann Angela Merkels, Quantenchemiker]: Es ist erstaunlich, dass ein Drittel der Bevölkerung nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgt. Zum Teil liegt das an einer gewissen Faulheit und Bequemlichkeit der Deutschen. Die andere Gruppe sind Menschen, die einer persönlichen Überzeugung folgen, einer Art ideologischer Reaktion auf das, was sie für eine Impfdiktatur halten. Dies gilt für alle Bildungsschichten, auch für Akademiker, Ärzte und Wissenschaftler.
Alexander Kekulé [hinter der „Welt“-Paywall] Vor allem das sogenannte 2G-Modell ist ja Teil des Problems. Geimpfte und Genesene glauben, sie wären sicher, weil man ihnen das bis vor Kurzem so gesagt hat. Aber auch sie infizieren sich zu einem erheblichen Teil. Dadurch haben wir jetzt diese massive Welle unter den Geimpften.
Sie ist deshalb so gefährlich, weil diese Menschen glauben, sie seien geschützt. Sie wurden falsch informiert, sogar das Robert-Koch-Institut hat das noch bis vor Kurzem auf seiner Website falsch dargestellt. (…)
In den USA ist tatsächlich die Rede vom falschen Versprechen der Impfung. Ich schließe mich da ungern an, weil die Impfungen ja gegen schwere Verläufe weiterhin gut schützen. Ich würde eher von einem falschen Versprechen der Bundesregierung reden. Es wurde suggeriert, dass Geimpfte wieder ein völlig normales Leben führen könnten. (…)
Der Chef von Pfizer hat vor einigen Wochen gesagt, dass der an Delta angepasste Impfstoff bereits im Regal steht. Da stellt sich die Frage, warum wir mit dem gegen die ursprüngliche Wuhan-Variante entwickelten Impfstoff boostern, statt die neu angepassten Vakzine zu verimpfen.
Apokalypse Now
Victor Hoffmannsthal auf Twitter: „Fakt ist: Egal ob schnell impfen oder Boostern… Heute war Bergfest!
Wer sich ab morgen infiziert und auf ITS muss: es wird deutschlandweit keines, in Worten, KEINES, mehr geben. Die noch freien 3.184 Betten sind durch die Infektionen der letzten 2 Wochen dann weg!
Und dann?“
Failed State, revisited

Eigentlich wollte ich mich heute freiwillig testen lassen, ob ich mit dem Coronavirus infiziert sei, obwohl es keinen aktuellen Grund gab. Man hat ja staatsbürgerliche Pflichten. Ich habe aber nach zehn Minuten wutentbrannt das Testzentrum im Kiez verlassen, weil mir die ausufernde Bürokratie, die dazu noch unfähig ist, schwer auf den Senkel ging.
Man möchte nur sich testen lassen. Was ist daran so schwierig? Warum muss man einen Account anlegen, auf dem Smartphone stundenlang herumfummeln, mindestens fünf mal irgendetwas akzeptieren oder auch nicht, Texte in Romanlänge lesen – und dann funktioniert das Registrieren doch nicht? Neuland vom Feinsten. Beim ersten Mal im März war es ähnlich schwierig. Ihr könnt mich mal.
Schwere Maschinen
Das bin ich, vermutlich im Januar 1955. Leider finde ich nicht mehr heraus, um welche Spielzeuge es sind genau handelte. Ich weiß auch nicht, wo das Zeug geblieben ist; vermutlich haben es meine Eltern verschenkt.
Nicht auf den Monitor einschlagen!

Alles minitrans und aktivistisch
Zur Zeit kriege ich nicht genug Schlaf und muss auch noch kurz nach vier Uhr früh aufstehen, wie die Bäckersleut. Aber das Publikum sei versichert, dass es nicht vergessen ist. Noch mehr: Ich plane, die mediävistisch interessierten Leserinnen und die des Feudalismus mittlerweile kundigen Leser in Kürze mit einem längeren und natürlich reichlich bebilderten Traktat zu belästigen, welchselbiges sich aber schwieriger gestaltete als gedacht und was mich zwang, meine wirren Gedanken, die wie gewohnt von Hölzken auf Stöcksken hüpfen, in eine schriftliche Form der vorläufigen Art zu pressen, ganz altmodisch mit Bleistift und Papier dergestalt, dass hier noch etwas hinzukam und dort noch jenes bemerkt werden musste, was wiederum irgendwie auf dieses verwies.
Und es gibt ja auch noch die Weltläufte (har har). Die Klassenherrschaft im Kapitalismus modifiziert sich. Ausgerechnet die Nachdenkseiten bieten hierzu eine interessante Lektüre: „Noch mehr Mini-Jobs und endlich Einstieg in die Aktien-Rente. Auf dem Weg zur grün lackierten Klassengesellschaft: Die Ampel-Koalition mit verschärfter Arbeits- und Rentenarmut, aber genderpolitisch korrekt“.
Der Autor Werner Rügemer analysiert messerscharf, warum die grüne und liberale Mischpoke mitnichten auch nur ansatzweise links sind, sondern nur eine Fraktion des Kapitals repräsentieren, die sich flexibler an die neuen ökonomischen Trends anpasst:
Und die kleinen, mittleren und großen Unternehmen – von kirchlichen Altenheimen über Mittelstandsbäckereien und Industriereiniger bis zu Amazon – können mithilfe der Digitalisierung die anfallende Arbeit in immer kleinere Portionen aufteilen, sprich Mini-Jobs, die je nach zeitlichem und mengenmäßigem Bedarf eingesetzt, geschoben, gekündigt werden können.
Apropos: Die „Linke“ macht jetzt Klassenkampf für kriminelle arabische Clans. Das ging schon durch die Qualitätsmedien.
Bei der Frau Sahra Nagel („Die Linke Neukölln), die ich nicht als Genossin anreden würde, fällt mir ein Anonymus aus dem 14. Jahrhundert ein:
Ich wil hie schribvn
von diesen tvmben wibvn
was hie wirt plapla gvsprochvn
vppigs in der wochvn
was wirt allvs wol gvdaht
so es wirt für den richtvr braht.
Wenn man liest, was manche „Linke“ von sich geben, könnte man fast meinen, die Drogenfreigabe sei doch der falsche Weg. Auch die Genossin Wagenknecht hat offenbar den Pfad der reinen Vernunft verlassen und wandelt jetzt auf dem des Herumschwurbels.
Vermutlich ist auch diskriminierend, wenn man bei Afghanen in christlichen Kirchen immer die Augen offen halten sollte.
Dann haben wir noch eine anderer randalierende Gruppe, deren Klassenbasis vorwiegend im neuen städischen Kleinbürgertum zu suchen ist und das sich im reaktionären „linksidentitären“ Milieu der heutigen Universitäten tummelt. N-TV:
Die britische Philosophin Kathleen Stock wird monatelang von Genderaktivisten bedroht und bedrängt. Die Polizei rät ihr sogar, Leibwächter zu engagieren. Nun gibt sie ihre Professur in Sussex auf. (…) Transgender-Aktivistinnen und -Aktivisten werfen Stock Diskriminierung vor. Sie hatte gesagt, dass Menschen nicht ihr biologisches Geschlecht ändern könnten und der transaktivistischen Vorstellung widersprochen, dass Geschlechtsidentität in Fragen von Gesetz und Politik den Ausschlag gebe.
Ich hoffe immer noch, dass die Wahlen wiederholt werden müssen. Und nicht nur in Berlin. Bakunin würde sich freuen.
Non-E-Scooter im Wirtschaftswunder
Meine Schwester war noch nicht geboren, also muss das vor 1958 sein. Ich habe etwas recherchieren müssen, um welches Gerät es sich handelt: Vermutlich um einen Kettler Tretroller mit Ballonreifen. Diese Roller gibt es heute noch (Amazon), aber die damals sahen cooler aus.
In Ruinenstädten
Meine beste Freundin und ich erkunden eine Industrieruine, irgendwo südlich des Schwerbelastungskörpers. Das Foto habe ich am 23.09.2003 um 16.39 Uhr gemacht.
Ich darf auf einen amüsanten Artikel von Sascha Lobo auf „Spiegel online“ aufmerksam machen: „Eine Liebeserklärung an den »failed state« Berlin“.
Kernsatz: „Selbst bei maximalem Misserfolg ist man in Berlin eben nur eine Knalltüte unter Hunderttausenden, das lindert jeden Versagensschmerz.“
Schön ist auch Fefe über die Cyberalarmstufe, die es wohl gerade gibt.
Unter Disgustlern

Manche Themen sind einfach so schmierig, das sich mich damit nicht befassen möchte. Man nicht über Davidsterne reden, die vielleicht gar nicht getragen wurden, aber dennoch ein großes Getöse bei den üblichen Verdächtigen verursachen, die weder den korrekten Genitiv noch die Maxime, man möge auch die andere Seite hören, beherrschen und beherzigen.
Sex am Arbeitsplatz finde ich nicht eklig, aber das hat immer so ein Geschmäckle, vor allem, wenn die Hierarchie nicht stimmt. Man könnte auch hier als Advocatus diaboli meinen, entweder hätten die Damen die Beine breit gemacht – oder welcher sexuellen Praxis man heutzutage frönen mag – in gegenseitigem Einvernehmen oder, wenn nicht, dann sei es schlicht eine strafbare Vergewaltigung, die aber bisher nicht in Form eine Anzeige vorgekommen ist. Was macht Frau nicht alles, um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren? Wirklich? Das soll ich glauben?
Ich kann mir dieses eklige Milieu mit den Macho-Sprüchen und dem dazu passenden pseudo-leutseligem Gehabe sehr gut vorstellen, vor allem nach sechs Jahren Arbeit in einem Krankenhaus, wo die Chefs noch cheffiger tun als anderswo. Aber weniger, dass das unwidersprochen hingenommen wird, auch wenn es keine Zeugen gibt. Einfach in die Eier treten oder beißen geht nicht? Oder in das Glied?
Es mussten, wie mittlerweile überall bekannt, erst die ausländischen Medien einen Stein ins Wasser werfen, der dann ins Rollen kam.
Ich weiß auch nicht, vom wem oder was ich mich mehr angewidert abwenden soll: Von dem Verleger, der nach Gutsherrenart verhindert, dass etwas in seine Medien kommt oder von der Journaille, die darob entrüstet aufheult, als sei das nicht das normale Verhalten eines Kapitalisten, der „unabhängige“ Zeitungen besitzt und natürlich den Leuten ab und zu zeigen darf, wo Gott und die Bilanzen wohnen. Schön, dass wir darüber geredet haben.
Der ist unkiusche, dirre ein frâz
Von dem frâze ich sagen wil.
Frâz, luoder unde spil
Machent tummer liute vil,
Und unkiusche, diu ouch ir gespil
Ie was und muoz immer sîn.
(Hugo von Trimberg: Der Renner, 13. Jh.)
Am Wochenende war ich aus vielerlei Gründen zu beschäftigte, um das Publikum bloggend zu unterhalten und zu bilden, und gestern war ich zu platt, auch wegen der Völlerei der festen und flüssigen Art.
Die Freundesschar, die ich bewirtete, erquickte meine Seele (falls vorhanden) mit erbaulichen Gesprächen und Themen, die eingehend erörtert wurde, nicht ohne strohdumme Kommentare Alexas, die durch Zuruf provoziert wurden, als da wären: Der Domschatz von Essen (der der Leserschaft noch droht), die Präsenz der römischen Legionen im heutigen Saudi-Arabien, theoretische Probleme der Abfolge von Gesellschaftsformationen (Monolog meinerseits), Gerichtsbarkeit und Sicherheit in Brandenburg, eine niederschmetternde Analyse der IT in deutschen Ministerien, gepaart mit dem Fazit, dass eine Reform aus strukturellen Gründen unmöglich sei, Irre mit Äxten in der Notaufnahme und wie das zu bewältigen sei, die Langeweile des E-Commerce, wenn man so etwas lernt, die chinesischen Verwaltungsstruktur der zwei letzen Jahrtausende, was eigentlich die Politsekte MLPD sei, warum das Auswandern nach Sachsen-Anhalt unter bestimmten Umständen eine Alternative wäre, warum die Abgeordneten der „Linken“ moralischen Probleme mit ihrer Entourage haben und vieles andere mehr. Man kam, auch mit zunehmendem Konsum qualitativ hochwertigen Qualitätsgesöffs, von, wie man im Ruhrpott zu sagen pflegt, von Hölzken auf Stöcksken.

Übrigens kam ich gestern mit dem Niu sehr schnell hin und her und wieder zurück. Da hatte ich meine Küche aber schon wieder so hergerichtet, dass sie wie gewohnt blitzte und blankte.
Habe ich was vergessen?
Unter Bogenschützen
Dänische Mutter, norwegischer Vater, aber da ist noch die Religon. TV 2 (Norwegen): „Politichefen fortæller også, at den 37-årige mand med dansk statsborgerskab er konverteret til islam.“ Mal sehen, wann die Qualiltätsmedien das berichten.
Immobilienmief und Gendermief
Soeben aus der kleinstädtischen Pampa zurückgekehrt, wirkt eben dieselbe dergestalt, dass der Medienblasenhype um dieses oder jenes wirkungslos an mir vorüberzieht, derweilen ich gewohnt eklektizistisch hier und dort die vermeintlichen Neuigkeiten konsumiere.
– Spannend ist natürlich der chinesische Immobilienmarkt, dessen Rumpeln und Pumpeln uns naturgemäß zu der Frage leitet, ob der Staatskapitalismus besser mit dem tendenziellen Fall der Profitrate klarkäme oder ob niemand weiß, ob auch dort die Blasen platzen.
– Die Berliner Initiative, bestimmte Wohnungskonzerne zu enteignen, was bekanntlich löblich und nützlich und im Sinne des Grundgesetzes und auch des höheren Ganzen ist, gerät immer mehr ins Sektenmilieu. Zitate aus dem Tagesspiegel dazu (Paywall):
Ein Mitstreiter beklagt in einer internen E-Mail, die dem Tagesspiegel vorliegt, „dass die Kampagne ein Problem mit einer autoritär agierenden Polit-Sekte hat“, deren Anhänger nicht zu geplanten Gesprächen mit dem Senat gehen sollten: Zementiere die IL ihren Einfluss in „Deutsche Wohnen & Co. enteignen„, schreibt der Aktivist, würde dies „nicht nur die demokratische Kultur nach innen weiter beschädigen, sondern auch die Kampagne nach außen delegitimieren“. (…)
Die erwähnte Ex-Aktivistin, die sich selbst als Marxistin bezeichnet, sagte dem Tagesspiegel: Die IL sei keine linksradikale, schon gar keine sozialistische Organisation. Sie rekrutiere sich aus Wohngemeinschaften in der Innenstadt und werde von „Genderfanatikern und Völkerkundlern“ dominiert. Auch die Debatten in der Kampagne drehten sich oft um sexuelle Orientierung und Hautfarbe, weniger um Mieten und Lohnarbeit. (…)
Die IL-Vertreter versuchten „Sprachgebote“ durchzusetzen, schreibt der eingangs erwähnte Aktivist. Weil er vorgeschlagen habe, in Gesprächen mit potenziellen Unterstützern der Kampagne „etwas softer zu gendern“, also alltagstauglicher zu sprechen, sei er isoliert worden.
Dazu muss man nichts mehr sagen. Wenn es nicht gelingt, das pseudolinke identitäre kleinbürgerliche Pack zu isolieren, ist die ganze Sache dem Untergang geweiht. Schade. Merke: Wo gegendert wird, ist die esoterische Politsektiererei nicht weit.
– Was ist, wenn die Franzosen sich per Abstimmung dafür aussprächen, die Immigration zu zügeln bzw. andere Regeln zu erlassen als die Deutschen (falls man hierzulande von Regeln reden kann)?
– Telepolis schreibt über die eigene Zukunft, den „Zwang zur Konformität“ und die Regeln, wer schreiben darf und wer nicht. Lesenswert.
– Zum Erholen vom Mief hier unten gibt es dort auch noch einen Ausblick auf das ambitionierte chinesische Raumfahrtprogramm.
Am Elison oder: Plötzlich aus des Waldes Duster
Nein, ich sang das einschlägige Lied nicht vor mich hin, radelnd entlang der Seseke, die in römischer Zeit Elison hieß, auf dem verschlungenen Weg zum Römerlager Oberaden. ca. 15 Fahrradkilometer nordwestlich von Unna. An der Seseke ist auch das Foto entstanden.
Plötzlich aus des Waldes Duster Das Römerlager, erbaut ca. ein Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende (und zwei Jahrzehnte vor der Varusschlacht), ist heute fast völlig überbaut. Man folgt den spärlichen Wegweisern einen bewaldeten Hügel hinauf und ist dann irgendwann irgendwie irgendwo da. Ich musste bei den römischen Ziffern schmunzeln, vermutlich lernt man die heute nicht mehr nur ausnahmsweise in der Schule.


Credits: Google/Stadt Berkamen/LWL-Archäologie für Westfalen/PANSA BV/Burks
Ich stellte mir insgeheim zwei Fragen: Was kann so ein „Freilichtmuseum“ den Nachgeborenen sagen? Was ist besonders an diesem Ausgrabungsort?
Was zuerst auffällt: Die Fläche ist riesig. In Oberaden war das größte römische Militärlager nördlich der Alpen. Die haben damals aus dem Nichts eine heutige Kleinstadt hingesetzt – Pionierarbeit vom Feinsten. Das wird auch nicht Wochen gedauert haben. Die Legionäre konnten sich ca. 14 Tage von den mitgebrachten Vorräten ernähren (Konserven gab es erst 800 Jahre später), danach mussten sie neue finden. Zwei Legionen sind 10.000 Mann und mehr, zuzüglich der Hilfstruppen und der Mütter Courage. Manche gehen von drei Legionen aus, die hier dauerhaft kampierten. Sogar Türken thrakische und/oder kleinasiatische Soldaten lebten in Oberaden.
56 Hektar sind, wenn ich nicht irre, fast 80 Fußballfelder – also mehr als ein halber Quadratkilometer. (Jeden Tag wird in Deutschland so eine Fläche zubetoniert.)
Die Holzmauer ist 2,7 Kilometer lang. Sie bestand aus einem vier bis fünf Meter breiten und zwei bis drei Meter riefen Spitzgraben. Nach innen bauten die Soldaten eine drei Meter breite Mauer aus Holz und Erde. Alle 25 Meter gab es einen Turm und in jeder Himmelrichtung ein Tor. Alles war standardisiert. Mitten im Lager war eine Senke mit Wasser – da hatten die Germanen offenbar ihr Vieh getränkt. Es marschierten also immer Experten mit, die das, was technisch nötig war, auswendig wussten.
Zum Erinnern: die Armee des römischen Weltreiches war zur selben Zeit im heutigen Jemen, in Äthiopien und in der südlichen Sahara präsent – und ganz ohne Internet, Telefon und valide Karten. Nur Germania Magna blieb ein Problem; vermutlich war das Klima schuld (har har).

Cassius Dio: Römische Geschichte, 54. Buch. D. Leonhard Tafel übersetzt 1838 Alison – die Seseke – falsch mit Alme. Damals war das Legionslager in Oberaden noch nicht bekannt.
Beeindruckend – halb versteckt an einer Mauer: Das Modell einer Groma (vgl. Foto oben). (Ich musste suchen: heute nutzt man ein Doppelpentagonprisma.) Die Mauern und die Tore waren also praktisch, quadratisch und ziemlich gerade und stürzten auch nicht schnell ein, so ähnlich wie meine Hochbetten. So eine Groma braucht man eben, wenn man eine fast drei Kilometer lange Holzmauer errichten will – und zwar auf hügeligem Gelände und nicht in Schlangenlinien. Ich sag nur: Exegit monumentum aere perennius!



Credits der Karte der Drusus-Feldzüge: Bernd Preiss/Wikipedia
Nicht weit entfernt, im heutigen Beckinghausen, war ein weiteres Lager direkt an der Lippe, wo der Nachschub über Fluss anlandete und wo man ohne Brücke auch übersetzen konnte.
(Auf meiner To-Do-Liste für das nächste Mal: Museum Lünen. „Normalerweise nicht zu stark besucht“. Das Stadtmuseum Bergkamen war auch geschlossen. Ich werde mich zukünftig rechtzeitig erkundigen, obwohl die Website so schrottig ist, dass ich nichts dort glaube. Die Website des Römerlagers ist auch gut versteckt.)
Zum Glück begegnete ich auf dem Gelände dem Vorsitzenden des Fördervereins, der sich um die Anlage kümmert. So unter Vereinsvorsitzenden fachsimpelten wir herum, wie das Volk zu begeistern sei. Die tun dort etwas, und die Kleinen freut es. Und wie überall bei dem Thema ist nicht genug Geld da. Man weiß auch nicht, wo die Fundstücke aus Oberaden überall gelandet sind. Niemand hat jemals ein Verzeichnis angelegt. Wenn ein Museum etwas hat, rückt es das natürlich nicht heraus.
Ich habe mich auf dem Rückweg über Holzwickede kräftig verfahren, weil ich dachte, ich kennte mich in dem Gebiet aus, und irrte mit meinem E-Bike im Kurler Busch herum. Nur die freundliche Dame von Google rettete mich. Erstaunlich, dass sogar Waldwege indiziert worden sind…






































