Monté Alban – der weisse Berg

Monte Alban

Monte Albán, die ehemalige Hauptstadt und das religiöse Zentrum der Zapoteken im heutigen Mexiko in der Nähe von Oaxaca. Das Foto habe ich 1979 ungefähr hier gemacht. Die drei kleinen Steinchen im Vordergrund sind von mir, nicht von den Zapoteken… Damals war Monte Albán noch nicht Weltkulturerbe, und es war kein Tourist weit und breit zu sehen.

Ajedrez

ajedrez

Das Foto zeigt mich (mit Hut) 1984 in der peruanischen Hauptstadt Lima beim öffentlichen Schachspielen.

Catavi-Siglo XX

catavicatavi

Die Bilder wurden 1984 in Llallagua in Bolivien gemacht. Das obige Foto zeigt den Eingang der Zinnmine Catavi-Siglo XX, die meine damalige Freundin und ich besichtigt hatten. Catavi war das größte Bergwerk Lateinamerikas. Die Mine war für Touristen geschlossen, wir hatten uns aber eine Sondergenehimgung der Comibol in La Paz geholt. Der Grund, warum man uns nach stundenlangen Verhandlungen den Besuch erlaubte, war einfach: Ich stamme aus eine Bergarbeiterfamilie und konnte das glaubhaft machen.

Remember our champ

david Noel

Das Foto habe ich 1982 in Scarborough (Republic of Trinidad and Tobago) gemacht. Auf der Bude steht: „David Noel – remember our champ“.

Blond

Mennonite

Das Foto habe ich 1979 in Belize gemacht – in einem winzigen Mennoniten-Dorf westlich der Kleinstadt Orange Walk nahe der mexikanischen Grenze. Man sprach übrigens Deutsch dort – so eine Art von Deutsch jedenfalls.

Where is the Beast?

Beast

Das Foto habe ich 1979 hier in Belize gemacht. Damals bestand Caye Caulker nur aus wenigen Häusern, und natürlich gab es weder einen Flughafen noch Autos.

Tikal

TikalTikal

Die Fotos habe ich 1979 in Tikal in Guatemala gemacht.

Wer das obige Foto wiederzuerkennen meint, obwohl er oder sie noch nie in Guatemala war, der irrt nicht unbedingt. Genau aus dieser Perspektive wurde eine Filmszene in „Krieg der Sterne“ gedreht.

Just a Beach in Guatemala

Guatemala

Ja, das ist ein ganz normaler Strand, nicht besonders schön und nicht besonders aufregend. Aber nur auf den ersten Blick. Dieser Strand hat es in sich: Ich war mit dem (motorisierten) Kanu eines Einwohners von Punta Gorda in Belize am frühen Morgen illegal über die Grenze nach Guatemala gebracht worden – für eine Handvoll Dollar.

Zwischen dem spanischsprachigen katholischen Guatemala und dem englischsprachigen Belize, einer ehemaligen englischen Kolonie, gab und gibt es immer Spannungen, weil Guatemala ganz Belize für sich reklamiert.

Throughout Belize’s history, Guatemala has claimed ownership of all or part of the territory. This claim is occasionally reflected in maps showing Belize as Guatemala’s twenty-third department. As of February 2012, the border dispute with Guatemala remains unresolved and quite contentious. Guatemala’s claim to Belizean territory rests, in part, on the terms Clause VII of the Anglo-Guatemalan Treaty of 1859 which (supposedly) obligated the British to build a road between Belize City and Guatemala. At various times the issue has required mediation by the United Kingdom.

Hätten Sie’s gewusst? Ich wusste es, umd dementsprechend mulmig war es mir. weil die Grenze nach Süden damals (1982) für Ausländer geschlossen war. Ich wurde also einfach am Strand abgesetzt und musste selbst sehen wie ich zurechtkam: das nächste Dorf – Livingston – finden, Immigration Office finden, bestechen, Stempel im Pass, irgendwie weiterkommen.

Ferrocarriles del Ecuador

ambulantesambulantes

Die Fotos habe ich 1979 irgendwo an der Bahnstrecke zwischen Guayaquil und Quito gemacht.

Vergesellschaftung

Na also – geht doch: Argentiniens Senat stimmt für YPF-Verstaatlichung. (…) Gegen den Willen von Spanien, Europäischer Union und Weltbank treibt Argentinien die Nationalisierung vom Ölkonzern YPF weiter voran.“

„Die Firmenbüros sind bereits von Soldaten besetzt: Bolivien hat eine Tochter des spanischen Stromkonzerns REE enteignet„.

Energie, Wasser und Luft sind keine Dinge, mit denen man Profit machen sollte. Ich zähle auch den öffentlichen Nahverkahr dazu. Das sehen die Apologeten des Kapitalismus aka „freie Marktwirtschaft“ natürlich anders.

Sweet Dreams

sweet dreams

Das Bild habe ich 1984 am Rio Madre de Dios in Bolivien gemacht.

La Ceiba

la_ceiba

Das Foto der „Skyline“ von La Ceiba an der Atlantikküste von Honduras habe ich 1981 gemacht.

Leider ist es mir nicht gelungen, aussagekräftige aktuelle Fotos aus einer ähnlichen Perspektive zu finden. Schmunzeln musste ich beim Lesen eines Reiseberichts: „Man sollte auf keinen Fall zu Fuß in La Ceiba unterwegs sein, Überfälle finden sogar tagsüber statt.“ Kein Wunder, wenn man da mit einer Jacht ankommt und dann auch so aussieht.

Ich war übrigens allein in den Hafenbars von La Ceiba in der Nacht unterwegs. Das musste mal ganz uneitel gesagt werden.

Run through the Jungle

jungle

Das Foto habe ich 1984 im Dschungel von Bolivien gemacht.

Mehr Details habe ich schon am 21.04.2005 hier publiziert: „In den Yungas“.

„Unser erstes Ziel war Caranavi, ein staubiger Ort wie im Wilden Westen, mit nur einer Hauptstraße. Aus meinem Reisetagebuch: ‚Vor Caranavi klettert ein Mann auf unseren LKW, der kontrolliert, ob der Fahrer nicht zuviel Fahrgeld von uns verlangt hat. Caranavi besteht nur aus einer Hauptstraße und einem hübschen Platz in einer Seitengasse. Es gibt jede Menge Läden und alojamentos, billige Unterkünfte. Wir handeln stundenlang um Moskitonetze und versorgen uns mit Benzin für den Kocher. Abends am Fluss, den Sonnenuntergang zu genießen.‘

Der ganze nächste Tag vergeht mit der Suche nach einem LKW oder Pickup, der uns weiter zum Rio Beni bringen soll. Niemand weiß etwas Genaues, aber wir lernen den halben Ort kennen. Hier ist der Ausgangspunkt für zahllose Siedler aus den Anden, die im Urwald ihr Glück suchen wollen. Wir sind die einzigen Ausländer, und natürlich sagt uns irgendwann jemand Bescheid, jetzt sei ein Jeep da, der genau dorthin fahre, wo wir hin wollten. Wir fahren in die Nacht hinein. Ein Dutzend Reisende kauert auf der Ladefläche. Alle diskutieren, wo wir beiden Gringos aussteigen müssten. Leider werden sie sich nicht einig, weil sich niemand so recht auskennt, und mir schwant nichts Gutes. Morgens kurz vor Sonnenaufgang meint der Fahrer, wir sollten absteigen. Es gibt nur eine Hütte, offenbar ein Polizeiposten. Hier sei Santa Ana de Alto Beni. Aber die zwei Männer sind freundlich und genauso verschlafen wie wir. Dann klettert die Sonne über den Horizont, und wir stehen auf einer Bücke über den Rio Beni (vgl. Bild oben), mitten im Dschungel. ‚Ihr müsst nur noch rund zehn Kilometer laufen bis zum Hafen, wo die Schiffe nach Norden in den Pando ablegen‘, sagt der Polizist. Unsere Rucksäcke wiegen 20 Kilo, und tagsüber wird es rund 40 Grad heiß im Tiefland. Also einfach los, bevor die Sonne unerträglich wird. Und wir kommen noch vor Mittag nach Puerto Linares, einem Straßendorf mit ein paar Dutzend Holzhäusern. Eine Hütte direkt am Fluss ist leer, dort schlagen wir unser Lager auf. Ohne Hängematte ist man hier verloren und würde vermutlich von den Ameisen aufgefressen.'“

Heute weiss ich, dass ich im Pilon Lajas Indigenous Territory Park unterwegs war und dass die Männer, die uns damals von Santa Ana de Alto Beni im Boot bis nach Rurrenabaque im Norden mitnahmen und mit Dynamit fischten, Schmuggler waren.

US-Imperialismus reloaded

Womblog.de: „Washington legt weiter Mil­lionen Dollar an, um die süd­ame­ri­ka­ni­schen Staaten zu desta­bi­li­sieren; die US-​amerikanische Regie­rung ist nun dabei, die Prä­si­dent­schafts­wahl­kam­pagne der Oppo­si­tion gegen Chávez zu finan­zieren. Ihr Ziel ist es, die vene­zo­la­ni­schen Ölres­sourcen wieder unter Kon­trolle zu stellen und ihren regio­nalen Ein­fluss zu stärken. Im Februar bat der Prä­si­dent Obama um einen auf den Haus­halts­plan 2012 ange­rech­neten Vor­schuss von 5 Mil­lionen Dollar zur Unter­stüt­zung der Anti-​Chávez-​Gruppen.“

Legalize it!

Portal america21.de: „Boliviens Präsident Evo Morales hat in Wien erneut für die Legalisierung des Koka-Blattes geworben“.(…)

In Bolivien gibt es keine freie Kultivierung von Koka, aber es kann auch nicht keine Kultivierung geben“, sagte Morales mit Bezug auf den Versuch seines Landes, das Kokakauen wieder zu legalisieren. Es sei ein historischer Irrtum gewesen, dass Bolivien im Jahr 1976 unter einer De-facto-Regierung das UNO-Betäubungsmittelabkommen von 1961 unterzeichnet habe. Er stehe vor den Delegierten mit einem Mandat des bolivianischen Volkes, um die Verfassung und das Recht auf Kokakauen zu verteidigen. Morales stellte zudem einige Koka-Produkte vor (Tee, Marmelade, Koka-Likör). Das Blatt sei „Teil unseres nationalen Erbes und in seiner natürlichen Form nicht gefährlich“. Deswegen habe sein Land die Unterzeichnung unter dem Abkommen vorrübergehend widerrufen.

Das müsste man mal einem hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten unter die Nase reiben. Aber dafür reicht deren Intelligenz nicht aus. Rationale Argumente zählen im Drogen-Diskurs nicht. Historische Irrtümer wie etwa das Cannabis-Verbot werden in Deutschland nie widerrufen.

Wildlife in Dangriga

BelizeBelize

Die Schildkröten werden an der Küste von Mittelamerika illegal gefangen und gefesselt liegen gelassen – sie sterben langsam und qualvoll nach mehreren Tagen. Die Fotos habe ich 1981 in Dangriga aka Stann Creek gemacht – der größten „Stadt“ der Garifuna in Belize.

Und dann der Regen

lluviaGestern war ich im Kino, zusammen mit meiner Lieblingsfreundin, und hatte mit der Auswahl wieder Glück: „Und dann der Regen“ ist (neben Avatar – Aufbruch nach Pandora) einer der besten Filme, den ich jemals gesehen habe.

Ich war auch deshalb gespannt, weil ich mehrere Male im bolivianischen Cochabamba gewesen bin (1980 und 1984), und dort spielt der Film. Ausserdem werden Personen erwähnt und zitiert, die in meinem Roman „Die Konquistadoren“ vorkommen – Anton de Montesinos zum Beispiel.

Die Filmkritik der Berliner Zeitung trifft es: Man könnte meinen, dies interessiere nur eine Minderheit: Ein spanisches Filmteam will von Kolumbus und den finsteren Begleitumständen der Entdeckung Amerikas erzählen. Ja, es scheint, als wäre „Und dann kam der Regen“ ein Beitrag fürs Minderheitenprogramm, ein ausländischer Film für speziell Gebildete. (…)

Doch da hat die Regisseurin Icíar Bollaín dem Betrachter bloß eine Falle gestellt. Denn dies ist zwar eine Geschichte über den Versuch, politisch korrekt über die Vergangenheit zu berichten, doch sie wird von der Gegenwart eingeholt. Es ist die Geschichte von Leuten, deren gute Absichten einer strengen Prüfung durch die Realität unterworfen werden. Und es ist eine Geschichte über uns selbst, die Zuschauer. Denn auch der Betrachter wird sich fragen, was seine Werte wert sind.

Man kann Vor Wut weinen oder vor Rührung – der Film ist unglaublich mitreissend. Winzige Gesten und Momente füllen jede Sekunde aus und schaffen mehrere Ebenen gleichzeitig. Aus dem Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung („Prädikat besonders wertvoll“):
Der Film ist in vieler Hinsicht hervorragend konstruiert in seinem Wechsel der Ebenen, die wie selbstverständlich ineinander übergehen, ohne den Eindruck einer sprunghaften Beliebigkeit zu vermitteln. Die Musik ist äußerst zurückhaltend und sparsam eingesetzt und nie überzogen. Der Zuschauer wird auch bei den dramatischsten Momenten des Films nie bewusstlos in einen Sog der emotionalen Identifikation hineingezogen, es kommt durch den Wechsel der Ebenen immer zu einer Distanz wahrenden Haltung des Betrachters zum Ablauf der Ereignisse. Der Film nimmt auf diese Weise den politisch ungeschulten Zuschauer mit, verweist auf die Konflikte in unserer am Kapital orientierten Welt, und zeigt beispielhaft, ohne den didaktischen Zeigefinger zu bemühen, dass sich die Geschichte der Ausbeutung und Erniedrigung immer noch und überall wiederholt.

Witziges Detail am Rande: Der Regisseur des Films im Film lässt die Indianer, auf die Kolumbus trifft, Ketschua (Quechua oder auch Runasimi) sprechen, die Sprache im Inka-Reich der Anden. Das ist natürlich Blödsinn, weil die Ureinwohner der Nordküste Südamerikas Arawak bzw. Taino sprachen. Im Film wird der Regisseur auf diese Ungenauigkeit hingewiesen, aber das interessiert ihn natürlich nicht nicht nach dem Motto – für den Zuschauer sind Indianer halt Indianer, ganz egal, was sie sprechen. Leider macht die Regisseurin auch einen Fehler, und mittlerweille bin ich mir gar nicht sicher, ob sie den nicht bewusst eingebaut hat, um die Zuschauer wieder zu verunsichern: Die Darsteller des Kolumbus-Films im Film sprechen in ihrem „realen“ Leben Ketschua; in Bolivien sprechen aber die meisten Leute Aymara. Wer das verwechselt, müsste auch den Unterschied zwischen Deutsch und Holländisch ignnorieren.

Liebe wohlwollende Leserin und lieber geneigter Leser: „Und dann der Regen“ ist außerdem ein unglaublich guter Revolutionsfilm, obwohl das gar nicht sein Thema ist. Und deshalb empfiehlt ihn Burks ganz besonders. Auf jeden Fall ansehen!

An der Grenze zur grünen Hölle

San Fernando de AtabapoSan Fernando de AtabapoSan Fernando de AtabapoSan Fernando de AtabapoSan Fernando de AtabapoSan Fernando de AtabapoSan Fernando de Atabapo

Vor acht Jahren habe ich das hier schon einmal gebloggt, heute kann ich die Bilder in besserer Qualität anbieten. Auch die Links sind aktueller.

Das ist das Ende der Welt: San Fernando de Atababo, der letzte Ort am oberen Orinoco, den man noch mit „öffentlichen“ Verkehrsmitteln erreichen kann – sogar in der Trockenzeit nur per Boot. „Man sollte allerdings bedenken“, schreibt der Reiseführer, „dass solche Touren auf eigene Faust nicht ganz ungefährlich sind, man bewegt sich hier schon am Rande der „zivilisierten“ Welt. Gen Süden und Westen gibt es nur noch selten Orte – den Casiquiare aufwärts ist das Gebiet fast menschenleer.

Nur zwei Tagesreisen östlich, und man ist auf dem Territorium der Yanomami. Ein italienischer Ethnologe hatte mir aber in Puerto Ayacucho mit Augenzwinkern erzählt, die Yanomami seinen die „Drosophila“ der Ethnologie – kaum ein Volk sei besser erforscht. Und die Erforschten wüssten das und verhielten sich dementsprechend. Das bedeutet: Gringos wie Rüdiger Nehberg denken, deren Lebensart sei „ursprünglich“. Die „Indianer“ hätten ganz andere Probleme: Goldsucher schürften in ihrer Gegend, es gäbe zahlreiche illegale Minen. Bei der Goldsuche fiele Quecksilber ab, und die Quellflüsse des Orinoco seien schon vergiftet. In dieser gottverlassenen Region leben noch andere Völker, um die sich kaum jemand kümmert, und die kämpften schlicht ums Überleben. Der Ethnologe warnte mich: Wer dort allein reiste, per Boot, dem könnte es geschehen, dass ihm Pfeile um die Ohren flögen, weil man für einen Goldsucher oder einen Sekten-Missionar gehalten würde, etwa vom berüchtigen fundamentalistischen Summer Instituts of Lingustics. Und die Indianer könnten verdammt gut mit Pfeil und Bogen umgehen…

Ich wusste, dass ich nicht genug Zeit und Geld hatte, um diese Tour zu machen – wenn ich das nächste Mal nach Venezuela fahre, weiß jeder, der dieses Weblog liest, wo ich dann zu finden bin: Entweder im Jeep irgendwo nördlich des Rio Meta in den Llanos (nicht in der Regenzeit), oder im Flussdreieck Orinoco – Casiquiare – Rio Atabapo, in Sichtweite der majestätischen Tafelberge, den Tepuis.

In einer Story über meine Reise („Der gottverlassene Landstrich“, Tagesspiegel 19.9.1997) schrieb ich: „San Fernando de Atabapo: ein verschlafener Ort mit 3000 Einwohnern. Eine Kirche. Ein Restaurant: der folgenlose Genuss des Tagesmenüs setzt eine tropentaugliche Darmflora voraus. Das einzige Hotel (Bild links oben) an der Plaza Bolivar: nur drei Zimmer, weit jenseits von mitteleuropäischem und Komfort. Mittendurch eine Heerstraße für Ameisen und die in Volksliedern liebevoll besungenen Cucarachas. Am Abend schauen auch ein paar Kröten herein, die der kurze, aber um so heftigere Tropenregen unternehmungskustig macht. Hängematte und Moskitonetz gehörten zur Grundausstattung des Reisenden wie Toilettenpapier und Plastikfolie, um Papiere und Geld vor Feuchtigkeit zu schützen.“

Es war viel netter: die hübsche Hausgehilfin des Hotels (Bild oben rechts), natürlich alleinerziehende Mutter, drückte mir eine Schaufel in die Hand, nachdem ich lange auf sie eingeredet und ihr eine Menge Komplimente gemacht hatte. Angeblich war das „Hotel“ voll. Aber ich durfte dann doch das einzige leere Zimmer (Bild oben links) vom Müll befreien. Es war, vom Globetrotter-Maßstab aus gesehen, recht komfortabel. Die junge Dame brachte mir, verlegen lächelnd, sogar einen Ventilator. Draußen eine Terrasse mit Tisch und Stuhl, allerdings standen überall leere Bierkästen und anderes Gerümpel herum. Ich rückte den Stuhl an die kleine Mauer mit Blick auf den Zusammenfluss von Atabapo und Guaviare, warf meinen Ofen an und kochte mir eine heisse Suppe, die erste Mahlzeit seit vier Uhr morgens. Brot hatte ich auch noch. Während ich meine Mahlzeit löffelte, sah ich direkt nach Westen und ließ die Gedanken schweifen. 1982 hatte ich an demselben Fluss gestanden, weit im Westen, in den kolumbianischen Llanos…

Das grandiose Panorama entschädigt für die Müllkippe des Ortes in Reichweite – im Gestrüpp zwischen Flussufer und Hotel. Eine Gewitterwolke dräut über dem satten Dunkelgrün des Urwalds, die letzten Sonnenstrahlen gleißen durch das kitschige Abendrot und lassen die Sandbänke weiß leuchten. Hier fließen drei Ströme zusammen: Guaviare, Atabapo und Orinoco. Der Guaviare, breiter als der Rhein, entspringt tausend Kilometer westlich in den kolumbianischen Anden und hat, so schreibt Alexander von Humboldt, weisses Wasser, und der ganze Anblick seiner Ufer, seiner gefiederten Fischfänger, seine Fische, die großen Krokodile, die darin hausen, machen, daß er dem Orinoco weit mehr gleicht. Von Süden ergießt sich der Atabapo in den Guaviare. Wassertemperatur des Rio Atabapo: erstaunliche 37 Grad. Der sonnendurchglühte Granit (Bild linke Reihe, 2.v.o.) heizt den Fluss auf. Er ist dunkel wie schwarzer Tee, aber klar bis auf den Grund. Die Färbung rührt von Gerbsäure, die Insekten abhält, ihre Eier zu legen.

In den folgenden Tagen ging ich jeden Tag zum Fluss, die Sandbänke tauchten wie schneeweiße Fische aus dem Wasser auf. Das Wasser war wirklich, so wie Humboldt es beschrieben hatte, wärmer als in einer Badewanne und, abgesehen von der dunkelbraunen Farbe, glasklar. Ich setzte mich in den warmen Sand ins Wasser, und tausende winzige und glitzernde Fische schwommen um mich herum, als hätten sie keine natürlichen Feinde. Die mächtigen Bäume am Ufer zeigten alle Schattierungen der Farbe grün, der Himmel war wolkenlos und dunkelblau – mir schien es, als sei ich in eine Kitschpostkarte hineingeraten. Und ich war ganz allein. Warum ist hier sonst niemand? habe ich mich damals gefragt. Ich habe, bis auf Grenada in der Karibik, nirgends einen besseren Sandstrand und schöneres Wasser gefunden. Nun gut, es gibt weder ein Restaurant, das diesen Namen verdiente, noch ein Hotel… Aber von Berlin aus braucht man nur drei Tage, wenn alles gut geht…

Esst mehr Fleisch

Fleisch

Das Foto wurde im Januar 1980 auf dem Markt in Puno in Peru gemacht. Auch wenn es nicht so aussieht: Das Fleisch dort ist sicher von besserer Qualität als das, was in deutschen Supermärkten als verpacktes Fleisch verkauft wird, jedenfalls am ersten Tag des Verkaufs.

Chicas

chicas

Fotografiert in Nicaragua 1981

image_pdfimage_print

← Next entries — Older entries