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El camino de los Incas

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Im Januar 2005 habe ich hier etwas über die Machu Picchu geschrieben, die geheimnisvolle Stadt der Inkas tief im Dschungel von Peru. Die Fotos (1979 und 1984) jedoch waren von grauenhafter Qualität. Hier also eine verbesserte „Neuauflage“ – in natura sind die Aussichten wesentlich spektakulärer. Die Magie eines Ortes kann man nicht fotografieren – auch nicht wirklich die Mühe, eine Woche lang quer durch die Berge und durch alle Klimazonen zu maschieren, über Pässe, die über 5000 Meter hoch sind, in eisiger Kälte (ich bin der im gelben Anorak) und glühender Hitze.


Touristen, die den Zug von Cusco aus nehmen, vermissen das Wesentliche. Nur wer die alten Strassen der Inkas selbst benutzt und in den verlassenen Ruinen des „camino de los Incas“ übernachtet, bekommt vielleicht den Hauch einer Idee, wie es vor 600 Jahren gewesen sein mag.

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Der „Incatrail“ oder auch Camino de los Incas hieße in den europäischen Alpen „Hüttenwanderung“. Nur sind die Hütten Ruinen und knapp tausend Jahre alt, und der Weg durch alle Vegetationszonen führt über Pässe bis zu 4200 Meter Höhe, umsäumt von schneebedeckten Fünftausendern. Über die rund einwöchige Wanderung in die Inkastadt Machu Picchu nur ein paar Zeilen schreiben zu wollen, im Rahmen eines Weblogs, ist ein literarisches Sakrileg, als handelte man die erste Landung auf dem Mond mit einem Dutzend Worten ab. Für den stilsicheren Gringo, der durch Peru reist, ist der Inkatrail Pflicht, zumal die normalen Reisenden durch das Tal des Rio Urubamba mit dem Zug fahren, um dann per Bus über endlose Serpentinen die sieben Kilometer nach oben zur Ruinenstadt transportiert zu werden.
camino de los incas

Für den gestandenen Globetrotter ist es daher eine Frage der Ehre, den ganzen Weg zu Fuß zu „machen“. Zelt, Lebensmittel für eine Woche und Kochgeschirr sind gesetzt. In Cusco, dem Ausgangspunkt, haben sich zahlreiche Einheimische darauf spezialisiert, die Gringos mit dem Notwendigen auszurüsten. Die Hardcore-Fraktion und Elite der Globetrotter, zu der ich mich selbstverständlich zähl(t)e, hatte ohnehin immer den Survival-Set in Griffnähe. Mit anderen Worten: der Inkatrail ist nichts für Weicheier, selbst wenn ein Idiot, wie beobachtet, auf die Idee kommt, die spanischen Konquistadoren nachzuahmen und einheimische Bauern mietet, um seinen Rucksack tragen zu lassen. Auch ohne Gepäck lassen einen die Höhe und der Weg an die körperlichen Grenzen kommen.

Wodurch unterscheidet sich die „Elite“ von gewöhnlichen Reisenden? Falls ein deutsches Lehrerehepaar, braun gebrannt und gut gelaunt und „die Anden in vier Wochen“ auf dem Programm fragt: „wie lange seid ihr denn schon unterwegs?“ Dann lautet die coole Antwort: „Fünf Monate, glaube ich. Wir kommen gerade aus dem bolivianischen Pando-Dschungel.“ Das ist kaum zu toppen. Karte IncatrailUnd wenn das noch nicht geholfen hätte, hatten wir noch drei Wochen im Guerillagebiet in Ost-Kolumbien zu bieten. Oder den 40-Kilometer-Fußmarsch durch die Salzwüste im Westen Boliviens, die „Salar de Uyuni„, nach Chipaya. Das ist – nach der Durchquerung des Darien Gap – eine der abenteuerlichsten Touren in ganz Lateinamerika, off the beaten track. Und ein unvergessliches Erlebnis wie der Camino de los Incas.

Über die Tour und die Inka-Ruinen informieren zahllose Websites. Die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser mögen sich selbst informieren. Ich bin zwei Mal über den Inkatrail marschiert, im Januar 1979 und im Juli 1984 – bei der letzteren Version zu Fuß von Ollantaytambo aus. Diese Notizen nur zur Erinnerung für an das zweite Mal und für mich.

Tagebuch Juli 1984, Auszug, geschrieben während des Marsches. „Wir kreuzen den Fluss bei Chilca. Der Pfad führt im Tal auf und ab. Gegen Nachmittag immer steiler und anstrengender, die Riemen des Rucksacks schneiden ins Fleisch, die Arme werden gefühllos. Nach Llaqtapata ein wahnsinniger Abstieg. Wir pausieren alle paar Minuten, weil unsere Beine zittern. Endlich, auf einer Anhöhe, die Stadt – es ziehen schon finstere Wolken auf. Wir quartieren uns im Turm ein. Aus das Zelt gerade aufgebaut ist, fängt es an zu schütten. Wir genießen die heiße Suppe und die Schokolade. Die Kerze beleuchtet die Innenwände, unsere Schatten flackern riesengroß umher. Wir sind allein in der Nacht.
Karte Incatrail
Vor Sonnenaufgang das Tal hindurch, den schneebedeckten Chuyuncu im Blick. Der erste Pass schließt das Tal wie eine Staumauer ab, links eine tiefe und unpassierbare Schlucht. vorbei an den Hütten von Wayllabamba. Es gibt oben nur einen Platz für ein paar Zelte, genannt „Tres Piedras“, die „drei Steine“. Noch ein anderer Gringo, ein verrückter Kalifornier, der vor einigen Wochen ein paar Sechstausender bestiegen hat und zudem noch Marathonläufer ist. Kein Wunder, dass der weniger keucht als wir….“ Der nächste und höchste Pass heisst „Warmiwañusca“ – „Wo die Frau stirbt“.

Belanglos. Ich habe mir beide Reisetagebücher vorgenommen, aber nichts gefunden, was auch nur annähernd meiner Erinnerung gleicht. Auf knapp 4000 Metern wusch meine Begleiterin ihr T-Shirt in einem Bach, am Morgen hing es gefroren über dem Zelt. Fünf Nächte (oder waren es sechs?) in geheimnisumwitterten Ruinenstädten, zumeist ganz allein. Die Bäder und Wasserleitungen in den Gemäuern, noch aus der Inkazeit, sind intakt. Steinerne Stufen merkieren den Pfad: die Inkas kannten das Rad nicht – dann kann man eine Straße auch fast schnurgerade bauen, ungeachtet, ob es steil bergauf oder bergab geht. Wie das beschreiben? Die wilde Bergwelt, garniert mit tropischem Dschungel? „Am Felscamino de los incas klebt die Inka-Siedlung Sayaqmarka und blickt über eine bewaldete Schlucht auf ferne Höhen. Halsbrecherisch führt ein Steig hinab. Tropische Dschungelpflanzen überwuchern den Pfad, Orchideen leuchten aus tiefem Grün. Zwei Inka-Tunnel verschlucken uns Trekker und spucken uns auf der anderen Seite wieder aus. Zum Lunch rasten wir auf der Höhe über dem Inka-Dorf Phuyupatamarka. Reste des Tempels auf dem Hügel, Bürgerhäuser, Maisterrassen und dazwischen Leitungen für Frischwasser, für Abwasser und zur Bewässerung der Felder. In der Ferne blitzt die Sonne auf dem ewigen Eis der Andengipfel.“

Und dann, nur wenige Stunden Fußmarsch vor Machu Picchu entfernt, Winay Wayna: das ist Quechua und bedeutet „Ewige Jugend„. Wir übernachteten in einem Söller, direkt unter uns ging es 800 Meter steil hinab.

Vorfreude – wenn man weiß, was einen erwartet, ist das Gefühl noch stärker, fast Sehnsucht. Nach wenigen Stunden wieder ein schmaler Pass. Oben das Sonnentor – „inti punktu“. Wer danach googelt, findet immer wieder die gleichen Metaphern: „ein überwältigender Anblick“, „der schönste Moment der Reise“, „unvergesslich“. Wohl wahr. Wenn Worte fehlen, sollte der Ehrgeiz des Schriftstellers einsetzen, diesen Missstand zu beheben. Tinkunanchikkama!

Ambulantes

ambulantes

Straßenhändler in Ecuador – das Foto habe ich 1979 irgendwo an der Bahnstrecke zwischen Guayaquil und Quito gemacht.

Solimôes

Solimoes

Das Foto habe 1982 auf dem Amazonas (Solimôes) in Brasilien gemacht.

Sleepy

Huancayo

Das Foto habe ich in 1979 Huancayo im Hochland von Peru gemacht.

Esst mehr Fisch!

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Das Foto wurde 1984 in Rurrenabaque am Rio Mamore in Bolivien gemacht. Ich entschuppe einen frischen Fisch für den Kochtopf.

Mucha Plata

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Nein, das sind umgerechnet nur rund 100 US Dollar, aber das kommt davon, wenn man in Bolivien zu Zeiten einer Hyperinflation herumreist. In Lateinamerika benutzt man übrigens statt des spanischen Wortes „dinero“ für „Geld“ plata („Silber“).

Aufgenommen 1984 in La Paz, Bolivien

Sacsayhuamán

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Sacsayhuamán in den Anden Perus in der Nähe der alten Inkastadt Cusco.

„Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Ungeklärt ist, wie die Inka die Steine transportiert haben, da sie weder Rad noch Rolle kannten.“

Ich frage mich übrigens, warum man bei Wikipedia nichts über die erbitterten Kämpfe liest, die in der Festung zwischen den Spaniern und den Inka tobten.

Die Fotos habe ich im Februar 1980 gemacht.

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu in den Anden Perus – sicher die geheimnisvollste Ruinenstadt der Welt. Wer einmal da wird, wird das nie vergessen. Ich hatte das Glück, 1979 und 1984 bei Morgengrauen fast allein durch die Stadt streifen zu können. Das wird heute nicht mehr möglich sein. Das Foto habe ich 1984 gemacht.

Kürbisse aus Huancayo

Huancayo

Das Foto habe ich 1979 in Huancayo im Hochland von Peru gemacht.

Guckst du hier: „Der Kürbis Ist ein Naturprodukt aus der peruanischen Andenregion. Die Werkstätten die diese Kürbisse verarbeiten sind in Huancayo. Von hier stammt die Tradition aus der Vorinkazeit, die Kürbisse für den Gebrauch (Geschirr) zu benutzen. Heute werden Kürbisse immer noch genutzt und finden für viele andere Zwecke Verwendung: Taschen, Schmuckdosen, Masken, Musikinstrumente, sowie auch Geschirr.“

Ein paar dieser wunderbaren Kunstwerke habe ich damals unversehrt mitgebracht. Sie stehen in meinem Bücherregal.

Atrevido

Amazonas Naseweis

Das Foto wurde 1982 auf dem Amazonas in Brasilien gemacht. „Atrevido“ heisst Naseweis.

Termiten in der Rupununi

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Das Foto wurde 1982 in der Rupununi-Savanne in Guyana (Südamerika) gemacht. Wer in Biologie gefehlt hat: Ich stehe da vor einem Termitenhügel (Manari-Ranch, östlich von Lethem).

Choc Quib Town

Aus ausdrücklichen Wunsch der Leserschaft…. kolumbianischer HipHop …der Rhythmus, wo jeder mit muss…

La Paz, hoch und herrlich

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Was kostet die Welt? Was ist das für eine Frage!

Ich kann mir gut vorstellen, wie es im Reise-Teil von Spiegel Online zugeht: „Sag doch mal den Volontären oder einem Studenten, sie sollen einen netten Artikel über Bolivien schreiben; wir habe da noch ein paar Fotos und die Website muss voll werden.“

Gut, geschenkt, die heutige Jugend heutigen Studenten sind oft naiv und/oder unpolitisch. „…in La Paz gibt es viel zu erleben und zu entdecken, es ist eine lebendige und liebenswürdige Stadt. Geschäftsleute im Anzug sind hier genauso unterwegs wie Frauen in traditioneller Tracht.“ Wer hätte das gedacht. Mein schönstes Ferienerlebnis. Auf dem Foto sehen Sie links unten. Die Eingeboreren lachen oft. Hier steht ein Indio vor einer Hütte.

Burks.de zeigt den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Stammleserinnen, wie La Paz, die größte Stadt Boliviens (nicht die Hauptstadt) auch sein kann (1984): voller Demonstrationen militanter Bergarbeiter-Gewerkschaften (die Frauen marschieren oft getrennt von den Männern), Straßensperren und „linksextremstischer“ Transparente. (Da zuckt der hier mitlesende Jugendschutzwart wieder zusammen!).

Auf dem Foto der Regierungsgebäudes (mit dem Balkon) ist der damalige linke Präsident Hernán Siles Zuazo zu sehen. Die Bauern und Arbeiter demonstrierten, um ihn zu unterstützen. Der Dorfbürgermeister, der seinen traditionellen Amtsstab in meine Kamera hält, hatte mich vorher barsch angeschnauzt, was ich Gringo wollte… Erst als er merkte, dass ich kein US-Amerikaner war, sondern Deutscher, dessen Vorfahren auch Bergleute gewesen waren, wurde er freundlich.

Durch die Wüste

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Nein, das ist nicht irgendwo in Arabien, sondern Peru. Ich bin 1984 die Panamericana nach Süden getrampt, von Ica südlich von Lima bis nach Camana an der Pazifik-Küste westlich von Arequipa. Es werden um die 1000 Kilometer gewesen sein.

Wer Peru nicht kennt, weiß nicht, dass der Küstenstreifen am Pazifik eine Wüste ist, die sich in nichts unterscheidet von den großen Wüsten in Afrika. Die Stadt Ica liegt wie eine Oase inmitten riesiger Dünen. Das Büro der Kuomintang, das ich in Ica gesehen habe, ist nur ein folkloristisches Relikt der zahlreichen chinesischen Einwanderer in Peru.

Berühmt und tourisch beliebt ist die Oase Huacachina mit Dünen, die über 100 Meter hoch sind (vgl. Foto ganz oben und in der Mitte).

Die Panamericana führt an Ica vorbei. Ich wurde von einem Mann in einem Volkswagen mitgenommen, der nicht wusste, wozu die Gänge gut sind – er fuhr mit heulendem Motor im dritten Gang neunzig und mit Stottern im vierten Gang Hügel hinauf, solange, bis es mir zu bunt wurde und ihn überredete, mich als Steuer zu lassen, zumal er schon schweißüberströmt war und sich jedes Mal beim Anblick eines anderen Autos bekreuzigte und irgendetwas Frommes murmelte. Ich darf also behaupten, dass ich die Panamericana selbst befahren habe.

Camana, das wir nach zwei Tagen an der Küste entlang (wir passierten Nazca) erreichten, was damals ein verschlafenes Nest. Die historischen Häuser der Fischer werden heute alle abgerissen sein. Der Strand war fast leer und ohne einen einzigen Touristen. Ich kann mich erinnern, dass ich damals in einem einfachen Restaurant zum ersten mal Ceviche gegessen habe, rohen Fisch – das peruanische Sushi. Von Camana aus ging es nach Osten nach Arequipa und hinauf in die Anden auf über 3000 Meter…

Aufstieg zum Tungurahua

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Nur zwei Mal im Leben habe ich einen Fünftausender bestiegen, einer davon ist der Vulkan Tunguarahu (5,023 m) in Ecuador. Auf rund 3500 Meter Höhe stand damals eine kleine Berghütte, in der wir übernachteten – für den Auf- und Abstieg braucht man mindestens drei Tage.

Auf den Gipfel und in den damals noch erloschenen Krater bin ich allein gestiegen, mein Begleiter war zu erschöpft. Die Besteigung dieses Vulkans ist, was die Klettertechnik angeht, nicht sehr anspruchsvoll, jedoch waren die letzten 500 Meter Höhenunterschied qualvoll: Wenn der Boden aus Vulkanasche besteht, geht man zwei Schritte vorwärts und rutscht dann wieder einen Schritt zurück. Und auf knapp 5000 Meter Höhe wird die Luft schon mal knapp; zum Glück war ich damals ziemlich durchtrainiert.

Die Aussicht war natürlich grandios, kaum mit Worten zu beschreiben, auch die Vegetation an der Baumgrenze. Ringsum konnte ich die Gipfel einiger anderer Vulkane sehen, unter anderem den Chimborazo (6.267 m), den vom Erdmittelpunkt aus gesehen höchsten Berg der Welt, sowie den El Altar (5,319 m, Bild vorletzte Reihe).

Ich verrate den Namen des Ortes nicht, der dem Tungurahua am nächsten liegt. In meinen Internet-Seminaren stelle ich immer die Frage: „Der Vulkan Tungurahua ist ausgebrochen. Finden Sie in fünf Minuten die Telefonnummer eines Interview-Partners in dem Ort, der dem Vulkan am nächsten liegt!”

Wenn ich gewusst hätte, dass der Tungurahua einige Jahre später ausbrechen würde, wäre mir, als ich im Krater stand, ganz schön mulmig geworden. Auch damals wurden mir schon die Schuhsohlen heiß. Heute kann man ihn vermutlich nicht mehr bestiegen – zu gefährlich.

Sie webt kein Leichentuch

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Fotografiert 1979 im Hochland von Peru. By the way – für die nachgeborene Jugend: Auf welches literarische Werk, dass man kennen muss, spielt der Titel an?

Mariachi und Fisch am Lago Chapala

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Fotografiert 1981 in Ajijic am Lago Chapala, Mexico.

Mexico ist erstens Nordamerika und zweitens so groß wie Europa. Der Chapalasee ist das größte Binnengewässer Mexikos, ungefähr drei Mal so groß wieder Bodensee.

Ajijic war damals – 1981 – noch ein verträumtes Fischerdorf; nur einige reiche alte US-Amerikaner hatten sich in den Villen niedergelassen. Abends versammelte sich die Dorfjugend auf der Plaza, die Mädchen schlenderten links herum, die jungen Männer rechts herum, und man beäugte sich gegenseitig. So werden dann Ehen gestiftet.

Wer ein Paar ist, setzt sich auf eine Bank und wird im Nu umzingelt von unzähligen Mariachi-Kapellen, die hier im Bundesstaat Jalisco, ihren Ursprung haben. „Es gibt keinen Anlass, zu dem Mariachi nicht aufspielen.“ Eben. Kein Anlass ist immer Anlass genug. Man kann das mögen oder nicht mögen, aber Mexico ohne Mariachi ist wie ein Fisch ohne Wasser.

Valle de Colca

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Vielleicht erinnern sich die wohlwollenenden Leserinnen und geneigten Leser noch an das Foto von der Bauernhochzeit in den peruanischen Anden, genauer: im Dorf Cabanaconde im Valle („Tal“) Colca rund 100 Kilometer nördlich von Arequipa.

Das hört sich nicht weit an, aber wir haben 1984 für die Stecke hoch in die Anden mit einem klapprigen Bus rund acht Stunden gebraucht. Dafür war das Ambiente dann auch wild romantisch und von einer atemberaubenden Schönheit. Der Canyon „nahe“ des Ortes (einen halben Tag Fußmarsch) ist immerhin der zweittiefste Canyon der Welt. Touristen wird es auch heute in Cabanaconde kaum geben; wer den Canyon erforschen will, wird auf der „Talsohle“ (unterstes Foto mit einer Brücke aus der spanischen Kolonialzeit) von Chivay aus anreisen. Ja, und ich habe einen Kondor fliegen sehen…

Die Fotos sprechen für sich und müssen eigentlich nicht kommentiert werden. Cabanaconde ist bitter arm. In der Regenzeit, in der ich auch die Aufnahmen gemacht habt, muss man ab dem späten Nachmittag einen Unterschlupf suchen, weil es ununterbrochen schüttet. Also beim ersten Morgerndämmern raus aus dem Schlafsack (es gab weder ein Hotel noch eine Pension dort, die Dörfler wiesen uns einen leeren Raum in einem Haus zu) und Kaffee gekocht. Kurz nach Sonnenaufgang hingen noch die Wolken im Tal – eine spektakuläre Aussicht.

Der Kautschuksammler, revisited

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Über den gebratenen Affen hatte ich neulich schon etwas geschrieben. Heute geht es wieder um die völlig abgelegene und fast unerforschte Gegend nördlich des Rio Madre de Dios, genauer gesagt: um den Weiler Chivé und zwei Familien von Kautschuksammlern, die rund zehn Kilometer Fußmarsch nördlich davon im Dschungel leben.

Die jüngere Generation der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser werden mein Posting vom 10. Mai 2005 vermutlich nicht kennen, auch waren damals die Fotos kaum zu erkennen.

Reisetagebuch, 23. Juni 1984.

„Chivé, im Pando-Dschungel, rund 50 Kilometer vor der peruanischen Grenze. Ich sitze auf einem Baumstamm hoch über dem Rio Madre de Dios. Wir hoffen immer noch oder schon wieder auf ein Schiff, das uns nach Puerto Maldonado bringt. Am Nachmittag wird alles still, der Fluss strömt träge dahin, im Wasser Kringel, als ob es Blasen würfe, leise Musikfetzen aus einem Radio. Sogar die Moskitos wirken schläfrig. Der Urwald gegenüber steht still, nur ab und zu Vogelzwitschern.“pando

Ein Weg führt nach Norden, ein Tagesmarsch weit. Ein Kautschuk-Sammler lädt uns ein. Das zwiespältige Gefühl, zu zweit im Urwald zu sein, ringsum keine Menschenseele, und der Pfad überwuchert und machmal kaum zu finden. Nur zehn Meter weiter im undurchdringlichen Dickicht, und man wäre verloren und ohne Orientierung. Palmenwedel neigen sich herab, als wollten sie die Wanderer begrüßen. Ein Spinnennetz, groß wie ein Wagenrad und geformt wie ein Trichter, glitzert im Morgentau.

Die Familie des Kautschuksammlers, Ehefrau, Kinder, und ein „Mädchen“ für alles, wohnen in drei Hütten am Fluss. Eine ist für uns und unsere Hängematten freigeräumt worden. Don Arturo zeigt uns stolz sein „Feld“, auf dem alle tropischen Früchte wachsen, das aber das ungeübte Auge kaum vom Urwahl unterscheiden kann, nur dass die Bäume weniger eng stehen.

Der Pando, obzwar Urwald, war früher dichter besiedelt. Alle Welt suchte und brauchte Kautschuk. Während des Kautschuk-Booms Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der kostbare Saft des Kautschuk-Baums (Hevea brasiliensis) gewonnen und das Rohgummi nach Manaus in Brasilien verschifft. Als die Planze auch in Südostasien angebaut wurde, verflog der Reichtum des Pando in wenigen Jahren. Der berühmteste Kautschuksammler der letzten Jahrzehnte war Chico Mendes.

Alle Siedlungen im Umkreis gehören einem Großgundbesitzer. Die Bewohner der Dörfer wie Chivé dürfen nichts selbst anbauen, sondern müssen alle Lebensmittel in den wenigen Läden kaufen – die gehören auch dem Grundherrn. Um überhaupt am Rio Madre de Dios leben zu dürfen, sind die Siedler – sie stammen meistens aus dem bolivianischen Hochland – gezwungen, sich hoch zu verschulden. Drei Monate sammeln sie Paranüsse, drei Monate dauert die Saison für das wenige Kautschuk, das hier noch gesammelt wird. Nur particulares, unabhängige Sammler wie Don Arturo, haben es durchgesetzt, dass sie auf eigene Rechnung arbeiten.

Am zweiten Tag hat Don Arturo ein Tier geschossen, ein Festmahl kündigt sich an.Pando Ein Affe hängt an einem Haken in der Freiluft-„Küche“. Mir ist, als müsse ich ein Kind verspeisen. Aber es wäre vermutlich äusserst unhöflich, die Gastgeber zu beleidigen und nichts zu essen. Die Kinder ernten Maniok und buddeln Yucca-Wurzeln aus dem Boden, die für die „Sättigungsbeilage“ gedacht sind. Das Affen-Geschnetzelte schmeckt wie Wildschwein.

Don Arturo führt uns zu den Kautschuk-Bäumen. Es sind Dutzende, die er alle wiederfindet. Es dauert einen ganzen Tag, bis er alle abgegangen ist – wie ein Fallensteller seine Fallen. An jedem Baum ist ein kleines Gefäß in die Rinde gesteckt. Mit einem speziellen Messer ritzt der Kautschuksammler die Rinde alle drei Tage so schräg an, dass das Harz – eben der Rohstoff für Kautschuk – in das Gefäß tropft. An einigen Bäumen, erklärt Don Arturo, kann man noch die Kerben sehen, die vor mehr als 100 Jahren eingechnitten wurden.

In seinem Arbeitsschuppen liegen zahllose Scheite einer besonderen Holzart, die mit Seife eingefettet werden. Auch das Feuer darf nur von unten geschürt werden, dazu gehört ein bestimmte Frucht, die, wenn sie verbrennt, genau den Rauch erzeugt, der den weißen Rohgummisaft härtet. Die Angelegenheit sieht ein wenig aus wie ein Bonsai-Meiler.

Der Kautschuksammler hält während der Prozedur einen starken Stock über das Feuer und träufelt den Saft vorsichtig darüber, bis das Rohgummi sich wie ein fettes Schwein ohne Glieder über dem Feuer dreht. Die fertigen Rollen wiegen so viel, dass sie ein einzelner Mann kaum heben kann. Sie werden mit Schiffen nach Riberalta geschafft.

Aus dem Reisetagebuch:

Die aufgehende Sonne, deren Strahlen durch die Bäume auf den Fluss fallen, ein toter Flussarm mit braunem Wasser, den Hunderte von Wurzeln überspannen, umrahmt von gewundenen Lianen, Bäume, die von Schlingpflanzen so eingepresst werden, dass sie Knoten bilden, um wachsen zu können. Der dunkelblaue und wolkenlose Himmel. Die Kautschuk-Hütte und der beißende Rauch, der aus ihr quillt, dahinter die dunkle Wand des Dschungels. Die Grillen, die abends an den Wänden sitzen und zirpen, was das Zeug hält, die zahllosen unbekannten Vogelstimmen, das ferne Gekreische von Affen. Schwärme blutdürstiger Moskitos. Und überall Ameisen, die wahren Herren des Urwalds.

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