Botschaft von Osama, reloaded

Screenshot

Ich hatte schon Zweifel angemeldet, ob die neue Audio-Botschaft von Osama bin Laden wirlkich von dem stammt oder nicht vielmehr von einem Stimmenimitator eines US-Geheimdienstes. Ich habe mir das Machwerk hier heruntergeladen (auf das Bild klicken, avi-Format, ca. 70 MB). Wer arabisch kann, sollte es übersetzen und mir verschlüsselt schicken, dann stelle ich das kehllautige Gesülze auch transkribiert online.

Israel-Lobby

Au ja. Ich schreibe für eine Zeitschrift, die „Teil einer vom Mossad bezahlten, weltweit agierenden jüdisch-zionistischen Israel-Lobby“ ist [Blog Jungle World].

Bei der DGAP („Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.“) heißt es: „So, wie in den Vereinigten Staaten jüdische Neokonservative und protestantisch-evangelikale Armageddon-Gläubige in der Lobby ein prekäres Bündnis eingegangen sind, so ist in Deutschland der Bogen weit gespannt: von der links-extremen Jungle World, der Zeitschrift Konkret und der ‚antideutschen‘ Linken bis zu den seriösen Atlantikern in den Zeitungen des Axel-Springer-Verlags. Publizistisch kommen noch die Blogger der ‚Achse des Guten‘ dazu, schließlich, am unteren Ende des Diskussionsniveaus, die Internetseite ‚Politically Incorrect‘, die sich nach eigenen Angaben als ‚proamerikanisch‘ und ‚proisraelisch‘ versteht.“

Habe gerade in meine Kontoauszüge geschaut. Die Zahlungsmoral des Mossad ist wieder sehr bescheiden. Ich kann mir noch nicht einmal ein vernünftiges T-Shirt kaufen.

Botschaft von Osama?

Gute Frage. Spiegel online gewohnt unjournalistisch, ohne die Quelle und den URL zu nennen: „In einer Tonbotschaft anlässlich des 60. israelischen Staatsjubiläums ergeht sich Osama Bin Laden in altbekannter Kampfrhetorik.“ Besser der Miami Herald: „This frame grab taken from a video message carrying the logo of al-Qaida’s production house as-Sahab and provided by IntelCenter, a U.S. government contractor monitoring al-Qaida messaging, shows a graphic used on the May 16, 2008, al-Qaeda’s as-Sahab Media release of a new video featuring an audio statement from Osama bin Laden to the people of the West about Israel’s 60th anniversary.“

Kritische Fragen stellt hintergrund.de: „Ganz anders verhält es sich, wenn die als ‚US-Institut SITE‘ bezeichnete Quelle wieder einmal eine angebliche Al Qaida-Drohung im Internet gefunden hat. DPA, AP, AFP, Reuters und Kollegen leiten diese Meldung gerne an alle Medien weiter. Und die drucken und senden die Nachricht zeitnah. Unverändert, unkommentiert, selten hinterfragt. Inklusive der vom ‚Institut‘ gleich mitgelieferten Übersetzung ausgewählter Textpassagen. Ohne Nachprüfung.“ Ich habe hier schon etwas zu dem ominösen Institut geschrieben: „Droht Bin Laden?“

Ich bin nicht mehr bereit, auch nur ein Wort über die „Botschaften“ Osama bin Ladens zu glauben, bevor sich der Mainstream der Medien nicht kritisch mit der Quelle beschäftigt. AFP gibt sie immerhin an: „Der Chef des Terror-Netzwerks El Kaida, Osama bin Laden, wird nach Informationen des US-Analyseunternehmens SITE eine Botschaft zum 60. Jahrestag der israelischen Staatsgründung veröffentlichen.“ Man könnte auch auf die Idee kommen, der ermordeten Benazir Bhutto zu glauben, die in einem Interview behauptet, ohne dass man das verifizieren könnte: „Bin Laden was Murdered“.

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, sondern nehme bei „journalistischen“ Produkten wie dem aktuellen Spiegel-online-Artikel zuerst Dummheit und Faulheit als Ursachen mangelnder Recherche an. Aber wieso trotten alle anderen hinterher? Wieso fragt niemand, ob der Kaiser nicht nackt sei? Ich versteh’s nicht….

Adventures in Marxism

Beim Lesen der neuesten Statistiken, die Entwicklung des Kapitalismus betreffend („Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter geöffnet“), versuchte ich mich daran zu erinnern, was Altmeister Karl Marx exakt zu dem Thema sagte. Seine ökonomische Theorie, wie die Wirtschaft funktioniere, sieht man vom chiliastischen Unfug wie der „Diktatur des Proletariats“ ab, ist bis heute nicht widerlegt worden und wird immer wieder auf’s Neue durch Fakten bestätigt. Die New York Times hat dazu jüngst ein kluges Buch empfohlen: „Adventures in Marxism“. Das Thema kann in Deutschland leider nicht rational diskutiert werden, weil der Mainstream der Medien sowohl zu feige dazu ist als auch die Totalitarismus-Doktrin („Rot gleich Braun“) als inoffizielle Staatslehre und -religion dem entgegensteht.

Aber ich schweife ab. Die Fakten: „13 Prozent der Deutschen sind arm. Die Einkünfte der Reichen seien gewachsen, während die Einkommen im unteren Bereich leicht sinken würden und im mittleren Bereich stagnierten. Als reich gelte, wer als Alleinlebender im Monat netto mehr als 3418 Euro zur Verfügung habe oder als Familie mit zwei Kindern mehr als 7178 Euro netto im Monat. ‚Arm ist, so definiert es die EU, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, also 781 Euro netto‘, sagte Scholz.“ Dann bin ich übrigens zwar nicht immer, aber doch manchmal arm.

Karl Marx schreibt in „Das Elend der Philosophie“ (geschrieben 1846/47): „Von Tag zu Tag wird es somit klarer, daß die Produktionsverhältnisse, in denen sich die Bourgeoisie bewegt, nicht einen einheitlichen, einfachen Charakter haben, sondern einen zwieschlächtigen; daß in denselben Verhältnissen, in denen der Reichtum produziert wird, auch das Elend produziert wird; daß in denselben Verhältnissen, in denen die Entwicklung der Produktivkräfte vor sich geht, sich eine Repressionskraft entwickelt; daß diese Verhältnisse den bürgerlichen Reichtum, d.h. den Reichtum der Bourgeoisklasse, nur erzeugen unter fortgesetzter Vernichtung des Reichtums einzelner Glieder dieser Klasse und unter Schaffung eines stets wachsenden Proletariats.“ Das ist vermutlich unstrittig. Nur die reaktionären Apologeten, die vom „Reichtum für alle“ im Kapitalismus träumen, werden widersprechen. Nur haben die keine Ahnung von Ökonomie.

Sehr hübsch auch Marxens Sätze über die „Humanitäre Schule“ (das ist ungefähr das, was die linke SPD und die „Linke“ wollen): „…welche sich die schlechte Seite der heutigen Produktionsverhältnisse zu Herzen nimmt. Diese sucht, um ihr Gewissen zu beruhigen, die wirklichen Kontraste, so gut es eben geht, zu bemänteln; sie beklagt aufrichtig die Not des Proletariats, die zügellose Konkurrenz der Bourgeois unter sich; sie rät den Arbeitern, mäßig zu sein, fleißig zu arbeiten und wenig Kinder zu zeugen; sie empfiehlt den Bourgeois Überlegung in ihrem Produktionseifer.“ Genau. „Gegen Sozialabbau“, gegen das gierige Finanzkapital und dergleichen Blödsinn mehr. Marx hätte sich totgelacht.

Aber leider hat die heutige Jugend verlernt, lange, komplizierte und anspruchsvolle Texte zu lesen. Wäre das anders, empfähle ich ein gutes Buch eingehend zu studieren.

Bomben auf Burma

Tagesspiegel (14.05.2008): „Wolfgang Neskovic, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, will die katastrophale Versorgungssituation nach dem Wirbelsturm in Birma notfalls mit einem militärischen Einsatz lösen.“

Bin ich denn nur noch von Irren umgeben? Wen ich wählen soll, weiß ich eh nicht mehr….Jetzt dreht auch noch Neskovic durch.

Reichsarbeitsdienst, reloaded

Reichsarbeitsdienst

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will laut Spiegel online die Reichs…äh…Bundesarbeitspflicht wieder einführen: „Das Modell des Wirtschaftsministeriums sieht vor, dass Empfänger von staatlichen Lohnersatzleistungen, vor allem Arbeitslosengeld II, als Gegenleistung zu einer Arbeit für die Gemeinschaft verpflichtet werden.“ Das hatten wir schon einmal von Wolfgang Clement gehört, der vor drei Jahren von Parasiten sprach. Damals schrieb Spiegel online: „Das Maßnahmenpaket sieht Presseberichten zufolge unter anderem verstärkte Hausbesuche, Datenabgleiche mit den Finanzämtern und Kontrollen derArbeitsbereitschaft durch Trainingsprogramme mit Anwesenheitspflicht vor.“ Arbeit macht eben frei. Du bist nichts, die Volksgemeinschaft ist alles. Und deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen.

Blutrache | Schlicht, schlichter, am Schlichtesten

Ein aufmerksamer Leser dieses kleinen Blogs wies mich auf einen Artikel der Berliner Morgenpost hin, der ein „Problem“ in Berlin-Neukölln behandelt: „Familienfehden und Blutrache: Hassan Allouche schlichtet“.

„Für den Migrationsbeauftragten des Bezirks Neukölln, Arnold Mengelkoch, sind Friedensrichter Teil des Problems. ‚Diese Tradition aus arabischen Ländern läuft vorbei an unserer Polizei, unserem Jugendamt und unserer Justiz.‘ Gerade ausländische Familien mit niedrigem Bildungsgrad hätten wenig Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat. In ihren Heimatländern hätten sie die Polizei oft als korrupt erlebt und als ihren Feind wahrgenommen. Zudem kennen sich laut Mengelkoch viele Migranten nicht mit dem hiesigen Rechtssystem aus. Allouche begleitet sie auch bei Behördengängen.“

Ist doch super. Woher sollen Einwanderer aus arabischen Ländern denn wissen, dass die deutsche Polizei nicht korrupt ist? Außerdem empfiehlt das Quartiersmanagement am Rchardplatz Berlin-Neukölln „Schlichter“. Die Kiezzeitung Richard schreib in ihrer Ausgabe Mai/2008: „Konflikt-Sprechstunde: Im Kiezcafé bieten die Kiezmediatoren einmal monatlich eine Sprechstunde an. Die Gruppe ‚Schlichter Richard‘ will helfen, Konflikte zwischen Nachbarn im Kiez friedlich zu lösen. jeden 1. Dienstag im Monat: 16-17 Uhr(…) Koordinatorin Marion Moustache-Borchers: Tel. 0157-74210513, schlichter-richard@gmx.de.“

[Natürlich kann ich mir den absolut blöden Witz nicht verkneifen: Wer so heißt, kann bestimmt gut schlichten.]

Vielleicht sollte sich Hassan Allouche [Youtube] „Mediator“ nennen, damit das ZDF nicht so herumblödelt. Übrigens halte ich die schusssichtere Weste für eine bloße Attitude und die Geschichte mit der „Blutrache“ für frei erfunden. Aber das ZDF hat sie nicht recherchiert, sondern erzählt sie unkritisch nach. Für mich ist das ein Märchen eines orientalischen Geschichtenerzählers, dem das ZDF und andere Medien auf den Leim gegangen sind.

Zu den Traditionen des Rechts im Orient und zur Blutrache, die eindeutig vor-islamisch ist, gibt es wissenschaftliche Aufsätze online. Aber das überfordert deutsche Medien natürlich. Zum Beispiel „Konflikte und Konfliktregelung in Gesellschaften des Nahen Ostens“: „Darüber hinaus ist jedoch bei der Ausgestaltung der Sanktionen das Spektrum an Elementen von Vergeltung, Mediation und Strafe genauso variabel wie im Strafrecht der westlichen Industriegesellschaften“. Oder der „Untersuchungsbericht Staatenlose Kurden aus dem Libanon“, der konstatiert, dass viele Menschen aus de Türkei in den Libanon geflüchtet sind, weil sie dort – im Libanon! – vor der Blutrache sicher sind, in der Türkei aber nicht. Aber ich wohne ja sehr bald selbst in Neukölln und kann dort vor Ort recherchieren.

Interessant übrigens die Statistik melderechtlich regististrierte Ausländer in Neukölln (2006). Ein knappes Viertel aller Neuköllner hat keinen deutschen Pass. Ich sag’s noch einmal: Wir haben zwar nicht genug Einwanderer, aber zu viele Ausländer. Bei den Rassisten und Völkischen flackert jetzt die trübe Birne im Gehirn, falls überhaupt vorhanden, kurz auf und verlischt dann mit enem leisen „Plopp“, weil sie dieser Satz intellektuell überfordert – wie ein kräftiger Fußtritt einen Flipper.

Chavez und die Lebenslüge der CDU

Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez weiß, was er sagt. Nur die taz hat das richtig erkannt: „Angela Merkel gehöre ‚der deutschen Rechten an, derselben, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat‘, sagte Venezuelas Ölsozialist in seiner TV-Show ‚Aló Presidente‚“.

Fazit: „Mit seiner Lust an der Polemik gelingt es Chávez oft, die eigentlichen Themen überhaupt erst in die Medien zu bringen.“ Exakt. Wenn er mal abdankt, müsste er eine Werbeagentur gründen. Die Medien insbesondere in Deutschland reagieren meistens nur reflexhaft – wer was hat sagen dürfen. Inhalte sind nicht immer relevant.

Übrigens hat Chavez auch inhaltlich Recht. Dazu habe ich am 19.11.2003 (vor fast fünf Jahren!) hier gebloggt: „Die Lebenslüge der CDU“. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Nachtrag: Offensichtlich doch, und es wird wieder ein Medien-Bashing daraus. Ein aufmerksamer Leser dieses kleinen Blogs wies mich auf einen Artikel im Tagesspiegel hin, der ironisch fragt: „Wir können Hitler und Merkel genauso vergleichen, wie wir Äpfel und Birnen hinsichtlich Form, Aroma, Farbe und Konsistenz vergleichen können. Nur: Was bringt das genau? Die Frage stellt sich neu, da Hugo Chavez, der venezolanische Staatschef, soeben etwas in dieser Richtung formuliert hat.“

Hat er nicht. So „in der Richtung“ eben nur. Chavez hat nicht Merkel mit Hitler verglichen, obwohl ihm das deutsche Medien unterschieben, sondern gesagt, dass a) Merkel der deutschen Rechten angehöre, was bekanntlich unstrittig ist und b) dass genau die Vorläufer dieser Rechten Hitler an die Macht gebracht hätten, was auch nicht ernsthaft angezweifelt werden kann – außer den von Totalitarismus-Theoretikern, die historisch falsch behaupten, die Weimarer Republik sei von den „Extremen“ beider Seiten um die Ecke gebracht worden. Aber die Totalitarismus-Doktrin des Kalten Krieges ist immer noch die „offizielle“ Staatsdoktrin – kein Wunder, dass die mehrheitlich apolitischen Kommentatoren jetzt herumeiern.

Irena Sendler – eine wahre Heldin

Irena Sendler

Wikipedia: „Als Krankenschwester für Epidemienkontrolle verschaffte Sendler sich Zugang zum Warschauer Ghetto und schmuggelte zusammen mit Helfern 2500 jüdische Kinder aus dem Ghetto, um sie in polnischen Familien, Klöstern und Waisenhäusern unterzubringen. Über Kontakte innerhalb des Wohlfahrtsministeriums erhielten die Kinder falsche Papiere. 1943 wurde Sendler von der Gestapo verhaftet und zum Tode verurteilt. Unter Folter – man brach ihr beide Arme – sollte sie die Namen der geretteten Kinder preisgeben, doch sie verriet nichts. Um eine spätere Zusammenführung der Kinder mit ihren Eltern zu ermöglichen, hatte Sendler verschlüsselte Namenslisten geführt und in Einmachgläsern unter einem Apfelbaum in einem Garten versteckt. Żegota konnte Irena Sendler durch Bestechungsgelder frei bekommen.“
[Vgl. auch Spiegel online: „Der Engel des Warschauer Ghettos“ sowie www.irenasendler.org.]

Die polnische Widertstandskämpferion Irena Sendler ist am 11. Mai im Alter von 98 Jahren gestorben. Ehre ihrem Angedenken!

Nach Ethnie trennen

Kann mir das mal jemand in Deutsch übersetzen? Spiegel online über eine Massenschlägerei unter Schülern in Los Angeles: „Die Polizei trennte die kämpfenden Schüler nach Ethnie“. In der Schule gebe es „afroamerikanische“ und ein „hispanische“ Schüler. Aber welche Völker sind das denn?

Stellenanzeige

Möchte jemand mithelfen, den Bundestrojaner zu entwickeln? Hier ist die passende Stellenanzeige beim BKA.

Möglicherweise ist etwas im Irak passiert

Suedddeutsche.de: „Irak meldet Festnahme von Al-Qaida-Führer“. (Seit wann kann „der Irak“ etwas melden – und wie macht er das?) Reuters: „Ministerium: Al-Kaida-Anführer im Irak gefasst“. Focus Online: „Irak: USA dementieren Festnahme von El-Kaida-Führer“. Spiegel online: „US-Armee dementiert Festnahme von Qaida-Kriegsminister“. Die Zeit: „Irak: Möglicherweise Al-Qaida-Führer gefasst“. Möglicherweise schreiben deutsche Medien viel zu schnell mit Agenturmeldungen das Internet voll. Möglicherweise recherchieren sie gar nicht. Und möglicherweise geben sie bloße Gerüchten als Nachrichten aus. Aber warum soll ich diesen Quatsch dann überhaupt lesen?

Krieg heißt jetzt Friedenserzwingung

Ein Artikel von mir auf Telepolis: „Die CDU/CSU steht mit ihrem Vorschlag, einen ‚Nationalen Sicherheitsrat‘ zu etablieren, isoliert da. Der vehemente Widerspruch der Sozialdemokraten und der Opposition ist jedoch nur Theaterdonner. Das am 6. Mai beschlossene Thesenpapier ‚Eine Sicherheitsstrategie für Deutschland‘ spiegelt nur die in sich widersprüchliche außenpolitische Praxis der deutschen Regierung wider, über die ungern öffentlich diskutiert wird.“

Stabreim gegen Rechts

Zeit online hat ein neues Portal „Netz gegen Nazis“ eingerichtet. Ich habe dafür zwei lexikalischen Artikel verfasst: Wie Rechtsextreme das Internet nutzen und Rechtsextreme im „Weltnetz“ – ein Überblick. Mehr zu der neuen Lichterketten-Website in Kürze, ich habe gerade zu viel zu tun. [Heise]

Alice, Harald, Ludwig und die Huren

grils

Alice Schwarzer hat den Ludwig-Börne-Preis erhalten. Harald Schmidt hielt die Laudatio: „Warum ich in den Feminismus eingetreten bin“.

Wenn alle – sich gegenseitig lobend – übereinander herfallen, ist Misstrauen angesagt. Es ist natürllich völlig wurscht, wer welchen Preis kriegt. Börne leitete in seinen Schriften „die Notwendigkeit einer Revolution in Deutschland ab“. Schwarzer macht das nicht, sondern unterstützt Angela Merkel, die BILD-Zeitung und die viktorianische Prüderie. Schwarzer sei eine „schlicht denkende Übermutter“, schreibt die gewohnt streitbare Katharina Rutschky in der Berliner Zeitung.

Die meisten Medien nehmen die Agenturmeldungen. Dort steht dann wortgleich am Schluss: „Vor der Zeremonie hatte ein Frankfurter Hurenverein gegen die Vergabe des mit 20.000 Euro dotierten Preises an Schwarzer protestiert. Mit ihrer Kritik am seit 2002 geltenden Prostituiertengesetz habe sich Schwarzer von einer ‚Rebellin‘ zu einer ‚Demagogin‘ gewandelt“.

Da deutsche „Online“-Medien keine Links setzen, weil sie entweder zu faul sind oder sich vor dem Internet fürchten, musste ich mir die Website des Vereins selbst suchen. Das war nicht einfach. Hier der Link zu den Sexworker News. Der Verein heisst Doña Carmen e.V., und hier ist der Aufruf zur „Kundgebung gegen rechtskonservativen Polizeifeminismus und primitiv rassistische Prostituierten-Hatz“.

Da ich heute ganz friedlich gestimmt bin, illustriere ich dieses kleine Posting nur mit virtuellen Sexarbeiterinnen. Ich könnte auch anders, um etwas zu Schwarzers völlig reaktionärer, also unrevolutionärer Haltung zum Thema Pornografie zu sagen.

Die Lehre aus den Krawallen in Hamburg

Ein Artikel von mir auf Telepolis: „Rechte und Linke haben sich gegenseitig verhauen und mit der Staatsmacht geprügelt. Zu erwarten ist daher ein medialer Diskurs mit den sattsam bekannten Textbausteinen über ‚gewaltbereite Chaoten‘ sowie Schuldzuweisungen an Justiz, Polizei und Politik. Das aber können nicht die Lehren des 1. Mai in Hamburg sein.“

Kauft nicht bei Kopelke

Dieser Artikel von mir erschien am 03.05.2008 in der taz [Kommentare] unter der Überschrift „Blümchenshorts des Bösen“. Das ursprüngliche Manuskript wurde verschlimmbessert und ein wenig „entschärft“, daher hier das Original. Die taz setzt selbstredend auch keine Links.

Die Marke Thor Steinar ist eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. Seit einem halben Jahrzehnt verkauft die Firma MediaTex Axel Kopelkes aus Königs Wusterhausen Textilien für die Dame, den Herrn und auch für Kinder. Die Symbole auf der Kleidung sind jedoch vielen Menschen ein Dorn im Auge. Sie sehen wie germanische Runen aus. Da muss man doch was tun?

Diese Zeichen – etwa die Tiwaz- oder die Gebo-Rune – bedeuten an sich nichts, sie sind genauso „nordisch“ oder „völkisch“ wie blondes Haar oder blaue Augen. Es könnte aber sein, befürchten die runenkundigen Gegner der Marke, dass Neonazis dabei etwas Neonazistisches denken und, trügen sie diese Textilien, sich gegenseitig als Neonazis erkennten. Das wäre wiederum nicht gut. Keinen Fußbreit den Faschisten undsoweiter. Man muss also mahnen, warnen, sich empören, entlarven und mindestens Lichterketten werfen gegen die Läden im Beitrittsgebiet, die das einschlägige Sortiment führen.

Es geht die Mär, dass durch Symbole rechtes Gedankengut in die Köpfe transportiert werden könnte. Im Land, das den protestantischen Bildersturm erfunden hat, ist ein Kampf um Symbole in der Regel in der Regel hoch emotionalisiert und regt die Leute mehr auf als politische Inhalte. Wer aber glaubt, dass Runen auf Hemden, Pullis und Jacken wie die von Thor Steinar politisch „wirken“, huldigt primitiver Magie und könnte genausogut an Gespenster glauben oder in eine katholische Messe gehen. Symbole unter Strafe zu stellen ist also eine Art Regenzauber wie der Internet-Disclaimer oder das Weihwasser.

Völkerkundler wissen das: Ein beliebiges Zeichen beeinflusst erst dann die Gruppendynamik, wenn die Mitglieder sich a priori und oft unbewusst darauf verständigt haben, beim Anblick der Symbole etwas zu empfinden. Ein Baby sieht bei einem Hakenkreuz schwarze Striche, ein Inder ein Symbol für Glück, und der Deutsche, gehört er zu den sittlich Gefestigten, gruselt sich, wie es sich moralisch gehört.

Zur Erinnerung, weil nicht immer stimmt, was in der Zeitung steht: Die Marke Thor Steinar war nie verboten. Das Tragen der Kleidung ist nie rechtskräftig zum Strafttatbestand erklärt worden. Keines der vom Label benutzen Symbole ist verfassungsfeindlich. Über 200 Strafverfahren wegen Thor Steinar wurden eingestellt. Der Verfassungsschutz hat nie behauptet, dass Rechtsextremisten der Firma angehörten. So what?

Für Werbefachleute wäre Thor Steinar ein Leckerbissen: Alles, was man einer Marke wünscht und was bei einer Marketingkampange viel Geld kostet, wurde dem Label durch seine Gegner gratis und frei Haus geliefert: Mediale Aufmerksamkeit durch ständige Proteste, Schärfung des Profils durch popkulturelles Geraune: „Rechter Schick“, „Kultmarke“ „Designermarke“, ein eigener Eintrag bei Wikipedia mit detaillierter Produktbeschreibung: „martialisch“, „Streetwear“, Neugier bei der potenziellen jugendlichen Kundschaft: „ein ehemaliger Mitarbeiter hat schon einmal ein Rechtsrock-Konzert besucht“, juristischer Persilschein, ein Gütesiegel durch die Dauerskandalbehörde Verfassungsschutz, Thor Steinar sei „identitätsstiftend“, als wichtigtes Merkmal für Attraktivität bei Underdogs: Im Bundestag und sogar im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist es verboten die Kleidung diesen Labels verboten zu tragen. Ein Sweatshirt aus Königswusterhausen ist offenbar gefährlicher als ein Taschenmesser – das würde einem im Parlament nicht abgenommen.

Was will man mehr: Wer trotz der öffentlichen Hysterie um Thor Steiner und der saftigen Preise die Textilien erwirbt, besitzt Kleidung, die es garantiert nie von der Stange und im Kaufhaus geben wird, sondern, wie auch die klassischen Labels der Skinheads – Fred Perry, Ben Sherman, Lonsdale oder Everlast -, den Träger zu einem Mitglied einer Gruppe von Eingeweihten macht, die sich untereinander erkennen. Sie fühlen sich behaglich wie Besitzer einer seltenen Automarke, die sich auf der Straße mit ihren Gefährten zufällig begegnen und sich flüchtig grüßen, obwohl sie sich nicht kennen. Thor Steinar – da weiß man, was man hat. Genau das beflügelt den Verkauf.

Schaut man sich das Thor-Steiner Angebot im Katalog an, ist erstaunlich, wie fantasielos die Produktpalette ist: Das „Top Turboelfe“ für „Mädels“ hört sich an wie ein Accessoire für Opel-Manta-Fahrer, „Shorts Sigrid“ klingt wie ein Regal einer schwedischen Möbelfirma, die wetterfeste Kleidung für Jungs besteht im wesentlichen aus aufgebrezelten Bomberjacken, die Feinstrickpullis erscheinen wie eine Mischung aus Matrose gewollt, aber nicht gekonnt und einem Outfit für Hooligans im Seniorenheim. Ganz mulitkulti kommen die Blümchenshorts (für Männer!) „Samoa“ und „Sansibar“ einher. Modebewusste Rechtsextremisten mit prallem Geldbeutel tragen offenbar kein Feinripp mehr. Das lässt immerhin hoffen für die doitsche Leitkultur. Dann gibt es noch die Farbauswahl schwarz, weiß und rot. Ein Schelm, wer überhaupt was dabei denkt.

Zugeben: Diejenigen, die sich an den Kampagnen gegen Thor Steinar beteiligen, meinen es gut. Das ist aber keine Ausrede: Die Zeugen Jehovas meinen es auch gut. In Wahrheit schlummert hinter der Attitude, eine clevere und politisch zynische Geschäftsidee mit Mitteln des Strafrechts oder gar mit Gewalt bekämpfen zu wollen, der typisch deutsche Obrigkeitsstaat, den auch die Linken und Lichterkettenträger allzugern immer wieder herbeiwünschen: Der Staat muss doch gegen das Böse, hier: Thor Steinar, hart durchgreifen?! Melde gehorsamst: Nazi-Kleidung und gefährliche ultrabraune Symbole entdeckt! Bitte Verbot durchführen!

Es dürfte sich auch bei der Räuber-und-Gendarm-Antifa herumgesprochen haben, dass mittlerweile eindeutig zweideutige Mimikri auch zum Reportoire der ganz braunen Kameraden gehört. Ein Rassist und Antisemit kann, wenn es hip sein soll, auch ein Che-Guevara-T-Shirt tragen, und ein Pali-Tuch sowieso. Es gibt keine subkulturelles Zeichen mehr, die politische Ideen eindeutig beschreiben. Das ist auch gut so: Wer Symbole umdeutet, sie flexibel einsetzt, schwächt ihre stringente Bedeutung im kulturellen Kontext. Was die Böhsen Onkelz für die Musik, ist Thor Steinar für Klamotten: Kompatibel für den rechten Rand, für den „White Trash“, für die Verlierer mit Trotzhaltung und für die nur gefühlt bösen Jungs, die am liebsten ihr Wohnzimmer mit deutscher Eiche ausstaffierten.

Wie sehen die Kunden von Thor Steinar sich selbst? Darauf gibt eine Umfrage auf der Website Auskunft: „Mit überwältigender Mehrheit stuften sich die Käufer der Marke als politisch uninteressiert oder in der Mitte der Gesellschaft befindlich ein.“ Was zu beweisen war: Wer Thor Steinar trägt, ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit für rechtspopulistische Parolen empfänglich und steht politisch genau dort, wo Rassismus und Antisemitismus ihre stärksten Wurzeln haben – mittendrin in Deutschland.

Offline-Durchsuchung

Annalist: „Die Durchsuchung unserer Wohnung hat etwa 15 Stunden gedauert. Genau genommen nicht ganz so lange, denn die eigentliche Durchsuchung fing erst Stunden nach der Stürmung und Andrejs Festnahme an. Mir wurde dazu erklärt, dass nur das BKA durchsuchen könne, und weil aber Meckenheim so weit von Berlin entfernt ist (dort sitzt die Abteilung Linksextremismus des BKA) dauert es, auch bei Tempo 200 und mit Blaulicht über die Autobahn (so der Fahrer mit leuchtenden Augen) eben ein paar Stunden nach Berlin. Die Herren Durchsucher waren wie gesagt eine ganze Weile in unserer Wohnung, und nach und nach haben sie dann auch dies und das erzählt.“ [mehr…]

Vertrauen ist nicht gut! | Ethno-Zoo

Ein Artikel von mir in der Jungle World über den BND-Skandal – zur Zeit nur in der Printausgabe (kaufen!) Übrigens empfehle ich einen sehr interessanten Artikel von Ivo: „Dänen, Sorben, Rastafaris“. Ich wollte ihm sofort wiedersprechen, aber ich glaube, ich muss mir schon noch genau überlegen, was ich dazu sage….

Zeit des Märtyrertums

sehadet vakti

„Auf einer islamistischen Website“ ist bekanntlich ein Running gag. Danach kommt in deutschen Medien, wie ich mehrfach anzumerken pflegte: Wir haben uns das angesehen, festgestellt, dass unser Publikum angesichts der Inhalte sittlich gefährdet würde, und deshalb verraten wir ihm nicht die Adresse. Wir, die Journaille der Leitmedien, sind hingegen immun gegen Propaganda der islamistischen und sonstigen Art.

Heute wieder Spiegel online: „Im Internet ruft der deutsche Islamist Eric B., der in Pakistan oder Afghanistan vermutet wird, Gesinnungsgenossen zum Dschihad auf. Das Video alarmiert die deutschen Behörden.“ Immerhin zeigen sie uns das Filmchen. Aber ich hätte schon gern gewusst, woher sie das geklaut haben (Terroristen führen bekanntlich keine Prozesse wegen Urheberrechtsverletzungen).

Also suchen wir selbst. Es handelt sich um die „für ihre Propagandarolle berüchtigten türkischen Internetseite ‚Zeit des Märtyrertums‘.“ Ich kann kein Türkisch, weiß also nicht, wonach ich suchen soll. Eine Anfrage bei Google ergibt einen älteren Artikel von Spiegel online – „eine Internetseite, die schon vorher von Sympathisanten der Islamischen Dschihad Union aus Usbekistan (Islamic Jihad Union, IJU) benutzt wurde“, findet man da. Über die ominöse Gruppe Islamic Jihad Union hat Telepolis einen ganzen Artikel verfasst: „Terrorgruppe oder Geheimdiensterfindung“? Das ist in der Tat die Frage. Man sollte Craig Murrays Blog dazu aufmerksam lesen.

sehadet vakti

Nach der Eingabe einiger exakter Zeichenketten habe ich dann die Website Sehadet Vakti gefunden. Bingo. Monitor berichtet: „Eine eigene Website im Internet gibt es nicht, nur einen Eintrag auf der türkischsprachigen Jihadistenseite „Sehadet Vakti“. Die ist eine Art Sammelbecken von Hasstiraden und Videos aus dem bewaffneten Kampf.“

ZEIT online gibt zu, dass „der Südwestrundfunk und die ‚Bild‘-Zeitung“ über das Video berichtet haben, ist aber nicht in der Lage, die Original-Quellen zu verlinken. [Pfui! Ihr seid doof.] „Das Video ist offenbar erst seit wenigen Stunden im Netz“, heisst es beim SWR. Der SWR hat ihre Infos aus den „Sicherheitskreisen“, die offenbar die Infos der Journaille aus eigenem Interesse gesteckt haben.

Jetzt habe ich wieder nach einem anstregenden Tag, an dem ich acht Stunden lang junge JournalistInnen in der Internet-Recherche ausgebildet habe, auch noch meine Zeit verschwendet, um das zu tun, was die verdammte Pflicht eines jeden Online-Journalisten gewesen wäre. Gebt mir die Quellen! Gebt mir Links, Links, Links!

image_pdfimage_print

← Next entries — Older entries