Jugend“schutz“ verschlimmbessert
Zeit online schreibt: „Zukünftig sollen Medien indiziert werden, in denen entweder Gewalthandlungen wie Mordszenen „selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden“ oder „Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird“.
Ach ja. Virtuelle Selbstjustiz übe ich besonders gern – habe ich zahllose Male im obigen Spiel gemacht. Dem Schoß übrigens, aus dem die Meinung kroch, die Jugend müsse vor Spielen „geschützt“ werden ist derselbe, aus dem die protestantische Prüderie, das paternalistische Getue, der Jugendschutzwart und die Prohibition entsprangen.
Ceterum censeo: Die spinnen, die Jugendschutzwarte.
Kruzifix – was mach’ ma mit dem Latten-Gustl?

Mein Tagesablauf sieht zur Zeit so aus: Sechs Stunden schreiben (Montag gebe ich endgültig das Manuskript ab – und das Expose für das nächste Buch sollte auch schon längst fertig sein). Vier Stunden Wände, Türen, Decken, Fußböden streichen (in zwei Wochen müssen wir umgezogen sein). Zwei Mal täglich, insgesamt rund zwei Stunden, mit Tölchen aka Ajax vom Teufelslauch herumstreunen, derweilen Frauchen ihrer Examensarbeit den letzten Schliff gibt (Abgabetermin: Montag). Ich habe das Telefon noch nicht umgemeldet; hoffentlich sind wir nicht Ende des Monats ein paar Tage offline.
Zwischendurch nehme ich auch Politik et al zur Kenntnis. Heute habe ich mich entschlossen, dass ich vorerst nicht wieder die Grünen wählen werde: Eine Partei, die sich nicht traut, sich mit den Verehrern höherer Wesen anzulegen, finde ich nur noch lächerlich. Hü und hott – was kümmert die ihr Geschwätz von gestern: „Die Landtags-Grünen dagegen verteidigten gestern den umstrittenen Beschluss, wonach alle religiösen Symbole aus den Schulen verbannt werden sollen.“ – „Nach massiver Kritik von allen Seiten haben die Grünen ihren umstrittenen Parteitagsbeschluss gegen religiöse Symbole in Schulen relativiert.“
Feige Bande. Immer wieder schön zu lesen: „Kruzifix – was mach’ ma mit dem Latten-Gustl?“
Und wen soll ich jetzt wählen? Etwa Die Partei hat immer recht?“ Nö. Die auch nicht.
Entchristianisierung und Entbürgerlichung
Junge Welt: „Auf einer Reise durch befreite Gebiete in Ostdeutschland stieß der Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung Gustav Seibt auf un-westdeutsches Benehmen der Eingeborenen. (…) ‚Bezeichnend ist auch, daß nicht einmal mehr der gebildete Geschichtsrespekt, der in Museen noch verlangt wird, hier gilt. So zeigt sich im entprotestantisierten Milieu nordostdeutscher Landstriche das Ergebnis des doppelten Kulturvorgangs der letzten zwei Generationen: Entchristianisierung und Entbürgerlichung. Zurück bleiben Arbeitnehmer, die sich das Recht auf Pause nicht nehmen lassen mögen, oder Aufseher, die das Publikum gerne schurigeln und zum Dienstschluß hinauswerfen, kurz: die Überlebenden des sozialistischen Experiments. (…) Jedenfalls in den nördlichen Gebieten der DDR wird dem, der sich – immerhin gegen Bezahlung – bedienen lassen will, signalisiert, daß dies eigentlich illegitimer Klassenhochmut sei. Daß in einer modernen Marktgesellschaft Dienstleistungen austauschbare Rollen sein könnten, nicht aber ständische Rangverhältnisse bedeuten, ist nicht angekommen. Zwischen Elbe und Oder war der Klassenkampf erfolgreich. Jedenfalls zeigt die im demographisch ausgedünnten, ökonomisch verzweifelnden Osten verbreitete Patzigkeit und Unfreundlichkeit, daß die Egalität vielleicht noch nicht die höchste Weisheit des Zusammenlebens ist.'“
Privacybox für Whistleblower und Journalisten vorgestellt
Heise.de: „Die German Privacy Foundation hat im Büro des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix die PrivacyBox vorgestellt. Die mit Open-Source-Software programmierte Box ist ein mit jedem Browser zu erreichendes Web-Formular, das Journalisten, Bloggern sowie ihren Informanten und Hinweisgebern („Whistleblower“) eine anonyme und vorratsdatenfreie Kontaktmöglichkeit anbietet.“ [mehr]
Kampf gegen Rechts: Das Ergebnis
Spiegel online: „Die NPD hat ihr Ergebnis bei den Kommunalwahlen im Vergleich zu 2004 vervierfacht. In der Gemeinde Reinhardtsdorf-Schöna [Wikipedia] stimmten sogar mehr als 25 Prozent für die Rechtsextremen.“
FTD.de: „Die NPD kam bei den Kreistagswahlen dem Zwischenergebnis zufolge auf 5,3 Prozent der Stimmen. Vor vier Jahren hatte die Partei in einzelnen Regionen wie der Sächsischen Schweiz zwar bis zu 9,1 Prozent erzielt, erreichte im Landesschnitt aber lediglich 1,3 Prozent. In dem neu gebildeten Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge kam sie nun auf 8,4 Prozent und rangiert damit noch vor der SPD, die lediglich knapp sechs Prozent erhielt“.
[Statistisches Landesamt Sachsen]
Nachtrag: Die Nazis (Altermedia.info) jammern: „Nicht schlecht, aber auch nicht gut…“ Spiegel online hingegen spricht aktuell von einem „historischen Erfolg“ der NPD: „Bei der Wahl vom 13. Juni 2004 hatte die NPD landesweit etwa 41.000 Stimmen erreicht. Diesmal waren es rund 160.000 Stimmen.“
Braune Hilfe
Der aktuelle Spiegel (24/2008) bringt auf S. 16 wieder eine der typisch deutschen Nonsens-Meldungen über Nazis im Internet. Überschrift: „Nazi-Propaganda im Knast“. Textbaustein eins: „die Vernetzung (wer hätte das gedacht!) und Untersützung inhaftierter Neonazis hat Verfassungsschützer alarmiert.“ (Wer hätte das gedacht! Alarm! Alarm! Warnen und Mahnen! Mit Sorge beobachten!)
Offenbar ist der Spiegel gebrieft worden, um deren PR zu übernehmen. Textbaustein zwei (melden, durchführen, verbieten) „Sie suchen nach Wegen, um gegen eine Website vorzugehen, auf der zur Solidaität mit verurteilten ‚Kameraden‘ aufgerufen wird.“ Die Schlapphüte wollen also eine Website abschalten. Warum eigentlich und mit welchem Ziel? Darüber wird in solchen sinnfreien Artikeln nie reflektiert.
Und jetzt wird es komisch: „Das erweist sich als äußerst schwierig – die Homepage ist auf einem Server in den USA abgespeichert.“ So was Dummes aber auch. Dort denkt man nicht daran, politische Meinungen zu zensieren. „Offenbar“ sei ein Neonazi aus Aurich für die Website verantwortlich, gegen den wird verzweifelt ermittelt. SCNR: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dieser Neonazi ein Spitzel des Verfassungsschutzes ist.
By the way: Der Spiegel geruht natürlich nicht, den Leser mit Informationen oder Links zu belästigen. Das könnte zwar nicht die Redakteure, wohl aber die Leser sittlich gefährden. Da das hiesige Publikum aber medienkompetenter und weltanschaulich gefestigter ist als ein durchschnittllicher Spiegel-Leser, hier noch einmal der Link zum JVA Report und zur so genannten „Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene e. V. (HNG).“
Jugendschutzwarte: Boom rechter Websites
Unseriöser konnte die Berichterstattung nicht sein: Ausgerechnet jugendschutz.net wird als einzige (!) Quelle für die fragwürdige These in den Medien zitiert, die Zahl ultrarechter Websites steige an. Das Gegenteil ist der Fall. Geradezu lächerlich ist die schon zahllose Male gelesene Meldung von Spiegel online: „Neonazis verschärfen Hetze im Netz“. Vielleicht sollte man die Abschreiber daran erinnern, dass ein Journalist mindestens zwei unabhängige Quellen für eine Behauptung haben sollte, bevor er oder sie etwas publiziert. Aber bei Public Relations der Jugendschutzwarte – und um genau das handelt es sich – heißt es bei deutschen Medien in der Regel nur: Kopf ab zum Gebet und nicht an die Fakten denken.
Vgl. meine Arikel auf Telepolis: „Geheim: Nichts Neues bei den Neonazis“ und aus der Netzeitung: „Neonazis – zu blöd zum Bloggen“.
„Der Zweck des Staates ist die Wahrung der Freiheit“
Dokumentation: Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts: „Über das Spannungsverhältnis von Freiheit und Sicherheit aus verfassungsrechtlicher Sicht“ – Ein Vortrag auf der Tagung „Freiheit und Sicherheit – Verfassungspolitische Dimensionen“ der Akademie für Politische Bildung Tutzing am 30. Mai 2008.
Attitude und alles Mögliche
Heute beschäftigen wir uns nicht mit Aptitude, sondern mit Attitüde. Ich frage mich übrigens, wer warum dieses Blog liest. Wen interessieren meine private Hundefotos und was ich sonst so hier verbreite? Ist ja auch wurscht. Ich blogge einfach ziellelos und unkoordiniert vor mich hin. Auch die beiden Bilder sind ohne Zusammenhang und haben nichts mit dem Text zu tun (eine Sprengung einer Raumstation in Second Life und Tölchen im Garten meiner Eltern im Grunewald).
Wer Second Life hier vermisst: Meine Grafikkarte hat den Geist aufgegeben und die 3D-Welt sieht jetzt eher aus wie 2D oder das World Wide Web mit Lynx. Macht zur Zeit keinen Spaß. Ich werde aber demnächst einen großen Teil meines Landes in Chokki verkaufen und auf eine eigene SIM ziehen. Die Verhandlungen laufen schon.
Über den Telepolis-Artikel „Schonfrist für den Nazi-Nachwuchs“ habe ich mich kräftig geärgert. Diese Räuber-und-Gendarm-Attitude ist doch lächerlich. Allein schon der Vorspann sagt alles: „Die ‚Heimattreue Deutsche Jugend‘ erregt seit Jahren die Aufmerksamkeit von Polizei und Verfassungsschutz. Doch ein Verbot der rechtsextremistischen Organisation lässt auf sich warten“ Was „Aufmerksamkeit erregt“, sollte einem bei dem gemeinhin hysterischen Mediendiskurs in Deutschland an einem Körperteil vorbeigehen, der hier nicht näher bezeichnet werden soll. Der alarmistische Erregungszustand, der bei den Lichterkettenträger per default in Permanenz gesetzt ist, ist keine Politik, sondern folgenlose und sinnfreie Moralthologie. Zum Zweiten ist der Verfassungsschutz bei denkenden Menschen keine seriöse Quelle. Was er sagt, meint und wovor er warnt, sollte einfach nicht beachtet werden. Und drittens bringt mich der Tesxtbaustein „ein Verbot lässt auf sich warten“ erst richtig in Rage. „Melde gehorsamst, mein Führer Schäuble: ‚Heimattreue Deutsche Jugend‘ entdeckt, bitte Verbot durchführen!“ So denkt diese Art von „Linken“, die nach dem starken Staat rufen, wenn es gegen Nazis gehen soll. Wenn man dieses Gefasel kritisiert, machen die gleich auf beleidigte Leberwurst. Wer links ist, fordert nicht den Staat zu Verboten auf. Basta.
Nun zu etwas Erfreulichem – der Spitzelaffäre bei der Telekom: Ein Bericht im Handelsblatt demonstriert, warum immer alles rauskommt. „Network-Chef Ralph Kühn hatte den Bonner Konzern in einem zwei Wochen zuvor bei der Telekom eingegangenen Fax erpresst. Darin drohte er, die Hauptversammlung massiv zu stören und der Presse mitzuteilen, dass er im Auftrag des Konzerns illegal Telefonate zwischen Aufsichtsräten und Journalisten abgeglichen habe. Mit dieser Botschaft drängte Kühn darauf, dass die Telekom endlich seine Rechnung von Mitte Februar über insgesamt 650 000 Euro bezahlen solle und ihm darüber hinaus Schadensersatz zustehe. Nach dem Eingang dieser Drohungen hat der Konzern nach Informationen des Handelsblatts aus dem Konzernumfeld Kühn kurz vor dem Aktionärstreffen 174 000 Euro angewiesen; offenbar in der Hoffnung, Kühn wenigstens für die Hauptversammlung ruhigzustellen.“
Wie dämlich kann man als Manager bei der Telekom eigentlich sein? Man zahlt eine sechsstellige Rechnung für äußerst schmierige Dienstleistungen nicht oder zerstreitet sich mit demjenigen, der legal, illegal, scheißegal, andere Leute bespitzeln soll, und wundert sich dann, dass die Presse davon Wind bekommt. Das Motiv von Informanten, die über Skandale auspacken, ist immer egoistisch – sie wurden verärgert, verprellt oder sind sonstwie sauer. Einer quatscht immer.
Apropos quatschen. Tölchen aka Ajax vom Teufelslauch quatscht nicht und bellt auch nur einmal in der Woche, wenn er sich vor irgendwas erschreckt oder ihm etwas Ungewöhnliches begegnet. Zum Beispiel findet er Autos, deren Kühlerhauben offenstehen, doof und unordentlich: Sowas gehört sich nicht. Man bzw. hund muss daher die Kühlerhaube anbellen. Der eingebaute Hundeinstinkt sagt ihm: Wenn es heiß ist, musst du in den Schatten. Als die Evolution das so festgelegt hat, gab es noch keine Möbel. Tische und Schreibtische sind für Tölchen also wie Büsche oder Höhlen. Deswegen legt er sich auch in der Wohnung immer unter einen Tisch, weil die Gene ihm irrig einflüstern: Da ist Schatten, legt dich dahin.
„Mein Kampf“ bald in der Buchhandlung?
Rheinische Post: „Gift für die Demokratie – oder einfach nur ein schlechtes Buch? In Deutschland wird diskutiert, ob Hitlers Bekenntnisschrift neu herausgegeben werden sollte. Ein Plädoyer für eine wissenschaftliche Edition. (…) Historiker haben deshalb eine kommentierte Neuausgabe angeregt.(…) Der Zentralrat der Juden ist für eine kommentierte Neuausgabe, der Publizist und Historiker Rafael Seligmann fordert gar völlige Freigabe. Auch wenn prominente Juden für eine Edition eintreten – der Freistaat Bayern lehnt ab. Begründung: Respekt vor den Opfern des Holocaust. Außerdem hat sich der Fachbereichsleiter Printmedien der Bundeszentrale für politische Bildung gegen die Pläne ausgesprochen. Hans-Georg Golz, ebenfalls Historiker, zweifelt am Sinn einer Neuedition. Er frage sich, was man damit erreichen wolle, sagte Golz im Deutschlandfunk. So ein Argument aus Wissenschaftlermund überrascht. Denn welchen Nutzen eine Arbeit hat, erweist sich oft erst im Nachhinein. Und wenn die Wissenschaft wirklich der Wahrheitssuche verpflichtet ist, wie jeder Studienanfänger lernt, dann ist eine Edition von „Mein Kampf“ geradezu Historikerpflicht. Auch wenn und gerade weil es kein Buch wie jedes andere ist.“ (…)
Mit begrenztem Nutzwert
Ein Artikel von mir in der Jüdischen Allgemeinen (29.05.2008): „Fast 300 Seiten umfasst der Verfassungsschutzbericht 2007. Doch vieles bleibt im Vagen „
Telekom | Der Fisch stinkt vom Kopf
Handelsblatt.com: „Telekom-Datenspion packt aus: ‚Auftrag von oben‘ – Der Chef des von der Telekom engagierten Recherchediensts Network.deutschland GmbH in Berlin hat eingeräumt, über Monate hinweg systematisch hunderttausende Verbindungsdaten ausgewertet zu haben, um telefonische Kontakte zwischen Journalisten und Mitarbeitern des Unternehmens nachweisen zu können. ‚Der Auftrag kam von ganz oben und ist mit dem Telekom-Vorstand abgestimmt worden‘, sagte Firmenchef Ralph Kühn dem ‚Handelsblatt‘.
Ich habe eben gelesen, dass im aktuellen Tagesspiegel eine Gegendarstellung auf der ersten Seite steht von einer Firma, die das nicht gewesen sein will. Der Tagesspiegel hatte das Handelsblatt zitiert. Auf der Website steht nichts davon. Ich habe nur Network Deutschland GmbH (HRB 65247) gefunden – eine Detektei. Das würde immerhin passen. Aber wie gesagt: Keine Gewähr. Ich will nicht für den Handeslregisterauszug online 4,50 Euro bezahlen. Das können andere tun – die, die unfähig sind, einen Link zu setzen.
Schön auch Spiegel online: „Telekom schleuste Maulwurf bei ‚Capital‘ ein“.
Nachtrag: FTD.de: „Die Deutsche Telekom hat bereits im Jahr 2000 Spitzelaufträge erteilt, um Informanten aus dem Konzern und missliebige Journalisten zu identifizieren. Die Methoden gingen dabei nach Informationen von ‚Capital‘ und der FTD weit über das für die Jahre 2005 und 2006 bekannte Auswerten von Telefonverbindungen hinaus. (…) beauftragte der Dienstleister einen Subunternehmer, die Desa Investigation & Risk Protection, ebenfalls aus Berlin. (…) Die Firma wirbt damit, dass die Mitarbeiter ‚bei Polizei- und Sicherheitsbehörden ausgebildete Spezialisten‘ sind. Ausgebildet wurden die beiden Firmengründer Klaus-Dieter B. und Frank Hendrik J. in der DDR. Ihr Spezialgebiet war die Sicherung von DDR-Botschaften im Ausland.“
Wieso merken die das eigentlich erst jetzt? Wo wurden die Firmengründer ausgebildet? Harhar. Da bekommt „Stasi.2.0“ eine ganz neue Bedeutung.
It’s a feature, not a bug
Ein Artikel von mir auf Telepolis: „Die Telekom ließ zwischen 2005 und 2006 mehrere hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze von wichtigen über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren privaten Kontaktpersonen ausforschen. Für die Gegner der Vorratsdatenspeicherung ist die Spionageaffäre eine Steilvorlage. Nachdem sich der erste Rauch verzogen hat und man ungefähr weiß, was geschehen ist, sind drei Lehren zu ziehen: Wo immer es interessante Daten gibt, werden sie auch ausspioniert. Datenmissbrauch is a feature, not a bug. Deshalb wird die Angelegenheit keine nennenswerte Konsequenzen haben und sich auch wiederholen.“
Kapitalismus, reloaded
Lafontaine auf dem Parteitag der „Linken“: „Aufgrund der von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen zu verantwortenden verheerenden Arbeitsmarktgesetzgebung ist der Niedriglohnsektor in diesem Jahr der größte unter den OECD-Staaten. (…) Im Jahr 2005 lagen wir noch hinter den Vereinigten Staaten. Heute liegen wir beim Niedriglohnsektor an der Spitze unter allen OECD-Staaten. Fast jeder vierte Beschäftigte arbeitet zu einem Lohn von 15.000 Euro jährlich oder darunter. Das ist nach der Definition der Niedriglohnsektor. Und wer einen Monatslohn von 1000 Euro hat, darf im Alter mit einer Armutsrente von 400 Euro rechnen. Wenn es nichts anderes gäbe als das – dass heute eine Verkäuferin, die 1000 Euro verdient, nur eine Rente von 400 Euro zu erwarten hat, in Dänemark bei dem selben Lohn eine Rente von 1200 Euro, also das Dreifache (…) Die Lohnquote, also der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen, ist seit dem Jahr 2000 von 72 Prozent auf nunmehr 64 Prozent gefallen. Das sagt im Grunde genommen alles! Ohne diese Talfahrt der Lohnquote hätten die Beschäftigten 135 Milliarden Euro mehr Lohn. Staat und Sozialkasse würden davon rund die Hälfte als Steuern und Abgaben einnehmen. Man sieht also, wie ein zu langsames Wachsen der Löhne, und das haben wir seit 20 Jahren, die strukturelle Situation eines Staates und einer Gesellschaft total verändern kann. 2,5 Millionen Kinder leben in Armut. Die negative soziale Auslese unseres dreigliedrigen Schulsystems ist erschreckend. Und nach wie vor gilt in unserer reichen Gesellschaft: Weil du arm bist, musst du früher sterben.“
Kommunalwahl Schleswig-Holstein: Linke drin
Kiel4kiel.de: „Schleswig-Holstein weit fiel die CDU von 50,8 auf 40,1 Prozent. Die SPD unterbot ihr historisch schlechtestes Ergebnis von 2003 noch einmal um 3,6 Prozentpunkte. Sie kam nur noch auf 25,7 Prozent. Als Gewinner gingen die Linken aus der Wahl hervor. Sie schafften auf Anhieb 7,3 Prozent. Drittstärkste Kraft wurden die Grünen mit 9,6 Prozent.“
NPD geht weiter in Richtung Militanz
Ein Artikel von mir auf Telepolis: „Drei Lehren muss man aus dem Parteitag der NPD in Bamberg ziehen: Neonazis können nicht mit Geld umgehen. Ohne den braunen „schwarzen Block“ kann die Partei im Westen keine Blumentöpfe gewinnen. Im Vergleich zu anderen neofaschistischen Gruppen in Europa scheinen die deutschen Ultrarechten entschlossen, eine Politsekte zu bleiben.“
Manuel Marulanda ist tot
Warum soll der Tod des FARC-Anführers „Hoffnung wecken“, wie die FTD schreibt? [Zeit online][Welt online][Focus][FAZ][Spiegel online][Wikipedia]
Nutzlos gegen Rechts, reloaded
Die Welt online hat zwei Mal über das Projekt von Zeit online – „Netz gegen Nazis“ geschrieben, hier („Nutzloses Netz gegen Nazis?“) und hier („Ein Anti-Nazi-Netz, das wenig zu bieten hat“). Zitat, in beiden Artikeln identisch: „Der wichtigste deutsche Experte zum Thema Rechtsradikalismus im Internet ist der Berliner Autor Burkhard Schröder, der zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlichte. Er hat für „Netz gegen Nazis“ zwei Artikel beigetragen, sieht die Sache aber kritisch: „Das alles wirkt wie Moraltheologie“, sagt Schröder. ‚Die Haltung der Seite erinnert an den regierungsamtlichen Kampf gegen rechts seit 2000, der auch nur dazu geführt hat, dass die NPD in mehreren Landtagen sitzt.'“ (Vgl. „Nutzlos gegen Rechts„)
Border Crossings

Vorgestern war ich im Osten, im Kino Babylon. Aus der Ankündigung des Events: „Kino Babylon presents Checkpoint – their first joint Palastinian-Israeli film festival, marking the 60th anniversary of the founding of the Israeli state. Over a dozen films from both sides of the conflict witness the violence, its effect on the wider population, and opportunities for peace and understanding.“ Man gab Szenen eines Theaterstücks, das sich mit dem Konflikt Israelis vs. Palästinenser beschäftigte. Laien-Schauspieler lasen, die französischen Regisseure stellten sich den Fragen des Publikums. Es war intellektuell, kosmopolisch, man parlierte in englisch, deutsch, französisch, hebräisch und arabisch – kurzum: Es war irreal.
In Wahrheit bin ich nur dort hingegangen, um den Ehrengast zu begrüßen und zu treffen, eine alte Bekannte, die ich seit 32 Jahren nicht mehr gesehen hatte: Amira Hass, eine jüdisch-israelische Journalistin, die für die Haaretz arbeitet und in Ramallah lebt. Mit Amira habe ich in den Siebzigern kurz in einer Wohngemeinschaft in Berlin-Charlottenburg zusammengelebt. Wir haben uns gleich erkannt. Ihre beiden Eltern haben Bergen-Belsen überlebt. Amira steht zwischen allen Fronten und berichtet von dort. Das imponierte mir schon immer.
Am Rande erfuhr man interessante Details: Die Mehrheit der Palästinenser spricht auch Hebräisch: die Arbeiter, die in israelischen Firmen angestellt waren oder sind, weil ihnen das nützt, und die politischen Aktivisten lernen es im Knast. Der „Held“ des Theaterstücks ist ein „combattant“ der PFLP, den Amira oft und lange interviewt hat. Damals hatte „die Organisation“, wie sie genannt wird, Handys in das Gefängnis geschmuggelt. Im übrigen, so Amira Hass, dürfe man sich israelische Knäste nicht als „island of injustice“ vorstellen, das Niveau, die Menschenrechte betreffend, sei vergleichbar mit Schweden. Der französische Regisseur, dessen Namen ich nicht notiert habe, sagte, in französischen Gefängnissen gehe es vermutlich gewalttätiger zu als in denen Israels. In Israel wird gefoltert, andererseits sind die Gefangenen in der Lage, sich Rechte zu erkämpfen, zum Beispiel Bücher lesen zu dürfen, wovon Gefangene in Syrien zum Beispiel „not even dream about“. Amira hatte dem „Helden“ des Theaterstücks die Bücher von Raul Hilberg ins Gefängnis geschickt, wer der sich dafür interesisserte – die wollte man ihm im Knast zunächst nicht aushändigen.
Auf meine Frage, wie sich Aktivisten der traditionellen Organisationen der Palästinenser wie Fatah und PFLP und die der Hamas unterschieden: Jugendliche schlössen sich eher der Hamas an, diese sei aber weniger organsiert, auch hätten deren Aktivisten nicht das politische Bewusstsein der Älteren.
Interessant war auch das Thema Presse: Die palästinensische Presse übernimmt Artikel aus israelischen Zeitungen und anderen Medien, und natürlich ist das israelische Fernsehen überall zu empfangen und wird auch gesehen. Die palästinensischen Medien seien aber durchweg schlechter, weil diese nicht kritisch über die eigene Führung berichteten. Auch gebe es wenig Blogger, die die palästinensische Sicht verbreiteten.
Eine These Amiras fand ich besonders diskussionswürdig. „Repression works“, meinte sie, es gebe kaum eine Chance auf Veränderungen, und bei der israelischen Unterdrückung der Palästinenser handele es sich um eine „smart repression“.
Müssen die Zahlen 1 und 8 verboten werden?
Schöner Artikel auf Telepolis über den Irrsinn der Lichterkettenträger in Thüringen. Ich werde mal versuchen, als Rechtsextremismus-Experte in Zukunft nur noch Braugold 1888 zu trinken. Hier steht mehr zur 88 und zur Zahlenmagie.





















