Die Russen kommen, reloaded

Spiegel online am 04.05.2014: „Der Verfassungsschutz warnt vor russischen Spionen in Deutschland.

Spiegel online am 20.04.2014: „Verfassungsschutz warnt vor russischen Spionen.“

N24: „CIA-Spezialisten beraten ukrainische Regierung“. (…) ‚Fremde Nachrichtendienste interessieren sich immer für aktuelle politische Entwicklungen‘, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, dem Tagesspiegel‚.“

Fremde Nachrichtendienste interessieren sich immer für aktuelle politische Entwicklungen? Das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass sich die NSA für aktuelle politische Entwicklungen interessiert.

Und für solche Sätze bekommt man mehr als 9000 Euro im Monat.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Daniel Bröckerhoff (via Hal): „Wie geht das, dass führende Journalisten Mitglieder in pro-amerikanischen Think Tanks, Vereinen, Interessensgruppen sind? Wie geht das, dass sie so sämtliche journalistischen Regeln über Bord schmeissen, alle es wissen, aber das kein Problem zu sein scheint?“

Dazu noch ein Zitat von Uwe Krüger au seinem Interview mit Telepolis: „Ja, mit dieser These von der ‚kognitiven Vereinnahmung‘ von Journalisten durch Eliten habe ich die Arbeit auch begonnen. Und als ich die Artikel der vier untersuchte, stellte ich tatsächlich fest: Die Journalisten lagen ganz auf Linie mit den Eliten und benutzten sogar klassische Propagandatechniken.“

Journalisten waren mit wenigen Ausnahmen schon immer das Sprachrohr der so genannten Eliten herrschenden Klasse. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Nothilfe

FAZ: Vier Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Syrien ziehen sich die gegen das Assad-Regime kämpfenden Rebellen aus ihrer einstigen Hochburg zurück. Für den Diktator ist es ein womöglich vorentscheidender Sieg.

Salzburger Nachrichten: Die bewaffnete syrische Opposition hat ihre einstige Hochburg Homs offenbar endgültig an die Regierungstruppen verloren. Wie oppositionsnahe Aktivisten am Freitag mitteilten, einigten sich die Kriegsparteien auf eine Waffenruhe, im Zuge derer sich die Rebellen aus der westlichen Metropole zurückziehen sollen. Wenn der Rückzug erfolgt, wäre das ein entscheidender Sieg für Staatschef Assad.

Zur Erinnerung Spiegel online (22.06.2013): Die syrischen Rebellen können bei ihrem Kampf gegen das Regime mit weiterer Unterstützung rechnen. Die „Freunde Syriens“ stellen ihnen in einem Beschluss Militärhilfen in Aussicht. Die internationale Gruppe aus elf westlichen und arabischen Staaten, der auch Deutschland angehört, hat bei ihrem Treffen in Katar eine rasche Nothilfe beschlossen.

Dumm gelaufen.

Die Gysi Saga

Ossiblock schaut in die nahe Zukunft, gar nicht unrealistisch: „Schauen wir noch einmal zurück. 2022 wurden die USA von gewaltigen Klassenkämpfen erschüttert. (…) Seit 2030 betreiben China und Rußland eine gemeinsame Forschungsstadt auf dem Mond.“ Lesenswert.

Snowpiercer oder: Wie man die Revolution nicht verfilmt

snowpiercerGestern habe ich mir den Film Snowpiercer angesehen. Fazit: Solides Action-Kino, hervorragendes und ästhetisch anspruchsvolles Ambiente, der Plot aber nicht herausragend, und der Schluss ist sehr unbefriedigend. Was will man von der Verfilmung eines französischen Comic-Strips („Le Transperceneige„) schon erwarten…

Immerhin bekam das „Road-Movie“ auf Schienen des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho eines der gößten Vorab-Komplimente, das man sich denken kann: Laut Tagesspiegel ist das „US-Kinopublikum zu dumm für den Film“.

Plot: Der Film spielt in einer postapokalyptischen Zukunft, in der ein misslungenes Experiment, das die globale Erwärmung stoppen sollte, eine Eiszeit nach sich zieht und fast alles Leben auf der Erde zerstört. Die einzigen Überlebenden der Menschheit sind auf engstem Raum im Snowpiercer zusammengepfercht, einem massiven Zug, der rund um den Planeten reist und durch ein Perpetuum mobile angetrieben wird.

snowpiercer

Im Zug herrscht von Anfang an ein Zweiklassensystem, wobei die Elite im vorderen Teil des Zuges im überschwänglichen Luxus lebt, während die ‚Schmarotzer‘ ihr erbärmliches Dasein ganz hinten fristen müssen. Der schlechten Lebensbedingungen überdrüssig, starten sie einen Aufstand und versuchen, die Kontrolle über die Maschine zu erlangen.“

Der Guardian rezensiert den Film ausführlich und vergleicht sehr klug: „Basically, this is the exact plot of Neill Blomkamp’s Elysium, but on a train and a bit cheaper looking. (…) To take down the aristocracy once and for all, they find Song Kang-ho, a noted security specialist. (…) The moral of Snowpiercer is that everyone should know their place. The end.“

snowpiercer

Ein klassischer Revolutions-Plot also. Wirklich? Wie es sich gehört, sieht sich der Anführer der Revoluzzer am Schluss vor das Problem gestellt, ob er nur den bösen Tyrannen ersetzen oder das System – metaphorisch: den Zug – verlassen will. So weit denkt noch nicht einmal die „Linke“ in Deutschland. Das Problem erinnerte mich an Bertolt Brechts Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus: „Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber Mit jedem andern vertausche, als dass er da bliebe, dem Habe ich nichts zu sagen“. Nur ist es hier nicht ein brennendes Haus, sondern eine genauso unwirtliche Eiswüste.

snowpiercer

Sehr hübsch auch eine „Schule“ im Zug, in der die Kinder auf das Lob des Systems („die Maschine“) und ihres Schöpfers indoktriniert werden. Man glaubt sich in eine Vorlesung der Volkswirtschaftslehre versetzt, in der der Freie Markt(TM) gepriesen und gelobhudelt wird. Das ist aber nicht neu, und von Goerge Orwell schon besser erzählt worden. Wer sich den Wirtschaftsteil der Mainstream-Medien und das Gefasel der Gesundbeter des Kapitalismus anschaut, kann auch gleich in die AfD eintreten oder die wählen.

snowpiercer

Leider stellt keiner der bisherigen Rezensenten die einzig interessante Frage: Wenn man das Thema Revolution behandelt, warum muss man dann ein „Science-Fiction“-Ambiente nehmen? Warum behandelt man nicht die realen Klassenkämpfe? Das müsste doch auch ähnlich unterhaltsam und mit genug Action zu machen sein?

Spontan dachte ich, dass die kapitalistische Unterhaltungsindustrie natürlich auch eine Teilmenge des Opium für’s Volk ist und somit dazu beitragen muss, dass die Untertanen das System an sich nicht in Frage stellen, sondern ihre Kritik auf die Charaktermasken des Kapitals | das Finanzkapital | die pöhsen Oligarchen richten. Andererseits muss die unterdrückte, aber unterschwellig vorhandene Sehnsucht, dass sich etwas ändere und die da unten zumindest theoretisch die Chance haben, weiter nach oben zu kommen, irgendwie bedient werden. Der „Förster im Silberwald“ (1954) und ähnlicher Schwachsinn reicht eben nicht mehr.

snowpiercer

Schon klar. Den Plot von Goldsborough als Action-Movie zu verfilmen, würde Hollywood nicht zulassen, und das hiesige Feuilleton würde darauf herumtrampeln, weil die politischen Konsequenzen verheerend wären: Wo kämen wir denn da hin, wenn im Kino der Kapitalismus die freie Marktwirtschaft(TM) nicht als Endlösung der Geschichte dargestellt würde? Und wenn dann noch die Revolutionäre, wie im „Snowpierce“, gewalttätig sind und die Bösen umbringen, muss die Zensur eingreifen der Jugendschutz derartige Machwerke unter den Ladentisch oder besser gleich in den Giftschrank verbannen. Das würden die Pfaffen und andere Gaucke nicht erlauben.

Es ist immer erhellender zu sehen, was nicht verfilmt wird.

Verflixt, was mache ich jetzt?

wahlomat

Ich wollte eigentlich die „Linke“ wählen… Vermutlich habe ich falsch gewichtet. Und wohnte ich in Großbritannien, müsste ich die schottischen Grünen wählen? Muahahaha.

Bananenrepublik oder: Snowden darf nicht nach Deutschland [Update]

FAZ: „In der Bundesregierung zeichnet sich nach Informationen der F.A.Z. die Entscheidung ab, Edward Snowden die Einreise zu verweigern. (…) Die Regierung wird ihre Stellungnahme dem Ausschussvorsitzenden zuleiten und nicht veröffentlichen.“

Schon klar.

Update. Laut Heise: „Konkret soll es in dem Papier heißen, dass ‚im Falle einer Gewährung der Aufenthaltszusage sehr wahrscheinlich mit schweren und dauerhaften Belastungen des Verhältnisses zu den Vereinigten Staaten von Amerika zu rechnen‘ sei“.

Die Taz wird neue Nationalzeitung

So erklärt die Taz den 2. Weltkrieg: „Ab 1941 gehörte zwar auch die Sowjetunion zu den Opfern der ‚Lebensraum‘-Ideologie Hitlers. Aber bereits 1944/45 kehrte die russische Besatzungsmacht in die zurückeroberten Gebiete zurück – und blieb dort bis 1989.“

Zwar starben 27 Millionen Sowjetbürger als Opfer des deutschen Krieges zwischen 1941 und 1945. Aber das spielt für die taz keine große Rolle, weil diese Sowjetunion seit 1945 in den „zurückeroberten“ Gebieten blieb.

Keine unnötigen Konflikte am Bierabend

Die rote Fahne

Arbeiter! Proletarier! Parteigenossen!

Im Jahr 1890 hat das Proletariat der Welt zum erstenmal den Weltfeiertag gefeiert,

Was war er? Was sollte er sein?

Er sollte sein ein Freudentag für das Proletariat, er sollte sein ein Tag des Kampfes gegen die Bourgeoisie, ein Tag der Musterung aller Kräfte, ein Tag, der Jahr für Jahr immer deutlicher der Bourgeoisie zum Trutz, dem Proletaria zum Nutz der Welt verkünden sollte:

Alle Räder stehen still,
Wenn dein starker Arm es will.

In allen Ländern sollten sie feiern; die Proletarier aller Welt, ob sie unter dem Henkerbeil des Zaren, und dem Zuchthausregiment der Hohenzollern, und der schweren Kette englischer, französischer, amerikanischer Kapitalisten schmachteten. Sie alle sollten wissen, daß an diesem Tage ihre Brüder in der Welt frei sind, frei auf einen Tag, weil sie es wollen.

Arbeiter! Parteigenossen!

Erinnert Ihr Euch, was aus der Maifeier geworden ist? Erinnert Euch doch, wie sie von Jahr zu Jahr von Partei-und Gewerkschaftsbonzen immer mehr eingeschränkt worden ist, wie man sie mählich und mählich erwürgt hat, weil man „die Kassen schonen müsse“ und „keine unnötigen Konflikte“ hervorrufen dürfe. So hat man den Weltfeiertag herabgewürdigt zu einem Bierabend, an dem man eine langweilige Rede anhörte und eine langweilige Resolution verabschiedete.

Und wir, die damals die würdige Feier verlangten, wir wurden als Hetzer und „revolutionäre Phraseure“ und wer weiß was sonst verhöhnt.

Dann aber kam der Krieg. Dann kam die Zeit, wo tausende von Proletarier geopfert wurden für den Kapitalismus.

Da sagten wir: noch nie habe das Proletariat, noch nie habe die Menschheit so gelitten, noch nie sei es so Pflicht gewesen, den Herrscheden ein Halt zu gebieten, indem die Völker über die Schützengräben hinweg einander anriefen: heute ist Weltfeiertag.

Was sagten damals Scheidemann, die [sic] Legien, der [unleserlich] Ebert, was sagten damals die Mehrheitler? Sie sagten, wir, die dieses wollten, wir seien „Vaterlandsverräter„, man warf mit ihrer Billigung die Genossen ins Zuchthaus, die wollten, daß man den 1. Mai so feiere, wie sich’s gebührt.

Aus: „Die rote Fahne„, 01.Mai.1919

Haymarket Riot

Bild: Haymarket Riot: Am 1. Mai 1886 begann in Chicago (Illinois, USA) ein mehrtägiger, von den Gewerkschaften organisierter Streik, um eine Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden durchzusetzen. Die mit diesem und den darauf folgenden Tagen verbundenen Ereignisse werden als Haymarket Riot, Haymarket Affair und Haymarket Massacre bezeichnet und begründeten die Tradition der internationalen Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften, den 1. Mai zum Kampftag der Arbeiterklasse zu erklären.

Acht Mythen zur Vorratsdatenspeicherung

Thomas Stadler (via Hal): „Acht Mythen zur Vorratsdatenspeicherung“.

Tatsächlich gibt es in keinem einzigen EU-Mitgliedsstaat (empirische) Belege dafür, dass die Vorratsdatenspeicherung zu einer erhöhten Aufklärungsquote geführt hat, obwohl sie in den meisten EU-Staaten über viele Jahre hinweg praktiziert worden ist. (…)

In einem Rechtsstaat gibt es keine Strafermittlung um jeden Preis. Darin besteht nämlich gerade der Unterschied zu Unrechtsstaaten wie der DDR, die jede Form der Überwachung und Kontrolle des Bürgers für legitim hielten. Der Rechtsstaat muss auf eine Totalüberwachung verzichten und damit evtl. einhergehende Defizite bei der Kriminalitätsbekämpfung in Kauf nehmen.

The forbidden subject oder: Menschenhandel und organisierte Kriminalität

„Derzeit kann kaum ein europäisches Land mit den geringen deutschen Schlachtpreisen mithalten, vor allem wegen der niedrigen Löhne.“ (Spiegel online)

Dazu wüsste ich natürlich mehr.

Sueddeutsche.de: „Schlechte Bezahlung, unwürdige Unterkünfte, Erniedrigung und Erpressung: Was sich in Schlachthöfen abspielt, ist für viele Kritiker mehr als Ausbeutung. Die Rede ist von Menschenhandel und organisierter Kriminalität.“

Frankfurter Rundschau: „Schlachten in Deutschland ist so billig wie nirgendwo sonst in Europa. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Beispiel zahlen viele Betriebe Dumpinglöhne und werden dafür vom Staat belohnt.“

Ach so. Der deutsche Staat finanziert und belohnt Menschenhandel und organisierte Kriminalität. So sind sie eben, die freien Märkte(TM). It’s not a bug, it’s a feature.

Jetzt gibt es zwei verschiedene Methoden, darauf zu reagieren. Die deutsche grünalternative Version wäre, Veganismus-Asketismus zu predigen kein Fleisch mehr zu essen, aber das System der Ausbeutung nicht in Frage zu stellen.

Die zweite Version ist hierzulande weder erlaubt noch denkbar, nur im Ausland. „The forbidden subject is capitalism.“ (Thomas I. Palley)

Das Kapital, reloaded

Manager Magazin: „‚Kapital im 21. Jahrhundert‘ schreckt Ökonomen auf“.
Der Titel erinnert nicht zufällig an „Das Kapital“ von Karl Marx. Der Ansatz ist zwar ein völlig anderer, aber auch der junge Ökonom Thomas Piketty von der Ecole économique de Paris wagt sich an eine Theorie der selbstzerstörerischen Kraft des Kapitalismus. Er stützt sich auf die wohl größte und systematischste Sammlung von Daten über die Verteilung von Vermögen und Einkommen im Verlauf der Jahrhunderte und im Vergleich mehrerer Länder.

Thomas Piketty: Capital in the Twenty-First Century, translated from the French by Arthur Goldhammer, Belknap Press/Harvard University Press, 685 pp., $39.95.

Ist praktisch schon schon gekauft… In Deutschland wird es natürlich nicht wirklich diskuiert werden (dürfen).

Umsetzung der Vertiefung bei Verhinderung und Bekämpfung

BT-Drucksache 18/1037

Kleine Anfrage der Partei „Die Linke“ über den Datenaustausch zwischen Deutschland und den USA. Grusel.

Mehr dazu auf der Website des Bundestages (BT-Drucksache 18/1037: „Umsetzung des deutsch-amerikanischen Abkommens zur Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Verhinderung und Bekämpfung schwerwiegender Kriminalität“) und bei Netzpolitik.org: „Schäubles Erbe: BKA bald startklar zum automatisierten Abgleich von Fingerabdrücken und DNA-Profilen mit den USA“.

Umsetzung der Vertiefung bei Verhinderung und Bekämpfung. Das hätte die „Linke“ nicht besser formulieren können.

Das wichtigste militärische Ereignis des II. Weltkriegs, reloaded

aufstand warschauer Ghetto

„Viele Menschen in Warschau laufen heute mit gelben Blumen herum um an den Aufstand im jüdischen Ghetto zu erinnern.“ (via Yannick)

Vgl Burks.de vom 19. April 2013 und vom 20. April 2003: „Das wichtigste militärische Ereignis des II. Weltkriegs“ sowie den Stroop Report.

Wenn Snowden da mal von Putin eingeladen (aufgefordert) wird

Aus dem Heise-Forum: „Wenn Snowden da mal von Putin eingeladen (aufgefordert) wird, bei einer Talkshow mitzumachen, das ist es genau das richtige, wenn er das tut. Denn damit bringt er sein fragiles Asyl nicht in Gefahr. Wenn Deutschland und irgendwelchen Heuchelpolitikern das nicht paßt, dann sollen sie dafür sorgen, daß Snowden Asyl erhält, und gebührenden Schutz vor dem Unrechtsstaat USA.“

Obszöne Dynamik und der Homo Germanicus

arbeiter

Wie im Fall der aktuelle DIW-Studie werden Nachrichten zur obszönen Dynamik der Vermögensentwicklung zwar gesendet und gedruckt, treffen aber bei Medienleuten und in der sonstigen Öffentlichkeit auf weitgehendes Desinteresse. (…)

Das hat ganz direkt mit der mentalen formatierung des Homo Germanicus zu tun, Im Mittelalter, das hiezulande mindestens bis 1914 dauerte, hat er gelernt, daß Ungleichheit eine von Gott gewollte natürliche Bestimmung ist und daß der Kaier und andere Feudalherren die legitimen Vollstrecker dieses Modells sind. (…)

In dieser Tradition ist der Homo Germanicus auch als Demokrat und bis heute darauf dressiert, die kleinen und großen Brutalitäten der Privilegienbürger als Ausdruck der einzig richtigen Ordnung zu ertragen – sie erscheinen seinem feudal und antimkomunistisch geprägten Bewußtsein als ein Moment im natürlichen Proueß der Kapitalverwertung… (Rolf Schröder: Balladen der Bemittelung – Weshalb sich für neue Erkenntnisse über die hiesige Vermögensverteilung niemand interessiert, konkret 4/2014)

Zeit online schreibt: In keinem anderen Euro-Land ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Die Schere zwischen denen, die viel Geld besitzen und denen, die gar keines haben, wird dabei immer größer… Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt demnach ein persönliches Vermögen im Wert von mindestens 800.000 Euro. Dagegen verfügt gut ein Fünftel aller Erwachsenen über gar kein Vermögen. (…) Studienautor Markus Grabka geht davon aus, dass seine Ergebnisse dabei nur einen Teil der Realität abbildet. Die Wirklichkeit sehe noch verheerender aus, sagt er.

Gut, wir wissen alle, dass das ein Feature und kein Bug ist. Aber es reicht nicht aus, den mangelnden Widerstand und das fehlende Klassenbewusstsein „mentalitätsgeschichtlich“ erklären zu wollen. Das Problem geht viel tiefer: Die Idee, jemand habe viel mehr als andere, ohne etwas Vergleichbares dafür getan zu haben, und das sei ungerecht, setzt voraus, dass „Gleichheit“ als Vorteil für die jeweilige soziale Bezugsgruppe empfunden wird. So will es die Evolution. Deshalb haben sich kommunistische Ideen oft zuerst bei sozialen Außenseitern entwickelt, für die das Teilen Garant für den gemeinsamen Erfolg war.

Die Leute sind nur solidarisch mit anderen, wenn wie meinen, das nütze ihnen selbst langfristig auch.

Deutsche Blauhelm-Schutztruppe in der Ostukraine

deutsche Blauhelme

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hat die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten: Die Regierung in Kiew würde den Einsatz von Blauhelmen in der Ostukraine begrüßen.

Burks.de bekam exklusiv das erste Bildmaterial zugespielt. Wie Generalleutnant Arno Jahr, der Kommandeur der deutschen Blauhelme in Dnjepropetrowsk, mitteilte, habe man sogar die alten Karten wiederverwenden können. Der Hilfseinsatz der deutschen Schutztruppe werde den Steuerzahler daher nur wenig belasten.

Klassenkampf Amerika 1937

British Pathé Archive: „Strike riots„: „Violent clashes between men on strike and men with guns and batons trying to break up the demonstrations. Sign by roadside suggests that this is the ‚Republic Steel Strike‘. Strikers throw…“

Israel secretly flying asylum seekers to Uganda

Haaretz (Israel, via Belen Fernandez | Al Jazeera):

While contemplating potential locations for a Jewish homeland over a century ago, Theodor Herzl – the father of modern political Zionism – proposed Uganda as a temporary refuge for persecuted Jews. Ironically, Uganda is now on the receiving end of other persecuted peoples, this time African refugees who have sought asylum in Israel only to be imprisoned in detention facilities and then returned to the African continent. (…) The asylum seekers says many have lost hope of a better future in Israel and are afraid of being locked up or ordered to stay at Holot for an open-ended period.

Capitalism or if one prefers another term, the market economy

Al Jazeera vertritt einen interessanten Standpunkt – ohne die gewohnte Hysterie – zu Nordkorea:

The international media loves to describe North Korea as the „world’s last Stalinist country“, or as a „communist dictatorship“. Both descriptions are not completely off the mark, but seriously misleading nonetheless.

It is often overlooked that the last 20 years in North Korea were a time when capitalism (or if one prefers another term, the market economy) took over. In spite of the regime’s attempts to keep up communist appearances and heritage from the bygone era, North Korea can for all intents and purposes be described as a market economy – albeit not a very efficient one.

Man sieht: Im Ausland darf „Kapitalismus“ in Medien auch so benannt werden. Ich weiß schon, warum ich kaum mehr deutsche Zeitungen lese.

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