The forbidden subject oder: Menschenhandel und organisierte Kriminalität

„Derzeit kann kaum ein europäisches Land mit den geringen deutschen Schlachtpreisen mithalten, vor allem wegen der niedrigen Löhne.“ (Spiegel online)

Dazu wüsste ich natürlich mehr.

Sueddeutsche.de: „Schlechte Bezahlung, unwürdige Unterkünfte, Erniedrigung und Erpressung: Was sich in Schlachthöfen abspielt, ist für viele Kritiker mehr als Ausbeutung. Die Rede ist von Menschenhandel und organisierter Kriminalität.“

Frankfurter Rundschau: „Schlachten in Deutschland ist so billig wie nirgendwo sonst in Europa. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Beispiel zahlen viele Betriebe Dumpinglöhne und werden dafür vom Staat belohnt.“

Ach so. Der deutsche Staat finanziert und belohnt Menschenhandel und organisierte Kriminalität. So sind sie eben, die freien Märkte(TM). It’s not a bug, it’s a feature.

Jetzt gibt es zwei verschiedene Methoden, darauf zu reagieren. Die deutsche grünalternative Version wäre, Veganismus-Asketismus zu predigen kein Fleisch mehr zu essen, aber das System der Ausbeutung nicht in Frage zu stellen.

Die zweite Version ist hierzulande weder erlaubt noch denkbar, nur im Ausland. „The forbidden subject is capitalism.“ (Thomas I. Palley)

Kommentare

8 Kommentare zu “The forbidden subject oder: Menschenhandel und organisierte Kriminalität”

  1. Troptard am April 25th, 2014 4:02 pm

    Stammt nicht von mir: “ Grün wird braun, wenn es verwelkt!“
    Ich vermute mal ganz stark, dass auch Vegetarier und Veganer etwas dagegen haben, wenn ihre Lohnarbeit unter das Existenzminimum gedrückt wird.

    Und seit wann lassen sich die Menschen von der Gesundheitspolizei ihre Laster verbieten.

    Andererseits geht die Unzufriedenheit nie so weit, dass daraus mehr ensteht als Mahnwachen und Montagsdemos.

  2. lepus am April 25th, 2014 5:40 pm

    „Ach so. Der deutsche Staat finanziert und belohnt Menschenhandel und organisierte Kriminalität. So sind sie eben, die freien Märkte(TM). It’s not a bug, it’s a feature.“
    Ja – vom steuernden Staat.
    Mit Markt hat das rein gar nichts zu tun.

  3. lepus am April 25th, 2014 5:48 pm

    Und natürlich gibt es eine dritte Version:
    Den Staat minimieren.

  4. Messdiener am April 25th, 2014 6:34 pm

    Hi Burki,
    von der schnellen Sorte bist du ja gerade nicht. Die Veganer-Comunity berichtet seit Jahren(-zehnten)über dieZustände in Tierfabriken und Schlachthöfen. Es gibt mittlerweile auch einen Krimi „Am zwölften Tag“, der die Zustände beschreibt. Wenn du das Problem nur in der niedrigen Entlohnung der Schlächter siehst, dann kann ich auch nicht helfen.

  5. altautonomer am April 26th, 2014 9:55 am

    Ich würde auch keine Tiere essen, wenn sie von Millionären in Handarbeit geschlachtet wären.

    Hört sich ja fast so an, dass der Autor nix gegen Fliesbandschlachtung und Massentierhaltung hat, wenn nur die Löhne stimmen.

  6. L´Andratté am April 26th, 2014 12:25 pm

    Hier, wo ich wohne, gibt´s einen Tagelöhnerstrich, wo sich bulgarische Wanderarbeiter für 2-3 Euro verdingen. Viele von ihnen leben in Isolation, Verzweiflung, Elend, Suff, Obdachlosigkeit.
    Man sieht oft Kleinbusse vorfahren.

    Ein Journalist, der sich mit ihrer Situation beschäftigt, beschrub die Fleischindustrie als einen der größten „Arbeitgeber“.

    Wir sind eine verlogene Sklavenhaltergesellschaft, in der sich jeder strukturell zum Mittäter macht. Ich sage das nicht aus einem Schuldkomplex heraus, sondern das Wissen darum ist für mich Voraussetzung einer Veränderung zum Besseren.

    Daher empfinde ich übrigens, obwohl selbst Vegetarier, die Besserwisserei aus der Veganercom(m)unity als oft furchtbar kleingeistig und selbstgerecht.

  7. ...der Trittbrettschreiber am April 26th, 2014 6:45 pm

    @L’Andratté

    …verstehe ich nicht. Welche Phantasien wären angemessen:
    1. Bulgarische Wanderarbeiter sind erotisch attraktiv (für wen – fahren da Wasserstoff-Blondinen in Kleinbussen vor?)
    2. Für was bekommen die bulgarischen Wanderarbeiter 2 – 3 €? Einen Job oder werden sie von den Kleinbuss-Insassen sexuell über’s Ohr gehauen?
    3. Wovon bezahlen die bulgarischen Wanderarbeiter ihre Sauf-Orgien unter freiem Himmel?
    Ein Jever kostet 1.50 €, d.h. pro Arbeitseinheit ein Bier.

    Wie gesagt, ich verstehe das nicht.

    Ansonsten – guter Kommentar, vor allem der letzte Satz.

  8. L´Andratté am April 27th, 2014 11:13 am

    Hallo!
    Mit Phantasien hat das ja nun nicht so viel zu tun.
    Ich rede nur von Tagelöhnern, die für 2-3 Euro/h
    für alle möglichen Drecksarbeiten ohne jede Absicherung ´benutzt´ werden und teilweise unter Brücken schlafen. Und dort ganz leicht zu ignorieren sind. Natürlich gibt es viele Unrechtsspielarten, aber diese seh ich jeden Tag.

    Alkohol ist natürlich auch immer billig zu haben, dafür ist gesorgt in diesem Land der Seligen.

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