Wahnsinn Leistungsschutzrecht
Kanzlei Hoesmann: “Wenn ich jetzt auf der Webseite meiner Kanzlei darauf aufmerksam mache, dass ich von einer Zeitung zitiert wurde, verstoße ich aber schon gegen das Leistungsschutzrecht. Auch verstoße ich gegen das Leistungsschutzrecht, wenn ich meine Aussage in der Zeitung selbst zitiere. Wahrscheinlich werde ich auch gegen das Leistungsschutzrecht verstoßen, wenn ich über den Twitter-Account der Kanzlei oder auch über dem Facebook Auftritt mit einem Link auf den entsprechenden Artikel hinweise…
Thomas Knüwer hat daraus einen korrekten Titel gemacht: „Der Wahnsinn Leistungsschutzrecht – und warum ich nicht mehr auf Verlage verlinke“.
Unter Irren, kann man nur sagen. Das so genannte „Leistungsschutzrecht“ ist das Ende aller Blogger und der Hyperlinks. Nur noch selbstreferenzielle System erlaubt. Dann bekommt die Angst deutscher Medien vor dem Link einen passenden rechtlichen Rahmen.
Triumph des Willens und immer an das Volk denken
Focus: „Dank einer riesigen Willensleistung hat Griechenland das Viertelfinale der EM erreicht. Im Moment des überraschenden Triumphs gegen Russland dachten die Spieler an ihr Volk.“
Ach. Das hatte wir doch schon in anderer Form: „Dank einer riesigen Willensleistung hat Deutschland die meisten olympischen Medaillen gewonnen. Im Moment des überraschenden Triumphs dachten die Spieler an ihr Volk und an den Führer.“
Deutsch des Grauens einmal anders.
Tatort-Autoren klauen Alarmanlagen-Schaltplan aus dem Internet
Ein sehr hübscher Thread findet sich auf mikrocontroller.net über Tatort-Autoren, die Schaltpläne „aus dem Internet“ klauen (via Fefe). Auch sonst sind die Beiträge dort aus verschiedenen Gründen interessant.
All your rights belong to us
Pressemitteilung des DJV über ein Urteil des Bundesgerichtshofes:
„Die Honorarbedingungen 2007 für Freie der Axel Springer AG verstoßen zwar in wesentlichen Teilen gegen das Urheberrecht und dürfen deshalb nicht länger angewandt werden. Geschützt werden freie Journalisten aber nach einem heutigen Urteil (Az. BGH I ZR 73/10) des Bundesgerichtshofs (BGH) auch zukünftig nicht davor, alle ihre Rechte beim Verlag abliefern zu müssen. Umfassende Rechtseinräumungen sind der Entscheidungsfreiheit der Vertragsparteien unterworfen und unterliegen daher nicht der gerichtlichen Kontrolle von Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Wege der Verbandsklage, meint der BGH.“
Das Urteil ist schon richtig. Wenn der Staat bestimmte, welche Bedingungen zwischen den Arbeitern der Stirn und dem Kapital ausgehandelt werden, wäre das ja kein Kapitalismus mehr.
Abzocker-Mentalität bei ARD und ZDF
„Alle illegalen downloads haben der deutschen Dokumentarfilmbranche materiell weniger geschadet als die Vertragspraxis von ARD und ZDF an einem einzigen Tag.“ (Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) laut carta über die Vertragspraxis der öffentlich-rechtlichen Sender)
Sturm im Wasserglas [Update]
Meedia über den Sturm im Wasserglas zwischen FAZ und Süddeutsche:
„FAS-Literaturkritiker Volker Weidermann hatte am Pfingstsonntag der Agentur dpa über seine als ‚Nachricht‘ getarnte Satire gesagt: ‚Fiktion und Wahrheit sind ja nicht mehr wirklich zu unterscheiden…Ob sich das jetzt die Titanic oder Günter Grass ausdenkt, ist für mich kein großer Unterschied.'“
Der Mann hat doch vollkommen recht. Die Satire war so gut gemacht, dass man sich auch nicht ärgern sollte, darauf hereingefallen zu sein.
Die Titanic hat natürlich reagiert:
„Mit Sorge und Unverständnis beobachten wir die Auseinandersetzungen zwischen den Feuilletons von SZ und FAZ auf dem für sie fremden humoristischen Gebiet. Insbesondere die wiederholte, nicht autorisierte Inanspruchnahme der Bezeichnung TITANIC zur Steigerung der eigenen Auflage verstößt gegen Bestimmungen internationalen Presserechts, darunter die Schnatterquotierung, das Hybriskontrollgesetz und den Gockeleisperrvertrag. (…) Wir fordern die Konfliktparteien auf, sich wieder auf ihr Kerngeschäft zu besinnen: stumpfe Glossen, verstaubte Karikaturen, tantige Aprilscherze, antisemitische Gedichte und mittelguten Journalismus“.
[Update] Don Alphonso irrt (was er selten tut, wenn es um Medien geht):
„Ich glaube, das ist ein Strukturfehler bei Twitter: 140 Zeichen Unsinn sind schnell abgeschäumt, beim Bloggen muss man auch formulieren und nachdenken, und damit ist die Gefahr, auf so etwas hereinzufallen, doch etwas geringer.“
Daran liegt es nicht – man sollte eben nie etwas glauben, wenn man es nicht überprüft hat. Mindestens zwei unabhängige Quellen. Das ist sollte der Unterschied sein zwischen seriösem Journalismus und Bloggern/Twittern.
Der wahre Henker ist die Masse
„Ein gewichtiger Grund für das rapide Anwachsen der Hetzmasse ist die Gefahrlosigkeit des Unternehmens. Es ist gefahrlos, denn die Überlegenheit der Masse ist enorm. Das Opfer kann ihnen nichts anhaben. (…)
Die Hetzmasse ist sehr alt, sie geht auf die ursprünglichste dynamische Einzelheit zurück, die unter Menschen bekannt ist, die Jagdmeute. (…) Alle Formen der öffentlichen Hinrichtung hängen an der alten Übung des Zusammen-Tötens. Der wahre Henker ist die Masse….(…)
Auch heute nimmt jeder an öffentlichen Hinrichtungen teil, durch die Zeitung. Man hat es nur, wie alles, viel bequemer. Man sitzt in Ruhe bei sich und kann unter hundert Einzelheiten bei denen verweilen, die einen besonders erregen. Man akklamiert erst, wenn alles vorüber ist, nicht die leiseste Spur von Mitschuld trübt den Genuß. Man ist für nichts verantwortlich, nicht fürs Urteil, nicht für den Augenzeugen, nicht für seinen Bericht und auch nicht für die Zeitung, die den Bericht gedruckt hat. (…)
Im Publikum der Zeitungsleser hat sich eine gemilderte, aber durch ihre Distanz von den Ereignissen um so verantwortungslosere Hetzmasse am Leben erhalten, man wäre versucht zu sagen, ihre verächtlichste und stabilste Form.“
Was würde Elias Canetti (1905-1994) wohl zum Internet sagen? Die obigen Zitate stammen aus seinem Werk „Masse und Macht“ (erschienen 1960), das zur Pflichtlektüre mündiger Bürger gehören sollte und das für mich eines der intelligentesten und wichtigsten Bücher ist, das jemals geschrieben wurde.
Fünf mal Gratis-Unsicherheit im Netz à la Spiegel Online
An ole_reissmann@spiegel.de
Sorry, lieber Kollege, aber ich hab selten so einen Quatsch gelesen.
„Absolute Sicherheit gibt es nicht. Manche Hacker nutzen zur Übermittlung sensibelster Informationen vorsichtshalber gar keine Onlinedienste, sondern lieber die herkömmliche Post.“
Mit Verlaub, das ist einfach nur lächerlich. Wo sind denn die mindestens zwei unabhängigen Quellen? Der Artikel ist voll sachlicher Fehler und empfiehlt Dinge, die man keineswegs tun sollte. Ich frag mich, was das soll…
Kein Wunder, dass Truecrypt nicht erwähnt wird und man dem Autor keine verschlüsselten Mails schicken kann. Typisch Spiegel online.
Sorry, aber ich bin richtig sauer.
BurkS
Die majestätische Gleichheit des Gesetzes und die Pressefreiheit
„… unter der majestätischen Gleichheit des Gesetzes, das Reichen wie Armen verbietet, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen.“ (Anatole France, Die rote Lilie, München 1925)
Guckst du auch bei Thomas Stadler – wie das Landgericht Hamburg die Meinungsfreiheit aushöhlt.
„Die Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ (Paul Sethe, Journalist)
Quellenschutz
Der Tagesspiegel schreibt:
Die „Spiegel-Online“-Redaktion beteiligt sich aktiv am Rücktritt des Berliner Parteichefs Semken – und tastet damit das im Pressekodex verankerte Prinzip des Quellenschutzes an.
Sehr wahr! Hört! hört!
Autorisierung – ein Juristen- und Journalisten-Hoax
Einen netten Juristen-Hoax gibt es auf Medien Monitor – „ein Ausbildungsprojekt des Instituts für Journalistik der Technischen Universität Dortmund“:
Juristische Grundlage von Autorisierungen ist das allgemeine Persönlichkeitsrecht.
Bruhahahaha. Das ist, mit Verlaub, Schwachfug. Es gibt keine rechtlichen Grundlagen für „Autorisierungen“ von Interviews. Als ich Chefredakteur war, habe ich das schlicht verboten. Wer Interviews autorisieren will, kriegt kein Interview. So einfach ist das.
Telepolis schrieb vor neun Jahren (2003): „Bis zur Unkenntlichkeit autorisieren – Neun bundesdeutsche Tageszeitungen wehren sich mit einer Aktion gegen zunehmend restriktiv gehandhabte Interview-Autorisierungen, Besserungen sind wohl nicht zu erwarten.“ Quod erat demonstrandum.
Ich schrieb hier 2008: „Zu einem professionell geführten Interview gehört keine Autorisierung. Dennoch kann zusätzlich ein Hintergrundgespräch stattfinden, aus dem dann in gegenseitigem Einvernehmen eventuell nicht zitiert wird.“
Kein Wunder, dass der deutsche Journalismus so wenig investigativ, so duckmäuserisch, so zahm, so obrigkeitshörig ist, wenn sogar journalistische „Ausbildungsprojekte“ auf diesen Hoax reinfallen.
Westliche Werte, Pressefreiheit und Zensur
Reporter ohne Grenzen (via wbs-law.de):
„Die Menschenrechtsorganisation “Reporter ohne Grenzen” (ROG) hat zum zehnten Mal ihre Rangliste der Pressefreiheit vorgelegt. (…) Nach dieser Liste konnte sich Deutschland um einen Platz gegenüber dem Vorjahr verbessern und befindet sich nun, zusammen mit Zypern und Jamaica, auf dem 16. Platz (…) Die USA rutschte um 27 Plätze auf Platz 47 nach unten. Grund dafür sind die Behinderungen der Berichterstattung über die Occupy-Proteste seitens der Polizei.“
Vgl. (02/2011) „Hurra, wir sind Zensur-Weltmeister!“
Semken hat Jehova gesagt
In einer Mailingliste der Piratenpartei schrieb jemand: „der LaVo will noch im Mai eine Konferenz zu Rechtsextremismus, Rassimus etc. durchführen.(…) Bevor die Arbeit getan ist, positioniert sich unser Landesvorsitzender Hartmut Semken als Linksextremist, so berichten jedenfalls die Medien.“
Ich antwortete und sprach:
Diesen Begriff aus der Mottenkiste der Totalitarismus-Doktrin kann man ja wohl nur ironisch benutzen, weil er rein gar nichts aussagt.
Semklen hat ganz richtig gesagt: „Ich bin nach Verfassungsschutzdefinition Linksextremist“.
Wer die „Definitionen“ des Inlands-Geheimdienstes ernst nimmt, ist selbst schuld.
Aber natürlich greifen die hyperventilierenden Reiz-Reaktions-Muster der Medien und der Lichterkettenträger jetzt.
Nur bedingt wissend
Hahaha, sehr schöner Artikel von Kristian Köhntopp über das Anti-Viren-Programme-Voodoo („über die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit von Antivirenprogrammen“). Lesebefehl!
Köhntopp bezieht sich auf einen Artikel in der FAZ, den er nach allen Regeln der Kunst auseinandernimmt. Das FAZ-Gefasel ist von Peter Welchering.
Welchering? Den hatten wir hier schon einnmal vor fünf Jahren durchgenommen unter dem Titel „Neues vom Tron-Netz“.
Ein Rezept für Journalisten soll angeblich sein: „Vertrauliche Daten sollten auf gar keinen Fall auf Rechnern gespeichert werden, die einen Zugang zum Internet haben.“ (…) „Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass jede verschlüsselte Information prinzipiell entschlüsselt werden kann.“ Falsch. Der Autor Peter Welchering hat schlicht keine Ahnung von Verschlüsselung. (…) Kein Angst, der Blödsinn lässt sich sogar noch steigern: „Völlige Sicherheit kann man übrigens auch nicht von Anonymisierungsrechnern, wie sie innerhalb des TRON-Netzes verwendet werden, erwarten.“ Sehr witzig. Ich wusste gar nicht, dass wir einen Tron-Server betreiben.
Heute bin ich irgendwie guter Laune und mache mir ständig neue Freunde.
„Holocaust-Leugner-Befürworter“?
„So wie der Niedersachse Carsten Schulz, der die Leugnung des Holocaust nicht als Straftat sieht“ – so formuliert Spiegel Online suggestiv über den bevorstehenden Bundesparteitag der Piraten.
„Holocaust-Leugner-Befürworter“ heisst es beim Blogger Jürgen Meyer. Dämlicher kann man es nicht ausdrücken.
So geht die typische Diffamierung à al Mainstream-Medien. Wer eine andre Meinung hat als der gefühlte common sense der Lichterketten-Träger, der wird in die Nähe der kackbraunen Kameraden gerückt.
Ich bin dafür, dass es nicht mehr strafbar sein soll, die Shoa zu leugnen. Und ich bin dabei in guter Gesellschaft mit Henryk M. Broder und zahlreichen Juristen wie Wolfgang Hoffmann-Riem, einem ehemaligen Rchter am Bundesverfassungsgericht.
Nun könnt ihr mich auch diffamieren, ihr Pappnasen bei Spiegel Online.
Autoritärer Politmoralismus
Heute ist der Berliner Tagesspiegel gleich zwei Mal interessant zu lesen. Sebastian Leber schreibt über „Martin Delius hat Jehova gesagt“ und Harald Martenstein über „Autoritärer Politmoralismus“:
Im Internet hat der Landesvorsitzende [der Piraten] sinngemäß geschrieben, wer Naziaufmärsche blockiere, wende selbst Nazimethoden an. Grüne und CDU sehen darin „rechtsextreme Tendenzen“. Ich habe dazu eine Frage, sie lautet: Geht’s eigentlich noch? (…)
Zweifellos geht von den Rechtsextremen eine Gefahr für die Demokratie aus. Aber von einem hyperventilierenden, neoautoritären Politmoralismus, der von Grundrechten, von offener Diskussion und Meinungsfreiheit nichts hält, geht ebenfalls eine Gefahr aus. Unter anderem deshalb haben ja die Piraten zur Zeit so viel Zulauf.
Das K-Wort und das I-Wort
Spiegel Online postuliert zum wiederholten Male die Existenz von Rassen beim Homo Sapiens. Die Pappnasen können es nicht lassen. Die NPD wird es ihnen danken.
Auch sonst ist der Artikel ziemlich albern – auf die Ökömomie und die Produktivkräfte und warum sich diese wo und wie entwickeln geht er nicht ein. Klar, man traut sich nicht, das K-Wort zu sagen. Das höchst und wieder aktuelle I-Wort, das aus dem K-Wort hervorgeht, hätte auch viele Fragen, die der Artikel stellt, ernsthaft beantworten können.
Das Ministerium für Wahrheit informiert
Das Ministerium für Wahrheit heisst jetzt „Medien-Regulierungsbehörde“ in Grossbritannien.
Internet-Voodoo und Computer-Mythologie
Welt online: „Er hackte ihre Konten, griff auf private Fotos und Informationen zu und verbreitete sie im Internet.“
Da wüsste man doch zu gern, wie der „gehackt“ hat: Jemand, der seinen Beruf ernst nimmt als Journalist, würde das recherchieren und dem Publikum erklären.
Hat Christopher Chaney Beschwörungsformeln vor seinem Monitor gemurmelt? „Abrakadabra, jetzt onlinedurchsuche ich dich!“ Oder wie?
Auf solch schwachsinniger Berichterstattung basieren die Computer-Mythen in Fernseh-Krimis und in Filmen – und in den Köpfen der DAUs.
Der Hacker ist der Schamane des 21. Jahrhunderts und wird von der ahnungslosen Journaille mit magischen Fertigkeiten ausgestattet wie der Zauberer eines Dorfes in Papua-Neuguinea. (Ja, das hatte ich vor fünf Jahren schon einmal geschrieben).
Guckst du bei Sawf News: „The photos of Christina Aguilera being leaked to the press were illegally obtained by a hacker who tapped into Christina’s personal stylist’s account“.
Aha. Ein Phishing-Angiff auf die E-Mail-Accounts des sozialen Umfelds der Opfer – technisches social engineering sozusagen.
Das funktioniert, weil DAUs mit eingeschaltetem Javascript surfen und E-Mails in HTML-Format erlauben. (Das ist leider ab Werk in den meisten E-Mail-Programmen so eingestellt, das kann man aber ändern!)
Brot und Spiele und Pack, revisited
Christoph Lütgert kommentiert in Spiegel Online den Auftritt Carsten Maschmeyers bei Sandra Maischberger:
Wir hatten aufgezeigt, wie der AWD-Gründer und seine Drückerkolonnen Zigtausenden kleiner Anleger höchst riskante Finanzprodukte vertickt und diese Menschen in den Verlust ihrer Ersparnisse getrieben hatten. Noch heute erhalten wir erschütternde Zuschriften von Maschmeyer-Opfern; Menschen, die nicht damit klarkommen, dass der Verlobte von Veronica Ferres zu den reichsten Deutschen gehört und die Spitzen aus Politik, Gesellschaft und Showbusiness ungeniert zu seinen Freunden zählt.
Am 12.01.2011 hatte ich hier schon einmal SpOn zitiert: „Im Übrigen sei Herr Maschmeyer auch bereit gewesen, dem NDR ein Interview zu geben, wenn konkrete Fragen vorher vorgelegen hätten.“
Ceterum censeo:
In einen Land, in dem die meisten Medien Interviews “autorisieren” lassen, ohne dass es dafür eine gesetzliche Grundlage gäbe, und in dem der “Untertan”, den wir aus der Literatur kennen, das charakterliche Maß aller Dinge ist, sollte sich niemand erdreisten, einem so genannten Prominenten eine Frage zu stellen, ohne diese vorher mit dessen Rechtsbeiständen hin- und hergewendet zu haben, damit auch nichts dabei herauskäme, was irgendjemanden in dessen Seelenruhe störe. (…)
Damit wäre der Unsitte, die man aus dem angelsächsischen Journalismus kennt, ein Riegel vorgeschoben, dass es die Journaille immer noch wagt, Dinge zu publizieren, die dem Allgemeinwohl des Staates schaden, die die sittlichen Grundlagen der Leitkultur unterhöhlen, insbesondere auch den Schutz der Jugend, und die die Öffentlichkeit mit Schmutz und Schund behelligen, etwa den lügenhaften und verachtenswerten Thesen, die man leider immer noch vereinzelt vernehmen muss, einer ihrer geschätzten Mandaten könnte eines jener zahlreichen Arschgesichter sein, die sich gewissenlos auf Kosten der kleinen Leute bereichern, wie es zwar der Kapitalismus vorgesehen hat, aber hierzulande zum Glück durch die Einführung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die wir alle lieben und verehren und zu der es bekanntlich keine Alternative gibt, komplett unterbunden worden ist.
Wenn Maschmeyer seine Meinung mittlerweile nicht geändert hat, wird Maischberger ihm auch vorher die Fragen zum Abnicken vorgelegt haben. Deutscher Fernsehjournalismus at it’s best.
Ich will nicht missverstanden werden: Ich find es gut, dass Arschgesichter und Pack im Fernsehen auftreten dürfen. Mehr davon! Wer Interviews „autorisieren“ lässt, sollte erst gar keinen journalistischen Anspruch formulieren. Derartige Talkshows sind Unterhaltung, keine Information. Wer sich jetzt künstlich aufregt, dass Maschmeyer und seien Komparsen sich als Wohltäter im Kapitalismus haben aufspielen können, der tut so, als hätte es anders sein können. Das ist aber ein Irrtum. Niemand hatte jemals die Absicht, das System als solches in Frage zu stellen.
Unterhaltung dient dazu, denjenigen ein mentales Ventil zu verschaffen, die nichts unternehmen und den Kapitalismus als die höchste und endgültige Stufe der Evolution des Homo sapiens ansehen. Brot und Spiele – das war schon im römischen Colosseum so.
Entertainment im Kapitalismus ist eine Teilmenge von Religion aka gewollte Verblödung der Massen aka Opium des Volkes.
Was ist der Unterschied schwischen den Tittenbildern von Bild, der Yellow Press à la Gala, den systemaffinen Faselrunden bei Illgner und wie sie alle heissen und Maischberger? Wenn es einen gibt, dann braucht man ein Elektronenmikroskop, um ihn festzustellen.
Lütgert schreibt: „Die nächsten Werbeauftritte im Fernsehen für Carsten Maschmeyer und sein Buch sind vermutlich schon gesetzt. Keinen halben Tag nach der Maischberger-Sendung – exakt um 8.44 Uhr – erschien er bereits im ZDF-‚Morgenmagazin‚.“
Quod erat demonstrandum. Nichts Neues aus der öffentlich-rechtlichen Anstalt.




















