Diese jämmerlichen Figuren

„…bis dann der PW [prisoner of war] sich endlich aufbäumt und ausruft: „Was wollen Sie eigentlich von mir? Was konnte ich denn tun! Ich bin doch nur ein kleiner Mann. (…)

Nur ein kleiner Mann. Das Kleine-Mann-Thema wird in den ganzen Krieg hindurch beschäftigen (…).Die kleinen Leute, die Armen, die Unterdrückten, sind ja seine Leute; mit ihnen hat er sich immer solidarisiert, denn er hat gewußt, welche Kraft sie sind, geeint: wer war es denn, der die Bastille stürmte und den Winterpalast, wenn nicht die kleinen Leute? Aber wo war nun das andere, das wahre Deutschland, von dem er geträumt und geredet und geschrieben hatte? Sollten es diese etwa gewesen sein, diese jämmerlichen Figuren, die immer nur gekuscht hatten und, nach eigenem Geständnis, in jedesmal eigenen Worten vor ihm abgelegt, nie auch nur auf den Gedanken gekommen waren, nach der eigegen inneren Überzeugung zu handeln, sich zusammenzutun, in den Betrieben, in der Armee, wo immer sie eine Macht hätten sein können, und wenigstens einen Versuch zu unternehmen zu Widerstand, Streiks, Meutereien, Sabotage: Nur ein kleiner Mann – das entband sie ihrer Verantwortung, als Einzelne, als Gruppe, als Nation. (…)

Es hat Jahre gedauert, und ich mußte erst wieder unter Deutschen leben, bis ich verstand (…) und bis ich die Manipulierbarkeit des Menschen durch den Menschen in ihrer ganzen Vielfalt begriff.“

(Stefan Heym in seiner Funktion als US-amerikanischer Offizier über die Vernehmung deutscher Kriegsgefangener 1944 in der Normandie, aus: „Nachruf„)

Sehr aktuelle Sätze…

Die Grundlage einer guten politischen Meinung

heym

„Da waren in ihm, die Wurzeln müssen in der Kindheit liegen, ein Sinn für Recht und Unrecht, und eine Abneigung gegen Macht, die unterdrückt.“ (Stefan Heym: „Nachruf“, S. 105)

Gregor Gysi schrieb zu seinem 10. Todestag: „Dieser Typ des Intellektuellen handelt sich mit allen Seiten Ärger ein, aber hat einen außerordentlichen Vorteil: Er tendiert nicht so schnell zum Opportunismus.“

Ein großer Mann, Jude und Sozialist, und in literarischen Dingen – und nicht nur denen – mein Vorbild. Seine Autobiografie „Nachruf“ (1988) gehört für mich zum Bildungskanon und ist eines der besten Bücher, die je in deutscher Sprache geschrieben wurden.

Female Character Models: unrealistic physical proportions

snipergirl

Ein interessanter Artikel in der Wired über weibliche Spielercharaktere in Ego-Shootern wie Warface:

„The female skins [are] a good example of how we see how culturally the different regions approach the same game in different ways,“ he says. „The skins we’re showing right now are the skins that basically came out of our Russian region. They’re not what our players at first requested in the Russian region. They tended to be considerably more extreme that what we ended up shipping with.“

By extreme he means revealing clothing and rather unrealistic physical proportions.

Frau Dingens twitterte dazu: „Crytek vergleicht Frauen in Games mit Cola, Spieler wollen sie in Highheels und Riesendekolltee“.

GamesIndustry hatte das Thema schon vor ein paar Tagen diskutiert: „Warface producer: ’sexy‘ female character skins result of ‚cultural relativism‘.“

Hufeisensiedlung

Hugeisensiedlung

Welches Gedicht Bertolt Brechts fällt einem bei der Beschriftung dieses Plakates unwillkürlich ein und warum?

Bilderrätsel für fortgeschrittene Feuilletoniker

europa

Als ich dieses Denkmal sah, schwante mir gleich etwas… Nach kurzem Überlegen fiel mir dann ein, vom wem das Zitat stammt, und, da ich dessen Biografie gelesen habe, auch, warum es ausgerechnet da steht und nicht im Westen Berlins.

Ich habe alle seine Bücher in meiner Bibliothek. Das haben von Schriftstellern nur noch Stanislaw Lem, Bertolt Brecht, Thomas Mann, Oskar Maria Graf und Shakespeare geschafft.

Murphy’s law in Space

Kapp-Putsch

Gestern habe ich mir die Originalversion des Films „Gravity“ angesehen. Wie ich schon vermutete, muss man die gesprochenen Texte nicht wirklich komplett verstehen. Sandra Bullock führt zwar ununterbrochen Selbstgespräche, weil sie die meiste Zeit allein ist, während alles um sie herum kaputtgeht, was kaputtgehen kann, aber man muss ihr nicht zuhören. Es geht nur darum, das Desaster zu überleben und dabei an irgendjemanden zu denken (die intakte Kleinfamilie, Kinder, meinetwegen auch den Hund oder die Katze), weswegen man gern auf die Erde zurückkehren möchte.

Ich habe mich zeitweilig sogar gelangweilt. Das Ambiente ist zwar im Vergleich zu anderen Science-Fiction-Filmen realistischer gemacht, vor allem, wie sich die fehlende Schwerkraft im Detail auswirkt, aber das ist auch schon alles. Andere Dinge dafür sind um so unrealistischer – völlig unnötig, nur der Prüderie geschuldet: Bullock schwebt zeitweilig nur im Höschen und eng anliegendem T-Shirt herum, aber sie trägt extra noch etwas darunter, damit niemand auch nur ansatzweise ihre Brustwarzen sehen kann, selbst dann nicht, wenn sie tropfnass wird. Bullock ist für mich ohnehin immer schon der personifizierte Cheerleader gewesen, also so etwas wie die Love Parade (vgl. das Zitat unten): Man zeigt sich nackt, aber Sex gibt es trotzdem nicht – eine rituelle protestantische Form, öffentlich zur Schau zu stellen, dass man/frau sich beherrschen kann.

Michelle Alexandrina schreibt im Eclipse Magazine:
There are moments in the film that are gripping, but once you get past the basic idea that they are stranded in space and they have 90 minutes to reach a Chinese Satellite before they run out of air, the movie becomes a bit pedestrian. (…) From a purely visual standpoint, there is nothing in this film that haven’t been shown in a million other films set in space, only films like Sunshine and Moon actually had more compelling characters. (…) The film is very situational and not character driven.

Well said.

Und jetzt zu etwas ganz anderem, wie ich in „Nazis sind Pop“ schon schrieb:
Techno als genuin deutsche Erfindung ist daher die Fortsetzung von „Kraftwerk“ mit massentauglichen Mitteln, aufgeheizt mit asexueller Körperarbeit. Die Love Parade wirkt als säkulares, aber dennoch religiös gemeintes Massenspektakel, das dem Pathos des Körperlichen huldigt. Der kollektive Körper ist Medium des Politischen. Der entblößte rhythmische Körper in der Masse demonstriert, dass traditionelle sexuelle Kodes als kollektives Zeichensystem keine sexuelle Bedeutung mehr tragen müssen; wie auch die muskulösem Statuen Arno Brekers, die zu Recht dem Verdikt faschistischer Ästhetik anheimfielen, asexuell wirken, dennoch sexuelle Körperkodes transportieren. Das Pathos lügt immer: es tönt den Sirenengesang des Individuums und meint in Wahrheit die gesichtslose, kollektiv geformte Masse.

Das wollte ich nur noch mal gesagt haben.

Die Konquistadoren, revisited

konquistadorenIch plane, meinen Roman „Die Konquistadoren“ (rd. 480 S.) als E-Book selbst herauszugeben, da ich schon vor Jahren die Rechte zurückbekommen haben. Es gibt offenbar immer noch einen Bedarf, da das Buch auch antiquarisch nicht so einfach zu bekommen ist. Die Auflage ist ja komplett ausverkauft.

Leider habe ich nicht die Rechte für das Titelblatt, muss also ein neues suchen, das auch noch frei verfügbar ist. Vorschläge der geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser sind willkommen! Auch die Karten müsste ich selbst neu zeichnen, aber die im Buch gefielen mir sowieso nicht, weil sie zu ungenau waren.

Auch sind Vorschläge erwünscht, wo und wie ich das Werk publizieren soll – ich muss mich erst sachkundig machen. Amazon Kindle? Epubli? Petra von Cronenburg hat vor zwei Jahren etwas darüber geschrieben.

Und dann der Preis: Wieviel würdet ihr bezahlen?

Einige Fragen und ein Hinweis an linke Parteifunktionäre

Wer gutes Deutsch lernen will, kann auch Bertold Brecht lesen. Hier ein Auszug aus „Fragen eines lesenden Arbeiters“. Hinweis für Parteifunktionäre der „Linken“: Es taucht kein Wort auf, dass mit -ung endet. Auch wenn ihr das für unmöglich haltet – aber so redet und schreibt man, wenn man dem Volk auf’s Maul schaut.

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon –
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war
Die Maurer?
Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie?
Über wen triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer siegte außer ihm?

Was lese ich hingegen im Parteiprogramm der „Linken“? „Aushöhlung der Demokratie – Die Möglichkeit demokratischer Einflussnahme und Mitgestaltung“.

Unfassbar. Wer redet so? Ja, Parteifunktionäre eben.

Man stelle sich vor, das Kommunistische Manifest hätte so begonnen: „Die Kommunisten sind gegen die Aushöhlung der Demokratie und für die Möglichkeit demokratischer Einflussnahme und Mitgestaltung“ – hätte das auch nur ein Mensch gelesen?

Quilapayun

Quilapayun - El pueblo unido jamas sera vencido

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Die deutsche Linke (nicht nur die gleichnamige Partei) bietet ein desaströses Bild. Vielleicht sollte ich im Alter doch nach Lateinamerika auswandern. Da kann die Jugend die Texte dieser Lieder noch auswendig. Die Musik ist eh besser – und die linken Frauen schöner (ja, ein doofer Spruch, aber die Wahrheit).

Hier singt Victor Jara.

Hirntotes Vergnügungspublikum

„Wo sich andere sogenannte Entertainer mit dem Gemüt von Baseballschlägern bei einem mittlerweile hirntoten Vergnügungspublikum unterzuhaken versuchen…“

Großartig geschriebener Nachruf auf Marcel Reich-Ranicki: „Der Typ vom anderen Stern“, zu meiner Überraschung vom Papst-Groupie Matthias Matussek. (Jemand kommentiert im Spon-Forum: „Zwar bleibt sich hier Matussek weitgehend treu: Er schreibt wieder mal über einen Papst“.) Wo er aber Recht hat, hat der Recht.

Was er konnte, konnte sonst niemand: Den Mut haben zur Unterscheidung zwischen gut und schlecht, und, selbstverständlich, das Risiko des gelegentlichen Irrtums in Kauf zu nehmen.

Ha! Ich unterscheide immer zwischen gut und schlecht. Und anmaßend bin ich auch.

Über das deutsche Fernsehen

„Die Ausschnitte aus Sendungen, die während der Gala gezeigt wurden, bezeichnete Reich-Ranicki als ‚Blödsinn‘. „Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet.“

Marcel Reich-Ranicki ist gestorben. Ich teile seine Meinung über das deutsche Fernsehen.

Camille Saint-Saens: Symphony no. 3 „Organ“

Saint-Saens: Symphony no.3 "Organ" 4/4 - Hámori Máté

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Mal zwischendurch schöne Musik… Ein treffender Kommentar auf Youtube: „Fabulous…..and on a 700 watt sound system…..DIVINE…..if the pictures do not fall off your wall…..you didn’t get it.“

Reboot der Insel der Seligen

Elysium

„Reboot der Insel der Seligen“ – ein Artikel von mir in Telepolis über den Film Elysium.

„Elysium“ ist ein solide gemachter Action-Film, dessen Science-Fiction-Kostüm kaum kaschieren kann, dass der Plot fast die gegenwärtige Realität beschreibt. (…) Die Moral derartiger Geschichten ist auch schon spätestens seit Sergio Corbuccis „Il Mercenario“ (1968) klar: Der Held hat zunächst ein egoistisches Motiv (Geld, in „Elysium“ die eigene Gesundheit), und eine schöne Frau bringt ihn auf den richtigen Weg an die Seite der Armen und Guten, denen er hilft, die Bösen militärisch zu besiegen (wie auch in „Avatar – die Reise nach Pandora“).(…) Im deutschen Feuilleton gilt man offenbar schon als „stramm links“, wenn man fragt, ob es wirklich sein müsse, dass Wenige viel haben und umgekehrt. (…) Ein wirklicher und dauerhafter sozialer Reboot würde die Einsicht voraussetzen, dass die Akteure innerhalb des Systems nur ihre vorgesehene Rolle einnehmen, als eine Art „Charaktermaske“, und dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Es kommt vermutlich weniger darauf an, wer die Macht hat, sondern zu ändern, worauf Macht beruht. So weit geht „Elysium“ nicht. (…)

Elysium

Pictures: Sony Pictures

Sehr späte gefährliche Seilschaften

pig

Warum kommen gute Spielfilme über Politik eigentlich immer zu nachtschlafender Zeit, wenn diejenigen, die sie sehen sollten, schon im Bett liegen? Die Serie „Borgen – gefährliche Seilschaften“ auf Arte ist realisttisch und wunderbar zynisch und stellt alles in den Schatten, was ich an deutschen Produktionen gesehen habe.

Parallel dazu kann man noch die Borgias reinziehen: „Ich habe euch belogen? Ich bin Politiker, was erwartet ihr denn?“

Unter Greenhorns

Eine Studie:
Der Großteil der Befragten bewertet die eigene Kompetenz im Umgang mit Suchmaschinen als gut, schneidet in einem formalen Wissenstest über die Funktionsweise von Google aber schlecht ab. Viele lehnen einerseits die Speicherung ihrer Daten explizit ab, finden andererseits aber die daraus resultierenden, auf sie zugeschnittenen Suchergebnisse begrüßenswert.

Das erinnert mich an eine andere Studie:
Ein Greenhorn macht im wilden Westen ein so starkes Lagerfeuer, daß es baumhoch emporlodert, und wundert sich dann, wenn er von den Indianern entdeckt und erschossen worden ist, darüber, daß sie ihn haben finden können. (…) es ist ja eben die hervorragendste Eigentümlichkeit jedes Greenhorns, eher alle andern Menschen, aber nur nicht sich selbst für ‘grün’ zu halten.

Boogie Woogie Runner

Boogie Woogie Runner - Luca Sestak live

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Der beste deutsche Boogie-Spieler zur Zeit – nach Vince Weber und Axel Zwingenberger natürlich – aber die sind fast zwei Generationen älter als Luca Sestak. Sein Blues ist genauso gut.

„Ich liebe dich“

„Das Trostlose an solchen Beteuerungen ist, dass sie immer falsch sind, aber die Tatsache, dass man sie sich ausdenken kann, verschafft ein gewisses Vergnügen.“ (Segundo Serrano Poncela: „Der Mann mit dem grünen Kreuz“, „El hombre de la cruz verde (1973), probably his greatest work of fiction, a historical novel about the Spanish Inquisition during the reign of Philip II.“)

Habe ich in ungelesen in meiner Bibliothek entdeckt. Sehr schönes Buch und gut übersetzt. Eine dichte, düstere Atmosphäre und abgrundtief zynische Attitude des Erzählers. Gefällt mir.

Tomorrow Tech Trends

New Wearable Computer Also Sucks Your Dick

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Erst jetzt gesehen bei Pornoanwalt.

Time will remember this music


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The best epic music ever… falls jemand meinen Musikgeschmack noch nicht kennt. Kann ich drei Stunden am Stück hören und auch noch über den Titel nachdenken.

Schneller Jim, schneller Jake, schneller Burks…schneller nen bisschen

jogging

Meine Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Kurzstrecke hat sich ein bisschen erhöht, trotz einer einwöchigen Pause. (Vermutlich erkennt jeder das Zitat des Titels? Aus welchem Film stammt es?)

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