Murphy’s law in Space

Kapp-Putsch

Gestern habe ich mir die Originalversion des Films „Gravity“ angesehen. Wie ich schon vermutete, muss man die gesprochenen Texte nicht wirklich komplett verstehen. Sandra Bullock führt zwar ununterbrochen Selbstgespräche, weil sie die meiste Zeit allein ist, während alles um sie herum kaputtgeht, was kaputtgehen kann, aber man muss ihr nicht zuhören. Es geht nur darum, das Desaster zu überleben und dabei an irgendjemanden zu denken (die intakte Kleinfamilie, Kinder, meinetwegen auch den Hund oder die Katze), weswegen man gern auf die Erde zurückkehren möchte.

Ich habe mich zeitweilig sogar gelangweilt. Das Ambiente ist zwar im Vergleich zu anderen Science-Fiction-Filmen realistischer gemacht, vor allem, wie sich die fehlende Schwerkraft im Detail auswirkt, aber das ist auch schon alles. Andere Dinge dafür sind um so unrealistischer – völlig unnötig, nur der Prüderie geschuldet: Bullock schwebt zeitweilig nur im Höschen und eng anliegendem T-Shirt herum, aber sie trägt extra noch etwas darunter, damit niemand auch nur ansatzweise ihre Brustwarzen sehen kann, selbst dann nicht, wenn sie tropfnass wird. Bullock ist für mich ohnehin immer schon der personifizierte Cheerleader gewesen, also so etwas wie die Love Parade (vgl. das Zitat unten): Man zeigt sich nackt, aber Sex gibt es trotzdem nicht – eine rituelle protestantische Form, öffentlich zur Schau zu stellen, dass man/frau sich beherrschen kann.

Michelle Alexandrina schreibt im Eclipse Magazine:
There are moments in the film that are gripping, but once you get past the basic idea that they are stranded in space and they have 90 minutes to reach a Chinese Satellite before they run out of air, the movie becomes a bit pedestrian. (…) From a purely visual standpoint, there is nothing in this film that haven’t been shown in a million other films set in space, only films like Sunshine and Moon actually had more compelling characters. (…) The film is very situational and not character driven.

Well said.

Und jetzt zu etwas ganz anderem, wie ich in „Nazis sind Pop“ schon schrieb:
Techno als genuin deutsche Erfindung ist daher die Fortsetzung von „Kraftwerk“ mit massentauglichen Mitteln, aufgeheizt mit asexueller Körperarbeit. Die Love Parade wirkt als säkulares, aber dennoch religiös gemeintes Massenspektakel, das dem Pathos des Körperlichen huldigt. Der kollektive Körper ist Medium des Politischen. Der entblößte rhythmische Körper in der Masse demonstriert, dass traditionelle sexuelle Kodes als kollektives Zeichensystem keine sexuelle Bedeutung mehr tragen müssen; wie auch die muskulösem Statuen Arno Brekers, die zu Recht dem Verdikt faschistischer Ästhetik anheimfielen, asexuell wirken, dennoch sexuelle Körperkodes transportieren. Das Pathos lügt immer: es tönt den Sirenengesang des Individuums und meint in Wahrheit die gesichtslose, kollektiv geformte Masse.

Das wollte ich nur noch mal gesagt haben.

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Kommentare

5 Kommentare zu “Murphy’s law in Space”

  1. .... der Trittbrettschreiber am Oktober 5th, 2013 2:18 p.m.

    „Man zeigt sich nackt, aber Sex gibt es trotzdem nicht – eine rituelle protestantische Form, öffentlich zur Schau zu stellen, dass man/frau sich beherrschen kann“.

    Danke für den Tipp, jetzt werde ich den Riss am Knie meiner Jeans wieder zunähen – der Umwelt zuliebe.
    Oder sollte ich das lassen und eine Strumpfhose drunterziehen?
    Das würde dann einen intellektuellen Prozess beim Hinglotzen auslösen. Gelenktes Denken, ist das liberal?

  2. Eike am Oktober 6th, 2013 12:31 p.m.

    Zieh Dir doch einfach ein Leggins drüber. Das sieht zwar nicht schön aus, aber die Blicke sind Dir gewiss.

  3. Fleming am Oktober 6th, 2013 6:15 p.m.

    Deine Ansichten zu Techno sind – deine Nazi-Theorie hin oder her – schlicht veraltet. Die Love Parade gibt es bekannterweise seit vielen Jahren nicht mehr und der gesamte Gestus hat sich verändert – deine Gedanken stammen aus den 90gern, denn es ist eine komplett neue Generation herangewachsen, die ganz andere Zeichen und Gesten benutzen als in jenen „goldenen Techno-Jahren“ (als dein Buch erschienen ist), als noch „Dabei sein ist alles“ propagiert wurde.

    Der heutige Faschismus der tanzenden Massen kommt auf eine ganz andere Art zum Tragen – ich empfehle einmal auf die großen Mainstream Festivals wie „Sonne Mond Sterne“ zu fahren, da bekommt man das (leider) sehr schnell vermittelt.

  4. admin am Oktober 6th, 2013 7:35 p.m.

    Meine zitierten Ansichten zu Techno stammen aus eimem Buch, dass ich 2002 veröffentlicht habe. Natürlich ist das dann veraltet, aber nicht die Theorie.

  5. .... der Trittbrettschreiber am Oktober 7th, 2013 11:39 a.m.

    @Eike
    „Zieh Dir doch einfach ein Leggins drüber. Das sieht zwar nicht schön aus, aber die Blicke sind Dir gewiss.“

    Leggings sind doch schon mein Hut-Ersatz. Die Zombies finden das ganz normal(z.B. Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße). Keine Sau guckt.

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