Cybersicherheit im Cyberraum für Cybersurfer
Allianz für Cybersicherheit: „Die Installation eines Virenschutzprogramms ist, basierend auf dem aktuellen Stand der Bedrohungslage in Bezug auf Schadsoftware für Linux, unter Ubuntu nicht notwendig.“
Ach. Vielleicht sollten die mal dem gewöhnlichen DAu erklären, warum das so ist. Das würde schon weiterhelfen.
Ich habe nachgesehen, ob diese „Allianz“ auch vor staatlicher Spionage-Software warnt. Nein, tut sie nicht, das verschweigt sie. Aber dafür empfehlen sie Jugend“schutz“filter.
Staatstrojanisches Pferd, revisited
Meine Schwester teilte mir mit, sie erwäge mir ein T-Shirt mit der Aufschrift zu schenken: „Ich bin kein Klugscheißer. Ich weiß es wirklich besser.“
Heise (Stefan „Staatstrojaner“ Krempl) formuliert immerhin nicht ganz verkehrt, es geht bei dem „Staatstrojaner“ um eine Software, die Internet-Telefonie abhöre:
Die längere Zeit zum Abhören der Internet-Telefonie eingesetzten Staatstrojaner waren zuvor durch Veröffentlichungen des Chaos Computer Clubs (CCC) in Misskredit geraten und sollen vorläufig nicht mehr verwendet werden.
Nein, die staatliche Malware war schon vorher „in Misskredit“ geraten, weil ich darüber ein ganzes Buch geschrieben habe, das Krempl tunlichst verschweigt.
Außerdem gibt es einen „Staatstrojaner“ so gar nicht, wie es sich unbedarfte Verschwörungstheoretikerinnen denken – im Sinne einer Software, die heimlich „von außen“ und ohne Wissen des Computer-Nutzers und ohne physischen Zugriff auf dessen Recher „aufgespielt“ werden kann.
Der Heise-Artikel zeigt aber eines: Bisher waren die Behörden offenbar nicht in der Lage, selbst diese Software, von der sie träumen, zu bauen. Das heisst: Alle Medienberichte, die seit 2006 etwas anderes behauptet haben, sind gelogen oder frei erfunden oder – wie in den meisten Fällen – wüstes ahnungsloses Herumspekulieren.
Schauen wir doch mal in die Berliner Zeitung vom 07.12.2006 (sechs Jahre her):
Das Bundeskriminalamt soll künftig online in die Personalcomputer von Verdächtigen eindringen und sie nach „verfahrensrelevanten Inhalten“ durchsuchen können. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe jetzt den Haushaltsausschuss des Bundestages darüber in Kenntnis gesetzt, dass die entsprechenden Computerprogramme, mit denen über die vorhandenen Kommunikationsnetze auf die Festplatten mutmaßlicher Krimineller und Terroristen zugegriffen werden kann, derzeit entwickelt werden, meldete jetzt die Bild-Zeitung..
Ach?!
Was richtig ist: Der CCC, der zum Glück nicht nur aus Bogk und Maguhn besteht, hat eine kommerzielle Software der Firma Digitask untersucht, die die staatlichen Behörden einsetzten, um Internet-Telefonie abzuhören, und die mehr konnte, als nur das. Dazu muss der Computer-Nutzer aber die Software für Internet-Telefonie aber vorher eigenhändig installiert haben.
Da aber die Zahnpasta schon aus der Tube ist, sind vernünftige Leute wie Jürgen Kuri von der c’t fast allein auf weiter Flur (um mich selbst nicht zu nennen).
Staatstrojaner, frisch gebacken und gesottet
Heise: „Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, hält es für möglich, dass nie ein vom BKA entwickelter Staatstrojaner zum Einsatz kommen wird. (…). Vielleicht müsse man aber irgendwann auch kleinlaut zugeben, dass das BKA dies gar nicht könne.“
Bruhahahaha. Qoud erat demonstrandum. Vielleicht hätten sie einfach mein Buch lesen sollen.
Seien Sie vorsichtig!
Die Berliner Polizei rät: „Bei unbekannten Absendern niemals die Anhänge der Mails öffnen! Seien Sie vorsichtig, auch wenn Ihnen die Mail grundsätzlich seriös vorkommt!“
Und was ist jetzt mit den Verschwörungstheorien, der real gar nicht existierende „Bundestrojaner“ werde per Mail verschickt?
Internetsucht, revisited
Stefan Schleim (Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie, Universität von Groningen) in SciLogs (ab sofort in der Blogroll):
„Zugegeben, es wird jeden Tag so viel Falsches im Internet publiziert, dass es eine Sisyphosarbeit wäre, dies auch nur ansatzweise richtigzustellen. Leider gilt dies auch für die Wissenschaftskommunikation. (…) Manche Beispiele treiben mir aber einfach die Tränen in die Augen – oder lösen wahlweise ein erheiterndes Lachen aus, wenn ich sie mir als Beiträge in der Satirezeitschrift Titanic vorstelle. So auch die Pressemitteilung, die sich unter anderem in Meldungen in der Welt (Eine Mutation macht anfälliger für Internetsucht) sowie der Morgenpost (Internetsucht hat genetische Ursachen) niedergeschlagen hat. Im Sommerloch wissen die Journalisten wohl nicht, worüber sie sonst schreiben sollen.“
Man sollte eben nicht vergessen, dass ein großer Teil dessen, was in den Medien wiedergekäut wird, nichts anderes ist als das „gesunde“ Volksempfinden der Journaille – also einfach Quatsch. Beim Thema „Drogen“ gilt das für 99 Prozent – schon immer.
Und nun zu uns, DAUs!

Sehr geehrte DAUs, stellen mer uns janz dumm: Ihr kriegt von einer unbekannten Person eine E-Mail mit einem Anhang, auch bekannt als „Attachment“. Und was macht man dann? Entzippt man es und installiert alles, was nicht bei drei auf dem digitalen Baum ist – inklusive der DigiTask_keylogger.exe und der Bundestrojanhorse.exe?
[Brüllmodus on] Nein, das tut man mitnichten, sondern schreddert das Attachment unbesehen!
German Angst
Honi soit qui mal y pense – unter Freibeutern und ihren JournalistenfreundInnen
„Im Mainzer Landtag haben SPD und Grüne gegen das von der CDU eingebrachte Misstrauensvotum gestimmt“, schreibt das ehemalige Nachrichtenmagazin.
Bevor wir weitermachen, übersetzen wir den holprigen Satz in gutes Deutsch. Wer tat was? SPD und Grüne taten etwas. Warum steht der Ort, an dem sie es taten, vorn und lenkt die Leser vom Wesentlichen ab. „Auf der Toilette verrichtete er sein Geschäft“? Wer redet so?
SPD und Grüne stimmten gegen…. halt: Warum kommt jetzt der Einschub „das von der CDU eingebrachte“? Weil der schludrige Schreiber gern alle Informationen in einen Satz packen wollte, damit die faulen Leser nicht mehr zur Kenntnis nehmen müssen als die erste Zeile?
„Gegen ein Misstrauensvotum stimmen“ ist auch nicht verständlich und hört sich an die „Verringerung der Erhöhung“ oder „der Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich“, um eine schlechte Nachricht als eine gute zu verkaufen.
SPD und Grüne sprachen Beck ihr Vertrauen aus. Sie stimmten gegen einen Antrag der CDU, der dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten das Misstrauen aussprechen sollte. Dass die Angelegenheit in Mainz stattfand und nicht in Nairobi, ist klar und kann also weggelassen werden.
„Vertrauen aussprechen“ ist Blähdeutsch. Sie vertrauen ihm (richtig, taz!), obwohl er eine unfähige Pappnase ist. Er sprach ihr eine Begrüßung aus? Auch wieder Quatsch, aber wir haben uns an schlechtes Deutsch gewöhnt.
Die CDU wollte den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten stürzen. SPD und Grüne vertrauen Beck aber und schmetterten jetzt das Misstrauensvotum ab.
Ich geb’s auf. Gutes Deutsch – schweres Deutsch. Vielleicht sollten doch besser die sprachbegabten Leserinnen und die des guten Deutschen kundigen Leser ran.
Zurück zu Beck:
Die Wörter „man“ und „es“ statt „ich“ verwendete Beck anschließend mehrfach bei der Beschreibung all jener Fehler, die nun zur Zahlungsunfähigkeit der zu 90 Prozent landeseigenen Nürburgring GmbH und dem Verlust von womöglich mehr als 200 Millionen Euro Steuergeldern führte. (FAZ)
Das Projekt Nürburgring 2009, in das rund 350 Millionen Euro aus Steuergeldern flossen, führte im Sommer 2009 zum Rücktritt des rheinland-pfälzischen Finanzministers und Aufsichtsratschef der Nürburgring GmbH, Ingolf Deubel [SPD] sowie Anfang Dezember 2009 zur Entlassung des Hauptgeschäftsführers der Nürburgring GmbH, Dr. Walter Kafitz. [Jahresgehalt bei 300.000 Euro] (Wikipedia)
Da die Medien ja noch nicht einmal den Versuch machen, mich darüber zu informieren, warum die Grünen den Versager Beck unterstützen, muss ich eigenhändig ein wenig recherieren.
PR-Artikel über Kafitz wie auf motorsport-total.com zeigen, wie versaut und verludert die mediale Berichterstattung über das Thema ist. „Hier fällt es natürlich leicht, die nötige Leidenschaft zu entwickeln“, beschreibt Kafitz seinen Job als Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH und fügt schmunzelnd an: „Es ist schon ein anspruchsvoller Traumjob für mich.“
Exkurs: Bei anderen Themen ist es ja ähnlich. Annette Ramelsberger lobhudelt in der Süddeutschen (06.10.2004) über August Hanning, den Chef des Bundesnachrichtendienstes und glühenden Verfechter von „Online-Durchsuchungen“, dass es nur so schleimt („sie loben ihn alle“). Und einige Zeit später verbreitet sie dann den Hoax: „Den meisten Computernutzern ist es nicht klar: Aber wenn sie im Internet surfen, können Verfassungsschützer oder Polizei online bei ihnen zu Hause auf die Festplatte zugreifen und nachschauen, ob sie strafbare Inhalte dort lagern – zum Beispiel Kinderpornographie oder auch Anleitungen zum Bombenbau.“ Das riecht für mich meilenweit danach, als wäre hier von den richtigen Leuten die richtigen Leute gebrieft worden, um Überwachungs-Propaganda in Medien unterzubringen. Honi soit qui mal y pense.
Ich schweife ab. Warum unterstützen die Grünen Beck? Drei grüne Minister hat das akuelle Kabinett in Rheinland-Pfalz. Es geht nicht um Inhalte, sondern darum, ob jemand seinen gut bezahlten Job verliert. Falls Neuwahlen in Rheinland-Pfalz angesetzt würden, könnten die Grünen sich nicht sicher sein, ob sie ihren warmen eurogefüllten Sessel behalten könnten.
In Berlin ist es ja auch nicht anders. Fragen wir meinen Lieblingskollegen Mathew D. Rose. („An Rose nervt, dass er jeden erwähnten Politiker als „Freibeuter“ bezeichnet“ – ja, liebe taz, aber er hat vollkommen recht: „Rose wundert sich, dass scheinbar kein Berliner Journalist die aktuellen Korruptionsskandale verfolgt“ – nein, nicht „scheinbar“ – sie tun es nicht!)
Unter Finanzsenator Elmar Pieroth (CDU) stieg die Verschuldung, laut Rose, in nur einer Legislaturperiode um 150 Prozent auf rund 25 Milliarden. Das war 1996. Heute sind „wir“ bei über 60 Milliarden Euro. Und zwischendurch wurden städtische Firmen wie Wasserbetriebe, Gasag und Bewag verkauft. Übrigens unter der als Sparkommisarin angetretenen SPD-Frau Fugmann-Heesing (Schuldensteigerung in ihrer Amtszeit: „nur“ 40 Prozent).
Und was wählen die Leute? SPD und CDU.
Ich schrieb hier: „Mathew D. Rose, der den Berliner Bankenskandal fast im Alleingang aufdeckte, prägte den Lehrsatz, dass sich alle Probleme investigativer Recherche lösen ließen, wenn man nur zwei Fragen korrekt beantwortete: Wo kommt die ‘Kohle’ her? Wo geht sie hin?“
Wenn die Kohle in die Taschen der Grünen fließt, machen auch die jede Schweinerei mit.
Massnahmen zur Deradikalisierung

Antwort auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Steffen Bockhahn: „Auftragsvergabe an private Dienstleister im Bereich des Bundesministeriums des Innern“.
Im Zeitraum 2002 bis 2011 sind für Studien und Entwicklungsvorhaben auf dem Gebiet der IT-Sicherheit folgende Kosten entstanden: Gesamt 81.832.000 (Studien) 88.315.000 (Entwicklungsvorhaben) (…) Eine detaillierte Aufstellung aller Studien und Entwicklungsvorhaben des BSI (Auftragssumme, Auftragnehmer, weitere Beschreibung der thematischen Anforderung, Zielsetzung) über den genannten Zeitraum ist in der vorgegebenen Frist nicht zu leisten. Da das BSI über kein zentrales IT-System verfügt, aus dem die geforderten Angaben abgerufen werden können, wäre eine umfangreiche, händische Recherche in Altaktenbeständen erforderlich.
Wenn man dieses Dokument liest, dann stehen einem die Haare zu Berge. Interessant auch die Frage 9: „Wie viele Aufträge hat das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) seit 2002 an externe Dienstleister vergeben, und welche Kosten sind dadurch entstanden“?
In der Zeit von 2002 bis 2012 wurden insgesamt 177 Aufträge in einem Gesamtvolumen von 50 720 182 Euro vergeben.
Wofür die Steuergelder zum Fenster hinausgeworfen werden, zeigt der Screenshot: Die Dauerskandalbehörde Verfassungsschutz gibt 25.000 Euro aus, um ein zweifelhaftes Internet-Video herstellen zu lassen, das angeblich Menschen „deradikalisiert“.
Das erinnert mich an ein Zitat Dr. Grace Augustines (aka Sigourney Weaver): „but now I see that you are intentionally screwing me.“
Ceterum censeo: Verfassungsschutz abwickeln!
Anonymität ist erlaubt
Das das Landgericht München I hat bestätigt, dass anonyme WLAN-Hotspots erlaubt sind:
„Eine Verpflichtung, die Nutzer vor Zugang zum Internet zu identifizieren und deren Verkehrsdaten während der Nutzung zu speichern, ergibt sich für die Beklagte nicht aus § 111 TKG.“
Das Urteil kann man hier nachlesen.
Und wie ist das jetzt mit der real gar nicht existierenden „Online-Durchsuchung“? Ich gehe davon aus, dass die Lautsprecher der Überwachungs-Lobby bald fordern werden, das Telekommunikationsgesetz zu ändern.
Günter Wallraff et al
Auf Ruhrbarone.de steht ein Artikel über die Journalisten-Legende Günter Wallraff und dessen Umgang mit „Mitarbeitern“ und Quellen: „Mobbing à la Wallraff oder ‚…bis bald, Dein Günter‘.“
Sehr interessant auch dieser Hinweis: „Wallraffs Anwalt steht übrigens nach Presseberichten als ‚Sprecher‘ in Diensten der Firma ‚DigiTask‘. ‚DigiTask‘? Ja, genau. Das ist ein Spezialunternehmen, das vor einiger Zeit durch den sogenannten ‚Bundestrojaner‘ Schlagzeilen machte – eine Virensoftware [Unfug. Burks], die von BND und anderen Geheimdiensten dieser Welt genutzt wird, um heimlich Computer auszuspähen.“
Ja wo nutzen Sie denn? Mein Verhältnis zu Günter Wallraff habe ich übrigens schon am 12.12.2004 auf meinem Blog spiggel.de beschrieben.
SPD und Grüne wollen den Überwachungsstaat
Koalitionsvertrag SPD/Grüne in NRW ab Zeile 7058:
Wir wollen dem Verfassungsschutz NRW die sog. Quellen-Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) ermöglichen und die gesetzliche Grundlage dafür schaffen.
Quod erat demonstrandum.
Miszellen zum Überwachungsstaat Deutschland

Die Medien in Deutschland stecken immer noch voller Vodoo, sobald es um Computer und Internet geht. Das macht manchmal selbst vor IT-affinen Portalen wie Heise oder Golem nicht halt. Die Nutzer tun ihr Übriges, um den jeweiligen Quatsch zu perpetuieren. „Regret the Error“ ist ohnehin kaum vorgesehen.
Man lese die folgenden Sätze: „Deutsche Geheimdienste können PGP entschlüsseln“ (Golem). Ein Nutzer hat im Golem-Forum gleich kommentiert: „Vermutlich eine Ente“.
Genau so ist es. Es geht um eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage mehrere Abgeordneter der Linken, ob die Technik deutscher Übewachungsbehörden in der Lage sei, „verschlüsselte Kommunikation (etwa per SSH oder PGP) zumindest teilweise zu entschlüsseln und/oder auszuwerten?“
So fragt man natürlich nicht: Man kann nicht SSH oder PGP in einem Atemzug nennen. Das sind Äpfel und Gummibärchen. Dementsprechend dämlich und missverständlich ist die Antwort der Bundesregierung: „Ja, die eingesetzte Technik ist grundsätzlich hierzu in der Lage, je nach Art und Qualität der Verschlüsselung.“
Das kriegen natürlich Leute mit einem geplegten IT-Halb- und Viertelwissen gleich in den falschen Hals. Fefe schreibt dazu: „Weil mir hier gerade vermehrt gemailt wird, die Geheimdienste könnten PGP entschlüsseln: nein, können sie nicht. Was sie tun können ist Passwörter durchprobieren. Die sind direkt gefragt worden, ob sie PGP entschlüsseln können, und die Antwort war „im Prinzip haben wir die nötige Software dafür“. Die nötige Software kann man kaufen, die probiert Passwörter durch. Bessere Angriffe auf PGP sind nicht bekannt. Insofern haltet mal bitte alle die Füße still.“
Quod erat demonstrandum. Genau das Gegenteil der Überschrift von Golem ist richtig: Deutsche Geheimdienste können PGP nicht entschlüsseln. Golem hat mittlerweile einen klärenden Artikel nachgeschoben: „Symantec hat sich zu den Aussagen der Bundesregierung geäußert, nach denen Geheimdienste in der Lage seien, SSH oder PGP zu knacken oder zu umgehen. Mathematisch gesehen sei kein wirksamer Angriff bekannt.“
Hemker: „Wir hatten in der Vergangenheit ja schon oft Meldungen, laut denen PGP angeblich geknackt wurde. Das waren aber meistens Brute-Force-Attacken, bei denen schwache Passphrases für den Schlüsselzugriff geknackt wurden. Es war niemals ein mathematischer Angriff auf die Kryptografie selbst.“
Auch der Heise-Artikel zum Thema war zunächst missverständlich; dort aber bekommen die Autoren meistens gleich jeden falschen Punkt von den Lesern um die Ohren gehauen.
Man kann dem von Golem befragten Mathematiker Thomas Hemken nur zustimmen: „Unklar bleibe, was sie [die Bundesregierung] genau meinten.“ Die Bundesregierung wirft in diesem Fall genauso Nebelkerzen wie im Fall der sogenannten „Online-Durchsuchung“ oder hat einfach keine Ahnung. Vermutlich sogar beides.
Die Staatstrojaner-Ente, neu angebraten

Spiegel Online Vorabmeldung: „Experten des Bundeskriminalamts scheitern an der Entwicklung eines Staatstrojaners.“
Bruhahahahahahahaha.
Nun, für die Nachgeborenen: Ich hatte in meinem Buch „Die Online-Durchsuchung“ behauptet, die Idee, man könnte ohne vorherigen physischen Zugriff auf einen ungesicherten (sehr ungesicherten!) Rechner eine Spionage-Software einem Verdächtigen unterjubeln, sei ein Hoax, eine Ente, völliger Quatsch usw. (Wohlgemerkt: Es geht nicht um Software, die als „Abfallprodukt“ von Internet-Telefonie zusätzliche Abhör-Funktionen besitzt.)
Lauschen wir den DAUs von Spiegel Online weiter: „Ein solches Programm wird in der Regel als versteckter Anhang einer E-Mail auf den Rechner eines Verdächtigen geschmuggelt und deshalb auch Staatstrojaner genannt.“
Bruhahahahahahahaha. „Versteckter Anhang einer E-Mail“. Das ist doch zum Kringeln. Aber es ist zu befürchten, dass die das in vollem Ernst schreiben.
„Das BKA bekam den Auftrag, eine Software zur sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung zu entwickeln, die nur das kann, was zulässig ist. Vor Vertretern aus Bund und Ländern musste das BKA jetzt einräumen, dass es mit der Aufgabe offenbar überfordert ist.“
Eben. Es geht gar nicht. Quod erat demonstrandum.
BKA möchte auch Linux trojanisieren
Fefe beschäftigt sich mit einer Stellenanzeige des Bundeskriminalamts: „Dem BKA ist aufgefallen, dass es noch andere Betriebssysteme als Windows gibt, und die möchten sie jetzt auch trojanisieren“.
Internet-Voodoo und Computer-Mythologie
Welt online: „Er hackte ihre Konten, griff auf private Fotos und Informationen zu und verbreitete sie im Internet.“
Da wüsste man doch zu gern, wie der „gehackt“ hat: Jemand, der seinen Beruf ernst nimmt als Journalist, würde das recherchieren und dem Publikum erklären.
Hat Christopher Chaney Beschwörungsformeln vor seinem Monitor gemurmelt? „Abrakadabra, jetzt onlinedurchsuche ich dich!“ Oder wie?
Auf solch schwachsinniger Berichterstattung basieren die Computer-Mythen in Fernseh-Krimis und in Filmen – und in den Köpfen der DAUs.
Der Hacker ist der Schamane des 21. Jahrhunderts und wird von der ahnungslosen Journaille mit magischen Fertigkeiten ausgestattet wie der Zauberer eines Dorfes in Papua-Neuguinea. (Ja, das hatte ich vor fünf Jahren schon einmal geschrieben).
Guckst du bei Sawf News: „The photos of Christina Aguilera being leaked to the press were illegally obtained by a hacker who tapped into Christina’s personal stylist’s account“.
Aha. Ein Phishing-Angiff auf die E-Mail-Accounts des sozialen Umfelds der Opfer – technisches social engineering sozusagen.
Das funktioniert, weil DAUs mit eingeschaltetem Javascript surfen und E-Mails in HTML-Format erlauben. (Das ist leider ab Werk in den meisten E-Mail-Programmen so eingestellt, das kann man aber ändern!)
Unter Fernwartern
Zwei hübsche Meldungen bei Heise, die irgendwie zusammenpassen:
„Sämtliche Windows-Versionen via Remote Desktop angreifbar“ – das ist natürlich eine irreführende Schlagzeile, aber das hier erklärt alles:
Zwar ist der Remote-Desktop-Server (alias Remotedesktopverbindung) standardmäßig nicht aktiv, die praktische Fernwartungsfunktion erfreut sich jedoch großer Beliebtheit und ist in vielen Fällen auch über das Internet erreichbar.
LMAO.
Zwar ist die unverschlossene Haustür standardmäßig nicht aktiv, die praktische Funktion erfreut sich jedoch großer Beliebtheit und ist in vielen Fällen auch über öffentliche Straßen erreichbar.
Und hier: Studie: Mangelnde IT-Kenntnisse hemmen Unternehmenserfolg.
Nicht nur den Unternehmenserfolg, aucn die Berichterstattung der Medien über alles, was mit dem pöhsen Internet zusammenhängt.
Fremde Netze
„Die zwischen zwei Skype-Clients geführte Kommunikation wird auf skype-fremden Netzwerken geführt und baut auf einer 256-Bit-AES-Verschlüsselung auf. Die eingesetzten Verschlüsselungscodes werden unter Zuhilfenahme des RSA-Verfahrens (1536 bis 2048 Bit) übermittelt.“ (Heise)
Skype. Ach.
Hallo, ihr Online-Durchsucher da draussen im Lande!
Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich eine Kontaktanzeige aufgeben sollte mit der hübschen kleinen Webcam am neuen Dell oder doch besser eine der üblichen technik-geschwängerten Ansprachen an die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser halten sollte…
Liebe real gar nicht existierenden Online-Durchsucher! Ich sitze hier vor einem
DELL Vostro 3750, Intel® Core™ i5-2430M Prozessor (bis 3,0 GHz), Dual-Core, 43,9 cm (17″) HD+ 16:9 LED Display (matt), Webcam, 4 GB RAM, 750 GB Festplatte, DVD Brenner, Fingerprint, NVIDIA GeForce GT 525M Grafik (1024 MB), HDMI, USB 3.0, WLAN-n, BT, 3 kg, Akkulaufzeit bis 5,5 h, Windows 7 Professional 64 Bit,
davor ist ein Router (Fritz!Box), meine gegenwärtige IP-Adresse ist 84.189.208.192.
Da oben auf dem Monitor seht ihr drei Symbole: Das sind Pfade zu Truecrypt-Containern (also denen, die nicht verborgen sind). Jeder vernünftige Mensch benutzt so etwas. Daten liegen nicht einfach so herum auf einem Rechner.
Falls jemand meinen Laptop stehlen würde, was ein höheres Wesen verhüten möge, oder falls der Staat das temporär täte, was wahrscheinlicher wäre, fände man nichts, auch keine Pornos, was mich natürlich sehr verdächtig machte. (Übrigens ist auf meinen USB-Sticks auch nichts …äh… zu sehen.)
Ach so. In den Laptop kommt man so ohne weiteres gar nicht hinein. Die Festplatte ist Passwort-gesichert (und das ist kein Wort aus irgendeinem Wörterbuch, auch kein Mandarin! Und es ist lang!) Nur der Default-Account, mit dem ich normalerweise arbeite, lässt sich mit Fingerabdruck aufrufen. Ja, man könnte mir den Finger abschneiden oder versuchen mich zu zwingen, den Finger daraufzulegen – aber welchen?
Für andere Passworte nutze ich Keepass. Die verschlüsselte Datei, die Keepass anlegt, liegt natürlich zusätzlich in einem Truecrypt-Container.
In einem Truecrypt-Container liegen auch die PGP-Schlüssel, die ich benötigte, um digitale Briefe mit meinem E-Mail-Programm Thunderbird zu schreiben.
Natürlich kann man meinen Laptop nicht von einem externen Medium booten.
Und wie wollt ihr jetzt Überwachungs-Software auf meinem Rechner installieren? Dafür fürchten sich doch alle, und es steht doch immer in der Zeitung, dass so etwas geschähe. Wahrscheinlich wie neulich in einem Vorabend-Krimi, SOKO Wien, wenn ich mich recht erinnere:
– Oh, der Rechner ist geschützt, da braucht man ein Passwort.
– Da muss dann die IT-Abteilung ran.
Nur zu, IT-Abteilung.
By the way: Die spinnen, die Drehbuch-AutorInnen.
Bekannte technische Enten-Parameter
Der Bericht des Bundesdatenschutzbeauftragten zum Einsatz staatlicher Überwachungssoftware – die oft falsch „Bundestrojaner“ genannt wird -, ist geleakt worden.
Einbringungsphase: Die Einbringung der Überwachungssoftware (Capture-Unit) erfolge in Abstimmung zwischen KI 25 und dem jeweiligen Bedarfsträger. Bei der Einbringung wird i.d.R. ein Ladeprogramm auf dem Zielsystem zur Ausführung gebracht, durch welches die eigentliche Überwachungssoftware installiert wird. Bevor mit der eigentlichen Maßnahme begonnen wird, muss zunächst das Zielsystem anhand bekannter technischer Parameter verifiziert werden. Jede Einbringung steht unter dem Entscheidungsvorbehalt der Amts-leitung. Die Software werde entweder mittels physischem Zugriff auf das Ziel-system oder auf andere Weise eingebracht. Auf die Darstellung der Einzelheiten wird auf Wunsch des BKA hier verzichtet.
Quod erat demonstrandum. Das Wesentliche fehlt also. „Bekannte technischer Parameter“ – meinen die im Ernst die IP-Adresse oder die MAC-Adresse oder was?
Ceterum censeo: „Online“ kann man keine Spionagesoftware ohne Wissen und Erlaubnis des „Opfers“ installieren – nur über einen physischen Zugriff (und das nur, wenn der Besitzer des Rechners eine Pappnase ist) oder „en passant“ über eine real schon installierte Software wie Skype, die das Abhören ohnehin gestattet.
Warum ist das so schwer zu verstehen?




















