Litauen und die jüdischen Partisanen
Ein Artikel von mir in Telepolis: „Die Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius ermittelt gegen jüdische Anti-Nazi-Partisanen wegen angeblicher Kriegsverbrechen. Ultrarechte Medien beschimpfen die Überlebenden der Shoa als ‚Terroristen‘ und ‚Verbrecher'“.
Einstiegsverhinderungsprogramme
Man glaubt es kaum. Ein Schlapphut gibt etwas durchaus Vernünftiges von sich. Laut Saarbrücker Zeitung sagte der dortige Verfassungsschutz-Chef Helmut Albert: „Programme für junge Aussteiger aus der rechtsextremen Szene sind nach Auffassung des Direktors des Landesamtes für Verfassungsschutz, Helmut Albert, unnötig. Albert forderte am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Schwalbach, stattdessen ‚Einstiegsverhinderungsprogramme‘ aufzulegen. „In vier Jahren wäre die rechtsextreme Szene ausgetrocknet.“ Letzteres ist zwar grober Unfug, weil Rassismus und Antisemitismus politische Ursachen haben und sich weder durch Aufklärung noch durch Verhaltenstherapie bekämpfen lassen. Aber wo er Recht hat, hat er Recht: „Albert widersprach einem ‚Klischee‘, wonach Arbeitslosigkeit beherrschendes Thema der Szene sei. ‚Nur 15 Prozent sind arbeitslos.‘ Dafür seien unter rechtsextremen Auszubildenden ’sogar Jahrgangsbeste bei den Abschlüssen.'“ Vielleicht weiß er das so genau, weil er die als Spitzel angeworben hat?
Kackbrauner Kamerad Kemna: Knast
Welt.de: „NPD-Schatzmeister muss drei Jahre ins Gefängnis“ – „Zuvor hatte Kemna ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Er habe die Konten seines Küchenstudios und seiner Partei als Einheit betrachtet, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt erklären. Das Gericht monierte zudem, dass es zwischen 2004 und Mitte 2007 keine intakten Kontrollmechanismen bei der NPD gegeben habe. Nach Erkenntnissen der ermittelnden Staatsanwaltschaft Münster buchte Kemna Gelder regelmäßig unter der Bezeichnung „Darlehen“ von einem Parteikonto in Ludwigsburg ab und leitete sie über ein Privatkonto bei derselben Bank auf ein Konto seines Küchenstudios in Ladbergen. (…) In der sechsstündigen Verhandlung wurde deutlich, dass Kemna nach langjähriger Parteikarriere uneingeschränktes Vertrauen bei Parteichef Voigt besaß und über umfassende Kontovollmachten verfügte.“
[Spiegel online][Zeit.de]
Deutsche Eurokraten in Brüssel
Die Times über den deutschen Beamten Harald Wenig, der bei einem kostspieligen Essen mehr verriet, als er durfte: „Revealed: how Eurocrat leaked trade secrets over lavish dinners – A top EU official passed on sensitive information potentially worth millions to a company“. Investigativer angelsächsischer Journalismus at it’s best. Da können die Deutschen nur stauen und abschreiben – wie Spiegel „online“, ohne die Quelle zu verlinken.
Digitaler Tsunami
Pünktlich zum 11.09. meldet die c’t: „EU-Innenpolitiker rüsten sich für den „digitalen Tsunami – (…) Das Papier führt weiter aus, dass die bargeldlosen Einkäufe bereits durchsuchbare Echtzeitinformationen erzeugen. Dieser Trend werde durch den zunehmenden Einsatz biometrischer Identifizierungsmaßnahmen sowie von Kameras zur Videoüberwachung verstärkt. Das Online-Verhalten der Nutzer würde den digitalen Tsunami noch weiter vergrößern. Vor allem soziale Netzwerke und virtuelle Welten – aber letztlich alle Formen von Aktivitäten im Internet – „generieren gewaltige Informationsmengen, die für öffentliche Sicherheitsorganisationen nützlich sein können“. Am Ende der Entwicklung stünden lebenslange Datenbanken über Individuen. Auf technische Möglichkeiten zur Sicherung der Privatsphäre geht das Konzept zwar kurz ein; allerdings nur unter dem Aspekt, dass diese auch von „Terroristen und anderen Kriminellen“ genutzt werden könnten. Anonymisierungsdienste, Verschlüsselungswerkzeuge sowie sogar Instrumente zum automatischen Löschen von Browser-Cookies haben so einen unangenehmen Beigeschmack für die Verfasser des portugiesischen Papiers, da sie helfen könnten, Verbrechenspläne zu verbergen und die Polizei bei ihrem Bemühungen zur Informationssammlung zu behindern. (…) Für Tony Bunyan von Statewatch ist damit klar, dass mit dem Stockholmer Programm die EU endgültig in einen Überwachungsstaat verwandelt werden soll und sich in Richtung eines autoritären Staatengebildes bewegt. (…)“
Website der FARC gehackt
Die Website der kolumbianischen Guerilla FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo) wurde offenbar gehackt. Ich habe noch ein paar Screenshots mehr gemacht.
Online-Durchsuchung, revisited
Die Stellungsnahmen der Sachverständigen zur so genannten „Online-Durchsuchung“:
Prof. Dr. Christoph Gusy, Universität Bielefeld – Ausschussdrucksache 16(4)460 A
Dr. Fredrik Roggan, Rechtsanwalt, Berlin – Ausschussdrucksache 16(4)460 B
Prof. Dr. jur. Dirk Heckmann, Universität Passau – Ausschussdrucksache 16(4)460 C
Prof. Dr. Martin Kutscha, Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, Berlin – Ausschussdrucksache 16(4)460 D
Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit , Bonn – Ausschussdrucksache 16(4)460 E
Peter Dathe, Präsident des Bayerischen Landeskriminalamtes, München – Ausschussdrucksache 16(4)460 F
Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes, Wiesbaden – Ausschussdrucksache 16(4)460 G
Prof. Dr. Hansjörg Geiger, Staatssekretär a.D., Berlin – Ausschussdrucksache 16(4)460 H
Prof. Dr. Markus Möstl, Universität Bayreuth – Ausschussdrucksache 16(4)460 I
Prof. Dr. Ralf Poscher, Ruhr-Universität Bochum – Ausschussdrucksache 16(4)460 J
Ich frage mich, wieso die keinen IT-Experten geladen haben? Ich werde die Gutachten studieren unter dem besonderen Aspekt, womit die Herren begründen, dass so etwas technisch machbar sei.
Online-Überwachung
Heise.de: „Wirtschaft warnt vor Online-Durchsuchungen von Computern“. By the way: Unser Buch soll in der nächsten Woche im Buchhandel erhältlich sein. Ich habe aber noch kein Exemplar erhalten. Also noch ein paar Tage Geduld bitte, ich werde das Erscheinen hier feierlich verkünden.
RottenNeighbor.com in Deutschland zensiert
Und wie es dazu kam, beschreibt das Pottblog. „Leider zeigen sich manche Medien hier nicht wirklich in der positiven Rolle, von der ihre Gremienvertreter wie z.B. Michael Konken auf den immer wieder kehrenden Podiumsdiskussionen berichten.“ Lesen! Bei mir – T-Online-Kunde – kommt die Seite auch nicht. Also muss man https://tor-proxy.net/de benutzen.
Blood&Honour Forum hacked
Ich habe mich mit dem etwas merkwürdigen Hack des Blood&Honour-Forums beschäftigt. Demnächst mehr. Aber technisch bin ich insofern kläglich gescheitert, als ich zwar die vier Dateien auf meinem Rechner habe, mit jeweils rund 100 MB, sowie einen Unterordner xampp, aber jetzt nicht mehr so recht weiter weiß. Nicht nur die Anleitung gibt mir noch Rätsel auf:
INSTALL „xampp“ ON YOUR LINUX: www.apachefriends.org/en/xampp-linux.html
FOLLOW THE INSTALL-GUIDE ON THIS SITE.
COPY THE FOLDER „xampp/htdocs“ TO THE DIRECTORY „/opt/lampp/“ (OVERWRITE THE EXISTING FOLDER)
NOW COPY THE FOLDER „xampp/mysql/data/bah“ TO „/opt/lampp/var/mysql/“
NOW COPY ALL FILES AND FOLDERS INSIDE „xampp/php/PEAR“ TO „/opt/lampp/lib/php/“
NOW YOU CAN RUN THE WEBSERVER IN THE TERMINAL WITH: „/opt/lampp/lampp start“
LATER YOU CAN STOP IT WITH: „/opt/lampp/lampp stop“
NOW START YOUR BROWSER AND OPEN LOCAL HOST WITH „127.0.0.1“
NOW YOU WILL SEE THE BOARD
Sollte ich so verfahren? Hat jemand Erfahrung mit XAMPP für Linux? Ich kriege bei der Installation laut manual die Fehlermeldung:
sudo tar xvfz xampp-linux-1.6.7.tar.gz -C /opt
gzip: stdin: unexpected end of file
tar: Child returned status 1
tar: Fehler beim Beenden, verursacht durch vorhergehende Fehler.
„Kernbereichsschutz“ und der Wind of Change
Taz.de: „Eine Bad Oldesloer Antifa-Gruppe ist von der Bundesanwaltschaft und dem Landeskriminalamt Kiel mit Hilfe des Terror-Paragraphen 129 a ausgespäht worden. Von den Vorwürfen blieb nichts übrig. Alle Maßnahmen waren rechtswidrig. (…) Der Staatsschutz des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein (LKA) observierte seit Jahresbeginn die Gruppe rund um die Uhr, hörte Telefone und Handys ab und kopierte alle Mails. Als Krönung brachten LKA-Fahnder bei Schenk einen Peilsender am Auto an, den er jedoch entdeckte. (…) Sie ließ sich vom Landgericht Karlsruhe den ‚Großen Lauschangriff‚ genehmigen und verschaffte sich so die Möglichkeit, ‚das nicht öffentlich gesprochene Wort mit technischen Mitteln aufzuzeichnen.‘ Begründet wurde dies damit, dass Schenk zur Zeit des jüngsten Brandanschlages viermal per Handy telefoniert habe. Das sei durch eine Funkzellen-Ortung festgestellt worden. Zudem sei nach dem Auffinden des Peilsenders ein ‚auffallend verändertes Kommunikationsverhalten‘ zu erkennen gewesen: Plötzlich hätten alle offen über ihre politischen Aktivitäten in der Antifa geredet und Treffen vereinbart – ‚um so von ihren Vorbereitungen und Tätigkeiten zur Verübung politisch motivierter Gewalt abzulenken‘, wie das Gericht damals vermutete. (…) Alles wurde aufgezeichnet: Beziehungsgespräche, wer aufs Klo geht oder wer duscht. ‚Fernseher ist leise gestellt worden … (S) sagt scheiß Bericht‘, protokollierten die Beamten. Oder: „(S) betätigt Kaffeemaschine und pfeift ‚Wind of Change‚“. Und: „(S) lacht leise vor sich hin, als im Radio die Nachricht vom Anschlag auf Bild-Chef Dieckmann kommt“. Sogar Selbstgespräche ‚(S) murmelt im Schlaf (unverständlich)‘, fanden das Interesse der Lauscher.“ (…)
Die taz setzt keine Links, weil die taz keinen Online-Journalismus praktiziert. Das muss ich also tun. Nur deshalb das lange Zitat. Die Junge Welt hat über den Fall ausführlich schon am 31.07.2008 berichtet. Warum macht die taz das erst jetzt, einen Monat später?
„Datenschutz contra Opferschutz“
Tendenziöse Meinungsmache bei report München: „Datenschutz contra Opferschutz“. Dazu netzpolitik.org: „report München mit Falschinformationen gegen Datenschutz“ – „Fazit: Schlecht recherchierte, plumpe Meinungsmache.“ Heise: „Datenschützer werfen Report München Meinungsmache für Vorratsdatenspeicherung vor“.
By the way: Der Autor des Beitrags, Oliver Bendixen, ist Polizeireporter beim bayerischen Rundfunk. Vermutlich ist er vorher „einschlägig“ gebrieft worden – wie schon in anderen Fällen. Wozu braucht die Polizei noch eine Pressestelle, wenn es solche Journalisten gibt?
NPD in der Torgauer Zeitung – danke!
Alle regen sich jetzt wieder auf. Die Torgauer Zeitung (hier-leben.de – wenn ich das schon lese…) hat eine Pressemitteilung der kackbraunen Kameraden aka NPD im Wortlaut und kommentarlos abgedruckt. „Wenn der Durchblick Urlaub hat“ schreibt die Frankfurter Rundschau. Auch die taz bringt eine kleine und wenig aussagekräftige Meldung. Thomas Stöber (Foto), der Chefredakteur der Torgauer Zeitung, laut taz: „Doch dass es grundsätzlich richtig sei, auch ausführlich über die NPD und ihre „Machenschaften“ zu berichten, an dieser Einsicht hält Stöber fest. ‚Wir räumen allen demokratisch legitimierten Parteien Platz ein, egal welcher Couleur‘, so Stöber“.
Ganz so war es nicht. Vernünftige Artikel inklusive Links gibt es wieder mal nicht bei den klassischen Printmedien, sondern nur in Blogs. Stefan Niggemeier beginnt mit: „Der Axel-Springer-Verlag hat bekanntlich vor der letzten Bundestagswahl beschlossen, dass keine seiner Zeitungen oder Zeitschriften Anzeigen der ‚Linken‘ abdruckt. Es gebe Zweifel an der ‚Verfassungskonformität‘, begründete der Verlag seinen Boykott, der ‚ein sachlicher Vorgang und nicht politisch motiviert‘ sei. (…) Am vergangenen Mittwoch gab der NPD-Landesverband Sachsen eine Pressemitteilung heraus, in dem der Kreisverband Nordsachsen die ‚Selbstbedienung‘ der von der NPD so genannten ‚Systemparteien” kritisierte‘.“ Der Zusammenhang ist doch sehr hübsch hergestellt. Es ist mitnichten Aufgabe eines Mediums aus dem Hause Springer, moraltheologische Abhandlungen über Verfassungskonformitäten anzustellen oder die Anzeigenkunden einer Gesinnungsüberprüfung zu unterziehen, sondern journalistisch zu berichten. Der „Skandal“ bei der Torgauer Zeitung ist mitnichten, als Sprachrohr der NPD gedient zu haben. Das könnte man auch indirekt, indem man antisemitische und rassistische Vorurteile verbriete, was bei der völkisch verfassten Idee der deutschen Nation in den Medien oft auch geschieht.
Niggemeier zum Thema zum Zweiten: „Gegenüber dem „Störungsmelder“ der ‚Zeit‘ schloss Stöber aus, die Pressemitteilung von der Internetseite seiner Zeitung zu entfernen: Schließlich würden auch die Pressemitteilungen anderer Parteien mitunter kommentarlos veröffentlicht. Das ist die beste Begründung von allen. Im Klartext lautet sie: Wir arbeiten doch sonst auch nicht journalistisch, warum sollten wir es bei Neonazis tun?!“ So ist es. Gelogen ist aber auch, dass die inkriminierten Passagen nicht gelöscht würden (wie die Klick auf den Screenshot beweist). Feiglinge. Lächerlich finde ich, dass weder die taz noch die FR den Original-Text verlinken. (Liebe Holzmedien, ich bin sittlich gefestigt und will wissen, worüber ihr redet!)
Die Pointe kommt erst noch. „Die ‚Torgauer Zeitung‘ ist eine Lokalausgabe der ‚Leipziger Volkszeitung‘, die je zur Hälfte der Axel-Springer-AG und der Verlagsgesellschaft Madsack gehört. Madsack wiederum gehört zu gut einem Fünftel der SPD. Da sind ja alle staatstragenden Garanten für guten Journalismus zusammen.“ Bruhaha. Liebe Holzmedien, das ist die Information, die hier fehlt. Jedoch steht im Störungsmelder: „Die Torgauer Zeitung ist unabhängig, erscheint aber zusammen mit der Leipziger Volkszeitung, die zum Axel-Springer-Verlag gehört.“ Ist es also doch anders als Niggemeier behauptet? Alles muss man selbst machen und recherchieren. „Heading eastwards“, heißt es bei Springer im Original. Gen Ostland woll’n wir reiten: „1990: Acquisition of a holding in the local papers LEIPZIGER VOLKSZEITUNG and the OSTSEE-ZEITUNG in Rostock.“ Die Torgauer Zeitung gehört der Torgauer Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Sitz: Torgau, Registergericht: Leipzig HRA 306. Die LVZ: „Die Leipziger Volkszeitung erscheint jeden Tag mit 9 regionalisierten Ausgaben“. Darunter der Torgauer Zeitung. Bei der Verlagsgruppe Madsack wiederum wird die Torgauer Zeitung nicht erwähnt.
Die Torgauer Zeitung ist also nichts anderes als eine Lokalausgabe der LVZ – aber mit überregionalem Mantel. Der Störungsmelder irrt, Niggemeier hat Recht. „Unabhängig“ ist nur die GmbH, von journalistischer Unabhängigkeit kann man bei einem solchen Konstrukt wohl ohnehin nicht reden. Deutsche Zeitungen sind es gewohnt, Pressemeldungen einfach so abzudrucken und sich keine Gedanken darüber zu machen. Ist eh egal. Man muss der Torgauer Zeitung dankbar sein, dass sie das wieder einmal demonstriert hat. Der Journalismus in Deutschland ist in einem lausigen Zustand. Ceterum censeo: Gut, dass es Blogs gibt.
Schon wieder ein Zensurvergleich
Via Spiegel online: Heute in den Feuilletons“: „Sabine Pamperrien und Jan-Philipp Hein zitieren die chinesische Redakteurin der Deutschen Welle Danhong Zhang, die sich in einer Rundfunkdiskussion im Prinzip gegen Internetzensur aussprach: ‚Aber Free Tibet oder die Seite von Falun Gong: Ich denke, hier in Deutschland kann man auch nicht jede Seite aufrufen, zum Beispiel Kinderpornografie.'“ Tja. Da werden die politisch Überkorrekten mal wieder die Häupter wiegen. Da hat jemand eine (zugegeben: bekloppte) Meinung. Muss man da nicht ein Berufsverbot aussprechen? Aber klar. Wir sind in Deutschland. Falsche Meinungen melden, durchführen, verbieten. „Deutsche Welle nimmt Redakteurin vom Sender“, titelt die Berliner Zeitung.
Tunnel aus Burma
Ich frage mich, welcher Sinn und welche pädagogisch wertvolle Botschaft sich hinter Artikeln verbergen, die sich mit der Zensur des Internet in anderen Ländern verbergen? Sollen sich die Rezipienten nur gruseln? Soll sie ein lähmendes Gefühl beschleichen; wie pöhse die Zensoren sind? Artikel wie in Spiegel „online“ über die Zensur in Burma sind sinnlos, wenn die Leserinnen und Leser nichts daraus lernen, zum Beispiel wie man Zensur umgeht. „Ein paar Handgriffe nur, eine Tunnel-Software wird aktiviert, ein Proxyserver in den USA angewählt, schon ist das Regime ausgetrickst.“ Versteht das jemand? Wenn es so einfach wäre mit der „Tunnel-Software„, warum fehlt das in den Berichten über China?
Wenn Spiegel „online“ die Leser ernst nähme, Online-Journalismus betriebe und nicht nur auf sich selbst verlinkte, wäre zum Beispiel ein Link auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel hilfreich, damit man sich darauf vorbereiten kann, wenn Schäuble und Genossen das hierzulande verwirklichen, wovon sie träumen. (Ja, der Satz ist zu lang, aber ich sitze in einem Ferienhaus in Jütland und will nicht allzu lange nachdenken, weil ich nur noch einen Tag Urlaub habe.)
Nur zur Erinnerung eine der zahlreichen Falschmeldungen zur so genannten „Online-Durchsuchung“, hier der Tagesspiegel: „Das Bundeskriminalamt (BKA) soll künftig mittels einer neuen Software die Daten von privaten Rechnern ausspionieren können. Das bestätigte das Bundesinnenministerium (BMI) dem Tagesspiegel auf Anfrage. Das System der sogenannten ‚Online-Durchsuchung‘ sei bereits in diesem Jahr mehrfach angewandt worden und sei Teil des 132 Millionen Euro schweren Sonderprogramms zur Stärkung der inneren Sicherheit. Die Ermittler sollen sich dabei auf richterliche Anordnung unbemerkt via Internet in die Computer von Privatpersonen einloggen können, gegen die ein Strafverfahren läuft.“ Zum Glück war das fast alles gelogen: Die „Online-Durchsuchung“ war mitnichten angewandt worden und ist auch nicht Teil des PSIS (Z5-007 300/120 (10.10.2006).
Wo ist der qualitative Unterschied zur Praxis in Burma? „Alle fünf Minuten müsste der Inhaber eines Internet-Cafés einen Screenshot all seiner Computer erstellen: ein Foto aller Seiten, die gerade geöffnet sind. Er müsste das alles speichern.“ Das ist noch nicht einmal so schlimm wie eine Spionagesoftware, die der Staat direkt auf den Rechnern von mehr oder minder Verdächtigen installiert. In Burma sind alle verdächtig, in Deutschland (noch) nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Keine Beugehaft gegen ehemalige RAF-Mitglieder
Ich weiß nicht, wieso deutsche Medien – wie z.B. Zeit online, die Netzeitung oder das ZDF – nicht in der Lage sind, die aktuelle Entscheidung des BGH zu verlinken. Ist das intellektuell zu anspruchsvoll? Traut man den Rezipienten das Lesen längerer Texte nicht zu? Gefährdet die Entscheidung das Publikum vielleicht sittlich? Ceterum censeo: Geht sterben, Holzmedien! Ich weine ihnen keine Träne nach, allein schon wegen der dummstolzen Belehrungsresistenz.
Bravo, Frau XY!
Aus der Distanz des Urlaubs amüsiere ich mich über die zynische und machtbewusste Frau Ypsilanti. In Berlin regiert Rot-Rot. Warum soll sich die SPD in Hessen nicht von den Linken wählen lassen? Wegen der Bedenkenträger? Ach was. Außerdem müssen Politiker lügen, das ist ihr Beruf, weil die Mehrheit der Wähler belogen werden will (warum sonst wäre der brutalstmöglichste Koch noch an der Macht?). Es geht auch nicht um Inhalte, sondern wer welchen Posten bekommt.
Laut Spiegel online steht im Strategiepapier Ypsilantis: „Die hessische SPD steht vor der Herausforderung – nachdem es für die rot-grüne Wunschkoalition nicht reicht und die FDP weiterhin eine Ampel-Koalition brüsk ablehnt -, sich entweder auf eine Große Koalition einzulassen oder eine Koalition mit den Grünen anzustreben, die durch die Linkspartei toleriert wird.“
Was soll man dazu noch sagen? Beck steht für die Sozialdemokraten, die keine Möglichkeit auch nicht nutzen. Wer gegen Koch antritt, muss wissen, dass auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört. Ypsilanti hat gelogen, um so viele Wählerstimmen zu bekommen, dass es für einen Sturz Kochs reichen würde. Das hat nicht ganz geklappt. Was sollte sie ihre Geschwätz von gestern kümmern, wenn Koch abgewählt würde und ihre Getreuen einen bezahlten Polit-Job bekämen?
Melden, durchführen, verbieten, revisited
Spiegel online – die sattsam bekannten Textbausteine: Der Staat muss härter durchgreifen. „Warum setzt der Staat dem Spuk nicht einfach ein Ende und verbietet die HDJ?“ Wann endlich setzen die Medien dem Spuk nicht einfach ein Ende und verbieten die deutschen Lieblingsverben „melden, durchführen und verbieten?“ Ich kann es einfach nicht mehr hören.
Olympische Illusion: TV-Bilder der Eröffnungsfeier waren teilweise manipuliert
Heise.de: „Ein kurzer Abschnitt der Fernsehübertragung von der Eröffnungsfeier war technisch manipuliert, wie sich jetzt herausstellte. Spektakuläre Bilder von mit Feuerwerksraketen erzeugten „Fußabdrücken“ über der Stadt waren nicht live aufgenommen, sondern über ein Jahr mit Computeranimationen vorbereitet worden.“ [Das könnte die Beijing Shibao sein, die heise.de leider nicht verlinkt. Aber ich kann kein Mandarin]
Super. Ich habe mich kaputtgelacht. Die Chinesen sind wirklich gut – sie treiben es so auf die Spitze, dass es schon wieder lustig ist. Recht so. Hoffentlich bekommen die Rezipienten dadurch mehr Misstrauen und Medienkompetenz. [Leider habe ich jetzt keine Zeit für Screenhsot, weil auf dem Weg zu einer Party – meine Schwester Judith hat auch Geburtstag.]
Nachtrag: Die Fotos beweisen, wie die westliche Presse lügt. Das linke Bild zeigt das NOK der VR China, wie es (vielleicht) in US-Zeitungen abgedruckt wurde. Das Foto rechts zeigt, wie es wirklich war und wie es in chinesischen Zeitungen publiziert werden würde.
Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki
Am 9. August 1945 warfen die US-Amerikaner eine Atombombe auf die japanische Stadt Nagasaki. Rund 80000 Menschen starben.























