Analye der Wahlergebnisse
Benjamin Hoff: „Darüber hinaus erbrachte die 17. Bundestagswahl vom 27. September 2009 in vielerlei Hinsicht historisch zu nennende Ergebnisse:
– Die Wahlbeteiligung war mit 70,8% der Wahlberechtigten so niedrig wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik.
– Die Unionsparteien erzielten mit 33,8% ihr schlechtestes Ergebnis nach der Wahl 1949.
– Die SPD erreichte mit 23,0% nochmals 5,8 Prozentpunkte weniger als bei ihrem bisherigen Tiefpunkt 1953.
– Die FDP erzielte mit 14,6% ihr bestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik.
– DIE LINKE erzielte ihr bestes Bundesergebnis, ebenso wie die Grünen.
DIE LINKE gewann erstmals außerhalb Berlins Direktmandate, und zwar:
– 1 in Mecklenburg-Vorpommern,
– 2 in Thüringen,
– 4 in Brandenburg und
– 5 in Sachsen-Anhalt.
– In Berlin wurden zum zweiten Mal 4 Direktmandate gewonnen.
Einem politischen Erdrutsch gleich kommt das Wahlergebnis durch die hohen Verluste der SPD bei gleichzeitigen Verlusten der Union. Keine der beiden Regierungsparteien konnte hinzugewinnen. Alle drei Oppositionsparteien gewinnen hinzu, am stärksten die FDP. Sie schafft zugleich den Wechsel auf die Regierungsbänke.“
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Hohe Verluste für Zensur- und Überwachungs-Hardliner
Artikel in Telepolis: „Hohe Verluste für Zensur- und Überwachungs-Hardliner“. Ich glaube jedoch, dass die Wahlergebnisse eher dem allgemeinen Trend entsprechen und nicht wegen der Meinung der Kandidaten zustandekamen.
Bayern führt Schutzhaft wieder ein
Spiegel Online: „In einer ungewöhnlich nervösen Aktion hat die Polizei in München am Samstag zwei den Behörden bekannte Islamisten festgenommen. Aus akuter Angst vor Anschlägen gegen das Oktoberfest wollen die Behörden die beiden Männer laut Gerichtsunterlagen präventiv bis zum Ende der Massenveranstaltung am 5. Oktober in Haft behalten. Obwohl den beiden Männern laut dem Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer „keine Straftaten“ vorgeworfen werden, habe man sie sicherheitshalber in Haft genommen, um mögliche Straftaten der beiden zu verhindern.“
Bayern führt also die Schutzhaft wieder ein. „Präventive“ Festname ohne Straftaten? Aber das regt auch keinen mehr auf – die Polizei ist halt ein bisserl nervös. Es dauert nicht mehr lange, und es gibt einstweilige Erschießungen.
Piratenpartei = Einthemenpartei?
Ein hübscher Artikel zur Frage steht schon seit einiger Zeit bei Christian Köhntopp („Die wunderbare Welt von Isotopp“).
Wahlziel in Neukölln nicht erreicht
Meine taktische Wahlempfehlung hat leider nichts gefruchtet, das Direktmandat in Neukölln ging jetzt leider an die CDU. Aber die Wähler der Piraten sind doch sehr klug, keine Erststimme…har har. Und die Piraten haben auf Anhieb doppelt so viele Stimmen wie die Nazis.
By the way: Die Grünen in Kreuzberg stehen kurz vor der absoluten Mehrheit. Ströbele hat noch mal zugelegt. Und die Piraten haben so viele Stimmen wie die FDP.
700 000 Piraten? [Update]
„Die Piratenpartei hat das schlechteste Ergebnis ihrer Parteigeschichte erzielt (…) Sie wird eher von Männern gewählt, eher von Hochgebildeten und eher in Großstädten. Unter den männlichen Erstwählern bekommt sie 13 Prozent der Stimmen, unter den 18- bis 24-Jährigen 9 Prozent.“ Und: „Wer 2% für die Piraten furchtbar wenig findet, der sei darauf verwiesen, dass die Grünen bei ihrer ersten Bundestagswahl 1980 nur 1,5% hatten.“ [via Fefes Blog]
627.366 Zweitstimmen (237 von 299 Wahlkreisen eingetroffen) (Quelle: Bundeswahlleiter, 22.38 Uhr)
Update: Mehr als 830 000 jetzt…
Erste Prognose?
prognoser.de: „Durchschnittsprognose (von 609): CDU 32,4% SPD 24,2% FDP 13% GRÜNE 11,9% LINKE 12,3% PIRATEN 3,1% „
Bundesradio
Die Bundestagswahl live – 27. September 2009 von 15.30-20.30 Uhr (ja, ich besitze auch keinen Fernseher mehr, ich lebe vermutlich im Internet, würde Frau Zensursula sagen).
Braucht jemand noch Argumente oder Entscheidungshilfen? Zur Einstimmung empfehle ich Politiker-Zitate der Legislaturperiode (via netzpolitik.org):
Günther Beckstein (CSU), im November 2006 (zitiert nach Bericht der Netzeitung): „Killerspiele sollten bei der Strafbewährung in der Größenordnung von Kinderpornografie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt.“
Hans-Christian Ströbele (Grüne), ARD-Kinderreporter im Juni 2007: „Ins Internet bin ich, glaube ich, ein oder zwei Mal bisher gegangen.“
Dieter Wiefelspütz (SPD) bei abgeordnetenwatch.de am 11. November 2007: „Vorratsdatenspeicherung hat mit Terrorismusbekämpfung relativ wenig zu tun. Ich wäre für die Vorratsdatenspeicherung auch dann, wenn es überhaupt keinen Terrorismus gäbe.“
Angela Merkel (CDU) in ihrem Podcast vom 26. April 2008: „Bestimmte Dinge können wir national alleine nicht lösen. Deshalb müssen wir dies im internationalen Rahmen machen, denn das Herunterladen von Computern ist eine Sache, vor der nationale Grenzen nicht schützen können.“
Hans-Peter Uhl (CSU), FOCUS am 1. September 2008 zur Sperrung von Inhalten im Internet: „Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich.“
Dieter Wiefelspütz (SPD), abgeordnetenwatch.de am 15. November 2008: „Die Online-Durchsuchung ist in Deutschland kein technisches, sondern ein verfassungsrechtliches Problem. Soll ich Sie an die Hand nehmen und Ihnen zeigen, wie die Online-Durchsuchung in den USA, in Israel, in China und in Rußland technisch überaus erfolgreich angewendet wird?“
Ursula von der Leyen (CDU) auf Radio eins am 24. April 2009 zu Leuten, die in der Lage sind, Netzsperren zu umgehen: „Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.“
Wir haben die Kraft, nicht die
Wer besitzt die Domain www.wir-haben-die-kraft.de? Die CDU? Ist doch deren Slogan? Das sagt mal wieder alles.
Ich war soeben wählen. (Wieso stehen die Piraten bei den Zweitstimmen an letzter Stelle?) Früher habe ich mir bei Wahlen immer den Zylinder aka Chapeau Claque meine Großvaters aufgesetzt, eines meiner Erbstücke. Irgendwie sind Wahlen feierlich. Zahlreiche Leute haben in der Geschichte dafür gekämpft und sind dafür gestorben, wählen gehen zu können (vgl. Bild: Straßenschlacht in Berlin 1848)
ALSO GEHT WÄHLEN!
Dieter Bohlen unterstützt Piraten!
Teltarif.de: „Überraschender war Bohlens klares Bekenntnis zu den ‚Piraten‘, was es die Entkriminalisierung von Musik-Downloads angeht: _Im Internet teile ich die Meinung der Piratenpartei. Ich bin gegen die Kriminalisierung von Musik-Downloads. […] Wir haben damals auch vor dem Radio gesessen und mitgeschnitten, was das Zeug hielt. […] Meine Kinder, die kennen das gar nicht, dass die für Musik Geld bezahlen‘.“ (Via Hal Faber)
Dann kann ja nichts mehr schief gehen.
Was macht eigentlich der Augiasstall?
Financial Times Deutschland: „Der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat einen neuen Job gefunden. Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley bestätigte die Verpflichtung des 67-Jährigen als sogenannten Seniorberater. (…) Morgan Stanley hingegen galt bislang als vergleichsweise zurückhaltend, was die Beschäftigung prominenter deutscher Wirtschaftsführer anbelangt. Ausnahme: Der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel saß von 2004 bis 2008 im Aufsichtsrat der Bank. “ (via Fefes Blog)
Diese Personalpolitik ist ja konsequent. Da fällt mir ein: Kennt Ihr die griechische Sage von Augiasstall?
She loves you – im Netz aufeinander zugehen
Kommentar in der Tagesschau vom 26.09.: „Wir müssen aber zueinander finden auch in der Sprache. Yeah, yeah, yeah ist Nonsens. Die Internet-Gemeinde muss aufhören, jeden für blöd zu erklären, der nicht in den social networks, also den sozialen Netzwerken unterwegs ist, und die anderen – einschliéßlich den Parteien – müssen anfangen, ernsthaft im Netz aufeinander zuzugehen.“
Jetzt möchte ich diesen Kommentar kommentieren. Irgendwie verstehe ich den Herrn und Kollegen nicht. „Yeah, yeah, yeah“ ist nicht mehr oder weniger Nonsens als das, was in den Wahlkampfreden zum Besten gegeben wird. Wir haben das Yeah. Klingt doch vernünftig. Außerdem gab es da mal einen Song von den Beatles: „She loves you.“ Ich kann mich vage daran erinnern, dass der mediale Mainstream diese Musik auch als „Unfug“ abtat. (Damals sprach man noch deutsch, heute sagt man: „nonsens“ statt „Unsinn“, damit es irgendwie internetter klingen soll)
Das Internet ist ein riesiges soziales Netz, vor allem mit seinen Diensten Usenet, IRC und den so genannten 2.0-Features wie Second Life, dem größten Chatroom der Welt (wenn man Computerspiele außer acht lässt).
Ja. Ich erkläre jeden für blöd, der nicht nicht in den social networks unterwegs ist. („network“, Kollege Hinrichs, heißt im Deutschen „Netz“ – man muss das Wort nicht falsch rückübersetzen).
Im Netz auf einander zugehen. Mit der real gar nicht existierenden Online-Durchsuchung? Mit Zensur, Datenspionage und lächerlcihen virtuellen Stoppschildern? Nein, es stimmt nicht, Kollege Hinrichs, die Politik hat sich nicht „bemüht“, sie hat komplett versagt und bekämpft das Internet als Teufelswerk. Daher auch der beschwörende Ton in solchen Kommentaren. Ihr habt Angst davor. Und ich habe mir schon mal Gedanken gemacht, wie das „Aufeinanderzugehen“ im „Netz“ aussähe, wenn etwa die Schäuble- und Layenfilter-Groupies auf die Sympathisanten der Piratenpartei treffen würden (vgl. Screenshot unten).
Journalistenlobbykrähen oder: Atomlobby plante Wahlkampf minutiös [2. Update]
Vor ein paar Tagen hatte ich versehentlich Spiegel „online“ gelobt: „‚So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein‘. Inklusive einer Namensliste.“ Was lesen wir heute? „Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes wurden die Namen der Journalisten veröffentlicht. Aufgrund von Bedenken einiger Betroffener wurde diese Übersicht entfernt. “
Ach ja? Die Zahnpasta wieder in die Tube zurückdrücken? Es geht hier doch nicht um eine Tatsachenbehauptung über die Journalisten, sondern darum, was die Atomenergie-Lobby über sie denkt – das muss nicht stimmen. Selbst dagegen gebt es also „Bedenken“. Erbärmliche Feiglinge – so etwas nennt ihr also „Journalismus“.
Wenn ich also zukünftig „Bedenken“ habe, dann schicke ich eine selbstredend unverschlüsselte E-Mail an Spiegel „online“ und äußere die – und dann wird alles das, wogegen ich Bedenken habe, entfernt? Das sind ja schöne Aussichten. Oder hat jetzt nur das Motto gesiegt: Eine Journalistenlobbykrähe hackt der anderen kein Auge aus?
Greenpeace hat das Original (pdf) publiziert, die Namen auch geschwärzt. Aber die findet man auf zahlreichen Websites.
Mein Selbstverständnis als Journalist war es immer, aufdecken, nicht zudecken oder verschweigen („auf einer islamistischen Website“, aber wir sagen nicht, um welche es sich handelt) zu wollen. Damit bin ich aber offenbar zu einer Minderheit geworden.
Erststimme und Zweitstimme [Update]
Gestern Nacht war ich noch in meiner Stammkneipe („Außerdem haben wir einen gratis W-LAN Zugang für alle Gäste“) und bin mit sehr guten Freunden noch ein wenig vorwahlmäßig versackt.
Ein Argument bezüglich meiner morgigen Erststimme macht mich nachdenklich. Meine Zweitstimme ist klar (vgl. Banner). Wäre ich noch Kreuzberger, brauchte ich auch nicht nachzudenken, weil die Erststimme in Kreuzberg Pop ist und nicht Politik. Das Argument war: Die Erststimme entscheidet über die Direktmandate. Wenn es klar ist, wer das Mandat bekommt, wäre eine Stimme für aussichtslose Kandidaten korrekt. Wenn der Bezirk jedoch hart umkämpft ist und wenige Stimmen darüber entscheiden, welcher Kandidat direkt in den Bundestag einzieht, sollte man doch überlegen, ob man mit seiner Stimme nicht das Zünglein an der Waage spielt.
Auf wahlrecht.de heisst es: „Ob und wie Sie mit Ihrer Erststimme wenigstens Einfluss auf die personelle Zusammensetzung der Fraktionen nehmen können, hängt von der konkreten Situation in Ihrem Wahlkreis ab. Häufig ist die Erststimme praktisch bedeutungslos, da auf die meisten Wahlkreise eine der beiden folgenden Möglichkeiten zutrifft:
*Es handelt sich um einen ’sicheren‘ Wahlkreis, das heißt, der Wahlkreis wird traditionell von einer Partei mit großem Abstand gewonnen.
*Alle aussichtsreichen Kandidaten sind auf der Landesliste ihrer Partei abgesichert.
In diesen Fällen hat Ihre Erststimme lediglich symbolische Wirkung. Wenn Sie mögen, können Sie hier bedenkenlos einen chancenlosen Einzelkandidaten oder Kandidaten einer kleinen Partei wählen. Die freuen sich über jede Stimme.“
Bei der Bundestagswahl 2005 war es knapp zwischen SPD und CDU. Soll ich also dafür sorgen, dass der SPD-Kandidat Fritz Felgentreu in den Bundestag einzieht anstelle eines CDU-Kandidaten? Wer ist der Kerl? „Im Juli 2008 wurde Felgentreu in Klassischer und Neulateinischer Philologie habilitiert.“
Ähm. Das ist ja lustig. Oder sollte ich symbolisch handeln? Bis morgen habe ich noch Zeit, darüber nachzudenken. Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser mögen mir Ratschläge erteilen.
Update: Die Piraten geben selbst eine Antwort:
ANHANG: Fortgeschrittener Teil – wie maximiere ich den Wert meiner Erststimme?
„Die Bundestagswahl hat einige komplizierte Eigenheiten, durch die die Erststimme unter bestimmten Bedingungen sehr wichtig werden kann. Hauptsächlich sind dies die Überhangmandate. Diese entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Wahlkreise durch die Erststimmen gewinnt, als ihr eigentlich nach Zweitstimmen zustehen. In Berlin betrifft das im Prinzip nur die CDU, da sie hier regelmäßig recht schlechte Zweitstimmenergebnisse einfährt, aber die restlichen Wahlkreise oft gewinnt. Da die CDU die Zensur- und Überwachungspartei Nummer Eins ist, sollte es das Ziel jedes Piraten sein, Überhangmandate für die CDU zu verhindern. Deshalb sollten Piraten in jedem Wahlkreis denjenigen Direktkandidaten wählen, der der aussichtsreichste nicht CDU-Kandidat ist. Und das unabhängig von den sonstigen Präferenzen. (Abgesehen von den Überhangmandaten hat die Erststimme keine Auswirkung auf die Sitzzahl der einzelnen Parteien.) (Abgesehen von den Überhangmandaten hat die Erststimme keine Auswirkung auf die Sitzzahl der einzelnen Parteien.)
Dies sind in den einzelnen Wahlkreisen folgende Kandidaten:
076 Berlin-Mitte: Dr. Eva Högl, SPD
077 Berlin-Pankow: Wolfgang Thierse, SPD
078 Berlin-Reinickendorf: Jörg Klaus Hartmut Stroedter, SPD
079 Berlin-Spandau – Charlottenburg Nord: Swen Schulz, SPD
080 Berlin-Steglitz – Zehlendorf: Klaus Uwe Benneter, SPD
081 Berlin-Charlottenburg – Wilmersdorf: Petra Merkel, SPD
082 Berlin-Tempelhof – Schöneberg: Mechthild Rawert, SPD
083 Berlin-Neukölln: Dr. Fritz Felgentreu, SPD
084 Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost:
Hans-Christian Ströbele, GRÜNE
085 Berlin-Treptow – Köpenick: Dr. Gregor Gysi, DIE LINKE
086 Berlin-Marzahn – Hellersdorf: Petra Pau, DIE LINKE
087 Berlin-Lichtenberg: Dr. Gesine Lötzsch, DIE LINKE
Diese Liste gilt übrigens nicht nur für Piraten, auch Anhänger der SPD, Grünen und der Linken sollten so ihre Erststimme einsetzen, denn das Resultat ist eine Schwächung der CDU.“
Alles klar?
O Allah, was bist du bekloppt oder: Mitleid ist nicht angebracht
Das nächste Video des deutschen Taliban Bekkay Harrach aka „Al Hafidh Abu Talha der Deutsche“ in Afghanistan gibt es hier und heißt „O Allah , ich liebe dich“.
O Allah, was bist du bekloppt…Das erste Video gibt es hier und auch woanders. Ich habe es mir heruntergeladen und angesehen. Es ist kaum erträglich. Die „Argumentation“ ist religionssoziologisch recht primitiv. Ich kenne das schon in – scheinbar gemäßigter – Version von anderen Sekten (ich weiß wovon ich rede).
Google News listet zur Zeit 521 Artikel deutscher Medien zum Thema auf. Keines war in der Lage, das Original des Videos, über das alle berichten, zu verlinken. Geht sterben, Holzmedien. Die Medienkrise trifft die Richtigen. Mitleid ist nicht angebracht.
„Du kannst im Leben nur erfolgreich sein, wenn du standhaft bist“, sagst die talibanistische Knallcharge im Video (knapp 80 MB). Jawoll. Zum Beispiel bei Hausdurchsuchungen. Har har.
Screenshot: © BurkS (Wehe ihr klaut den, Holzmedien! Die Grafik ist steganografisch bearbeitet – ich könnte das beweisen!)
Heimliche Wohnungsdurchsuchungen [Update]
Spiegel Online über „CDU-Planspiele zum Verfassungsschutz“: „Bei der Terrorbekämpfung wollen die Autoren das verdeckte Betreten einer Wohnung erlauben, um dort die Vorbereitungen für eine Online-Durchsuchung oder eine sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung zu treffen.“
Wer CDU wählt oder Leute, die das wollen, ist für mich ein potenzieller Faschist. Das muss mal so gesagt werden. Und die Stasi lässt sowieso schon grüßen.
Upate: mehr bei Heise.
Blowjobs für alle. Unser Land hat und kann mehr die Kraft dazu haben.
Ich kannte Tania Derveaux bisher noch nicht. Sie machte für die belgische Partei NEE ein ähnlich realistisches Wahlversprechen wie die unserer Politiker: „I will make love with every virgin who defends the Internet.“ Und: „I will give you 40000 blowjobs.“ Eben. Unser Land kann mehr. Wir haben die Kraft. Sex für alle.
Bei Youtube gibt es zahllose Videos zu den Hintergründen.
Argumente für und gegen die Wahl der Piratenpartei
„Die Piratenpartei, die derzeit mit je einem Abgeordneten im Europaparlament und Bundestag vertreten ist, ist für mehr Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung, eine Reform des Urheberrechts und freien Zugang zu Bildung. Sie ist gegen Überwachungssysteme im Internet, gegen das ineffektive, da umgehbare, Sperren von Internetseiten, gegen den Verbot von Computer-Spielen und die Kriminalisierung von Menschen, die zum Beispiel Musik aus dem Internet herunterladen. Privatkopien möchte die Piratenpartei legalisieren. Stammland der Piratenpartei ist Schweden. Weitere Informationen siehe zum Beispiel unter http://www.piratenpartei.de/navigation/politik/unsere-ziele . Die Feindbilder der deutschen Piratenpartei sind vor allem Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen, die gerne von Anhängern der Piratenpartei als ‚Zensursula‘ bezeichnet wird.“ [mehr auf Predatory fish’s Weblog]
Ein Haufen Irrer (soundsovieltes Update) oder: Wolfenstein mit Layenfilter
Über das haufenweise Auftreten von politisch und anderweitig Irrer hatte ich mich hier schon ausgelassem. Man muss nur wahllos die Tagesmeldungen durchgehen, um das Gefühl vermittelt zu bekommen, die meisten Leute, die das Maul zu den Themen Computer und Internet aufmachen, hätten nicht mehr alle Latten am Zaun und lebten weltanschaulich auf einem anderen Planeten.
„Kinderschutz-Software von McAfee“ heißt es bei Heise. „Eltern können mit Family Protection die Online-Aktivitäten ihrer Kinder anhand von Protokollen der besuchten Webseiten und Chat-Mitschnitten überwachen. Der Webfilter kennt 35 Kategorien wie Pornografie oder Gewalt. Bestimmte Programme, etwa Spiele oder Filesharing-Clients, lassen sich ebenfalls sperren. Verbieten die Eltern Dienste wie E-Mail oder Chat, werden auch Websites gesperrt, die diese anbieten. Darüber hinaus lässt sich der E-Mail-Versand auf bekannte Adressen beschränken. Die Eltern werden per Mail gewarnt, wenn ihre Kinder persönliche Daten in Sozialen Netzen bekannt geben, und können sich ein Protokoll der dorthin übertragenen Daten erstellen lassen.“
Training für den Überwachungsstaat – dass die lieben Kleinen sich schon mal daran gewöhnen. Und die Eltern auch. Online-Durchsuchung? Ja, bitte, das mache ich bei meinen Kindern auch täglich. Nur dass die Kommentare des Publikums bei Heise anders sind: „Welche Kinder sind so doof um das nicht zu umgehen?“ Oder: „Also wenn ich mal ein Kind habe und es ist mit 10 Jahren nicht in der Lage eine Pups Software von McAfee zu umgehen, dann habe ich in der Erziehung was falsch gemacht!“ Unterschreibe ich sofort.
Gleich nebenan fiel mir ein besonders Irrer auf (Die Meldung ist schon älter): „Armin Laschet (CDU), Jugendminister in Nordrhein-Westfalen, sieht das Web als einen Hort von „unzähligen, manchmal unüberschaubaren Informationen“. (…) Nun müssten die Anbieter dazu verpflichtet werden, ihre Angebote einzuschätzen oder von einer unabhängigen Stelle einschätzen zu lassen.“ Am besten vom Jugendschutz – und Internet-Blockwart ihres Vertrauens.
Vorgestern diese Meldung: „Activision Blizzard ruft Wolfenstein zurück“: „Grund für die Rückrufaktion ist womöglich ein kleines Hakenkreuz, das auf einem Plakat im Krankenhaus-Level des Spiels zu sehen ist und im Unterschied zu anderen Hakenkreuzen, SS-Runen und Hitler-Motiven, die in der internationalen Version sichtbar sind, irrtümlich nicht für den deutschen Markt entfernt wurde.“
Jetzt mal langsam zum Mitlesen: „Wolfenstein ist ein Ego-Shooter, in dem der Spieler die Rolle eines US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg übernimmt und in der fiktiven deutschen Stadt Isenstadt gegen okkulte Nazi-Zombies kämpfen muss.“ Ja, wenn man gegen die Nazis kämpft, dürfen dabei keine Hakenkreuze zu sehen sein?! Ich sag’s ja: Ein Haufen Irrer.
Ich würde natürlich nur die unzensierte Version spielen wollen. „Oha, ich hab meins in Uk bestellt! Hoffe doch ich bekomms diesmal auch durch. Bisher hab ich jedes Uncut Game, auch aus dem Europäischen Ausland, bekommen“, schreibt jemand bei schnittberichte com.
Ich warte darauf, dass ein Politiker auf die Idee kommt, auch Google Earth verbieten oder mit einem virtuellen Warnschild oder mit einem Layenfilter versehen zu lassen (vgl. Screenshot). Auf den „cool places“ kann man Hakenkreuze sehen, und davon werden Kinder bekanntlich zu Nazis.
Schwer erträgliches Land
Ja, ich halte Jutta Ditfurth für eine schwer erträgliche Sektiererin. Aber wo sie Recht hat, hat sie Recht. „Deutschland ist ein sehr eigenartiges, oft schwer erträgliches Land. Man braucht manchmal die lebendige Erfahrung von sozialen Kämpfen in anderen Ländern – Frankreich, Griechenland, Lateinamerika –, sonst hält man es hier als politische linke Aktivistin kaum aus.“
In Frankreich ist die Rechte an der Macht, und auch in Griechenland ist es nicht besser. Es reicht nicht aus, sich in politischen Kämpfen gut zu fühlen und die richtigen Fahnen zu tragen. Wenn man nicht ab und zu gewinnt, macht man was falsch oder ist Sektierer.
Zum Glück gibt es Lateinamerika. Da gewinnen die Linken zur Zeit meistens. Und die Frauen sind auch hübscher als Jutta Ditfurth und Claudia Roth. Aber das ist bekanntlich Geschmacksache. Ich war zu oft und zu lange in Lateinamerika. Ich bin sozusagen für den deutschen Geschmack verdorben.
By the way: Wenn ich in Ditfurths Blog etwas kommentiere, kommt die Meldung: „This comment has been deleted by WP Hashcash„. Weiß jemand, was das bedeutet?




























