Fukushima No. 2 reactor’s fuel rods fully exposed, melting feared

telco

Auch beim Webdesign ist die japanische AKW-Betreiber-Firma Telco „Spitzenklasse“.

Hier die Meldung von Spiegel offline übersetzt in Online-Journalismus (also mit Quellenangabe/Links):

„Nach Angaben der Betreiberfirma, der Tokyo Electric Power Company (Tepco), sind die Brennstäbe komplett ohne Wasser, der Druck im Reaktor steigt. Der Betreiber hält für möglich, dass es zu einer partiellen Kernschmelze im Reaktor 2 gekommen ist. Dies teilte die Betreiberfirma Tepco laut der Nachrichtenagentur Kyodo mit.“

[Nicht nur laut der Nachrichtenagentur, sondern auch höchstderoselbst in englischer Sprache auf ihrer eigenen Website. Habt ihr eigentlich einen Internet-Anschluss beim Spiegel „Online“?]

„At 2:46PM on March 11th 2011, the turbines and reactors of Fukushima Daiichi Nuclear Power Station Unit 1 (Boiling Water Reactor, rated output 460 Megawatts) and Units 2 and 3 (Boiling Water Reactor, Rated Output 784 Megawatts) that had been operating at rated power automatically shutdown due to the Tohoku-Chihou-Taiheiyou-Oki Earthquake.

In response, water injection into Unit 2’s reactor were being carried out by the Reactor Core Isolation Cooling System. However, as the Reactor Core Isolation Cooling System failed today, it was determined that a specific incident (failure of reactor cooling function) stipulated in article 15, clause 1 has occurred at 1:25 pm today.“

Like-jacking, Click-Jacking, Link-Diebstahl

link-jacking

Heise Security beschäftigt sich heute mit „Like-Jacking“, das eher als Clickjacking – zu deutsch: „Link-Diebstahl“ – bekannt ist. Ein Dau klickt auf irgendetwas, und es geschieht etwas, was er/sie nicht vermutet hat – und dann passiert etwas Böses.

Die Wired schreibt ganz richtig dazu: „Every time darkside hackers make up a new exploit, somebody’s got to make up and promulgate a new name to the security community. ‚Like-jacking.‘ You ‚like‘ something on Facebook, you get hijacked.“

Mit Leuten, die Facebook nutzen, sollte man kein Mitleid haben. Da das Datensammeln und deren -verkauf das Geschäftsmodell der sogenannten „sozialen Netzwerke“ ist, darf man sich nicht wundern. Nur wenn andere das auch tun, regt man sich offenbar auf.

Was mich immer ärgert, dass in Artikeln, die darüber berichten, so getan wird, der Nutzer sei immer und grundsätzlich total bescheuert. Nein, ist er nicht. Ich bin doch nicht so blöd und surfe mit eingeschaltetem Javascript?! Nein, ich benutze bei allen Betriebssystemen die Firefox-Erweiterung noscript und gestatte nur ganz wenigen Websites, Scripte auszuführen. Damit bin ich auf der sicheren Seite.

Warum bekommt ich also bei „Heise Security“ die Falschmeldung „Fehler Video-/Audio-Datei – Zur Wiedergabe benötigen Sie eine aktuellere Version des Adobe Flash Players, den Sie kostenlos für alle gängigen Betriebssysteme herunterladen können“? Weil sich sogar die Webdesigner dort überhaupt nicht vorstellen können, dass jemand mit einem abgeschotteten Browser surft und über die zahllosen Warnungen, was alles Böses geschehen könnte, nur schmunzelt. Klickibunti ist eben Standard, und die Nutzer werden weiter so erzogen, das als eine Art Naturkonstante anzusehen.

Atom-Neusprech und die Darmflora des Kapitals

BZEs ist interessant zu beobachten, welche Wortwahl die Atom-Lobby mittlerweile durchgesetzt hat und welche Medien sich daran halten. Wer pro Atomernergie ist, sagt in der Regel „Kernenergie“, um etwas Sauberes zu suggerieren und weil „Kern“ irgendwie neutral klingt (wenn schon, dann „Atomkernenergie“!). Natürlich sagt man als Lobbyist, der auch über Leichen geht, nicht „Atommülllager“, sondern „Entsorgungspark“.

Die Berliner Boulevardzeitung BZ, die zu Springer gehört, gibt heute die Sprachregelung aus, wie man die Atomlobby weiter unterstützt, auch wenn in Japan alles in die Luft fliegt. Bei dem AKW Fukushima handelte es sich um einen „veralteten“ Reaktor. Damit kann die Atom-Lobby gleich im Chor rufen: „So etwas kann in Deutschland nicht passieren – wir sind hier modern! Und bei uns gibt es nur kleine Erdbeben, keine großen!“

Ich glaube nicht, dass die deutsche Atomlobby in der BZ angerufen und um diese Formulierung gebeten hat. Das machen die Medien freiwillig. Wie der Spiegel neulich über die Bild-Zeitung schrieb: „tatsächlich übernimmt sie immer wieder die Rolle einer rechtspopulistischen Partei, die im deutschen Politikbetrieb fehlt.“

Die Springer-Bouelevard-Soldateska entblödet sich auch nicht, ausgerechnet heute Michael Fuchs zu Wort kommen zu lassen. Der ist Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und besitzt die Chuzpe, seinen Lesern erzählen zu wollen, warum Atomenergie in Deutschland unbedingt gebraucht werde. Die Zeit nennt ihn einen „Freund der Bosse“. Ein Sprechblasen-Ausschütter des Kapitals also. (Die Nebeneinkünfte des Atom-Lobbyisten Michael Fuchs beliefen sich 2010 auf mindestens 109.500 Euro.)

Wie die Springer-Boulevard-Presse selbst Atom-Katastropen für rechtspopulistische Pro-Atom-Propaganda ausnutzt, zeigen die geheimen Akten über Gorleben. Greenpeace schrieb: „Eine geologische Eignung des Endlagers Gorleben wurde nie festgestellt. Trotzdem soll der Ort im Wendland möglicherweise als Endlager für Deutschlands radioaktiven Abfall herhalten. Alles deutet darauf hin, dass politisches Kalkül und nicht wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse der ausschlaggebende Faktor war, diesen Standort festzulegen.“

Die Welt kommentierte damals: „Aus diesen Dokumenten gehe hervor, dass es keinen echten wissenschaftlichen Prüfprozess für den Standort Gorleben gegeben habe. (…) Aus Unterlagen der BGR geht den Angaben zufolge auch hervor, dass den Bürgern noch während der späteren Erkundung des Salzstocks wesentliche Informationen vorenthalten wurden.“

Die Bild hingegen publizierte im Mai 2010 die Lügenmärchen der Atom-Lobby: „Der Atom-Standort Gorleben ist nach einer Studie im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung nach fachlichen Bewertungen ausgewählt worden.“ Die BZ lässt zwar auch kritische Stimmen zu Wort kommen, verschweigt aber, dass die Entscheidung, das Atommüllager in Gorleben anzusiedeln, nur der gewohnte Kotau der Politik vor den Bossen der Atom-Lobby war.

Mit dem Atom ist es wie mit den Textbausteinen „Drogen“ oder „Kinderpornografie im Internet“: Es wird ein irrationaler Reiz-Reaktionsmechanismus ausgelöst, der keine Argumente mehr erlaubt.

Leute wie Fuchs würden vermutlich selbst dann noch die Atomenergie fördern, wenn in Japan 10 Millionen Menschen verstrahlt werden würden. Atomkraft in Deutschland ist eben sicher und wer einmal an der Darmflora des Kapitals geschnüffelt hat, der will diesen Geruch nie wieder missen.

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Netizen-Preis für Nawaat

Pressemitteilung von Reporter ohne Grenzen:
Das tunesische Blog „Nawaat“ wird mit dem diesjährigen „Netizen-Preis“ von Reporter ohne Grenzen (ROG) geehrt. Mit der Auszeichnung würdigt ROG die Verdienste des Blogs bei der Förderung von Meinungsfreiheit im Internet. „Nawaat“ gehörte während der Herrschaft unter Präsident Ben Ali zu den wenigen kritischen Online-Plattformen in dem nordafrikanischen Land. „Nawaat“ war zudem maßgeblich an der Berichterstattung über die politischen und sozialen Unruhen in Tunesien seit dem 17. Dezember beteiligt.

Riadh Guerfali (Bloggername: Astrubal), einer der Gründer des Blogs, wird den Preis heute Abend in Paris entgegennehmen. (…) Der international besetzten Jury zufolge steht „Nawaat“ stellvertretend für die Schlüsselfunktion, die viele Blogger und engagierte Internetnutzer im Kampf für das Recht auf Informationsverbreitung und -beschaffung im Netz innehaben. (…)

„Nawaat“ wurde von den Bloggern Astrubal und Sami Ben Gharbia im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Sie bietet engagierten Bürgern die Möglichkeit zum Informationsaustausch. Das Blog hat in jüngster Zeit durch verschiedene Projekte auf sich aufmerksam gemacht. Besonders spektakulär war die Berichterstattung über die Unruhen in Sidi Bouzid. In der Stadt im Zentrum des Landes begannen im Dezember 2010 die tunesischen Massenproteste, über die in den ersten Wochen in den klassischen Medien nicht berichtet wurde. Auf dem Portal werden derzeit außerdem unter der Überschrift „TuniLeaks“ Enthüllungsdokumente von „WikiLeaks“ über Tunesien öffentlich zugängig gemacht. Schließlich klärt das Blog Internetuser über die Gefahren auf, online identifiziert zu werden, und gibt Tipps zur Umgehung von Internetzensur. (..)

Informationen über die weiteren Nominierten finden Sie hier.

Wikileaks, Opportunismus und Geld

wikileaksIch lese gerade von Marcel Rosenbach und Holger Stark: „Staatsfeind WikiLeaks“ (Deutsche Verlags-Anstalt, Januar 2011). Wer hier nicht weiterlesen will: Das Buch ist überraschend gut und nicht so oberflächlich, wie ich es vom Spiegel erwartet hätte. Nicht unbedingt erfrischend für Nerds, aber sehr informativ für normal Sterbliche, für die Tor, VPN und asymmetrische Kryptografie auf ewig Fremdwörter bleiben werden und die unter der PrivacyBox eine Art Babyklappe vermuten.

Ein Zitat sollte reichen. Nachdem die Dokumente über Afghanistan von Wikileaks publiziert worden waren und jeder Journalist sich hätte ein realistischen Bild vom Krieg am Hindukusch machen können, kam es ganz anders:

Stattdessen sind die Tage danach ein Armutszeugnis für verschiedene Medien. Viele Journalisten reagieren nach einem simplen Muster: Die Widerworte der Regierung wiegen für sie den Wert des enthüllten Materials auf. Sie glauben lieber dem Pentagon, als dem Material selbst, das, Ironie der Geschichte, ja ebenfalls aus dem Pentagon stammt. Nur wenige Redaktionen machen sich die Mühe und arbeiten mit den Papieren(…) vor allem die konservativen Medien in den USA berichten kaum über den Inhalt der Dokumente, sondern fast ausschließlich über den bösartigen Charakter ihrer Veröffentlichung. Eine Aufarbeitung des Kriegsverlaufs mit seinen Fehlern wie Erfolgen aus konservativer Sicht, die sich aus dem Material speist und die wertvoll für die Debatte wäre, fehlt bis heute. [auch in Deutschland, B.S.]

Das weitgehende Versagen des Journalismus lässt sich auf zwei ursachen zurückführen: Opportunismus und Geld. Er ist bequem, der Linie der Regierung zu folgen, während es Courage erfordert, sich ihr entgegenzustellen. Und es ist billig, vorgefertigte Statements und Pressemitteilungen abzudrucken, aber teuer, sich tage- und wochenlag mit der Auswertung der Afghanistan-Dokumente zu beschäftigen.

Der Holger Stark ist ein guter Mann; ich habe ihn kennengelernt, als er noch für den Tagesspiegel und für die Tageszeitung Spandauer Volksblatt schrieb.

Besonders interessant war das Psychogramm Assagnes, das sich schlicht aus den Fakten seiner Biografie ergibt – die Autoren beginnen gar nicht, die Leser mit populärpsychologischen Thesen zu behelligen. Ich konnte mir auch eine Meinung über die Vergewaltigungsvorwürfe machen und wie es dazu kam. Ein gutes Buch!

By the way, Openleaks: Solange ich euch keine anonymen Nachrichten schicken kann, kriegt ihr keine von mir – obwohl ich schon etwas anzubieten hätte (vgl. Auszug unten).

geleakt

Todes-Drama um schöne Anika

Dr. Nicolaus Fest von der Chefredaktion der Bild-Zeitung legt sich mit dem ehemaligen Nachrichtenmagazin an: „SPIEGEL: Im Zweifel unrecherchiert“. Schön zu lesen:

„Nachträglich ist allerdings einzuräumen, dass auch BILD im Fall Anika zumindest ein schwerer Fehler unterlaufen ist. (…) Denn das skandalöse Agieren des Wilhelmstift und seines Geschäftsführers Bonekamp-Kerkhoff wäre noch viele Artikel wert gewesen. Zudem hätten diese Artikel wohl auch verhindert, dass der SPIEGEL einem solch ekelhaft verheucheltem Pfaffen überhaupt ein Forum bietet“.

Unter libyschen Stämmen

Aus dem Libyen-Liveticker von Spiegel „online“:

[13.11 Uhr] Die Stadt Sirte gilt als Hochburg von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Sie liegt zwischen Misurata und Ras Lanuf – und von dort aus rücken nun offenbar Rebellen an. Bereits in der Nacht seien allerdings Kämpfe zwischen Gaddafi-Anhängern und -Gegnern ausgebrochen, meldet al-Dschasira in seinem Liveblog. Es handelt sich offenbar um Gefechte zwischen Stämmen.

Und so etwas nennen die vermutlich auch noch „Journalismus“ – sämtliche Quellen werden uns vorenthalten. Alles muss man selbst recherchieren. So sähe ein ernst gemeinter Artikel aka Online-Journalismus aus:

Die Stadt Sirte gilt als Hochburg von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Sie liegt zwischen Misurata und Ras Lanuf – und von dort aus rücken nun offenbar Rebellen an. Bereits in der Nacht seien allerdings Kämpfe zwischen Gaddafi-Anhängern und -Gegnern ausgebrochen, meldet al-Dschasira in seinem Liveblog. Es handelt sich offenbar um Gefechte zwischen Stämmen.

Die Meldung bei Al-Jazeera lautet jedoch anders: „5:04am Twitter is abuzz with reports of ‚air strikes‘ being carried out in the western city of Misurata within the last hour.“

Al-Jazeera biete also einen Link auf Google Maps an, da man nicht davon ausgeht, dass die Leser wissen, wo Misurata liegt. Aussderdem – das kann man am Link erkennen – könnte man „Misurata“ korrekt auch Mişrātah oder Misratah schreiben.

Bei deutschen Medien wie dem ehemaligen Nachrichtenmagazin wird das entweder vorausgesetzt oder angenommen, von oben sähen die Städte in Arabien ohnehin alle gleich aus und es sei eh wurscht – oder die betreffenden Redakteure sind zu dumm und/oder zu faul, selbst zu recherchieren, wo das liegt, worüber sie gerade berichten.

Und nun zu uns, Kara ben Nemsi. „Es handelt sich offenbar um Gefechte zwischen Stämmen“, formulieren die Offliner beim ehemaligen Nachrichtenmagazin. Damit meint ihr, uns ausreichend informiert zu haben? Was ist ein „Stamm“ in Libyen? So etwas wie die Bayern und Preussen und Schwaben und Deutschland? Oder wie die Apachen und Sioux und Pawnee in den USA?

Guckst du hier (Vorsicht! Ausländisches Medium!): Warfallah [aka Werfella], Zawiya tribe, „based in a petroleum-rich region in the east“, Bani Walid, Zintan tribe, „allied in the past to Gadhafi’s own tribe“.

„One after another, Libya’s myriad tribes are falling in line against Gadhafi, and the implications are enormous, said longtime observers of Libya, because for centuries, tribes have formed the backbone of the North African nation. Many Americans pride themselves on God and country. In Libya, it’s God, tribe, then country. Libya’s 140 or so tribes and the clan and family structure that fall under them, remain the most important aspect of a society that lags behind many others in the region in development, said Ronald Bruce St. John, a scholar who has visited Libya numerous times and published several books about the country. (…)“

‚Libyans have a strong loyalty to tribe,‘ said Philip Carl Salzman, a McGill University professor of anthropology and author of ‚Culture and Conflict in the Middle East‚. – ‚A tribe provides welfare in times of need,‘ he said. ‚They have a collective responsibility.‘ If one member of a tribe is attacked, the reaction is to help or exact vengeance, Salzman said.“

Mehr Informationen zu dem Stämmen in Libyen gibt es auf Le Centre tricontinental (CETRI) (NGO aus Belgien) – eine „Lybian Tribal Map“.

„The tribe which has the strongest, and longest, ties to the Gaddafi region is the Magariha tribe…“. (…) Gaddafi’s own tribe, the Gaddafi tribe, had historically not been an important tribe…(…) The leadership of the Magariha tribe acknowledges a debt of gratitude to Gaddafi and his regime… (…) Whilst the Zawiya tribe is also in a strong position… (…) The largest and most influential tribe in eastern Libya is the Misurata tribe, which takes its name from the Misurata district in northwestern Libya. The tribe has particularly strong influence in the cities of Benghazi and Darneh. As for the Cyrenaica region, the most prominent tribe’s in this area are the Kargala tribe, the Tawajeer tribe, and the Ramla tribe. (…) Some of the more prominent tribes and families that have given up the Bedouin tribal culture in the Misurata region are : the el-Mahjoub clan, the Zamoura family, the Kawafi tribe, the Dababisa tribe, the Zawaiya tribe, the al-Sawalih tribe, and the al-Jarsha tribe. (…) [Der Kawar tribe] takes its name from the Kaouar region… (…) The al-Awaqir tribe is centered in the Barqah region of Cyrenaica, and this tribe is well known for the prominent role that it played in the war against Ottoman and Italian colonialism. (…) As for Tobruk and the surrounding region, there are a number of prominent tribes in this area, including the Abdiyat tribe… (…) The Masamir tribe is also an important tribe in this region… (…) the al-Mujabra tribe, this tribe has a strong presence south-west of Tripoli near the Al Jabal Al Gharbi district. (…) The Libyan Farjan tribe is centered west of the city Ajdabiya… (…) The majority of people in the city of Tripoli are affiliated to the Masrata tribe, such as the Muntasir clan, the Suni family, the Qadi family, the al-Bashti family…“

Na also. Gadaffi hat keine wirkliche Chance. Ein Stamm in Lybien ist eine sehr große Großfamilie, die eine Jahrhunderte alte Tradition hat und auch noch das deutsche Vereinwesen („most important aspect of a society“) und die Parteien ersetzt.

So, und nun könnte ihr euch selbst heraussuchen, welcher Stamm gegen welchen gekämpft hat in der „informativen“ Meldung beim ehemaligen Nachrichtenmagazin. Ich würde noch eine halbe Stunde recherchieren müssen, um das herauszufinden, aber mich bezahlt ja niemand dafür.

Union fordert: Das Internet muss in Deutschland mehr zensiert werden

In Ägypten wurde die Zensur des Internet gerade wieder abgeschafft. Die CDU will ab März die Zensur des Internet in Deutschland wieder einführen.

Laut Osnabrücker Zeitung (via netzpolitik.org) sagte der so genannte „Unionsexperte“ (was ist das denn?) Günter Krings: „Ich erwarte, dass die Bundesregierung nun Kinderporno-Sperren bei nachgewiesener Erforderlichkeit auch einsetzt – so, wie das Gesetz es vorsieht„.

Der Titel der Doktorarbeit Krings‘ lautet: „Grund und Grenzen grundrechtlicher Schutzansprüche – Die subjektiv-rechtliche Rekonstruktion der grundrechtlichen Schutzpflichten und ihre Auswirkung auf die verfassungsrechtliche Fundierung des Verbrauchervertragsrechts“.

„Wieder einführen“ ist nicht korrekt, weil das Internet in Deutschland ohnehin schon zensiert wird. Das größte Problem bei der Diskussion ist, dass die Medien sich fast ausnahmslos die Sprachregelungen der Zensur-Lobby aufschwatzen lassen. Sogar die c’t spricht von „Kinderporno-Sperren“.

Darum geht es aber überhaupt nicht – niemandem würde es einfallen, die Internet-Zensur in China als „Falung-Gong-Sperren“ zu benennen. Zensur machen nur die anderen, so sagt das deutsche Wahrheitsministerium, bei uns heisst das [Das-Ultimative-Böse]-Sperren. Was die Union will, ist ganz einfach: Das Internet muss in Deutschland mehr zensiert werden.

Werden wir diese Schlagzeile in irgendeinem Holzmedium in Deutschland lesen? Nein, garantiert nicht. Die verstehen unter „Journalismus“, „Krieg“ als „friedenserzwingende Maßnahmen“ zu bezeichnen oder „Internet-Zensur“ als „ZugErschwG„.

Die Blechtrommel ist bald Kinderpornografie

Ganz viele Medien berichten genau das Gleiche:

„Sexualwissenschaftler aus Deutschland und Österreich protestieren gegen die geplante EU-Richtlinie zur Kinderpornografie. Die „absurden Maßnahmen“ seien ungeeignet und sogar kontraproduktiv, kritisieren Fachverbände in einer gemeinsamen Erklärung. Die geplante ‚Strafrechtsverschärfung auf dem Papier‘ sei ’symbolische Politik und reiner Populismus‘ und richte sich ‚im Zweifel gegen die Freiheit‘. (…) Der Richtlinie zufolge sollen Personen unter 18 Jahren künftig als Kinder anzusehen sein und entsprechende sexuelle Darstellungen, egal ob real, als Comic oder simuliert, als Kinderpornografie gelten. (…) Übliche Pubertätskomödien‘ wie ‚Eis am Stiel‚ oder ‚American Pie‚ würden kriminalisiert, ebenso ‚Die Blechtrommel‚. Die Justizminister der EU-Mitgliedstaaten haben der Richtlinie zugestimmt.“

ZDNEt.de bietet einen seriösen journalistischen Artikel, der auch zu den Quellen verlinkt. Davon könnten sich die faulen Holzmedien eine Scheibe abschneiden:

„Am Montagmorgen verkündete die EU-Kommissarin für Inneres, Cecilia Malmström von der schwedischen liberalen Volkspartei (FL), dass die Kommission dem Ministerrat und dem europäischen Parlament eine Richtlinie (PDF) vorlegen werde, die in etwa den Vorschriften des deutschen Internetzensurgesetzes entspricht. Diese Richtlinie muss jeder Mitgliedsstaat in nationales Recht transformieren, sofern sie Ministerrat und Parlament absegnen.“

Wer war nochmal gleich Justizminister in Deutschland?

Die Beziehungen zwischen zu Guttenberg und der Springer-Presse – eine „Privilegierte Partnerschaft“

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Linksammlung bei Metronaut zur heutigen Demo

Fast zwei Drittel der Deutschen sind geistig umnachtet

Die Frankfurter Rundschau erdreistet sich, einen linkfreien Artikel über die Plagiate Guttenbergs (nein, es sind keine Vorwürfe – es ist erwiesen!) online zu stellen, in dem noch nicht einmal Guttenplag erwähnt, geschweige denn verlinkt wird.

Dann kommt der schöne Satz: „…scheint das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des Verteidigungsministers ungebrochen. Einer Umfrage zufolge wollen knapp 70 Prozent der Deutschen, dass zu Guttenberg sein Amt behält.“

Wenn das der Führer wüsste! Übrigens: Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil wurde der Adel in Deutschland 1919 nicht wirklich abgeschafft, ihm wurden nur seine Privilegien entzogen: In der verfassunggebenden Versammlung am 15. Juli 1919 konnte sich die Mehrheit nicht für den Satz in Artikel 109 „Der Adel ist abgeschafft“ entscheiden.

Hamburger Morgenpost will Anzeige der Piratenpartei nicht drucken

Piratenpartei Hamburg

Via Alex ihm sein Blog und Piratenpartei Hamburg: Die Hamburger Morgenpost will die obige Anzeige der Hamburger Piratenpartei nicht drucken: „Nach Absprache mit der Verlagsleitung werden wir Ihre Anzeige in der Form nicht veröffentlichen. Wir sehen die Persönlichkeitsrechte des Kandidaten Olaf Scholz beschädigt.“

Wie die Print-Lobby Kinder indoktriniert oder: Der Volkssturm der Holzmedien, revisited

Stefan Niggemeier [via Ulrich Fries und seine Eck.Dose] über den Volkssturm der Holzmedien: „Die Bayerische Staatskanzlei hat im Herbst mit einem Pilotprojekt begonnen, das Grundschülern Medienkompetenz beibringen soll: Sie machen einen Medienführerschein‚, den sie in Form einer Urkunde ausgehändigt bekommen. In der Unterrichtseinheit ‚Schau genau hin!‚ für die dritte und vierte Klasse sollen die Kinder lernen, Nachrichtenwege zu erkennen und zu bewerten.“

Herausgeber der Unterrichtseinheit ist der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV). Was suggeriert also die Broschüre? Wer hätte das gedacht: Blogger sind doof und Zeitungen sind schlau.

Das hatten wir hier schon im Oktober 2009: „Blogger und Journalismus – das war noch nie ein Widerspruch. Ein Blogger muss sich mehr anstrengen, um so viele Leute für sich und seine Meinung zu interessieren, als jemand, der quasi-verbeamtet in einer (Medien-)Anstalt sitzt, sich auf seinen bezahlten Urlaub verlassen kann und das Usenet nicht von einem Telefonkabel unterscheiden kann.“

Aus dem Nachtrag zu Niggemeiers Posting: „Die Staatskanzlei hatte die Initiative für einen Medienführerschein wegen mehrerer Vorkommnisse gestartet. Dazu zählt auch der Amoklauf von Winnenden.“ Mehrere „Vorkommnisse“. Dann kann ja nichts mehr schief gehen. In Deutschland muss jemand Amok laufen, damit jemand auf die Idee kommt, die lieben Kleine zu erziehen, wie man mit Medien umzugehen hat- oder wie darf ich diese „Logik“ interpretieren?

By the way: Die Pappnasen von Spiegel Offline schreiben darüber einen linkfreien (!) Artikel. (Oh, eine Ausname – es wird per Link erklärt, was eine „Grundschule“ ist!) Ich wüsste schon, wenn ich Diktator Deutschlands wäre, wen ich nicht mehr ohne Medienführerschein das Internet vollschreiben ließe!

Deutscher „Online“-Journalismus at its best

Wirres.net: „in meinem vorherigen artikel habe ich ja behauptet, dass spiegel-online links verkauft und damit das suchmaschinen-ranking der verlinkten site erhöht. frank patalong, leiter des netzwelt-ressorts bei spiegel-online, stellte das in dem artikel den ix kritisierte lediglich als eine ‚weit verbreitete Praxis‘ in der ‚Blog-Szene‘ dar, und vergass zu erwähnen, dass es ebenfalls eine weit verbreitete praxis im gesamten internet und insbesondere auch auf webseiten grosser medienhäuser und eben spiegel-online ist. (…) tatsache ist: spiegel-online verkauft links und kennzeichnet diese nicht wie von suchmaschinen gefordert als bezahlte links.“

Das erklärt natürlich, warum sich die Mainstream- und Holzmedien – aka Spiegel „online“, Focus „online“ und wie sie sich alle nennen mögen – mit irrationaler Beratungsresistenz weigern, Links ausser auf sich selbst zu setzen. Sie würden das erst dann tun, wenn jemand sie dafür bezahlte! Ist schon klar: Wir leben im Kapitalismus und da gibt es eben nichts umsonst. Wo kämen wir denn da hin… Bruhahahaha.

Und ewig grüsst der Standort

Heute steht bei Spiegel offline: „Mit Lästereien über die Polizei verriet er sich selbst: Ein 19-Jähriger hatte bei einem Banküberfall 2500 Euro erbeutet und sich dann über die Ermittler lustig gemacht. (…) ‚Das ist doch keine angemessene Polizeiarbeit‘, schrieb er unter anderem. Die Fahnder ermittelten den Standort des Computers und schnappten den Auszubildenden.“

Die Geschichte kam mir gleich bekannt vor. Bingo. Am 18.08.2010 hatten wir das Thema schon einmal.

Damals schrieb SpOff: „Eine Woche nach einem Banküberfall im Bayern hat die Polizei in Hamburg den mutmaßlichen Täter festgenommen. Zum Verhängnis wurde ihm eine E-Mail, in der er hämisch über die Fahnder hergezogen hatte. (…) Nun schrieb der 19-Jährige in Hamburg eine Mail an Zeitungen und Polizei und machte sich über die Fahnder lustig – wohl ohne zu wissen, dass der Standort jedes Computers ermittelt werden kann (…) „Das ist doch keine angemessene Polizeiarbeit“, soll es in der Mail vorwurfsvoll geheißen haben.“

Natürlich ist es derselbe Mann. Und ich frage mich immer noch, wo der „Standort“ einer IP-Adresse ist.

USA finanzieren regierungskritische Medien in Venezuela

Wikileaks hat gerade ein Dokument veröffentlich, aus dem hervorgeht, dass die USA die Medien finanziell unterstützen, die in Venezuela gegen Chavez ausgerichtet sind. Das kennen wir ja schon aus Chile zur Zeit Salvador Allendes.

Unser Mann in Kairo

Richard Gutjahr bloggt live aus Kairo: „Nachdem heute auch noch Al Jazeera abgeschaltet wurde, habe ich spontan beschlossen, mich nach Kairo durchzuschlagen um selbst dort die Situation zu beobachten (Die Grenze ist von mir aus keine 150 km Luftlinie). Die Übergänge im Süden Israels sind dicht – dafür habe ich noch einen Platz auf dem letzten Flug bekommen, der hier noch rausgeht. Hoffentlich gibt’s keine Probleme bei der Einreise. Ich halte Euch auf dem Laufenden – per Twitter und hier im Blog – so die Netze das zulassen.“ (via Law blog)

Schon dieser Tweet „Internet ist tot. Mobilnetze gibt es drei. Ich wähle… NICHT Vodafone. #prinzipien“ ist schön….

Fidonet in Egypt reloaded [2. Update]

mailbox

In meinem Taz-Aritikel vom 28.01. lautete der letzte Absatz: „Die ägyptische Opposition greift jetzt zu Mitteln, die schon als technisch veraltet galten. Der Twitter-Nutzer @EgyptFreedomNow gab bekannt, dass das Internet noch per Modem-Einwahl zu einem Provider erreichbar sei, also etwa über ein teures Auslandsgespräch.“ Im Originalmanuskript hieß der Satz übrigens „also etwa per Auslandsgespräch nach Israel“ – das „nach Israel“ wurde von der taz gestrichen.

Vermutlich hat kaum jemand verstanden, was ich damit meinte. Fefe hat jetzt darauf hingewiesen, dass clevere Ägypter angeblich das altehrwürdige Bulletin Board System (BBS) reaktiviert haben, das nur in Deutschland irreführend „Mailboxen“ genannt wird. (Auch Golem hat etwas dazu geschreiben.)

„Actually you can use wi-fi networks/local networks to communicate from one household to another and then if someone can make phone calls abroad/has access to the internet, use it to send packets abroad. Old fidonet software like binkley+/t-mail/hpt/golded/fastecho/frontdoor can be still used. If people in Egypt really need help with this stuff, I guess most of us, fidonet sysops, are ready to help.“

Das Fidonet ist nur eines der BBS-Systeme, die noch existieren, Zone 5 ist für Afrika reserviert. „While the use of FidoNet has dropped dramatically compared with its use up to the mid-1990s, it is still particularly popular in Russia and former USSR. Some BBSes, including those that are now available for users with Internet connections via telnet, also retain their FidoNet netmail and echomail feeds. Some of FidoNet’s echomail conferences are available via gateways with the Usenet news hierarchy. There are also mail gates for exchanging messages between Internet and FidoNet.“

Vor einem guten Jahrzehnt habe ich auch noch eine Mailbox benutzt (vgl. Sceenshot), und mein vor 16 Jahren erschienenes Buch handelt fast ausschließlich von Mailbox-Systemen, insbesondere vom Thule-Netz.

Hier ist eine Website über die Möglichkeiten, mit denen man die Internet-Zensur in Ägypten unterlaufen kann.

Update Die BBC hat jetzt nachgelegt: „Old technology finds role in Egyptian protests“ – „The Manalaa blog gave advice [„Back to Basics: Using dial up internet“] about how to use dial-up using a mobile, bluetooth and a laptop.“

2. Update Es scheint keine Windows-64-Bit-Version der Crosspoint-Derivate zu geben, und unter Linux will ich mir das nicht antun. Weiß jemand mehr?

Die Gender-Frage bei Wikipedia

New York Times: „About a year ago, the Wikimedia Foundation, the organization that runs Wikipedia, collaborated on a study of Wikipedia’s contributor base and discovered that it was barely 13 percent women; the average age of a contributor was in the mid-20s, according to the study by a joint center of the United Nations University and Maastricht University. Sue Gardner, the executive director of the foundation, has set a goal to raise the share of female contributors to 25 percent by 2015, but she is running up against the traditions of the computer world and an obsessive fact-loving realm that is dominated by men and, some say, uncomfortable for women.“

Interessant zu diesem Thema ist das Op-Ed-Projekt: „The OpEd Project is an initiative to expand the range of voices we hear from in the world, with an immediate focus on increasing the volume of women thought leaders in the public sphere to a tipping point.“

Deutsche Medien sind an Revolutionen desinteressiert

Spiegel Offline: „[15.29 Uhr] Während al-Dschasira kontinuierlich live aus Ägypten berichtet und der US-Sender CNN ebenfalls einen Großteil seines aktuellen Programms den Geschehnissen in Kairo und anderen Großstädten widmet, zeigen die deutschen Nachrichtensender zeitlose Dokumentationen. Auf n-tv ist „Tierische Krawallmacher“ zu sehen, auf N24 eine Sendung über Garnelenfischerei.“

Wo ist denn der Link zu Al Jazeera, Spiegel Offline? War das wieder zu schwierig für euch?

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