Unter Hehlern

Weimer Interview
„Kritische Wächter“ – Interview mit Wolfgang Weimer, damals Chefredakteur von Cicero, in: Berliner Journalisten (heute Nitro, 4/2005)

Weimer wird also Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien. Vor zwei Jahrzehnten habe ich ihn nach der Cicero-Affäre interviewt (vgl. oben).

Ich mag den Ex-Religionslehrer Weimer und seine Thesen nicht – wie auch alle anderen Verehrer höherer Wesen. Ich halte ihn jedoch für einen guten Journalisten, stramm bürgerlich, aber jemand, der etwas den Tugendterror und die politische Korrektheit der Grüninnen hat.

Mein Leitartikel in derselben Ausgabe von Berliner Journalisten hieß „Unter Hehlern“. Ich finde meine Thesen immer noch aktuell.

„Gut, dass die Staatsanwaltschaft und die Polizei im September ein recht harmloes „Magazin für politische Kultur“ durchsucht haben. Wenn es nicht Cicero getroffen hätte, sondern ein linksradikales Blättchen oder gar eine politisch braun gebrannte Zeitung wie die Junge Freiheit, dann regte sich kaum jemand auf. Die notwednige Debatte über das Verhältnis zwischen Staat und Presse wäre nicht angestoßen worden. Ob diese jemals stattfinden wird – mit einem Ergebnis, das dicker ist als heiße Luft, steht in der Sternen.

Worüber die Wortführer der Eliten und ihre politische Kultur nur wenige Krokodilstränen vergießen: Anfang Juli wurden die Privaträume von Redakteuren des gewerkschaftsnahen Online-Magazins Labournet durchsucht und sämtliche Computer und Teile des archivierten Schriftverkehrs beschlagnahmt. Anfang August traf es die Zeitschrift Atom Aktuell, die ehrenamtlich produziert wird – die Polizei nahm alle Rechner mit, das Blatt konnte zeitweilig nicht mehr erscheinen.

Otto Schily hat die Aufgaben des Journalismus in einem Interview mit dem Spiegel exakt beschrieben; Man dürfte einem Bestohlenen nicht vorwerfen, er hätte sich nicht darum gekümmert, dass ihm nichts entwendet werde, und deshalb dürfte auch nicht beim Hehler durchsucht werden. Jawohl, Journalisten stehlen Geheimnisse und andere Informationen, die die Mächtigen für sich behalten möchten. Journalisten, die das nicht versuchen, sondern nur talkshowen, arbeiten als Hofnarren. Die Medien sind Hehler: Sie beteiligen sich am Geheimnisverrat und verdienen daran.

Skandalös ist, dass diese schlichte These im bräsigen Diskurs der deutschen Öffentlichkeit nicht konsensfähig ist. Unerbittlich ausgewogen diskutierte man über den „Grad der Vertraulichkeit“ der Dokumente, die Bruno Schirra veröffentlicht hatte, und darüber, ob der „Informationsgehalt“ rechtfertige, sie publiziert zu haben. So what?

Robert Leicht argumentiert in der Zeit, im Cicero-Artikel vom April, der Anlass von Ermittlungen war, gehe es nirgendwo darum, einen Skandal oder ein rechtswidriges Handeln deutscher Behörden aufzudecken. „Mithin scheiden eventuelle Rechtfertigungsgründe vornherein aus.“ Vor wem sollte sich ein Journalist rechtfertigen müssen, etwas Geheimes ausgeplaudert zu haben – vor dem Common Sense, vor dem Rundfunk- oder Jugendschutzwart oder vor einem rundum vollversorgten Redakteur – mit Pensionsanspruch und öffentlich-rechtlichem Tunnelblick -, der in seiner Freizeit den Gewerkschaftsführer für journalistische Freiberufler mimt?

Gut deutsch ist Journalismus offenbar, wenn er sich an moraltheologische Vorgaben und an den Zielen der pädagogisch wertvollen Aufklärung orientiert. Wer etwas publiziert, das etwa den zahnlosen Papiertiger Presserat kurzzeitig aus dem Schlaf weckt und zu einem folgenlosen verschnarchten Verdikt animiert, der wird hierzulande scheel angesehen. Journalismus in angelsächsischer Tradition nimmt kompromisslos das öffentliche Interesse, sei es politisch oder schlicht voyeuristisch, zum Maßstab. Cicero hat also richtig gehandelt, das gar nicht so geheime Papier des BKA publiziert zu haben.

Cicero-Chefredakteur Wolfram Weiner spricht in einem Interview mit Berliner Journalisten von einem „übergeordneten journalistischem Interesse“ und von einer „moralischen un normativen Selbstkontrolle“, die bis heute funktioniere. Ob das aber dem deutschen Journalismus nützt, darf getrost bezweifelt werden. Die Staatsraison und das Große Ganze sind gut, aber für Journalisten irrelevant. Dem Kaiser die Kleider auszuziehen und allen Leuten seine unappetitliche Blöße zu zeigen, ist besser.“

Alles Nazis außer Mutti

taz

Wieso erinnert mich das an ein Titelblatt der Titanic?

Einen Baerbock schiessen

Weitere Nachrichten: EU schnürt milliardenschweres „Hilfs“paket für korrupte „Palästinenser“-Regierung. – „Die scheidende Bundesaußenministerin kritisiert den israelischen Angriff auf eine Klinik im Gazastreifen – Israels Regierung reagiert gereizt.“

So so. „Reagiert gereizt“? Da hat wieder jemand einen Baerbock geschossen. Bei deutschen Medien reagiere ich auch oft gereizt, vor allem, wenn sie sich automatisch und „spontan“ auf die Seite arabischer Terroristen schlagen.

Lügenverbot [Update]

„Die bewusste Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen ist durch die Meinungsfreiheit nicht gedeckt. Deshalb muss die staatsferne Medienaufsicht unter Wahrung der Meinungsfreiheit auf der Basis klarer gesetzlicher Vorgaben gegen Informationsmanipulation sowie Hass und Hetze vorgehen können.“ (Koalitionsvertrag, S. 123)

Ich bin mal gespannt, wer gegen diesen ungeheuerlichen Angriff auf die Meinungsfreiheit protestiert. (Der DJV natürlich nicht.)

[Update] Die Qualitätsboulevardmedien fassen Meinungen dazu zusammen.

Der Russe kommt

russen-presse

So formuliert also die Deutschen-Presse. Doch halt! Wieso zitieren die die russische Propaganda (also automatisch gelogen)? Wird die hier nicht zensiert gesperrt?

ChatGPT (also automatisch wahr: „In der Europäischen Union wurden mehrere russische Websites und Medien aufgrund von Sanktionen und Verboten gesperrt. Ein prominentes Beispiel ist der russische Staatssender RT (ehemals Russia Today), dessen Ausstrahlung und Verbreitung in Deutschland im Februar 2022 untersagt wurde, da keine gültige Zulassung vorlag. Infolge dieser Entscheidung musste RT.DE seine Übertragungen über verschiedene Plattformen einstellen. Im März 2022 verhängte die EU zudem Sanktionen gegen russische Medienportale wie RT und Sputnik, die des Betriebs von Propaganda im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine beschuldigt wurden. Diese Sanktionen führten zur Sperrung der Websites und zur Einschränkung ihrer Verbreitung innerhalb der EU.“

Umgehen die Deutschen-Qualitätsboulevardmedien etwas die Zensur Sperren? Wo kämen wir denn da hin?!

Übrigens: „Kiews Invasionsverband in Gebiet Kursk eingekesselt“. Aber das stammt aus der Russen-Presse und ist daher gar nicht wahr.

Übrigens: Warum sollten die Russen einen Waffenstillstand akzeptieren – ausgerechnet jetzt? Warum will die Ukraine keine sofortigen Friedensverhandlungen?

Postscriptum: War es ein Russen-Labor?

Dämliches Pack, reloaded

facebook

Wenn ich das richtig verstehe, fordert mich die Großbourgeoisie auf, die so genannte „Linke“ nicht mehr zu beschimpfen?

Unter staatsnahen Journalismussimulanten

Leider hinter der Paywall der bürgerlichen Presse: „…doch Steinhöfel hat bereits seine Schlüsse aus den bisherigen Verfahren gezogen. „Rechtswidrige Faktenchecks, dubiose ungesicherte Darlehen an eine bilanziell überschuldete Tochtergesellschaft, Verletzung der Publizitätspflichten, gerichtliche Verbote wegen der umstrittenen Potsdam-‚Recherche‘, sagte Steinhöfel WELT am Mittwoch. „Es will einfach kein Ende mit den Skandalen dieser staatsnahen Journalismussimulanten nehmen.“ Er forderte das zuständige Finanzamt auf dem Portal, „zügig den Stecker bei der Gemeinnützigkeit“ zu ziehen.“

Unter Rechtsdurchsetzenden

Die Landesmedienanstalt Niedersachsen droht dem Blogger Alexander Wallasch mit der Einleitung „kostenpflichtiger förmlicher Verfahren“ vom „Team Regulierung“. Wallasch ist laut russischer Propaganda (also automatisch voll gelogen) angeblich „AFD-nah“.

Wallasch schreibt von „Staatsfinanzierte(r) KI-Zensur mit Vernichtungswillen“: „Mittlerweile wird hier bereits mit einer Künstlichen Intelligenz (KI) zur Zensurkontrolle gearbeitet. Sichtbar ist das beispielsweise auf der Webseite der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt“.

Ein Artikel sei geeignet, „die Leserschaft unnötig aufzuwühlen und unbegründete Befürchtungen zu erwecken“. Wenn ich hier die Leser unnötig aufwühle oder unbegründete Hoffnungen Befürchtungen erwecke der Kommunismus stehe vor der Tür, bitte ich um eine kurze verschlüsselte Nachricht.

Pisa oder: 17 ist weniger als 15 [Update]

ZDF

Finde den Fehler! (Quelle: Martin Halla auf X)

Update: Die aufmerksame Leserschaft weist darauf hin, dass die Nachricht (nicht aber der Tweet – oder heißt das jetzt „der Xt“?) schon älter ist. Allerdings ist die Entschuldigung lächerlich. Es kann mir doch niemand erzählen, dass das ein Zufall war.

Criticism – unknown to German journalists

KI

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) wird immer mehr zu einer Vorfeldorganisation der „Grünen“. Das wundert natürlich nicht, weil mehr als die Hälfte aller Journalisten grün wählen. „Gendern bis der Arzt kommt“ war schon seit langem dort üblich. Dieses Titelbild – zeitgleich mit der Amtseinführung Trumps – da fragt sich jeder, ob es nicht wichtigere Themen für Journalisten gebe?

Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Mißständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern. Es gehören hierher: Klimaverbesserer, Ökonomisten, Philantrophen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohltätigkeitsorganisierer, Abschaffer der Tierquälerei, Mäßigkeitsvereinsstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art. (Karl Marx – Friedrich Engels: Kommunistisches Manifest, angepasst an die Zeitläufte)

Wichtigere Themen: Das Versagen des RBB bei dem Intrigenstadl der „Grünen“. Oder den Bayrischen Rundfunk (Marus Lanz). Oder Correktiv. Oder ARD und ZDF. Oder das Auswärtige Amt. Oder die unsäglichen Pressemeldungen des DJV, wenn Israel irgendwie vorkommt. Nimm dies, DJV-Pressestelle: Al Jazeera ergreift offen Partei für die Terrororganisation Hamas, und sogar die so genannte Palästinenserbehörde schließt deren Büros!

Am 25.07.2013 empfahl ich: MediaACT: „Criticism – unknown to German journalists“. „More than one-third of the questioned German journalists never or hardly ever criticize their peers; two-thirds are never or hardly ever criticized even by their supervisors. Conclusion: Although German journalists regularly attack politicians and managers, they lack the experience of turning a critical view on themselves. This is a key result of an international study“.

Noch Fragen, euer Ehren?

„Von Niedertracht geprägt“

Die Qualitätsboulevardmedien berichten: „Pikant an der Sache: Habecks Wahlkampfmanager Andreas Audretsch (40) erklärte am Wochenende, „mit dem gesamten Vorgang nichts zu tun“ zu haben. Audretsch und Gelbhaar wollten ursprünglich beide für Platz zwei auf der Landesliste kandidieren. Nachdem Gelbhaar vor dem Hintergrund der Vorwürfe seine Kandidatur kurz vor dem Landesparteitag zurückgezogen hatte, wurde Audretsch gewählt. Der Listenplatz zwei gilt als so gut wie sicher, um in den Bundestag einziehen zu können. Daran wird sich auch nichts mehr ändern! Die Parteichefs betonten am Montagnachmittag ihr Bedauern, insbesondere gegenüber Audretsch, ABER: Mit Blick auf die Fristen für die bevorstehende Bundestagswahl sei eine nochmalige Nominierung nicht mehr möglich.“

Hat also funktioniert. Viel schlimmer finde ich übrigens die Rolle des RBB, der „Recherchefehler bei Belästigungsvorwürfen gegen Gelbhaar“ zugibt. Ich nenne es Verdachtsberichterstattung, und das erinnert mich doch sehr an die Akte Lammel. Entschuldigt hat sich damals übrigens niemand.

Freedom of Speech and Expression

freedom of speech

Unter Klassenstandpunktinhabenden

klassenstandpunkt

Quelle: Journalismus und Demokratie – Ergebnisse der Journalismus-Befragung. Die Fragenden wählen auch grün – sie gendern.

Unter Apokalyptikern und ihren Reinigungsritualen

cows
Eine Kuh wird jetzt den Schwanz heben und hoffen, dass alle anderen auch den Schwanz heben.

In Wokistan folgt jetzt nach dem Klimaapokalypsen-Hype der X-und-Facebook-Verlassen-Hype. Danach sind alle Seelen wieder kathartisch rein.

cows oder ähnliches

Man braucht bei solchen Aufrufen der Blasen-und Anstaltsbewohnern nur wenige Worte lesen („Unterstützer.innen“), dann kann man den schmallippig zusammengestoppelten Text selbst ergänzen. Gegen Antisemitismus sind sie nicht so agil. Zum Glück schießen die Woken sich selbst ins Abseits. Aber sie wollen ja unter sich bleiben. Und das ist auch gut so.

PS. Stimmt es, dass Elon Musk und Alice Weidel sich auf Mandarin unterhalten werden?

ver.di

Nehmt dies, Faktenchecker!

Zuckerberg

Die bürgerliche Presse berichtet: „Meta-CEO Mark Zuckerberg hat am Dienstag einen dramatischen Kurswechsel in den Netzwerken Facebook und Instagram verkündet. In einem Videobeitrag bei Instagram kündigte Zuckerberg an, dass er die Moderation von Inhalten, die Nutzer auf diesen Netzwerken posten, komplett umstellen werde. Künftig sollen deutlich mehr Inhalte erlaubt sein – insbesondere politische Inhalte sollen künftig seltener gelöscht werden als bislang. Es gehe darum zu den „Wurzeln der freien Rede“ auf den Plattformen zurückzukehren, sagte der Facebook-Gründer.“

Woher kommt nur dieser Stimmungswechsel? Telepolis ahnungsvoll dazu: „Die Ankündigung fällt zeitlich mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus zusammen, der zuvor ein scharfer Kritiker von Metas Moderationsansatz war. (…) Meta spendete eine Million Dollar für die Amtseinführung des wiedergewählten Präsidenten. Metas Entscheidung wird von manchen als Versuch gesehen, sich der neuen Trump-Regierung anzunähern.“ Ach. Ach was.

Muss man jetzt Notfallseelsorger zu Correktiv schicken? Oder zur Bundesregierung?

PS Hendryk M. Broder dazu: „Schauen Sie sich den Auftritt von Andreas Audretsch an und lesen Sie, was unser Freund und Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel dazu meint: „Hören Sie sich Audretsch an! Wie er betont ruhig und sachlich versucht, das Ungeheuerliche als plausibel zu verkaufen. Da spricht kein kleiner totalitärer Ideologe, es spricht die Stimme von Habeck. Er und sein Meister sind eine klare und aktuelle Bedrohung für unsere Demokratie“.“

Unter unerbeten Ratschlagenden

feministische Außenpolitik
Deutsche Außenpolitik (Symbolbild, made by AI and Burks)

„Einmischung in die deutsche Politik, durch den reichsten Mann der Welt, Elon Musk? Wie irre klingt das denn, nachdem gefühlt jeder zweite deutsche Politiker vor der Wahl Donald Trumps oder des Argentiniers Javier Milei gewarnt hat und wo doch unsere Außenministerin global mit ihren unerbetenen Ratschlägen ein Porzellanservice nach dem anderen zerschlägt? (…) Wie hieß noch gleich früher die wichtigste Aufgabe von Zeitungen? Ach so: die Leute zu informieren. Nicht, sie zu erziehen. (…)

Sie führen anonyme Meldestellen ein, sie reden allen Ernstes über das Verbot der zweitstärksten deutschen Partei. Und sie erklären es allen Ernstes zum Skandal, dass einer der mächtigsten Amerikaner in einer deutschen Zeitung seine Meinung sagen darf – was so wirkt, als knurrte ein Chihuahua einen Labrador an.“ (Harald Martenstein, paywallgeschützt in der bürgerlichen Presse)

Verfassungsfeindliche Agitation

handelsblatt

Jetzt drehen sie wirklich durch. Offenbar hat Musk einen Nerv getroffen, und der liegt jetzt blank. Ich wollte mir eine Zusammenfassung besorgen, was er gesagt bzw. geschrieben hat, aber das ist gar nicht so einfach. Darüber redet man gar nicht, nur darüber, ob es in einer deutschen Zeitung hätte veröffentlicht werden dürfe. Die spinnen doch… Offenbar traut man dem Publikum nicht zu, selbst zu denken und zu beurteilen, sondern möchte es weltanschaulich betreuen.

Der enge Vertraute des gewählten Präsidenten Donald Trump lobt die „kontrollierte Einwanderungspolitik“ der Partei, ihre wirtschaftlichen Ziele, „die Steuern zu senken“ oder auch „den Markt zu deregulieren“. (Luxemburger Wort)

Das geht ja nun gar nicht. Eindeutig verfassungsfeindlich! Melden! Durchführen! Verbieten!

Übrigens hat der Focus ausnahmsweise recht: „Besser kann ein Medium kaum wirken, einen größeren Effekt ein Gastbeitrag kaum erzielen!“

Postscriptum: Bei dämlichen Statements darf natürlich der DJV nicht fehlen.

Mansa Musa und unterkomplexe Wahlaufrufe

Mansa Musa
Mansa Musas auf einer Karte des Katalanischen Weltatlas von 1375, mit einem goldenen Zepter in der linken und einem Goldklumpen in der rechten Hand

Zuerst das Wichtigste. Es geht um den reichsten Mann der Welt. Mansa Musa, der berühmteste Herrscher Malis, unternahm 1324 eine Pilgerreise von rund 7000 Kilometern mit mehr als 60.000 Menschen – darunter 12.000 Sklaven – nach Mekka und gab in Kairo so viel Geld aus, dass er eine Inflation auslöste, die mehrere Jahre anhielt.

Und jetzt noch ein reichster Mann der Welt – das Ereignis scheint ähnlich wichtig zu sein. Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) berichtet: „Elon Musk hat im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ ausgeführt, warum er die AfD für die einzige Partei hält, die Deutschland retten kann. Daraufhin hat die Leiterin des Meinungsressorts der Welt, Eva Marie Kogel, ihre Kündigung eingereicht. Der Vorgang zeigt, wie es um die Akzeptanz anderer Meinungen in Deutschland bestellt ist.“

kogel

Ich warte jetzt darauf, dass jemand aus dem Publikum auf einem moralinschwangeren kathartischen Exorzismus besteht, weil ich Klonovsky kommentarlos zitiere. AfD nah! Schwefelgeruch! Interessiert mich einen Scheiß einen feuchten Kehricht!

„Freilich hat die gesamte Berliner politische (und mediale) Klasse mit Ausnahme einer Partei gegen Donald Trump getwittert, gepfiffen und getrötet, 2016 wie heuer, nur käme eben niemand in Übersee auf die Idee, dass die Deutschen sich damit in den amerikanischen Wahlkampf eingemischt haben könnten, denn kein Mensch dort weiß, wer diese Typen sind. Was sie wiederum selbst wissen; deshalb das Geplärr.“

Was Eva Marie Kogel angeht – die kommt nicht aus dem Internationalen Recht, sondern hat etwas gelernt: „Studium Arabisch, Latein und Altgriechisch in Göttingen, Bologna, Berlin, Damaskus und Sana´a“. Chapeau!

Vermutlich stimmt das alles so nicht mit dem „Hinschmeißen“. Wenn jemand „Chef“ aka Ressortleiter ist und die Oberbosse etwas ins Medium drücken, eben weil die die Bosse sind, was man gern in andere Form gesehen hätte, etwa als Interview, dann verlöre man sein Gesicht, wenn man nicht angemessen reagierte. Ich hätte denen auch den Mittelfinger gezeigt.

Franziska Zimmerer schreibt in der paywallgeschützten bürgerlichen Presse: In seinem Text finden sich wirklich geniale Sätze, das muss man ihm lassen, Zitat: „Die Darstellung der AfD als rechtsextrem ist eindeutig falsch, wenn man bedenkt, dass Alice Weidel, die Vorsitzende der Partei, eine gleichgeschlechtliche Partnerin aus Sri Lanka hat! Klingt das für Sie nach Hitler? Ich bitte Sie!“ Die Sätze eines großen Intellektuellen. Er ist nur noch zwei Gastbeiträge entfernt von „Aber Hitler war doch Vegetarier“. (Ironie off)

War Musk zu feige, sich interviewen zu lassen? Hatte er keine Zeit? Hat er seinen Kommentar selbst verfasst oder die KI? Oder hat er dafür bezahlt, für die „Welt“ schreiben zu dürfen? Die Berufsempörten sollten mal von den Palmen runterklettern.

Kunst hat progressiv und links zu sein und nimmt sich die Freiheit, alles zu verachten, was nicht der politischen Linie entspricht. Man beurteilt als Universalerbe die Meisterwerke von einst auf ihre Tauglichkeit für die verbiesterte Moral von gesichtsmetallverunstalteten Problemponyträgerinnen. Und lässt Sensitivity-Berufsbeleidigten mit Empörungshintergrund Bücher reinigen wie früher schon mal. (Don Alphonso, paywallgeschützt im Zentralorgan der Couponschneider)

naomi seibt

Harald Martenstein im Zeit Magazin: „Ich halte Karl Marx für einen großen Denker, auch wenn er nicht in jedem Punkt recht gehabt hat. Es ist fraglich, ob überhaupt jemals ein großer Denker oder eine Denkerin gelebt hat, der oder die in jedem Punkt recht behalten hätte, auch wenn ich Günter Grass und Alice Schwarzer in dem Verdacht habe, dass sie in Bezug auf sich selbst diese Hoffnung hegen. Kleine Denker irren sich seltener. Mein Hund irrt sich fast nie.“

Ich halte Musk für ziemlich genial und unterhaltsam, auch wenn er manchmal genial daneben haut. Just saying.

Wenn man sich aber die Kommentare unter manchen umstrittenen Postings zum Thema ansieht, wird einem Angst und Bange. Die würden am liebsten melden, durchführen, verbieten und falsche Meinungen verbrennen. Ein ekelhaftes Pack…

Sixtus

J’ai compris y ils sont fous

Ich habe Le Monde in der Blogroll durch Le Figaro ersetzt. Aus Gründen.

Übrigens: „Votre navigateur Chrome n’étant pas à jour, le site du Figaro risque de ne pas fonctionner correctement. Il est conseillé de mettre à jour votre navigateur.“ Ils sont fous, les IT-Français. Außerdem surfe ich gar nicht mit Chrome.

Russian Asset

Augiusstall
Bei der Mentalität der Insassen öffentlich-rechtlicher Medien fällt mir immer der Augiasstall ein (Symbolbild, made by AI and Burks).

Christian Y. Schmidt schreibt auf Facebook:
„Weil der linke Journalist John Goetz herausgefunden hat, dass das internationale Recherchenetzwerk OCCRP mehrheitlich von der US-Regierung finanziert wird, wird Goetz von dem Chef des OCCRP als russischer Spion verleumdet. Der NDR nimmt seinen Mitarbeiter nicht etwa in Schutz, sondern strahlt seine Recherchen einfach nicht aus. So geht es immer wieder Leuten, die für Aufklärung stehen. Sie werden ohne jeden Beweis als russische Einflussagenten diffamiert, um sie mundtot und möglichst arbeitslos zu machen.“

Das Statement bezieht sich auf die Reportage Alexander Osangs im Spiegel (Paywall): „Der Mann, der aus der Kälte kam“.

mediapart
Screenshot von Mediapart.fr

Schmidt zitiert: Seit knapp zwei Jahren recherchiert Goetz für den Norddeutschen Rundfunk an einem Film über das internationale Recherchenetzwerk OCCRP, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Korruption und Organisierte Kriminalität aufzudecken. OCCRP kooperiert mit vielen weltbekannten, renommierten Medien wie der »New York Times«, dem »Guardian«, »Le Monde«, dem ZDF und auch dem SPIEGEL. Goetz errechnete, dass OCCRP zu mehr als 50 Prozent aus Mitteln der US-Regierung gefördert werde, die auch ein Mitspracherecht bei der Besetzung der Leitungsposten des Netzwerkes besitze. Er fand Quellen, die befürchteten, dass sich daraus inhaltliche Konsequenzen ergeben. Dass Journalisten, womöglich unwissentlich, US-Interessen durchsetzen. Im Mittelpunkt der Reportage steht ein langes Interview, das John Goetz mit dem Chef des OCCRP führte, einem Amerikaner namens Drew Sullivan.

Sullivan gab vor Goetz’ Kamera einen Einfluss der US-Regierung zähneknirschend zu, beharrte aber darauf, dass seine Mitarbeiter unabhängig seien. Er beschwerte sich allerdings wenig später beim NDR darüber, dass er im Beitrag als Agent der US-Regierung beziehungsweise der CIA dargestellt werden könnte. In einer Mail, die Drew Sullivan an die vielen Mitarbeiter seines Netzwerkes auf der ganzen Welt verschickte, warnte er sie vor einer Zusammenarbeit mit dem NDR-Team, vor allem deshalb, weil John Goetz im Interesse der russischen Regierung agiere. Vielmehr noch: Er sei nach Äußerungen deutscher Geheimdienste ein »russian asset«.

Ein russischer Spion. Eine Quelle. Ein Informant.

Belege für diese Behauptung lieferte Sullivan nicht. Er ließ sie einfach fallen. Es erinnert an die Visitenkarte des FBI-Agenten, die Goetz vor 35 Jahren in seinem New Yorker Briefkasten fand. John Goetz ist, wie es aussieht, wieder auf der Flucht vor einem Verdacht. Oder immer noch.

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