Negative Märkte

Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (29.11.2012):
Any citizen of the EU, and any natural or legal person residing or having its registered office in a Member State, is to have a right of access to documents of the European Central Bank (ECB). Nonetheless, the ECB must refuse access to a document where, inter alia, its disclosure would undermine the protection of the public interest.

Noch einmal langsam zum mitschreiben: Warum dürfen Journalisten bestimmte Dokumente der Europäischen Zentralbank nicht einsehen, obwohl Transparenz gesetzlich vorgeschrieben ist?

[That] might have had negative consequences on access, in particular for Greece, to the financial markets, and might therefore have affected the effective conduct of economic policy in Greece and the EU.

Antwort: Weil sich das negativ auf „die Märkte“ auswirken könnte! Bruhahahahahaha.

Der Profit muss natürlich garantiert bleiben. Die europäische Justiz als Büttel des Kapitals at its best. Besser kann man den Nachgeborenen nicht demonstrieren, wie Kapitalismus funktioniert und welchen Interessen er ausschließlich dient.

Bananenmedienrepublik, reloaded

Bitte tut mir doch einen Gefallen. Schaut nach, ob die folgenden Meldungen in den Nachrichten der großen Mainstream-Fernsehsender auftauchen:

– Greco kritisiert Deutschland, es mache keine Fortschritte im Kampf gegen die Korruption;
– Bundesregierung schönt Armutsbericht. In letzterem Fall geht es nicht um „ob“, sondern „wie: Wer ist verantwortlich? Werden Namen genannt? Oder findet man“ offenbar“, „nach Angaben anderer Medien“, „vermutlich“ – oder traut sich jemand, Fakten zu benennen? Sueddeutsche.de:

Selbst bestimmte Fakten tauchen in dem Bericht nicht mehr auf. In der ersten Version hieß es: „Allerdings arbeiteten im Jahr 2010 in Deutschland knapp über vier Mio. Menschen für einen Bruttostundenlohn von unter sieben Euro.“ Dieser Satz wurde nun gestrichen.

Nein, ich schlage nicht auf alle und alles ein. Es gibt auch kritische und gute Journalisten.

Mitgegangen, mitgefangen

Neue Zürcher Zeitung: „Ich habe mich schon öfters gewundert, wie ausgiebig Angehörige der Twitter-Gemeinde Hinweise auf Online-Artikel von Kollegen oder Konkurrenten weiterleiten. (…) Es gilt die unspektakuläre Regel: erst denken, dann zwitschern.“

Wen denken kann, ist klar im Vorteil.

Die Tageszeitung stirbt aus als wie der Neandertaler

Cicero: „Das Konstrukt Tageszeitung ist überholt“.

Der Artikel enthält interessante Thesen, die ich nachvollziehen kann und die richtig sind, auch wenn sie von Cicero stammen.
Die Tageszeitung in Deutschland erlebt einen schleichenden Niedergang, der sich schon sehr viel länger hinzieht, als wie es das momentane Krisengeschrei nach dem mutmaßlichen Ende der FR und den entsprechenden Gerüchten um die ‚Financial Times Deutschland‘ vermuten lassen. Insofern ist alleine schon der Begriff ‚Krise‘ mindestens fahrlässig: Eine Krise, das wäre etwas, was vorübergehend kommt und dann irgendwann auch mal wieder vergeht. Davon kann bei den Tageszeitungen keineswegs die Rede sein…

„Als wie es das momentane Krisengeschrei“? Dieses Deutsch ist ja schlechter als wie es die Sprachpolizei erlaubt! (Entschuldigung, ich konnte nicht widerstehen.)

„Eine Krise, das wäre etwas“… nein: „Eine Krise wäre etwas“. Warum sollte sich ein Autor unnötig spreizen? Diese Bläh-Konstruktion erzwingt einen Nebensatz mit „das“ und dann noch einen Relativsatz mit „was“. Das klingt holperig.

Eine Krise kommt und geht vorüber. Entschuldigung, ich konnte nicht widerstehen: Das sind nur sechs Worte statt 15. Gibt aber weniger Zeilenhonorar.

Tiefgreifender Medienwandel

prinz

Ausriss aus „Prinz“ Berlin, Januar 1992

Das Stadtmagazin Prinz erscheint nur noch online. Vor zwei Jahren waren schon die Redaktionen entlassen worden.

Prinz muss man keine Träne nachweinen. Ich habe aber 1989 bei der Berliner Ausgabe von Prinz meine journalistische Karriere begonnen, als Chefreporter, zusammen mit Karl-Hermann Leukert, der später Chefredakteur beim Berliner Tip wurde, und dem Fotodesigner Dietmar Gust.

Ach ja, die Frankfurter Rundschau ist auch pleite. Das heisst aber nichts. Die Zeitung gehört M. DuMont Schauberg, und das Verlagshaus ist mitnichten bankrott. Die Schlagzeile müsste korrekt also heißen: M. DuMont Schauberg lässt ‚Frankfurter Rundschau‘ pleite gehen.

Es kann also auch sein, dass die Zeitung bald wieder da ist, aber nur ein Teil der Mitarbeiter („divide et impera“) mit schlechteren Verträgen (das ist oft die Geschäftsidee einer Insolvenz) weitermachen darf.

Niemand hat die Absicht, sich bestechen zu lassen

Focus online: „Der angeschlagene Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp hat offenbar Wirtschaftsjournalisten von namhaften deutschen Tageszeitungen wiederholt zu Luxusreisen mit Erste-Klasse-Flügen und Unterbringung in Fünf-Sterne-Hotels eingeladen. Das berichtet die Welt am Sonntag [der Original-Artikel ist nicht online, aber dieser passt auch]. Wie aus Unterlagen hervorgehe, die der Zeitung vorliegen, haben Redakteure und freie Mitarbeiter von mehreren Blättern dieses Angebot genutzt, ohne sich an den Kosten zu beteiligen oder bei der anschließenden Berichterstattung die Einladung transparent zu machen.“

Al-Jazeera unter der Schattenredaktion

Zenith: „Aktham Suliman: Warum ich Al-Jazeera verlassen habe“.

Ich kenne den Kollegen Aktham Suliman als jemanden, der kein Blatt vor den Mund nimmt und der zuverlässig ist und professionell arbeitet. Er wird bestimmt etwas finden. Hoffentlich lässt er sich nicht von Spiegel online verheizen.

*ber Al Jazeera heisst es: „Beim Sender, in dem in der Vergangenheit Kritik an allen Herrschern und politischen Akteuren geübt werden konnte, ist Selbstkritik und Kritik an den Finanziers und deren Freunden nicht mehr angesagt.“

Don’t believe the Hype

Es ist immer wieder interessant nachzuprüfen, wer hinter wem oder was warum steckt. Beim Herumsurfen nach während des Frühstücks las ich diesen Artikel auf „Humanist News“ über einen UP-Politiker, der die Todesstrafe für ungehorsame Kinder fordert. Oder auch hier: „Mutter erschlägt Kind mit dem Koran“.

Stirnrunzeln. Ich trau‘ dem Braten nie. Die Quellen scheinen seriös zu sein, und der Tenor gefällt mir auch. Wer aber ist „Humanist News“?

Cahit Kaya [Wien] steht im Impressum. Die Suche führte mich zum Blog Dont you believe the Hype: „Peinlicher Auftritt von Cahit Kaya, Vorsitzender der Ex-Muslime“.

Der Betreiber mit dem einschlägigen Pseudonym „Dybth“ hat hier ein Interview gegeben.

Fazit: „Humanist News kommt nicht in die Blogroll, „Dont you believe the Hype“ aber schon.

Strahlendes Einheitsgrau

„Käme ein Marsmensch nach Deutschland, um sich über die Presse zu informieren, er sähe: Eine große Anzahl von Nachrichtenvermittlern berichtet über dieselben Ereignisse und Entwicklungen – als gäbe es nicht genug Informationen, um unterschiedlichste Interessen zu bedienen und auf einem Gebiet einzigartig zu sein. Die verschiedenen Anbieter unterscheiden sich nur in der politischen Färbung und im Layout, die öde Nachrichtenschreibe ist überall die Gleiche. Einen eigenen Stil pflegen nur noch Spartenprodukte, die anderen übernehmen immer mehr, oft wortgleich, von Agenturen.“

Lesenswerter Artikel von Opalkatze (neu in der Blogroll. Danke für den Hinweis!)

Unter Internetanwälten

Aus der aktuellen Konkret:
In den letzten Monaten ist KONKRET von diversen Internetanwälten gehörig zur Kasse gebeten worden. Der Verlag bittet deshalb diejenigen Leserinnen und Leser, die sich das leisten können, um eine Spende auf unser Rechtshilfe- Anderkonto 84 12 710/0 bei der Deutschen Bank (BLZ 200 700 24).

Da wüsste ich ja gern mehr! Und was ist ein „Internetanwalt“?

Im Tal der Ahnungslosen

Don Alphonso über Google und die Verlage und das Leistungsschutzrecht: „Ja, klar geht es um den Journalismus, da muss man etwas tun, aber wenn ich sehe, wie bescheuert die meisten das Thema Blogs angefasst haben, wie labbrig die Umsetzung ist, wie uneffktiv da Jahr um Jahr Chancen vergeigt wurden, und wie wenig Druck auf den Journalisten lastet, weil die Oberen selbst nicht wissen, was die da tun, dann darf einen das Ergebnis nicht wundern.“

Opium fürs Volk, reloaded

Selbständige

Wenn man sich Zeitschriften-Angebot so ansieht, wundert einen gar nichts mehr. „Opium für’s Volk“ gilt nicht nur für Religion und Fußball.

Netzpolitk soll Gutachten über Abgeordnetenkorruption entfernen

Der Bundestag fordert Netzpolitik.org auf, das Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Parlaments über Abgeordnetenkorruption wieder aus dem Netz zu nehmen.

Markus Beckedahl weigert sich und schreibt:
“Dem deutschen Volke” steht vorne auf dem Bundestagsgebäude, das Volk bezahlt die Erstellung von Gutachten des Wissenschaftlichen Dienste, es gibt keinen Geheimhaltungsgrund für das Gutachten – sonst dürfte es auch nicht nach IFG herausgegeben werden – und der Verweis auf das Urheberrecht ist für ein im Auftrag durch Beamte oder Angestellte des Bundestages in ihrer Arbeitszeit erstellten Gutachtens indiskutabel.

Ich hatte in der taz darüber berichtet und daraus zitiert und stelle eine Kopie jetzt auch aus journalistischen Gründen online.

Traut sich eigentlich eine unserer – vom Geld des Volkes finanzierten – öffentlich-rechtlichen „Anstalten“, die Transparenz der Politik zu fördern? Nein, das sind Feiglinge, die von Juristen am Nasenring herumgeführt werden.

ARD: Internet für Erwachsene erst ab 22 Uhr geöffnet

ARD

Manchmal verschlägt es einem einfach nur die Sprache….

Vollstrecker des gesunden Volksempfindens

Gor

Guardsman of Gor (1981) ist der englische Titel des Buches von John Norman. (via Pornowanwalt)

Wie lächerlich diese „Tugendwächter“ und Jugendschutzwarte sind, zeigt sich erst, wenn man sich anschaut, welche Bücher früher verboten bzw. auf den Index gesetzt wurden. Die Bundesprüfstelle steht für mich auf dem gleich Niveau wie der Rabbi, der dazu auffordert, Smartphones zu verbrennen.

Noch lächerlicher ist es, dass keine der Parteien sich dafür einsetzt, die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ so zu behandeln wie den Verfassungsschutz und andere überflüssige Institutionen – einfach aufzulösen. Mit dem gesunden Volksempfinden und der öffentlichen Moral legt sich eben niemand gern an.

Ich habe die obige Entscheidung als Screenshot samt Übersetzung in die internationalen Gor-Foren in Second Life gepostet und dort von den US-Amerikanern, wie zu erwarten, schallendes virtuelles Gelächter und Unverständnis geerntet.

Hier noch Überschrift einfügen

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Augsburger Allgemeine – eingesendet von der wohlwollenden Leserin P.O.. „(HIER NOCH BERLIN ATMOSPHÄRE EINBAUEN)“

Tagesschau, Du Flaggschiff der Seriosität!

„Für das, was Du, Tagesschau, als Information präsentierst, dafür, wie Du bei Auslandsthemen die Kritik in den Vordergrund stellst, die Du bei Inlandsthemen ausblendest, und wie Du stets und ungeniert die herrschende Ordnung affirmierst – für eine solch unverblümt staatstragende Haltung hätte sich wahrscheinlich sogar die Aktuelle Kamera der DDR geschämt.“ (Quelle: Titanic)

Wieso muss man in Deutschland eine Satirezeitung lesen, um eine ernsthafte und zutreffende Medienkritik geliefert zu bekommen?

Online-Journalismus zu konservativ

Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de: „‚Peinlich‘: Mit diesem Wort habe ich im Vortrag beschrieben, dass wir deutsche Journalisten in Summe noch viel zu wenig aus dem Medium namens Online machen. (…) Wo steht Online/Journalismus 2012? Zu zahlenhörig, zu platte Debatten, zu konservativ.“

Zum Glück ist burks.de zu elitär, als dass es bei Plöchinger vorkäme. Sonst hätte ich ihm seine empirische (?) Beobachtung „zu konservativ“ kräftig verhagelt. Har har.

Einmal Bordo, bitte!

So was kann man sich gar nicht ausdenken: „In dem Fall hatte eine Kundin einen Flug nach Porto buchen wollen. Die Mitarbeiterin des Reiseunternehmens buchte jedoch einen Flug nach Bordeaux und forderte vor Gericht den Reisepreis ein. Die aus Sachsen stammende Beklagte habe den Zielort zu undeutlich genannt.“ (Spiegel online)

Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt entschied, dass der Kunde eines Reisebüros selbst dafür verantwortlich ist, dass die Mitarbeiter das Reiseziel verstehen. So berichtet es die Zeitschrift ReiseRecht aktuell (man kann auch Links setzen ins weltweite Netz, Spiegel offline, auch wenn ihr euch vor Links fürchtet).

Schön sind die Kommentare: Sächsisch sei „die einzige Sprache der Welt, die für Gorgonzola und Gurkensalat das gleiche Wort verwendet“. Oder: „Erinnert mich an einen Sketch aus Tramitz und Friends. Als der sächsische Kunde einen Baguetteboden anstatt einen Parkettboden bekam.“

Ich frage mich, woran die sächsischen Reisenden eigentlich gemerkt haben, dass die nicht in Porto waren?

Bundesverfassungsschutzgericht

Bundesverfassungsschutzgericht

Jetzt drehen sie völlig durch bei Spiegel online. Nennt man das jetzt Freudsche Fehlleistung oder Übersprunghandlung?

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