Gold gab ich für Russengas

gasag

Erinnert sich noch jemand an die Kampagne „Gold gab ich für Eisen“?

Nein, Joachim Gauck: Es geht nicht um Frieren für die Freiheit! Ich kann mir einen Pullover anziehen oder mehrere. Aber ich koche auch mit Gas. Soll ich mir etwa einen neuen Ofen kaufen? Gut, vielleicht ist es, wenn das Vaterland in Zeiten des Krieges nach Opfern ruft, angesagt, sich bei der Großbourgeoisie nach Reserven umzusehen. Und für’s Duschen habe ich auch etwas gefunden; so etwas Ähnliches hatte ich schon bei meinen Lateinamerika-Reisen dabei, nur einfacher.

Ölkerne

Unter Heizungsabdrehern

monitor

Von heruntergedrehten Heizkörpern wird sich Putin sicher schwer beeindrucken lassen! Der gute Mann nennt sich „Journalist“ und ist Leiter und Moderator des Politmagazins Monitor. Er hat auch das und dort studiert, was und wo die Außenministerin studiert hat.

Unter Anlegern

aktien

Das wird die Grünen begeistern!

Unter Durchschnittsmännern

partnervermittlung

Einige Herren, die sich Katalogfrauen kaufen (wieso muss ich jetzt an Mai Ling denken?), werden jetzt froh sein, dass sie nicht mehr so weit reisen müssen. Hier etwas über das Angebot:

– Unter Frauen gibt es in der Ukraine eine Art Kultur oder Kunst wie man sich als Frau für den Mann attraktiv macht. Auch wird das Flirten in der ukrainischen Gesellschaft generell positiv gesehen, wenn man die Verhaltensregeln kennt.
– In ukrainischen Städten wird eine übergewichtige Frau (besonders wenn sie im gebärfähigen Alter ist) mächtiges Stirnrunzeln hervorrufen. Sich nicht um sein Aussehen zu kümmern, eine graue Maus oder ein Mauerblümchen zu sein ist in der Ukraine absolut verpönt (dies gilt leider nicht für ukrainische Männer).
– Viele ukrainische Frauen müssen im Alltag viel laufen und deshalb ist es schon rein biologisch unwahrscheinlicher, viel Fett anzusetzen. Auch ist ungesundes Essen, industriell hergestellte Nahrung und Fast-Food noch nicht so verbreitet wie im Westen.

– Spontanität, Emotionalität und eine unbeschwerte und humorvolle Haltung wird in der urbanen ukrainischen und russischen Kultur sehr geschätzt. Für Frauen gibt es wenig Einschränkungen, die im Westen meistens auf Prüderie, moralische Verbote oder die Unfähigkeit, Dinge leicht zu nehmen, beruhen.
– In der Ukraine gibt es keine Unklarheiten über die Geschlechterrolle und auch keine Paranoia über sexuelle Belästigungen. Sich als Frau sexy und offen zu geben wird positiv gesehen.
– Ukrainische Frauen legen wahrscheinlich weniger Wert auf eine berufliche Karriere und haben auch nicht ständig das Gefühl, sich unabhängig vom Mann geben zu müssen. Im Durchschnitt fühlen sich diese Frauen in ihrer weiblichen Rolle bedeutend wohler und fühlen sich nicht dazu gedrängt, mit Männern erfolgreich konkurrieren zu müssen.
Für den Durchschnittsmann sind diese Züge sehr attraktiv und wünschenswert.

Da wird es jetzt aber einige Bankrotte geben…

Unter Stalinorglern

stalinorgel

Liebe Qualitätsboulevardmedien, die Schlagzeile muss lauten: „Fieser Kreml-Tyrann Putin fährt hämisch grinsend teuflische Stalinhöllenwaffe auf“.

Russische Musik wird verboten. Piroscki und Huso huso dürfen ab sofort nicht mehr verzehrt werden. (Was ist mit Wodka?)

Wir müssen zusammenstehen. Entschlossen sein. Das Böse muss gemeinsam bekämpft werden. Niemand darf abseits stehen. Das Gezänk muss aufhören. Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Putin-Gegner!

Frauen, Männer und Kathoey

Kathoey
Wie viele Frauen sind auf dem Foto? Rechts ist ein bekannter Pornostar Thailands, der sich „Prem“ nennt.

Was ist daran so schwierig zu verstehen? Es gibt die biologischen Geschlechter Frauen (das sind die mit Vagina und Eierstock) und Männer (das sind die mit Penis und Prostata) und es gibt was dazwischen etwas wie Hermaphroditen oder „Zwitter“.

Das biologische Geschlecht hat nichts mit dem „sozialen“ Geschlecht zu tun. Wenn Männer gern Frauen sei wollen, sollen die das doch tun. „Normal“ sollten eigentlich vier „Geschlechter“ sein, falls jemand sein biologisches Geschlecht ablehnt und auf die „andere Seite“ wechseln möchte.

Das beste Beispiel sind doch die sozial durchaus anerkannten Kathoey in Thailand, also biologische Männer, die sich wie „Frauen“ verhalten und sich manchmal Brüste wachsen lassen. Dieser Geschlechtstausch funktioniert natürlich nur dann, wenn Frauen und Männern jeweils bestimmte Rollenmodelle zugewiesen werden, an denen man sie erkennt. Die klassische Transe ist äußerlich fast immer die Karikatur einer Frau. Warum sollte ein Mann, der Frau sein möchte, als kesser Vater herumlaufen?

Bezeichnend, dass Frauen, die lieber die klassische Männerrolle übernähmen, nicht so ein öffentliches Gewese daraus machen. Die „Trans“-Bewegung ist meines Erachtens ein reaktionäres kleinbürgerliches Männerrechter-Milieu, dessen größter Wunsch es offenbar ist, auf’s Frauenklo gehen zu dürfen.

Bauernrebellen, Käsegrafen et al

bauernrebellen

Bin wieder auf einen fiesen Marketing-Trick reingefallen, der speziell für Feudalismus-Experten wie mich zugeschnitten war. Wann kommt der Thomas-Müntzer-Hartkäse?

Auf Fratzenbuch wurde ich gerade darauf hingewiesen, dass es tatsächlich eine rebellische Geschichte gibt:
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts herrschten die Bregenzerwälder Käsegrafen mit wirtschaftlichem Geschick über den heimischen Milchmarkt. Sie verdienten Unsummen mit Käselieferungen in die Lombardei, nach Venetien, in die Niederlande sowie nach Ungarn und Wien. Gleichzeitig knebelten sie die Bauern mit ihrer Marktmacht und Schuldscheinen. Dieses ausbeuterische Handeln der Bregenzerwälder Käsegrafen wollten sich die Urväter der Käserebellen nicht länger mitansehen, das Milch- und Käsemonopol musste gebrochen werden: 1860 beschlossen vier Bauern in Sulzberg, ihre Milch eigenständig zu verarbeiten und verkästen diese im Keller des ortsansässigen „Gasthaus Bären“ (heute: Alpenblick).

Was gab es noch? Ich habe mich heute nach einem ausgiebigen Frühstück von zwei Stücken (sic) selbst gemachtem Käsekuchen und von einer Bulette vom Metzger meines Vertrauens (morgen gibt es Königsberger Klopse!) ernährt, dazu noch eine Avokado mit Zitrone verzehrt (esse ich fast täglich). Ist das genug und gesund?

Ach ja, vorwärts und nicht vergessen: Die Revolution in Deutschland wird auf unbestimmte Zeit verschoben, weil die so genannte Linke hierzulande völlig verstrahlt ist. Das Kommunistische Manifest wird um den obigen Satz ergänzt.

schreibtisch

Gendercancelculture

vandalen
Schwedische Vandalen demolieren das generische Maskulinum und das Patriarchat im Allgemeinen, insbesondere Statuen von Männern (Symbolbild)

Hat jemand von euch Lust, bei Wikipedia herumzuvandalisieren und überall Gendersternchen zu verstreuen? Keine Vorkenntnisse nötig! Die schwedische Botschaft macht es möglich! (via Fefe)

Aber die Artikel auf Wikipedia sind nicht repräsentativ für die Gesellschaft. Männer sind in viel größerem Ausmaß vertreten als Frauen. Zudem sind es überwiegend Männer, die neue Inhalte auf Wikipedia hinzufügen. Es gibt viermal so viel Artikel über Männer wie über Frauen. Und die Informationen über Frauen sind weniger umfangreich als die über Männer. Das können und wollen wir ändern!

Apropos Schweden: „Schweden lässt [2019] Vergewaltigungsvorwurf gegen WikiLeaks-Gründer fallen“ – nach neun Jahren!

Bitte bevorraten Sie sich!

soldat wehrmacht

Die Großbourgeoisie passt ihre Algorithmen schon der aktuellen Weltlage an.

Einstürzende Altbäume, reloaded

ncm e-bike

Überraschung! Nachdem ich heute mit Mühe mein NCM-Moscow-E-Bike unter dem umgestürzten Baum hervorgezerrt hatte (und auch noch das Fahrrad meine Opas), stelle ich überrascht fest, dass der Hinterreifen, der gestern völlig demoliert aussah, sich wie durch ein Wunder wieder auf die Felge geschmiegt hatte. Respekt vor den Konstrukteuren – das Ding scheint ja ziemlich zäh zu sein. Noch nicht mal Luft hatte der Reifen verloren. (Das sind nicht die Originale, sondern so genannte unplattbare von Schwalbe).

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, lustkaufte ich bei der Großbourgeoisie (dahin gehen auch die Links) eine Astsäge und, für hartnäckige Fälle, eine Survival-Axt. Man kann nie wissen, ob einem der Himmel nicht ein Baum beinahe auf den Kopf fällt.

Check:

health check

Versehentlich 11 Stunden und 41 Minuten geschlafen. Behauptet meine Uhr. Prostata normal. Offenbar immer noch kein Corona.

Aussterbende Kulturtechniken

silberbesteck

„Um das regelmäßige Reinigen des Silberbestecks zu umgehen, kannst du es zu einem guten Preis im Internet verkaufen.“ Ach ja? Die zahlen pro Kilo.

Ich habe die Teilchen gerade für’n Appel und ’n ei in der Nachbarschaft erworben. Ich finde es auch interessant zu wissen, wie man so was pflegt und aufbewahrt. Ich habe gesehen, dass in einer Schublade meiner Mutter auf dem Tafelsilber ein Stück Kreide liegt. Das alles gehört eindeutig in die Rubrik „aussterbendes Wissen“ wie das Einkochen, das gute Kochen insgesamt, das Schuhputzen, das Flicken von Fahrradreifen, das Strümpfe stopfen.

Schnitzel mit Wiener Sauce et al

wiener schnitzel

Frau Oberin, bitte ein klimaschädliches Wiener Schnitzel mit Zigeunersauce!

Jetzt ist aber gut. Sonst wird dieses Blog noch als „unseriös“ deklariert. Wir wissen, wie die Qualitätsmedien darauf reagieren: Sie würden dieses Blog sozial ächten, indem sie es nie zitieren oder erwähnen (Ausnahme: der Lünschermannsweg wäre das Thema). Was war noch gleich das Thema heute?

Whoopi Goldberg hat zuviel Veganes gegessen? Nein, daran kann es nicht liegen. Der Holocaust war eine Sache „zwischen Weißen“? WTF? Natürlich rudert sie jetzt zurück. Ist ihr eben nur so rausgerutscht. Jemand schreibt auf Fratzenbuch: „Why was Whoopi Goldberg wearing a Palestinian scarf with an American flag pattern? Is she trying to make some pro-Palestinian statement or an anti-American one or an anti-Israel/Jewish one or what?“ Ach, das ist schon zehn Jahre her. Dieses Internet verwirrt einen.

Vielleicht übe ich mich auch nur in kalkulierter Aufmerksamkeitsökonomie? Stefan Niggemeier: Und als Leser kann man sich natürlich fragen: Warum lese ich das dann?

Kopf hoch!

heads up

„Kopf hoch, so motiviert der professionelle Begegnungscoach. Wichtig sei dabei die Körpersprache. Also bitte nicht gebückt, sondern aufrecht durch die Welt gehen, mit offenem Blick, und schon mal das vorwegnehmen, was da Positives kommen könnt.“ #qualitätsjournalismus

Unter Bonus-Bloggern

In einer ZDF-Talkshow diskutierte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Anne Spiegel, die Idee „Stiefvater“ und „Stiefmutter“ durch „Bonus-Vater“ und „Bonus-Mutter“ zu ersetzen.

Das eröffnet ja viele Möglichkeiten. Ich bin ab sofort Bonus-Blogger.

Unregelmäßiges Tumultuöses

luhmann

Ja, man mag mich des Vernachlässigens des Publikums zeihen (was ist das für ein Deutsch? Der Säzzer), aber ich bin entschuldigt, weil ich sehr viel zu tun hatte und wenig Schlaf fand. Stundenlange Videokonferenzen mit Anwälten (merci, Minuskel!), unzählige Telefonate (ja, die gibt es noch!) und ebensoviele E-Mails. Fazit: Ein vorläufiger Sieg der Guten, fußend auf einer Taktik, die sich irgendwo zwischen der Schlacht bei Leuktra und der bei Roßbach ansiedeln lässt – schief, aber gegen überlegende Kräfte effektiv. Oder: Ein Scheinangriff auf der eigenen schwächeren Seite verwirrt den Gegner, dann kommt die Attacke ganz unvermutet woanders, immer eingedenk des abgewandelten Zitats eines britischen Kollegen: Der Traum jedes britischen Journalisten besteht darin, einen nichtsnutzigen Verbandsfunktionär um sein „Ehrenamt“ zu bringen. Der Traum deutscher Journalisten besteht darin, sein Pressesprecher zu werden.

schlaf

Vielleicht habe ich aber auch nur zu viel von Mao gelesen: „Für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt. Es ist die gleiche Regel wie beim Bodenkehren – wo der Besen nicht hinkommt, wird der Staub nicht von selbst verschwinden.“ Demnächst mehr in diesem Theater. #vereinsmeierei

Ich lernte beim Studium juristischer Texte auch etwas Neues (immer auch das Kleingedruckte lesen!) Eine Vereinssatzung sagt zum Beispiel: Die Mitglieder haben das Recht – auf Auskunft durch den Vorstand. Unter Berücksichtigung des Datenschutzes ist ihnen Einsichtnahme in die schriftlichen Protokolle der Gremien zu gewähren. Eine Weitergabe der Informationen an Nichtmitglieder ist nicht gestattet. Dieses Recht ist nur entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zu Datenschutz und Informationsfreiheit eingeschränkt.

Gesetz den Fall, ein Vereinsvorstand mauerte, mauschelte und verschanzte sich hinter dem „Datenschutz“ und schwärzte Dokumente, die man als Mitglied gern einsähe – was kann man tun? Da gibt es hübsche Urteile allerhöchster Gerichte: Mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kann nicht verhindert werden, dass personenbezogene Daten (z.B. Namen, Anschriften) von Mitgesellschaftern oder Vereinsmitgliedern an einen Gesellschafter oder Vereinsmitglied herausgegeben werden müssen. Oder anders gesprochen: Wer ein berechtigtes Interesse an den Daten geltend macht, muss diese auch von der Gesellschaft oder dem Verein/Verband erhalten. Yalla!

wine drinking woman

Schwanken Schwenken wir um zu Lifestyle-Themen. Oder auch: Wein saufen gegen Corona: „Consumption of red wine above or double above the guidelines played protective effects against the COVID-19.“ Ein Wermutstropfen (!): Gilt nur für Wein, nicht für Whisky.

Dann haben wir noch etwas über Drittanbieter-Cookies. Die üblichen Verdächtigen („Online-Publisher“ – gut, Weltnetz-Veröffentlicher hört sich shitty an) heulen auf, weil Google die schon im Browser blockieren will. Zwischenfrage: Welche Dödel erlauben denn warum „Drittanbieter-Cookies“? Am besten noch, wenn man mit Tor unterwegs ist? In welcher Welt lebt ihr denn? Vielleicht in der Welt der Qualitätsmedien, die zum Thema gequirlten Quatsch publizieren? „Google will Nutzern nicht mehr durchs Netz folgen.“ Was haben wir gelacht.

bugatti Chiron on Autobahn

Da wir bei Dödeln und Folgen sind: Auf bestimmten Strecken der deutschen Autobahnen gibt es gar kein Tempolimit. Das ist gut für Milliardäre, die gerne 417 Stundenkilometer schnell fahren. Vermutlich haben die Radarfallen sowieso laut „tilt“ gerufen. Die Polizei ermittelt. Ich würde gleich den Paragrafen 315b StGB heranziehen und die Kiste beschlagnahmen und versehentlich verschrotten.

Übrigens wollen die Nachgeborenen nicht mehr Lehrer werden. Warum, ist kaum zu fassen: Nur jeder Achte habe Spaß, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen und nur ein Viertel fühle sich fit für das digitale Arbeiten. Den Interessenten fehlen demnach auch noch andere Fähigkeiten, die für den Lehrerberuf benötigt werden: Nur zehn bis 13 Prozent der Befragten zählen demnach hohes Selbstvertrauen, Resilienz gegenüber Rückschlägen oder die Fähigkeit, vor Gruppen zu reden, zu ihren besonderen Stärken.

WTF? Alle wollen nur noch Influencen und Sozialmedien. Vielleicht hilft ja noch mehr Saufen? Oder das pädagogische Angebot in den Schulen zu diversifizieren? Dazu hätte ich spontan ein paar Ideen.

lehrerin

Im Prinzip unkaputtbar

trabant

Eine Frage an das hier mitlesende Fachpublikum: Sind Trabants eigentlich immer kaputt oder fahren die auch mal?

Darf man das?

blumen

Ich habe, obzwar Hetero, immer Blumen auf dem Küchentisch. Sind 50 Euronen pro Monat dafür unverzeihlicher Luxus, den sich das Proletariat nicht leisten darf?

Die Lage der arbeitenden Klasse

schlaf

Wenn man Spätschicht hatte und erst um 22.30 Uhr nach Hause kommt und dann nichtsahnend und friedlich einschläft, sollte man mitten in der Nacht nicht ans Telefon gehen, wenn es die eigene Firma ist. Es könnte ein Kollege krank geworden sein, den man vertreten muss. Sogar wenn ich vorher Sex leichten Sport getrieben hätte, änderte das nichts.

Immerhin schickte man mir einen Wagen mit Fahrer, und ich musste nicht mit dem Roller oder E-Bike auf den vereisten Straßen herumschlittern und auf die Fresse fallen.

Etwas früh, Bezsenność und entspannende Tätigkeiten

smart watch
Huawei Health App für Android

Aus philosophischer Sicht umspannen wir bei der Diskussion um eine „smarte“ Armbanduhr natürlich ein riesiges Spektrum, das von Lems Ananke (Bezsenność heißt auf Deutsch passenderweise „Schlaflosigkeit“) bis Matrix alles umfasst. Bei solchen Geräten lese ich auch das Kleingedruckte. Man kriegt, was man erwartet und was euphemistisch als „nach Hause telefonieren“ umschrieben wird.

Vielleicht liegt es an dem kommunistischen Hintergrund, aber alles war kinderleicht zu installieren und zu verstehen. Die Uhr hat gefühlt unzählige Features und ich kenne sie alle, von einem Dutzend Zifferblättern zur Auswahl, Nützliches wie Timer, Stoppuhr, Taschenlampe, Überflüssigem wie einem Wetterbericht (dafür habe ich das Smartphone) und Schnickschnack per App wie „Stresstests“. [Update] Die Uhr muss nur alle zwei Wochen geladen werden, das ist schon grandios und wie bei einem Uralt-Nokia!

Ich kann mich damit anfreunden, dass mir morgens gesagt wird, wie lange ich geschlafen habe und wie lange mein Rem-Schlaf war. Solange mich nicht in einem chinesischen Hotel eine Hostess in Single Breasted Uniform ermahnt, meine REM-Phasen seien zu kurz, ist alles gut.

nokia
Nokia 105

Wer inkognito telefonieren und seine Kontakte verbergen will, nutzt bitte was anderes – dann aber auch konsequent (vgl. oben).

Ich finde es witzig, dass mir ausgerechnet ein volkschinesisches Produktmit intelligentem training gesucn bleiben empfiehlt: „mit intelligentem Training gesund bleiben!“ Und gleichzeitig „das Leben in vollen Zügen genießen„. Die Bahn kann ja nicht gemeint sein.

Das hatte wir doch unter „kapitalistische Selbstoptimierung“ und Hipstertum eingetütet? (Oder wird das von Bill Gates heimlich finanziert und ich bin jetzt gechippt? Und wieso können die im Zhōngguó tèsè shèhuìzhǔyì kein HTTPS?)

Warum rät mir die herrschende Klasse Regierung, ich sollte gesund bleiben? Vielleicht will ich nur schlapp auf einem Gamer-Sessel hängen und mit meinem Avatar andere zusammenprügeln?

Mein antiautoritäres Herz schwankt, wie schon bei einer staatlich verordneten Impfung: Soll das gefühlte Gemeinwohl obsiegen oder der auf seine vermeintliche Individualität pochende einzelne Warenproduzent?

Habermas hatten wir hier schon: „Unsere Freiheit“? Welche eigentlich? Der Untertan ist im Kapitalismus total frei und möchte auch so bleiben? Das ist doch Schwachsinn. Ich kann nur dringend einen Blick in Jürgen Habermas Strukturwandel der Öffentlichkeit (1972) empfehlen:
Die entfaltete bürgerliche Öffentlichkeit beruht auf der fiktiven Identität der zum Publikum versammelten Privatleute in ihren beiden Rollen als Eigentümer und Menschen schlechthin.

„Fiktiv“ deshalb, weil die Mehrheit des Publikums auf dem Markt nichts mehr zu verkaufen hat als die eigene Arbeitskraft, die von den Eigentümern der Produktionsmittel genommen und benötigt wird, um damit Profit zu erwirtschaften. Der Proletarier ist zwar frei und darf selbst bestimmen, wem er seine Ware Arbeitskraft verkauft; verweigert er sich aber dem Markt, muss er verhungern oder ist heute in Deutschland Hartz-IV-Empfänger. Diese Art, frei zu sein, zu bejubeln, ist zynisch.

Wenn ich unter diesem Motto das Thema „Datenschutz“ betrachte, wird mir ganz schlecht. Man wird schon in naher Zukunft überrollt werden von intelligenten Juristen der Entwicklung der Produktivkräfte, die den Kommunismus erwzingen wird, die nicht aufzuhalten ist.

Man kann dagegen einen donquichotteschen individuellen Abwehrkampf führen, was zu meinem anarchistischen Spieltrieb passte, oder in reaktionäre Naturromantik flüchten oder in entspannende Tätigkeiten. Im Zweifel wählte ich letzteres.

entspannende Tätigkeiten
Entspannende Tätigkeiten (Symbolbild)

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