Aussterbende Kulturtechniken

silberbesteck

„Um das regelmäßige Reinigen des Silberbestecks zu umgehen, kannst du es zu einem guten Preis im Internet verkaufen.“ Ach ja? Die zahlen pro Kilo.

Ich habe die Teilchen gerade für’n Appel und ’n ei in der Nachbarschaft erworben. Ich finde es auch interessant zu wissen, wie man so was pflegt und aufbewahrt. Ich habe gesehen, dass in einer Schublade meiner Mutter auf dem Tafelsilber ein Stück Kreide liegt. Das alles gehört eindeutig in die Rubrik „aussterbendes Wissen“ wie das Einkochen, das gute Kochen insgesamt, das Schuhputzen, das Flicken von Fahrradreifen, das Strümpfe stopfen.

image_pdfimage_print

Kommentare

9 Kommentare zu “Aussterbende Kulturtechniken”

  1. flurdab am Februar 2nd, 2022 3:25 p.m.

    Sowas kommt von sowas.
    Don Alphonso wirkt.

    Welche Auskunft geben denn die Punzen und welche Angaben finden sich auf den Klingen?

    Mir schwebt ein Verfahren mit heißem Wasser, Kochsalz und Alufolie durch den Neuronenstrom. Ich meine das hätte Ranga Yogeshwar mal bei Quarks vorgeführt.

    Natürlich kann man das Silber auch mit Wiener Kalk wienern. Dabei aber auf ein standesgemässes Gewand achten.

  2. Die Anmerkung am Februar 2nd, 2022 3:47 p.m.

    >>Das alles gehört eindeutig in die Rubrik „aussterbendes Wissen“ wie das Einkochen, das gute Kochen insgesamt, das Schuhputzen, das Flicken von Fahrradreifen, das Strümpfe stopfen.

    Das kommt von der fallenden Profitrate. Das weiß aber kaum jemand, weil es in der Breite nie lebendes Wissen war, sondern nur bittere Lebenserfahrung, daß da was Drittes ist, das einen ständig Knüppel in die donaldduckflinken Beine wirft.

  3. Godwin am Februar 2nd, 2022 3:48 p.m.

    Aaah – die ewig gestrigen, die am Zeug hängen…

    Ist der Handel noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein.
    Was lange hält, bringt kein Geld.

    Das was [dem] schöperischen [Burks] Werte sind, hat der [Kapitalist] zur Ware erniedrigt, die er kauft und wieder verkauft, die er selbst aber nicht erzeugen kann…

    Für was braucht es also noch „Kulturtechniken“, wenn schon keine Kultur mehr da ist.
    Die Arbeitsteilung und damit einhergehende Entfremdung war beim jungen Marx noch zentral, später irrelevant und eher hinderlich…

  4. karlo am Februar 2nd, 2022 10:48 p.m.

    Für ordentliche Wellingtons benötigt man zum Putzen bloß einen Schlauch Wasser oder etwas sauren Regen. Und wer hat noch Tafeln ausser Milka? Fahrradsocken auskochen dagegen, ist das täglich Brot.

  5. ... der Trittbrettschreiber am Februar 3rd, 2022 6:05 a.m.

    Mal so durch Flasche betrachtet klebt an diesen Wertrelikten all das Phantasmagoriengedoens der Marxschen Frontallappenaktivitaeten. Nicht umsonst werden von aufgeklaerten modernen Menschen, die neben ihrem Tesla auch das E-Bike zu schaetzen wissen, horrende Summen fuer skurile Sammlerstuecke ausgegeben, wie z.B. das Mobilklo Ludwigs oder ein Hoeschen Marilyns.
    Du, lieber Burks, schaffst bewiesenermassen Mehrwert durch die Arbeit, durch die Du Dich putzend und pflegend im Silberschein verdingst. Ein reicher Sammler schnuppert nur hin und wieder an seinen Schaetzen und bleibt zeitlebens ein olfaktorisches Opfer.

  6. Jens am Februar 3rd, 2022 6:44 a.m.

    Guten Tag zusammen,
    ich denke Kollege Burks sollte sich evtl. an den Gedanken gewöhnen, dass er — zugegebenermaßen hübsche — Besteckteile aus Neusilber / Alpaka erworben hat. Zumindest weisen die recht dünn geprägten Gabeln darauf hin. Die sogenannte Buckelsklinge der Messer war ab den zwanziger / dreißiger Jahren modern …
    Die Griffe der Messer bestehen aus zwei zusammengelöteten Metallschalen, welche mit Kitt oder einer Blei-Sandmischung gefüllt sind. Der Kitt wird ab ca. 70 Grad weich — die Dinger gehören also besser nicht in die Spülmaschine.

    Gruß
    Jens

  7. flurdab am Februar 3rd, 2022 8:49 a.m.

    „Ich habe die Teilchen gerade für’n Appel und ’n ei in der Nachbarschaft erworben“

    Erste Anzeichen von plötzlich und unerwarteter Verarmung in der Nachbarschaft?
    Seuchenbedigte Umverteilung?
    Corona- Profiteur?

    Was bleibt sind Fragen…

  8. Gelegenheitsleser am Februar 3rd, 2022 1:06 p.m.

    Kilopreis?

    Ich habe letztes Jahr in einem Trödelladen jeweils 3 Gabel, Messer, Esslöffel und Teelöfel für mein Wohnmobil gekauft. Ich wollte Besteck „nach altem deutschen Maß“. Das ist teils wesentlich größer als die heute Neu angebotenen Bestecke. Die Preise:

    Messer je 2,10 €
    Gabel 1,60
    Löffel 1,80
    Teelöffel 1,00

    Also knapp 20 €. Das gefühlte Gewicht könnte 1,5 kg betragen.

  9. andreas am Februar 3rd, 2022 1:45 p.m.

    Ranga Yogeshwar hat jedenfalls und Jens vermutlich recht. Kupfer hingegen reinigt man mit Salz und Essig.

Schreibe einen Kommentar