Weiss oder nicht weiss, das ist hier die Frage

Ich streiche gerade den Holzfußboden eines meiner Zimmer mit weißem Lack und muss mich entscheiden, ob ich die künstlerisch mehr oder minder wertvolle Hinterlassenschaft meiner Vormieterin überpinsele oder sie so lasse. Was meinen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser?
Stadtbibliothek Köln diffamiert
Danke für den Hinweis!
Ahoi!
Ich war heute Leiter eines Wahllokals in Berlin-Neukölln, bin um 6 Uhr aufgestanden und gerade erst zurückgekehrt, weil ich die Unterlagen zurück ins Rathaus bringen musste. In meinem Wahlkreis hatten die Piraten genau so viel Zweitstimmen wie die SPD und die FDP hatte nur eine Stimme. Har har.
Wahlomat Berlin
Ich habe mir den Wahlomat zu den Wahlen in Berlin (zum Abgeordnetenhaus) angesehen. Allen schon die dämlichen Fragen regen mich auf. Und mich regt auch, dass die Pappnasen bei der Bundeszentrale für politische Bildung mir nirgendwo verraten, welche Browsereinstellungen nötig sind, um das Teil bedienen zu können (selbstredend diskriminieren die Behinderte – die Website ist nicht barrierefrei).
Trotzdem – hier meine Empfehlungen:
Die Berliner S-Bahn soll als landeseigenes Unternehmen betrieben werden!
Ja. Der Berliner S-Bahn hat noch nicht wieder das Vorkriegsniveau erreicht.
Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl: Wählen ab 16 Jahren!
Nein. Welchen Unterschied machte das? Wenn ich überlege, welche Ideen ich mit 16 hatte – o Grauen.
Härteres Vorgehen bei Verschmutzung durch Hundekot.
Nein. Alle politischen Forderungen, die das Wort „härteres“ enthalten, lehne ich ab. Das ist fast ausnahmslos rechtspopulistische Kacke.
Eingetragene Lebenspartnerschaften sollen der Ehe gleichgestellt werden.
Ja. Ich dachte, das wäre schon so…
Der Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen soll weiter eingeschränkt werden.
Nein. Paternalistische Drogenpolitik ist ein Teil der Prohibition. Wenn ja, dann aber auch: Der Nikotinkonsum auf öffentlichen Plätzen soll weiter eingeschränkt werden.
In Berlin soll es eine Steuer für Hotelübernachtungen geben („City-Tax“).
Nein. Bin ich etwa ein Wähler der Fast-Drei-Prozent-Partei?
Das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung soll für alle Kinder verpflichtend sein.
Keine Ahnung.
Berlin soll weiterhin Kulturprojekte von Menschen mit Migrationshintergrund fördern.
Nein. Ich habe noch nie gewusst, was ein „Migrationshintergrund“ ist. Mehr Kultur für Einwanderer? Mein Opa stammte aus Russland – habe ich deshalb einen „Migrationshintergrund?“ Diese Phrase riecht nach Lichterketten – igitt. Wer „Migrationshintergrund“ sagt, muss auch Ariernachweis sagen.
Die Bebauung des Spreeufers im Rahmen des Mediaspree-Projekts soll gestoppt werden.
Vermutlich ja. Bebauung sollte immer gestoppt werden. Mehr Grün!
Kriminelle Jugendliche sollen bei einer Verurteilung auf Bewährung auch für kurze Zeit inhaftiert werden können („Warnschussarrest“).
Nein. Oder man sollte gleich für eine einstweilige Erschießung plädieren. Rechtspopulistische Kacke.
Die Grunderwerbssteuer soll erhöht werden.
Keine Ahnung. Wer fordert das und warum?
Projekte zur Bekämpfung des Linksextremismus sollen gefördert werden.
Nein. Soll ich mich selbst bekämpfen?
Die sechsjährige Grundschulzeit soll für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend sein.
Keine Ahnung. Wer fordert das und warum?
Berlin soll sich dafür einsetzen, dass sich Asylbewerber und Asylbewerberinnen in ganz Deutschland frei bewegen dürfen.
Ja. Wegen Menschenrechte und so, falls sich jemand daran erinnert, was das ist. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: „Artikel 13: Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.“ Noch Fragen?
In Berlin sollen die Hürden für Volksentscheide gesenkt werden.
Jein. Volksentscheide können auch dazu führen, dass die Todesstrafe für Kinderschänder wieder eingeführt wird.
Die Stadtautobahn A100 soll verlängert werden.
Nein.
Mehr Menschen mit Migrationshintergrund sollen im öffentlichen Dienst Berlins arbeiten.
Nein. Vgl. „Kulturprojekte von Menschen mit Migrationshintergrund“
Alle Bachelor-Absolventen Berliner Hochschulen sollen einen Rechtsanspruch auf einen Masterstudienplatz in Berlin haben.
Keine Ahnung. Wer fordert das und warum?
Das Tempelhofer Feld soll komplett als Grünfläche erhalten bleiben.
Ja.
Kindergeld soll nur an deutsche Familien ausgezahlt werden.
Nein. Rechtspopulistische Kacke.
Auf mehr Berliner Straßen soll Tempo 30 gelten.
Ja. Allein schon, um den ADAC zu ärgern.
Projekte gegen Rechtsextremismus sollen weiterhin gefördert werden.
Nein, sie nützen nichts. Also muss man sie auch nicht fördern.
Das jahrgangsübergreifende Lernen („JüL“) an Berliner Grundschulen soll abgeschafft werden.
Keine Ahnung. Wer fordert das und warum?
Bei Großeinsätzen sollen alle Polizistinnen und Polizisten eine individuelle Kennung tragen müssen.
Ja.
Berlin soll den sozialen Wohnungsbau wieder fördern.
Ja, obwohl das wieder die Korruption fördern würde.
Abschaffung der Umweltzone in Berlin!
Nein.
Alle Kinder sollen ungeachtet ihres kulturellen Hintergrundes gemeinsam unterrichtet werden.
Ja, aber ich weiß nicht, was ein „kultureller Hintergrund“ sein soll.
Gesetzliche Mindestlöhne sollen weiterhin nur für einzelne Branchen gelten.
Keine Ahnung.
Die Videoüberwachung im öffentlichen Raum soll ausgeweitet werden.
Nein. Sie nützt erwiesenermaßen (vgl. England) nichts. Rechtspopulistische Kacke.
Alle Kinder im Vorschulalter sollen zusätzliche Sprachtests absolvieren müssen.
Keine Ahnung. Wer fordert das und warum? Riecht aber nach rechtspopulistischer Kacke.
Das Land Berlin soll sich für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen einsetzen.
Nein. Was hat das Land Berlin mit der Frauenquote in privaten Unternehmen zu tun?
Berliner Lehrerinnen und Lehrer für islamischen Religionsunterricht sollen an deutschen Hochschulen ausgebildet worden sein.
Nein. Der Religionsunterricht an Schulen sollte ganz abgeschafft werden.
Die Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe soll rückgängig gemacht werden.
Ja.
Hartz IV-Empfängerinnen und -Empfängern sollen auch weiterhin Leistungen gekürzt werden, wenn sie ein Jobangebot ablehnen.
Nein.
Die Berliner Gedenkstätten für die Opfer des NS-Regimes sollen weiterhin vom Land Berlin finanziell gefördert werden.
Ja.
Kommunales Wahlrecht für alle dauerhaft in Berlin wohnenden Ausländerinnen und Ausländer!
Nein. Wer dauerhaft in Deutschland wohnt, sollte den deutschen Pass bekommen, dann erübrigt sich die Frage.
An Berliner Schulen soll für Berufe bei der Bundeswehr geworben werden dürfen.
Nein.
Am Bahnhof Zoo sollen wieder Fernverkehrszüge halten.
Per Gesetz? Die spinnen doch.
Ich brauche solche Tests nicht, weil ich eh die Piraten wähle.
ChipTAN – Online-Banking kann jetzt auch epileptische Anfälle auslösen

Meine Hausbank hat mir gestern ein neues Kartenlesegerät angedreht (10 Euro). Die alten TANs, die man für’s Online-Banking zugeschickt bekam, haben ausgedient. Das Gerät erzeugt in Zukunft die TAN-Zahlen.
Ich war natürlich extrem misstrauisch, was die Superoberexperten da wieder zusammengeschraubt hatten. Ich hatte auch das Vergnügen, dass die Mitarbeiterin meiner Filiale eine wunderschöne Afrodeutsche war, die ich mit meinen Fragen schier zum Verzweifeln und dann zum Lachen bringen konnte. Aber erklären konnte sie auch nicht viel: Welcher Browser muss wie eingestellt sein, dass es auf dem Bildschirm flackert? Man muss vermutlich alle aktiven Inhalte erlauben, was ich definitiv nie tun werden.
Ich habe mich am Telefon mit Jan Scheibal unterhalten, der hatte schon etwas zum Thema gebloggt. Er hält das System chipTAN für sicher. Hersteller ist KOBIL Systems. (Die nutzen GIFS oder Flash für das Flackern, immerhin kann man animierte Gifs einigermassen barrierefrei nennen).
Einen Haken habe ich dann doch gefunden:
Hinweis für Epileptiker:
Bei manchen Personen (ca. 1 Person von 4.000) können blinkende Lichter und Muster beim Betrachten von Fernseh-/ Monitorbildern oder beim Spielen von Videospielen epileptische Erscheinungen auslösen. Diese Personen können bei der Benutzung von Computern einen Anfall erleiden. Es können auch Personen davon betroffen sein, deren Krankheitsgeschichte bislang keine Epilepsie aufweist und die nie zuvor epileptische Anfälle gehabt haben. Falls bei Ihnen oder einem Ihrer Familienmitglieder unter Einwirkung von Blitzlichtern mit Epilepsie zusammenhängende Symptome (Anfälle oder Bewusstseinsstörungen) aufgetreten sind, nutzen Sie bitte das Online-Banking mit manueller Dateneingabe..
Das erinnert mich an einen Science-Fiction-Roman von Stanislaw Lem: „Die Patrouille“ – erschienen 1979.
Klein Burks revisited
Das Foto wurde vermutlich 1954 gemacht.
An die Staatsanwaltschaft Berlin
Burkhard Schröder
(…)
08.08.2011
Staatsanwaltschaft Berlin
Turmstrasse 91
10559 Berlin
14 Js 3225/08
2. Mahnung
Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Schreiben vom 1.11.2010 und 13.11.2010 wurden von Ihnen nicht beantwortet
Ich zitiere: „mein Freispruch in der obigen Strafsache ist mittlerweile rechtskräftig. Das Amtsgericht Tiergarten (Gesch.Nr. (231 Ds) 14 Js 3225/08 (20/09) hat in der Sitzung vom 30.06.2009 für Recht erkannt: „Für die erlittene Beschlagnahme wird der Angeklagte entschädigt.“
„Wie aus dem beigefügten Beschluss des OLG München von 22.03.2010 (Az: 1 W 2689/09) ersichtlich ist, beläuft sich die Entschädigung in vergleichbaren Fällen auf 2,30 Euro pro Tag. Mein Rechner wurde am 11.11.2008 beschlagnahmt (…). Ich bitte um Überweisung der entsprechenden Summe auf mein obiges Konto.“
Sie hatten mir in einem Schreiben vom 5.11.20012010 bestätigt, dass ich einen Anspruch auf Entschädigung habe.
Ich darf auf eine Passage im Urteil des Landgerichts Berlin hinweisen, in der der Staatsanwaltschaft Berlin bescheinigt wird: „Der Abschluss des Strafverfahrens ist hier allerdings (…) von der Staatsanwaltschaft rechtsstaatswidrig derart verzögert worden…“
Dass sich seit neun Monaten nichts getan hat, können Sie nicht mit Arbeitsüberlastung oder dergleichen erklären, da die Kosteneinziehungsstelle der Justiz den von mir zu zahlenden Betrag im Verfahren wegen „verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlunng“ zügig und zeitnah angemahnt hat. ((560) 14Js 3225/08 Ns (81/09/)
Ich kann aus der Tatsache, dass rund neun Monate nach dem Urteil die Entschädigung noch immer nicht eingetroffen ist, nur schließen, dass Sie auch in diesem Fall wie gehabt zu verfahren gedenken – die Angelegenheit „rechststaatswidrig“ zu verzögern.
Falls die Entschädigung bis Ende August nicht eingetroffen ist, werde ich den betreffenden Richter informieren und alle Klagemöglichkeiten ausschöpfen.
Hochachtungsvoll
Burkhard Schröder
Stasi-Akten
Ich habe heute noch einmal bei der BStU einen Antrag auf erneute Einsicht in meine Stasi-Akten gestellt. 1993 hatte ich sie zum letzten Mal eingesehen; damals waren sie aber noch nicht vollständig.
„Das Objekt [B.S.] ist Bartträger, sauber, aber nicht modern gekleidet und macht den Eindruck, nicht besonders gesprächig zu sein.“
Har har. Die hatten mich vorsorglich auch unter der Abteilung „Internationaler Terrorismus“ gespeichert. Ein Mitarbeiter der BStU erklärte mir damals, dass das so üblich gewesen sei, wenn man aussergewöhnlich viele und exotische ausländischen Stempel im Reisepass gehabt hätte.
Ich bin gespannt, was sich jetzt dort findet. Ich vermute dort einen Namen, den ich ohne zu zögern auch hier posten würde…
Bei Ihnen wurde eine einstweilige Erschiessung angeordnet
Law blog: „Um eine Hausdurchsuchung zu rechtfertigen, ist manchem Gericht kein Argument zu blöd. (…) Die Durchsuchung beim Beschuldigten wurde auch angeordnet, um möglicherweise entlastende Beweise zu finden. (…) Wer schon mal eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen musste, die als solche ja schon eine private oder berufliche Existenz gefährden kann, wird den Zynismus in dieser Begründungskette noch am eigenen Leibe spüren.“
Das kann ich bestätigen.
Das Bundesverfassungsgericht hat dem einen Riegel vorgeschoben, aber das wird die unteren Chargen der Justizbehörden nicht daran hindern, weiter nach dem Prinzip „legal, illegal, scheißegal“ zu verfahren und das Verfahren selbst die Strafe sein zu lassen.
Ceterum censeo: Die Berliner Staatsanwaltschaft weigert sich immer noch, mir die vom Landgericht im Oktober letzten Jahres zugesprochene Entschädigung zukommen zu lassen.
Jörg-Olaf Schäfers ist tot (Update)
Ich habe ihn u.a. geschätzt als Mit-Initiator der Erklärung gegen die Einschränkung der Informationsfreiheit. Er wird uns fehlen.
Mein Lieblingszitat von Jörg-Olaf Schäfers:
„Andere fahren mit dem Bus oder lassen sich von älteren Frauen in Leder auspeitschen. Ich schaffe es meinen Hass durch das Lesen von Blogkommentaren zu kanalisieren.“ [gelesen im Nachruf von Stefan Niggemeier]
[Nachruf bei AK Vorrat][Interview bei netzpiloten.de][Nachruf bei netzpolitik.org]
Farewell My Friend
It was beautiful as long as it lasted
The journey of my life.
I have no regrets whatsoever
save the pain I’ll leave behind.
Those dear hearts who love and care…
And the strings pulling at the heart and soul…
The strong arms that held me up
When my own strength let me down.
At every turning of my life I came across good friends,
Friends who stood by me,
Even when the time raced me by.
Farewell, farewell my friends
I smile and bid you goodbye.
No, shed no tears for I need them not
All I need is your smile.
If you feel sad do think of me
for that’s what I’ll like when you live in the hearts
of those you love, remember then
you never die.
(Rabindranath Tagore)
Holzwickede: Waldesrauschen (3)
Ungeachtet der Weltläufte und was es dort zu berichten und zu bloggen sei, widme ich mich dem deutschen Wald, konkret dem Hixterwald aka Sölder Holz.
Der Deutsche an sich hat zum Wald an sich ein besonderes Verhältnis, die meisten Märchen und Mythen spielen dort. Das liegt vermutlich daran, dass Deutschland noch im Mittelalter größtenteils von Wald bedeckt war und alle Geächteten, Outsider, Räuber (bei Schiller auch „Libertiner“ genannt) oder auch nur arme Leute, die sich vor irgendeiner marodierenden Soldateska verstecken mussten, dorthin flohen oder schlicht dort zu überleben versuchten. Der verirrte Wanderer, der im nächtlichen Wald das Licht eines Hauses sieht, ist ein fester Bestandteil vieler Erzählungen. Der Eisenhans („der Wald als märchentypischerm Sitz des Magischen“) war immer mein Lieblingsmärchen, und nicht zufällig ist mein liebster Aufenthaltsort der deutsche Wald im Komparativ – der Dschungel.
Der Hixterwald liegt südwestlich von Holzwickede (das Foto ist von Norden aus aufgenommen worden – also hinten rechts.)
Mein Großvater ging mit mir oft zum Kellerkopfdenkmal also known as 130er Denkmal. Das liegt südwestlich vom Hixterwald. Da dieser früher aber viel ausgedehnter war, gehörte das kleine Waldstück sicher dazu.
Im Südwesten des Gemeindegebiets befindet sich das 130er Denkmal (auch Kellerkopfdenkmal). Am steilen Abhang des Kellerkopfes zum Ruhrtal hin wurde am 1. September 1929 das Regimentsdenkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des 1. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 130 (im Volksmund „130er“) eingeweiht.
Gebaut wurde diese Gedenkstätte nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Fritz Richter-Elsner von 1926 bis 1929 im Geiste der damaligen Zeit zu Ehren und zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten des Regiments, unter denen sich viele einheimische Soldaten befanden. Initiator und Stifter des Denkmals war der 130er Soldatenverein, gebildet aus den überlebenden Angehörigen des Regiments.
Der Kellerkopf war für lange Zeit Ausflugsziel und Naherholungsgebiet. Heute findet lediglich zu Pfingsten eine größere Anzahl an Menschen zum Kellerkopf, denn seit 1979 feiert der Förderverein zur Erhaltung und Pflege des Kellerkopfdenkmals jeden Pfingstsonntag dort ein Friedensfest.
Die einheimische Jugend hat ein ganz eigenes Verhältnis zu derartigen Denkmälern, was ich (als ehemaliger Kriegsdienstverweigerer) schmunzelnd zur Kenntnis nehme.
Übrigens: Der Ausblick in das Ruhrtal ist zwar atemberaubend schön, aber wohnen möchte ich auf dem Kellerkopf nicht, da die nahe Autobahn ständig zu hören ist.
Und nun zum Hixterwald und dazu, dass Wikipedia teilweise auf Agitprop hereinfällt. Der Wald war in der frühen Neuzeit das Kohlerevier der Gegend. Die Zeugnisse der Bergbaus findet man überall: „Pingen, Transportwege und Schachtreste der Zeche Schwarze Adler.“ Die Zeche im Wald wurde kurz vor der deutschen Revolution im 19. Jahrhundert geschlossen.
Guckst du aber hier, Holzwickeder:
Am Emscherquellhof entsprang während der Bergbautätigkeit die Emscher. Durch den Bergbau im Hixterwald versiegte die ursprünglich dort entspringende Emscher im 19. Jahrhundert und kam hier am Emscherquellhof wieder zu Tage. Heute entspringt die Emscher wieder im Hixterwald.
Quod erat demonstrandum. Die Emscher entspringt mitnichten „südöstlich von Dortmund bei Holzwickede (Kreis Unna) am Haarstrang auf etwa 147 m ü. NN in einem Quellteich“, sondern, wie man verschämt zugibt: „Genau genommen existieren mehrere kleinere Rinnsale, aus denen die Emscher entspringt, die in besagten Quellteich münden“. Die Emscher entspringt im Hixterwald (auf dem 2. Foto von unten ist sie klar zu sehen). Der so genannte Quellteich im Emscherhof ist nur Agitprop, mit der man Besucher dorthinlocken will, also eine Art Holzwickeder Disneyland, inklusive einer Aussichtsplattform auf einen Tümpel, den man uns als Emscherquelle verkaufen will.
Der Selbach im Osten des Hixterwalds (3. Bild von unten) fliesst übrigens nach Norden in die Emscher, die in Holzwickede einen Bogen nach Westen macht, aber die Ureinwohner von Sölde (meine Tante gehört dazu, die habe ich gestern gefragt), nennen den Selbach auch „Emscher“.
Die Emscher liegt östlich der Lichtung, die ich ganz unten fotografiert habe und auf der ich schon vor einem halben Jahrhundert mit meinem Opa gestanden habe, der Selbach westlich davon.
Der Glöckner von Notre Unna (3)
„Nichts ist stärker als die Zeit“, sagt der Glöckner von Unna, und er muss es wissen. Die Uhr der Stadtkirche wird von Hand aufgezogen, und man muss eine Kraft von 80 Kilogramm dabei in Gang setzen. Heute habe ich viel gelernt. Man kommt nicht so einfach auf den Turm, aber ich bin ja ein sturer Westfale und hartnäckig. Aus dem Mittelalter stammt übrigens das Privileg der Stadt, die Zeit öffentlich anzeigen zu dürfen. Anderen ist das eigentlich nicht erlaubt, nur kümmert das heute niemanden mehr.
Wenn man das Gewölbe von oben sieht und weiß, dass das Kirchenschiff zwölf Meter weiter drunten ist, kann einem mulmig werden. Überall wurden eiserne Anker geschlagen, weil der Turm früher nur rund ein Jahrhundert hielt, dann fiel er in sich zusammen oder wurde vom Winde verweht. Die Konstruktion der Bögen ist nicht so modern, wie es die Römer konstruiert hätten. Der Glöcker und ich waren uns einig, dass die Christianisierung im frühen Mittelalter die Leute hat zunächst verdummen lassen.
Im obersten Teil des Turm stehen zwei Baumstämme von mehr als 30 Metern Länge übereinander. Mir ist immer noch ein Rätsel, wie die das ohne Hubschrauber oder Kran in diese Höhe bekommen haben. Auf dem obigen Foto sieht man noch ein Läutewerk, das aber nicht mehr in Betrieb ist.
Da sich niemand – außer den Unnaern – für diese Fotos interessieren wird, brauche ich auch nicht zu erklären, was ich bei guter Fernsicht – bis rund 30 Kilometern – dort gesehen habe; sie werden es ohnehin erkennen. Auf dem leider etwas unscharfen Foto ist der Garten der ehemaligen Löwen-Apotheke zu sehen.
Morgen bin ich wieder in Holzwickede.
Unna: Dies und das (2)
Warum saßen die Leute nicht schon in den 60-er Jahren in Straßencafés? Man mache das einfach nicht. Zu Details fragen Sie den Völkerkundler ihres Vertrauens. Der Markt in Unna mit seinen drei Kneipen ist jedenfalls das Schmuckstück der Stadt und bei erträglicher Witterung (ja, das Wetter ist endlich schön!) ein Ort zum Entspannen, Sehen und Gesehen werden. Das zweite Bild hatte ich schon angekündigt – das ehemalige Hotel „Zum König von Preußen“, in dem Heinrich Heine logierte (das graue Gebäude in der Mitte).
Der runde Turm gehört zum Hellweg-Museum, das den Goldschatz beherbergt. (Agitprop: „Damit gehört das Hellweg-Museum im statistischen Vergleich zu der Spitzengruppe von 30% aller Museen in der Bundesrepublik, die über 5.000 Besucher pro Jahr aufweisen.“) Der Kirchturm ist Teil der Evangelischen Stadtkirche, dem ältesten Gebäude der Stadt. Sie „ist eine spätgotische Hallenkirche, die ab 1322 errichtet wurde. Der Grundstein des Chors datiert auf 1389, vollendet worden soll der Chor im Jahr 1396 sein. Der Turm wurde im 15. Jahrhundert erbaut“. (Dazu alsbald mehr.)
Das Café Prünte in der Bahnhofstraße war in den 60-er Jahren der Treffpunkt der Schüler der Gymnasien. Ganz aktuell kann ich die Stachelbeertorte empfehlen. Beim Kaffee sollte man aufpassen, dass keine Bienen, Wespen oder sonstige Insekten hineinfallen und ertrinken, weil sie im Sturzflug die Torte verfehlt haben (ich weiß, wovon ich rede – und man kriegt keinen neuen Kaffee gratis, weil das höhere Gewalt ist).
Das vorletzte Bild sagt natürlich niemandem etwas – außer mir. Ich hatte nicht gedacht, dass das Haus überhaupt noch vorhanden wäre. Es ist die Diakonie der evanglischen Kirche. Ich bin flugs ins Geschäftszimmer spaziert und habe den Damen erklärt, dass ich in ihrem Haus 1972/73 den Zivildienst geleistet hätte. Das ist jetzt schon etwas länger her. Nach einigem Nachdenken fiel ihnen der Name meines damaligen Vorgesetzen ein, dem Diakon Dieter Mau. Und schon bekam ich den heutigen Pensionär ans Telefon – er erinnerte sich sogar an mich. Ich war damals der zweite Zivildienstleistende in Unna überhaupt. Wir plauderten ein wenig über die alten Zeiten.
Da ist sie, die Marktcam Unna – sie versteckt sich im zweithässlichsten Haus am Markt, einem simplen Plattenbau, in den Räumen eines Heilpraktikers.
Holzwickede: Träumen vom Hilgenbaum und der Kornmuhme? (2)
Schön, dass ich ein Blog habe. Die Westfälische Rundschau bringt heute eine halbe Seite ihres Lokalteils Holzwickede über mich, und ich musste bei einigen Sätzen schon heftig schlucken.
Nein, ich träume nicht nur von Holzwickede, wenn ich im Ausland bin (wie es dort steht). Das wäre ja fürchterlich.
Ich hatte dem jungen Kollegen erzählt: Bei langen Auslandsreisen verblassten die Träume von Berlin allmählich, aber es dauerte immer Wochen, bis ich anfing, von der Gegenwart – zum Beispiel in Südamerika – zu träumen. Stattdessen machten meine Träume eine Art Zeitreise, immer weiter zurück in die Kindheit, als sei das Unterbewusstsein noch nicht in der Lage, das real Erlebte zu verarbeiten.
Ich habe auch nicht mit meiner Mutter im Wohnzimmer gesessen und auf den Weltuntergang gewartet, den die Neuapostolischen erwarteten. Aber ganz falsch ist das nicht: Johann Gottfried Bischoff, der Chef der Sekte, genannt „Stammapostel“, hatte Weihnachten 1951 verkündet, dass er der letzte „Stammapostel“ sei. Jesus werde zu seinen Lebzeiten wiederkommen. Das ist natürlich eine klassische millenaristische Botschaft, die den ideologischen Gehalt derjenigen „adventistischen“ religiösen Gruppen ausmachen, die sich so von den christlichen Mainstream-Kirchen absetzen.
Wikipedia: „In der Folgezeit wurde diese Botschaft innerhalb der NAK immer bedeutsamer. Unter anderem wurden Aufnahmen in die NAK, die so genannten Versiegelungen, sowie Berufungen in die neuapostolischen Ämter ab September 1954 von der Annahme der Botschaft abhängig gemacht. Zahlreiche Gemeindeglieder und höchste Amtsträger widersetzten sich dem und wurden daraufhin ausgeschlossen. Von der der NAK wurden sie fortan als ‚Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler‘ bezeichnet. Sie gründeten zum Teil neue Gemeinschaften wie die Vereinigung Apostolischer Gemeinden. Prominenteste deutsche ‚Opfer‘ waren am 23. Januar 1955 der designierte und ordinierte Nachfolger des Stammapostels, der rheinische Bezirksapostel Peter Kuhlen, sowie seine zwei Mitapostel Dehmel und Dunkmann.“ Natürlich starb der Herr irgendwann.
In diesem Milieu bin ich groß geworden, und das hat auch meine Kindheit geprägt. Natürlich wissen die heutigen Sekten-Mitglieder davon nichts, zu einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit ist die NAK nicht in der Lage, geschweige denn zu ihrer schrecklichen Rolle im Nationalsozialismus.
Und nun zu uns, Hilgenbaum: „Östlich des alten Ortskernes stand früher eine uralte Eiche, die ihren Namen dadurch bekam, dass dort Nachrichtenzettel (Hilgen) angebracht wurden. Andere Quellen deuten den Namen als heiligen (=hilgen) Baum. Nachdem der historische alte Baum einem Feuer zum Opfer fiel, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts an (fast) gleicher Stelle ein neuer Baum gepflanzt. Er befindet sich auf der SO-Seite der Kreuzung Massener Straße/Goethestraße, während der erste Hilgenbaum den Unterlagen nach ‚auf der Kreuzung‘ stand.“
Nein, meine Großeltern hatten keinen Hof in Hengsen-Opherdicke, wie der Hellweger Anzeiger schreibt, sondern wohnten ganz normal in der Hengser Straße (wie ich gestern schon schrieb). Wenn mein Opa mit mir in den Hixterwald ging und wir an den Kornfeldern vorbewanderte, erzählte er mir von der „Kornmuhme„. Das sei eine alte Frau, die es besonders auf kleine Jungen abgesehen hatte, die in die Felder rennen wollten, um das Korn zu zertreten. Ich war damals ziemlich beeindruckt. („Häufig als altes, grauenerregend anzusehendes Weib, seltener in Mann- oder Tiergestalt streichen sie durch Getreidefelder und können unter Umständen dem Menschen gefährlich werden.“)
Die Emscherquelle im Hixterwald habe ich gestern nicht gefunden, obwohl ich als Kind an ihr gespielt habe. Vielleicht ist sie auch verschwunden: „Der Hixterwald beherbergt die historische, ursprüngliche Quelle der Emscher. (…) Besondere Bedeutung hat der Hixterwald als frühes Kohlerevier. Überall sind noch Zeugnisse des primitiven Bergbaus im 18. und 19. Jahrhundert zu erkennen. Im Wald finden sich Pingen, Transportwege und Schachtreste der Zeche Schwarze Adler.“ (Liebe Westfälische Rundschau, Hixterwald schreibt man in einem Wort!)
Update: Ursprünglich stand hier Hellweger Anzeiger. Der Kollege hat mein Blog gelesen und mich um Korrektur gebeten. Jetzt sitze ich in einem Internet-Cafe in Unna und verstelle denen erst einmal alle Browser-Optionen…
Holzwickede
Das sind mein Vater und seine Schwester (meine Tante) ungefähr hier in Holzwickede (fotografiert in Richtung Südosten). Wann genau das Foto gemacht worden ist, weiß ich nicht, jedenfalls zwischen 1945 und 1952.
Ich werde jetzt eine Woche in Unna und Holzwickede sein und meine Kindheit erwandern. Mehr in den nächsten Tagen auf burks.de oder hier oder hier. (Ja, ich habe dort Internet!)
Klein Burks in Holzwickede
Das bin ich im Jahr 1955 ungefähr hier.
Klein Burks revisited
Das bin ich im Jahr 1954.
Klein Burks revisited
Das bin ich im Frühling 1954.
Kaufrausch revisited
Das habe ich mir beim Chinesen meines Vertrauens in der Neuköllner Karl-Marx-Strasse auch gekauft, echt Ming-Dynastie, das Stück für 30000 Dollar.
Supreme Commander im Starpoint Gemini

Heute habe ich mich entschlossen, den jährlichen Scheck der VG Wort sinnlos zu verprassen und war deshalb im Eletronikfachhandel meines Vertrauens… Starpoint Gemini erinnert mich an Privateer, das ich in den 90-ern unendlich viele Male gespielt habe (auf einem 486er!). Supreme Commander ist zwar älter, aber war für zehn Euronen zu haben.



























































