Unter Hassrednern, revisited

Unter Anlegern

Das wird die Grünen begeistern!
Unter Experten

Unter Brücken [Update] [2. Update]

Oben: der russische Telegram-Kanal Intel Slava Z, unten der Tagesspiegel.
[Update] Das ehemalige Nachrichtenmagazin rudert schon zurück: „Anmerkung: In einer früheren Version dieses Videos hieß es, die Brücke in Irpin sei durch russischen Raketenbeschuss zerstört worden. Tatsächlich hat das ukrainische Militär die Brücke gesprengt, um die russischen Truppen aufzuhalten.“
[2. Update Für den Tagesspiegel ist die Brücke jetzt in Irpin.
Suspicious Traffic
Putin ist schuld. Natürlich indirekt, denn wenn der freie Westen mich zensieren will, weil die russische Propaganda angeblich weltanschaulich verunsichern könnte, dann erzeugt das in mir Trotz. Das wäre doch gelacht, wenn mir jemand Teile des Internet vorenthalten will? (Das hatten wir schon alles vor zehn Jahren.)
Das war aber gar nicht so einfach. Ich versuchte, die üblichen russischen Medien zu erreichen – mit Chromium (Linux Mint), mit Chromium (Linux Ubuntu), mit dem Tor-Browser für Linux und Windows – bei letzterem kam obige Meldung, und dann ging es nie weiter. So etwas halte ich nicht aus. Ich begann also herumzufummeln.
Wie das wohlwollende Publikum hier schon vorschlug, änderte ich im Terminal die resolv.conf und trug dort einen unzensierten DNS-Server ein. Funktionierte aber nicht. Irgendwo las ich, dass die neuen Ubuntu-Versionen die Datei immer wieder überschreiben. Bei Mint ging es aber auch nicht. Also was anderes.
Wieso komme ich mit Tor nicht überall hin? Das ist mir noch nie passiert? Oder war das nur temporär, weil Verbote neugierig machen und alle Welt jetzt RIA Novosti sehen wollte?
Also mal auf dem Windows-Rechner JonDo installieren. Aber das Projekt wurde eingestellt – habe ich gar nicht mitbekommen. Suchen, suchen. JonDoNYM kann man noch installieren.
Vage erinnerte ich mich daran, wie man das konfiguiert – man stößt zum Teil auf uralte Websites, und viele Links führen zu error 404. Preferences. Proxies. Ah ja. (Mit fünf verschiedenen Browsern – vielleicht sollte ich doch ein Handbuch schreiben.)
Damit funktionierte eigentlich alles. Man muss offenbar nach dem System trial and error vorgehen. Die Chinesen hätten vermutlich intelligenter zensiert. Sputnik News sah ziemlich zerschossen aus, als wenn der Server unter schwerem DDOS-Feuer läge.
Dank des Hinweise des geschätzten Publikums habe ich mir dann noch auf allen Rechnern und Betriebssystem Opera installiert. Hätte ich gleich drauf kommen sollen. Eingebautes VPN – muss man aber erst einmal suchen und finden und aktivieren.
Habe ich etwas vergessen?
Nicht verfügbar
„Alexa, spiele ukrainische russische Musik!“
„Tut mir leid, diese Musik ist leider in deinem Land nicht verfügbar.“
Free Speech Absolutist
Hätte nicht gedacht, dass ich mit dem Mann, der gelbe Betriebsräte inthronisiert, mal etwas gemeinsam haben könnte.
Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit

Was ist, wenn?
Die Ukraine ist größer als Deutschland und Großbritannien zusammen. So einfach wird das nicht mit dem Besetzen, Putin! Es gibt natürlich schon Spekulationen, wie das alles enden könnte. Meine Prognose: Russland hat es nicht nötig, sich selbst den Donbass einzusacken. Die werden irgendwann darum bitten.
Die Restukraine wird ein Vasallenstaat wie Weißrussland werden, weil die Mittelschicht jetzt ohnehin flüchtet und damit die städtische Opposition sich selbst ausschaltet. Langfristig kann das trotzdem ein Problem werden. Wenn ich Putin wäre, ich würde den Westen der Ukraine den Polen anbieten. Und den nördlichen Teil Belarus.
Fefe hat übrigens eine schöne Linksammlung „westlicher“ Qualitätsmedien über ukrainische Faschisten und wie die dort ungehindert ihr Unwesen treiben konnten. Und dann stellt sich natürlich irgendwann die theoretische Frage: Was ist, wenn Putin recht hatte? Das legitimiert natürlich keinen Einmarsch, aber warum hat er sich nicht mit den beiden so genannten Volksrepubliken begnügt?
Ich habe eben mit einem Freund telefoniert, der oft in Russland war und dort auch die richtigen Leute kennt. Der sagt, selbst die Kapitalisten Russlands seien überrascht worden. Den Krieg hat Putin offenbar im allerkleinsten Kreis ausgeheckt.
„Ich halte Putin für einen sehr rationalen Akteur und keinen Selbstmordattentäter.“ (Carlo Masala, Bundeswehr-Universität München)
Also muss ich mal herumraunen: Was ist, wenn Putin gewönne? Vermutlich haben das auch die Gegner des Alten Fritzen nicht erwogen. Den größten Unterhaltungswert hätte es natürlich, wenn zusätzlich noch Trump die nächsten Wahlen in den USA gewinnen würde.
Unter Durchschnittsmännern

Einige Herren, die sich Katalogfrauen kaufen (wieso muss ich jetzt an Mai Ling denken?), werden jetzt froh sein, dass sie nicht mehr so weit reisen müssen. Hier etwas über das Angebot:
– Unter Frauen gibt es in der Ukraine eine Art Kultur oder Kunst wie man sich als Frau für den Mann attraktiv macht. Auch wird das Flirten in der ukrainischen Gesellschaft generell positiv gesehen, wenn man die Verhaltensregeln kennt.
– In ukrainischen Städten wird eine übergewichtige Frau (besonders wenn sie im gebärfähigen Alter ist) mächtiges Stirnrunzeln hervorrufen. Sich nicht um sein Aussehen zu kümmern, eine graue Maus oder ein Mauerblümchen zu sein ist in der Ukraine absolut verpönt (dies gilt leider nicht für ukrainische Männer).
– Viele ukrainische Frauen müssen im Alltag viel laufen und deshalb ist es schon rein biologisch unwahrscheinlicher, viel Fett anzusetzen. Auch ist ungesundes Essen, industriell hergestellte Nahrung und Fast-Food noch nicht so verbreitet wie im Westen.
– Spontanität, Emotionalität und eine unbeschwerte und humorvolle Haltung wird in der urbanen ukrainischen und russischen Kultur sehr geschätzt. Für Frauen gibt es wenig Einschränkungen, die im Westen meistens auf Prüderie, moralische Verbote oder die Unfähigkeit, Dinge leicht zu nehmen, beruhen.
– In der Ukraine gibt es keine Unklarheiten über die Geschlechterrolle und auch keine Paranoia über sexuelle Belästigungen. Sich als Frau sexy und offen zu geben wird positiv gesehen.
– Ukrainische Frauen legen wahrscheinlich weniger Wert auf eine berufliche Karriere und haben auch nicht ständig das Gefühl, sich unabhängig vom Mann geben zu müssen. Im Durchschnitt fühlen sich diese Frauen in ihrer weiblichen Rolle bedeutend wohler und fühlen sich nicht dazu gedrängt, mit Männern erfolgreich konkurrieren zu müssen.
Für den Durchschnittsmann sind diese Züge sehr attraktiv und wünschenswert.
Da wird es jetzt aber einige Bankrotte geben…
Eine Zensur findet nicht statt [Update]
Kann mir das jemand erklären? Wieso komme ich nur noch mit Tor auf sputniknews.com?
[Update] Mit freien DNS-Servern komme ich wieder überall hin.
Unter Beschuss [Update] [2. Update]

Die Russen haben die Hetman Sahaidatschnyj versenkt, das Flagschiff Flaggschiff der ukrainischen Marine.
Ich bin kein Militarologe Militärexperte (ich kenne nur Mao-Zitate über den Guerillakrieg), aber so langsam wird mir klar, wie das geplant ist. Die greifen sich erst den Süden. Die Luftwaffe fliegt schon Angriffe südlich von Odessa. Bodenangriffe waren in Enerhodar, das heute eingenommen wurde. Die Truppen aus dem Süden bewegen sich also nordöstlich in Richtung Saporischschja und Dnipropetrowsk, am Djnepr entlang, um den gesamten Ostteil der Ukraine abzuschneiden.
Im Norden wird Kiew mehr und mehr eingekesselt. Luftangriffe gab es auf Shitomir westlich von Kiew. [Übrigens stammen meine Vorfahren mütterlicherseits aus der Region. Meine Ururgroßeltern wohnten in Roschyschtsche bei Ludz nicht weit von der polnischen Grenze. Eine meiner Urgroßmütter ist in Odessa gestorben.]
Dort verlaufen die Verbindungswege für den ukrainischen Nachschub vom Westen. Wenn die erst einmal gesperrt sind, wird sich Kiew nicht mehr lange halten können, ohne eine humanitäre Katastrophe in Kauf zu nehmen. Militärisch sinnvoll war es, nicht vom Norden her zu versuchen, die Hauptstadt zu erobern, solange noch vom Westen und Süden Nachschub kam. Daher wundert mich nicht, dass der viel zitierte russische Konvoi mit rund 60 Kilometern Länge nicht „weiterkommt“. Vermutlich ist das ein Feature der Planung und kein Bug.
[Update} Schrieb ich Saporischschja ?
[2. Update] Ich bin nicht allein mit dieser Analyse. Oder die haben von mir abgeschrieben.
Fulfilled in any case
„Intel slava is a Russian News aggregator who covers Conflicts/Geopolitics and urgent news from around the world.“ Jaja.
Zum Ausgleich kann man sich einen ukrainischen Bauern ansehen, der einen russischen Panzer klaut.
Glaubwürdigkeitsproblem
Deniz Yücel auf welt.de: „Guantánamo, Abu Ghraib, Julian Assange… Die Liste der katastrophalen Verfehlungen ist lang, mit denen sich der Westen leider nicht zu Unrecht den Ruf der Scheinheiligkeit und Doppelmoral eingehandelt hat – ein Image, das erheblich dazu beigetragen hat, dass das westliche Modell in weiten Teilen Osteuropas, im Nahen und im Fernen Osten und anderen Teilen der Erde vieles von der Ausstrahlungskraft eingebüßt hat… (…) Wer „Russia Today“ und „Sputnik“ verbietet, wird künftig ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen, die Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit in, zum Beispiel, Russland zu kritisieren. „
Cuevas De Los Portales, revisited
Hier noch garantiert das letzte Höhlengleichnis Bild zum Thema – man möchte sich manchmal angesichts des um sich greifenden Irrsinns in einer solchen verstecken. Fotografiert 1981 in Mexiko, nördlich von Cuauhtémoc, im Gebiet der Tarahumara (vgl. Die Raramuri (Tarahumara), Mennoniten und der Chepe). In den Bergen findet man zahlreiche Höhlen, die vermutlich schon seit Jahrtausenden von Menschen benutzt wurden. Diese werden Cuevas De Los Portales genannt.
Das antropomorphe Böse

Essen für den Frieden (Symbolbild)
– Das Böse ist wieder anthropomorph. Das ist gut für die öffentlich gepredigte Moral und im Sinne der Pfaffen. Was haben wir denn noch heute so…
– Eine einsame Stimme wagt es, in der Berliner Zeitung etwas einzuwenden: „Putin hat einen durch nichts zu rechtfertigenden, barbarischen Krieg begonnen, aber es wäre vielleicht nicht dazu gekommen, wenn der Westen sich anders verhalten hätte.“
– Die geschätzte Leserschaft machte hier auf einen Artikel David Stockmans aufmerksam: „The Land Where History Died“ – lesenswert! „The effect was to send Kiev on a path toward massive economic and military aid from the US/EU and NATO membership that was bound to produce the adverse Russian reaction that Ambassador George Kennan had warned about two decades earlier.“
– Im New Yorker analysiert der Friedensnobeltreisträger Dmitry Muratov, der Herausgeber der Novaya Gazeta: „I think the plan is to divide Ukraine. With the Western part of the country, whose center is Lviv, the thinking is, Let them live as they want. Central Ukraine, with the center in Kyiv, will have the government that Putin requires, one that is oriented toward Moscow and not the West. And, as for the east, the whole Donbas will be accepted into Russia. Around eight hundred thousand people there were just given Russian passports.“
Das wird durch die hiesigen Qualitätsboulevardmedien bestätigt: „Putin will treuen Ex-Präsidenten wieder installieren. Wiktor Janukowitsch bereitet sich angeblich schon auf seine neue Präsidentschaft vor.“ (wie macht man das? Liegestütze? Kniebeugen?)

Zum Glück stoppt der Krieg auch den Klimawandel.
– Deutsche dürfen wieder gegen Russland in den Krieg ziehen. Um das Gleichgewicht des Universums zu erhalten: Sie dürfen auch auf russischer Seite kämpfen. (Ein Dutzend „Entfreudungen“ auf Fratzenbuch wegen dieses Satzes.)
– Fabian Lehr schreibt auf Fratzenbuch: Nein, die Ukraine ist kein faschistischer Staat, der durch die russische Armee „entnazifiziert“ werden müsste wie NS-Deutschland durch die Rote Armee. Und nein, Putin ist nicht der neue Hitler und sein Russland ebensowenig ein faschistischer Staat. Beide Staaten vertreten aber eine rechte, chauvinistische Staatsideologie und beide unterstützen direkt oder indirekt offen neonazistische Organisationen. (…)
Die gesellschaftliche und politische Stellung des militanten Neonazismus ist in der Ukraine aber zweifellos stärker als in Russland. Der krasseste Ausdruck davon ist das vielbesprochene Asow-Bataillon. Das Asow-Bataillon ist eine neonazistische Miliz, in der auch ausländische Neonazi-Kader aus dem Westen dienen und die als offizielle Bataillonsflagge das Emblem der Waffen-SS-Division „Das Reich“ führt. Im Gegensatz zur „Gruppe Wagner“ ist das Asow-Bataillon aber keine nur inoffiziell geförderte Söldnereinheit – sondern als offizieller, regulärer Teil der ukrainischen Armee in die Streitkräfte des ukrainischen Staates integriert. Aktuell bildet diese Naziformation den Kern der ukrainischen Garnison im umkämpften Mariupol. Das russische Narrativ, gegen ukrainische Faschisten zu kämpfen, ist in Mariupol die Wahrheit.
– Eilfalschmeldung: Gerhard Schröder pilgert zur Burgruine von Canossa! #purifikationsrituale
Dabei sein ist alles

Theodor W. Adorno, Brief an Thomas Mann, 01.08.1950
Unter Stalinorglern

Liebe Qualitätsboulevardmedien, die Schlagzeile muss lauten: „Fieser Kreml-Tyrann Putin fährt hämisch grinsend teuflische Stalinhöllenwaffe auf“.
Russische Musik wird verboten. Piroscki und Huso huso dürfen ab sofort nicht mehr verzehrt werden. (Was ist mit Wodka?)
Wir müssen zusammenstehen. Entschlossen sein. Das Böse muss gemeinsam bekämpft werden. Niemand darf abseits stehen. Das Gezänk muss aufhören. Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Putin-Gegner!
Die Wurzel allen Kriegsdenkens und interessante Renditeperlen
Die Wurzel allen Kriegsdenkens ist der Grundgedanke, sich selbst zu erhalten und den Feind zu vernichten. Alle technischen, taktischen und strategischen Lehrsätze sind nur Anwendungen dieses Grundaxioms. (Mao Zedong)
Was könnte eigentlich bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine herauskommen? Die russische Position ist klar: Wir haben nicht angefangen. Wenn aber das Kriegsziel „Demilitarisierung“ scheitert, ist auch Putin gescheitert. Wenn es der russischen Militärmacht nicht gelänge, die relevanten Teile der Ukraine zu erobern, stünde sie ziemlich idiotisch und lächerlich da. Wie die Redensart schon richtig sagt: Man sollte keinen Krieg anfangen, den man nicht auch gewinnen will. Das war immer mein Motto in der Notaufnahme, wenn jemand Stress machte und ich eingreifen musste.
Politik ist unblutiger Krieg, und Krieg ist blutige Politik. (Mao Zedong)
Ich kann nicht einschätzen, ob der Einmarsch der Russen ins Stocken geraten ist, wie in den Medien kolportiert wird. Die Experten behaupten, es habe noch gar nicht richtig angefangen. Das ist für die Russen natürlich ein Dilemma: Natürlich könnten sie ihre „Gegner“ einfach wegnuken, und wenn der Ruf erst ruiniert ist… Aber das geht bekanntlich nicht, zumal sie auch noch eine Art Kabinettskrieg führen wollen wie der Alte Fritz und seine Zeitgenossen, bei dem die Zivilbevölkerung verschont werden soll. Andererseits wird es auch keinen Guerillakrieg wie in Vietnam geben, weil sich für die kleinen Leute unter russischer Besatzung nicht viel ändern würde. Ob sie sich dafür werben lassen würde, für ihre korrupten Oligarchen den Kopf zu riskieren? Eher nicht. Vermutlich würde der Genosse Mao den Taktikern und Strategen der russischen Armee den Vogel zeigen.
Ich vermute, dass Putin die Sache jetzt durchzieht. Auch wenn der „Westen“ Kriegsgerät liefert, wird das eh zu spät kommen. Der Angriffskrieg der Wehrmacht gegen Frankreich dauerte auch rund sechs Wochen. Den Russen würde es vermutlich reichen, Kiew, Charkiv, Odessa und Mariupol zu besetzen und eine Landbrücke nach Transnistrien zu haben. Andererseits ist das genau das Gegenteil von dem, was ein Guerillaführer tun würde. Ein Straßenkampf in einer Großstadt ohne erhebliche Kollateralschäden an der Bevölkerung ist nicht denkbar.
Im Übrigen bin ich für die allgemeine Wehrpflicht für Männer und Frauen.
Man kann den Krieg nur durch den Krieg abschaffen; wer das Gewehr nicht will, der muss zum Gewehr greifen. (Mao Zedong)
„Man darf keinen Mut brauchen, um frei zu sprechen“
„Niemand ist mehr sicher, auch dann nicht, wenn zahlreiche Blechorden in Form von Journalistenpreisen an der Brust baumeln. Das ist eine klare Botschaft an junge Journalisten, niemals einen Satz zu schreiben, mit dem nicht schon mindestens zehn Kollegen durchgekommen sind, ohne unliebsam aufzufallen.“ Ein großartiger Satz. lieber Kollege Martenstein, Und meine allergrößte Hochachtung.
Mein obiger Kommentar wurde von der „Welt“, obwohl ich Abonnent bin, nicht veröffentlicht. Vielleicht wollen die nur, dass niemand versehentlich nach meiner Website googelt und dann nackte Avatarinnen Avatare sieht?
Nein, ich stimme mit Martenstein nicht überein. Was soll denn „totalitär“ heißen? Den gefühlten Druck aus Wokistan kann man aushalten, zumal die Shitstormer in ihrer eigenen Blase bleiben. Wer aber denkt, die „Welt“ etwa sei liberaler als der „Tagesspiegel“, sollte dort kurz die Rubriken „Wirtschaft“ und „Geschichte“ streifen: Was einem da für ein hanebüchener Unsinn entgegenquillt, geht auf keine Kuhhaut.
Ich habe die „Welt“ abonniert, weil ich gern die Nachrichten genderdoppelpunktfrei lese. Eine Meinung habe ich schon, da ist es egal, wo ich mir den Rest abhole.
„Es ging mir darum, dass man im Dialog mit anderen nicht sofort den größtmöglichen Vorwurf auffahren sollte, auch im Dialog mit solchen Impfgegnern. Ich kann jeden verstehen, der es anders sieht. Manche sehen es ähnlich, etwa Ralph Levin, der dem Schweizer Pendant zum deutschen Zentralrat der Juden vorsteht und über Demonstranten mit Judenstern gesagt hat, sie seien „vor allem dumm“, aber „nicht per se antisemitisch“. Auch er kann sich irren. (…)
Meinungsfreiheit ist nicht der historische Normalfall, sie ist eine kostbare Ausnahme. Man muss Tag für Tag um sie kämpfen, sonst ist sie schnell weg, und das ist nicht gut für die Gesundheit. (…)
Martenstein unterliegt der Illusion aller klassischen Liberalen, die bürgerliche Presse garantiere Meinungsfreiheit. Sie tut das nur so lange, wie das System, auf dem sie fußt, nicht gefährdet wird. Das ist sehr dünnes Eis, auf dem man sich bewegt, appellierte an den Anspruch, die Medien bildeten alle Meinungen ab, womöglich auch noch „objektiv“. Das war noch nie so.
Interessant in Martensteins Artikel ist aber vor allem, dass – wenn es stimmt – der „Tagesspiegel“ glatt gelogen hat, wenn man dort behauptete, das normale Procedere eingehalten zu haben, wenn es Beschwerden gegen einen Artikel gibt – etwas, den Autor zunächst zu fragen, was er dazu zu sagen habe:
Nach der Veröffentlichung passierte tagelang gar nichts, niemand vom „Tagesspiegel“ meldete sich.(…) Ich bekam keinen einzigen Leserbrief zu dieser Kolumne. Briefe oder sonstige Stellungnahmen zu meinen Texten werden natürlich immer an mich weitergeleitet, damit ich reagieren kann. Ich war also arglos.
Acht Tage nach Erscheinen der Kolumne gab es ein Telefonat: …es dauerte nur wenige Minuten. Ich kann daraus nur sinngemäß zitieren, mitschreiben konnte ich nicht. Die Leserschaft der Zeitung sei empört über mich, gerade auch Leser, die meine Texte bisher mochten. Auch die Kollegen seien empört über mich, einschließlich derer, die bis jetzt immer noch zu mir gehalten hätten. Er nannte den Namen einer Person, mit der ich seit Jahrzehnten befreundet bin. Sie hätten Experten befragt, mein Text verharmlose Antisemitismus. Auf die Frage, wer das gewesen sei, nannte er zwei Namen, den einen habe ich vergessen, der andere war der Historiker Michael Wolffsohn, der diese Diagnose aber gegenüber WELT inzwischen bestritten hat. Das also war die Botschaft: Du stehst allein. Niemand hält zu dir. Du hast jeden Kredit verspielt.
…man habe „selbstverständlich auch mit dem Autor gesprochen“. Das war mir neu. In der Erklärung wurden „Standards dieser Redaktion“ vorgetragen, zum Teil Grundlagen jedweden Journalismus’, die ich, dieser Schluss musste sich für die Leser aufdrängen, offenbar allesamt verletzt hatte. Durch was und wie genau, ging aus dem Text nicht hervor. Es war eine Art Vernichtungsversuch, was meine berufliche Reputation angeht.
So hätte ich das auch empfunden. Jetzt muss ich kurz nachsehen: 2014 brachte der „Tagesspiegel“ die Schlagzeile „Muslime sind die neuen Juden“, eine These, die der Chefredaktion offenbar bis heute plausibel vorkommt, der Text steht noch im Netz. Dafür, dass der deutsche Staat einen Massenmord an Muslimen plant, würde man doch gern den einen oder anderen Beleg sehen.
Da drängt sich etwas auf: Genderdoppelpunkte, „Muslime sind die neuen Juden“ und Zensur – da wächst zusammen, was eh schon immer zusammengehörte.
































