So isser halt, der Kapitalismus

„Zwar ist die Spaltung zwischen britischer Oberschicht und Arbeiterklasse seit jeher groß. Allein das wohlhabendste Zehntel der Briten verfügt laut der britischen Statistikbehörde über 44 Prozent des bekannten Vermögens, die untere Hälfte besitzt zusammen 13 Prozent.

Doch diese Verteilung ist in Deutschland noch viel extremer: Hier verfügt das oberste Zehntel laut Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sogar über rund 61 Prozent, die untere Hälfte kommt auf gerade einmal 1,6 Prozent. Dennoch blieb Deutschland von ähnlich extremen Ausschreitungen wie Großbritannien bislang verschont.“ (Quelle)

Noch. Die Deutschen halten das für normal. Deutsch bleibt eben Deutsch, da helfen keine Pillen.

Klare Gedanken

„Klarheit der Sprache ist die Frucht klaren Denkens; ein klarer Gedanke bedingt mit Notwendigkeit eine klare Form.“ (Wilhelm Liebknecht)

Jörg-Olaf Schäfers ist tot (Update)

Ich habe ihn u.a. geschätzt als Mit-Initiator der Erklärung gegen die Einschränkung der Informationsfreiheit. Er wird uns fehlen.

Mein Lieblingszitat von Jörg-Olaf Schäfers:
„Andere fahren mit dem Bus oder lassen sich von älteren Frauen in Leder auspeitschen. Ich schaffe es meinen Hass durch das Lesen von Blogkommentaren zu kanalisieren.“ [gelesen im Nachruf von Stefan Niggemeier]

[Nachruf bei AK Vorrat][Interview bei netzpiloten.de][Nachruf bei netzpolitik.org]

Farewell My Friend
It was beautiful as long as it lasted
The journey of my life.
I have no regrets whatsoever
save the pain I’ll leave behind.
Those dear hearts who love and care…
And the strings pulling at the heart and soul…
The strong arms that held me up
When my own strength let me down.
At every turning of my life I came across good friends,
Friends who stood by me,
Even when the time raced me by.
Farewell, farewell my friends
I smile and bid you goodbye.
No, shed no tears for I need them not
All I need is your smile.
If you feel sad do think of me
for that’s what I’ll like when you live in the hearts
of those you love, remember then
you never die.

(Rabindranath Tagore)

Solcherlei Substitut

„Es muß nicht immer der Geschlechtstrieb sein, hinter dessen Skandalisierung die wahren Untaten der Akteure verschwinden. Zur Not tut es auch der Mißbrauch des Dienstwagens oder eine abgeschriebene Doktorarbeit. Solcherlei Substitut für Kritik und Widerstand soll aus dem Bewußtsein halten, daß eine Regierung, changiere sie in Schwarz, Rot, Grün, Gelb oder Braun, immer der regierende Ausschuß der herrschenden Klasse ist. Um ihrer und ihrer Klienten ‚Glaubwürdigkeit‘ willen muß der Aberglaube an die persönliche Verantwortung des politischen Personals verbreitet werden. (…) Die Männer, die Geschichte machen, sind Hampelmänner (unter ihnen in neuerer Zeit auch immer mehr Hampelfrauen), Handlanger des höheren Interesses, genannt Sachzwang. Griechenland ersäuft in Schulen ja nicht wegen der Faulheit seiner Bewohner und der Bequemlichkeit seiner Amtsträger, sondern weil deutsche und französische Unternehmen, Banken und, in deren Auftrag, Politiker sich mit von Anfang an faulen Krediten den dortigen Markt für deutsche Exporte erobert haben.“ (Hermann L. Gremliza in konkret 8/2011)

Anonymous & Lulz Security Statement

Anonymous & Lulz Security Statement:

(…) Now let us be clear here, Mr. Chabinsky, while we understand that you and your colleagues may find breaking into websites unacceptable, let us tell you what WE find unacceptable:

* Governments lying to their citizens and inducing fear and terror to keep them in control by dismantling their freedom piece by piece.

* Corporations aiding and conspiring with said governments while taking advantage at the same time by collecting billions of funds for federal contracts we all know they can’t fulfil.

* Lobby conglomerates who only follow their agenda to push the profits higher, while at the same time being deeply involved in governments around the world with the only goal to infiltrate and corrupt them enough so the status quo will never change. (…)

Woran mich das erinnert? An meine Sci-Fi-Geschichte „Das Einstein-Bose-Kondensat“ aka „Cypherguerilla“ aus dem Jahr 1996! Da war ich doch wirklich prophetisch!

Arsch

Der Westen (WAZ): „Ja, er habe Thilo Sarrazin bei einer Kundgebung im Oktober letzten Jahres als ‚Arsch‘ bezeichnet, so gab Helmut Manz, Landessprecher der NRW-Linken, gestern im Landgericht bei seinem Prozess wegen Beleidigung zu. ‚Das ist mir so herausgerutscht, und das tut mir auch leid. Man sollte ihn nicht als Arsch verharmlosen.“

Aliens

Heute habe ich keine Lust zum Bloggen. Übrigens hat Joschka Fischer offenbar einen neuen Hund, oder er führt den von Freunden aus. Habe ich grad selbst in der Brahmsstraße im Grunewald gesehen. Da fällt mir ein Zitat ein (wie komme ich nur darauf?): „Fast jeder, der bei der Post arbeitet, ist ein Alien.“ (Men in Black II)

Paranoia Neustart

„Paranoia, hatte ihm seine Therapeutin gesagt, entstand aus einem Übermaß an Informationen.“ (William Gibson: Neustart, Stuttgart 2010).

Lese ich gerade, überzeugt mich aber nicht.

Schreiben und Anziehen

„Wenn manche Autoren sich sich so nachlässig anzögen wie sie schreiben, würden sie wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet.“ (Mary Douglas: „Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Sozialanthropologische Studien in Industriegesellschaft und Stammeskultur“. Frankfurt am Main 1974, S. 108)

Leitwolf im Schafspelz

„Denn Netzjournalismus, sofern er aus wirtschaftlichen Gründen und mit Blick auf Breitestwirkung betrieben wird, ist nicht irgendein Abfallprodukt für die Generation Smartphone, für das ihn der soignierte Qualitätszeitungsleser immer noch halten mag: Er ist, ganz im Gegenteil, Destillat, die Essenz von Journalismus als Geschäft, dessen Prinzip Hermann L. Gremliza vor dreißig Jahren so beschrieben hat: ‚Der Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten zwingt die privatwirtschaftlichen Medien, alles zu unterlassen, was die Instinkte und Vorurteile der Leser, Hörer und Seher stören könnte. Ja, um gar kein Risiko zu laufen, müssen sie immer noch ein Stück tiefer ansetzen. Axel Springer sieht das schon ganz richtig: Wer in diesem Busineß Erfolg haben will, darf nicht belehren, aufklären, fragen – er muß unterhalten, bestätigen, verdummen.'“ (Stefan Gärtner in der Titanic)

Neukölln und die kackbraunen Kameraden

„Neukölln ist ein gefährliches Pflaster für rechtsextreme Politiker.“ (Quelle)

Cyberdings

„Die Dramatik des ‚Cyber-War‘ beruht keineswegs darauf, daß wir nun von so vielen bösen Chinesen und Russen angegriffen werden. Sie beruht darauf, daß wir selbst etwa 20 Jahre lang in Ignoranz und Dummheit einen so großen Haufen schlechter IT-Technik aufgetürmt haben, der so voller Sicherheitslöcher ist, daß wir sie nicht mehr in den Griff bekommen – die schiere Quantität, aber auch das Fehlen einer eigenen Industrie in diesem Bereich machen das unmöglich. (…) Daß aber der Cyber-War und unsere Verletzlichkeit tatsächlich nur die Folge von über 20 Jahre politischer und wissenschaftlicher Ignoranz ist, und unser Sicherheitsproblem der in dieser Zeit als Infrastruktur aufgehäufte unsichere Mist, also nicht die bösen Hacker, sondern unser Management und unsere Politik die Täter sind, wird verschwiegen. Die Unsicherheit, die Verletzlichkeit im Cyber-War ist nicht systemimmanent. Sie ist eine spezifische Eigenschaft des IT-Mistes, aus dem wir in den letzten 20 Jahren unsere Infrastruktur kritiklos gebaut haben.“ (Hadmut Danisch, via Hal)

Parteienmafia und Bananenrepublik, reloaded

Spiegel online: „Das Verfassungsgericht hat ein neues Bundestagswahlrecht gefordert – doch Schwarz-Gelb hat die Reform vertrödelt. Eine fristgerechte Einigung ist jetzt nicht mehr möglich, Deutschland steht bald ohne verfassungsfesten Abstimmungsmodus da.“

„‚Es handelt sich hier um eine eminente Machtfrage. Es geht den Parteien so intensiv um ihren Machterhalt, dass sie sich noch nicht einmal scheuen, sich öffentlich zu blamieren.‘ Die Union habe ein großes Interesse an den Überhangmandaten – bei den nächsten Wahlen könnten diese den Ausschlag für die Regierungsbildung geben, so Arnim.“

πολυμαθίη νόον οὐ διδάσκει

„Das Lernen vieler Dinge lehrt nicht Verständnis.“ – Heraklit, († um 460 v. Chr), Fragmente, B 40

Reinheitsgebot

„Nach der Regel der Distanzierung vom physiologisch Ursprünglichen (bzw. der ‚Reinheitsregel‘) gilt, daß mit wachsendem Druck der sozialen Situation auf die an ihr beteiligten Personen das soziale Konformitätsverlangen dahin tendiert, sich durch die Forderung nach strikter Kontrolle der körperlichen Funktionen auszudrücken. Die Körperfunktionen werden um so strikter ignoriert und aus dem Bereich des in der Situation Ansprechbaren ausgeschlossen, je wichtiger dieses letztere wird. Einem sozialen Vorgang kann auf natürliche Weise eine besondere Würde gegeben werden, wenn man alle körperlich-organischen Vorgänge strikt aus ihm ausschließt. Soziale Distanz drückt sich also als Distanzierung vom physiologisch Ursprünglichen aus und umgekehrt.“ (Mary Douglas: „Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Sozialanthropologische Studien in Industriegesellschaft und Stammeskultur. Frankfurt am Main 1974, S. 3 – eines der interessantesten und klügsten Bücher, das ich besitze.)

Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser mögen selbst darüber nachdenken, wie Prüderie und gesellschaftliche Reaktion zusammenhängen, ob die Loveparade, in der calvinistischen Schweiz erfunden, etwas mit Sex zu tun hat oder vielmehr das Gegenteil rituell darstellt, und ob Kurzhaarfrisuren und moderne WC-Center politische Aussagen sind.

Vietcong der guten Laune

Spitzname für Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler im Ruhrpott: der „Vietcong der guten Laune“.

Orson Welles Wild

„Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.“

Schönes Zitat, es trifft aber auch auf die zu, die es ins WWW gestellt haben: Einige schreiben es Orson Welles zu, andere Oscar Wilde, der schreibt sich mit e am Schluss, das wissen auch viele nicht, vermutlich weil sie ihn für den Vater der Gina Wild halten [Jugendschutzwarte, bitte Kinder unter 25 Jahren fernhalten!]. Ich überlasse es den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern, die Wahrheit herauszufinden.

Überwachung zieht Straftäter an

Der Freitag: „Überwachungstechnik schreckt U-Bahn-Schläger nicht ab, sondern scheint sie geradezu anzuziehen.“

„‚Jede Gesellschaft hat die Verbrecher, die sie verdient‘, hat der französische Rechtsmediziner Lacassagne schon vor gut einem Jahrhundert gesagt. Blinde Gewalt vor laufenden Kameras und amokartige Taten bilden die kriminelle Signatur des ökonomisch globalen und sozialpsychologisch ’narzisstischen Zeitalters‘. Eine Gesellschaft, die den Narzissmus ihrer Mitglieder unentwegt stimuliert und zum Zweck der Konsumsteigerung in Dienst nimmt, darf sich nicht wundern, wenn auch dessen bösartige Varianten vermehrt in Erscheinung treten. Pointiert ausgedrückt: Wer bei Deutschland sucht den Superstar nicht landen kann, kann sich für die destruktive Spielart des medialen Narzissmus entscheiden und als U-Bahn-Schläger oder School Shooter Berühmtheit erlangen.“

Joh. Seb. Bach

„Johann Sebastian Bach, ein Genie, ein Ausnahmemensch. Ja, und doch nannte er, wenn er ein Werk vollendete, es bescheiden nur eine ‚Fuge‘, nicht etwa eine Fliese oder gar 4×2.80 Auslegeware, nein, nur die Fuge sollte es sein. Ach, könnten auch heute die Menschen noch so bescheiden sein wie einst der große Komponist aus der ehemaligen DDR.“ (Kassowarth von Sondermühlen aka Dietmar Wischmeyer in: „Eine Reise durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten.“ (1997)

Die Dame meines Herzens hat mir das Buch geliehen, und ich lach mich schlapp.

Wahrheitsministerium

The agency, Clinton said, would “have to be totally transparent about where the money came from” and would have to be “independent” because “if it’s a government agency in a traditional sense, it would have no credibility whatever, particularly with a lot of the people who are most active on the internet.” (Quelle, via Fefe)

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