Warum der Westen das ukrainische Scheitern nicht versteht
Empfehlenswerter Gastbeitrag von Robert Englisch auf Telepolis: „Falsche historische Lehren: Warum der Westen das ukrainische Scheitern nicht versteht“. Mit das Beste, was ich zum Thema jemals gelesen habe.
Mit dem Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive 2023 trotz milliardenschwerer Aufrüstung und monatelanger Ausbildung haben die Nachbetrachtungen begonnen. (…)
Hinter all diesen Ausreden verbirgt sich jedoch ein umfassenderes analytisches Versagen, das bisher nicht eingestanden wird: Fehlerhafte und oft oberflächliche historische Analogien verleiteten die Militärplaner dazu, Russlands Widerstandsfähigkeit zu unterschätzen.
Selbst heute, da die schrecklichen Kosten der Selbstüberschätzung allen klar sind und sich die Ukraine an einem entscheidenden Scheideweg befindet, besteht dieselbe fehlerhafte Einschätzung des russischen Gegners fort.
Gesundheit innerhalb planetarer Grenzen und andere Frontberichte
Eine Bitte an das Publikum: Ich habe das Gefühl, dass ich mich ständig zwischen aufquellendem Wahnsinn und allgemeinen Gehirnschrumpfungsprozessen bewege, wenn ich den Irrsinn, über den die Qualitätsmedien meinen berichten zu müssen, auf meine zahlreichen Ausgabegeräte gebeamt bekomme. Wie das Stammpublikum weiß, habe ich aus biografischen Gründen kein Problem mit der Attitude, alle seien bekloppt außer mir, aber ich hege doch Restzweifel. Falls ihr also meint, ich irrte in Gänze und alles sei ganz anders und es handele sich um das Gute, Schöne und Wahre, was ich falsch als breitgetretenen Quark interpretiere, dann sagt mir Bescheid! Bitte!
Gesundheitumweltklimafront
Aya Velasquez, die irgendwie besessen vom Thema „Impfen“ ist (was ich wertfrei meine, da man mir auch vorwerfen könnte, ich sei besessen vom Thema „Israel“), berichtet von einer Tagung des „justen“ Klima- und Impfmilieus: „Wir befinden uns zwischen zwei Pandemien.“ (Übrigens: Zu anderen Themen schwurbelt die Dame herum, dass es nur so raucht…)
Hitzetote. Zoonosen. Desinformationen. Zivilgesellschaftlich. Globale Dringlichkeits-Governance. Ökosozialer Umbau. [Frage an das Publikum: War Karl Marx ein „Transformationswissenschaftler“?]
Wenn ich mir die Hampelfrauen und Hampelmänner ansieht, die Velasquez in From von Screenshots dankenswerterweise der Nachwelt erhalten hat, wird mir ganz schlecht. Ob die Kubikkilometer heiße Luft, die dort produziert wurden, nicht dem Kapitalismus Klima schaden?
Förderer des “Public Health Forums” sind unter anderem die aus dem Graichen-Skandal bekannt gewordene Grünen-nahe Mercator-Stiftung, die „Deutsche Bundesstiftung Umwelt“ (DBU), der BKK Dachverband sowie die Bucerius Law School. Veranstalter des Kongresses waren das Center for Public Health Policy (CPHP), sowie der Verein „Deutsche Allianz Klima und Umwelt e.V.“, der sich ironiefrei und in aller Bescheidenheit mit KLUG e.V. akronymisiert. Medienpartner der Veranstaltung war unter anderem das Berliner Regionalmedium „Tagesspiegel“.
„Medienpartner“ heißt: Wir geben die Kohle und berichten wohlwollend, also jenseits aller journalistischen Pflichten und Gebräuche. Quod erat demonstrandum.

Vorher (2021) und nachher (2023)
Mediengendersprachenfront
Apropos „Tagesspiegel“:
Da müssen schon sehr viele Abonnenten abbestellt haben. Bei dem missionarischen Eifer, mit dem die Medien die angeblich „geschlechtergerechte“ Sprache verbreiten, ignoriert man normalerweise den Willen der Rezipienten. Der Zeitung hat die Leser damals nicht gefragt, als man den Quatsch einführte, sondern erst nachher: …hat der Tagesspiegel sich nach ausführlicher Diskussion in der Redaktion Leitlinien für geschlechtergerechte Sprache gegeben. Der Kern dieser Leitlinien: Wir wollen sowohl fair und inklusiv als auch verständlich und undogmatisch schreiben.
Man schlug sich inbrünstig auf die Brust und versicherte sich nach stundenlangem Gelaber (ich glaube kein Wort davon), dass man nicht nur opportunistisch sei und dem gefühlten Zeitgeist hinterherliefe, sondern dass man klüger und moralisch besser sei als das gemeine Volk. Zu spät. Leser gehen woandershin, wenn man sie vergrätzt, und kommen nicht zurück.
Alle fürchten und zittern jetzt: Wird der DJV eingreifen?
Wie kann man „fair“ schreiben? Ich bemühe mich immer, möglichst unfair zu schreiben dergestalt, dass die, die gemeint sind, in die Tischkanten beißen und sich das Gebiss ruinieren. Inklusiv? Mich verstehen auch Behinderte, Liliputaner und afrodeutsche Lesben. Nur das Queerdenker-Milieu nicht – für die bin ich zu intellektuell.
Aber was rege ich mich auf. Ich hatte gerade erst gefrühstückt, den Fußboden gewischt und schmutzige Wäsche in die Maschine gestopft. Der Tag sollte fröhlich beginnen…
Dirk Maxeiner recycelt Bullshit: Bei einem plötzlichen Wintereinbruch, so wird mir allenthalben mitgeteilt, handelt es sich um ein natürliches Wetterphänomen – und zwar sagen das die gleichen Leute, die bei einer Hitzewelle im Sommer die Vorboten der Klimakatastrophe wittern. Kleiner Tipp: Entweder ist beides Wetter oder beides Klima, ist mir so herum genauso recht wie andersherum, man müsste sich allmählich aber für eine Version entscheiden. Es sei denn, man heißt Stefan Rahmstorf, tritt am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung auf und hat die Quadratur des Kreises erfunden: „Mehr Kältewellen wegen der Erderwärmung denkbar“.
Insgeheim warte ich sehnsüchtig auf ein Shitstörmchen auf X von den Blasenbewohnern aus Wokistan: Der Schröder zitiert die „Achse des Guten“, die bekanntlich rechts ist und boykottiert (Kontaktverbot!) werden sollte. Er zweifelt zu sehr an ewigen Wahrheiten wie der Klimaapokalypse. Aber leider zitiert er in jedem zweiten Satz Karl Marx – das ist nur eine geschickte Tarnung, dass man ihn nicht als Rechten beschimpfen kann.

Raketenangriffe auf Tel Aviv gestern (Version nachmittags)
Gazafront
Mehrere gute Nachrichten. Araber rufen Araber dazu auf, die Waffen niederzulegen.
Ra’am chairman MK Mansour Abbas becomes the first Arab party leader in Israel’s history to publicly call on the armed Palestinian factions to demilitarize and work with the Palestinian Authority in order to establish a Palestinian state through non-violent means.
Und jetzt die schlechte Nachricht: Einen weiteren arabischen Staat in Palästina wird es nicht geben.
Gut: Immer mehr orthodoxe Israelis greifen zu den Waffen, anstatt den ganzen Tag fromme Legenden zu studieren und höhere Wesen zu verehren (was nichts gegen die Hamas hilft).
Und jetzt die schlechte Nachricht: Es sind nur die Männer. Es wäre doch viel schöner, wenn die bad guys Sekunden vor ihrem verdienten Ende noch das Gesicht einer Frau sähen.
Außerdem gebe es in Israel eine merkwürdige Datenarmut, berichtet die Jerusalem Post: During a recent visit by senior officers to various brigade headquarters, a troubling revelation came to light. It became apparent that surveillance camera footage along the border, dating back to the day the war broke out, had mysteriously vanished. Furthermore, critical recordings from the Oct. 7 massacre had been removed from the central database. These developments have raised suspicion and fueled a sense that everyone is primarily looking out for their own interests with an eye on what comes next.
Nimm dies, Baerbock! Israel heute: Bisher haben israelische Truppen in Gaza 800 (!) Tunnel freigelegt, die zu unterirdischen Hamas-Einrichtungen führen. Und das betrifft nur die Gebiete, in denen die IDF derzeit tätig ist. Verstehen Sie die enormen Kosten für den Bau dieser unterirdischen Anlagen. Das gesamte Geld, das die internationale Gemeinschaft über die Palästinensische Autonomiebehörde nach Gaza gepumpt hat, floss in den Bau dieser Tunnel und Bunker.
Festliche Front
Es ist übrigens bald Weihnachten. Und morgen feiert meine Mutter ihrem 98-sten Geburtstag. Wir werden eine kleine Party machen.
Verstörende Gewalt

Die 72 Jungfrauen warten schon auf die Hamas und ihre Sympathisanten
Es fiel mir schwer, das Folgende zu lesen – und ich bin eigentlich nicht zimperlich. Mir fiel unsere unsägliche Außenministerin ein: „Annalena Baerbock fordert größtmögliche Rücksicht auf Zivilbevölkerung“. Nein. Die Zivilbevölkerung unterstützt mehrheitlich die Hamas. „Jagt sie alle bis in den neunten Kreis der Hölle„, kommentierte jemand den Artikel.
>> Die folgenden Aussagen [hinter der Paywall der „Welt“] enthalten Beschreibungen verstörender Gewalt. Wer dies nicht ertragen kann, sollte an dieser Stelle aufhören, zu lesen. << Mehr als 50 Tage hat es gedauert, bis die UN sich entschlossen, wegen sexueller Gewalt durch die Hamas zu ermitteln. Dabei liegen unzählige Beweise vor. (...)
Ein Polizist der zuständigen Einheit 443 trägt die Zeugenaussage einer Überlebenden vom Nova-Festival vor: „Es begann mit einem kurzhaarigen Mädchen. Ich sah sie in einer Situation, in der sie auf den Knien saß, bettelnd. Ein Terrorist steht über ihr und spuckt ihr ins Gesicht. Mir wurde klar, dass er ein Handy hielt, er machte Fotos, und schoss ihr dann in den Kopf. An den Ort, an dem wir uns versteckten, brachten sie alle Frauen. Sogar Köpfe von Frauen. Ich erinnere mich an eine Situation, in der jemand auf ein Mädchen gesprungen ist, und sie vergewaltigte, und sie anschließend von einem zum anderen gereicht wurde. Sie waren alle als Soldaten verkleidet. Ich hörte Schreie auf Arabisch. Das Mädchen, das sie vergewaltigten, war noch am Leben, stand auf ihren Füßen und blutete aus dem Rücken. Ich erinnere mich, wie der Terrorist an ihren Haaren zog, die Frau war nicht gekleidet, er schnitt ihr die Brüste ab, warf ihre Brüste auf den Boden und spielten damit, und sie zogen sie weiter. Ich erinnere mich, dass jemand in sie eingedrungen ist, dann schoss er ihr in den Kopf. Er zog seine Hose nicht hoch. Er schoss ihr mit heruntergelassener Hose in den Kopf.“
Die für ihre kritische Haltung gegenüber der israelischen Regierung bekannte Organisation Physicians for Human Rights zitiert in einem Bericht einen männlichen Überlebenden, der angab, sich in einem Busch versteckt zu haben: „Die Terroristen, Leute aus Gaza, vergewaltigten Mädchen. Und nachdem sie sie vergewaltigt hatten, brachten sie sie um, ermordeten sie mit Messern … Sie lachten. Sie haben immer gelacht. Ich kann nicht vergessen, wie sie in dieser Situation gelacht haben.“
Und Rami Schmuel, einen Organisator des Nova-Musikfestivals: „Wir fanden nackte Frauen, sie waren entkleidet und ihre Beine waren weit gespreizt.“
Ein Sanitäter, der eines der Häuser im Kibbuz Be‘eri betrat, berichtete mehreren Medien: „Ich sah zwei Mädchen dort liegen, eines auf einem Bett, eines auf dem Boden, in ihrem eigenen Schlafzimmer. Und das Mädchen – ein 14- bis 15-jähriger Teenager – liegt auf dem Boden auf dem Bauch, ihre Hose ist heruntergezogen und sie ist halb nackt, ihre Beine sind gespreizt, weit geöffnet, und auf ihrem Rücken befinden sich Spermareste. Jemand hat sie gleich nach der brutalen Vergewaltigung hingerichtet.“
In der Knesset berichtet Ersthelfer Haim Otzmagin, was er in einem Haus in den zerstörten Kibbuzim an der Grenze zum Gaza-Streifen sah: „Wir nähern uns dem Eingang des Zimmers. … Wir beginnen langsam einen Frauenkörper freizulegen. Einen nackten Körper. Eine nackte Frau mit einem spitzen Objekt, das im Intimbereich ihres Körpers steckt. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Ich habe …(seine Stimme bricht, Anm. d. Redaktion) … ich habe davon Bilder auf meinem Handy. Das sind keine Fake-News, ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. Ich habe Schädel gesehen. Ich habe elf tote Terroristen gesehen, übereinandergestapelt. Ihre Körper sahen ganz aus. Aber direkt neben ihnen lagen die Schädel von drei toten Kindern. Ich habe sie aufgesammelt. Ich habe sie fotografiert. Und das ist nur eine von vielen Geschichten.“
Unzusammenhängendes zusammenhängend erklärt

Mein Arbeitsplatz im Tiberias Hostel
Die zweite Garnitur der Fotos meiner Reise nach Israel, garniert mit einem parteiischen Blick in das Weltgeschehen und die bürgerliche Presse.
Irgendwelche Klimakonferenzen interessieren mich einen Scheiß. Die Waffenruhe in Gaza ist vorbei. Die IDF tut, was getan werden muss. Viele Israelis meinen, dass man keine Rücksicht nehmen sollte. Daran ist etwas Wahres.
Ceterum censeo: Danach ist die Hisbollah dran. Ich befürchte daher, dass ich 2024 noch nicht auf die Golanhöhen kann.
Mittlerweile berichten immer mehr Medien, dass man genug wusste, um gewarnt zu sein, aber niemand hat das ernst genommen. Ich verstehe das nicht – war es Arroganz? Schlamperei? Oder zu viele Religioten beteiligt? Oder haben Männer Frauen nicht zugehört?
Übrigens: Nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober wandte sich der Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Martin Hikel (SPD), an Vereine, Kulturzentren und alle Religionsgemeinschaften im Bezirk und bat sie darum, eine von ihm verfasste „Gemeinsame Erklärung“ zu unterzeichnen: Der Frieden in der Hood soll bewahrt werden, alle Menschen in Neukölln sollen sicher leben dürfen. Von den zehn großen Moscheegemeinden in Neukölln unterschreibt keine.
And now for something completely different. Natürlich interessiert das niemanden, aber da ich zwei Mal in Guyana war, bin ich besorgt, dass dort der nächste Krieg ausbrechen könnte. Die Venezolaner sind bescheuert genug, den anzufangen (natürlich aus innenpolitischen Gründen und weil es dort Öl gibt).
Guyana hat nur 4000 Soldaten, darunter auch Frauen. Die Venezolaner können rund 300.000 Mann aufbieten. Auf einen Soldaten Guyanas kommen also 75 von Venezuela.
Das heißt aber nichts. Man erinnere sich an den Falklandkrieg. Guyana war britische Kolonie. Ein Flugzeugträger braucht eine Woche nach Guyana – bis zu den Falklands wäre es fast doppelt so weit. Wenn die Briten um Hilfe gebeten würden, machten die die venezolanische Armee ziemlich schnell platt. Wer einmal lateinamerikanische Soldaten erlebt hat, weiß, was ich meine. Es träfen unterschiedliche Welten, Traditionen und Mentalitäten aufeinander, so wie Spanier versus Azteken. Außerdem ist der britische Premierminister Hindu und hat indische Wurzeln. Rund ein Drittel der Einwohner Guyanas sind auch Hindus. Man ahnt, wo die Sympathien liegen.
Dagegen spricht, dass Venezuela gute Beziehungen zu Russland hat. Die Russen sind imstande, die Venezolaner aufzuhetzen, nur um einen weiteren Kriegsschauplatz zu eröffnen.
Apropos Lateinamerika. Der neue Präsident Argentiniens ist zum reaktionären Judentum übergetreten, zum Chassidismus. „Die für Frauen vorgeschriebene Kleidung besteht aus langen Röcken für Mädchen, Strumpfhosen und langen T-Shirts auch im Sommer.“ Viel Spaß damit in Argentinien.

Blick von der Dachterrasse des Tiberias Hostel
And now for something completely different. Berliner Zeitung: Corona-Aufarbeitung: „Wir können nicht den Mantel des Schweigens darüberlegen“. Die Juristin Jessica Hamed erklärt, warum es eine juristische Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen geben muss. Die Autorin ist offenbar herausragend kompetent, wenn man sich ihre Biografie ansieht, und wäre sofort meine erste Wahl als Strafverteidigerin, wenn ich eine brauchte, residiert aber leider in Wiesbaden.

Straßenbegleitgrün in Tiberias
And now for something completely different. Man kann das auch so formulieren: Ein Milchmann trifft sich mit einer Chinesisch sprechenden Lesbe zum Essen. Das ist ja schlimm, und alle müssen sich aufregen (Chor im Hintergrund: Kontaktschuldig! Kontaktschuldig!)
Als besorgter Bürger fragt man sich auch, warum es denn ein „Nobelrestaurent“ im noblen Cannes sein musste? Warum nicht eine noble Currywurstbude? Mit den Nobelrestaurants ist es wir mit den Journalistenpreisen: Man lobt sich gegenseitig und versichert sich seiner Großartigkeit und hofft, dass das jemand glaubt.
Da wir gerade bei Lifestyle-Themen sind: Was hindert deutsche Journalisten eigentlich konkret daran, das Wort fuck auszuschreiben? Was sagt der Presserat? Schmutzige Wörter wie Kacke, Pisse, ficken und die jeweiligen Begriffe in allen anderen Sprachen darf man weder sagen noch schreiben? Und warum nicht? Sind doch alles feige Surensöhne, hinterfotzige.
Busbahnhof Tiberias (Foto unten)


Auf der Strecke von Tiberias nach Tel Aviv
„Guns save lives. We see it time after time“, sagte einer der üblichen Verdächtigen. „I will continue with my policy of distributing weapons everywhere, both to emergency response teams and civilians“. Das ist in Deutschland „rechts“. Früher war das revolutionär und links. O tempora, o mores.
„We will still have around two million people in Gaza, many of whom voted for Hamas and celebrated the massacre of innocent men, women, and children.“ – „The West should welcome Gaza refugees.“ (Danny Danon) #wirschaffendas
Manchmal fasst man sich nur an den Kopf. Das „Flüchtlingshilfswerk“ der UN kooperiert mit der Hamas, und wir finanzieren das. Diese Organisation ist schlicht Antisemitenpack. Die Israelis hören gar nicht hin, und das ist auch gut so.

Tel Aviv am 20.20.2023
And now for something completely different. Die Russen gewinnen.
Gegenwärtige Vergnügen für kurzlebige, schwache Geschöpfe

Mit großem Vergnügen habe ich jetzt Lady Montagus Briefe aus dem Orient gelesen. Mary Wortley Montagu (1689-1762) war eine außergewöhnliche Frau, hoch gebildet, witzig, neugierig, kosmopolitisch, und gehörte zur intellektuellen Elite Europas im 18. Jahrhundert.
Ich finde das Gefühl seltsam, wenn man sich vorstellt, man könnte mit jemandem, der vor zweieinhalb Jahrhunderten gelebt hat, heute ohne Probleme diskutieren. Das denke ich auch zum Beispiel über den scharfsinnigen Lichtenberg. Was unterscheidet uns von denen? Sind wir gebildeter, wissen wir mehr über die wichtigen Dinge?
„Ich wohne an einem Ort, der vom Turm zu Babel eine rechte Vorstellung gibt: in Pera spricht man türkisch, griechisch, hebräisch, armenisch, arabisch, persisch, russisch, slowenisch, walachisch, deutsch, holländisch, französisch, englisch, italienisch, ungarisch, und, was das schlimmste ist,
es werden zehn dieser Sprachen in meinem eigenen Hause gesprochen. Meine Stallknechte sind Araber, meine Bedienten Franzosen, Engländer und Deutsche, meine Amme eine Armenierin, meine Hausmädchen Russinnen, ein halbes Dutzend andere Bediente Griechen, mein Haushofmeister ein Italiener, meine Janitscharen Türken, so dass ich diese Vermischung von Lauten in einem fort höre. Bei den Eingeborenen bringt das hier eine seltsame Wirkung hervor, denn sie lernen diese Sprachen alle zur gleichen Zeit, ohne eine einzige genug innezuhaben, um darin zu lesen oder zu schreiben. Man findet hier wenig Männer, Weiber oder selbst Kinder, die nicht in fünf oder sechs Sprachen eine ganze Reihe Wörter wissen, Ich kenne selbst Kinder von drei oder vier Jahren, die italienisch, französisch, griechisch, türkisch und russisch reden. Letzteres lernen sie von ihren Ammen, die größtenteils aus diesem Lande sind, Dies scheint Ihnen unglaublich? Das ist es auch nach meiner Meinung, eines der seltsamsten Dinge eines Landes, und es vermindert das Verdienst unserer Damen sehr, die sich für außerordentliche Genies ausgeben, wenn sie in dem Ruf einer ganz seichten Kenntnis vom Französischen oder Italienischen stehen.“

„Fast bin ich der Meinung, dass sie [die Türken] einen richtigeren Begriff vom Leben haben. Sie verbringen es im Garten, bei Musik, Wein und Leckerbissen, indes wir unser Gehirn mit politischen Entwürfen martern oder einer Wissenschaft nachgrübeln, die wir nie erfassen können, oder, wenn wir auch dahin gelangen, können wir die anderen nicht dazu überreden, denselben Wert darauf zu lesen wie wir. Gewiss, was wir fühlen und sehen, ist eigentlich unser Eigenes, wenn man das überhaupt von etwas sagen kann. Allein die Güter des Ruhmes, die Torheit des Lobes werden mühselig erkauft, und wenn man sie hat, bleiben sie immer eine arme Belohnung für Zeitverlust und Gesundheit. Wir sterben oder werden alt, ehe wir die Früchte unserer Arbeit ernten können. Venn man darüber nachdenkt, was für kurzlebige, schwache Geschöpfe die Menschen sind, gibt es dann für sie irgendein wohltätigeres Studium als das des gegenwärtigen Vergnügens?“
Dreams are valid
Ich musste mal ein bisschen herumspielen: photo realistic depiction of the word „dreams are valid“ –ar 16:9 –s 750
Wer zuletzt lacht
Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) schreibt:
Bloomberg berichtet mit merklicher Erschütterung über die neuesten Aussagen aus der EU-Kommission zu den Versuchen, RT aus der EU auszusperren. „Nach beinahe zwei Jahren Krieg scheint es so, als lachte der Kreml zuletzt“, heißt es im Artikel. (…)
Die Plattformen hätten bewiesen, dass sie flexibler seien als die Versuche der EU, sie zu unterdrücken, und auch auf X, TikTok oder auf Facebook würden die Texte weiter geteilt, obwohl man RT in diversen Suchmaschinen nicht mehr finden könne.
Die Tschechin Věra Jourová, Vizepräsidentin der EU-Kommission und als „Kommissarin für Werte und Transparenz“ seit 2019 unter anderem die Zensurverantwortliche der EU, versuchte die Bilanz zu beschönigen. „Ich möchte betonen, dass die Sanktionen trotz einiger Umgehungsversuche effektiv sind. Niemand kann diese Kanäle durch zufälliges Herumklicken finden.“
Das stimmt natürlich. Niemand kann burks.de und dessen Blogroll durch zufälliges Herumklicken finden. Wenn ich zufällig herumklicke, finde ich nur Pr0n.
Freiheit, die sie meinen
Ich war noch nie in Argentinien, kann also nicht viel zu der dortigen Politik und Javier Milei sagen.
– Anhänger der Grenznutzenschule. Er hat also keine Ahnung von Ökonomie und will alles privatisieren. Wie das ausgeht, weiß man. Gesundheitssystem? Öffentliches Verkehrssystem? Banken? Steuern sind Diebstahl? Dann bitte gleich die Armee auch privatisieren, um konsequent zu sein.
– Seine Partei La Libertad Avanza gilt als „rechtsextrem“. Da wäre ich nicht sicher, weil man in deutschen Medien schon als „rechtsextrem“ gilt, wenn man nicht gendert oder ein kritisches Wort über die Klimahysterie äußert. „Anti-Establishment-Partei“ – das ist das Modell Trump.
– „Abtreibungsverbot“ – das kennen wir auch vom ehemaligen peruanischen Präsidenten Pedro Castillo, der als „Marxist“ galt. Das ist nicht genuin „rechts“.
– „Liberalisierung des Waffenrechts“ – das will ich auch. „Waffen für das Volk“ war immer eine linke Forderung. (Das wird aber nichts ändern, wie wir aus Brasilien wissen.)
– „Der neue argentinische Präsident, Javier Milei, ist ein überzeugter Freund Israels und hat versprochen, die Botschaft seines Landes nach Jerusalem zu verlegen.“ (Times of Israel)
– Der nächste Kriegsschauplatz: „Javier Milei has said that Argentina has non-negotiable‘ sovereignty over the Falkland Islands.“
– „So spricht sich Milei für Legalisierung von Marihuana-Konsum, die Begrenzung des Einflusses der katholischen Kirche und die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe aus“.
– „…das Ministerium für Frauen, Gender und Diversity braucht man auch nicht, findet er“, schreibt Fefe.
– Das Wichtigste: Milei hat keine Mehrheit im Parlament. Alles heiße Luft, und die bisherige herrschende Klasse regiert einfach weiter – in einem anderen Kostüm, was von den Salonfaschisten hierzulande bejubelt wird. 40 Prozent der Argentinier sind arm, und das wird sich nicht zum Positiven wenden.
– Fazit: Die Argentinier haben recht, wenn sie denken, es sei egal, wer dem Ausschuss vorsitzt, der die Geschäfte der Bourgeoisie regelt. Dann kann man auch jemanden wählen, der nicht die gewöhnlichen talkshowkompatiblen Textbausteine ausstößt.
– Soll ich mir „wild wuchernde Koteletten“ (Zitat: Qualitätsmedien) wachsen lassen?
Erzpriester und Simultankirchen

Altstadt Jerusalems, christliches Viertel
Die zweite Garnitur der Fotos meiner Reise nach Israel, reloaded. (Vgl. Reise nach Jerusalem 4 vom 12.10.2023 und Reise nach Jerusalem 5 13.10.2023). Einige Fotos sind in sehr hoher Auflösung.
Hätte ich gewusst, wo ich in Jerusalem überall war, mein Kopf hätte geraucht oder ich hätte einem stundenlang plappernden Führer nicht mehr zuhören können. Es macht fast mehr Spaß, im nachhinein herauszufinden, was auf diversen Fotos zu sehen ist. Das zweite des obigen Blocks zeigt den Eingang der Kirche der Schmerzen Mariä an der Via Dolorosa, erbaut über einem byzantinischen Gebäude und überraschenderweise im muslimischen Viertel „…und umfasst auch die Kapelle von der Ohnmacht Unserer Lieben Frau.“ Und was ist mit einer Kapelle von der Menstruation unserer bösen lieben Frau? Über der Tür steht Tuam Ipsius Animam Pertransivit Gladius (Lukas 2,34).
Die Shone Halakot-Straße (3. Foto) ist im jüdischen Viertel. Das 4. Foto zeigt aus einer anderen Perspektive die Reste der fast zwei Jahrtausende alten byzantinische Marktstraße.
Auf dem Foto links unten erkennt man das Schild der Midreshet HaRova – Advanced Torah Academy for Women („im Namen von Andre Veres, Tzvi ben Alexander Veres“ bezieht sich auf kanadischen Geldgeber).
In dieser Straße begegnete mir auch eine größere Touristengruppe, die zweite (unten rechts) auf der Hauptstraße des Armenischen Viertels, der Al Batriarkeya Al Armaneya.
Das war einfach, obwohl ich kein Kyrillisch lesen kann – die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kirche, um die es natürlich Streit gibt. Man weiß nicht so richtig, wem sie gehört bzw. gehören darf. Sogar Putin hat Briefe dazu geschrieben. (Es gibt eine kaiserliche orthodoxe Palästina-Gesellschaft – wtf? Und dann gibt es noch einen Streit zwischen rotrussischen und weißrussischen Orthodoxen – sind die nicht schon längst tot? Das ist wieder typisch Jerusalem.)
Die Fotos oben zeigen die Grabeskirche (Church of the Holy Sepulchre) über dem Ort, an dem der angebliche Jesus angeblich gekreuzigt wurde.
„Grabeskirche ist die in der Westkirche übliche Bezeichnung. In der Ostkirche bzw. von orthodoxen Christen wird das Gebäude Auferstehungskirche (griechisch Ναός της Αναστάσεως, von ἀνάστασις anastasis, „Auferstehung“) genannt. Die Kirche ist der Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem und des katholischen Erzpriesters der Basilika des heiligen Grabes. Das „Heilige Grab“ (Πανάγιος Τάφος, Sanctum Sepulcrum) im Innern der Kirche wurde verschiedentlich nachgebaut (siehe Nachbildungen des Heiligen Grabs).“
Also wieder Themenpark und alles erfunden. „Es gibt weitere Orte, an denen das Grab Jesu vermutet bzw. verehrt wird, siehe eigener Abschnitt.“ Soso: die heutige Grabrotunde steht „auf einem Steinbruch, der unter dem römischen Kaiser Hadrian (117-138) zunächst von einem heidnischen Tempel überbaut worden war“. Nichts Genaues weiß man also wie gewohnt nicht. Es gibt noch nicht einmal Indizien. Aber erst einmal eine Kirche über einem Haufen Steine bauen.
Ich hatte am 12.10.2023 schon zur Grabeskirche gebloggt. Obwohl sie so riesig ist, war der Eingang extrem schwer zu finden. Ich hatte mich mit einem kompakt gebauten britischen Globetrotter zusammengetan und streifte abwechselnd durch das arabische und dann wieder christliche Viertel, bis wir endlich am Ziel waren. Auch ohne die Baustelle ist das Gebäude ziemlich verschachtelt, weil sich jede Version der Verehrung höherer Wesen der christlichen Art mit Mauern gegenüber allen anderen absondern will. Aber man muss ja auch irgendwie reinkommen.
Das Foto zeigt den Platz in der Nähe des Eingangs der Grabeskirche, der voller arabischer Souvenirläden ist.
Hier habe ich im Abraham Hostel eine Woche gewohnt. Bis auf die ersten beiden Tage, an denen ein alter Deutscher, der ein wenig verwirrt war und mit dem ich nichts anfangen konnte, noch ein Bett belegte, war ich allein. Das hat mir natürlich gefallen. Nur die Dachterrasse war abends geschlossen. Die hatten offenbar mehr Sorgen als die beiden Hostels in Tel Aviv, in denen ich war, obwohl Jerusalem von Raketen fast verschont wurde.
Benjamin Constant, reloaded and revisited
Benjamin Constant (Brasilien) im Dreiländereck Kolumbien-Brasilien-Peru. In Benjamin Constant war ich 1982 mehrere Tage. Ich war von Bogota nach Leticia (Kolumbien) geflogen und von dort aus per Fähre nach Tabatinga. Ich habe hier schon mehrfach darüber geschrieben – in den Beiträgen vor 2014 habe ich Benjamin Constant mit Tabatinga verwechselt. In Tabatinga ist der Grenzüberganz zu Leticia, Kolumbien, von wo aus ich kam. Nach meinem Reisetagebuch habe ich mehrere Tage in Benjamin Constant auf ein Schiff gewartet. Weiteres Indiz: die Kirche, die ich fotografiert hatte, steht in Benjamin Constant (7. Foto von oben).
Vgl. Tabatinga am Solimões (11.08.2014), Am Solimões (18.01.2011), Die Mutter aller Flüsse (02.02.2004) und Am Amazonas (14.12.2004).
Das war das vermutlich letzte Foto meiner beiden Aufenthalte in Brasilien (1980 und 1982). Aber, wie schon angemerkt: Vielleicht finde ich noch eines in den Backups, die ich, wenn ich Zeit und Lust habe, noch mal durchsehen werde.
5000 Jahre Jerusalem
Die zweite Garnitur der Fotos meiner Reise nach Israel, reloaded. (Vgl. Reise nach Jerusalem 4 vom 12.10.2023). Ich habe so viele Fotos gemacht, so dass auch hier zwei Teile daraus werden. Einige Fotos sind in sehr hoher Auflösung.
Ich muss die Leserschaft leider mit unzähligen pädagogisch wertvollen Bildchen und sogar Filmchen belästigen. Heute nur über das Tower of David Museum, das am 12. Oktober – ganz überraschend für mich – geöffnet hatte. Ich ging völlig unvorbereitet da hinein.
Natürlich war ich wieder der einzige Tourist, was den Besuch extrem angenehm machte. Ich habe den halben Tag da verbracht – eines der interessantesten und besten Museen, die ich jemals besucht habe (in dieser Kategorie: Museo del Oro in Bogota 1979 und 1982 sowie der Domschatz in Essen 2022.)
Vorab mögen sich die geneigten Leserinnen und die wohlwollenden Leser mental einstimmen. Zuerst bitte ich kurz den Blick von einer der Mauern des Davidsturm-Museums zu genießen. Danach gibt es einen Lehrfilm (Video, 3 Min.) über die Geschichte Jerusalems seit der kanaanitischen Zeit, also seit rund 5000 Jahren (wie gewohnt der Einwurf: Eine kriegerische Landnahme nach einem Exodus der Israeliten aus Ägypten hat es nicht gegeben. Das Museum ist auch so vorsichtig, das gar nicht erst zu behaupten.) Zum Schluss ein einminütiger holografischer Film, wie der Davidsturm entstanden ist (auch sehr hübsch gemacht).
Oben erkennt man das Dung Tor (rechts) und das Ziontor (links).
Das Modell zeigt das Kidrontal von Norden, das Löwentor und rechts das Herodes- und Damaskustor.
Ich habe mich bemüht, von jeder relevanten Epoche ein Artefakt zu fotografieren. Leider vergaß ich bei ein paar Fotos mir zu merken, welche archäologischen Relikte das sind. Das hole ich irgendwann nach. Außerdem will ich die Leserschaft nicht über das gewohnte Maß hinaus langeweilen.
Die uralte geflügelte Göttin aus Kalkstein wird den Stammlesern bekannt vorkommen. Ihr Name ist Lilith aka Alphito [Rezension].
Prutah (Münzen) aus der Zeit des Hasmonäers Mattathias Antigonus (47-30 v. Chr., Replikate) Die Münzen zeigen zum ersten Mal in der Geschichte jüdischer Münzprägung religiöse Symbole – Menora und Schaubrottisch.
Das römische Schwert und die Öllampen stammen aus der byzantinischen Zeit, 2./3 Jh. nach Chr. Da war Jerusalem schon zerstört und eine römische Provinzstadt, in der sich keine Juden aufhalten durften.
Die Kette eines Kreuzritters und die islamische Beschreibung der Waffen Saladins sind aus dem 12. Jahrhundert.
Mir fällt keine Stadt ein, von der über so lange Zeit Karten oder etwas in der Art hergestellt wurden (vielleicht irgendwo in China?). Hier eine aus dem 16. Jahrhundert.
Christian Kruik von Adrichem (1533–1585) war der Kartenmaler (aus dem Theatrum Terrae Sanctae et Biblicarum Historiarum). Ich weiß aber nicht, ob der Jerusalem wirklich gesehen hat; maßstabsgetreu ist die Karte ohnehin nicht.
Der Prophet – sein Name sei nicht gepriesen – reitet auf einem Fabelwesen mit Frauengesicht irgendwohin. Wer glaubt an so einen Quatsch?
Die Sammlung von Kitsch und alten Souvenirs fand ich lustig: Das gab es also schon damals. Das Spielbrett (?) sieht aus wie Monopoly.
Einmarsch der britischen Armee in Jerusalem 1917 Das Foto ist aus einem Video, das im Museum abgespielt wurde.
Am 9. Dezember 1917 endete die ottomanische Herrschaft über Jerusalem (von „Palästinensern“ keine Spur…)
Ich bin ziemlich lang auf den Gemäuern herumgewandert, das Gelände ist riesig und die Aussicht atemberaubend. Das Museum würde ich noch mal besuchen, auch wenn es vor Touristen nur so wimmelt. Ich weiß jetzt, worauf ich achten müsste, und Fotos habe ich schon genug gemacht.
Keine Gnade für die Schwachen

Die Altstadt Jerusalems mit Blick auf den Ölberg, ein fast identisches Foto hatte ich hier schon veröffentlicht. Der Turm links ist die Erlöserkirche.
Kurz zwischendurch. Ich halte bekanntlich die Zwei-Staaten-Lösung in Palästina für nicht machbar und für unrealistisch. Ich bin aber für Argumente offen. Hier ein Zitat (hinter der Paywall der bürgerlichen Presse) von Ehud Barak:
Barak: Etwa die Hälfte der Israelis, vielleicht auch etwas mehr, glaubt an die Ein-Staaten-Lösung. Ich gehöre nicht dazu, weil es Gerechtigkeit für die Palästinenser geben muss. Es wäre auch für Israels Sicherheit, unsere Identität, unsere Zukunft das Beste. In der Region zwischen Mittelmeer und dem Fluss Jordan leben rund 15 Millionen Menschen. Ein solches Gebiet kann man als israelische Regierung nicht permanent kontrollieren und dabei immer noch demokratisch sein. Die Bevölkerung setzt sich je zur Hälfte aus Juden und Nichtjuden zusammen, wobei die muslimische Bevölkerung rasant zulegt. Wenn nun Gaza, Israel und das Westjordanland zu einem Staat zusammengelegt würden und die nichtjüdische Bevölkerung in der Knesset wählen könnte, hätten wir über Nacht einen Staat mit muslimischer Mehrheit. Drei Millionen Palästinenser in der Westbank und mehr als zwei Millionen in Gaza hätten dann das Wahlrecht, obwohl sie teils seit 56 Jahren nicht gewählt haben, viele von ihnen noch nie. Das wäre keine Demokratie. Unser Ziel sollte ein starkes und sicheres Israel sein, Seite an Seite mit einem entmilitarisierten palästinensischen Staat. Und deshalb müssen wir weiterhin an die Zweistaatenlösung glauben.
Vom Gat Schmanim zum Ölberg

Modell Jerusalems im 19. Jahrhundert, in der Mitte das Kidrontal mit dem Garten Gethsemani (Gat Schmanim) (hinten) und dem Ölberg (rechts). Das Modell steht im Davidsturm-Museum am Jaffa Tor.
Die zweite Garnitur der Fotos meiner Reise nach Israel, reloaded. (Vgl. Reise nach Jerusalem 3 vom 11.10.2023). Ich habe an dem Tag so viele Fotos gemacht, so dass ich zwei Teile daraus machen werde. Einige Fotos sind in sehr hoher Auflösung.

Blick vom Garten der Basilica Agoniae Domini (Kirche aller Nationen) nach Westen zur Stadtmauer Jerusalems.
Am zweiten Tag meines Aufenthalts in Jerusalem bin ich auf den Ölberg gestiegen, wie schon geschildert. Man kann durch das arabische Viertel laufen, die Al Alam entlang, und dann zum Löwentor hinaus. Das ist aber gar nicht so einfach, und ich habe mich auch wieder verirrt, als ich beim Jaffa-Tor (Video) die Altstadt betrat. Die Gassen sind so eng und klein, dass Google Earth einem nicht viel helfen kann. Ich kann Nachahmern nur empfehlen, sich eine gute Karte der Altstadt ganz old school auf Papier zu besorgen.


Das Innere und der Garten der Kirche aller Nationen
Vom Löwentor geht man in Richtung Al-Mansourieh-Strasse. Normalerweise scheint es dort von Bussen, Touristen und Autos nur so zu wimmeln; ich war allein.

Griechisch-orthodoxe Kirche St. Stephen im Kidrontal
Man kommt an der griechisch-orthodoxen Kirche St. Stephen vorbei (zu der ich keine Website gefunden habe). Direkt dahinter ist der aus der Bibel berühmte Garten Gethsemane (diese Schreibweise habe ich noch gelernt).
Wie auch bei den anderen heiligen Stätten ist bei diesem Garten alles frei erfunden. Sogar die Ölbaume sind nicht, wie ich in einem Reiseführer las, zwei Jahrtausende alt, sondern wurden im 12. Jahrhundert von den Kreuzrittern gepflanzt, die hier den ersten Themenpark errichteten. „Die Schwierigkeit, dass Jesus nach neutestamentlicher Darstellung in dieser Nacht dreimal zwischen den schlafenden Jüngern und seinem Gebetsort wechselte und also jedes Mal den Ölberg hätte ersteigen müssen, wurde nicht wahrgenommen.“ Vielleicht ist er ja heimlich auf einem Fabelwesen geflogen wie Mohammed?
Ich bin dann den kleinen Weg hoch zur Kirche Dominus Flevit, der zur Aussichtsplattform führt. Dafür habe ich eine knappe Stunde gebraucht.
Das nächste Mal würde ich nur bei Sonnenaufgang oder – untergang das Panorama genießen. Die Aussicht, ständig von Touristenmassen umzingelt zu sein, lässt mich schaudern. Das tue ich mir nicht an, zumal die vermutlich fast alle auch noch Verehrer höherer Wesen sind, daher beratungsresistent. Reisen in Kriegszeiten hat auch Vorteile.

Die Beschriftung des Grabes ist nicht richtig, der Mann hieß Mujīr al-Dīn al-ʿUlaymī und hat im 15. Jahrhundert eine Geschichte Jerusalems geschrieben.
Auf dem Rückweg kann man den Ölberg samt der Kirchen sehr gut von der Stadtmauer aus ansehen. Die Kirche mit den goldenen Kuppeln ist russisch-orthodox und Maria Magdalena gewidmet. Es war schon später Nachmittag und ich musste wieder ins arabische Viertel zurück, was mich ein wenig beunruhigte, da die Araber Randale angekündigt hatten…
Kulturkampf und Landschaftspflege

Deutsche Journalisten verleihen sich gegenseitig Journalistenpreise (Symbolbild)
Was haben wir an der Qualitätsmedienfront?
Deutscher Fernsehpreis. Helmut-Schmidt-Journalistenpreis. Adolf-Grimme-Preis. Auch hochbepreiste Journalisten nehmen mehr als eine halbe Million Euro an. Aber natürlich lassen sie sich deshalb inhaltlich nicht beeinflussen. Wo kämen wir denn da hin! Es geht doch um das Klima die politische Landschaftspflege. (Hat jemand „Putin“ gesagt?)
Lifestyle- und Genderfront
„Exemplarische Beispiele“ – was darf ich mir darunter vorstellen? Beispielhafte Exempel? Wenn ich in der bürgerlichen Presse geduzt werde, ist das immer pseudojugendliches Anbiedern. Danach kommen unweigerlich queer, trans, nachhaltig, Klima, gendern. Meine Analyse des Klassenstandpunkts hat ergeben, dass Begriffe „Konfrontationslinien, Spaltungen und Triggerpunkte“ sich an das reaktionäre neue Kleinbürgertum wendet, das, wie auch das alte, nach unten sprachpolizeilich tritt und nach oben kapitalismusaffin buckelt.
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) arbeitet weiter daran, sich lächerlich zu machen. Der hessische Landesverband legt noch eins drauf. „Gendern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbieten – das wäre ein Verstoß gegen Art. 5 GG und ein eklatanter Bruch mit der Pressefreiheit in Deutschland.“
Ach ja? Erstens sind bestimmte Sprachformen kein Menschenrecht, und zweites hat das nicht mit der Pressefreiheit zu tun, sondern mit dem Recht des Eigentümers eines Medienunternehmens, seinen Angestellten vorzuschreiben, was und wie sie etwa publizieren. Natürlich kann „Gendern“ verboten werden. Und was wäre auch gut so, allüberall.
Auf dem Verbandstag 2023 des DJV in Magdeburg, an dem ich als Delegierter teilgenommen habe, war ebenfalls ein ziemlich lächerlicher Antrag positiv abgestimmt worden. Der Fachausschuss Chancengleichheit und Diversity wollte sich unbedingt wichtig tun und forderte „alle Medienhäuser, Verlage, Pressestellen, Redaktionen und Sender – öffentlich-rechtliche wie privatwirtschaftliche – in Deutschland auf, ihren Mitarbeiter:innen [sic] das Gendern in journalistischen Beiträgen zu ermöglichen“. Die werden sich kaputtlachen. Ich war leider zu verschnupft und konnte kaum sprechen, sonst wäre ich vehement in die Bütt gegangen.

Front der „palästinensischen“ Völkischen und sonstigen Vollhonks
Al Jazeera: „Canada’s Justin Trudeau tells Israel to end ‘killing of babies’“. Vielleicht sollte der Kerl besser die Hamas auffordern, die als Geisel gehaltenen Babies freizugeben – und alle anderen Geiseln auch. Zum Glück lassen sich die Israelis nicht von solchen antisemitischen Idioten beeinflussen und ziehen die Sache bis zum Ende durch.
Politik- und Vollklatschenfront
Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass der Bund zur Bekämpfung der Coronakrise gedachte Gelder nicht für den Klimaschutz nutzen darf. Die Änderung des Nachtragshaushalts 2021 sei verfassungswidrig. Har har.
Braun, Grün, und alles durcheinander

Tel Aviv, Ausblick von der Dachterrasse des Gia Hostel nach Nordosten und Nordwesten
Die zweite Garnitur der Fotos meiner Reise nach Israel, reloaded. (Vgl. Reise nach Jerusalem 1 vom 10.10.2023). Einige Fotos sind in sehr hoher Auflösung, so dass man die Details noch erkennen kann.
Ich kann die Nachrichten nur in kleinen Bröseln ertragen. Zwischendurch muss ich mich immer erholen. Die Washington Post: The first clues came from the bodies of slain militants: maps, drawings, notes, and the weapons and gear they carried.
In Beeri, a kibbutz town overrun by Hamas on Oct. 7, one dead fighter had a notebook with hand-scrawled Quranic verses and orders that read, simply, “Kill as many people and take as many hostages as possible.” Others were equipped with gas canisters, handcuffs and thermobaric grenades designed to instantly turn houses into infernos. (…)
…the reassembled fragments are beginning to reveal the contours of Hamas’s broader plan, one that analysts say was intended not just to kill and capture Israelis, but to spark a conflagration that would sweep the region and lead to a wider conflict.
Das hat bestimmt nichts mit dem Islam zu tun.
“Will we have to pay a price? Yes, and we are ready to pay it,” Ghazi Hamad, a member of the Hamas politburo, told Beirut’s LCBI television in an interview aired on Oct. 24. “We are called a nation of martyrs, and we are proud to sacrifice martyrs.”
Wer vorschlägt, eine Israel-Flagge vor der Uni zu hissen, muss sich vom AStA beschimpfen lasse,“ berichten die Qualitätsmedien. Mein Vorschlag: ASTEN auflösen und alle Studenten in die Produktion, Spargelstechen, Steinbruch oder Hochofen!
Dieses Pack schießt sich ideologisch nahtlos an ihre nationalsozialistischen Vorläufer an: An den Universitäten gab es nur wenig Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Studentenschaft hatte die Hitler-Bewegung weithin begeistert begrüßt und ihr schon vor 1933 die Wege in den Universitäten geebnet.
Der Islam hatte schon immer prominente Fürsprecher in Deutschland. Ich muss sagen, ich habe gegen den Islam gar nichts, denn er erzieht mir in dieser Division seine Menschen und verspricht ihnen den Himmel, wenn sie gekämpft haben und im Kampf gefallen sind. Eine für Soldaten praktische und sympathische Religion!“ (Heinrich Himmler)
Haben die Nazis eigentlich gegendert? Es gibt offenbar einen signifikanten Zusammenhang zwischen Sprachesoterik und Antisemitismus. Und: Schöner leben ohne die Antisemitin Greta!
Don Alphonso schreibt paywallgeschützt dazu: Wie Sie vielleicht bemerkt haben, sind nun auch die deutschen Reichsmeisterschaften für maximale Mastdarminnenwandnähe für die schreibende Zunft heimatlos geworden, weil es sich auch unter früher entschiedenster Anhängerschaft nicht mehr ziemt, dergleichen bei einer gewissen schwedischen Greta aufzusuchen. Jahrelang wurde allerorten brav zitiert, was dem psychisch auffälligen Vorzeigekind des Thunberg-Clans von demselben in den Mund gelegt wurde, aber nun ist es erwachsen und so antisemitisch und israelfeindlich unterwegs, dass es auch bei den Kollegen von „Zeit“, „Spiegel“, ÖRR und „Taz“ nicht mehr schöngeschrieben werden kann.
Zurück zum Schönen. Was mit am ersten Tag in Tel Aviv auffiel, waren die guten Radwege, die man auf allen großen Straßen sieht und die nicht nur farblich abgesetzt, sondern auch in einem hervorragenden Zustand sind. Das war nicht nur in Tel Aviv so, sondern auch in kleineren Orten wie Akkon. Die Radfahrer müssen sich ihre Strecken auch nicht mit Bussen teilen.
Dazu nochmal Don Alphonso: Wenn man ehrlich ist, hätte man schon lange wissen können, dass Klimabewegungen in ihrem innersten Kern nicht nur antisemitisch, sondern ganz moralisch verkommen sind und Deutsche ihren faulen Hintern bei Temperaturen unter 20 Grad aus Prinzip nicht auf Räder setzen, egal wie klimaschonend es sein mag.

Am Arlozorow Interchange, Tel Aviv
Das stimmt natürlich nicht: Ich fahre auch bei zehn Grad Minus mit dem Fahrrad. Aber es ist schon wahr: Es ist viel angenehmer, bei 30 Grad und sanfter Brise mit einem fetten E-Bike durch Tel Aviv zu sausen. Das muss ich unbedingt das nächste Mal tun, und dann rauf auf die Golan Heights damit.
Bei meiner Reise nach Jerusalem bin ich in Tel Aviv natürlich wieder falsch ausgestiegen und musste eine Weile in glühender Hitze marschieren bis zur Tel Aviv Savidor Central railway station, die auf der nördlichen Seite im Bau und geschlossen war, sodass ich wieder umkehren und mir den Weg zwischen Bauzäunen suchen musste. Das war nicht wirklich lustig, aber die gespannte Vorfreunde, endlich nach Jerusalem zu reisen, überlagerte den Missmut.
Über die Bahnstrecke Tel Aviv – Jerusalem hatte ich schon geschrieben. Ich warte darauf, dass irgendein queerer deutscher Postkolonialist mit lesbischem Migrationshintergrund fordert, die Bahnstrecke wieder abzureißen, weil ein winziger Tunnel durch heiliges „palästinensisches“ Territorium führt, auf dem die Proto-„Palästinenser“ schon in der Proto-Steinzeit Allahu akbar gesungen haben wollen, und Reisende klimagerecht mit Eseln hoch ins judäische Bergland zu jagen.
Von diesen Rolltreppen gibt es, wenn ich mich recht erinnere, drei, und alle sind ewig lang. Wahrscheinlich verläuft die Bahnstrecke zu tief, dass sie nicht mit irgendwelchen unberührbaren Gräberfeldern kollidiert, die dort seit Jahrtausenden mehr und mehr verschüttet wurden.
Für Nachahmer: Statt mit großem Marschgepäck wie ich die Jaffa Road entlang zu latschen empfiehlt es sich, gleich in die Straßenbahn zu steigen und am Davidka Square auszusteigen, wann man ins Abraham will. Was das Preis-Leistungsverhältnis angeht und die Touren-Angebote, ist das Abraham unschlagbar, aber so ein kleines gemütliches Hotel mitten in der Altstadt klingt auch interessant.
Oder gleich das New Imperial, was mir sofort auffiel, nachdem ich eine Weile vor dem Jaffa Tor herumsinniert hatte und noch gar nicht glauben konnte, dass ich es dorthin geschafft hatte. Aber auch hier wird es gleich wieder politisch: Abu Walid Dajani, a 78-year-old Palestinian Christian, will “fight until the last breath” to prevent the historic hotel his family has been running in the Old City of East Jerusalem since 1949 from being taken away by a right-wing Israeli Jewish group.
Wie zu erwarten war, hat sich auch die EU wieder gegen die Juden eingemischt: The Office of the European Union Representative in the West Bank and the Gaza Strip expressed concern over last week’s ruling by the country’s top court that ruled Jewish settler group Ateret Cohanim legally purchased the Little Petra Hotel and Imperial Hotel in the Old City of Jerusalem in 2004. Ach? Und dann sind sie vermutlich gleichzeitig gegen die Justizreform, die die Macht des Gerichtshofes beschneiden soll?
By the way: Die „Palästinenser“ sind Christen, keine Muslime, und es gibt korrupte Patriarchen, die Kircheneigentum verscherbeln. Es ist eben Jerusalem…

New Imperial Hotel, Jerusalem
Old Jaffa und anderes, revisited


Tel Aviv, Ausblick von der Dachterrasse des Gia Hostel nach Nordosten und Nordwesten
Die zweite Garnitur der Fotos meiner Reise nach Israel, reloaded. (Vgl. „Old Jaffa und anderes“ vom 09.10.2023). Einige Fotos sind in sehr hoher Auflösung, so dass man die Details noch erkennen kann.
Man muss sich vorstellen, die aktuellen Nachrichten nicht hierzulande, sondern in Israel zu lesen:
Israel versuche, „einen Staat aufzubauen, den es erst seit 75 Jahren gibt und dessen Legitimität durch den eigenen Faschismus fraglich geworden ist“, sagte er am Freitag auf einer Gedenkveranstaltung zum Todestag des Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk in Ankara. Israel habe sich „mit Gewalt das Land angeeignet, in dem das palästinensische Volk seit Tausenden von Jahren lebte“, sagte Erdogan weiter.
Wenn dieser dämliche Hetzer nach Deutschland käme, wäre ich versucht, trotz meiner langjährigen Demonstrations-Abstinenz wieder auf die Straße zu geben. Erdogan weiß natürlich, dass er lügt. Das ist reine Innenpolitik, um seinen muslimischen Religioten Honig um den Islamistenbart zu schmieren.
Ein palästinensisches Volk seit Tausenden von Jahren? Im Ottomanischen Reich womöglich? Und die Römer haben die „Palästinenser“ unterdrückt? Das ist so doof, dazu muss man den Intelligenzquotienten eines Aschenbechers haben. Aber unsere hijabisierten Deutschtürken, die Erdogan mehrheitlich wählen, werden den Quatsch dankbar übernehmen. Das nennt man dann Integration und „Diversity“. Vielen Dank auch.
Irgendwo las ich den Satz, Tel Aviv sei wie Frankfurt am Main, nur mit Meer. Das stimmt natürlich überhaupt nicht, allein schon wegen der Temperaturen. Ich hatte bis auf diesen Tag immer hervorragendes Wetter, Sonnenschein prall, aber nicht über 32 Grad, also erträglich. (In Venezuela 1998 war es oft mittags über 40 Grad – das ist dann richtig heiß.)
Nachdem ich endlich eine funktionierende Sim-Karte im Handy und auch ein bisschen Geld aus einem Automaten gezogen hatte, war ich immer noch unsicher, was zu tun sei – es war fast alles geschlossen. Aber das macht nichts: Auch ein verrammeltes Museum kann eine Geschichte erzählen. Der Strand per Lokalbus war also gesetzt. (Die Linie 706 fährt in der Nähe des Gia Hostel direkt dorthin.)
Man kommt am Levinski Markt im Stadtteil Florentin vorbei. Der Markt ist vermutlich sogar interessanter als der touristisch überlaufene Carmel Markt. Ist auf meiner To-Do-Liste für das nächste Mal.
Das Etzel-Museum am Alma Beach war geschlossen. Warum steht da ein Museum direkt am Strand?
The Etzel was an underground organization which fought for the realization of the idea of establishing a Jewish state in the Land of Israel. It was established in 1931, following the secession of senior commanders from the „Haganah„, following differences concerning the appropriate reaction to Arab terror. The museum focuses on the Etzel’s acts for the establishment of a Jewish state in the Land of Israel, starting with the UN’s resolution on the division of the land, on the 29th of November 1947 (16 of Kislev) until the integration of the organization into the IDF following the establishment of the latter. The museum is also a memorial for the 41 Etzel warriors who fell at the Battle of Jaffa.
Man kann das auch anders erzählen. Nach dem arabischen Aufstand 1936–1939 verübte die Irgun Zwai Leumi aka Etzel terroristische Anschläge gegen die arabische Bevölkerung. Später richteten sich die Anschläge vermehrt gegen die britische Mandatsmacht. Zu den bekanntesten Operationen gehören der Bombenanschlag auf das King David Hotel 1946 mit über 90 Opfern und die Teilnahme am Massaker von Deir Yasin 1948 mit über 100 Opfern. Nach Ausrufung der Unabhängigkeit Israels im Jahr 1948 löste dessen Regierung die Organisation auf, wobei Widerstand teilweise mit Waffengewalt gebrochen werden musste, und integrierte deren Mitglieder in die Israelischen Streitkräfte.



Oben: Brandt 120 Millimeter Mörser, hergestellt in Frankreich, modifiziert im israelischen Unabhängigkeitskrieg, vgl. auch Davidka.
Der arabischen Aufstand in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts ist sehr interessant, weil das Ereignis scheinbar und auf den ersten Blick meiner These widerspricht, es gebe kein „palästinensisches“ Volk. Die arabischen Organisationen (nicht palästinensischen!) kämpften gegen die Briten, aber hatte gleichzeitig auch das Ziel, die Juden wieder aus Palästina zu vertreiben. Anders scheint arabischer Nationalismus nicht zu funktionieren. (Über den berüchtigten Anführer und Hitler-Freund Amin el-Husseini habe ich schon etwas geschrieben.) Der Aufstand wollte keine arabische Nation, sondern war teilweise eher ein Klassenkampf der Bauern gegen die arabischen Clan-Chefs Feudalherren (die übrigens kein Problem damit hatten – laut Tom Segev -, ihr Land an die zionistische Bewegung zu verkaufen).
Wie bekannt, marschierte ich ungeplant den Strand entlang nach der Altstadt Jaffas. Die ist winzig und erscheint mir sogar kleiner als die von Akkon. Das heutige Jaffa/Yaffo liegt auf der anderen Seite des Hügels, also südlich des alten Hafens.
Hier bekam ich schon einen Vorgeschmack auf Jerusalem: Überall Religion. So ist es in etwa auch in Georgetown, Guyana, wo man an jeder Straßenkreuzung eine neue protestantische Sekte kennenlernt, dazu Hindus, Muslims und ein paar Juden, die vor den Arabern in Palästina nach Südamerika geflohen waren und die man dort für „Syrer“ hielt. Aber in Israel sitzen die alle schon ein Jahrtausend da und noch länger, und vertragen sich immer noch nicht.
Die Altstadt von Jaffa hat man in einer halben Stunde erkundet: Künstler, Touristen-Nepp und Restaurants. Im Unterschied zu Jerusalem, wo man sich in de Altstadt garantiert ohne Karte verläuft, muss man in Jaffa noch Treppen erklettern. Aber man weiß immer, wo man ist.
Die Wunschbrücke ist auch so ein Tinnef (Jiddisch!). Ich kann mich gar nicht erinnern, was ich mir wünschte; vermutlich war es etwas Feucht-Sexistisches.
Wenn man backstage hinter die Fassaden guckt, sieht man, dass ohne Restaurierung die Sache schon längst in sich zusammengefallen wäre. „Dangerous building“ fand ich aber witzig.

Auf dem Foto ist das küssende Paar zu sehen, das ich im Telepolis-Artikel erwähnte.
Ich bin dann vom Yossi Carmel Square über die Daniel Razi’el und Eilat Street (vgl. Foto unten) wieder zurück und nahm mir irgendwann wieder einen Bus zum Hostel. Offensichtlich ist Google am Schabbat durchgefahren; auf den Fotos ist auch alles geschlossen und menschenleer.
Ich finde solche Touren durch „normale“ Straßen oft interessanter als durch schicke Neubaugebiete. Man sieht interessante Details – etwas die Stühle im Fenster der 1. Etage im vorletzten Foto. Das rote Haus steht an der Ecke Ruhama Street. Wie wird das wohl in einem Jahrzehnt aussehen? Nur Neubauten und Wolkenkratzer?
In Frieden und Sicherheit

/imagine prompt make a map where the West Bank is part of Israel, with no borders between Israel and the West Bank
– Unsere Bundestrampolinaußenministerin faselt wieder etwas cringe daher, aber das war zu erwarten: „Ich freue mich, dass wir uns hier in diesem Saal einig sind, dass diese Region letzten Endes einen neuen Friedensprozess braucht, der es beiden, Israelis und Palästinensern gleichermaßen, erlauben wird, in Frieden und in Sicherheit nebeneinander zu leben, in zwei unabhängigen Staaten.“ Hört, hört. Das glaubt niemand außer ihr.
Ich verstehe nicht, warum die so denkt. Es zwingt sie doch keiner dazu, die Realität auszublenden? Was hat sie davon? Die Araber, die sich „Palästinenser“ nennen, wählen sie doch eh nicht?
Es gibt schon einen „palästinensischen“ Staat in Palästina. Der heißt Jordanien. Mehr davon braucht niemand. Aber reden wir kurz über Cisjordanien.
Als Bestandteil des britischen Völkerbundsmandats für Palästina wurde das Westjordanland von der UN-Vollversammlung im Teilungsplan von 1947 dem zu gründenden arabischen Staat zugesprochen. Im Palästinakrieg wurde es 1948 von Jordanien besetzt und 1950 annektiert. Im Sechstagekrieg vom Juni 1967 wurde es von Israel erobert und steht seither unter israelischer Militärverwaltung; Ostjerusalem und Umgebung wurden dagegen von Israel 1980 – laut der Resolution 478 des UN-Sicherheitsrates völkerrechtswidrig – annektiert.
Ach?! 1980 – also vor 43 Jahren. (14-0, US abstention). Völkerrechtswidrig? Wer einen Krieg beginnt und ihn vermasselt, verliert Gebiete. Warums sollten für die Araber Sonderregeln gelten? Und was ist daran „völkerrechtswidrig“? Seit wann konstituieren Abstimmungen des UN-Sicherheitsrates „Völkerrecht“? Man müsste jemanden fragen, der sich mit Völkerrecht auskennt.
Es ist einfach nur lächerlich. Nur die harten Fakten zählen. Und die besagen, dass Israel sich nicht zurückziehen wird, weder aus Jerusalem noch aus Judäa und Samaria.
Im Memoriam Helge

Helge und ich auf der Jubelparade vor der Gedächniskirche am 27.1.1989
Ich habe leider erst heute erfahren, dass mein alter Freund Helge Klockmann am 12. April 2023 an Krebs gestorben ist. Wir kannten uns seit fast vierzig Jahren. Helge hatte gehofft, noch seinen 70-sten Geburtstag erleben zu können. Das war ihm leider nicht vergönnt.
Einige aus meiner Männergruppe, vermutlich 1986, an der Mauer in Kreuzberg. Wir machten damals die Zeitschrift Herrmann. Vgl. auch „Unter Männern“ (05.11.2018) Von links nach rechts: Heinz, Helge, ich, Enno und Martin (keine Ahnung, was aus ihm geworden ist). (Das ist nicht das Original-Foto, sondern eine eingescannte Kopie auf Papier.)
Vor zwei Jahren hatten wir noch unseren gemeinsamen Freund Heinz Sporkhorst in Havelberg besucht. Helge war von Beruf Dackdecker, hatte auch eine eigene Firma, aber nach einem schweren Unfall arbeitete er nicht mehr.
Helge konnte alles – was das Heimwerken angeht, bin ich im Vergleich zu ihm ein blutiger Anfänger. Als ich das Hochbett in meiner Wohnung fertig hatte, bat ich ihn, die Statik zu begutachten, und er nickte zufrieden. Auf sein Urteil konnte man sich verlassen. Bunte Glasfenster? Er hat sich selbst welche gebaut, als er in einem besetzten Haus wohnte. Bitterorangen einkochen? Habe ich von ihm gelernt.


Helge beim Requiem auf Heinz‘ Druckmaschine, November 2004
Plätzchen backen? Vor jedem Weihnachten war ein Besuch bei Helge Pflicht. Wer hat eine Bohrmaschine, die ein Loch in meine 49 Zentimeter dicke Mauer machen kann? Helge kam und bohrte es. Wer kriegt es hin, eine total verzogene Tür, die über Jahre in einem Keller lag, wieder so einzuziehen samt der Zargen, dass sie schließt? Ich muss mich nur umsehen, und erinnere mich an sein Grinsen, als er die Bescherung sah und seinen fachmännischen Blick: „Das kriegen wir hin.“
Noch im Frühjahr war er zur Kur in Sylt und hoffte, er könnte sowohl die Fibrose als auch den Krebs besiegen. Kurz danach habe ich ihn zum letzten Mal gesehen. Er brauchte eine halbe Stunde, um Treppen zu steigen und war dünn geworden. Man sah ihm die Krankheit an. Das machte uns Sorgen. Wir konnten aber offen reden. „Ich bin ein Überlebenskünstler“, sagte Helge immer.
Er hat nicht lange leiden müssen und konnte sich noch von seinen Geschwistern verabschieden. Nach meiner Israel-Reise versuchte ich ihn anzurufen, aber die Nummer war abgeschaltet. Ich ahnte schon, dass irgendetwas nicht stimmte.
Wir werden ihn nicht vergessen, oder, wie ich in Israel oft gehört habe: Möge die Erinnerung an ihn ein Segen sein.

Helge, Martin, Enno und ich an der Berliner Mauer in S0 36, 1989
In den Nahen Osten, revisited
Jetzt kommt die zweite Garnitur der Fotos meiner Reise nach Israel. (Vgl. „Im nahen Osten“ vom 08.10.2023). Den dämlichen Schnupfen bin ich wieder los – schon am zweiten Tag zurück in Berlin fing ich an zu schniefen und röcheln, weil mein Körper trotz der antrainierten Fitness die 20 Grad Temperaturunterschied nicht verkraftete, sondern in den Recover-Modus schaltete.
By the way: Uneingeschränkte Empfehlung für den Tasmanian Tiger. Das ist der beste Rucksack, den ich jemals hatte, und auch der, in den am meisten hineinpasst. Außerdem hat der so viele Taschen, dass man sich eine Liste machen muss, sonst vergisst man welche und findet nichts mehr – jedenfalls solange man nicht auswendig weiß, was wo verstaut wurde.
Leider gibt es keinen funkionierenden Regenschutz. Der, den ich gekauft hatte, passte nicht. Da muss ich mir noch etwas überlegen für’s nächste Mal.
Wie das der Geografie des Nahen Ostens kundige Publikum hier schon anmerkte, erreichte die Maschine die Küste Israels bei Ma’agan Micha’el und schwenkte dann nach Süden. Die Straße auf dem Foto könnte die 65 sein. Kurz darauf überflogen wir, was auch das Publikum herausfand, Chinnanit, das Anfang der 80-er Jahre von Bergjuden aus dem Kaukasus gegründet worden war. (Sorry, Araber: Samarien gehört zu Israel.)
Ich vermute, dass das Foto den Qesem Interchange zeigt und nördlich davon (rechts) Kfar Qasim.
Das könnte Petach Tikwa sein, nördlich des Flughafens Ben Gurion.
Ich bin von Tel Aviv-Hashalom, wo der Zug vom Flughafen ankommt, die Yigal Alon Street entlang zum Gia Dormitory gelaufen, weil mir ein Bus mit dem Gepäck zu kompliziert war und ich mich noch nicht auskannte. Da ist auch das Foto entstanden.
Noch einmal: Der Rucksack lässt sich wunderbar leicht tragen.
Ich gucke mir jetzt an, wie Feminismus vs. arabische Männer mit billigen Goldkettchen geht.
Unter verbal adipösen Community Managern
„Die Arbeit des Community Managements zur Ermöglichung eines respektvollen und themenbezogenen Austauschs auf unseren Plattformen gemäß der Netiquette des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz ist Teil des Aufgabenspektrums unseres Teams für Online-Kommunikation und soziale Medien, das auch mit der Betreuung der Website, der Aufzeichnung von Video-Grußworten und Beiträgen für die sozialen Medien befasst ist.“
Ein Satz aus 54 Wörtern, den sogar ein Kinderbuch-Autor nicht versteht hätte besser machen können. Bisher habe ich das Thema nur bei den Salonfaschisten gefunden, selbstredend ventiliert durch die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen). Angeblich stammt dieses Satz-Ungetüm aus der Pressestelle des völkischen Denkers Bundesklimawirtschaftsministers.
Kann man den in Deutsch übersetzen? Wo zum drei Mal geschwänzten Asmodäus ist das Tuwort? Gibt es gar nicht?
Wait a minute. Die Arbeit des [irgendwas Denglisches] ist Teil dessen, was wir tun? Versteht das jemand? Versuchen wir es.
Wir haben Verwalter einer virtuellen Gemeinde. Die nennen sich „Manager“. Die Manager sind ein Team (wer hätte das gedacht?) Das Team arbeitet und zensiert, damit alle sich respektieren, wenn sie Wörter austauschen. Halt! So geht das nicht…
„Die Arbeit ist Teil des Aufgabenspektrums“ heißt übersetzt: Wir tun, was wir tun müssen. Oder: Wir zensieren Euch, weil wir das sollen. Warum dann aber so ein Bandwurmsatz, den niemand versteht?
Weil die Pressesprecher Manager Wichtigtuer sind, die das Nichts, was sie tun, so aufblasen, dass aus der Mücke [unbekanntes Kleintier] ihrer marginalen Existenz ein adipöser Elefant wird.
Gut, dass wir die Gemeinde vollgelabert haben.




















































































































