Sie werden gerettet oder: Falsche Substanzen und mein Kampf mit Herrn M., revisited
Ein Kollege steckte vor ein paar Tagen mir diesen Ausschnitt aus einer Berliner Boulevardzeitung zu.
Ich hatte neulich über meinen kampf mit Herrn M. berichtet.
Der Artikel könnte passen, auch vom Alter her, Ich bin mir aber nicht sicher. Es deutet alles auf das Benehmen des Herrn M. hin, auch der Ort. Ich hatte mich schon gewundert, warum er in den letzten drei Tagen, in denen ich Dienst hatte, nicht aufgetaucht war.
Man kann jetzt spekulieren: Hat er den Unfall billigend in Kauf genommen? War es ein – vielleicht nur unbewusster – Suizidversuch nach dem Motto: „Mir kann keiner helfen, es ist eh alles egal?“ War es schlicht ein dummer Zufall, dass ihn jemand überfuhr? War er besoffener als gewöhnlich? Oder war es gar nicht Herr M., sondern jemand, der ähnlich handelt? Der legte sich nur auf Straßen, die wenig befahren waren, obwohl das genauso gefährlich ist. Ich weiß es nicht.
Trapped in our bureaucratic jungle
The Guardian: „Chinese tourist who lost wallet in Germany ends up in refugee shelter. (…) He spent 12 days trapped in our bureaucratic jungle because we couldn’t communicate,” he said. ‚Germany is unfortunately an extremely bureaucratic country. Especially during the refugee crisis I’ve seen how much red tape we have.’”
Eine Mischung aus Horror und Kafka.
The Neon City at night
HKFP Lens: „The Neon City at night – stunning shots of Hong Kong at nightfall“.
App for navigating German bureaucracy
Die coolste Nachricht überhaupt kommt vom Guardian: „Syrian refugees design app for navigating German bureaucracy“.
So etwa auf Deutsch anzubieten wäre vermutlich auch ein Geschäftsmodell.
Sie werden gerettet oder: Falsche Substanzen und mein Kampf mit Herrn M.

Man muss nicht obdachlos bleiben in Berlin. Meine Theorie: Obdachlosigkeit ist immer ein Symptom. Das Problem: Wer einen Schlafplatz sucht, muss das vor 22 Uhr tun und nüchtern sein. Daran scheitern viele. Fast immer ist Alkohol im Spiel.
Psychiater der Rettungsstelle am Diensttelefon: „Kannst Du mal schnell kommen? Ich brauche Begleitschutz, ich muss eine Patientin zur Station bringen.“
Die Frau, Ende vierzig, umklammert den Arm ihres Ehemanns. Beide sind ordentlich gekleidet. Sie scheint die Idee, in eine geschlossene Abteilung des Psychiatrie gebracht zu werden, akzeptiert zu haben. Wir gehen alle zum Fahrstuhl. Die Dame benimmt sich unauffällig und keinesfalls aggressiv. Ich sage ihr, dass ich sie beschützen würde. Es ist nützlich, problematische Kunden „zuzutexten“. Wenn für die ein Arzt der „bad guy“ war, sind sie um so nervöser, wenn ein großer Mann auftaucht, der unschwer als Security zu erkennen ist. Wenn man scheinbar nett zu den gefährlichen Patienten ist, dreht sich oft schnell der Spieß um: Sie jammern und beklagen sich bei mir über die „bösen“ Ärzte. Dann sind sie abgelenkt.
Vor der Glastür der geschlossenen Abteilung angekommen, zögert die Dame. Der Psychiater schließt die Tür auf. Plötzlich beginnt sie zu schreien, reißt sich von ihrem Mann los und fuchtelt mit den Armen herum:“ Ich will nicht! Ich will nicht! Ich bin doch gar nicht betrunken!“
Ich schaue zum Psychiater, warte auf ein Zeichen, ob ich eingreifen soll. Der bleibt cool und sagt der Dame in freundlichem Ton“: „Aber 3,6 Promille ist ganz schon viel Alkohol.“
Ich habe in den letzten zwei Jahren so viele Obdachlose „kennengelernt“, dass ich mir auch die These erlaube: Jedes Schicksal ist anders, jeder ist ein Einzelfall, man kann nie verallgemeinern. Die Menschen jedoch, die Obdachlose „von außen“ ansehen, in deren Leben diese nicht vorkommen, haben überhaupt keine Ahnung.
Es wird nie eine Reportage geben können, die auch nur annähernd realistisch ist, weil kein Krankenhaus das erlauben dürfte und könnte und weil das gesamte Gesundheitssystem damit ad absurdum geführt werden würde.
Für Obachlose bin ich ein Feind, weil ich andere Interessen vertrete. Ich versuche zu verhindern, dass sie die Rettungsstelle des Krankenhauses, in dem ich als „Bodyguard“ des Personals arbeite, missbrauchen, um einen Schlafplatz zu finden. Sie kennen Überlebenstechniken, um dennoch zum Ziel zu kommen. Man muss das sportlich sehen und nicht persönlich. Die Elite der Obdachlosen hebelt im Alleingang das System aus.
Psychiater schon wieder am Diensttelefon: „Kannst Du mal kommen? Ich muss einen Patienten zur Station bringen. Ich traue ihm nicht.“
Der Mann ist mittelalt, groß und stark, etwas füllig, kleiner als ich, seriös gekleidet und redet wie ein Wasserfall, aber in freundlichem Ton. Wir gehen zu dritt zu den Fahrstühlen. Ich halte mich schräg hinter dem rechten Arm des Mannes, trage dessen schwere Reisetasche mit meiner linken Hand, und plaudere scheinbar interessiert über die Weltläufte mit ihm. Ich frage ihn, ob er Gold gewaschen habe, die Tasche sei schwer. Nein, sagt er, das seien Bücher, wichtige Bücher. Über Literatur kann man immer gut plaudern. Ich kriege aber nicht heraus, um welche Bücher es sich handelt. Vermutlich weiß der Mann das auch nicht.
Vor der Tür zur geschlossenen Psychiatrie halten wir an. Der Psychiater schließt auf und schaut den Mann an. Der weicht zurück, ich auch, damit ich ihn vor mir habe. Ich stelle die Tasche ab. Der Mann schreit: „Da gehe ich nicht hinein, auf keinen Fall“, und hebt die Faust gegen den Psychiater. „Wir haben das doch besprochen“, sagt dieser, und löst den Alarm aus. Von Gang hinten sehe ich zwei Pfleger auf uns zurennen.
Der Mann findet das nicht gut und versucht den Psychiater zu schlagen, ist aber schon im Doppelnelson. Ich übergebe ihn den Pflegern.
Vielleicht ist Herr M. auch nur ein heimlicher Anarchist. An manchen Tagen beschäftigt er mich fünf Stunden lang, und ich muss mehrere Male die Polizei rufen. Das Geschäftsmodell des Herrn ist es, sich hilflos zu stellen, um in der Rettungsstelle übernachten zu können. Zugegeben: Er ist fast immer betrunken und sieht recht desolat aus, trägt aber eine Brille und eine Warnweste. Zudem fährt er ein Fahrrad. Ich weiß nicht, ob er obdachlos ist, ich nehme es aber an. Herr M. radelt bis vor das Krankenhaus, schließt es ab und lässt sich vor dem Eingang der Rettungsstelle zu Boden fallen, und rührt sich nicht und reagiert nicht auf Ansprache. Alternativ: Er legt sich mitten auf die Kreuzung einer nicht sehr befahrenen Straße in der Nähe, und legt das Fahrrad neben sich, dass es nach einem Unfall aussieht. Es dauert meistens nur eine Minute, bis ein besorgter Bürger die 112 anruft oder, wenn es direkt vor dem Krankenhaus ist, mich über eine „hilflose Person“ informiert, um die ich mich kümmern müsse.
Was tun? Eine Rettungsstelle kann Betrunkene, die sich selbst „einliefern“ oder von der Feuerwehr gebracht werden, nicht ablehnen; sie könnten ja noch etwa anderes haben als zu viel Blut im Alhohol Alkohol im Blut. Unser Rekord steht bei 5,1 Promille. Die Schwestern erzählen von einem Mann, der mit rund fünf Promille von der Polizei gebracht wurde und noch stehen und artikuliert reden konnte. Als eine Schwester ihm sagte, wenn er wolle, könne er auch gehen und dieser Anstalten machte, die Rettungsstelle schwankend, aber auf zwei Beinen zu verlassen, meinte ein Polizist völlig entgeistert: „Müsste der nicht tot sein?“
Es kommt darauf an, welcher Arzt Dienst hat. Manche meinem beim Anblick des Herrn M., der dann auf einer Trage liegt, nachdem sie ihn kurz gecheckt haben: „Keine medizinische Indikation“ und geben mir einen Wink, ihn hinauszuwerfen. Andere Ärzte lassen ihn einfach seinen Rausch ausschlafen. Das war das, was Herr M. im Sinn hatte. Man kann nur froh sein, dass nicht mehr Leute auf die Idee kommen.
Ein wahnsinniges Geschrei draußen vor dem Eingang. Zwei Polizisten, eine Polizistin und drei Feuerwehrleute bringen einen fast nackten Mann in Handschellen, der auf dem Bauch angeschnallt auf einer Trage liegt und schier unmenschliche Laute von sich gibt und trotzt der Fesseln tobt und sich aufbäumt. So muss „in Zungen reden“ sich anhören. Die meisten Kunden, die randalieren, schimpfen, beleidigen und fluchen aus Leibeskräften, aber man kann fast immer die Sprache erkennen, meistens ist jedes zweite Wort „Hurensohn“, „Fotze“ (bei Arabern) oder „Kurwa„. Für die Statistik: Wenn drei Polizisten mit einem Randalierer kommen, sind die fast immer total cool, grinsen und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen; kommen jedoch acht Polizisten mit einem (!) Mann in Handschellen, finden sie ihn nicht wirklich sympatisch.
Der diensthabende Psychiater muss erst von einer Station geholt werden. Das kann schon mal dauern. Wir stehen alle um den Mann herum. Der hört nicht auf zu schreien und zu toben, er ist schweißüberströmt, sein Gesicht liegt in einer Pfütze seiner eigenen Spucke.
Die Polizistin schüttelt den Kopf. Auf jeden Fall stimmt hier die übliche Diagnose: Falsche Substanz, und auch noch die falsche Menge davon.
Mittlerweile ist die Psychiaterin da. Der Mann wird fixiert. Er schreit jetzt schon fast eine halbe Stunde und hört nicht auf. Alle übrigen Patienten der Rettungsstelle beschweren sich oder sind verängstigt. Das medizinische Person schaut kurz um die Ecke; die kann man sowieso durch nichts mehr erschüttern. „Sowas hatten wir schon öfter“, murmelt eine Krankenschwester, und ein Pfleger kommentiert abgebrüht: „Haben wir überhaupt soviel Haldol hier, um den ruhigzustellen?“
Oft werde ich gerufen (falls die Polizei nicht eh schon da ist), wenn ein Patient ein Medikament intravenös bekommen muss, weil der so randaliert, dass die Schwestern keine Vene treffen. Bei Junkies geht es manches Mal um Leben und Tod, und diese wissen nicht, was sie tun und dass sie sich gegen Mediziner wehren, die sie retten wollen.
Aber wie kann man Herrn M. hinauswerfen? Der wiegt bestimmt 90 Kilo, wehrt sich aber nicht. Aber er steht nicht freiwillig auf. Man fährt ihn auf der Trage nach draußen. Natürlich kann ich Armhebel ansetzen, die ihm vermutlich weh tun, und die ihn zwingen, von der Trage runterzukommen. Und dann? Schleppe ich ihn zehn Meter weit, in Richtung des Parks, in denen es Bänke gibt, lässt er sich fallen, alles untern den Blicken zahlreicher Schaulustiger, die misstrauisch beäugen, was ein böser Wachmann mit einem wehrlosen Obdachlosen anstellt.
Herr M., kann sehr wohl recht gut zu Fuß gehen; das weiß in diesem Augenblick aber niemand außer ihm selbst und mir. Meistens hole ich den Kollegen, der nachts im Krankenhaus Steife geht, und wir setzen Herrn M. zu zwei auf eine Parkbank. Es dauert aber nur höchstens zehn Minuten, dann kommt der wieder angewankt und lässt sich vor dem Eingang fallen. Oder er schreit einfach laut um Hilfe, bis wieder jemand die Feuerwehr ruft (es sind nur 50 Meter von der nächsten Parkbank zum Eingang.) Wir nehmen jetzt meistens einen Rollstuhl, auf den wir Herrn M. setzen, und rollern ihn im Eiltempo ein bisschen weiter weg, dass er länger braucht, um wieder zurückzukommen.
Man kann natürlich auch die Polizei holen. Wenn ein Arzt der Rettungsstelle bestätigt, dass Herr M. nicht behandelt werde, haben die Polizisten ein Problem. Sie schleppen ihn auf eine Parkbank, der lässt sich sofort auf den Boden fallen, damit es dramatisch aussieht, und sobald die Polizei außer Sicht ist, steht er auf und begibt sich wieder in Richtung Rettungsstelle. Die Polizei kann jemanden nicht mehr so einfach in die Gesa bringen, weil es dazu einen richterlichen Beschluss braucht und weil Herr M. eigentlich nichts Verbotenes getan hat. Er schädigt nur „den Steuerzahler“, aber im Gegensatz zu den Banken, die das auch tun, sind die paar hundert Euro pro Nacht für die Feuerwehr- und Polizeieinsätze Peanuts.
Normalerweise erkläre ich den Polizisten das Geschäftsmodell des Herrn M.. Sie beobachten ihn dann, um zu sehen, ob ihre pädagogische Ansprache wirkt. Tut sie aber nie. Neulich hatte ich Glück, und die Polizei hatte nicht so viel zu tun. Herr M. kam zur Rettungsstelle zurück, aber die Polizisten warteten schon auf ihn, und schleppten ihn wieder auf eine Bank. Von Ferne sah ich, dass die Ansprache jetzt schon viel schlechter gelaunt ausfiel. Herr M. wartet dann eben ein bisschen länger. Oder er setzt sich auf sein Fahrrad und fährt die Auffahrt zur Rettungsstelle hinunter, bis zur Kreuzung, und lässt sich dort wieder fallen. Vorgestern ging das mehrere Stunden so. Irgendwann standen zwei Polizeiwagen da, und die Scheinwerfer leuchteten in den Park zu Herrn M., der dort lag und laut um Hilfe schrie. Eine Polizistin sagte mir, dass die Nachbarn ständig 110 anriefen: Da rufe jemand im Park. In diesem Fall müssen die Polizisten Herrn M. wohl Angst gemacht oder sie haben ihm mit irgendwas gedroht (was natürlich ein Bluff war), denn er bliebt eine halbe Stunde auf der Bank sitzen. Dann verschwand er. Ich habe ja viel zu tun und kann nicht immer nachsehen. Dann kam ein Auto vorgefahren, ein Mann stieg aus und sagte mir in besorgten Ton: „Da liegt ein hilfloser Mann auf der Straße“. Als ich fragte, ob der eine gelbe Weste anhabe und ob da auch ein Fahrrad sei, nickte der: Ich bin kurz hingerannt und habe Herrn M. an seinem Fuß von der Straße ins Gebüsch gezogen, dass ihn niemand überfahren konnte.
Eine Stunde geschah nichts. Es war schon drei Uhr morgens. Plötzlich kam ein Rettungswagen der Feuerwehr, und drei Feuerwehrleute stiegen grinsend aus und kamen auf mich zu. Ich kenne mittlerweile fast alle von denen. „Wir haben eine gute Nachricht für dich“, sagte einer. „Wir haben deinen Freund ins Krankenhaus nach Tempelhof gefahren“.
Für diese Nacht hatte ich den Kampf mit Herrn M. gewonnen.
O Fratzenbuch, deine Algorithmen! Oder: ähnliche Links

Der Mond über Rixdorf
Richardplatz, Rixdorf (aka Neukölln). Ich wohne in Sichtweite.
Miscellaneous
Henryk M. Broder schreibt über den Islamexperten Michael Lüders.
Correctiv.org hat die Ärzte befragt, die Geld von der Pharmaindustrie bekommen, aber nicht wollen, dass ihr Name genannt wird.
Deniz Yücel analysiert auf Welt online den Putschversuch in der Türkei. Das Beste, was ich bisher zum Thema las. Ähnlich auch David Blair im IndependentTelegraph: „You thought Erdogan was bad before? The worst of Turkey’s leader is yet to come“.
Lesebefehl für Telepolis: „Automatisch arbeitslos – Über die Folgen der Automatisierung und den Mythos der Vollbeschäftigung“. Der „Kommunismus“ kommt also durch die Hintertür – auf der Ebene der Produktivkräfte. Genau so, wie Marx es prophezeite. Nur müsste man die Produktionsverhältnisse noch ändern.
Unter Pharma-Groupies
Correctiv und Spiegel online haben eine Datenbank erstellt über Ärzte, die Geld von Pharmakonzernen angenommen haben (Suche per Postleitzahl).
Im Kleingedruckten liest man: „Die Informationen auf dieser Seite stammen von den 54 Mitgliedsfirmen der ‚Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.‘, die diese Angaben auf ihren jeweiligen Webseiten veröffentlicht haben.“ Und: „Die Daten haben Rechercheure von „Correctiv“ und SPIEGEL ONLINE aus mehreren Dutzend Listen zusammengetragen, die von den Pharmaunternehmen einzeln veröffentlicht wurden – darunter viele nicht computerlesbare PDF-Dateien mit unvollständigen Angaben.“
Hm. Mein Urologe ist auch dabei…
Rattenfänger oder: Bitte mehr Hasskommentare! [Update]

Immer, wenn alle Medien sich freiwillig gleichschalten einer Meinung sind, ist in Deutschland Vorsicht angebracht. Solche Fälle kann man leicht erkennen; sie werden oft dekoriert mit den sinnfreien Sprechblasen „Flagge zeigen“, „Gesicht zeigen“ sowie „durchgreifen“ (oft mit den Komparativen von „hart“ oder „entschlossen„).
Die Tagesschau heute: „Symbolik, die man braucht – Hasskommentare im Netz werden häufiger und härter. Jetzt griffen Bund und Länder durch – mit einer bundesweiten Razzia.“ Spiegel online spricht von volkserzieherischen Maßnahmen wie wieland bei den Übungen Turnvater Jahns.
Wozu haben wir eigentlich die deutschen Märchen? Wenn alle das Gleiche sagen, lesen wir entweder den „Rattenfänger von Hameln“ oder „Des Kaisers neue Kleider„. Wie wir aber schon wissen, lernt niemand aus der Vergangenheit und auch nicht aus Parabeln oder moraltheologischen Allerweltsweisheiten.
Alle sind gegen „Hasskommentare“ im Internet? Komisch, dass es früher diesen Begriff gar nicht gab. „Hass“ ist ein Gefühl. In Deutschland geht es immer darum, Themen zunächst zu entpolitisieren und dann in Emotionen zu verwandeln, für die dann Pfarrer und Erzieher und das Privatfernsehen zuständig sind. So war es schon immer – auch beim so genannten „Rechtsextremismus“.
Es gibt keinen „Hass“ an sich. Es gibt juristisch relevante Formen, die Leute zu verhetzen – eine deutsche Besonderheit -; näheres regelt das gesunde Volksempfinden der Gerichte.
Man muss es klar und deutlich sagen: Alle Deutsche sind für Zensur, wenn es um eklige oder idiotische Meinungen geht. (Ich übrigens nicht, ich bin aber nicht der Mainstream.) Ich bin dann mal sofort weg, wenn das diskutiert wird. Der gefühlte common sense ist nichts für mich.
Warum soll ein US-amerikanisches Unternehmen Dinge zum Beispiel löschen, die dort gar nicht strafbar sind? Am deutschen Gefühlswesen soll die Welt genesen? Ihr spinnt doch! Warum könnt ihr den Scheiß nicht einfach aushalten, was ihr müsstet, wenn ihr in den USA lebtet? Die Leute, die was von „Gaskammern wieder öffnen“ faseln oder ähnlichen Schwachsinn, sind doch irre. Das nehme ich nicht ernst, und ich rufe schon gar nicht die Staatsmacht. Wer gegen „Hasskommentare“ ist und selbst entscheiden möchte, was „Hass“ ist, muss automatisch auch Erdogan gegen Böhmermann recht geben.
Ich mag Hasskommentare, zum Beispiel: Ich hasse Antisemiten, korrupte Palästinenser-Führer und ihrer Groupies, besonders hierzulande, Rassisten, Gendersprech, Dummköpfe, Esoteriker und Verehrer höherer Wesen, die mir Vorschriften machen wollen, Veganer und viele(s) andere mehr. Darf ich das nicht? Soll ich weniger Gefühl zeigen? Mich (eventuell mit Komparativ) beherrschen?
Ach, da sind wir dann wieder bei der protestantischen Ethik und dem Prozess der Zivilisation. Usw..
[Update] Wer aus dem gefühlten common sense ausschert, wird bestraft.
Unseren täglichen Medienkonsum gib uns heute
Guanajuato, Mexiko (1979) – und gar kein Zusammenhang mit dem unten Geschriebenen
Uruguay gewinnt gegen Philipp Morris. Ich habe mir, wenn es so bleibt, vorgenommen, bei meiner nächsten Riese nach Südamerika auch am Rio de la Plata vorbeizuschauen – und im Gran Chaco. Vielleicht von da aus nach Bolivien? Umgekehrt ging es – in Tarabuco standen morgens LKWs, die Mitfahrer nach Paraguay suchten.
Harald Martenstein schreibt über „rhetorische Ausweichmanöver“.
In der Taz schreiben „kritische Muslime“. Das ist für mich Bullshit. Wer höhere Wesen verehrt, ist nicht „kritisch“, sondern nicht satifaktionsfähig. Man kann mit Relgiösen nicht rational diskutieren – wie sollte das funktionieren?
Das neue Sexualstrafrecht sei Unsinn und verfassungswidrig, sagt eine Strafrechtlerin. Sehe ich auch so. Fehlende Normenklarheit. Sollte man wegklagen.
Telepolis über „Staatsverbrecher“. Auch lesenswert.
Sport (Vorsicht, Faceboook) ist immer gut. Leider bin ich nicht so gut wie die Dame.
Portraits of Native American Teenage Girls
Portraits of Native American Teenage Girls.
Wow. Man muss im Gegensatz dazu nur mal einen x-beliebigen Western ansehen, wie dort indianische Frauen dargestellt werden. Was mir noch auffällt: Die schauen alle normal aus, mit Würde, niemand hampelt herum, streckt die Zunge heraus oder zieht eine dämliche Grimasse, wie heute bei Selfies üblich.
Ich will Möpse sehen!
Finden Menschen mit Menstruationshintergrund diese Werbung sexistisch? Ich nicht. In Kreuzberg wäre so etwas verboten, in Wilmersdorf (dort gesehen) sind Möpse noch erlaubt.
Building a Better Miscellaneous News Feed for You

Der Optiker meines Vertrauens hat mir gratis ein Detail meiner Brille repariert, wofür ich ihn hiermit ausdrücklich lobend erwähne. Andere Optiker in Laufnähe meiner Wohnung weigerten sich. Also weiß ich, wo ich eine neue kaufen würde, wenn es nötig wäre.
And now for something completely different.
Die Russen führen die Vorratsdatenspeicherung ein. (Gespräch mit Joerg Heidrich vom Computermagazin „c’t“)
Tilman Tarach: „Verantwortlich für den Mord an den drei israelischen Jugendlichen sind nicht nur die Mordbrenner der palästinensischen Hamas, sondern auch die westlichen Regierungen, auch die deutsche. Denn sie zahlen Hunderte von Millionen Euro jährlich an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), obwohl sie wissen (oder wissen sollten), dass ein Teil dieser Gelder gemäß dem palästinensischen Gefangenengesetz als Belohnung für Judenmord verwendet wird.“
Don Alphonso: „Aber ich kenne da ein paar Leute, so wie Berliner Autorinnen, die ihren Lebensunterhalt vor allem durch öffentliche Förderungen und mässig besuchte Lesungen staatlich finanzierter Institutionen bestreiten, weil ihre Bücher sich allein zu schlecht verkaufen – so wie diese Autorinnen auch Leute in London, Paris und Budapest kennen.“ (Hey, Don, ich mag sowas, und bitte die Namen gleich dazu!)
Einer der Attentäter von Istanbul stand auf der russischen Fahndungsliste, wurde aber 2012 von Österreich nicht ausgeliefert.
In Berlin gibt es jetzt eine Blockwart-App. Die wird sicher sehr beliebt werden.
Warum die Präsidentenwahl in Österreich wiederholt werden muss, analysiert die Fachpresse.
Ich schrieb im März: „Man kann auch sagen: Erdogan (auch nur eine Charaktermaske) hat sich in die Scheiße geritten. Das internationale Kapital ist bei Öl und Gas tendenziell gegen ihn.“. Ich hatte recht. Welt online: „Die Touristen bleiben aus, der IS wird aktiver. Der türkische Präsident gerät in die Defensive – und kann sich internationale Isolation nicht mehr leisten.“
Das Wichtigste zuletzt: Facebook kündigt an: „To help make sure you don’t miss the friends and family posts you are likely to care about, we put those posts toward the top of your News Feed.“ (Ein deutscher Kommentar: „Schlecht für Publisher: Neuer Facebook-Algorithmus stellt Posts von Freunden in den Fokus“.
Telepolis zu demselben Thema: „Für den News Feed werden neue Selektionsprinzipien [sic] eingeführt, der Nutzer soll nur sehen, was er angeblich wirklich will – und dabei auf Facebook bleiben“. Steht übrigens – ausführlich erläutert – schon bei Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung. (Rezension in Arbeit)
Kreuzkölln
Die „Ankerklause“ an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln, unten das Paul-Lincke-Ufer.
Berliner Zustände
Foto: Irgendwo in Berlin-Kreuzberg, morgens um 04.05 Uhr
Leseempfehlung: Harald Martenstein auf Zeit online über Berlin und Trump sowie über die Bulldogge Lenin und die Bezirksverordnete Martina Matischok-Yesilcimen [sic]. Lesenswert!
Islamischer Staat auf christlich
Telesur (Mexiko): „Jehovah’s Witnesses Destroy Ancient Indigenous Temple in Mexico“.
National befreite Zone Prenzlauer-Berg
Markus Lindemann schreibt auf Zeit online über „Neukölln“. Ich wohne ja auch in diesem Stadtteil, genauer: In Rixdorf, aber ich erkenne den Kiez nicht unbedingt wieder. Der Verwaltungsbezirk Neukölln umfasst so unterschiedliche „Dörfer“ und Mikrokosmen wie z. B. den Reuterkiez, das Rollberg-Viertel, Böhmisch-Rixdorf, Deutsch-Rixdorf (da wohne ich), Britz und Rudow, „Kreuzkölln“ – man muss schon genauer sagen, was man meint.
Ein Satz hat mir aber sehr gefallen: „In Vierteln wie Prenzlauer Berg sei eigentlich, wie ein Wohnungseigentümer mir während meiner Recherchen sagte, der rechtsradikale Traum der ’national befreiten Zone‘ wahr geworden. Rumänen, Türken, Araber müssten draußen bleiben.“
Fucking Moron
Wer lernen will, wie man auf Englisch gut beleidigt, sollte sich diese Tweets über Trump in Schottland ansehen.
Die Schlacht am Nolli
{Berlin:street} (neu in der Blogroll) berichtet über die „Schlacht am Nolli“ am 11. Juni 1982. (Ich kann mich noch daran erinnern.) Das waren noch Zeiten. Man sollte sich die heutigen Medien in Berlin vorstellen, wie die darüber geschrieben hätten.
























