Die größte Geißel der Menschheit
Nein, die Antwort können selbst die wohlwollenden Stammleser und die geneigten Stammleserinnen nicht vorhersagen. Die größte Geißel (mit eszett!) der Menschheit ist mitnichten die Religion, obwohl vieles dafür spricht. Die Verehrung höherer Wesen (Götter) oder niederer Wesen (Kaiser, Tribunen) oder gar nichtstoffllicher Substanzen (Energie, Esoterik) ist nur eine Unterabteilung dessen, unter dem die Menschheit am meisten leidet.
1. Beginnen wir bei der Berliner Treberhilfe. Laut Spiegel Print verdiente Harald „Maserati“ Ehlert 322.000 Euro im Jahr daran, dass sein „Konzern“ angeblich Obdachlosen half. By the way: Die Arbeitsagentur zahlte die Miete eines Menschen, der kein Einkommen hat. Obachlos ist jemand aus anderen Gründen.
Luxus ist kein Argument. Wir führen keine Neid-Debatte. Was mich ärgert, ist nicht dieser Ehlert, sondern die Leute, die ihn haben gewähren lassen. Ein Schmarotzer kann nur deshalb schalten und walten, wenn andere daran teilhaben. Es gab mal einen Verein, der wurde Gesellschafter einer gemeinnützigen GmbH, zur Hälfte gehörte der Laden Ehlert. Warum war das so? Man ließ ihn. Er unterschrieb seine eigenen Mietverträge. Es gab noch mehr Immobilien.
Warum eine gemeinützige GmbH? „Während bei Ihrem Verein die Mitglieder das Sagen haben und normalerweise jedes Mitglied eine Stimme hat, sind bei der gGmbH die Gesellschafter die Entscheidungsträger in allen grundsätzlichen Angelegenheiten.“ Noch Fragen?
„Einen Großteil ihrer Gelder, knapp acht Millionen Euro im Jahr 2008, bekam die Treberhilfe von der sozial- und Bildungsverwaltung des Berliner Senats und den Stadtbezirken.“ Wieviele Leute hätten der Treber“hilfe“ auf die Finger gucken können? Die Sozialsenatorin Bluhm (gehört zur Partei „Die Linke“) sagt, man hätte nicht kontrollieren können, was die „gemeinnützige“ GmbH mit ihren Gewinnen machte.
Wer prüft? Das Finanzamt für Körperschaften. „Nach Informationen dieser Zeitung prüft das Finanzamt für Körperschaften für das Jahr 2009, ob der Verein möglicherweise Gelder zweckentfremdet hat. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, würde dem Verein die Gemeinnützigkeit entzogen. Die Folge: Es müssten Steuern aus Erträgen bis maximal der letzten zehn Jahre zurückgezahlt werden.“ Und wenn sich der Verdacht nicht erhärtet? Bleibt alles so wie es ist, außer Ehlert. Aber seine bisherigen Getreuen und Groupies werden es schon richten. Und die „linke“ Sozialsenatorin findet die „Hilfe“ immer noch toll.
2. Bonn – auch im letzen Spiegel „lobend“ erwähnt. Der hier noch nie zitierte Generalanzeiger schreibt: „Zunehmend beschäftigen sich auch andere Medien mit den mysteriösen Vorgängen rund um das World Conference Center Bonn (WCCB), eines der zurzeit größten kommunalen Infrastrukturprojekte in Deutschland.“
Zunehmend? Spiegel Print: „Wie dumm darf sich eine Stadtverwaltung anstellen, bevor es kriminell wird? (…) Vieles spricht dafür, dass die Bonner Stadtspitze schon sehr früh und dann immer wieder vor dem Risiko Kim gewarnt wurde. Dass ihr klar hätte sein müssen, wie gefährlich jeder weitere Kredit sein würde. Trotzdem bürgte und bürgte sie.“
So etwas kritisch zu beleuchten und zu untersuchen, wäre Aufgabe der rheinischen Medien gewesen. Die Stadt ist mit ihrem riesigen Kongress-Bau auf einen Aufschneider hereingefallen. Der Kölner Stadtanzeiger zum Beispiel findet kein kritisches Wort, sondern druckt einfach das ab, was die PR-Abteilung der „Koreaner“ vorkäuen. Das ist kein Journalismus, sondern peinliches Gefasel.
Wikipedia: „Nach Beantragung eines Insolvenzverfahrens durch den Generalübernehmer kam es Ende September 2009 zu einem Baustopp. Die Fertigstellung des Konferenzzentrums kostet nach Einschätzung des Insolvenzverwalters rund 74 Mio. Euro.“
Es muss also nicht nur „Der Märchenmann“ heißen, sondern muss die Medien einbeziehen – die Märchenonkels.
3. Der erzreaktionäre Piusbruder und Antisemit Richard Williamson ist in Abwesenheit wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ist das gut oder schlecht? Hat auch nur ein deutsches Medium darüber räsonniert? Nein. Mainstream. Herdentrieb. Kurzes Gedächnis. Mangelnde Courage.
Ich halte es mit Winfried Hassemer, dem ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts: Der Volksverhetzungsparagraf gehört in seiner jetzigen Form abgeschafft. Er ist einer Demokratie unwürdig. „Die Gegner der Freiheit, solange sie nur ihren Mund aufmachen, meine ich, müssten durch einen Diskurs der Gesellschaft bedient werden, wenn es irgendwie ginge, und eben nicht durch das Strafrecht.“
Und was machen deutsche Gerichte? Sie fühlen sich dafür zuständig, die ganze Welt am deutschen Wesen genesen zu lassen. Ich finde das Urteil gegen Williamson peinlich und lächerlich – also falsch.
Was wollte ich eigenlich sagen? Ach ja. Die größte Geißel der Menschheit ist selbstredend die Dummheit, abgrundtiefe Dummheit, bei vielen Politikern ab Werk als Standard vorhanden, beim Volk sowieso.
Ich werde noch zum Misanthropen, wenn ich Medien konsumiere. Über das Stachelschwein-Gleichnis muss ich aber noch nachdenken: „In einer Gruppe von Stachelschweinen entwickeln an einem kalten Tag die Schweine ein allen gemeines Wärmebedürfnis. Um es zu befriedigen suchen sie gegenseitige Wärme und damit Nähe. Doch je näher sie aneinanderrücken, desto stärker schmerzen die Stacheln der Nachbarn. Deshalb verändern sie ihren Abstand, bis sie die erträglichste Entfernung gefunden haben.“ Vielleicht sollte ich zu den Medien einen größeren Abstand halten. Zu den Dummen sowieso – den größtmöglichen.
Die Daten der anderen
Bild.de ist heute Sprachrohr und Lobbyist Zierckes: „Datenschutz hilft Kinderschändern“. Natürlich. Und wir sind alle pädophil, wenn wir keine Webcam im Schlafzimmer installiert haben.
„In einem aktuellen Missbrauchsfall konnte ein Kinderschänder laut BKA nur mithilfe ausländischer Dienstellen ermittelt werden.“ Ach ja? Welches andere Land speichert denn auf Vorrat? Und wie ist der Datenaustauch gesetzlich geregelt? Quellen? Fakten? Nicht in deutschen Medien.
Noch einmal Ziercke am 15.11.2007: „Sie können sich die abstrakten Möglichkeiten vorstellen, mit dem man über einen Trojaner, über eine Mail oder über eine Internetseite jemanden aufsucht. Wenn man ihnen erzählt hat, was für eine tolle Website das ist oder eine Seite mit ihren Familienangehörigen, die bei einem Unfall verletzt worden sind, sodass sie dann tatsächlich die Seite anklicken.“
Mir fehlen bei einem solchen Blödsinn einfach die Worte. Mir fehlen auch die Worte, warum ein deutsches Medium einen derartigen Idioten überhaupt unkritisch zu Wort kommen lässt. Oder warum Journalisten nicht in schallendes Gelächter ausbrechen, wenn er den Mund aufmacht. Muss am verinnerlichten Obrigkeitsstaat liegen.
Holzmedien: Der Letzte macht das Licht aus
Ich muss hier kurz ein längeres Zitat eines Lesers im „Blog“ (in Wahrheit ist es eine linkfreie Website) der taz posten. Hintergrund: bild.de und taz.de sollen kostenpflichtig werden.
„Ich lese seit vielen Jahren keine Zeitung mehr. Etwa seit 1997, als ich das Internet ‚fand‘. Wozu auch? Ich bekomme ALLE Informationen kostenlos, zeitnah und aus jeder Quelle im Netz. Ich kann selber recherchieren, um zu überprüfen, ob die Meldung richtig oder ob da ‚Spin‘ drin ist. Ich erhalte Updates über Twitter, Blogs und Netzmedien im Sekundentakt, wenn ich will. Was also bietet mir Print noch? Die Wahl ist klar: Entweder es bleibt kostenlos für den Leser (Werbung nimmt man hin, wenn es nicht zuviel ist) und der Verlag bekommt Reichweite im Netz…oder es kostet auch nur einen Cent und 95% der Leser wandern ab. Wirklich, Leute, die Zeit des Informationsmonopols ist vorbei. Seht es ein, das war’s, Ende, Aus, Basta…der letzte machts Licht aus.“
Dem stimme ich, wie man im Juristenslang sagt, „vollinhaltlich“ zu. Aber die taz hat das mit dem Internet noch nie begriffen.
Ein Artikel ohne Links ist nichts wert
„Journalismus, der nichts kostet, ist jedenfalls nichts wert“, schreibt Stephan Ruß-Mohl, Professor für Journalistik und Medienmanagement an der Università della Svizzera italiana in Lugano in der Süddeutschen. Er leitet auch das European Journalism Observatory [sueddeutsche.de ist nicht in der Lage, einen Link dahin zu setzen, sondern schreibt ihn aus (www.ejo.ch), damit man nicht darauf klicken kann – deutscher „Online“-Journalismus at its best].
Der gute Mann schreibt auch folgendes: „Gewiss, wir nutzen auch andere Informationsquellen, seien das die alten Medien oder das Internet, um uns medizinische oder rechtliche Kenntnisse zu verschaffen. Wir möchten uns den Profis ja nicht völlig ausliefern und ihnen zumindest kritische Fragen stellen können. Aber letztlich vertrauen wir ihnen eben doch.“
Informationsquellen außer dem Holzmedienmainstreamjournalismus? Gibt es die überhaupt? Ach ja: „das Internet“. Igitt, man kann dieses berüchtigte Internet wohl nur mit der Kneifzange anfassen. Man kann es leider nicht ignorieren. Aber wenn Stephan Ruß-Mohl zu bestimmen hätte, reichten die Tagesschau, die Süddeutsche und das Feuilleton der ZEIT, um uns ausreichend über die Weltläufte zu informieren. Mehr braucht man gar nicht zu wissen.
Wer so etwas schreibt, hat keine Ahnung und lebt mental noch im letzten Jahrhundert. Die armen Journalisten, die an diesem journalistischen Observatorium ausgebildet werden und sich mit diesem Professor herumschlagen müssen!
Vermutlich schicken sie die alle nach Deutschland ins Land der Offliner. By the way: Ich traue den so genannten Profis nicht (by the way: wer soll das sein? Leyendecker?), weil sie gar keine Profis sind, sondern hohle Windbeutel, die mit der German Internet-Angst zu kämpfen haben.
Plagiate
„Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente.“ (Theodor Fontane) [via sueddeutsche.de und Fefe]
Deutschland – Land der Internet-Greenhorns
Karl May schrieb zu Recht in „Winnetou 1″: “ Ein Greenhorn schleppt der Reinlichkeit wegen einen Waschschwamm von der Größe eines Riesenkürbis und zehn Pfund Seife mit in die Prairie und steckt sich dazu einen Kompaß bei, welcher schon am dritten oder vierten Tag nach allen möglichen andern Richtungen, aber nie mehr nach Norden zeigt. Ein Greenhorn notiert sich achthundert Indianerausdrücke, und wenn er dem ersten Roten begegnet, so bemerkt er, daß er diese Notizen im letzten Couvert nach Hause geschickt und dafür den Brief aufgehoben hat. Ein Greenhorn kauft Schießpulver, und wenn er den ersten Schuß tun will, erkennt er, daß man ihm gemahlene Holzkohle gegeben hat. Ein Greenhorn hat zehn Jahre lang Astronomie studiert, kann aber ebenso lang den gestirnten Himmel angucken, ohne zu wissen, wie viel Uhr es ist. Ein Greenhorn steckt das Bowiemesser so in den Gürtel, daß er, wenn er sich bückt, sich die Klinge in den Schenkel sticht. Ein Greenhorn macht im wilden Westen ein so starkes Lagerfeuer, daß es baumhoch emporlodert, und wundert sich dann, wenn er von den Indianern entdeckt und erschossen worden ist, darüber, daß sie ihn haben finden können. (…) es ist ja eben die hervorragendste Eigentümlichkeit jedes Greenhorns, eher alle andern Menschen, aber nur nicht sich selbst für ‚grün‘ zu halten.“
Und was lesen wir bei Golem? „Jeder vierte E-Mail-Nutzer öffnet Spam-Nachrichten und ein Drittel der deutschen E-Mail-Nutzer hält sich für Sicherheitsexperten. Das geht aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Message Anti-Abusing Working Group (MAAWG) hervor.“
Noch mal ganz langsam: „Ein Drittel deutschen E-Mail-Nutzer hält sich selbst für Internet-Sicherheitsexperten. Demgegenüber bezeichnet sich nur rund ein Fünftel der britischen, US-amerikanischen und spanischen E-Mail-Nutzer als Experte oder als sehr erfahren im Umgang mit Sicherheitsmaßnahmen für das Internet. In Frankreich beträgt der Anteil der selbst deklarierten Experten gar nur acht Prozent.“
Darf denn das wahr sein? In einem Land, dessen Mainstream-Medien sich noch nicht einmal trauen, Links ins weltweite Internet zu setzen? In einem Land, in dem das Märchen verbreitet wird, dass die Obrigkeit angeblich in der Lage sein soll, sich in private Rechner zu „hacken“, um zielgenau gerichtsverwertbare Beweise zu bekommen? In einem Land, in dem die überwältigende Mehrheit der Journalisten noch nicht einmal den Unterschied zwischen „Internet“ und „World Wide Web“ kennt, in dem elektronische Postkarten der Standard sind (und nicht etwas verschlüsselte E-Mails) – dort wollen die Internet-Netzer „Sicherheitsexperten“ sein?! Das ist ja der Brüller.
Prints versus Online
Warum online niemals gegen Print gewinnen kann (via Kursmonauten)
Audi alteram partem – aber nicht bei gulli [Update]
Eine amüsante Diskussion gibt es im gulli-Forum über die Meldung, die gulli.com gestern über die German Privacy Foundation verbreitet hat. Was für ein schlamperter Laden… Im Forum der GPF steht auch noch etwas dazu. Gulli hat immer noch keine Gegendarstellung publiziert, sondern den Unfug auch noch getwittert. By the way: Kann man eine Gegendarstellung auch per Twitter verlangen? (ja, gulli hat die Angelegenheit per Twitter korrigiert.)
Totalitarismus-Hetze in neuer Dimension
Was lesen wir in Welt Online? „Linksextreme Gewalttaten in neuer Dimension“. Nun mal langsam. Diese Art von Statitik ist natürlich wenig aussagekräftig und zudem Propaganda des Innenministeriums mit spezieller Interessenlage. Wer diesen Quatsch unkritisch widerkäut wie Welt Online und natürlich die Bild-Zeitung, suggeriert ein politisches Weltbild (!), das aus der Zeit des Kalten Krieges stammt.
Die Totalitarismus-Doktrin ist bekanntlich die heimliche Staatslehre des Bundesrepublik und die Lebenslüge der CDU und lautet verkürzt: Rot gleich Braun, Auschwitz gleich Bautzen, Stalin gleich Hitler. In einer Presseerklärung des brandenburgischen Innenministeriums vor fünf Jahren hieß das dann so: „Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung wird nicht toleriert. Das gilt für Gewalt von rechtsaußen wie von linksaußen gleichermaßen. Wir werden den Kampf gegen den Extremismus in diesem Land mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln weiter konsequent führen.“ Quod erat demonstrandum.
Auf diesem Niveau berichtet Welt Online. „Besonders stark gestiegen sei die Zahl linksextremistischer Straftaten“ – das muss man dann in der Überschrift herausbrüllen, damit niemand mehr die folgenden Sätze liest: „Insgesamt sind dem Bericht zufolge rechtsradikal motivierte Taten aber weiterhin mehr als doppelt so häufig.“
Was zum Teufel ist eigentlich „Extremismus“? Bevor mir das nicht jemand erklärt, ohne auf die Moraltheologie des „Freiheitlich-Demokratischen“ – aka Neusprech für: Kapitalismus – zurückzugreifen, gibt es dazu gar nichts zu sagen.
Borderline-Journalismus bei NEON
„Was muss noch erfunden werden?“ heisst es in der aktuellen Ausgabe der NEON unter der Rubrik „Wilde Welt“. Interviews vermutlich – denn was lesen wir im Schweizer Tagesanzeiger? „Ein Journalist fälschte ein Interview mit Beyoncé Knowles. Es erschien im deutschen Magazin ‚Neon‚ und als Nachdruck auch in Schweizer Medien, unter anderem auch auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz.“ Die taz und Die Presse legen noch ein paar Kohlen mehr aufs Feuer.
NEON bedauert die Angelegenheit.: „Recherchen einer internen Arbeitsgruppe haben ergeben, dass auch an der Echtheit vier weiterer in NEON veröffentlichter Interviews des Autoren Zweifel bestehen: ‚Soundtrack meines Lebens‘ von Slash (NEON 6/2004) und ‚Soundtrack meines Lebens‘ von Christina Aguilera (NEON 12/2006) sowie Kurz-Interviews mit Snoop Doggy Dogg (NEON 12/2006) und Jay-Z (NEON 02/2010). Ingo Mocek gibt zu, dass auch diese Gespräche nicht wie von ihm vorgelegt stattgefunden haben.“
Das erinnert an Tom Kummer und den Borderline-journalismus. Aber was soll’s eigentlich? Das Gefasel irgendwelcher Voll-, Halb- oder Viertelprominenter macht doch einen großen Teil der Medienberichterstattung aus, und nicht nur die der Klatsch- und Regenbogenpresse wie „Das Goldene Blatt“ oder „Gala„. Ob die Geschichten dort wahr oder falsch sind, interessiert niemanden. Das Publikum will belogen werden und schöne Märchen sehen oder hören, eine Art „Förster im Silberwald“ oder ein Arztroman, nur ein wenig aufgepäppelt.
Man sollte wirklich auch bei der Regenbogenpresse so konsequent sein und nicht so tun, als handelte sich sich um Journalismus. Politik besteht ja auch bekanntlich nicht darin, dem Volk die Wahrheit zu erzählen und es aufzuklären, sondern aus dem Gegenteil. Das hat Politik wiederum gemeinsam mit der Verehrung höheren Wesen, dem Baron von Münchhausen und dem Rattenfänger von Hameln.
German Internet-Angst
Die Süddeutsche setzt einen Link! Hurra! Dass ich das noch erleben darf!
Eine Studie erklärt, warum die Internet-Ausdrucker in Medien und Politik in der überwältigenden Mehrheit sind: „Drei von vier Deutschen sind noch immer nicht im digitalen Zeitalter angekommen. (…) aber für nur 26 Prozent sind die digitalen Medien Teil des täglichen Lebens. (…) Als häufigsten Grund, digitale Medien zu meiden, nannten die Befragten die Angst vor Computer und Internet.“
Quod erat demonstrandum. Das Internet ist bekanntlich voll von Kinderpornografie und gewöhnlicher Pornographie, Bombenbauanleitungen, Antisemitismus und ekelhafter Musik. Und die Obrigkeit durchsucht ständig unsere Rechner, wie die Süddeutsche uns ja schlagend bewiesen hat.
Mal ganz im Ernst: Ich bin ja froh, dass einige DAUs dem Netz aller Netze fernbleiben. Wenn die ein gutes Buch läsen oder Big Brother oder Dieter Bohlen oder Heide Klum glotzten, wenn sie nicht lesen könnten, und online das Maul hielten, wäre das nicht schlecht.
Bizarre Argumente der Holzmedien zu Chávez
Man braucht nur die Überschriften Revue passieren zu lassen, dann ahnen die medienkompetenten Leser schon, dass wieder einmal eine falsche Sau falsch durchs falsche Dorf getrieben wurde. „Chavez fordert Kontrolle des Internets! (Deutsche Welle). „Chávez will Internet in Venezuela streng kontrollieren“ (AFP). „Venezuelas Präsident hat Angst vor Online-Putsch“ (Welt „Online“. „Venezuelas Präsident fordert Internetregulierung“ (TDNet.de). „Web-Opposition – Venezuelas Präsident Chávez fordert Kontrolle des Internets“ (Spiegel Offline).
„Web-Opposition“? Verwechselt da wieder ein Internet-Ausdrucker das World Wide Web mit dem Internet? Immerhin ist dieses zwei Jahrzehnte älter als dieses.
Aber zum Thema: Das ist eine Falschmeldung, die bewusst etwas suggeriert, was sich bei einer fünfminütigen Recherche als Blödsinn herausgestellt hätte. Besonders perfide formuliert Spiegel Offline: „bizarr anmutende Argumente – unter anderem berief sich Chávez auf Aussagen von Bundeskanzlerin Merkel.“ Das ist mitnichten bizarr, sondern völlig korrekt, weil Chavez genau das sagte, was auch Merkel verlautbart hat. Das ist kein Journalismus, sondern Meinungsmache und Agitprop.
Was ist geschehen? „Venezuela: Wir planen keine Zensur des Internets. Keine staatlichen Eingriffe wie in China, Kuba oder im Iran“ (golem.de). Aha. „Eine rechtsextreme Internetseite verbreitet gezielt Falschmeldungen, legt dem Militär einen Staatsstreich nahe, verbreitet manipulierte Fotos und Leserkommentare, in denen offen zur Ermordung bekannter Politiker und Journalisten aufgerufen wird. Nun ist Venezuelas Präsident Hugo Chávez endlich der Kragen geplatzt. Am Sonnabend forderte er die Staatsanwaltschaft des Landes auf, Ermittlungen gegen die Internetseite ‚Noticiero Digital‚ einzuleiten. (…) Tatsächlich hatte Chávez gesagt, das Internet dürfe ‚kein rechtsfreier Raum‘ sein und zitierte damit ausdrücklich niemand anderes als Bundeskanzlerin Angela Merkel.“ (Junge Welt).
Natürlich ist auch die Junge Welt ein verschnarchtes Holzmedium, das nicht in der Lage ist, einen Link zur betreffenden Website zu setzen, damit die Leser sich selbst ein Bild machen können (Ja, verdammt noch mal, ich kann Spanisch!) Und ich wüsste verdammt noch mal auch gern, wo und wann er das gesagt hat! (Da gibt es doch so eine Linksammlung OMG: „Last update: 05.08.2006, last check: 19.05.2005“. Ich hatte ganz vergessen, dass es die noch gibt…)
El Nacional: „Chávez: Internet no puede ser una cosa libre donde se haga y diga lo que quieran“. Das ist nichts anderes als die Sprachblase, hier man hierzulande permanent hört: Das Internet dürfe kein „rechtsfreier Raum“ sein (was es sowieso nicht ist und noch nie war). Also nichts Aufregendes.
„Wenn in Venezuela eine faschistoide Seite (hoffentlich bald) geschlossen wird, die immer wieder Menschen zum Abschuß freigibt, dann ist das Zensur“, schreibt die Junge Welt. Die Heuchelei der Mainstream-Medien ist damit zwar korrekt benannt, die Junge Welt outet sich damit aber als reaktionäres Blatt, das Zensur fordert und das mit dem modernen Verständnis von Meinungsfreiheit auch für die Gegner der Demokratie nichts anzufangen weiß. Melde gehorsamst, Herr Block- und Jugendschutzwart: Verbot „faschistoider“ Meinungen im Internet durchgeführt!
Holzmedien suchen nach Liebe
So sieht die Website der Süddeutschen bei mir aus: Der Text am Rand von der Werbung verdeckt, somit unleserlich. Da sind eben hoch bezahlte Internet-Experten am Werk, die mir vermutlich zurufen werden: Laden Sie sich Ihren Internet-Explorer doch bei Kleinweiche mal schnell herunter, diese Datenautobahn wurde nur für proprietäre Software geteert!
Meinungsmache
Via Hal ein interessantes Thema: „Totschweigen als Methode zur Verschleierung der Meinungsmache“. Das hört sich zwar nach einer Verschwörungstheorie an, bezieht sich aber auf ein medienkritisches Buch Albrecht Müllers: „Meinungsmache. Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen.“
„…weil ich in einem Kapitel, dem Kapitel 21 ‚Das Verschwinden der Medien als kritische Instanz‘ ausführlich auf 60 Seiten beschreibe, hatte ich erwartet, dass dieses Buch wie übrigens auch die NachDenkSeiten auf den Widerstand der Hauptmedien treffen wird. Ich hätte mit Verrissen der betroffenen Medien gerechnet, aber nicht mit dem totalen Totschweigen.“
Totschweigen? Das stimmt nicht, vgl. das Interview von Spiegel Offline oder die Rezension von SR2: „Wenn alle führenden Medien ungefähr das Gleiche verbreiten, dann kann es sich einfach um die Wahrheit handeln. Es kann aber auch das Ergebnis gezielter Propaganda und Meinungsmache sein. Abweichende Meinungen können Verschwörungstheorien sein oder berechtigte Hinweise auf ein Vertuschen von unangenehmen Tatsachen.“ Auch die Attitude „keiner liebt mich“ kann also Meinungsmache sein.
Der Autor war Redenschreiber des Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller in den Jahren 1968 und 1969, Verantwortlicher für Willy Brandts Wahlkampf und Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt bei Brandt und Schmidt.
Moralapostel
Das Wort zum Sonntag kommt von sueddeutsche.de: „In einer vom Fachmagazin Psychological Science (Online-Ausgabe) veröffentlichten Studie zeigen Nina Mazar und Chen-Bo Zhong von der Universität Toronto, dass Probanden, die zuvor Bio-Produkte gekauft hatten, Mitmenschen anschließend schlechter behandelten, als es die Kunden konventioneller Lebensmittel taten. Die kanadischen Forscher erklären in der Studie ein generelles Muster menschlichen Verhaltens. Wer moralisch handelt und sich zum Wohle anderer verhält, leitet daraus häufig das Recht ab, gegen Normen zu verstoßen.“
Warum Süddeutsche Offline zwar „Online Ausgabe“ schreibt, aber keinen Link setzt, kann man nur aus der internetausdruckenden Mentalität der Offliner in der Redaktion erklären. Liebe Kollegen, wenn man vor der verschlossenen Tür einer „Online-Ausgabe“ steht wie in diesem Fall, heisst das nicht, dass es die gesuchte Studie dann nicht gibt!
Zwar gibt es auch in Kanada Internet-Ausdrucker in die Medien wie Ottawa Citizen („Green shoppers more likely to cheat“) oder canada.com oder The Star ( mit einem Foto der beiden Wissenschaftler), in Blogs jedoch wie Fiat Lux: „The Ethics of Environmentalists“ (University Stanford) findet man alle nötigen Links. Man sollte also nur die Überschriften und die Teaser der Holzmedien zur Kenntnis nehmen, der Rest steht dann in Blogs.
Das Ergebnis der Studie ist nicht weiter überraschend für Zyniker. Es erklärt Charity-Veranstaltungen, Spendenaufrufe, die gewöhnliche Heuchelei der Verehrer höherer Wesen, ja, das Helfen, wenn es öffentlich ist, insgesamt..
Der Mensch an sich handelt ausschließlich für den eigenen Vorteil. Moralisch wird er, wenn er langfristig an den eigenen Vorteil denkt. Das Motiv bleibt gleich. Man hüte sich also vor Moralaposteln – die haben oft niedrige Motive.
Nachtrag: Die Studie erklärt auch die Motive einiger Pädagogen. Jetzt muss ich zur Erholung und um den Ekel loszuwerden erst einmal das hier hören. „We Dont Need No Education“ bekommt einen ganz neuen aktuellen Sinn. Schützt die Kinder vor den „Erziehern“!
Die Angst der Deutschen vor dem Internet
„72 Prozent halten das Netz für einen gefährlichen Ort, um seine Meinung frei zu äußern – mehr als in jedem anderen Land. So eine aktuelle Studie, die die BBCVerfassungsblog, und das erklärt, warum die deutschen Mainstream-Medien eine höllische Angst for dem Link an sich haben – allen voran Spiegel Offline, Focus Offline und wie sich die anderen Medien für Internet-Ausdrucker nennen.
Es ist ein kulturelles Phänomen – ich ahnte es. Natürlich läuft man in Deutschland als Blogger immer in Gefahr, einem Abzock-Anwalt in die Hände zu fallen, der sich sein mieses Gewerbe vom Landgericht Hamburg und seiner Kammer des Schreckens juristisch absegnen lässt.
Da auch die konservative Linke mehr nach Zensur schreit als sich für das Gegenteil stark macht, hat Meinungsfreiheit keine starke Lobby. Kein Wunder, dass das die Deutschen eh nicht interessiert. Und die Medien bestärken durch Verschwörungstheorien, der Staat könne alle(s) belauschen und nachvollziehen, was man so macht im Internet… Angst…Angst…Angst. Das deutsche Wort ist nicht zufällig in andere Sprachen übernommen worden.
Wie kommt es nur, dass doppelt so viele Australier als Deutsche meinen, man könne im Internet seine Meinung frei verbreiten, obwohl sich Australien anschickt, das chinesische Zensur-Modell zu imitieren? Dass sogar mehr Chinesen das Internet für eine Ort halten, der sich für das freie Wort eignet, als Deutsche? Ich bin gespannt, ob diese Studie der BBC den Weg in irgendein deutsches Medium findet und wie dann herumgeeiert wird, um das Ergebnis zu erklären.
Halbblütler
Originalzitat Spiegel Offline: „Nein, sie weiß, wie man sich gegenüber dem Präsidenten verhält. Und sie ist mächtig stolz auf ihn, auch wenn er gemischtrassig ist.“
Gemischtrassig. Stellen die jetzt NPD-Mitglieder als Redakteure ein oder ist besonders dämlicher Rassismus ein Einstellungskritierum für deutsche Medien, die mit dem Internet auf Kriegsfuß stehen?
Mohammed(s) Dog
Jerusalem Post berichtet: „Swedish papers publish image of prophet with dog’s body after 7 nabbed in murder plot. (…) The controversial drawing by Swedish artist Lars Vilks was printed in Stockholm papers Dagens Nyheter and Expressen and the Malmo daily Sydsvenska Dagbladet.“ Die schwedische Zeitung Interview mit dem Zeichner Lars Vilks nachgelegt.
The Jawa Report (ich habe nicht recherchiert, wer dahintersteckt) zitiert CNN: „Irish media reports said the target was Swedish cartoonist Lars Vilks, who drew a cartoon of the Muslim prophet Mohammed with the body of a dog in 2007, prompting al Qaeda to offer $100,000 to anyone who killed him plus an extra $50,000 if the killer slits his throat. The Irish press reports cited unnamed police sources.“
Trauen sich deutsche Medien, die Karikaturen auch zu publizieren, etwa aus Solidarität oder gar im Namen der Meinungsfreiheit? Drei Mal dürfen Sie raten…
Bananenrepublik II
Sueddeutsche.de: „Der EuGH hat festgestellt, dass Deutschlands Datenschutzbehörden nicht unabhängig agieren können. (…) Das höchste Gericht der EU verwarf am Dienstag in Luxemburg die in der Bundesrepublik übliche staatliche Aufsicht über den Datenschutz in der Privatwirtschaft als rechtswidrig. Der EuGH gab damit einer Klage der EU-Kommission statt, die zuvor vergeblich von Deutschland eine Aufsicht über den Datenschutz von Privatpersonen ‚in völliger Unabhängigkeit‘ gefordert hatte.“
Liebe Offliner und Internet-Ausdrucker bei sueddeutsche.de: Das Urteil ist sogar in deutscher Sprache online verfügbar. Seid ihr nur zu dumm, das zu finden oder nur zur faul, einen Link zu setzen? Oder beides? Oder wollt ihr gar freiwillig sterben, Holzmedien?
Ich glotz TV, ihr Diener des Mainstreams
Heute bin ich richtig müde, werde mich gleich ins Bett werfen und zwischen ZDF und Arte hin- und herzappen. (Ja, ich schaue beide Filme gleichzeitig!) Sharon Stone ist auch immer einen Blick wert.
By the way: Der Print-Spiegel macht (S. 143) auf eine noch unveröffentlichte Studie der Otto-Brenner-Stiftung aufmerkam. Thema: die Wirtschaftsberichterstattung zur Finanzkrise. Die tagesaktuellen Medien seien „ihrer Rolle als kritische Frühwarner nicht gerecht geworden“, sondern hätten versagt. Untersucht wurden überregionale Tageszeitungen, die dpa sowie „Tagesschau“ und „Tagesthemen“.
„Der aktuelle Wirtschaftsjournalismus, urteilt die Studie, sei insgesamt kein ‚kritischer Träger der Aufklärung‘, sondern eher ‚Diener des Mainstreams‘.“ Ja, das gilt nicht nur für den Wirtschaftsjournalismus.






















