Deutschland – Land der Internet-Greenhorns

Karl May schrieb zu Recht in „Winnetou 1″: “ Ein Greenhorn schleppt der Reinlichkeit wegen einen Waschschwamm von der Größe eines Riesenkürbis und zehn Pfund Seife mit in die Prairie und steckt sich dazu einen Kompaß bei, welcher schon am dritten oder vierten Tag nach allen möglichen andern Richtungen, aber nie mehr nach Norden zeigt. Ein Greenhorn notiert sich achthundert Indianerausdrücke, und wenn er dem ersten Roten begegnet, so bemerkt er, daß er diese Notizen im letzten Couvert nach Hause geschickt und dafür den Brief aufgehoben hat. Ein Greenhorn kauft Schießpulver, und wenn er den ersten Schuß tun will, erkennt er, daß man ihm gemahlene Holzkohle gegeben hat. Ein Greenhorn hat zehn Jahre lang Astronomie studiert, kann aber ebenso lang den gestirnten Himmel angucken, ohne zu wissen, wie viel Uhr es ist. Ein Greenhorn steckt das Bowiemesser so in den Gürtel, daß er, wenn er sich bückt, sich die Klinge in den Schenkel sticht. Ein Greenhorn macht im wilden Westen ein so starkes Lagerfeuer, daß es baumhoch emporlodert, und wundert sich dann, wenn er von den Indianern entdeckt und erschossen worden ist, darüber, daß sie ihn haben finden können. (…) es ist ja eben die hervorragendste Eigentümlichkeit jedes Greenhorns, eher alle andern Menschen, aber nur nicht sich selbst für ‚grün‘ zu halten.“

Und was lesen wir bei Golem? „Jeder vierte E-Mail-Nutzer öffnet Spam-Nachrichten und ein Drittel der deutschen E-Mail-Nutzer hält sich für Sicherheitsexperten. Das geht aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Message Anti-Abusing Working Group (MAAWG) hervor.“

Noch mal ganz langsam: „Ein Drittel deutschen E-Mail-Nutzer hält sich selbst für Internet-Sicherheitsexperten. Demgegenüber bezeichnet sich nur rund ein Fünftel der britischen, US-amerikanischen und spanischen E-Mail-Nutzer als Experte oder als sehr erfahren im Umgang mit Sicherheitsmaßnahmen für das Internet. In Frankreich beträgt der Anteil der selbst deklarierten Experten gar nur acht Prozent.“

Darf denn das wahr sein? In einem Land, dessen Mainstream-Medien sich noch nicht einmal trauen, Links ins weltweite Internet zu setzen? In einem Land, in dem das Märchen verbreitet wird, dass die Obrigkeit angeblich in der Lage sein soll, sich in private Rechner zu „hacken“, um zielgenau gerichtsverwertbare Beweise zu bekommen? In einem Land, in dem die überwältigende Mehrheit der Journalisten noch nicht einmal den Unterschied zwischen „Internet“ und „World Wide Web“ kennt, in dem elektronische Postkarten der Standard sind (und nicht etwas verschlüsselte E-Mails) – dort wollen die Internet-Netzer „Sicherheitsexperten“ sein?! Das ist ja der Brüller.

Kommentare

One Kommentar zu “Deutschland – Land der Internet-Greenhorns”

  1. Tweets die Deutschland – Land der Internet-Greenhorns : Burks' Blog erwähnt -- Topsy.com am März 26th, 2010 9:33 pm

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Stefan Lütje und do-panic, Burkhard Schröder erwähnt. Burkhard Schröder sagte: Deutschland – Land der Internet-Greenhorns http://www.burks.de/burksblog/2010/03/26/deutschland-land-der-internet-greenhorns […]

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