Immer ist irgendetwas

Stangenschloss

Ich freute mich schon auf die drei Tage ohne Lohnschinderei. Aber immer ist irgendetwas.

Gestern ging mir eines der beiden Türschlösser kaputt – ein altes, aber sehr solides Drehstangenschloss, was dazu gedacht ist, die Herren Einbrecher abzuhalten, mit Werkzeug meine Tür zu öffnen dergestalt, dass sie so einen Höllenlärm verursachen würden, dass das ganze Haus auf den Beinen wäre. Nachteil: Wäre ich bei einer Hausdurchsuchung nicht da, hinge die Tür nur noch in winzigkleinen Einzelteilen in den Angeln, da die Einsatzkräfte nicht fräsen, hebeln oder trennschleifen würden, sondern gleich, da immer Gefahr im Verzuge bei Majestätsbeleidigungen und beim Verunglimpfen des Kapitalismus der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, mit dem Rammbock kämen.

„Kaputt“ hieß: Ich konnte den Schlüssel nicht mehr rausziehen, wenn ich abgeschlossen hatte. Irgendetwas war verkantet. Ich habe lange gebraucht, um das Schloss gestern kurz vor Mitternacht abzumontieren, weil alle Schrauben aus dem letzten Jahrtausend stammen und dementsprechend demoliert sind.

Heute morgen fand ich dann nach längerem Hin und Her den Fehler. Der untere Zylinder, in den man den Schlüssel steckt, hängt an zwei kleinen Schrauben. Die hatten sich so gelockert, dass die beiden hervorstehenden metallenen Aussparungen, die das Schloss bewegen, sich einmal zuviel gedreht hatten und nicht wieder zurück an ihren angestammten Platz konnten. Darauf muss man auch erst einmal kommen – zumal das Schloss noch „irgendwie“ funktionierte. Zwei Stunden meiner kostbaren Gesamtlebenszeit sind weg.

Beim Betrachten des Gesamtkunstwerks fiel mir auf, dass ich die Tür mal wieder streichen könnte…

Stangenschloss

Unter gut behandelten Blühenden

Blüte

Wenn man Pflanzen gut behandelt und manchmal ein paar lobende Worte fallen lässt, blühen sie auch…

Trinkt mehr Tee!

tee

Indischer Tee aus den geerbten Tassen meiner verstorbenen Mutter.

Esst mehr Wurst!

kartoffelsalat

Nehmt dies, Vegetarier! Selbst gemachten Kartoffelsalat hatte ich schon mehrfach erwähnt, aber den mit Fisch mache ich nicht mehr. Dieser schmeckt besser.

Indischer Tee

tee

Nun zur Weltlage. Hier ein indisches Tee-Rezept:
– Eine halbe Tasse Wasser in einem Topf zum Kochen bringen.
– Zwei Teelöffel Brooke Bond Taj Mahal Tea in das Wasser geben.
– Dann einen Teelöffel gemahlenen Kardamon und einen Fingerhut voll gemahlenen Ingwer hinein.
– Fünf Minuten kochen lassen.
– Dann eine halbe Tasse Milch und Zucker je nach Geschmack (bei mir war ein ein gestrichener Esslöffel) zufügen.
– Weitere fünf bis sieben Minuten kochen lassen.
– Tee durch ein Teesieb in die Tasse füllen und trinken…

Schefflera gerettet

Schefflera

Das Schuldenpaket Ich habe hier schon langem eine Strahlenaralie (Schefflera), die mehr als zwei Meter hoch ist. Leider bekam sie im Herbst Schildläuse, was ich zu spät bemerkte, und fast alle Blätter der unteren Hälfte fielen ab. Ich habe die Schädlinge, weil ich gerade in meiner Wohnung keine Marienkäfer, Schlupfwespen und Ohrwürmer züchte, händisch bekämpft und dann auch noch die chemische Keule benutzt. Mehrere Monate passierte gar nichts, aber der Rest der Blätter fiel kaum noch ab. Dann aber fing die Pflanze an, oben Triebe zu werfen und heute sogar am Seitentrieb. Sie scheint sich also erholt zu haben. Mir ist es sogar im letzten Jahr gelungen, sie zu vermehren – ein kleines Exemplar wächst fröhlich vor sich hin.

Schefflera

Pflicht und Kür und kein Sex

Erdbeertorte

Heute verspricht ein guter Tag zu werden. Erstens habe ich nach vier Schichten frei und konnte ausschlafen.

Zweitens hat die Großbourgeoisie mir Talisker, Penderyn und Highland Park geliefert (drei Flaschen halten ein paar Wochen, wenn ich keinen Besuch bekomme, und wenn ihr Fantastilliarden-Mal auf die Links klickt, kann ich im Frühjahr noch mehr kaufen).

Drittens habe ich den Küchenfußboden geflickt und etwas an der Dusche.

Viertens habe ich Mondly gelöscht, weil mir das für Hebräisch zu unübersichtlich war und dafür einen Online-Kurs gekauft, der mir nach einer Viertelstunde lernen sehr gefällt (man behält sofort etwas!)

Fünftens habe ich heute eine halbe Stunde mit Duolingo Spanisch wiederholt und bin auf Score 61 von 160 gelandet.

Sechstens habe ich soeben meine absoluten Rekord gebrochen und 31 Liegestütze geschafft.

Siebtens habe ich einen Erdbeerkuchen gebacken, der nach dem Abendessen, was ich gleich zubereiten werde, zum Verzehr geplant ist, natürlich mit Sahne.

Achtens wird mein Avatar später zur En’Kara-Messe gehen und viele interessante Leute Avatare treffen.

Neuntens kann ich morgen ausschlafen ( – habe aber eine 12-stündige Nachtschicht vor mir).

Zehntens wäre Sex zum Abschluss des erfolgreichen Tages ganz gut, nach dem Erdbeerkuchen, aber es ist leider gerade keine passende Dame zur Hand. Stattdessen werde ich 1883 weiterschauen bis zum Einschlafen. Besprechung demnächst in diesem Theater.

Das Brot der frühen Jahre, revisited

Brot

Ist doch schön, wenn man ein echte Bäckerei im Haus hat.

By the way: Vielen Dank an den edlen Spender Ch. G.!

Hillbilly-Elegie, revisited

Hillbilly-Elegie

Das Buch ist großartig, lehrreich, rührend. Kaufen und anderen schenken!

Im Hintergrund mehrere Westasiaten, die streiten und herumbrüllen – wie gewohnt ohne Affektkontrolle -, dass die Polizei kommen muss. Neukölln eben. Ich sitze übrigens in der Drei Flaschen Bar.

Kubanische Reispfanne

Kubanische Reispfanne

Ich habe mir gestern die kubanische Reispfanne gegönnt, musste aber das Original-Rezept variieren.

600 g Schweinesteak(s) oder Schweineschnitzel (ein gutes halbes Kilo, so genau muss man das nicht nehmen)
2 EL Sojasauce
1 EL Honig
1 EL Oregano
2 Knoblauchzehe(n), ich habe fünf genommen
1 große Zwiebel(n) – bei mir waren es drei mittelgroße
2 EL Öl (Olivenöl)
2 TL Chilipaste oder Peperonipaste, scharf: Das hatte ich nicht. Also nahm ich indisches Chilipulver, extra scharf, dazu ein paar Tropfen Tabasco und ein halbes Dutzend Jalapenos
200 g Langkornreis: Wieso muss es dieser Reis sein? Ich habe Basmati-Reis genommen, wie immer professionell zubereitet so lange waschen, bis das Wasser einigermaßen klar ist.
1 Dose Tomaten, stückige:
400 ml Gemüsebrühe oder Fleischbrühe
1 Dose Bohnen, weiße: ich nahm rote Bohnen.
Salz und Pfeffer

1. Schritt: Das Schweinefleisch in Streifen schneiden und in eine Schüssel geben. Für die Marinade Sojasauce, Honig und Organo zugeben und vermengen. Ich habe alles über Nacht abgedeckt im Kühlschrank einziehen lassen.

2. Schritt: Die Knoblauchzehen und die Zwiebel schälen und fein hacken (ich sage nur: Kenwood!). Das Öl erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin andünsten.

3. Schritt: Das Fleisch mitsamt den Marinade zugeben und von allen Seiten scharf anbraten.

4. Schritt: Die Chilipaste kurz darin anschwitzen, den Reis und die Tomaten zugeben und mit der Brühe aufgießen.

5. Schritt: Auf mittlerer Flamme köcheln lassen, bis das der Reis gar ist, wenn die Flüssigkeit verkocht ist. Den Reis muss man probieren, ob er schon weich ist – nach ca. 15 Minuten oder länger.

6. Schritt: Die abgetropten Bohnen unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Kombination von Chili, Tabasco und Jalapeños muss man so dosieren, dass die der lateinamerikanischen oder hier: westindischen Küche Unkundigen nicht feuerspeiend das Weite suchen.

Indisches Dal, chinesisch gegessen [Update]

dal

Ich habe mich heute zum ersten Mal an der indischen Küche versucht und machte Rote-Linsen-Dal. Es ist trefflich gelungen.

Nimm dies von ChatGPT (um das, was ich wusste, zu bestätigen), eatbetter.de aka Diensteanbieter: BurdaVerlag Publishing GmbH:

Die korrekte Schreibweise ist „Rote-Linsen-Dal“ mit zwei Bindestrichen.

Erklärung: „Rote Linsen“ ist eine Wortgruppe, die nicht zwingend zusammengehört. Wenn sie in einem Kompositum vorkommt, wird sie mit einem Bindestrich verbunden: Rote-Linsen. „Dal“ ist das Grundwort des Kompositums, sodass das ganze Wort „Rote-Linsen-Dal“ korrekt mit zwei Bindestrichen geschrieben wird. Diese Schreibweise sorgt für eine klare Lesbarkeit und folgt den Regeln zur Zusammensetzung von mehrteiligen Begriffen im Deutschen.

dal

Ich habe das verlinkte Rezept variiert.

1. Schritt: Drei kleine oder zwei große Ziebeln, 6 Knoblauchzehen, 1 Stück Ingwer (daumengroß, geschält), gut 250 Gramm rote Linsen (gibt es im Supermarkt), Petersilie (ich hatte nur tiefgefrorene und nahm 2 Packungen).

Die Zwiebeln, den Knoblauch und den Ingwer habe ich zusammen in der guten Kenwood geschreddert.

2. Schritt: Jeweils 1 Teelöffel Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander, scharfes Paprikapulver und Tikka-Masala-Curry-Paste (ich mag kein „chicken“). Alles in einem kleinen Gefäß vermatschen.

2 Esslöffel Rapsöl (oder Sonnenblumenöl – beide haben nicht so einen Eigengeschmack wie Olivenöl) in einem Topf oder einem Wok erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch, und Ingwer kurz darin anbraten und dann die Linsen dazugeben (vorher kurz waschen und abtropfen lassen).

Nach ein paar Minuten mit einem halben Liter Gemüsebrühe ablöschen und zehn Minuten abgedeckt köcheln lassen.

3. Schritt: eine kleine Dose gehackte Tomaten (400 gr.), 200 Milliliter Kokosmilch und den Saft einer halben Zitrone oder Limette einrühren. Mit Salz und viel gemahlenem Pfeffer abschmecken.

Dazu Basmati-Reis, professionell zubereitet.

Kann man essen. (Instagram-Version)

dal

Ich vergaß zu erwähnen, dass ich für meine tägliche Diät-Tag noch eine Heidelbeer-Torte machte mit einer klitzekleinen Portion Sahne.

[Update] Mein indischer Untermieter kritisierte, dass Tikka Masala auf keinen Fall zu Dal gehöre, sondern Garam Masala, Auch nehme er kein Ingẃer.

Back to Plastic

plastik

Um alles muss man sich selbst kümmern…

Unter Altersberichtenden

ataman

Die umstrittene Frau Ataman wieder: „Die Altersberichtskommission der Regierung, unter der Leitung der Antidiskriminierungsbeauftragten Ferda Ataman, veröffentlichte einen neuen Altersbericht. Dieser sieht unter anderem vor, dass Formulierungen wie „süße Omi“ oder „für dein Alter siehst du gut aus“ künftig als altersdiskriminierend gelten. Die „süße Omi“ wird in dem Bericht als „verniedlichendes Sprechen“ eingestuft und gelte laut Ataman als „gut gemeinte Altersdiskriminierung“. Auch vermeintliche Komplimente über das gute Aussehen von Senioren erklärt Ataman als problematisch. Obwohl im rechtlichen Sinne keine Diskriminierung stattfinde, können die Formulierungen als despektierlich empfunden werden. Ataman erhofft sich eine gesellschaftliche Sensibilisierung für das Thema, erklärt sie gegenüber „Bild“. Der Altersbericht weist zudem darauf hin, dass ältere Menschen häufig als „gutmütig, freundlich, aber inkompetent“ angesehen und
dementsprechend behandelt werden.“

Sieht mich hier jemand als gutmütig, freundlich, aber inkompetent an? Dem hau ich eins in die Fresse! Außerdem sehe ich für mein Alter gut aus!

Die spinnen, die Antidiskrimierungsbeauftragten…

Push und Up

fitness
Nein, das ist kein Selfie!

Wie viele Liegestütze sollte man als Mann mit 72 Jahren machen können, um als fit zu gelten?

ChatGPT: Die Anzahl der Liegestütze, die ein 72-jähriger Mann schaffen sollte, um als fit zu gelten, hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich seiner allgemeinen Gesundheit, seines Trainingszustands und eventuell vorliegender körperlicher Einschränkungen. Es gibt jedoch Richtwerte, die in Fitness- und Gesundheitsstudien verwendet werden, um die körperliche Leistungsfähigkeit in Bezug auf das Alter zu beurteilen.

Hier eine grobe Orientierung basierend auf fitnessbezogenen Standards für Männer:
Unterdurchschnittlich: Weniger als 5-8 Liegestütze
Durchschnittlich: 8-12 Liegestütze
Überdurchschnittlich (fit): 13-20 Liegestütze
Sehr fit (athletisch): 20+ Liegestütze

Mit steigendem Alter nimmt die Muskelkraft natürlicherweise ab, weshalb auch der Standard an die Altersgruppe angepasst ist. Ein 72-jähriger Mann gilt oft als fit, wenn er mindestens 8–12 saubere Liegestütze in einer Reihe schaffen kann.

Das glaube ich jetzt nicht. Ich war mehrere Wochen ziemlich faul dergestalt, dass ich nach dem Aufstehen nur gefrühstückt habe statt den Körper auf die Lohnschinderei – meistens im Sitzen – vorzubereiten. Heute morgen jedoch war ich wohlgemut eingedenk der Tatsache, dass Selbstdisziplin reich und glücklich macht, und schaffte 25 Liegestütze, ohne mich aufzuwärmen, also fünf weniger als im Dezember. Es war sogar noch ein bisschen Luft nach oben.

Was meint das Publikum? Halluziniert ChatGPT oder nimmt irrig die adipösen Durchschnittswerte der USA als Maßstab?

Ricos oder: Muss das sein?

duolingo

Wisst ihr Bescheid, obwohl das gar nicht stimmt. Wenn ich überlege, was ich monatlich netto zur Verfügung habe, kann ich angesichts meiner Kosten gar nicht klagen. Viele haben weniger. Nicht jeder kann sich auch zwei Hobbys leisten: Das Boot kostet mich monatlich 44 Euro und meine Sim in Secondlife 150 Dollar – allerdings steuern einige Avatare, die das attraktiv finden, was ich ihnen an Architektur und Rollenspiel-Plots anbiete, etwas bei (morgen gibt es wieder Action!). Gestern spendete zum Beispiel jemand 20 Dollar.

Apropos morgen: Ich könnte auch versuchen, in einer Bar meines Vertrauens ein attraktives Mädel anzusprechen, ob ihr zur weiteren Gestaltung des Abends etwas anderes einfiele als Talisker zu trinken, aber es ist saukalt, und ich muss auch mal schlafen. (Bei den einschlägigen Apps komme ich gar nicht vor, aber ich kann mich ziemlich gut um 20 Jahre jünger lügen, bis jemand auf die Idee kommt, bei Wikipedia nachzusehen.)

Das virtuelle Event morgen geht mindestens bis Mitternacht, und am Sonntag muss ich um sieben aufstehen, weil um neun die Lohnschinderei auf mich wartet. Der Wechsel von Nacht- zur Tagschicht ist immer Jetlag-verdächtig. Von Montag bis Mittwoch habe ich dann wieder Nachtschicht… Das zum Zeitmanagement, was das Publikum schon ansprach.

Ja, ich lerne bzw. wiederhole täglich eine halbe Stunde Spanisch. Hebräisch weniger, aber Duolingo ist dafür ohnehin ungeeignet, weil man Vokabeln nicht wiederholen kann. Ich weiß nicht, warum das Feature bei Ivrit nicht funktioniert, und der Support antwortet natürlich nicht. Mondly ist besser, aber die Usability ist gewöhnungsbedürftig – und ich will beim Lernen auch schreiben. So kurz zwischendurch ist das schwierig und ich improvisiere.

Das Publikum kann sich ausmalen, was geschähe, wenn ich noch verheiratet oder sonstwie verbandelt wäre und frau mir ein „Beziehungsgespräch“ aufdrängen wollte. Nein danke, dazu ist meine Zeit zu knapp und kostbar. Oder auch: Muss das überhaupt sein?

Faszinierend böse

gomorrha

Gomorrah

Warum und zu welchem Ende schauen wir Gangsterfilme? Ich hätte schwören können, dass ich hier schon etwas über Gomorrah geschrieben habe, aber offenbar nicht. (Es existieren mehrere Schreibweisen – ich bevorzuge natürlich die biblische Version.)

Ich schaue mittlerweile die fünfte und letzte Staffel auf Netflix. So einen Serienmarathon halte ich nur durch, wenn derselbe wirklich unterhaltsam ist, wie etwa bei Bosch (für mich die beste Krimi-Serie aller Zeiten), dem Kostüm- und Frauenfilm Outlander, House of Cards (Machiavelli lässt grüßen!) oder Fauda (leider keine Staffel mehr und ein Cliffhänger zum Schluss).

Zur Serie Gomorra ist das Übliche schon gesagt und geschrieben worden, zum Beispiel kulturpessimistisch von der Süddeutschen oder von der Welt. Aber was genau will uns der Künstler eigentlich sagen?

Bei den Gangstern (Camorra, Neapel) haben wir drei Sorten: Die Protagonisten Salvatore Esposito als Gennaro „Genny“ Savastano und Marco D’Amore als Ciro Di Marzio (nein, ich schaue die natürlich OMU!); bei den Frauen hält Ivana Lotito als Azzurra Avitabile die meisten Staffeln durch. Alle anderen – etwa die Frau di Marzios und die bezaubernde Cristiana Dell’Anna (leider kein Single) als „Patrizia Santore“ – überleben nicht lange.

Die zweite Garnitur besteht aus Personen, die irgendwie Handlanger der Helden sind, fast immer Männer, die nur eine Staffel überleben. Man denkt immer an Foucault. Und die dritte Garnitur – alles pöhse Drogendealer – wird massenweise niedergemäht; irgendwann hört man auch auf, die Toten zu zählen und nimmt die Kerle als bloße Deko. Sie haben alle ähnliche Frisuren und ähnliches dümmliches Macho-Gehabe, sehen aber besser aus als das einheimische arabische Pack. Italiener halt.

Das zentrale Thema ist „Loyalität“, hier zum jeweiligen Warlord. Das wird im Kapitalismus natürlich schwierig: Wenn es keine ökonomischen Zwänge gibt, dann macht jeder, was er will, wechselt die Fronten jederzeit und folgt dem Meistbietenden. Niemand traut niemandem. (Im Feudalismus ist das genauso kompliziert, aber anders.) Was wäre ein Gegenentwurf? [Science-Fiction-Modus ein] Eine Gesellschaft, wie groß auch immer und mit flachen Hierarchien, die solidarisch ist, weil alle eingesehen haben, dass man kooperieren sollte – also das Erfolgskonzept der Evolution (die nicht sozialdarwinistisch ist).

Man guckt natürlich Gangsterfilme, weil die dort alle Regeln – meist ungestraft – übertreten dürfen, die der Normalsterbliche einhalten muss. (Ich weiß nicht, ob Gangster Gangsterfilme gucken? Warum sollte ich mir selbst zuschauen?) Ein Gangsterfilm ist einen reaktionäre Allegorie auf den Kapitalismus, weil dort je ein Kapitalist viele totschlägt, aber nicht im wörtlichen Sinn; nur dass hier die „kleinen Männer Leute“, die hoffen, irgendwann groß rauszukommen, sich gegenseitig massakrieren. Der Abschaum schließt sich nicht zusammen, um denen da oben auf die Pelle zu rücken, sondern kämpft gegen Seinesgleichen. Jedes Fußballspiel ist progressiver.

Faszinierend finde ich eher Figuren wie Ivana Lotito, die es als Ehefrau des Gangsterbosses sogar wagt, sich dem entgegenzustellen, obwohl jeder Mann erschossen werden würde, der widerspräche. Das ist gar nicht das italienische Klischee der dominierenden „Mamma“. Die (für meinen Geschmack) umwerfend gut aussehende Lotito spielt sehr zurückhaltend, mit sparsamer Mimik, aber starker Präsenz, die vermittelt, dass sie sich eher umbringen lassen würde als nachzugeben.

Letztlich schimmert aber eine tiefere und zweite Ebene durch, die aber weniger dem Film geschuldet ist als der literarischen Vorlage: Es geht hier nicht um den albernen Textbaustein „toxische Männlichkeit“, sondern darum, zu zeigen, dass die Frauen, wie auch in Bollywood, die „Moral“ aka Regeln verkörpern und die Männer, wenn die schwächeln, wieder aufhetzen. In der letzten Staffel geschieht das gleich doppelt: Azzurra, die die Rolle der Ehefrau im Bett nicht mehr spielt und die aus dem Milieu flüchten will, lässt Gennaro schwören, den umzubringen – in ihrem Beisein -, der sich an ihrem Sohn vergriffen hat. Und die Witwe eines anderen Gangsterbosses, die Geld und Leute für „den Unsterblichen“ bereitstellt, will Rache so bald wie möglich, auch wenn das „militärisch“ gar nicht sinnvoll wäre.

Das Grundmotiv existiert auch schon ein paar tausend Jahre – ich denke da an meine mündliche Prüfung in Altgermanistik. Wer bringt wen warum um – und muss das sein?

shanty town

ShantyTown

Eine uneingeschränkte Empfehlung, nicht weil der Gangsterfilm, der in der Unterwelt von Lagos, Nigeria, spielt, so ausnehmend gut wäre, sondern weil die Schauspieler ganz anders sind, als man es kennt, weil das Ambiente total exotisch und für uns unbekannt ist, und weil zwischendurch immer wieder Dinge und Taten auftauchen, die man eher in die Kategorie Mystery eintüten würde – aber man ahnt, dass das afrikanische Publikum das ganz anders sieht, weil es genau weiß, worum es geht und worauf das anspielt.

Was ich noch nie so gesehen habe, sind diese starken Frauenfiguren – obwohl deren Rolle im Film fast immer die des Opfers ist. „Prostituierte möchten dem Klammergriff eines berüchtigten Zuhälters entkommen. Doch politische Korruption und Blutsbande machen die Freiheit zu einem“ bla bla. Nein, das wäre nicht neu. Dazu brauchte man nicht Afrika bzw. Nigeria. Aber Afrikanerinnen aus Lagos sind eben anders als Afrodeutsch%_*Innen im „Tatort“.

Die Namen sollte man sich merken und Filme anschauen, in denen sie mitspielen: Nse Ikpe-Etim und vor allem Ini Edo, die in Shanty Town hässlich und kurzhaarig aussieht, aber absolut großartig aufspielt. Ich musste mich erst an sie gewöhnen, aber irgendwann ging der Daumen hoch. (Es gibt da einen unschönen finanziellen Streit hinter den Kulissen.)

To effectively portray my role, I visited some brothels to ask questions, interact with the commercial sex workers and get a feel of what goes down there. When you see the way that they’re being brutalised, the way that they’re being treated, you will begin to wonder like, so why are you here if you receive such treatments from this man? And you best understand that most of them don’t have a choice, most can’t leave because their lives have been threatened or their families have been threatened.

Und die Sprache! (Wehe, den schaut jemand synchronisiert! Es geht ganz gut mit englischen Untertiteln.) Das ist eine Art Englisch oder Pidgin oder Slang, das man aber kaum versteht, und manchmal Yoruba und vielleicht noch etwas anderes – die haben in Nigeria reichliche Auswahl, was Sprachen angeht. Der Klang ist im Sinne des Wortes unerhört, es sei denn, man geht jeden Tag im Görli spazieren. [By the way: Es gibt gute Bücher aus Nigeria und gutes nigerianisches Essen in Deutschland.]

Die Serie hat auch schwache Stellen: Die Schlägereien, vor allem im Finale, werden viel zu lange gedehnt und ausgewalzt, als wollte der Regisseur Hollywood zeigen, dass Afrika es auch kann. Die wenigen „Mystery“-Szenen werden nicht erklärt, etwa dass jemand kugelfest zu sein scheint oder dass „Verhexung“ manchmal wirkt – aber vermutlich darf man das nicht europäisch sehen, und es spielt auch keine Rolle.

Dennoch: Ich kenne keinen anderen afrikanischen Gangsterfilm, der es in den Netflix-Mainstream geschafft hat.

marcella

Marcella

Die britische Krimi-Serie Marcella wollte ich gar nicht empfehlen, aber merkwürdigerweise schaue ich sie immer noch, vielleicht, weil alle anderen Vorschläge, die mir die Streaming-Algorithmen in die Timeline spülen, unannehmbar sind. Britische Krimis haben einen Ruf zu verlieren und zeigen weniger Verfolgungsjagden mit Autos sind meistens besser und tiefgründiger als die aus den USA. Ich bin auch befangen, weil ich die Hauptdarstellerin Anna Friel als „Marcella Backland“ im Film (nur dort) unattraktiv finde, sogar nicht ausstehen kann.

Von einem Krimi erwarte ich, dass es um Mord geht und wie der aufgeklärt wird, und dass das schwierig ist. So einfach. Ich erwarte kein Psychodrama um das Sorgerecht für das Kind der Hauptdarstellerin oder dass diese offenbar eine Vollmeise hat schwer psychisch daneben ist und vollgestopft mit Traumata, die sich offenbar mit Hypnose behandeln lassen. Ich will auch nicht psychotherapeutischen Gesprächen zuhören, damit die Hauptdarstellerin wieder Mordfälle lösen kann. Es wirkt total unglaubwürdig, wenn eine Frau heult und herumstammelt und ausrastet und danach wieder ganz normal im Polizeidienst ist.

Dazu kommt die gewohnte Computer-Zauberei: Jemand „hackt“ sich den Laptop der Kommissarin und sieht und hört alles mit. Wir sind hier nicht bei der taz, sondern bei der Kripo. Fehlt nur noch eine „Online-Durchsuchung.“

Die Serie ist total überfrachtet mit Psycho-Krempel und „Beziehungs“-Dramen, als befürchtete der Drehbuch-Autor, Mord allein – ganz old school – würde die Rezipienten langweilen. Es nervt. Man muss sich schon entscheiden zwischen Kriminalfilm und Psychodrama – nicht umsonst sind das auch bei den Streaming-Diensten zwei unterschiedliche Kategorien.

Das hat mich schon bei Homeland („Psychothriller“) aufgeregt, obwohl ich dessen „Islamfeindlichkeit“ mag: Ist es wirklich realistisch, dass die Agentin eine Geheimdienstes eine bipolare Störung hat? So etwas würde ich doch nicht einstellen. (Die Israelis kriegen so etwas aber hin.)

Zur Zeit gucke ich zum Einschlafen American Primeval, so solide und gut wie der Highland Park, den ich dazu trinke. Das ehemalige Nachrichtenmagazin ist gar nicht begeistert: Es „schreibt, dass American Primeval den Wilden Westen aussehen lässt „wie die Hölle auf Erden“, der „jede Menschlichkeit abhandengekommen ist“. Also ein realistischer Western, den man eigentlich aus Jugendschutzgründen in Deutschland gar nicht zeigen dürfte. Ich finde ihn großartig. Und ich habe Neues erfahren, zum Beispiel etwas über das Mountain-Meadows-Massaker. Pöhse Mormomen? Da denkt man doch gleich an Harry Melton.

Unter Apokalyptikern und ihren Reinigungsritualen

cows
Eine Kuh wird jetzt den Schwanz heben und hoffen, dass alle anderen auch den Schwanz heben.

In Wokistan folgt jetzt nach dem Klimaapokalypsen-Hype der X-und-Facebook-Verlassen-Hype. Danach sind alle Seelen wieder kathartisch rein.

cows oder ähnliches

Man braucht bei solchen Aufrufen der Blasen-und Anstaltsbewohnern nur wenige Worte lesen („Unterstützer.innen“), dann kann man den schmallippig zusammengestoppelten Text selbst ergänzen. Gegen Antisemitismus sind sie nicht so agil. Zum Glück schießen die Woken sich selbst ins Abseits. Aber sie wollen ja unter sich bleiben. Und das ist auch gut so.

PS. Stimmt es, dass Elon Musk und Alice Weidel sich auf Mandarin unterhalten werden?

ver.di

Ein Linsengericht oder: Indisch kochen mit KI

Linsen

Ich habe mir ein Linsengericht mit Hackfleisch und Gemüse gemacht. Ich nahm aber keine Linsen aus der Dose, sondern haben Trockenlinsen eine Nacht eingeweicht. Wieso sind Kochrezeptschreiber so eitel und benutzen Begriffe, die niemand kennt außer Profi-Köchen? „Die Zucchini in Julienne oder würfelig schneiden und zum Hackfleisch geben.“ Wie meinen?

ChatGPT: „In Julienne“ ist ein Begriff aus der Küche und bezeichnet eine spezielle Schneidetechnik. Dabei werden Lebensmittel, meist Gemüse oder Obst, in sehr feine, gleichmäßige Streifen geschnitten.

Mein südindischer Untermieter kocht sehr gut und permanment Indisch. Wir haben gestern über Linsen gefachsimpelt. In Indien nutzt man wohl eher kleine rote Linsen, die angeblich sehr gesund sind. Zur Ehrenrettung der typischen grauen deutschen Linse benutze ich die, aber schaufelte zusätzlich indische Gewürze hinein, die in meiner Küche massenhaft vorhanden sind dergestalt, dass ich die Gewürzregale sogar erweitern musste.

ChatGPT: Indische Linsengerichte, wie Dal, sind bekannt für ihre aromatische Würze. Typische Gewürze und Zutaten, die häufig verwendet werden, umfassen:

Grundgewürze für Linsengerichte:
Kreuzkümmel (Cumin): Oft geröstet oder in heißem Öl angebraten, um ein nussiges Aroma zu entfalten.
Kurkuma (Turmeric): Gibt den Linsen eine leuchtend gelbe Farbe und einen erdigen Geschmack.
Koriander (Coriander Powder): Mild-würzig, ergänzt den Geschmack von Linsen gut.
Senfkörner: Oft in heißem Öl angebraten, bis sie springen, um ein würziges Aroma zu erzeugen.
Asafoetida (Hing): Wird in winzigen Mengen verwendet, um den Geschmack zu intensivieren, besonders bei vegetarischen Gerichten.
Chilipulver oder frische grüne Chilis: Für Schärfe, je nach Geschmack.

Zusätzliche Gewürze:
Garam Masala: Eine Mischung aus warmen Gewürzen wie Zimt, Kardamom, Nelken und Pfeffer, die oft gegen Ende des Kochens hinzugefügt wird.
Ingwer und Knoblauch: Frisch oder als Paste, für eine würzige Grundlage.
Bockshornkleeblätter (Kasuri Methi): Getrocknet für ein leicht bitteres, aromatisches Finish.
Lorbeerblätter: Für ein subtil würziges Aroma.
Zimt: Besonders bei festlichen Gerichten, um Tiefe hinzuzufügen.

Frische Zutaten:
Korianderblätter: Zum Garnieren, um Frische hinzuzufügen.
Curryblätter: Oft in Südindien verwendet, für einen unverwechselbaren Geschmack.

Zubereitungstipps:
Gewürze werden häufig in Ghee (geklärter Butter) oder Öl erhitzt, um ihre Aromen freizusetzen. Dieser Schritt heißt Tadka oder Tempering.
Kombinationen variieren je nach Region und Art des Gerichts, beispielsweise mild und cremig in Nordindien oder würzig und scharf in Südindien.

Linsen

2025!

kartoffelsalat

Ich wünsche den geneigten Leserinnen und wohlwollenden Lesern gutes und spannendes neues Jahr 2025! Was wird es uns bringen?

So bin ich gerutscht, und natürlich ist der Kartoffelsalat selbst gemacht…

Schöne Bescherung

weihnachtenweihnachtenweihnachtenweihnachten

Produktplazierungen: Weihnachtskitsch. Olaf Kistenmacher: „Arbeit und »jüdisches Kapital«. Antisemitische Aussagen in der KPD-Tageszeitung Die Rote Fahne während der Weimarer Republik“ (2018). Adam Becker: „Was ist real?: Das ungelöste Problem der Quantenphysik“ (2021). Zimststerne mit Eis und Vanillesoße. (Vorer gab es noch eine Vorspeise und Gulasch mit Sättigungsbeilagen.) Scotland Yard.

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