Immer ist irgendetwas
Ich freute mich schon auf die drei Tage ohne Lohnschinderei. Aber immer ist irgendetwas.
Gestern ging mir eines der beiden Türschlösser kaputt – ein altes, aber sehr solides Drehstangenschloss, was dazu gedacht ist, die Herren Einbrecher abzuhalten, mit Werkzeug meine Tür zu öffnen dergestalt, dass sie so einen Höllenlärm verursachen würden, dass das ganze Haus auf den Beinen wäre. Nachteil: Wäre ich bei einer Hausdurchsuchung nicht da, hinge die Tür nur noch in winzigkleinen Einzelteilen in den Angeln, da die Einsatzkräfte nicht fräsen, hebeln oder trennschleifen würden, sondern gleich, da immer Gefahr im Verzuge bei Majestätsbeleidigungen und beim Verunglimpfen des Kapitalismus der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, mit dem Rammbock kämen.
„Kaputt“ hieß: Ich konnte den Schlüssel nicht mehr rausziehen, wenn ich abgeschlossen hatte. Irgendetwas war verkantet. Ich habe lange gebraucht, um das Schloss gestern kurz vor Mitternacht abzumontieren, weil alle Schrauben aus dem letzten Jahrtausend stammen und dementsprechend demoliert sind.
Heute morgen fand ich dann nach längerem Hin und Her den Fehler. Der untere Zylinder, in den man den Schlüssel steckt, hängt an zwei kleinen Schrauben. Die hatten sich so gelockert, dass die beiden hervorstehenden metallenen Aussparungen, die das Schloss bewegen, sich einmal zuviel gedreht hatten und nicht wieder zurück an ihren angestammten Platz konnten. Darauf muss man auch erst einmal kommen – zumal das Schloss noch „irgendwie“ funktionierte. Zwei Stunden meiner kostbaren Gesamtlebenszeit sind weg.
Beim Betrachten des Gesamtkunstwerks fiel mir auf, dass ich die Tür mal wieder streichen könnte…
Kommentare
5 Kommentare zu “Immer ist irgendetwas”
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„Zwei Stunden meiner kostbaren Gesamtlebenszeit sind weg.“
Nein, nein, die sind nicht weg. Die Zeit für ein mentales Upgrade via Retrospektive ist immer eine gute Investiton in die Zukunft…hx.
Beispiel Zahnbürste:
Mein modern gierig verblödeter Zahnarzt schwatzt mir sein Äonen eine 300 EURO kostende Elektrozahnbürste auf. Man könne sogar die Köpfe wechseln.
Meine besteht aus einem Stil und oben sind Borsten, die alles blitzblank putzen – auch bei Biostromausfall.
Wenn bei einer Hausdurchsuchung die Tür blockiert, geht der Trupp durch die Wand. Insbesondere bei Berliner Altbauten.
Die Mauern hier sind 49 cm dick. Da müssen sie schon ordentlich Anlauf nehmen.
… ich fände solch einen Vorfall letztlich sehr befriedigend:
man hat im Bereich Mechanik etwas dazugelernt.
Alles fein geölt und jetzt hält es wieder für lange Zeit. Mit den neuen Schrauben sieht es besser aus als vorher. Und man hat Ressourcen gespart.
Daumen hoch, Jens
Ich muss Jens und Trittbrettschreiber zustimmen. Man lernt was dazu, heute kauft man ja sonst alles neu. Wenn die Aliens den Affen vor ein paar Jahrtausenden das iPad in die Hand gedrückt hätten, würden wir noch immer in Höhlen leben.