Lohamim Baruach oder: Die Legende von Ruth

Ansprache des ETZEL-Kommandeurs Menachem Begin vor dem Feldzug zur Befreiung von Jaffa:
„Wir ziehen aus, um Jaffa zu erobern. Dies wird eine der entscheidendsten Schlachten im Krieg um Israels Unabhängigkeit sein.
Wisset, wer vor euch steht. Gedenkt derer, die ihr hinter euch gelassen habt. Hinter euch stehen eure Eltern, eure Brüder und unsere Kinder.
Schlagt den Feind! Zielt gut! Spart mit eurer Munition. Zeigt keine Gnade im Kampf, so wie der Feind kein Erbarmen mit unserem Volk kennt.
Seid mitfühlend gegenüber Frauen und Kindern. Wenn jemand seine Hände zur Kapitulation hebt – verschont ihn. Er ist euer Gefangener, tut ihm kein Leid an.
Gundar Gideon, der im Kampf erfahren ist, wird euch in den Angriff führen.
Erinnert euch an das ETZEL-Banner! Es gibt nur eine Richtung vor euch: Vorwärts!“
Credits: The Etzel-House, Tel Aviv
So etwas wie das Etzel-Museum würde es in Deutschland nicht geben. Bewaffneter Aufstand? Ein Museum für eine Terrororganisation? Geht ja gar nicht. Da könnte die Bevölkerung verunsichert werden oder gar auf dumme Gedanken kommen.
Die Irgun Zwai Leumi (hebräisch אִרְגּוּן צְבָאִי לְאֻמִּי Irgūn Zvaʾī Ləʾummī, deutsch ‚Nationale Militärorganisation‘, Abkürzung IZL oder Etzel), auch lediglich Irgun, war eine jüdische, von 1931 bis 1948 bestehende zionistische paramilitärische Terrororganisation im britischen Mandatsgebiet Palästina vor der israelischen Staatsgründung. Sie stand der Weltunion der Zionistischen Revisionisten von Wladimir Jabotinsky nahe, welcher von 1937 bis 1940 auch Oberkommandierender war. In Folge des Arabischen Aufstandes verübte die Gruppe terroristische Anschläge gegen die arabische Bevölkerung.

Tagesbulletin
Soldaten;
Brüder und Schwestern;
Die Vereinten Nationen haben die Entscheidung über die Teilung getroffen.
Das Volk jubelt vor Freude.
Wir dürfen es ihnen nicht verübeln.
Ihre Seelen sehnen sich danach, das Joch der Sklaverei abzuwerfen.
Ihre Seelen dürsten nach Unabhängigkeit.
Die Begriffe „Staat“, „Regierung“, „Armee“, die wir so viele Jahre lang im Angesicht der Verleugnung und des Spottes der Vasallen der gegenwärtigen Verwaltung gefördert haben, sind zu den teuersten Träumen des Volkes geworden.
Und als verkündet wurde, dass diese Wirklichkeit werden würden, jubelte das Volk vor Freude.
Wir dürfen es ihnen nicht verübeln.
ETZEL-Hauptquartier, Bekanntmachung am Tag nach der Resolution der Vereinten Nationen vom 29. November [1947].
Militärisch kann man die Ziele der Irgun mit denen der ETA oder der IRA vergleichen. Ich überlasse es dem Publikum, sich einschlägig zu informieren. In Deutschland kennen vielleicht noch ein paar Leute Menachem Begin, der 1977 bis 1983 Ministerpräsident Israels war und die Vorherrschaft der „linken“ Arbeiterpartei gebrochen hat.
Das Museum ist nicht sehr groß. Natürlich war ich der einzige Tourist, und ich hatte auch den Eindruck, dass die guten Leute an der Rezeption, die kaum Englisch sprachen, mich nicht richtig einordnen konnten.
Man bekommt einige „Heldengeschichten“ zu sehen. Die Irgun wurde durch einige spektakuläre Aktionen bekannt (die auch im Roman „Exodus“ von Leon Uris erwähnt werden): Unter Begins Führung verübte die Irgun im Juli 1946 den Anschlag auf das King-David-Hotel in Jerusalem, das damals einige Abteilungen der britischen Mandatsregierung und Büros des Generalstabs der britischen Armee für Palästina beherbergte. Am 4. Mai 1947 befreite die Irgun gewaltsam 200 Gefangene aus der Zitadelle von Akkon, die von den Briten als Gefängnis genutzt wurde. Auch das Massaker von Deir Yasin geht auf das Konto der Irgun.

Das King-David-Hotel in Jerusalem heute
Die Irgun spielte auch bei der Eroberung Jaffas im Unabhängigkeitskrieg eine Rolle. Das Thema ist noch heute präsent.

„Fallen in the battle for Jaffa“
Nach der Altalena-Affäre wurde die Irgun zwangsweise aufgelöst.
Als Altalena-Affäre bezeichnet man die Fahrt, den Streit um die Waffenverteilung und die Versenkung des Schiffs durch die Hagana (danach IDF) und die Untergrundorganisation Palmach. Bei dem Vorfall starben neunzehn Juden, und Israel wurde an den Rand eines Bürgerkrieges (Bruderkrieg in Anlehnung an Kain und Abel) gebracht. Dabei schossen Juden auch auf Holocaustüberlebende, und es kam zu zahlreichen Befehlsverweigerungen.
Das Museum berichtet nicht sehr ausführlich über das Ereignis, das fast einen innerjüdischen Bürgerkrieg ausgelöst hätte.
Die Regierung der Arbeiterpartei und die israelischen Streitkräfte vermieden über Jahrzehnte die Erinnerung an den Vorfall. In Schulbüchern und in den Museen der Palmach und der Haganah wurde der Vorgang ignoriert und marginalisiert. Dagegen begingen die Irgun-Anhänger jährliche Trauerfeiern für ihre Kameraden, die durch die „Hände Kains“ getötet worden seien. In der Knesset warf Begin der Regierung 1959 Mord vor und Generationen von Likudmitgliedern sahen die Altalena-Affäre als „Mord“ an.
„Nach den Unruhen im Jahr 1929 richtete die britische Regierung mit Zustimmung des Völkerbundes eine Kommission ein, die die umstrittenen Rechte und Ansprüche der Muslime und Juden an der Westmauer klären sollte. Diese Kommission wurde „Internationale Klagemauer-Kommission“ genannt.
Die jüdische Siedlung im Land Israel betrachtete das Urteil der Kommission als eine schwere Ungerechtigkeit. Die britische Mandatsregierung verbot das Blasen des Schofars an der Westmauer, ein uraltes jüdisches Ritual, das am Ende des Jom-Kippur-Gebets durchgeführt wird. Die Zuwiderhandlung wurde mit Gefängnis bestraft.
Seit 1930 begannen junge entschlossene Männer, Jahr für Jahr, den Befehl zu missachten und den Schofar bei der Westmauer zu blasen – trotz der Anwesenheit von Soldaten und Polizisten des Britischen Empires.“
Dann haben wir noch eine richtige Heldengeschichte: Die Schlacht um Yehud (Yahudiya).
Im Morgengrauen des 4. Mai 1948 griff eine ETZEL-Einheit das große arabische Dorf Yahudiya an, das von etwa 300 arabischen Kämpfern mit vielen verschiedenen Waffen verteidigt wurde.
Die Truppe griff von drei Seiten an, und nach heftigem Widerstand fiel das Dorf in ihre Hände. Während der Schlacht flohen alle Dorfbewohner, und als die Angreifer den Ort betraten, fanden sie ihn menschenleer vor. Ein ETZEL-Soldat fiel in dieser Schlacht. Einige Tage später wurde die Truppe von der 11. Kompanie des ETZEL aus der Region Tel Aviv abgelöst, die sich im Dorf niederließ, um es zu verteidigen.
Am 19. Mai 1948 griff die Kompanie Wilhelma an, um arabische Streitkräfte in diese Richtung zu ziehen und so die ETZEL-Truppen zu entlasten, die Ramla angriffen. Ziel war es, eine Ablenkung zu schaffen und – falls sich die Gelegenheit ergab – Wilhelma einzunehmen. Die Kompanie gelangte bis zu den Zäunen von Wilhelma, stieß jedoch auf heftigen Widerstand und musste sich nach Yahudiya zurückziehen. Ihre Verluste in dieser Schlacht betrugen drei Tote und mehrere Verwundete.
Gegen Ende des Mai wurde die Kompanie nach Ramla verlegt und durch eine andere Truppe ersetzt, die zur Verteidigung von Yahudiya zurückblieb. Diese neue Truppe bestand aus einer verkleinerten Kompanie von etwa 90 Mann, darunter ehemalige Soldaten sowie etwa 20 Frauen, die Wachdienst und Beobachtungsposten versahen. Die Verteidiger verfügten nur über sehr wenig Munition. Der Kompaniekommandant bat um Hilfe – insbesondere um Munition – bei den IDF-Behörden in der Region, doch es kam keine Unterstützung.
Am 11. Juni 1948 griff eine große Einheit der Arabischen Legion Yahudiya an, bestehend aus irregulären Truppen unter Panzerschutz. Die Munition der Verteidiger ging sehr schnell zur Neige, und der Kontakt zwischen dem Hauptquartier und den Außenposten ging verloren. Trotzdem gelang es den meisten Soldaten in den Stellungen, sich in das Dorfzentrum zurückzuziehen. Sie wichen in Richtung Petach Tikva und Tel Hashomer zurück und sammelten sich neu. Doch infolge des schnellen Durchbruchs der feindlichen Truppen wurde die südwestliche Position abgeschnitten. Alle Versuche des Kommandeurs, die dort stationierten Soldaten zu retten, scheiterten – alle fünf fielen im Kampf. Gleichzeitig eroberte der Feind die Dorfmoschee. Auf deren Dach befanden sich zwei Frauen auf Beobachtungsposten – beide wurden getötet.
Während des Rückzugs und der Rettungsversuche fielen weitere ETZEL-Kämpfer. Insgesamt starben an diesem Tag zwölf Soldaten, darunter auch die beiden Frauen.
In den Schlachten um Yahudiya und Wilhelma wurden insgesamt 16 Etzel-Soldaten getötet. Am 10. Juli 1948 wurde Yahudiya schließlich von IDF-Truppen während der „Danny“-Operation befreit.
Heute ist der Ort eine blühende jüdische Siedlung mit dem Namen Yehud.
Übersetze ins Deutsche, was auf dem Rücken der Kinder auf den T-Shirts zu lesen ist.
Auf den Rücken der Kinder-T-Shirts steht auf Hebräisch: „לוחמים ברוח“
Das bedeutet auf Deutsch: „Kämpfer im Geiste“ oder „Kämpfer des Geistes“.
Kannst du das Motto irgendeiner Organisation zuordnen? Es waren offenbar Kinder strenggläubiger religiöser Juden.
Der hebräische Ausdruck „לוחמים ברוח“ („Lohamim Baruach“ – Kämpfer im Geiste) wird tatsächlich in Israel von mehreren religiös-zionistischen Organisationen verwendet, meist mit Bezug auf Jugenderziehung, Zionismus und Erinnerungskultur. Er ist kein exklusives Motto einer einzigen Gruppe, sondern ein verbreiteter Slogan im religiös-zionistischen Umfeld, besonders in Programmen, die Kinder oder Jugendliche an Themen wie den Unabhängigkeitskrieg Israels, die Erziehung zu religiösem Zionismus oder die Erinnerung an die Etzel/Lechi-Untergrundkämpfer (Irgun, Lehi) heranführen.
In diesem Fall (aufgrund der Kleidung der Kinder und des Rahmens mit Porträts zionistischer Persönlichkeiten) ist es sehr wahrscheinlich, dass die Gruppe mit einer Bildungs- oder Gedenkstätte des Etzel (Irgun) oder einer religiös-zionistischen Jugendorganisation verbunden ist – etwa der Bewegung Bnei Akiva oder einem Gedenkzentrum für den Unabhängigkeitskampf.
Hospizblick
Blick vom Dach des katholischen Österreichischen Hospizes zur Heiligen Familie auf die Altstadt von Jerusalem (vgl. „Von Äthiopien, Autokelaphen und Österreich“ 13.10.2025).
Überwacht!
Auch alle Katzen in Tel Aviv werden vom Mossad überwacht, was hier am Halsband eindeutig zu erkennen ist.
Der Standort ist ungenau
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So sieht es aus, wenn man sich in der Negev verlaufen hat. Zur Nachahmung nicht empfohlen. (vgl. Mizpe Ramon und drumherum 16.10.2025).
Western Wall Jerusalem
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Vom Warmen ins Kaltnasse
Kurz vor Mitternacht kam ich am Flughafen Ben Gurion an, die Sicherheitskontrollen und das Einchecken begannen ab 02:30 Uhr. Ich hatte zum letzten Mal gegen Mittag im Kibbutz Jad Mordechai etwas gegessen und war froh, als es um 06:00 Uhr endlich losging – bei wunderbarem Wetter.
In Berlin gab es genau das Gegenteil – richtiges Pladderwetter zum Abgewöhnen. Auch der Panzerspähwagen fuhr da aus mir unbekannten Gründen wieder herum.
Ich kam recht hungrig zu Hause an und päppelte mich mit einem Frühstück „Israel Style“ – aber mit besserem Kaffee als dort – auf. In den nächsten Tagen werde ich mich mal an selbst gemachtem Hummus versuchen. Leider ist mein Urlaub morgen schon vorbei.
Highly Skilled Teams

Gaza-Stadt, aufgenommen hier [150m über dem Meeresspiegel, 26.10.2025, 10:23 Uhr]. Man kann (in der großen Version) die Mauer zwischen Gaza und Israel erkennen. Die Rauchwolken stammen entweder von Panzern oder, was wahrscheinlicher ist, von israelischen Bulldozern, wie man mir sagte. Aufgenommen mit meiner GoPro HERO9.
Die bürgerliche QualitätsPresse berichtet: „Das ZDF hat eingeräumt, jahrelang mit einer Produktionsfirma zusammengearbeitet zu haben, die auch ein Hamas-Mitglied in ihren Reihen beschäftigte. (…) Bei dem Mann handelt es sich um Ahmed Abu Mutair [aka Ahmed As‘ad Muhammad Abu Matar]. Armeekreise berichteten in „Bild“, Israel habe den Palästinenser als Zugführer der Hamas identifiziert. Er soll dem militärischen Arm der Hamas, den sogenannten Qassam-Brigaden, angehört haben. Das ZDF forderte vom israelischen Militär entsprechende Belege – die dem Sender nun vorgelegt wurden. (…)
In einer ersten Reaktion am 19. Oktober hatte das ZDF den Angriff auf den PMP-Standort [Palestine Media Production ] noch verurteilt. „Wir sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien, denen wir unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, wurde ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten in einer Mitteilung zitiert. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Medienschaffende bei der Ausübung ihrer Arbeit angegriffen werden.“

Ścreenshot der Web site pmptv.tv vom April 2019
Die Website der PMP ist nicht mehr erreichbar, nur noch über archive.org.
Unter Kibbutzimern
Im Kibbutz Jad Mordechai. „Der Kibbuz wurde im Dezember 1943 gegründet; benannt wurde er nach dem Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto Mordechaj Anielewicz.“
The sites we visited:
– Town of Sderot – A viewpoint & The police station memorial site.
– The burned cars site near Moshav Tekuma.
– The Nova festival site.
– The Migunit ( Shelter) near Kibbutz Re’im ( Aner Shapira’s story )
– We ate in Kibbutz Yad Morechai
– A tour & meeting in the Kibbutz
Gaza Environment
Ich habe heute eine anstrengende achtstündige Exkursion hinter mir, muss jetzt meinen Rucksack packen und die Nacht am Flughafen verbringen, weil das Einchecken um 05.20 Uhr beginnt.
Auf dem Foto oben ist Gaza Stadt zu erkennen. Die anderen sprechen für sich. Ich werde das Publikum noch die ganze nächste Woche mit Fotos behelligen und dazu einige interessante Geschichten erzählen können.
#Stadtbild #Strandbild Tel Aviv
On Jerusalem geht man am Schabbat in die Synagoge, in Tel Aviv an den Strand. In Jerusalem ist alles geschlossen, in Tel Aviv haben viele Cafés geöffnet.
Ich hatte für jedes Foto ein spezielles Motiv. Aber das kann das Publikum selbst herausfinden.
Das Schild „Baden verboten“ scheint hier nur eine Empfehlung zu sein.
Ich bin bis zu Yarkon Park gegangen, benannt nach dem gleichnamigen Fluss, in den „alten Norden“ Tel Avivs.
Jitzchak Rabin „nahm am Abend des 4. November 1995 an einer großen Friedenskundgebung auf dem Platz der Könige Israels (hebräisch כיכר מלכי ישראל) in Tel Aviv teil. Der Platz trägt heute seinen Namen (hebräisch כיכר רבין Kikar Rabin). Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Ja zum Frieden, Nein zur Gewalt“. Jigal Amir, ein israelischer Jurastudent rechtsextremer, religiös-fanatischer Überzeugung, passte den Moment ab, als der Premierminister die Bühne verließ und zu seinem Auto geleitet wurde, dann schoss er auf ihn. Rabin starb kurz darauf im Ichilov-Hospital.“
Am vorletzten Tag in Israel Schakschuka im Café Tachtit.
Irgendwo im Florentin-Viertel…
Unter Aussichtgenießenden

Jerusalem–Yitzhak Navon (central station)- „It is the world’s deepest heavy-rail passenger station, with its platforms extending down to 80 metres (260 ft) below street level.“
Zurück im O-Pod-Hotel in Tel Aviv.

Sderot Rothschild (Rothschild Avenue)
Ich habe heute die Gegend nördlich des Stadtteils Florentin in Tel Aviv erkundet. Ich musste eh einkaufen, weil morgen wieder alles geschlossen ist wg. Schabbat, außer bei den Arabern.
Übrigens: Man bekommt zu Falafel normalerweise ein kleines Schälchen gratis, in das man irgendein scharfes Zeug packt – sozusagen als Gewürzzulage. Man kann selbst aus einer großen Auswahl entscheiden, mit was man sich den Gaumen verbrennen will.
Empfehlenswert zum Bummeln ist auf jeden Fall der langgestreckte Park HaMesila: „Stillgelegte Eisenbahntrasse aus dem 19. Jh. mit Wegen und Grünflächen sowie Bänken, Cafés und Street-Art.“ Der war heute total überfüllt.
Mittendrin ist der Biergarten Teder.fm (kein Foto): „Online-Radiosender mit beliebter Pizzeria und lebhafter Wochenendszene mit Livemusik und DJ-Auftritten.“ Die Leute standen draußen an mehreren Eingängen Schlange; ich hätte eh keinen Platz mehr bekommen.
Im Künstlerviertel Neve Tzedek stehen wunderschöne alte Gebäude, total mit Pflanzen überwuchert, und hinter ihnen die Hochhäuser – man kann nur hoffen, dass sie sich nicht weiter ausbreiten. „Das Künstlerviertel Neve Tzedek bietet Geschäfte für Avantgardedesign, Modeboutiquen und Kunsthandwerksläden sowie allwöchentlich einen Bauernmarkt im HaTachana, einem restaurierten Bahnhofsgebäude. Angesagte europäische Restaurants liegen neben eleganten Bistros; viele der Freiluftcafés der Gegend verwandeln sich nach Einbruch der Dunkelheit in Jazzbars mit Livemusik oder Cocktaillounges.“
Ich werde jetzt den Sonnenuntergang über Jaffa genießen. Noch drei Tage Urlaub… 28 Grad hier um 17.38 Uhr. Und bei euch so?
Es fehlen noch: Etzel Museum und Jerusalem Museum in Tel Aviv, Kleine Klagemauer in Jerusalem, Tell es-Sultan in Jericho, Österreichisches Hospiz in Jerusalem.
(Beinahe) ziellos in Jerusalem
An meinem letzten Tag in Jerusalem habe ich mich treiben und die Stadt auf mich wirken lassen. Hier der Zion Square an der Jaffa Road.
Westlich der Jaffa Road rechts und links von der Shamai und Ben Yahuda Street kann man gut bummeln – unzählige Läden und Straßencafés, und nicht unbedingt nur für Touristen.
Unten an der Stadtmauer vor dem Jaffa Gate: Die Israelis haben irgendwie eine Obsession für alle möglichen Räder der merkwürdigen Art, die ich in Deutschland noch nie gesehen habe. Dafür gibt es hier absolut keine Lastenfahrräder. Zum Ausgleich brettern sie mit Motorrädern durch die Gassen der Altstadt, was die Deutschen bestimmt verbieten würden.
Natürlich habe ich mich in der Altstadt schon wieder verlaufen, trotz Papierkarte und Google Maps. Ich wollte eigentlich bei den hier schon lobend erwähnten Österreichern Sachertorte essen, aber da stand eine so lange Schlange vor der Kasse, dass mir die Lust verging.
Hier stand ich schon einmal am 11.10.2023. Leider war der Künstler nicht da – ich hätte gern wieder mal Jiddisch gehört.
Das Hotel Imperial fasziniert mich immer wieder. Es sieht aus wie ein Gebäude aus Bladerunner, nur dass es nicht regnet. Am 13.11.2023 habe ich mehr darüber geschrieben. (27 Grad in Jerusalem, im Vergleich zu Jericho kühl.)
Die beiden Mönche (Foto unten) telefonierten eifrig. Vielleicht ist ihnen das in ihrem Kloster – oder wo auch immer sie in der Altstadt leben – verboten.
Ich aß wieder im Ben-Sira-Hummus – best Hummus in town.
Nachts werden das Jaffa Gate und die Stadtmauer illuminiert. Was das soll, weiß ich nicht, und rosa macht auch keinen Sinn. Fackeln und Öllampen fände ich stilsicherer (Ausblick von der Terrasse des Post Hostels).
On the Road again
Sorry, ich bin froh, wieder zurück in der Zivilisation in Jerusalem zu sein. Die Straßencafés sind voll mit Frauen und Männern und nur selten sieht man Hijabs oder Niqabs und nie Burkas.
Kleine Randbemerkung: ChatGPT, was steht auf dem Schild in meinem Zimmer in Jericho (oben)?
„Das Kunstwerk zeigt eine Metallplatte in der Form des historischen Palästina, in die arabische Schrift kunstvoll eingraviert ist.
Der arabische Text lautet: **أنا إنسان من فلسطين (ʾanā insān min Filasṭīn)*
Übersetzt bedeutet das: „Ich bin ein Mensch aus Palästina.“
Diese Art von kalligrafischem Design ist in der arabischen Kunst häufig anzutreffen, besonders in Werken, die kulturelle oder nationale Identität ausdrücken. Hier verbindet die Form der Karte mit der kalligrafischen Inschrift eine politische und emotionale Botschaft über Zugehörigkeit und Herkunft.“
Und dieses „Palästina“ erwähnt Israel gar nicht, umfass aber dessen Grenzen, nicht etwa „Levante“ oder Groß-Syrien, was man am ehesten mit „Palästina“ verbinden könnte oder gar das römische Syria Palaestina.
Also? Was soll ein Israeli denken, der in diesem Zimmer übernachtet?
Ich wollte eigentlich über Almog Junction schreiben. Dort setzte mich das Taxi aus Jericho ab, und ich wartete auf einen Bus nach Jerusalem.
Once a thriving pit stop for tourists, the situation there has dramatically changed from years of terror attacks, army incursions, and checkpoints nearby.
Davon erfahre ich erst jetzt. Ich habe davon nichts gesehen oder gemerkt. Dort sieht aus wie auf einem deutschen Autobahnrastplatz, nur knapp 40 Grad heiß, und die meisten Geschäfte aufgegeben oder kaputt. Und zwei arme angebundene Kamele als Attraktion für Touristen, die nicht kommen.
Ich mag so etwas. Man bekommt das Gefühl, on the road zu sein, auch wenn alles ringsum abgefuckt ist. Das erinnert mich an meine Zeit des Trampens überallhin.

Die Geschäftsidee, Hamburger zu verkaufen, hat sich offenbar nicht durchgesetzt.
Der Bus war voll mit Soldaten beiderlei Geschlechts samt Gewehren und riesigen Armeerucksäcken. Einer stand auf und bot mir einen Platz an. Ich lehnte heftig ab, aber er bestand drauf. Ich nahm es als Höflichkeit und weniger als Respekt vor dem nicht gefühlten Alter.
Kurz vor dem Busbahnhof in Jerusalem gab es den totalen Verkehrskollaps. Nichts ging mehr, eine halbe Stunde lang. Dann fingen die Soldaten an auszusteigen, die wenigen übrigen Fahrgäste dann auch. Der Busfahrer kauderwelschte irgendwas und zeigte immer nach vorn zu einer Fußgängerbücke über der Autobahn.
Ich nahm meinen Tasmanian Tiger und den kleinen Rucksack und folgte den anderen. Nach einem Marsch von 20 Minuten waren wir an der Jerusalem Central Station samt der Tram die Jaffa Road entlang. Die Stationen kann ich auswendig.
Jetzt genieße ich die beiden letzten halben Tage in Jerusalem, bevor es morgen Nachmittag nach Tel Aviv geht.
Es fehlen noch: Etzel Museum und Jerusalem Museum in Tel Aviv, Kleine Klagemauer in Jerusalem, Tell es-Sultan in Jericho.
Im Wadi el-Qelt und noch mehr Orthodoxe
Heute war ich im Wadi Qelt und im griechisch-orthodoxen Kloster St. Georg. Von meiner Herberge aus ein Fußmarsch von rund 90 Minuten, aber der hat es in sich. „It’s a challenge“, sagt mein Gastgeber.

Eine Straße am Rand des Stadtteils Aqabat Jabr, einem ehemaligen Flüchtlingslager.
Kleiner Tipp zwischendurch an die Nachgeborenen und eventuelle Nachahmer: Mindestens drei Liter Wasser mitnehmen. Im Kloster gibt es offiziell nichts zu trinken. Die Straße steigt mörderisch an, und Schatten gibt es die ganze Zeit nicht.
Ich habe alles ausgetrunken und war immer noch durstig, obwohl ich schon um 7:30 Uhr losmarschiert bin, um die größte Hitze zu „unterlaufen“.

Am Eingang zum Wadi Qelt sind die Ruinen des königlichen Winterpalastes der Hasmonäer und des Herodes, aber es ist nicht viel zu erkennen. (Liest zufällig ein Zeitreisender mit und kann ein Foto von vor 2000 Jahren hochladen?)
Im Wadi sieht man zwei Trampelpfade am Steilhang entlang – in derselben Richtung wie die Straße, aber die sahen mir nicht sehr vertrauenswürdig aus und so, als wäre da seit einem halben Jahrhundert niemand entlanggegangen. Der breitere Trampelpfad ist aber offenbar keiner, sondern der Rest eines Aquädukts aus römischer Zeit. (In dem Tal einen Aquädukt zu bauen ist genauso verrückt wie ein Kloster an die Steilwand zu kleben.)

Auf dem total verrosteten Schild steht in Arabisch, Hebräisch und Englisch „Jericho Gate“. Ich kann mir nicht vorstellen, dass damit das gleichnamige Bauprojekt gemeint ist – was offenbar buchstäblich in den Sand gesetzt wurde und auch ganz woanders sein sollte.
„Wadi Qelt (arabisch وادي القلط, DMG Wādī al-Qilṭ, auch Deir el-Quelt, Deir el-Kelt; hebräisch נַחַל פְּרָת Nachal Prat) ist ein Wadi mit einem Verlauf von West nach Ost durch die Judäische Wüste im Westjordanland. Das Wadi, das ganzjährig Wasser führt, hat drei Quellen: Ain Farah, Ain Fawar und Ain Qelt, die östlich von Jerusalem liegen. Es endet bei Jericho in der Nähe des Toten Meeres und beherbergt eine einzigartige Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Nach der Besetzung des Westjordanlandes 1967 durch Israel wurden Teile des Wadis zum Naturschutzgebiet Nahal Prat Nature Reserve erklärt.“
Wait a minute, Wikipedia. Ich habe da kein Wasser gesehen. Es war alles pulvertrocken. Oder sollte das unterirdisch rinnen? Also von „ganzjährig“ kein Spur, und der Sommer, der laut den Einheimischen auch gern Temperaturen um die 45 Grad bringt, ist angeblich hier schon vorbei, obwohl es sich anfühlt wie Hochsommer XXL.

Auf dem unteren Foto kann man eine Art Behausung mitten in der Steilwand erkennen, als wäre es einem Mönch im Kloster noch nicht einsam genug gewesen.
„Besetzung“. Das lassen wir mal so stehen. Ist halt Wikipedia: „Als Bestandteil des britischen Völkerbundsmandats für Palästina wurde das Westjordanland von der UN-Vollversammlung im Teilungsplan von 1947 dem zu gründenden arabischen Staat zugesprochen. Im Palästinakrieg wurde es 1948 von Jordanien besetzt und 1950 annektiert. Im Sechstagekrieg vom Juni 1967 wurde es von Israel erobert und steht seither unter israelischer Militärverwaltung.“
Die Besatzer waren also die Jordanier. Und der jetzige Status ist ein Resultat eines Krieges, wie der Status von Ostpreußen und Elsass-Lothringen.
Irgendwann taucht dann dieses Tor auf (Foto unten). Und vom dem aus geht es in Serpentinen steil abwärts, so steil und schmal, dass man froh ist, gutes Schuhwerk an den Füßen zu haben. Mir schwante schon, dass ich denselben Weg wieder hinauf musste.
Man muss erst um ein paar Ecken biegen, bis das gut versteckte Kloster plötzlich auftaucht.
„Ursprünglich lebten hier in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts syrische Mönche in einer Einsiedelei. Später entstand hier eine Lavra, eine Einsiedlerkolonie, die aus einem Zentrum und zahlreichen darum herum liegenden Einsiedlerzellen im Wadi Qelt bestand. Im späten 5. Jahrhundert (um 480) wurde durch Johannes von Theben ein Kloster errichtet, das dann unter der Führung seines bekanntesten Abtes, des heiligen Georg von Choziba (gest. nach 625), eine Blütezeit erlebte. Nachdem die Perser das Kloster im Jahre 614 zerstört und seine Mönche massakriert hatten, wurde es aufgegeben.“
ChatGPT weiß erheblich mehr: „Im Jahr 614 n. Chr. drangen die Sassaniden, das persische Reich jener Zeit, in das Oströmische (Byzantinische) Reich ein und eroberten große Teile des Nahen Ostens – darunter Syrien, Palästina und Ägypten.
Die Perser standen unter der Herrschaft von Chosrau II. (Khosrow II. Parwiz, reg. 590–628). Er nutzte eine Phase der inneren Schwäche im Byzantinischen Reich aus: Kaiser Maurikios war 602 gestürzt und ermordet worden, und der neue Kaiser Phokas galt als Usurpator. Chosrau II. erklärte, er wolle den Mord an Maurikios rächen (mit dem er verbündet gewesen war) und begann 603 einen groß angelegten Krieg gegen Byzanz.
Dieser Konflikt entwickelte sich zu einem der schwersten römisch-persischen Kriege überhaupt. Zwischen 611 und 619 eroberten die Perser nacheinander: Syrien (inkl. Damaskus), Palästina (inkl. Jerusalem 614), Ägypten (619).“
Wisst ihr Bescheid.
Die Mönche haben dort so eine Art Mini-Traktor, der so breit ist wie ein Motorrad, und einen etwas größeren Anhänger, mit dem sie andere Mönche, die auf Besuch kommen, oben vom Tor abholen. Das war gerade der Fall: Weißbärte in schwarzen Klamotten kamen und eine Nonne mit schicker Handtasche. Alle wurden begeistert begrüßt und ritualisierten dann etwas – vermutlich Dankbares – in der Kapelle.
Zu mir waren sie ausnehmend freundlich. Es kämen keine Touristen mehr, sagten sie, und schon gar keine aus Germany. Kaffee gab es (der wird bei der brüllenden Hitze praktischerweise nicht so schnell kalt), und Plätzchen drängten sie mir auch auf. Natürlich war strenges Fotografierverbot. Auf dem Bild unten sieht man zwei Personen den Pfad herunterkommen; ich stand auf dem mittleren der Balkone.
„Im Jahre 1878 siedelte sich der griechische Mönch Kalinikos hier an und errichtete das Kloster neu. Die Arbeiten wurden 1901 abgeschlossen.“
Ich fragte, woher das Wasser herkäme (es gab eine saubere Toilette). Heute haben sie eine Wasserleitung. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie die das vor einem Jahrhundert organisiert haben. Mit Hunderten von Eseln?
Auf halbem Weg (Foto unten) erkennt man auf einer Anhöhe die Ausgrabungsstätte Kypros Castle.
„Auf dem Berggipfel befand sich in der Hasmonäerzeit eine Festung mit palastartigen Elementen, wie aufgefundene Fragmente von Kapitellen belegen. Es gab Zisternen und rituelle Tauchbäder (Mikwen). Am Hang des Berges, etwas niedriger, befand sich ein Kolumbarium-Turm mit rundem Grundriss. Solche Türme, die auch in Jericho und in Masada gebaut wurden, dienten im Erdgeschoss der Taubenhaltung und im Obergeschoss als Wachtturm. Der Name dieser hasmonäischen Festung war entweder Threx oder Taurus.“
Da hochzulaufen, wollte ich mir aber nicht antun. Mit einem Jeep wäre es gegangen.
Auf halbem Weg zurück, schon am Ausgang des Tales, bestand ein Lastwagenfahrer darauf, mich mitzunehmen. Er trug ein langes, nicht mehr ganz so weißes arabisches Gewand und sah Osama bin Laden ziemlich ähnlich. Es war ganz begeistert, dass ich aus Almanía (so betont man das auf Arabisch) kam und war offenbar total stolz, dass er einen deutschen Mercedes-LKW fuhr, obwohl die Beifahrertür nicht mehr schloss und die Karre aussah, als würde sie gleich auseinanderfallen.
So sieht es hier aus, wenn ich blogge. Kaffee und Früchte gab es gratis. Und der Rekord von gestern, was die Temperatur angeht, wurde auch gebrochen.

Für eine Handvoll Schekel
Das Frühstück kostet rund sechs Euro. Die Abendkühle sieht aus wie unten.

Jerichosche Agitprop [Update]

Nehmt dies, Araber: Dieses Posting wird mit dem Tag „Israel“ indiziert.
Wenn man das Kleingedruckte liest, fällt einem hier schon auf, was in Judäa im Westjordanland unter der Oberfläche brodelt. Die Leute sind genauso freundlich wie in Israel, vor allem auch deshalb, weil sie über jeden Touristen dankbar sind, der ein paar Schekel unter ihnen verstreut. Das Tourist Information Center in Jericho ist auch geschlossen (heute morgen kurz nach neun).
Unsere Bundesregierung warnt vor Reisen hierher: „Deutsche Staatsangehörige, die sich derzeit im Gazastreifen oder im Westjordanland aufhalten, sollten – sofern möglich – ausreisen.“ Mach ich aber nicht.
Ich habe bis jetzt nur ein asiatisches Paar und eine kleine Gruppe niederländischer Christen getroffen und mit ihnen viereinhalb Worte gewechselt. Sonst bin ich immer der einzige Wessi Nicht-Westasiate oder wie man das nennt, und ich werde zum Teil neugierig angestarrt wie auf einem Dorf in den südamerikanischen Anden.
Hier im Hotel liegen ein paar Bücher aus über Jericho, die u.a. vom Ministry of Tourism and Antiquities (Palestine) herausgegeben wurden. Was sofort auffällt: Die tun so, als hätte es Israel vor der arabischen Kolonisation nie gegeben, was natürlich Fake News sind. Es taucht immer nur der Begriff „Canaanites“ auf, nie aber „Israel“ oder „Juden“.
Die „palästinensischen“ Araber habe ihre Geschichte frei erfunden, weil sie diese mitnichten in die Zeit vor den Römern verlängern können. Da gab es sie noch gar nicht in Palästina. (Das gab es auch nicht, weil die Römer den Begriff genommen haben, um die Erinnerung an die Juden auszulöschen.)
In der arabischen Tradition war Palästina ein Teil von Bilad al-Scham (Großsyrien), das die gesamte Levante umfasste mit dem Zentrum Damaskus. So war es noch mindestens bis zur Staatsgründung Israels.

Fakten: Vor 1900 war Palästina Teil des Osmanischen Reichs (1516–1917). Die Bevölkerung bestand aus einer Mischung von arabischsprachigen Muslimen, Christen, Juden, Drusen, Tscherkessen, Türken und Beduinen. Arabische Einwanderung aus den Nachbarregionen wie Ägypten, Syrien, dem Hauran (Süd-Syrien) und Transjordanien war üblich, oft aufgrund von Arbeit, Handel oder Landwirtschaft.
Besonders im 18. und 19. Jahrhundert wanderten Bauern, Händler und Beduinen aus benachbarten Gebieten nach Palästina ein, weil es dort fruchtbare landwirtschaftliche Flächen gab, Steuern und Rekrutierungen in anderen Provinzen strenger waren, oder durch Verwüstungen in Nachbarregionen (z. B. Dürren oder Konflikte).
Beispiele für Einwanderungswellen:
– Ägyptische Migration unter Muhammad Ali (1831–1840),
Als Ägypten Palästina zeitweise besetzte, kamen ägyptische Soldaten, Beamte und Bauern in die Region. Einige blieben dauerhaft.
– Beduinenstämme aus der arabischen Halbinsel (z. B. aus dem Negev, dem Hauran oder Ostjordanien) zogen in das südliche und östliche Palästina.
– Tscherkessen und Bosnier (nicht Araber, aber Muslime) wurden ab den 1860ern von der osmanischen Regierung angesiedelt, um Grenzgebiete zu sichern.
Quellen von ChatGPT:
– Justin McCarthy: The Population of Palestine: Population History and Statistics of the Late Ottoman Period and the Mandate (1990).
– Yehoshua Ben-Arieh: The Rediscovery of the Holy Land in the Nineteenth Century (1979).
– Kemal Karpat: Ottoman Population, 1830–1914 (1985).
Jetzt dudeln ringsum die Muezzine. Ich muss mal etwas einkaufen.
[Update] Ich vergaß zu erwähnen, dass ich gestern alle arabischen Fernsehsender durchgezappt habe, Katar, Oman, Jordanien. Das ist schon exotisch…

Am Westufer

Sogar in der kleinstädtischen Pampa (hier: Mizpe Ramon) zeigen die Bushaltestellen an, wann die Busse kommen bzw. abfahren.
Kurz zwischendurch und IMHO ohne interessanten Inhalt. „Die Entfernung zwischen Mitzpe Ramon (Israel) und Jericho beträgt etwa 232 km auf der Straße. Die reine Fahrzeit mit dem Bus liegt – je nach Route und Umstiegen – bei rund 4 Stunden.“
Auf dem Weg nach Be’er Scheva, der „Hauptstadt“ des Negev, sieht man ziemlich oft Baracken- oder Slum-ähnliche Behausungen. Ich gehe davon aus, dass sich dort Beduinen angesiedelt haben.
Den Busbahnhof von Be’er Scheva finde ich sehr interessant: Scharen bewaffneter Soldaten beiderlei Geschlechts, vollverschleierte Beduinen-Frauen und allerlei buntes Volk jeder Art, aber kaum orthodoxe Juden. Man kann da gut eine Weile herumsitzen und sich die Leute ansehen.

Busse haben USB zum Laden und oft – wie hier – einen eigenen freien Internet-Zugang für die Fahrgäste.
Die Strecke zum Toten Meer bin ich schon 2023 gefahren. Typisch: Die Steinwüste der judäischen Berge wird karger und karger und fast Sand, der Anblick öde. Man muss so etwas schon mögen; es schreckt total ab. Wer begibt sich freiwillig in eine solche Einöde?
Das Reisen mit Apps wie Moovit ist natürlich kinderleicht, im Prinzip. Man verfolgt in Echtzeit die Busse und sich selbst, vorausgesetzt, man hat Internet – was aber in ganz Israel der Fall ist, außer man steht mitten in der Wüste.
Die Reise nach Jericho ist etwas kompliziert, weil es keine direkten Verbindungen von Israel aus gibt. Mein Rat: Von der Jerusalem Central Busstation nach Almog Junction (die Busfahrer verstehen auch „Almog“).
Das Problem: Der Busfahrer wusste zwar, wohin ich wollte, weil ich es ihm bei der Abfahrt gesagt hatte, vergaß aber anzuhalten. Er bretterte bis zum Abzweig nach Deir Halja und bequemte sich erst dann anzuhalten. Ich musste also gut einen Kilometer mit dem gesamten Gepäck zurücklaufen, ohne Schatten und in glühender Hitze. Das liegt hier übrigens alles schon weit unter dem Meeresspiegel.
Mit meinem unglaublich hilfsbereiten Hotelbesitzer kommunizierte ich per WhatsApp. Zum Glück hatte mein Gastwirt schon einen Taxifahrer zum Almog Junction samt Beschreibung meiner Person geschickt, der dort wartete und mich nach Jericho brachte (40 ILS = rund 10 Euro). Zusätzlich bekam ich noch ein Video, wie ins Haus und in mein Zimmer zu gelangen sei, weil sonst niemand hier ist und der Besitzer arbeiten muss. Ich war froh, als ich endlich da war und die luxuriöse Dusche nutzen konnte.
B&B La Luna Jericho – höchstmögliche Anzahl von Sternen und ein unglaubliches Preis-Leistungsverhältnis – knapp 100 Euro für drei Nächte, mit Frühstück und Garten und großem eigenen Bad.
Könige, Kamele und noch mehr
Prolog, revisited: Hier laufen die Ibexe wieder herum, und alle Autofahrer wechselten in Zeitlupe. Die Tierchen sind pfeilschnell und machen große Sprünge, und wenn sie in Panik geraten, weiß man nicht, in welche Richtung sie dann laufen werden.
Ich muss jetzt wieder zusammenposten, was gar nicht zusammengehört. Heute stand – auf Empfehlung von Einheimischen – ein kleiner Ausflug zum Midreshet Ben-Gurion auf dem Programm. Der gestrige Tag steckte mir noch fühlbar in den Knochen. Das ist nördlich des En-Awdat-Nationalparks (der auf den Panorama-Bildern zu sehen ist).
Zwischendurch die Weltläufte. Ich gehe davon aus, dass der Krieg in Gaza jetzt weitergehen wird. „The war is not over yet, there are a few more things that need to be done, we know that.“ – „Im südlichen Gazastreifen bei Rafah kam es zu heftigen Feuergefechten. Terroristen stürmten aus einem Tunnelschacht und attackierten israelische Soldaten. Erste Meldungen sprechen von Todesopfern auf unserer Seite.“
Ceterum censeo: Hamas esse delendam.
Ach ja. Gegen Trump wurde demonstriert. Bei den Qualitätsgenderhauptstadtmedien ist das Wort „Demonstranten“ verboten, es heißt jetzt laut Ministerium für Sprachesoterik „Demonstrierende“,
Der US-Präsident kontert mit einem lustigen ekligen Video, auf dem King Trump und viel Scheiße zu sehen sind. [Auch bei den Österreichern anzuschauen – für die, die Truth Social nicht mitlesen.] Die New York Times weist vorsorglich darauf hin, dass das Video ein Fake ist.
Ich habe mir kurz das Grabmal Ben Gurions und seiner Frau angesehen, das in seinem reizenden kleinen Park – wieder mit vielen Ibexen – liegt. Und mit grandioser Aussicht.
Übrigens: Die spinnen, die Griechen.
Ich habe gerätselt, wofür auf dem obigen Foto das fette Abflussrohr ist, das links aus den Felsen kommt. Darüber liegen die Ramat Negev Regional Library und Shermans Hotel. Aber sind die nicht an die Kanalisation angeschlossen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendwas Schmutziges vor aller Augen direkt in den Nationalpark abgelassen würde.
Vielleicht hat Trump das ja so geplant. „Trump expressed doubt that Hamas would disarm voluntarily, but noted that if not, the United States would do so.
At the same time, he emphasized that the US would not deploy ground troops in Gaza — the operation, he said, could be carried out by Israel with US support.
„They promised they would disarm. They said they would disarm. There is doubt that they will do so. Now they said they were gang members and so on, and so on, you know. But these are very cruel people. This is a very cruel part of the world. No one has seen such violence. If necessary, we will disarm them. Whether it is me or the US, or, you know, a proxy — it could be Israel with our support. And we will not have ‚bare‘ troops on the ground. There is no need for that,“ Trump said.“
Auf dem Schild – aus dem Lokalbus nach Mizpe Ramon fotografiert – steht: „Beware of camels near the road“.
Heute ist mein letzter Tag in der Negev. Morgen fahre ich nach Jericho. Wenn die IDF wieder loslegt, kann es unter Arabern ja heiter werden.
Sicherheit & Formalitäten:
⦁ Ausweis/Pass mitnehmen; du passierst teils Checkpoints.
⦁ Rechtslage: Jericho (Kernstadt) liegt in Gebiet A; israelischen Staatsbürgern ist die Einfahrt untersagt. (Bitte beachte deine Staatsangehörigkeit/Visa-Situation.)
⦁ Frequenz/Zeitfenster: Arabische Busse/Servees fahren ohne strengen Fahrplan und starten, wenn voll; nachmittags ist Betrieb normal, abends dünner.
(Quellen: ChatGPT/Ramallah Tourist Center)
Wehe, Wanderer! Wüste Wege!
Prolog: Wenn man das obige Foto genauer ansieht, erkennt man ein Tier. Nein, das ist kein Denkmal. Die Leute hier nennen diese Tier desert goat, also Wüstenziege. Hier sitzt ein Nubischer Steinbock einfach zwischen den Häusern herum (Nubian Ibex). Ich habe schon einige davon gesehen. Es wird überall davor gewarnt, sie zu füttern. Die Art ist vom Aussterben bedroht und streng geschützt (in Israel).
Ich bin heute mehr als sechs Stunden allein durch die Wüste Negev gewandert.
Die gute Nachricht: Ich habe es wieder zurück geschafft. Die schlechte: Ich habe alles verpasst, was ich an geologischen Sehenswürdigkeiten sehen wollte, muss also in den nächsten Jahren noch mal zurückkehren. Ursache war natürlich, dass ich mich total verlaufen hatte. Das ist in einer leeren Wüste eher suboptimal, zumal Temperaturen um die 30 Grad das Herumwandern und -klettern auch nicht leichter machen.
Der Israel National Trail ist von Mizpe Ramon aus im Prinzip, wie man bei Radio Eriwan zu sagen pflegte, gut markiert. Es geht zunächst steil abwärts. (Wenn ich heute morgen um neun gewusst hätte, dass ich denselben Weg wieder hinaufsteigen musste, hätte ich vermutlich einen halben Herzinfarkt bekommen.)
Der Höhenunterschied zwischen der Ortschaft Mitzpe Ramon (oft angegeben mit einer Höhe von ca. 860 m über NN) und dem Boden des nahegelegenen Erosionskessels Makhtesh Ramon (deren Boden auf etwa 400 m über NN liegt) (Quelle laut ChatGPT: MDPI) beträgt demnach grob 460 m.
Die Karte, die man im Besucherzentrum von Mizpe Ramon (Google kann man in der Wüste vergessen) bekommt (die Aussichtsplattform für Besucher ist auf dem Foto links oben zu erkennen), sieht zwar detailreich aus, aber ist so klein gedruckt, dass man ein Mikroskop mitführen müsste.
Ich habe auch den Eindruck, dass sie nicht immer korrekt ist. Ich wollte direkt nach Süden nach Nahal Ramon (der Kraterkessel), wo der Trail eine Schotterpiste kreuzt, dann über den Pass des Makhtesh Ramon Geological Park zum Ammonite Wall und östlich davon auf der Straße wieder zurück. (Teile des Trails sind auch von Google Earth indiziert, aber das müsste man sich vorher ausdrucken.)
Ich wurde schon misstrauisch, als ich mir die Karte genau ansah. Der Weg ist zwar zu erkennen, aber verlief irgendwo im Nirgendwo, und ich fand die Kreuzung nicht. Also den nächstgelegenen Pass nach Süden hoch, wo es nach einem Pfad aussah, der aber nicht markiert war.
Gegen Mittag war ich auf der anderen Seite des Gebirgszuges und schon reichlich platt. Morgens war der Himmel noch voller Wolken, aber die wurden nach und nach von der Sonne weggeschmolzen, und die Temperatur stieg rapide an.
Meine hier schon lobend erwähnte Powerbank hat einen Kompass. Was die grobe Richtung anging, war ich auf der sicheren Seite. Die Trampelpfade (wenige Fußabdrücke, viele Hufe) aber verschwanden, und ich musste über die Steinwüste pur vorwärtskommen.

Im Hintergrund das Felsmassiv mit Mizpe Ramon
Entfernungen in der Wüste sind extrem schwer einzuschätzen. Das kenne ich aus anderen Steinwüsten, in Peru und Bolivien. Man denkt: Hinter der Ecke müsste man erkennen, wie es weitergeht, und dann kommt noch eine Ecke und noch eine und es hört nicht auf. Die Straße 40 hätte da sein müssen, war sie aber aber nicht.
Ich schwenkte nach Norden und fand irgendwann eine Schotterpiste, die auf dem Boden des Kraters west-östlich verläuft. Dann sah ich in weiter Ferne im Nordosten ein paar Jeeps Staubwolken aufwirbeln und gleichzeitig das Bergmassiv vor mir, auf dem Mizpe Ramon liegt. (Foto oben) Letzteres war näher als die Straße. Also kurzentschlossen den Weg nach oben finden und dann hochklettern.
Natürlich habe ich unter dem Baum gerastet, der einzige große Baum, den ich in sechs Stunden gesehen habe. Keine Ahnung, was den geritten hat, ausgerechnet dort zu wachsen. Der gehört eigentlich nach Afrika. Aber das ist ja nicht weit von Israel.
ChatGPT: „Der Baum auf deinen Fotos ist eine Schirmakazie (Vachellia tortilis) — die typische, ikonische Baumart des Ramon-Kraters und der zentralen Negev-Wüste in Israel.“
Der Anstieg nach Mizpe Ramon – fast 500 Höhenmeter – mörderisch. Es war mittlerweile brüllend heiß. Ich war froh, dass ich die Fremdenlegionär wüstentaugliche Kopfbedeckung gekauft hatte (natürlich made in China). Aber ich kam trotzdem an meine Grenzen und musste zum Schluss alle zehn Meter eine Pause einlegen. Die drei Liter Wasser waren auch schon in meinem Bauch.
Irgendwann war ich dann doch oben und holperte in meine Wohnung (die Vermieterin ist verreist bis morgen). Vor der Tür saß schon die Katze und schaute mich vorwurfsvoll und hungrig an. (Sie entscheidet, wann sie rausmöchte – kommt aber immer wieder.)
Wir gehen beide früh ist Bett..
Hinaus ins Mittagland
Da sie nun Mose sandte, das Land Kanaan zu erkunden, sprach er zu ihnen: Ziehet hinauf ins Mittagsland und geht auf das Gebirge… (4. Mose 13)
Ich schrieb schon, dass man die Panoramen nicht fotografieren kann. Morgen gehe ich auf einen langen Marsch, dann werden wir sehen, wie das aussieht.

Mizpe Ramon liegt auf einer Anhöhe. Hier kann es zwar bis zu 40 Grad heiß werden, aber es weht immer ein lauwarmer Wind, so dass die Hitze erträglich ist.
„There are moderate to strong winds all year long, caused by its location above the crater, which make Mitzpe Ramon feel much colder than it really is.“ Sag ich doch. Unten im Krater wird es leider nicht mehr so sein.
Da stand eine Gruppe von Leuten herum, die alle in einem dicken Buch lasen und dabei ab und zu in den Krater schauten. Es waren vermutlich US-Amerikaner, und es war die Bibel. Wenn es der Wahrheitsfindung dient…
Weißt du etwas über ein Denkmal in Mizpe Ramon, auf einem Rondell an einer Straßenkreuzung, von zwei arbeitenden Männern?
ChatGPT: Nachgedacht für 35 Sekunden: Ja – das ist kein Denkmal, sondern ein öffentliches Kunstwerk in Mizpe Ramon. Es heißt auf Hebräisch „שחזור פריצת הדרך למצפה רמון“ („Rekonstruktion des Durchbruchs der Straße nach Mizpe Ramon“). Die Bronzeplastik zeigt zwei arbeitende Männer bei Straßenbauarbeiten und steht auf dem zentralen Kreisverkehr der Stadt. Urheber ist der israelische Bildhauer Asaf Lifshitz; die Aufstellung ist spätestens 2018 belegt.
Zu diesem Standort passt die lokale hebräische Bezeichnung כיכר החלוצים (Kikar HaHalutzim = „Pionier-Platz“), die von Gemeinde/Ortsquellen verwendet wird – das ist der große zentrale Kreisverkehr am Stadteingang, auf dem die Skulptur mit den zwei Arbeitern steht.
Der Mann hatte seine Familie und das Gewehr dabei. Ich wollte die Leute nicht nerven, aber ich habe mindestens vier Bewaffnete im Supermarkt gesehen, alle mit Sturmgewehren.
(Der Einkaufszettel liegt verkehrt herum.) Alles zusammen kostete 147,50 Schekel, das sind 38,14 Euro. Das reicht für zwei Tage. Sagte ich schon, dass ich wieder mein Idealgewicht habe?
Gefühlt es es um die Mittagszeit 40 Grad heiß, und ich bin nur haarscharf an einem Sonnenbrand vorbeigeschrammt. Obwohl das hier mitten in der Wüste liegt, leisten sie sich Wasserspiele. Unzählige Bänke im Schatten gibt es auch, weder beschmiert noch dreckig. Ich will nicht alles schönreden, aber es ist eben so.
In Jerusalem habe ich auch einen Obdachlosen gesehen, der auf dem Trottoir der Jaffa Road übernachtete. auf dem Davida Square sitzen immer ein paar Säufer herum – das war schon so vor zwei Jahren.
Die Katze darf immer raus, wenn sie will. Wenn man rausgeht, wartet sie dann oft vor der Wohnungstür, wenn man zurückkommt. Meine Wirtin sagte, die Katze hatte sie adoptiert, nicht sie die Katze. Das Tierchen ist total entspannt und ruiniert auch keine Pflanzen, obwohl das bei Kakteen auch nicht ganz so einfach ist.

















































































































































