Der Homo Erectus und die drei Pro-Atom-Affen

Sehr schöner völkerkundlicher Artikel in der taz, der erklärt, warum es nur so wenige japanische Atomkraftgegner gibt und der auch auf Deutschland passt:
„Es ist nie leicht gewesen, in Japan Atomkraftgegner zu sein. Man durfte sich stets zu einer verschwindend kleinen Minderheit zählen. (…) Diese Brennstäbe umgibt keine Reaktorhülle. Wenn sie brennen, und das war nach Gotos Meinung am Dienstagmorgen der Fall, ist die Wahrscheinlichkeit, dass große Mengen Radioaktivität freiwerden, besonders hoch (…) Wären das nicht Schlagzeilen für den nächsten Morgen? Aber die Japaner wollen sie nicht lesen. Sie wollen ihren Glauben an die japanische Technologie nicht verlieren. Sie wollen, auch jetzt noch, festhalten an ihrem Traum von der Energieunabhängigkeit durch Atomkraft. Das spürt man im Gespräch mit den Journalisten, von denen man sich wünschte, dass sie sich einmal die Zeit nähmen, im CNIC vorbeizuschauen.“
Ich halte gar nichts von der angeblichen Stimmung in Deutschland gegen Atomkraft. Die Leute werden das bald wieder vergessen haben. Auch nach der Katastrophe von Tschernobyl gab es kein Umdenken, obwohl die Deutschen sogar direkt betroffen waren. Wie sonst hätte es danach überhaupt noch eine nennenswerte Pro-Atom-Lobby geben können- und dürfen?
Die breite Masse denkt nicht rational, sondern instinktiv wie ein Tier. Argumente zählen nicht. Man kann sie in jede Richtung manipulieren, vor allem in Deutschland mit seiner obrigkeitshörigen Tradition.
Warum gibt es in Frankreich zwar 24 Atomkraftwerke, aber niemand protestiert dagegen? Weil das so ähnlich wie mit dem Schwanzvergleich ist: Man fühlt sich stark – ich zähme das Atomfeuer, also bin ich. Genau das Richtige für Männer auf kurzen Beinen mit Minderwertigkeitskomplex – wie Sarkozy. Den Atom-U-Booten passiert doch auch nichts. So muss sich der Homo Erectus gefühlt haben, als er das Feuer zum ersten Mal unter Kontrolle hatte, auch wenn ihm der Arsch dabei versengt wurde.
Es ist doch völlig egal, ob hierzulande einige Kraftwerke ausgeschaltet werden – wenn den Franzosen ihre Atommeiler um die Ohren fliegen, sind wir auch dran.

Radioaktive Strahlung schadet nicht „unmittelbar“, dann ist ja alles gut
FTD: 23:27 „Der brennende Reaktor sei nicht zu betreten, berichtete der Sender NHK. Weiter hieß es, dass um 6.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr deutscher Zeit) 60 Kilometer entfernt von dem Krisen-AKW eine radioaktive Strahlung gemessen worden sei, die 500 Mal über den normalen Werten liege. Ob diese Gefahr in direktem Zusammenhang mit dem neuen Feuer steht, war zunächst nicht bekannt. ‚Diese Dosis wird nicht unmittelbar der menschlichen Gesundheit schaden‘, sagte der Reporter unter Berufung auf die Behörden.“
WTF? Der Reporter hat sich also nicht erkundigt, ob die Strahlendosis dem Menschen schade, sondern käut das kritiklos wieder, was „die Behörden“ behaupten. Fünfhundertfache Dosis! Natürlich nicht „unmittelbar“ – das wäre ein Strahlentod. Ein bisschen wird man noch leben nach der fünfhundertfachen Dosis. Was für ein Lügenpack.
Die Apotheken-Umschau schreibt: „Je mehr ionisierende Strahlung ein Mensch abbekommt, desto größer ist die Gefahr, dass sie ihm unmittelbar schadet. Das Bundesamt für Strahlenschutz spricht beispielsweise von einem kritischen Schwellenwert, wenn der ganze Körper – zum Beispiel bei einem Reaktorunglück – einer Dosis von 500 Millisievert ausgesetzt wurde. Mit der Einheit Millisievert oder Sievert messen Experten die Wirkung von Strahlen auf den Körper. (…) ‚Ein Deutscher ist im Jahr einer durchschnittlichen Strahlendosis von zwei Millisievert ausgesetzt‘, sagt Dikomey. Dieser Wert kann allerdings schwanken, je nach Wohnort und Lebensgewohnheiten. Wer beispielsweise viel fliegt, setzt sich einer zusätzlichen Belastung aus. Ein Flug von Hamburg nach New York und zurück kommt auf rund 100 Mikrosievert, also 0,1 Millisievert.“

Sterbehilfe für Fukushima
Der Artikel in der taz fasst die aktuelle Situation sehr gut zusammen: „Das ist nur noch Sterbehilfe – Die Fukushima-Betreiber gingen offenbar von Anfang an davon aus, dass die Brennstäbe im Reaktor durchschmelzen könnten. Darauf deutet die Art ihrer Rettungsversuche hin.“
Kernkraft ist sicher
Deutsche Welle: „Die dramatischen Vorkommnisse im AKW Fukushima I müssen nach Ansicht des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, nicht das Ende des weltweiten Wachstums der Nuklearbranche bedeuten. (…) Nach Angaben der IAEA interessieren sich momentan weltweit 60 Staaten dafür, Atomkraft neu bei sich einzuführen.“
Esst mehr Sushi!

SpOn: [22.28 Uhr] Die japanische Atomaufsichtsbehörde Nisa bestätigte der Nachrichtenagentur dapd, dass radioaktiv verseuchtes Wasser aus den Reaktordruckbehältern im Atomkraftwerk Fukushima direkt ins Meer zurückgeleitet wird. Welche Folgen das genau hat, ist nach Greenpeace-Angaben nicht abzusehen.
Fukushima No. 2 reactor’s fuel rods fully exposed, melting feared
Auch beim Webdesign ist die japanische AKW-Betreiber-Firma Telco „Spitzenklasse“.
Hier die Meldung von Spiegel offline übersetzt in Online-Journalismus (also mit Quellenangabe/Links):
„Nach Angaben der Betreiberfirma, der Tokyo Electric Power Company (Tepco), sind die Brennstäbe komplett ohne Wasser, der Druck im Reaktor steigt. Der Betreiber hält für möglich, dass es zu einer partiellen Kernschmelze im Reaktor 2 gekommen ist. Dies teilte die Betreiberfirma Tepco laut der Nachrichtenagentur Kyodo mit.“
[Nicht nur laut der Nachrichtenagentur, sondern auch höchstderoselbst in englischer Sprache auf ihrer eigenen Website. Habt ihr eigentlich einen Internet-Anschluss beim Spiegel „Online“?]
„At 2:46PM on March 11th 2011, the turbines and reactors of Fukushima Daiichi Nuclear Power Station Unit 1 (Boiling Water Reactor, rated output 460 Megawatts) and Units 2 and 3 (Boiling Water Reactor, Rated Output 784 Megawatts) that had been operating at rated power automatically shutdown due to the Tohoku-Chihou-Taiheiyou-Oki Earthquake.
In response, water injection into Unit 2’s reactor were being carried out by the Reactor Core Isolation Cooling System. However, as the Reactor Core Isolation Cooling System failed today, it was determined that a specific incident (failure of reactor cooling function) stipulated in article 15, clause 1 has occurred at 1:25 pm today.“
Günther Amendt ist tot
Günther Amendt ist tot. Er starb bei einem Autounfall, berichtet das Hamburger Abendblatt.
Zu seinem Buch „Sex-Front empfehle ich einen Artikel der taz vom 07.08.2007.
Wikipdia: „Mindestens zwei deutsche Gerichte stuften ein im Sex-Buch abgedrucktes Foto als ‚kinderpornografisch‘ ein. Damit könnte bereits der bloße Besitz eines der insgesamt etwa 200.000 verkauften Exemplare dieses populären Aufklärungsbuchs strafbar sein. Das Amtsgericht Mannheim ließ im Dezember 1998 beim Herausgeber einer Schülerzeitung, in der das Bild abgedruckt wurde, neben den Restexemplaren der Zeitschrift selbst auch die in seinem Besitz befindlichen Exemplare von Amendts Büchern Sexfront und Das Sex-Buch beschlagnahmen. In einem anderen Fall bezeichnete das Amtsgericht Mühldorf am Inn das Bild als ‚eindeutig kinderpornographisches Material‘ und erwirkte im November 1999 gegen eine Privatperson eine Hausdurchsuchung wegen Besitzes desselben“.
Heute würde sich keiner mehr trauen, solche Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. O tempora, o mores…
Miyako, Japan, 11-03-2011
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Atomkraft ist sicher!
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Bild: „Deutschland soll wieder auf Atomkraft setzen!“ Junge Liberale Pforzheim (FDP): „Kernkraft – ja bitte!“ Katharina Reiche (CD): „Die Kernkraft ist sicher“. Focus: „Experten rechnen vor: Wenn Deutschland den Atomausstieg verschiebt, sparen Verbraucher viel Geld.“ (vgl. dazu aber Bildblog) Tagesschau: „Strenge Vorschriften sollen Japans AKW schützen“. Vattenfall: „Kernkraft ist sicher und wirtschaftlich“.
Fukushima-Daiich: Kernschmelze in Sicht
Deutsche Kernkraftwerke sind sicher.
Fukushima Daini: Ausbreitung einer radioaktiven Wolke aus Japan
NOAA HYSPLIT Modellrechnungen für die Ausbreitung eine hypothetischen Radioaktiven Wolke ausgehend vom Fukushima AKW in Japan gibt es hier, Wikipedia hat Informationen über das Atomkraftwerk Fukushima Daini.
Mixa droht
Gloria.tv zitert den katholischen Pfaffen Walter Mixa: „Das vermisse ich in der Weise: Ich bin immer sehr gerne zu Jugendlichen in die Schulen gegangen und zu Kindern in den Kindergarten.“
O mein höheres Wesen – er würde es wieder tun!
„Nach über mehrere Wochen anhaltenden Medienberichten über Misshandlungs- und Veruntreuungsvorwürfe bot Mixa am 21. April 2010 Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt vom Amt des Bischofs von Augsburg und von dem des Militärbischofs der Bundeswehr an, um ‚weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden und einen Neuanfang zu ermöglichen'“.
Friedrich der Grosse über den Islam in Deutschland
Unser unsäglicher neuer Innenminister Friedrich ist nicht nur ein reaktionärer Dummschwätzer, sondern auch historisch total ungebildet. Der Islam gehört nicht zu Deutschland?
Da fragen wir in Preussen beim Alten Fritz aka Friedrich II. nach. Der erließ am 22. Juli 1775 ein Edikt über die Ansiedlung muslimischer Tataren in Westpreußen:
„Ihr werdet demnach Euch alle ersinnlich Mühe geben, gemeinschaftlich (…) zu bewürcken, wie diese Leute zu gewinnen und in’s Land gezogen werden können. Ich will ihnen gerne erlauben, Moscheen zu bauen und sollen sie allen Schutz geniessen.“
Damals war man weiter als heute.
Commentarii de revolutio Arabico [Update]
Lybia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Tarabulus, aliam Fessan, tertiam qui ipsorum lingua Barqah, nostra Cyrenaica appellantur.
Wer jetzt an Caesar denkt, ist zwar gebildet und hat etwas über libysche Geografie gelernt, aber das hilft uns nicht viel weiter. Ich fühle mich durch die Medien, was die Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Libyen engeht, nicht hinreichend informiert. Deshalb habe ich mich heute selbst umgeschaut, um mir ein Bild zu machen.
Die drei Landesteile, die seit 1951 den Staat Libyen ausmachen, sind sehr unterschiedlich; eine gemeinsame historische Tradition existiert wohl kaum. Der Südwesten ist ungefähr doppelt so groß die Deutschland, hat aber weniger Einwohner als Dortmund. Im gesamten an Ägypten grenzenden Osten, der Kyrenaika, leben etwa halb so viel Einwohner wie in Berlin.
Der Fessan im Westen Libyens wurde in der Geschichte von den geheimnisvollen Garamanten besiedelt, von denen die heutigen Berber vermutlich abstammen. Die Berber, die klassischen Bewohner der Sahara-Wüste, zu denen auch die nomadischen Tuareg gehören, verteilen sich auf fünf Staaten (ein Vergleich mit den Kurden liegt nahe). Man darf getrost bezweifeln, dass diese Völker für eine Revolution in Libyien zu gewinnen sind, da ihre Interessen, neben dem Karawanenhandel, eher darauf gerichtet sind, ökonomisch zu überleben und etwa am Rohstoffabbau im Niger teilzuhaben.
Der Norden des Landes, also im wesentlichen der Küstenstreifen Tripolitanien und dessen Hinterland, die ehemaligen phönizischen Kolonien und das spätere Karthago, wurde arabisiert. Hier kann Landwirtschaft betrieben werden; Erdöl und Erdgas kommen nur hier vor, vor allem in der Großen Syrte.
Der Osten Libyens ist auch kulturell und historisch anders: Weniger die Küste, sondern vielmehr das Landesinnere um die Kufra-Oasen prägen die Traditionen, etwa der Sanussiya-Orden, zu dem auch der Nationalheld Omar Mukhtar gehörte. Dieser Orden war auch eine islamische Erneuerungsbewegung in der Tradition des Sufismus; der ist aber theologisch weitaus toleranter als etwa die Wahabiten, die heute in Saudi-Arabien den Ton angeben. Die Sufis predigen zwar die Askese, sind aber eher spirituell statt dogmatisch ausgerichtet. Der Sanussiya-Orden finanzierte sich, bevor die Kolonialmächte Italien und Frankreich ihm seine ökonomische Basis entzogen, durch den Sklavenhandel zwischen Schwarzafrika, vor allem dem Sudan, und den Küsten Ägyptens und Libyens. Die europäische „Ausländer raus“-Organisation Frontex konzentiert heute im Südosten Libyiens Flüchtlinge in Lagern; Italien stellt dafür das Geld bereit.
Gute Journalisten stellen nur zwei Fragen, um das Wesentliche beschreiben zu können: Wo kommt die Kohle her? Und wo geht sie hin? In Libyen hat Gaddafi die Berber alimentiert, weil er ihre traditionelle Aufsässigkeit gegenüber seinen Nachbarstaaten als „Drohgebärde“ benutzen konnte. Die halbnomadischen Wüstenbewohner werden sich nur einem Aufstand anschließen, wenn zu erkennen wäre, dass die Nachfolger der Gaddafi-Clique ihnen ähnlich wohlgesinnt wären.
Die Kyrenaika hingegen will etwas vom Kuchen abhaben; ihre Bewohner, die historisch stark mit Ägypten verbandelt sind, wurden vernachlässigt und haben daher die stärkste Motivation für einem Umsturz. Das sagt aber nicht viel. Es kommt darauf an, wie Tripolitanien reagiert; den Rest Libyiens muss Gaddafi nicht berücksichtigen, selbst wenn der zeitweilig in den Händen Aufständischer wäre.
Wer – wie ich – jedem Umsturz, richtet er sich von unten nach oben, sympathisierend gegenübersteht, wundert sich: Plötzlich gibt es in Arabien „Volkskomitees“, eine Art Räterepublik, ohne dass man vorher etwas von einer Guerilla oder einer im Geheimen operierenden Organisation gehört hätte, wie etwa die erfolgreiche Sandinistische Befreiungsbewegung in Nicaragua oder die Tupamaros in Uruguay. Es handelt sich um eine klassische bewaffnete Märzrevolution 1848 forderten genau das, was die Volksmassen in Tunesien, Ägypten und auch in Libyen heute wollen – demokratischen Wahlen, Pressefreiheit und den Sturz der Tyrannen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Die Revolutionäre hoffen, dass der Kapitalismus für alle da ist. Wie das gehen soll, hat noch niemand verraten. Zur Zeit lebt der arabische Umsturz vom Prinzip Hoffnung, dass jeder eine Chance hätte, wenn nur die Wirtschaft nicht mehr in den Klauen einer korrupten Familienclique wäre. Diese Hoffnung ist zwar fromm, aber naiv.
Die eisenen ökononomischen Gesetze der so genannten „Marktwirtschaft“ – die schleichende Enteignung unabhängiger Kleinbauern (zugunsten staatlich subventionierter kapitalistischer Großbetriebe), der „tendenzielle Fall der Profitrate, die ungehinderte Fluktuation der Ware Arbeitskraft und das Entstehen einer industriellen Reservearmee (aus ehemaligen Bauern und/oder Einwanderern/Flüchtlingen), die das Proletariat in Schach und die Löhne niedrig hält – das alles steht Arabien noch bevor. „Diese Enteignung vollzieht sich durch das Spiel der inneren Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot.“ (Karl Marx, Kapital I, MEW 23, 790)
Ein Gespenst geht um in Arabien – das Gespenst des Kommunismus (oder wie auch immer man das heute nennen mag). Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen -und heimlichen – Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, die Europäische Union, die USA, Israel, Saudi-Arabien, die Ex-Kolonialmächte Italien und Frankreich, die Noch-Machthaber in Marokko, Algerien, Syrien und den Golfstaaten.
Die Revolution in Libyen wird auch Gadaffi nicht aufhalten können. Aber die Revolution fängt danach erst an. Bei den Wahlen im Herbst in Ägypten und deren Ausgang sprechen wir uns wieder. Jede Wette, dass diejenigen, die heute die wirtschaftliche Macht am Nil innehaben, auch nach den Wahlen immer noch fest im Sattel sitzen werden.
Update
SpOff: „Tunesiens Hauptstadt versinkt erneut im Chaos“ – „…mit der Aufarbeitung der Vergangenheit ist zögerlich begonnen worden. Das ging vielen Demonstranten nicht schnell genug. Sie sind der Ansicht, dass immer noch die gleiche Clique an der Macht sei – und sich für die Bürger nicht viel geändert habe.“ Meine Rede – die Revolution beginnt erst.
SpOff: „Experten fürchten die Spaltung Libyens“ – der Artikel scheint wie von mir (vgl. obne) abgeschrieben, nur das er seine Quellen verschweigt.
Guttenbergs Doktorarbeit von unabhängiger Software erneut getestet

Wilhelm Hahne und der Nürburgring – Neues von der Abmahnmafia
Gulli.com: „Wer Fan-Foren betreibt, kann sich im Fall der Fälle auf eine Privatinsolvenz einstellen. Spätestens dann, wenn ein kritischer Zeitungsbericht im Forum gepostet wird. So wie dieser Bericht, der sich hochkritisch mit den Verstrickungen des „Nürburgring“ befasst, und bereits per einstweiliger Verfügung eingestampft wurde. (…)
Der Journalist Wilhelm Hahne wurde aufgrund eines kritischen Artikels über das Bauprojekt zum Ziel einer Hausdurchsuchung. Hahne hatte auch ein Buch zum Thema veröffentlicht. Ein kritischer Artikel in der Eifel-Zeitung wurde per einstweiliger Verfügung verboten.“
Die Rhein-Zeitung schreibt da zu: „Inhaltlich ging es darin um das Firmengeflecht rund um den Nürburgring.“ Gulli.com: „Ursprünglich sollte der Um- und Ausbau vollständig privat finanziert werden. Auf der Suche nach willigen Investoren beauftragte man Finanzvermittler mit einem eher fragwürdigem Ruf. Als Beweis der Liquidität des Bundeslandes Rheinland-Pfalz soll eine Summe von 95 Millionen Euro nach Liechtenstein überwiesen worden sein. Da sich keine Investoren fanden, wurde der Gesamtbetrag zumindest vorerst aus Steuergeldern finanziert, so dass der Bau beginnen konnte. Landesfinanzminister Ingolf Deubel musste aufgrund diverser Merkwürdigkeiten seinen Hut nehmen. So sollte die Finanzierung über hochspekulative Fonds, Bankkonten in Liechtenstein sowie anonyme Geschäftspartner in Dubai ablaufen.“
Es geht um das N-Forum, das Hahne mittlerweile hat abschalten lassen. Interessant ist dort die Einschätzung des Anwalts Dr. Frey, der den Beklagten – also den Foren-inhaber – vertritt: „Nachdem ich Einsicht in die Akte des LG Köln nehmen konnte, wurde deutlich, dass es sich bei der Mediinvest GmbH, Herrn Richter und den agierenden Anwälten offenbar um ‚ein eingespieltes Team‘ handelt. Die gegnerischen Kollegen hatten Herrn Richter bereits mit der Email, die ihn über den vermeintlichen Rechtsverstoß im N-Forum informieren sollte, die Abmahnung und die geforderte strafbare Unterlassungserklärung im Entwurf mitgeliefert. Offensichtlich wurden ähnliche Textbausteine bereits zumindest in einem früheren Verfahren verwendet.“
Rechtsanwaltskosten, Hausdurchsuchung – ich kann den Kollegen Hahne verstehen: Mit der Abmahnmafia ist nicht zu spaßen. Auch wenn Hahne letztinstanzlich Recht bekäme – das Verfahren selbst wäre Strafe genug und könnte ihn fananziell ruinieren. Man darf in diesem Staat nicht nur Recht haben, man muss es auch bekommen.
Interessant ist ein Eintrag bei Wikipedia über Wilhelm Hahne – insbesondere die letzten drei Absätze, warum Wikipedia sich vor ihm fürchtet. „Seine journalistische Arbeit ist immer wieder kompromittierend für die etablierten Medien, die durch verschiedene Abhängigkeiten lediglich noch als Handlanger der Industrie bezeichnet werden können. Auch bei Wikipedia ist Wilhelm Hahne nun ganz offizell zur persona non grata erklärt worden: Bei ihm handle es sich um eine ‚ungeeignete Quelle‘, meinen die Wikipedia-Administratoren, die Lektoren der Enzyklopädie für freies Wissen.“
Vergeben ist göttlich
Ex-Irgendwas Margot Käßmann sollte den den Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage erhalten. Begründung: „Käßmann habe sich zu ihrer persönlichen Verantwortung bekannt und die Konsequenzen gezogen. Damit habe sie erheblichen Mut bewiesen und sei zum Vorbild für andere Personen des öffentlichen Lebens geworden“.
Aha. Wer Verantwortung zeigt und für die Folgen seines Handelns den Kop hinhält, beweist angeblich Mut. Qoud erat demonstrandum. In einer Gesellschaft voller Block- und Jugendschutzwarte, Lichterkettenträger, hohlköpfiger Sprechblasenabsonderer (aka Politiker) und mediengeiler Arschgesichter gilt das Motto: Nach mir die Sintflut und was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, wenn ich nur die Kohle anderer Leute abzocken kann. (Da fällt mir ein: Ich wollte doch Maschmeyer anrufen….)
Käßmann hat abgelehnt. Und was sagt die Stiftung dazu? „Da nun der Eindruck erweckt wird, die Stiftung würde nicht ihr Lebenswerk würdigen, sondern ihren Rückritt nach der Alkoholfahrt, wollen wir in diesem Klima der gnadenlosen Intoleranz vor ihrem übrigen Lebenswerk eine Preisverleihung nicht vornehmen. Die Altbischöfin hat uns nach Protesten nun gebeten, von einer Preisverleihung abzusehen; die Stiftung hat daraufhin beschlossen, die Preisverleihung auszusetzen und nach einer anderen Gelegenheit zur Würdigung des Lebenswerkes von Frau Dr. Käßmann zu suchen. Wir hoffen, die blinden Kritiker, die nur auf den Fehler starren und dabei das Gute nicht mehr sehen, mögen noch erkennen, dass vergeben göttlich ist.“
Ist mir schlecht…
Monika Lierhaus verdient jetzt 1232,88 Euro am Tag
Monika Lierhaus erhält „erhält als neue Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie ‚Ein Platz an der Sonne'“ im Jahr 450.000 Euro. Das sind 1232,88 Euro am Tag? Wofür eigentlich?
Kachelmann Final Release und Tron
„Lehrstunden in Sachen Rechtsmedizin“ titelte SpOff, und der Artikel ließ mich mir eine beinah endgültige Meinung zum Thema „Kachelmann“ bilden:
„Der von Kachelmanns Anwalt eingesetzte Kölner Rechtsmediziner Markus Rothschild zitierte vor Gericht aus dem „Handbuch für gerichtliche Medizin“ einen Zehn-Punkte-Katalog von Merkmalen, wie sie für Selbstverletzungen typisch seien. Verblüffend viele Merkmale trafen anscheinend auf die Nebenklägerin zu…“
Bei stern.de wird es genau so deutlich:
„Silvia May hat sich die Verletzung wahrscheinlich selber beigebracht. Diese Meinung vertreten jedenfalls die von der Verteidigung beauftragten Rechtsmediziner Markus Rothschild und Klaus Püschel. ‚Ich halte es für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass durch den schmalen Messerrücken eine so flächige Wunde entsteht.‘ Gleicher Meinung sind Püschel und Rothschild auch bei der Bewertung der Kratzspuren an Mays Körper.“
Ich habe noch einen anderen Grund, dem Rechtsmediziner Markus Rothschild zu glauben – ich habe ihn vor mehr als zehn Jahren mehr als eine Stunde lang interviewt und mir ein Bild machen können. Aus meinem Buch „Tron – Tod eines Hackers“:
Bei der Obduktion des Toten waren anwesend „der obduzierende Arzt, Dr. Markus Rothschild, der Direktor des Instituts für forensische Medizin, Professor Dr. Dr. h.c. Volkmar Schneider, sowie Klaus Ruckschnat, Kriminalhauptkommissar und Leiter der 3. Mordkommission. Eine Obduktion dauert ungefähr drei Stunden. (…) Dr. Markus Rothschild ist ein Jahrzehnt jünger als der Autor, hat an einer Eliteschule in Berlin das Abitur gemacht und Famulaturen in Hongkong und Nord-Borneo vorzuweisen. Im Februar 1999 habilitierte er im Fach Rechtsmedizin. Im August 1998 untersuchte er im Auftrag des UN-Kriegsverbrechertribunals Massengräber in Bosnien-Herzegowina. Er darf der Presse keine Auskünfte über den konkreten Fall geben, aber Fragen allgemeiner Art beantwortet er bereitwillig.“
Der Mann weiß, wovon er spricht. Nicht jedoch die Verschwörungstheoretiker vom Chaos Computer Club, die immer noch glauben, ihr „Märtyrer“ sei ermordet worden – die müssten auch behaupten (und das tun sie), dass das damalige eindeutige Obduktionsergebnis falsch gewesen sein. Fragen Sie einfach Dr. Rothschild.
Waffengebrauch in Ägypten nicht ordnungsgemäß
Ich wäre beinahe drauf reingefallen. Die Welt titelt: „Waffengebrauch in Ägypten nicht ordnungsgemäß – In Ägypten wird mit deutschen Waffen geschossen. Dabei ist das gar nicht erlaubt.“






















