Einzelgänger

Bogotá, ganz entzückend
Eine Ärztin, die in der Rettungsstelle des Krankenhauses beschäftigt ist, in dem ich als „Bodyguard“ arbeite, und die aus Kolumbien stammt, war neulich in Bogotá und hat mir etwas mitgebracht. Ist das nicht ganz entzückend? (Ja, sie auch.)
Stable relationships

Was ist da drin?
Welches Gebäude ist das, und wo steht es in Berlin?
Ich will doch nur hier sitzen!
Babylonien, revisited
Babylonien, revisited, 26.0: Dari, der Mann kam aus Afghanistan.
„Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“ (Jean Jaurès (1859-1914)
Ich muss hier mal etwas sagen. Vermutlich sehe ich die Welt anders als die Masse derjenigen, die sich in den „sozialen“ Netzwerken und anderswo stundenlang über Einwanderer oder Menschen auslassen, die vor dem Krieg flüchten. Ich sehe die fast täglich, und ich habe ganz konkret mit denen zu tun, wenn ich im Krankenhaus arbeite. Ich kann über die kackbraunen Kameraden und die, die es noch werden wollen – wie der unsägliche Matussek – nur den Kopf schütteln. Ich weiß nicht, in welcher Welt die leben, jedenfalls nicht meiner.
Ich mag nicht über den Job als „Bodyguard“ im Krankenhaus schreiben, allein schon aus Gründen des Datenschutzes. Es würde mir auch niemand glauben, was dort täglich geschieht, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Man kann sich das gar nicht ausdenken.
Kleine Gesten erklären manchmal die Welt besser als langatmiges theoretisches Gefasel.
Ein junger Mann kam in die Rezeption. Er sprach nur Arabisch und ganz wenige Brocken Englisch und Deutsch. Um das Handgelenk hatte er ein Plastik-Armband (des LAGeSo?) mit einer Nummer. Keine Papiere, keinen Ausweis, noch nicht das grüne Papier, das Flüchtlinge bekommen, wenn sie registriert sind. Er schrieb seinen Namen auf einen Zettel, aber auf Arabisch, und das konnte niemand entziffern. Die Schwester in der Rezeption – übrigens eine Afrodeutsche – musste ihn deshalb wegschicken. Ich habe das natürlich gesehen und ihm mit Gesten klargemacht, dass er im Warteraum bleiben solle. Das Problem schien mir doch lösbar, da die Mehrheit der Wartenden oft ohnehin aus Deutschtürken und Arabisch sprechenden Kranken und deren Angehörigen besteht.
Exkurs zu Mehrheiten im Warteraum des Krankenhauses: „Türken“ (die in Kreuzberg sowieso alle Deutsch sprechen, außer den Alten) und Araber sind nur dann in der Mehrheit, wenn nicht gerade eine bosnische Großfamilie kommt, die, wenn eine Person krank ist, mindestens 30 Angehörige aufbietet, um dem Kranken gruppendynamisch beizustehen, was dann „Party“ im Warteraum bedeutet und für mich Stress, weil natürlich alle Kinder mitkommen, auch wenn es zwei Uhr morgens ist. Gegen Bosnier sind Roma ein Kinderspiel, und außerdem kennt mich die Roma-Satra schon, die hier immer auftaucht: Die Roma lebten vorher in Spanien, deshalb sprechen sie neben Romanes Spanisch, was ich wiederum verstehe. Sie seien vor dem unerträglichen Rassismus dort geflohen, sagte mir die so genannte mama principal – das ist die Frau, die bestimmt, was gemacht wird. Und wenn ich der sage, dass es zu laut sei im Warteraum – was es immer ist, wenn die Roma wieder mal da sind -, dann gibt sie einen Befehl und die Bande ist wieder ein paar Minuten ganz brav. Wenn ich das einem männlichen Roma sagte, passierte gar nichts, und ich müsste sehr laut werden, was ich zu vermeiden suche. Vielleicht würden Ethnologen, die sich mit Roma auskennen, das bestreiten, aber bei mir ist es so. Mir zeigen auch die kleinen Jungen stolz ihre teuren Armbanduhren, die nicht so aussehen, als hätten sie sich die gekauft. Vielleicht bin ich auch nicht der typische „Security“-Mann, mit dem Roma normalerweise zu tun haben.
Der junge Araber stand etwas ratlos herum, zog seinen schmuddeligen Pullover hoch und zeigte mir eine üble blutige Schwellung an seinem Bauch. Ich fragte die Wartenden, ob jemand Arabisch und Deutsch oder Englisch verstehe – das war aber ausnahmsweise nicht der Fall. Die Sache wurde vertrackt. Ein kranker Mann, der auf einer Trage drinnen auf seine Behandlung wartete, hörte, was ich sagte, und winkte mich heran: Er sei Türke, aber wenn es um Araber aus dem Irak nahe der türkischen Grenze gehe, dann können er den vermutlich verstehen. Er quälte sich von seiner Trage hoch, obwohl er das nicht hätte tun müssen, und humpelte mit mir in den Warteraum. Der junge Araber freute sich königlich, als ich mit einem Mann kam, in dem er wohl einen Dolmetscher vermutete. Aber leider funktionierte es nicht: Die beiden redeten aufeinander ein, aber verstanden sich nicht.
Dann mischte sich ein weiterer Mann ein, der allein im Warteraum saß. Der sprach zwar kein Wort Deutsch, aber auch Arabisch. Jetzt hatte der junge Mann einen Ansprechpartner. Nur konnte ich weder den einen noch den anderen verstehen. Der Türke aber kam mit dem älteren Araber irgendwie radebrechend klar. Es stellt sich heraus, das der ältere Araber aus Syrien stammte, was bedeutete, dass der junge Araber kein Syrer war.
Mittlerweile waren irgendwie alle Leute im Warteraum – rund zwei Dutzend – am Thema interessiert und beobachteten uns gespannt. Ich sagte dem Türken, er solle dem älteren Araber klarmachen, dass ich von dem jüngeren Araber dessen Namen und Geburtsdatum und Nationalität brauchte, sonst weigerte sich die Krankenhaus-Bürokratie, in Gang zu kommen. Mit der LAGeSo-Nummer allein ginge das nicht. Es half aber alles nichts, obwohl mittlerweile vier Personen mit Händen und Füßen gestikulierten.
Neben uns saß ein junges französisches Paar: Die Frau war verletzt und wartete wie alle anderen. Sie sprachen schlechtes Englisch, und ich kann Französisch zwar verstehen, aber keinen geraden Satz herausbringen. Die Frau begann plötzlich, auf den jungen Araber einzureden. Es stellte sich heraus, dass sie zwar nicht Arabisch aktiv sprechen konnte, aber ein wenig verstehen. Als ich das den Anwesenden berichtete, lächelten einige, auch welche, die sich gar nicht beteiligt hatten. Ich hoffe, ich kann verständlich machen, was ich meine.
Die Sache lief dann so ab: Der junge Araber schrieb etwas auf einen Zettel, den ich organisiert hatte, und die Französin transkribierte es. Und ein halbes Dutzend Leute guckte ihr dabei über die Schulter und gab Ratschläge. Des Rätsels Lösung: Der junge Araber stammte aus Tripolis in Libyen, war 1992 geboren und auf dem „üblichen“ Weg nach Deutschland gekommen. Jetzt hatte ich auch seinen Namen. Den Zettel gab ich der diensthabenden Schwester, und alles nahm seinen bürokratisch-ordnungsgemäßen Gang.
Ich brachte dann eine Flasche Mineralwasser und Pappbecher in den Warteraum. Der Türke legte mir seinen Arm um die Schulter, während er das Mineralwasser trank, auch, weil er vor Schmerzen kaum stehen konnte, der ältere Araber „prostete“ mir mit dem Pappbecher zu, der Libyer und die Französin redeten immer noch lebhaft aufeinander ein.
Ceterum censeo: Ich hoffe, ich konnte verständlich machen, was ich meine.
Ich vergaß zu erwähnen: Im Warteraum saßen auch drei Thailänderinnen und eine Tamilin. Der Afghane war schon in Behandlung, und der junge Afrikaner mit frauenfreundlichem Rasta-Look, der Mandinka und perfekt Deutsch sprach, war schon gegangen. Der einzige Mann, der mich total und über Stunden nervte, war ein älterer Albaner, der alle fünf Minuten fragte, ob er nicht zu seinem Verwandten hineingehen könne, weil der kein Wort Deutsch spreche und außerdem Analphabet sei.
Vorgestern musste ich einem jungen Mann, der sich mit psychotrophen Substanzen abgefüllt hatte, gleich zwei Messer wegnehmen, bevor er damit spielen konnte. Eines davon hatte er im Schuh versteckt. Und heute Nacht meinte ein etwas betrunkener, aber sehr kräftiger Herr, er müsse auf einen älteren Polizisten einprügeln, der ihn zum Ornithologen Psychiater der Rettungstelle bringen wollte. Ich hatte es irgendwie geahnt, stand daneben und hatte Gelegenheit, die Grundtechniken des Krav Maga zu demonstrieren. Der Job ist manchmal ganz interessant.
Die Pyramiden waren gar nicht so!
Wir haben ja schon Probleme mit Politikern, die total dumm sind, aber wenn ich linker oder auch nur einigermaßen gebildeter US-Amerikaner wäre, würde ich schier verzweifeln. Als Zyniker kann ich nur sagen: Ben Carson for president!
Schönheit im Detail
Yellowhound in die Pampa
Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte eine so lange Strecke mit einem Bus gefahren bin. Muss 1982 in den USA gewesen sein, von Dutch Pennsylvania nach Texas. Jetzt wieder: Im gelben Postbus von Berlin nach Dortmund (und von da mit dem Bummelzug nach Unna).
Tut mir leid, Bahn, ihr habt mich als Kunden verloren. Als Globetrotter weiß man, dass es nicht darauf ankommt, wie lange man unterwegs ist: Das Reisen an sich ist das Ziel. Für die zwei Stunden mehr bekomme ich ein sauberes Klo, sogar mehr Beinfreiheit und WLAN mitsamt einer respektablen Mediathek. Und es gibt Steckdosen! Unter jedem Sitz! Hört ihr das von der Bahn?
Ja, ich weiß: „Mediathek“ meint den durchschnittlichen Publikumsgeschmack, der bekanntlich das Grauen ist. Ich hatte ein Tablet mit großem Bildschirm dabei und sah mir die beiden einzigen Filme an, die nicht ganz daneben zu sein schienen. Beide kann ich empfehlen: Argo (running gag: „fuck yourself“), mit extremer Spannung, herrlich zynischen Dialogen und trotz Hollywood mit politischen Inhalten. (Nein, Ben Affleck, es war nicht Ronald Reagan, der die Berliner Mauer zum Einsturz brachte.)
Slate: „Sure, Argo’s an easily consumable mashup of well-worn genres (exotic adventurer, political caper flick, derelict daddy redemption movie, Hollywood insider satire) whose geopolitical themes make it feel smart and important.“ Schon gut.
Danach The Judge (leider auf Deutsch) mit einem überzeugendem Bad-ass-Rechtsanwalt Robert Downey Jr.. Der Plot ist etwas flach, aber, hey, ich saß im Postbus! Da will ich keine bulgarischen Kulturfilme mit französischen Untertiteln!
„Argo“ brachte mich in eine düstere Stimmung, die durch den Busbahnhof von Hannover (2. Bild von oben) noch düsterer wurde. Nur Wolfsburg hätte schlimmer aussehen können. Es schüttete auch die ganze Zeit, aber Sonne hätte es nicht besser gemacht. Ich habe mir übrigens zum wiederholten Male geschworen, nie in ein islamisches Land zu fahren (das Risiko wäre für mich auch zu groß wegen der „Satanischen Verse“), und ich will in meiner Freizeit auch überhaupt keine Frauen mit Kopftüchern sehen. And period. Ekelhaft.
Wenn man um halb elf Uhr abends in einer Kleinstadt wie Unna angekommt, lernt man die Vor- und Nachteile gleich kennen. Es ist so gut wie niemand (in Worten: keiner) mehr auf der Straße, im Hotel wird gerade das letzte Bier ausgeschenkt, und wenn man in einer Viertelstunde das gesamte Stadtzentrum durchwandert hat, findet man trotzdem nichts mehr zu essen oder trinken. Sogar die Tankstelle hat geschlossen.
Ganz Unna eine Pampa, tote Hose, Schlafstadt, kein zivilisierter Ort, nirgends? Nein, eine kleine „City Pizza“ hatte noch geöffnet. Ihr sei Lob und Dank, obwohl das Interieur gewöhnungsbedürftig ist. Passte aber zur Tageszeit und zu meiner Laune, die sich schlagartig änderte. You made my night.
Was ich an Lokalzeitungen so mag, sind die Schlagzeilen auf der ersten Seite: „Weihnachtsbaumpreise stabil!“ Im Oktober! Vier Seiten für Lokalsport, eine halbe Seite Politik. Genau richtig zum Frühstück.
Heute abend Kino: „Der Marsianer“. Was will man mehr von einem Kurzurlaub. Nur das Internet ist gewohnt scheiße. Das schnellste bekommt man im Cafe Extrablatt, wo ich gerade sitze.
Ich wünsche allen nochen schönen Tach (wie man das hier ausspricht).
Stadt in den Wolken
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Die Erklärung für das Phänomen gibt es bei iflscience.com („The lighter side of science“).
The Prophet is a Pineapple

Massenmord in Mohammeds Gegenwart
Jüdische Rundschau: „Als Mohammed 622 in Medina eintrifft, machen die Juden ungefähr die Hälfte der Bevölkerung aus. (…) Aber trotz aller Bemühungen kann Mohammed die Juden nicht für sich gewinnen, sie erkennen ihn nicht als Propheten an, denn seine Offenbarungen sind für sie nicht göttlicher Natur. Vielmehr decken sie seine Schwächen auf und überhäufen ihn mit Hohn. Dafür zahlen sie schon bald mit blutiger Münze. Als Erstes lässt Mohammed ein grundsätzliches Gebot unter den Tisch fallen: das jüdische Tötungsverbot, aus dem ein Tötungsgebot wird, das sich als Erstes gegen die Juden richtet.“
Irgendwas mit Berlin Mitte
Was ist das?
„Pünktlich“ zur Arbeit dank der Berliner S-Bahn
Grüße an den Schockwellenreiter! (Ja, das ist morgens! Verspätung: 15 Minuten.)
Aufwachraum

Superhighway
Die Russen schlagen vor, einen Superhighway von New York nach London zu bauen. Ich weiß schon, wer dagegen sein wird.
They didn’t quite do slavery here or: Not really that accurate
Sorry, bei der gegenwärtigen Nachrichtenlage brauch ich immer etwas zum Lachen, als Ausgleich. Trockener britischer Humor eignet sich hervorragend dafür (hier sogar US-amerikanischer). The Independent:
Staying with family and friends, the artist and photographer made his way to London, Oxford, Cornwall and Leicestershire taking in what the country has to offer visitors. While some of his observations – like thinking Cornwall is a country and that „Black people are just people: they didn’t quite do slavery here“ are not really that accurate – he got some other stuff spot on, namely:
– Cake is one of the major food groups
– Almost everyone is very polite
– The food is generally outstanding
– There are no guns
– There are too many narrow stairs
– Everything is just a little bit different.
Das gefällt mir auch: 5,000 years ago, someone arranged a lot of rocks all over, but no one is sure why. (…) When the sign says something was built in 456, they didn’t lose the “1”. (…) Soccer is a religion, religion is a sport.
Ich musste Tränen lachen.
Reisewarnung
Die kanadische Regierung rät davon ab, ins Beitrittsgebiet zu reisen.
Frau im Fenster
Ich könnte mir alle möglichen Allegorien ausdenken, aber ich lass es lieber.
































