Schlammcatchen der Popcornminister
Don Alphonso über die „Netzpolitiker“ und den real gar nicht existierenden „Internetausschuss“. Lesenswert.
Secret contract tied NSA and security industry pioneer
Reuters, Techcrunch.com, Arstechnica u.a.: Die NSA hat dem IT Security Branchenprimus RSA $10 Millionen bezahlt, um schwache Verschlüsselung zu promoten.
Reuters later reported that RSA became the most important distributor of that formula by rolling it into a software tool called Bsafe that is used to enhance security in personal computers and many other products. (…) The RSA deal shows one way the NSA carried out what Snowden’s documents describe as a key strategy for enhancing surveillance: the systematic erosion of security tools.
Unser Netz
Moeffju.net (via Feynsinn): „Unser Netz war im IRC, im Usenet, in unseren selbst gehosteten Blogs, vielleicht sogar in Gopher, unser Netz war in Mailboxen, im Fidonet, im Z-Netz…“
Neighbor Advertisement
Sniff. Sniff. Sniff. Wireshark – ein nützliches Werkzeug, wenn man das fucking manual einigermaßen versteht (Hallo, „Online“-DurchsucherInnen!). Ich empfehle die deutsche Anleitung bei butschek.de.
By the way: Bei „Neighbor Advertisement“ stockte mir zuerst der Atem, bis ich merkte, dass es sich um das Neighbor Discovery Protocol handelt (vgl. auch hier).
Verschlüsselt!

Heise: „Eine überwältigende Mehrheit von 91 Prozent lebt damit, dass ihre E-Mails nicht vertraulicher als Postkarten sind. (…) Für Verunsicherung gesorgt haben offenbar auch die Meldungen über das Knacken von Verschlüsselungsprotokollen durch Geheimdienste“.
Wenn die Medien so einen gequirlten Unsinn über das Thema schreiben, wundert mich das nicht. Was haben Verschlüsselungsprotokolle mit dem Verschlüsseln von E-Mails zu tun? Nichts, aber es wird gern alles durcheinandergewürfelt. Und das genau liegt auch im Interesse der Geheimdienste. Es war schon bei der so genannten „Online-Durchsuchung“ so: Der gemeine Nutzer sollte sich ohnmächtig fühlen und gar nichts tun.
Oder man bekommt es mit so Superoberexperten wie auf dem Screenshot zu tun. Das schreckt auch ab. Also jammert nicht, sondern schreibt verständliche Anleitungen.
Unter Praktikanten

Vielleicht sollte Spiegel online die Praktikanten, die die Website machen, besser bezahlen… SCNR
Bock zum Gärtner, revisited
Klaus-Dieter Fritsche (CSU), wurde zum Geheimdienst-Staatssekretär im Bundeskanzleramt ernannt. Von Oktober 1996 bis November 2005 war er Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. „Im NSU-Ausschuss des Bundestags kam es am 18. Oktober 2012 bei seiner Vernehmung zu einem Eklat. Er nahm die kritisierten Sicherheitsbehörden in Schutz und lehnte Zwischenfragen von Abgeordneten ab. Der Ausschussvorsitzende unterbrach deswegen die Sitzung für 20 Minuten.“
Detlef Borchers schreibt: „Fritsche, der im Zweifelsfall das Staatswohl über die parlamentarische Aufklärung stellt, hat zuletzt zur Herbsttagung des Bundeskriminalamtes ein bedrückendes Bild des Internets geschildert, mit Bitcoin als ‚Währung der Unterwelt‚ und dem Tor-Netzwerk als ‚Unterschlupf für Kriminelle‘.
Redtube: Angriff ist die beste Verteidigung

Conlegi.de: „Streaming-Abmahnungen der The Archive AG – Verteidigung und Gegenwehr“
„Zwischenzeitlich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen der Anwälte, der die Abmahnwelle losgetreten hatte.(…) Zwischenzeitlich hat die Staatsanwaltschaft auch Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter des IT-Unternehmens itGuards aufgenommen.“
Unter Sicherheits-Experten
Heise via New York Times: Snowden hätte zudem seine Spuren „geschickt verwischt“, in dem er sich mit den Passwörtern anderer Geheimdienstmitarbeiter eingeloggt und Firewalls gehackt haben, die den Zugriff auf bestimmte Teile des Systems beschränken sollten. (…) dass Snowdens Zugriff nicht zuletzt deshalb möglich gewesen sei, weil das System offen für jeden mit einer hohen Sicherheitsfreigabe war. Man habe diese Lektion gelernt.“
Bruhahaha. Glaube ich nicht. Das ist ein mentales und intellektuelles Problem, und so etwas ändert sich nicht. Man kann Menschen nicht per Befehl klüger oder spontaner oder flexibler machen.
Das Netz stöhnt [Update]
Man sollte sich fragen, wo die größeren Pappnasen sitzen: Im neuen Datenautobahnministerium des Alexander Dobrindt oder bei den Mainstream-Medien, die darüber berichten… Die Zahl der „Freunde“ oder „Fans“ bei Fratzenbuch sagt also jetzt irgendetwas aus? Wie merkbefreit muss man sein, um so einen Quatsch zu schreiben? Angeblich haben die das Vier-Augen-Prinzip bei Spiegel online, aber das macht es auch nicht besser. Und ist „das Netz“ jetzt so etwas wie „die Märkte“?
[Update] Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Spiegel online hat einen PGP-Schlüssel! Friert jetzt die Hölle zu? Vielleicht sollten die auch mal einen vernünftigen Webdesigner engagieren.
GSM phreak und die Schnellmerker
Heise meldet ganz feierlich: „NSA kann auf breiter Front Handys abhören“ und beruft sich auf einen Artikel der Washington Post. Worum geht es?
The vulnerability outlined in the NSA document concerns encryption developed in the 1980s but still used widely by cellphones that rely on technology called second-generation (2G) GSM.
Ach? Da fällt mir doch etwas ein: „Ein Grossteil der weltweiten GSM-Netze kann nach dieser Entdeckung als unsicher gelten. Auch in GSM-Netzen ist es moeglich, auf Kosten fremder Kunden zu telefonieren.“, sagte CCC-Sprecher Frank Rieger.“
Das Zitat stammt aus dem Jahr 1998.
ZDF und Fratzenbuch
Ich frage mich, warum eine von unseren Gebührengeldern finanzierte „öffentlich-rechtliche“ Anstalt bei Fratzenbuch sein muss? Das ZDF ist dort kein Kunde, sondern das Produkt, was verkauft wird. Trauen die ihrer eigenen Website nicht zu, die „Kommunikation“ leisten zu können?
Geschieht dem ZDF recht. Aber Konsequenzen werden natürlich nicht gezogen werden.
Fiktive Ideen und dieser merkwürdige Schriftsteller-Appell

Erstens: Appelle an die Obrigkeit, an Regierungen oder wen auch immer nützen nichts, wenn man keine Machtmittel hat.
Zweitens: Freiheit im Kapitalismus ist eine Illusion und eine contradictio in adiecto. „Freiheit“ an sich gibt es nicht. Vgl. Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit (1969):
Die entfaltete bürgerliche Öffentlichkeit beruht auf der fiktiven Identität der zum Publikum versammeltenm Privatleute in ihren beiden Rollen als Eigentümer und Menschen schlechthin. Habermas nennt die fiktive Idee von „Freiheit“ im Kapitalismus eine private Autonomie, die ihren ökonomischen Urpsrung verleugnet.
Drittens: Angst ist kein guter Ratgeber, und Hysterie auch nicht. Wer die „Demokratie“ reformieren will, ohne die Ökonomie mitzudenken und die Systemfrage zu stellen, ist vergleichbar mit feministischen Theologinnen, die den Aberglauben, primitive Magie und die Verehrung höhere Wesen nicht anzweifeln, sondern nur verbessern wollen.
Viertens: Wer für eine Petition noch nicht einmal eine Website hinbekommt, die minimalen Sicherheitsstandards genügt, gleicht Blinden, die über Farben diskutieren.
Fünftens: Jede Wette, dass niemand von denen, die den Appell der Schriftsteller unterzeichnet haben, seine E-Mails verschlüsseln kann und will.
Also haltet einfach die Klappe und legt die sinnfreie Lichterkette wieder in den Karton zurück.
Vorratsdatenspeicherung verstösst gegen die Grundrechtecharta der EU
Spiegel online: „Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung verstößt nach Ansicht eines Gutachters am Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen die Grundrechtecharta der EU. Das geht aus einem am Donnerstag in Luxemburg veröffentlichten Rechtsgutachten von Generalanwalt Pedro Cruz Villalón hervor.“
Präsident des Thüringer Landeskriminalamtes (LKA) soll Ermittlungen gestoppt haben
ARD: „Die Fahndung nach dem Terrortrio NSU wurde nach Aussagen eines LKA-Beamten gegenüber dem ARD-Politikmagazin Report Maint gezielt verhindert. Demnach habe der heutige LKA-Präsident Werner Jakstat 2003 die Anweisung gegeben, einem Zeugenhinweis nicht nachzugehen.“
Ach. Weimar lässt grüßen.
Journalisten und „soziale“ Netzwerke

Die Mitgliederversammlung des DJV Berlin hat gestern folgenden Antrag von mir beschlossen:
Die Mitgliederversammlung des DJV Berlin möge beschließen:
Der DJV Berlin setzt sich im Bundesvorstand dafür ein, dass der Bundesverband, die Bundesfachausschüsse und die Landesverbände des DJV keine offiziellen Präsenzen in so genannten “sozialen” Netzwerken US-amerikanischer Firmen betreiben. Falls sich dafür keine Mehrheit im Bundesvorstand findet, bereitet der DJV Berlin einen entsprechenden Antrag für den nächsten Bundesverbandstag vor.
Begründung:
Die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten basiert auf vertraulichen Informationen. US.amerikanische Firmen sind verpflichtet oder freiwillig bereit, die Daten ihrer Nutzer direkt an US-amerikanische Geheimdienste weiterzuleiten. Das gilt sowohl für das Surf-Verhalten als auch für die Inhalte der unverschlüsselten E-Mails, die über diese Dienste versendet werden.
Der Bundesvorsitzende Michael Konken hat dazu aufgerufen, auf die Suchmaschine Google zu verzichten. Das ist zwar unsinnig, da man Google auch benutzen kann, ohne Daten preiszugeben; das gilt aber nicht für so genannte “soziale” Netzwerke wie etwa Facebook.
Zudem sind Nutzer US-amerikanischer “sozialer” Netze nicht Kunden, sondern die Ware, die verkauft wird. Es besteht kein Grund für Berufsorganisationen und Gewerkschaften von Journalistinnen und Journalisten, das freiwillig mitzumachen.
Auftritte in so genannten “sozialen” Netzwerken, die von einzelnen Mitgliedern privat betrieben werden, bleiben davon unberührt.
Alle anderen Anträge, die ich gestellt hatte, fanden auch eine Mehrheit. Anschließend gab es eine kleine Feier (siehe oben).
Skandal, Skandal, Skandal!
„NSA späht Internetnutzer mit Google-Cookies aus“. Weitere Meldungen: „Skandal: Facebook späht Internetnutzer mit Google-Cookies aus.“ – „Skandal: Google späht Internetnutzer mit Google-Cookies aus.“ – Skandal: RenRen späht Internetnutzer mit Facebook-Cookies aus.“ – Skandal: [Bitte selbst ausfüllen] späht Internetnutzer mit [bitte selbst ausfüllen]-Cookies aus.“
Die clevere Journalistenfrage des Tages
TVinfo: „Wer mit Twitter umgehen kann, macht ja einen cleveren Eindruck“.
Trolle von der NSA
Der Screenshot zeigt eine NSA-Agentin in milieuspezifischer Verkleidung in Second Life.
NSA (via Snowden): „The FBI, CIA and the Defense Humint Service all have HUMINT operations in Second Life and other GVEs [„games and virtual environments“] and are very interested in forming a deconfliction and tippping group that would be able to collaborate on operations.“
Ars technica und weitere Quellen berichten; Time Tech behauptet sogar: „NSA and CIA Allegedly Tried to Recruit World of Warcraft and Second Life Players“. Die eigentliche Story stammt vom Guardian und von der NYT („Spies’ Dragnet Reaches a Playing Field of Elves and Trolls“, kostenpflichtig).
Fearing that terrorist or criminal networks could use the games to communicate secretly, move money or plot attacks, the documents show, intelligence operatives have entered terrain populated by digital avatars that include elves, gnomes and supermodels. (…) Because militants often rely on features common to video games — fake identities, voice and text chats, a way to conduct financial transactions — American and British intelligence agencies worried that they might be operating there, according to the papers.
Mich hat noch niemand angesprochen, obwohl mein Avatar bis an die Zähne bewaffnet ist und Führerqualitäten (Warlord 2.0) besitzt. Irgendwie wird das alles mittlerweile ziemlich irre.
Verschlüsselung verboten
„Die IT-Abteilung hat das Verschlüsseln von E-Mails verboten“, schreibt Spon über die „gehackten“ E-Mail-Konten von EU-Abgeordneten. Die französische Quelle, von der die deutsche Medien ihre Informationen abschreiben, formuliert das noch schöner:
„A hacker using elementary computer equipment and what he described as “a few bits of knowledge that everyone is capable of finding on the internet” has succeeded in accessing confidential emails and personal files of Members of the European Parliament, their assistants and even the institution’s IT experts, Mediapart can reveal. The operation was, he said, mounted as a demonstration of the vulnerability of security at both the parliament in Strasbourg and also among many national administrations which use software, notably that of Microsoft, that experts have for years warned is exposed to espionage manipulations through fundamental.
So etwas kann man sich gar nicht ausdenken. Vermutlich werden sie jetzt De-Mail kopieren und die „verschlüsselten“ E-Mails vor dem Absenden auf einem vertrauenswürdigen NSA-Server öffnen, um sie „nach Viren“ zu durchsuchen.























