Stand der Digitalisierung in Deutschland, Miszellen
Ich bekomme Nachrichten von meinen Krankenversicherungen in mein elektronisches Postfach (hier: Die DKV – meine Zahnzusatzversicherung). Das ist die gute Nachricht.
Jetzt die schlechte Nachricht. Ich erhielt ein pdf-Dokument mit 13 Seiten, das aber fünf verschiedene Formulare erhielt, die nicht zusammengehörten und an verschiedene Leute bzw. Instanzen verschickt werden sollten. Das kriegte ich noch hin.
Frage an ChatGPT: Mit welchem Linux-Programm kann ich einzelne Seiten aus einem pdf extrahieren und wie geht das?
– PDFtk: pdftk dokument.pdf cat 3 output seite3.pdf
– QPDF: qpdf dokument.pdf –pages dokument.pdf 5 — seite5.pdf
– pdfseparate: pdfseparate -f 4 -l 4 dokument.pdf seite4.pdf (1 Seite) oder pdfunite seite4.pdf seite7.pdf neue_datei.pdf
– pdfarranger (grafische Oberfläche): Datei öffnen → gewünschte Seite auswählen → Rechtsklick → „Seiten exportieren“.
– Okular (KDE) oder Evince (Gnome)
Ich entschied mich für pdfarranger, musste aber noch mal nachfragen, wie zum Beispiel nur zwei Seiten aus dem Dokument zu extrahieren seien (warum soll ich die Hilfe-Seiten lesen, wenn es so viel schneller geht?):
Ganz einfach – das geht in ein paar Klicks 🥳. Hier der Ablauf mit **PDF Arranger**:
1. – PDF öffnen
– pdfarranger starten.
– ein PDF reinziehen oder über Datei → Öffnen laden.
2. – Seiten auswählen
– Klicke die gewünschte erste Seite an.
– Halte Strg gedrückt und klicke zusätzlich die zweite Seite. (Beide sind nun markiert.)
3. – Exportieren
– Rechtsklick auf eine der markierten Seiten.
– „Seiten exportieren“ auswählen.
– Speicherort und Dateinamen angeben, z. B. `meine_zwei_seiten.pdf`.
– Bestätigen.
Jetzt ging es erst los. Das pdf konnte online nicht bearbeitet werden. Ich sollte es aber unterschreiben und dann weiterleiten. Ich stellte die Leninsche Frage.
Ich rief also wutentbrannt die Krankenversicherung-Hotline an (Headset, rund 35 Minuten Warteschleife). Wie soll ich ein pdf unterschreiben, das man nicht bearbeiten kann? Ähm. Die Vorgesetzte, an die ich weiterverbunden wurde, wusste es auch nicht. „Ausdrucken?“ Und dann? Soll ich 13 Seiten wieder einscannen, wenn ich die Formulare offline unterschrieben habe? Ähm. “ Die meisten Versicherten lassen sich die Formulare per Post schicken.“ Gut zu wissen. Ich aber nicht.
Es lief tatsächlich darauf hinaus: Fünf Dokumente einzeln drucken, unterschreiben, die Blätter wieder als Grafik einscannen, mit Gimp bearbeiten, alles in Open Office dröseln, als pdf exportieren. Gefühlt sechs Stunden.
Offensichtlich war ich der erste Kunde, die sich beschwerte, sonst hätten die eine Antwort parat gehabt.
Unter Grogzillenden
Ich hatte jetzt sechs Nachtschichten hintereinander, zwei davon mit 12 Stunden, und bin ein bisschen groggy. Man erlaube mir einen Tag Pause.
Kernräume, revisited
Noch ein Update zu meinem Beitrag „Kernräume“. Ich lese gerade von Jean Améry „Der neue Antisemitismus“. – „Jean Amérys Essays, die zwischen 1969 und 1976 geschrieben wurden, erschrecken geradezu durch ihre Aktualität. Sie lesen sich in ihrer Prägnanz, als wären sie für den heutigen Tag geschrieben.“ Genau so ist es.
Zitat (S. 36f.): Eın Judentum freilich im Sinne historischer Tradition und positiver existentieller Lebensbasis habe ich mir nicht erworben. Das einzige, was mich positiv mit der Mehrzahl aller Juden der Welt verbindet, ist eine Solidarität, dıe ich mir längst nicht mehr als Pflicht gebieten muss, und namentlich die mit dem Staat Israel. Nicht, dass ich in diesem Lande würde wohnen wollen. Es ist mir zu heiß, zu laut, zu fremd in jeder Hinsicht. Auch nıcht, dass ich gutheiße, was immer man dort treibt. Ich verabscheue die theokratischen Tendenzen, den religiös getönten Nationalismus. Auch habe ich das Land nur ein einziges Mal zu kurzem Besuch gesehen und werde vielleicht nie wieder dahin kommen. Aber ich bin den Menschen dieser heillosen Erde, die allein sind, verlassen von aller Welt, unablösbar verbunden, auch wenn ich ihre Sprache nicht spreche und ihre Lebensformen niemals die meinen würden sein können. Für mich ist Israel keine Verheißung, kein biblisch legitimierter Territorialanspruch, kein Heiliges Land, nur Sammelplatz von Überlebenden, ein Staatsgebilde, wo jeder einzelne Einwohner noch immer und auf lange Zeit hin um seine physische Existenz bangen muss. Mit Israel solidarisch zu sein heißt für mich, den toten Kameraden die Treue bewahren.
Das trifft den Kern der Sache, auch für Nichtjuden. Dieser religiöse Mumpitz, der zum Beispiel auch von Israel heute vertreten wird, suggeriert, dass man höhere Wesen verehren und fromme Legenden für historische Tatsachen halten müsse, um Zionist zu sein Israel zu unterstützen. Das ist aber Unfug. (Schönes Thema für ein neues Buch!)
Ich sehe da eine große Gefahr, wenn die Religiotisierung in Israel fortschreitet. Die Ultras warten auf einen Messias, der natürlich nie kommen wird, und wollen am liebsten den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee abreißen und einen neuen Tempel (wofür? Um Ziegen zu schlachten?) bauen.
Ich lasse mich übrigens im Oktober von Noam Chen in Jerusalem herumführen, der ähnlich wie „Israel heute“ denkt. Der weiß schon, was ihn weltanschaulich mit mir als „Kunde“ erwartet. Wir werden auch gemeinsam nach Me’a Sche’arim gehen. Die feiern dort das Laubhüttenfest, wenn ich gerade da bin.
Demografische Falle
Interessante Meinung von Tova Herzl in der Jerusalem Post: Herzl argumentiert, dass eine vollständige Annexion von Judäa und Samaria mehr Nachteile als Vorteile hätte. Ich muss ihm ihr in jedem Punkt recht geben.
„Even if Israel annexes the territory, as is currently being discussed, it is unlikely to endanger its identity as a Jewish state by granting voting rights to the local population. There is ongoing debate about whether an Arab majority exists between the Jordan River and the Mediterranean Sea, or whether there is merely a very large minority. Either way, indefinite control would require ever-heavier burdens on both taxpayers and security forces.
Moreover, the world will not accept such disenfranchisement. Whatever the differences, the code word for institutionalized discrimination is “apartheid,” and we recall the fate of white South Africa. In other words, Israel is willingly entering an enduring demographic and political trap of its own making.“
Das war ja schon seit der Staatsgründung 1948 das Problem. Bei der Geburtenrate der arabischen Palästinenser (durchschnittlich (!) mehr als drei Kinder pro Frau – mehr als doppelt so viel als in Deutschland) würden die Juden über kurz oder lang als Staatsbürger in der Minderheit sein.
Smotrichs Plan löst das Problem temporär, aber nicht auf Dauer. Israel kann sich auf Dauer auch nicht der Unterstützung der USA sicher sein. Wenn dort die Wirtschaft den Bach runtergeht, wovon ich ausgehe, könnten die merkwürdigsten antisemitischen Gestalten plötzlich an die Macht kommen.
Israel könnte natürlich eine Lesotho- und Eswatini-Lösung ins Auge fassen. Darauf wird es hinauslaufen.
Führerschaft über alles, revisited
Wegen diesen Screenshots (vgl. 27.08.25) aus der New York Times wurde gerade mein Facebook-Konto gesperrt. Ich hatte ironisch kommentiert: „Führerschaft. Man weiß wie das ausgeht. Deutschland über alles.“ Ich habe zwar erfolglos widersprochen, aber eigentlich habe ich auf den Quatsch gar keine Lust mehr. Ohne ginge auch. Wäre nur schade wegen der mehr als 7.000 Follower.
Homines stulti oder: Das Ende ist nahe in leichter Sprache

metaphoric picture about shortened attention span and reduced ability to concentrate –s 750, Midjourney
„Viele Menschen arbeiten und lernen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz“. So wie diesen ersten Satz übersetzen Universitäten ihre Netzauftritte in Leichte Sprache. Für die FAZ hat Andreas Cevatli nach dem Warum gefragt, denn eine Hochschulzugangsberechtigung setze ja voraus, auch komplexe Wissensinhalte verstehen zu können. Für die Mainzer Sprachwissenschaftlerin Silvia Hansen-Schirra ist die Darstellung in Leichter Sprache „eine Demokratisierung von Wissenschaft“. Immerhin sei die Zahl der Studenten mit „studienerschwerenden Beeinträchtigungen“ stark gestiegen, wird eine Studie zitiert, unter anderem „verkürzte Aufmerksamkeitsspanne und verminderte Konzentrationsfähigkeit“. Wissenschaftliche Publikationen in Leichter Sprache seien allerdings wegen der darin enthaltenen Fachtermini und des Umfangs bisher nicht geplant.
Man fasst es nicht. „Verkürzte Aufmerksamkeitsspanne und verminderte Konzentrationsfähigkeit“: Bedeutet das, dass Studenten von heute meine Blogeinträge gar nicht mehr lesen geschweige denn verstehen können?
ChatGPT: Übersetze „Versetzen wir uns einen Augenblick in einen Anthropologen, der gerade vom Planeten Kepler-452b angereist ist und das Verhalten des Homo Sapiens studieren will und zufällig nach Peking gerät, wo die Massen in Vierecken geordnet an ihm vorbeimarschieren, während die zuschauenden Massen in ebenfalls viereckigen Kästen sitzen“ in leichte Sprache!
Stellen wir uns vor, ein Forscher vom fernen Planeten Kepler-452b kommt auf die Erde. Er möchte die Menschen beobachten. Zufällig landet er in Peking. Dort sieht er, wie viele Menschen in geordneten Reihen an ihm vorbeimarschieren. Andere Menschen sitzen daneben in viereckigen Kästen und schauen zu.
Ist es so besser? „Homo sapiens“ verstehen Studenten nicht? Müsste es dann heute nicht homo insipiens oder homo stultus heißen? Was mach ich jetzt mit meinem großen Latinum? Und nein, die marschieren eben nicht nur in Reihen, sondern auch in Vierecken!
ChatGPT: Übersetze auf Deutsch, aber in leichter Sprache und so kurz wie möglich: „Speech brain-computer interfaces (BCIs) show promise in restoring communication to people with paralysis but have also prompted discussions regarding their potential to decode private inner speech. Separately, inner speech may be a way to bypass the current approach of requiring speech BCI users to physically attempt speech, which is fatiguing and can slow communication. Using multi-unit recordings from four participants, we found that inner speech is robustly represented in the motor cortex and that imagined sentences can be decoded in real time. The representation of inner speech was highly correlated with attempted speech, though we also identified a neural “motor-intent” dimension that differentiates the two. We investigated the possibility of decoding private inner speech and found that some aspects of free-form inner speech could be decoded during sequence recall and counting tasks. Finally, we demonstrate high-fidelity strategies that prevent speech BCIs from unintentionally decoding private inner speech.“
Computer, die mit dem Gehirn Sprache entschlüsseln, können Menschen mit Lähmungen beim Sprechen helfen. Forscher fanden heraus, dass auch gedachte Sprache im Gehirn erkannt werden kann. Sie entwickelten außerdem Methoden, damit private Gedanken nicht aus Versehen gelesen werden.
Wie lange können Studenten konzentriert bleiben?
– Keine fixe Grenze wie 10–15 Minuten – Aufmerksamkeit schwankt individuell.
– Bereits nach 30 Sekunden kann ein erster kurzer Einbruch auftreten.
– Digitale Ablenkungen verkürzen die effektive Konzentrationsphase deutlich – teilweise auf nur ca. 14 Minuten. (Quellen: Journalistic Learning Initiative: „Are Students’ Attention Spans Shrinking?“, Engageli.com: „Increasing Attention with Social and Collaborative Learning“, journals.physiology.or: „Attention span during lectures: 8 seconds, 10 minutes, or more?“)
Übrigens: „Das Ende ist nahe“ in leichter Sprache heißt „Wir werden alle störben“.

metaphoric picture about shortened attention span and reduced ability to concentrate –s 750, ChatGPT
Alles muss raus
Was macht eigentlich der US-Imperialismus? Die bürgerliche Presse schreibt: „Vor einigen Jahren verkaufte die Bundesregierung Gasspeicher ins Ausland. Die Abgabe kritischer Infrastruktur erwies sich als Fehler. Nun strebt ein US-Unternehmer, der US-Präsident Donald Trump nahesteht, nach einem Fünftel der deutschen Öl-Speicher. Die Bundesregierung schweigt vielsagend.“
Die „Tagesschau“ künftig mit Avataren?
Ein Artikel von mir im aktuellen Nitro-Magazin (3/2025): „Die Tagesschau künftig mit Avataren?“
Würde es den Zuschauern auffallen, wenn die Nachrichtensprecher der „Tagesschau“ von künstlicher Intelligenz generiert würden? Man ahnt, was Zyniker antworten. In China aber stellt sich das Problem ganz real. Was noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang, ist heute Teil des regulären Fernsehalltags: Nachrichtensprecher aus Fleisch und Blut werden zunehmend durch digital erzeugte Avatare ersetzt – oder zumindest ergänzt. Chinesischer Sender wie Xinhua und die Hangzhou Culture Radio Television Group sind die technischen Pioniere.
Im Jahr 2018 stellte Xinhua international den ersten vollständig KI-generierten Nachrichtensprecher vor – in Kooperation mit dem Technologieunternehmen Sogou. Der virtuelle Moderator heiß Qiu Hao – ein Avatar, der auf der realen Person eines bekannten Xinhua-Sprechers basierte. Er konnte auf Grundlage von Textvorlagen eigenständig Nachrichten präsentieren, Mimik und Sprache wirkten für viele Zuschauer überraschend natürlich. [Mehr lesen (pdf)]
Flash

Mündung des Rio Negro in den Solimoes (Amazonas) bei Manaus, fotografiert Februar 1980
Ich hatte jüngst nostalgische Anwandlungen. An welche Momente auf meinen Reisen kann ich mich besonders gut erinnern, und welche haben eine Art „Flash“ erzeugt? Das kann man schwer beschreiben, und es sind gar nicht so viele, die extrem positive Gefühle und Adrenalin hervorriefen.
Auf meiner ersten Reise 1979/80 durch die USA, Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Guyana und Barbados habe ich das trotz der Exotik nicht gespürt. In Belize gefiel es mir außerordentlich, vor allem, weil ich so gut wie nichts über das Land wusste. Aber es fehlte dieser „Wow“-Moment.
Ziemlich nah dran war, als ich zum ersten Mal den Amazonas sah. In dem Milieu, aus dem ich komme, waren Reisen dieser Art damals gar nicht denkbar bzw. vorstellbar, genau so wenig wie der Berufswunsch „Journalist“ oder „Schriftsteller“.

Der Rio Coco, Grenzfluss zwischen Honduras und Nicaragua (auf der gegenüberliegenden Seite), fotografiert Dezember 1981.
Auf der zweiten Reise gab es so einen unvergesslichen Moment. Als wir in einer gottverlassenen Pampa und allein am Rio Coco in Honduras saßen und einen Einbaum sahen, der uns herüberholen wollte, gesteuert von einem Mädchen, das fast noch ein Kind war. Und dann am anderen Ufer der misstrauische Empfang durch bis an die Zähne bewaffneten Sandinistas, die unser gesamtes Gepäck auseinandernahmen. Und – endlich! – die Einladung des „Revolutionskommandanten“ zu einem comida international („internationalen Essen“) mit allen zusammen, womit Spagetti gemeint war. Das war wie ein „Flash“ – nach dem Motto: Das glaubt uns keiner! Und das lässt sich nicht wiederholen.

Salzwüste in Bolivien westlich von Oruro, 1984
Dritte Reise 1984, sieben Monate Peru und Bolivien. Zwei Tage Fußmarsch durch eine Salzwüste, zuerst mit schwerem Gepäck, dann mit leichtem. Und dann endlich am späten Nachmittag die primitiven Hütten von Chipaya am Horizont. In einer der ersten wurde gerade Brot gebacken. Die Nachricht, dass damals in Bolivien eine Inflation wie in der Weimarer Republik war, war noch bis dorthin nicht vorgedrungen. Die beiden Brote, die wir kauften, kosteten weniger als damals zehn Pfennig. Ich habe noch nie so leckeres (Weiß)Brot gegessen. Das war schon wie im Film. Man fragt sich: Ich das jetzt real oder nur ein Traum?

Ein Dorf östlich von Urcos in Peru. Der schneebedeckte Berg ist der Ausangate (6.384 m) am westlichen Rand der Cordillera Vilcanota 1984.
Der zweite Flash-Moment ist klar zu benennen, aber nicht der Ort (vielleicht Mahuayani). Ich war mit einem LKW (illegaler Holztransport, rund 20 Personen auf der Ladefläche und ein paar Benzinkanister) unterwegs von Puerto Maldonado im Urwald von Peru nach Cusco, zwei Tage und eine Nacht, auf einer der damals gefährlichsten Straßen (Teil der Interoceanica Sur) der Welt.
In der Nacht hatten wir bei klirrender Kälte den Pass nördlich des Lago Sinkrinaqucha (4.377 m, spanisch: Singrenacocha) überquert. Ich weiß noch, dass der LKW gegen Mitternacht ein paar Stunden anhielt, weil der Fahrer sich nicht traute weiterzufahren, und dass ich austreten musste und fast alles anzog, was ich hatte, um nicht zu Eis zu erstarren: Zwei Pullover, Wollmütze, Wollhandschuhe. Wir führen weiter und erreichten kurz darauf dieses Dorf kurz nach Sonnenaufgang.
Ich sprang immer noch bibbernd vor Kälte vom LKW. Dann kam mir ein Reiter entgegen, der vom Pferd stieg und die anderen „Fahrgäste“ fragte, wer ich sei (ich trug eine Art Poncho und einen Hut). Alles war total unwirklich, aber ein unvergessliches Erlebnis.

Mein Rucksack auf der Plaza Falcón in Coro, Venezuela, kurz vor Sonnenaufgang, 18.1.1998
Auch 1998 in Venezuela gab es Momente wie die Tänzerinnen in Coro. Aber noch mehr flashte mich ein paar Tage vorher die Ankunft dort:
Der Bus fährt direkt nach Coro. Krachendes TV, daily soap auf venezolanisch, ich brauche nicht lange, um mich daran zu gewöhnen und trotzdem zu schlafen. Um kurz nach fünf rüttelt mich jemand – wir sind schon da. Eine Brise, irgendwo muss das Meer sein. Mit schweren Füßen durch schmale, holprige Straßen einer Vorstadt. Ich bin ganz allein. Hunde bellen mich an, ohne mich zu sehen. [Ich habe mir das angesehen: Der Terminal Terreste Polica Salas – der Busbahnhof – von Coro ist an der Calle Maparari, es sind von dort gut zwei Kilometer zu Fuß bis ins Stadtzentrum.]
Endlich: die Plaza von Santa Ana de Coro, gegründet 1527 vom Spanier Juan de Ampiés, der sich dazu die Erlaubnis des Kaziken Manaure holte. Die kleine Kathedrale, dem heiligen Franziskus geweiht. Als Georg Hohermuth von Speyer und Philipp von Hutten 1528 auf diesem Platz standen, war sie noch nicht fertig. Sonnenaufgang.
Ich sitze auf einer Bank und versuche mir vorzustellen: 400 deutsche Landsknechte und sächsische Bergknappen, die hier, genau an dieser Stelle, damals, vor fast 500 Jahren, aufgebrochen sind nach El Dorado. Ich schaue auf die Uhr. Es ist unfassbar. Von Berlin nach Coro in weniger als 48 Stunden.
Je mehr ich in Erinnerungen schwelge, um so mehr fällt mir ein. Aber einen Flash habe ich noch, und der ist gar nicht so lang her.

Jaffa Gate, Jerusalem, 10.10.2023
Ich kann mich daran erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Es war wie im Fieber. Ich hätte am liebsten einen Passanten gepackt und ihn gebeten, mich zu schütteln. Bin ich wirklich hier? Ist das wahr?
Im Oktober werden ich ein bisschen gelassener sein, wenn ich wieder da stehe.
Kernräume
Ich musste schmunzeln. Wer – wenn nicht Bezalel Smotrich – würde sich das trauen. Das Label „rechtsextrem“ von Wikipedia halte ich für völlig bescheuert, aber rationale Argumente helfen bekanntlich nicht.
Israel heute (Telegram): „Die von Finanzminister Bezalel Smotrich vorgestellte Karte eines möglichen israelischen Annexionsplans im biblischen Kernland Judäa und Samaria zeigt: Die großen arabischen Städte (gelb markiert) sollen als autonome Zonen bestehen bleiben, während der übrige biblische Kernraum unter direkte israelische Zivilverwaltung gestellt würde.
Die Karte wurde mit dem Logo des israelischen Verteidigungsministeriums veröffentlicht.
Die Rufe nach einer Ausweitung der israelischen Souveränität über Judäa und Samaria nehmen zu – gerade jetzt, da sich die UN-Generalversammlung nähert, bei der mehrere westliche Staaten beabsichtigen, einen unabhängigen Palästinenserstaat anzuerkennen.“
Die gelben Orte sind Jenin und Tulkarm im Norden, Jericho, Hebron und Ramallah.
Biblisches Kernland – das genau ist das Problem mit den Verehrern höherer Wesen der jüdischen Art. Wie kann man politische Forderungen mit einem Buch voller frommer Legenden, Mythen und Märchen begründen wollen? Als der moderne Staat Israel entstand, war das gar nicht nötig. Soll ich mich etwa als atheistischer zionistischer Goi auf die Bibel berufen? Gott bewahre Das fehlte noch.
Unstrittig ist, dass Israel schon 3000 Jahre existiert, in welchem Umfang auch immer. Das allein ist auch kein Argument, weil die Deutschen auch mehrere Jahrhunderte in Osteuropa siedelten und irgendwann weichen mussten.
Es hat sich eben historisch ergeben, dass Palästina der einzige Ort ist, in dem Juden heute sicher sind. Wenn das die Araber nicht wollen, ist das ihr Pech. Sie hätten es anders haben können, waren aber zu blöd dazu und sind es immer noch. Die herrschenden Klassen in allen muslimischen Staaten brauchen ein äußeres Feindbild, um vom internen Klassenkampf abzulenken. Das wird sich so schnell nicht ändern.
Alle Nationalstaaten, außer vielleicht Island, sind mit Gewalt entstanden, mitsamt ihrer Grenzen. Die Römer hatten die richtige pragmatische Haltung dazu: Vae victis!
FYI Frühstück und mehr
Seitdem ich wieder kauen und nicht nur flüssige Nahrung zu mir nehmen kann, lebe ich noch gesunder als vorher. Falls die Zeit dazu bleibt zum Frühstück: jugo especial à la Arequipa (das Rezept stammt von dort) à la Burks mit einer Banane, einer Birne, einem Ei, einem Esslöffel Honig und Milch, dazu Müsli (eine Mischung aus Müsli mit Nüssen und Rosinen und Kölnflocken). Kaffee natürlich auch.
Zur Zeit sind zwei Mahlzeiten am Tag das Maximum, weil einfach keine Zeit für mehr ist. FYI: 22.8. 12 Std. Tagschicht, 23.8. 12 Std. Tagschicht, 24.8. 12 Std. Tagschicht, 25.8. 10 Std. Tagschicht, 26.8. 8 Std. Nachtschicht, 27.8. 8 Std. Nachtschicht, 29.8. 4 Std. Tagschicht, 30.08. 12 Std. Tagschicht, 31.8. 9 Std. Tagschicht, 2.9. 8 Std. Nachtschicht, 3.9. 8 Std. Nachtschicht, 4.9. 8 Std. Nachtschicht, 5.9. 8 Std. Nachtschicht, 6.9. 12 Std. Nachtschicht, 7.9. 12 Std. Nachtschicht. Ich bin jung und brauche das Geld.
Ihr könnt also froh sein, dass ich überhaupt zum Bloggen komme.
Nachher, vor der Nachtschicht, gibt es Dal.
Angriff der Klonkrieger, viereckig geordnet

Ich habe mir die chinesische Militärparade zum Thema „the 80th anniversary of the victory in the Chinese People’s War of Resistance against Japanese Aggression and the World Anti-Fascist War“ angesehen. Wo ist der strukturelle Unterschied zum Nürnberger Reichsparteitag?
Wait a minute. Was war 1945? „Gemäß den Bedingungen der von den Vereinigten Staaten diktierten bedingungslosen Kapitulation Japans sollten sich die japanischen Truppen den KMT-Truppen ergeben und nicht der KPCh, die in einigen der besetzten Gebiete präsent war. In der Mandschurei jedoch, wo die KMT keine Truppen hatte, kapitulierten die Japaner vor der Sowjetunion. Chiang Kai-shek befahl den japanischen Truppen, auf ihrem Posten zu bleiben, um die Kuomintang zu empfangen und ihre Waffen nicht an die Kommunisten abzugeben“.
„Im letzten Monat des Zweiten Weltkriegs in Ostasien startete die Rote Armee die Sowjetische Invasion der Mandschurei gegen die japanische Kwantung-Armee in Mandschukuo und entlang der chinesisch-mongolischen Grenze. Diese Operation zerstörte die Kwantung-Armee in nur drei Wochen und führte dazu, dass die UdSSR bei Kriegsende die gesamte Mandschurei besetzte und ein totales Machtvakuum der lokalen chinesischen Streitkräfte entstand.“ – „Der Waffenstillstand wurde im Juni 1946 gebrochen, als am 26. Juni 1946 ein umfassender Krieg zwischen KPCh- und KMT-Kräften ausbrach. China befand sich daraufhin in einem Bürgerkrieg, der mehr als drei Jahre andauerte.“
Welches Jubiläum feiern die eigentlich?

Zu Militärparaden an sich hatte ich mich schon geäußert. („Gedämmte Flüsse“, 09.05.2022) Theweleit, übernehmen Sie! (Männerphantasien 1, S. 447ff: Damm und ‚Fluss – das Ritual der Massenaufmärsche“). Oder ist das unangemessen?
Die Flut bekommt einen Namen. „Fahneneinmarsch““ (codierter Strom). Ihr überschwemmendes Element ist getilgt. man geht in ihr nicht unter, aber erregend und faszinierend ist sie immer noch. Ihr bedrohlicher Teil ist ihr sicher durch die Formierung genommen, die Verwandlung der Flüsse in „Säulen“, des fließenden „Weiblichen“ in etwa starres „Männliches““.(…)

Versetzen wir uns einen Augenblick in einen Anthropologen, der gerade vom Planeten Kepler-452b angereist ist und das Verhalten des Homo Sapiens studieren will und zufällig nach Peking gerät, wo die Massen in Vierecken geordnet an ihm vorbeimarschieren, während die zuschauenden Massen in ebenfalls viereckigen Kästen sitzen.
Man könnte naiv fragen: Warum eckig und nicht rund? Aber dann brauchte man vermutlich viel mehr Platz. Und Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt, den man fragen könnte, ist schon tot.

Noch einmal ganz von vorn. Menschen laufen an anderen Menschen vorbei. Warum nicht gemütlich, sondern im anstrengenden Gleichschritt? Es gibt offenbar ein unsichtbares Band zwischen dem Herrscher und den beherrschten Marschierern: Ersterer, so soll suggeriert werden, kann Massen organisieren und sie zu Klonen Marionetten machen. Und das sollten die zuschauenden Massen sehen und würdigen. Und niemand darf aus der Reihe tanzen. Das sähe doof aus.

Warum hat keiner der Männer einen Bart?
Je mehr ich darüber nachdenke, um so weniger möchte ich schreiben. Wenn die Chinesen hier mitläsen, verstünden sie eh nicht, was ich meine. Und wenn doch, lassen sie mich vielleicht nicht nach China einreisen.

SSL

A modern flat-style infographic illustration showing secure data transfer with SSL: on the left, a computer with an open lock symbol, on the right, a server with a golden closed lock. Bright data packets (blue and green glowing streams) flow between them, wrapped inside a transparent protective shield. Background filled with abstract digital matrix lines, symbolizing cybersecurity and encryption. Futuristic, clean, and professional design
Die SSL-Konfiguration von burks.de. sollte jetzt wieder korrekt sein, vgl. Feed Validator Results sowie SSL Checker.
Alles grün
Kartenausschnitt von Secondlife aus Satellitensicht: Jeder grüne Punkt ist ein Avatar.
Merke: Wenn deutsche Medien über etwas nicht berichten, bedeutet das nicht, dass etwas nicht existiert oder uninteressant wäre. Es sagt eher etwas über deutsche Medien aus.
Gegen nichts
Das Institut for the Study of War (von dem die Karten sind) hat unausgesprochen die Kriegsziele Russlands erläutert: Lithium, Nichteisenmetalle, Polymetalle, Seltene Erden, Titanium, Zirkonium, Uranium.
„Berichten zufolge fordern Kremlvertreter, dass die Ukraine im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens strategisch wichtiges unbesetztes Gebiet in der Oblast Donezk an Russland abtritt und die Frontlinie in anderen Gebieten einfriert. Die Kapitulation des restlichen Gebiets Donezk als Voraussetzung für einen Waffenstillstand ohne Verpflichtung zu einem endgültigen Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges würde die Ukraine zwingen, ihren „Festungsgürtel“ aufzugeben, die seit 2014 die wichtigste befestigte Verteidigungslinie in der Oblast Donezk bildet, ohne Garantie, dass die Kämpfe nicht wieder aufgenommen werden. Putins Vorschlag verlangt Berichten zufolge, dass die Ukraine diese kritische Verteidigungsposition aufgibt, die die russischen Streitkräfte derzeit nicht schnell einschließen oder durchdringen können, und zwar offenbar gegen nichts.“
Ach. Ach was.
Zirkumzensierter Knöterich
Vor zwei Jahren schrieb ich, dass mein Knöterich auf dem winzigen Balkon mit Erlaubnis meiner Nachbarn im dritten Stock schon zum vierten Stock unterwegs sei. Das Problem war nur, dass die Pflanze jetzt nur noch ein paar kümmerliche Blätter trieb, die schnell wieder verwelkten, weil der Kasten wahrscheinlich gar keine Erde mehr enthält, sondern nur noch Wurzeln, die, erlaubte man ihnen das zügellose Wachsen, vermutlich schon bis in andere Stadtteile reichen würden.
Ich entschloss mich also zu einer radikalen Lösung und köpfte ihn und zerrte die unzähligen Verästelungen von oben herunter. Der Knöterich „ist eines der wenigen echten Gehölze der Familie, wächst äußerst schnell und erreicht bei entsprechender Kletterhilfe mühelos Wuchshöhen um zehn Meter.“
Und siehe: In nur zwei Tagen hat der Rest-Knöterich schon wieder Blätter geworfen und beginnt, sich nach oben zu ranken. Dem kann man beim Wachsen fast zugucken. Mit Blättern sieht eine Pflanze einfach besser aus.
Unter Gedankenlesern
Sehr interessanter Artikel auf Telepolis: „Gedankenlesen ist keine Science-Fiction mehr. Durchbruch bei Gehirn-Computer-Schnittstellen: Forscher gelingt es erstmals, Gedanken direkt in Sprache zu übersetzen – ganz ohne Sprechen.“
Source EurekAlert: „Scientists have pinpointed brain activity related to inner speech – the silent monologue in people’s heads – and successfully decoded it on command with up to 74% accuracy“ sowie die Original-Forschungsergebnisse „Inner speech in motor cortex and implications for speech neuroprostheses“.
Speech brain-computer interfaces (BCIs) show promise in restoring communication to people with paralysis but have also prompted discussions regarding their potential to decode private inner speech. Separately, inner speech may be a way to bypass the current approach of requiring speech BCI users to physically attempt speech, which is fatiguing and can slow communication. Using multi-unit recordings from four participants, we found that inner speech is robustly represented in the motor cortex and that imagined sentences can be decoded in real time. The representation of inner speech was highly correlated with attempted speech, though we also identified a neural “motor-intent” dimension that differentiates the two. We investigated the possibility of decoding private inner speech and found that some aspects of free-form inner speech could be decoded during sequence recall and counting tasks. Finally, we demonstrate high-fidelity strategies that prevent speech BCIs from unintentionally decoding private inner speech.
Großes Vertrauen

Gaza im Jahr 2050, im Hintergrund der neue Trump-Tower
Ich finde die Idee ganz großartig. Die Qualitätsboulevardmedien berichten: Der „GREAT“-Plan („Gaza Reconstitution, Economic Acceleration and Transformation“; dt.:“Wiederaufbau, wirtschaftliche Beschleunigung und Transformation in Gaza“) sieht Gaza für mindestens zehn Jahre unter US-Treuhandverwaltung, „bis eine reformierte und entradikalisierte palästinensische Staatsgewalt bereit ist, an seine Stelle zu treten.“
Das Gebiet soll in ein Tourismus- und Hightech-Zentrum verwandelt werden. Die zwei Millionen Einwohner würden vorübergehend „freiwillig“ auswandern oder in gesicherte Zonen ziehen.“
Die Araber werden, wie schon seit 1948, gegen alles sein. Eine „Reform“ der korrupten Mischpoke, die meint, die Araber Palästinas außerhalb Israels zu regieren, wird es natürlich auch niemals geben. Was kommt danach?
Die Israelis reagieren schon: „Eine Gruppe israelischer Geschäftsleute präsentierte der Trump -Verwaltung in einem neuen Gaza -Projekt namens „Great Trust“ ein Slide -Deck.
Das Konzept sieht ein Nachkriegsgaza vor, in dem das gesamte öffentliche Land in einem Trust gelegt wird, um die wirtschaftliche Entwicklung in der Region zu fördern und zu fördern. Das „große Vertrauen“ würde dann das öffentliche Land von Gaza an Investoren als tokenisierte Vermögenswerte auf der Blockchain verkaufen.
Mit dem „großen Vertrauen“ können die Gazaner in privatem Besitz in das Vertrauen in den Austausch gegen Token übertragen. Diese Token geben den Gazanern das Recht, einen dauerhaften Wohnraum zu besitzen.“ (Der Text ist so holprig verfasst, dass er garantiert von einer KI generiert wurde.)
Vermutlich wird es so ausgehen: Bis Ende 2025 soll die Hamas komplett vernichtet werden. Gaza-Stadt und eine sehr verbreiterte Philadelphi-Passage werden annektiert werden. Den Rest werden sie Trump überlassen. Es kann also auch sein, wie schon am Toten Meer, dass die Araber nicht mehr an den Strand dürfen.
































