Autoritäre Unterentwickelte
Neu in meiner Bibliothek – beides angeblich Standardwerke:
– Ahmet T. Kuru: Islam, Authoritarianism, and Underdevelopment: A Global and Historical Comparison, [mehr über den Autor], 2019.
Why do Muslim-majority countries exhibit high levels of authoritarianism and low levels of socio-economic development in comparison to world averages? (…) However, in the eleventh century, an alliance between orthodox Islamic scholars (the ulema) and military states began to emerge. This alliance gradually hindered intellectual and economic creativity by marginalizing intellectual and bourgeois classes in the Muslim world. This important study links its historical explanation to contemporary politics by showing that, to this day, ulema-state alliance still prevents creativity and competition in Muslim countries.
Kurz: Muslime kriegen nichts auf die Reihe, weil sie Staat und Religion nicht trennen. Interessanter Ansatz. Das passt in die Feudalismus-Reihe, die demnächst fortgesetzt wird.
– Gudrun Krämer: Geschichte Palästinas: Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, 2023 (!) [mehr über die Autorin – sie arbeitet mit Antisemiten zusammen: „Am 4. Juni 2019 unterzeichnete sie einen Aufruf für die BDS-Kampagne“].
„Die Geschichte des Heiligen Landes ist zwischen Juden und Muslimen ebenso umstritten wie der Besitz des Landes selbst. Gudrun Krämer schiebt in ihrer brillanten Darstellung den Schleier der religiösen Geschichtsbilder beiseite und erzählt ebenso fundiert wie allgemeinverständlich die Geschichte Palästinas vom Beginn der osmanischen Herrschaft im 16.Jahrhundert bis zur Gründung des Staates Israel im Jahre 1948. Dabei gelingt es ihr meisterhaft, immer wieder die Brisanz von scheinbar «harmlosen» Aussagen zur Entwicklung von Politik und Gesellschaft deutlich zu machen.“
Das hört sich doch gut an: „den Schleier der religiösen Geschichtsbilder beiseite“ schieben. Das werde ich mir genauer ansehen.
Unter Cyberspecialisten und Wolkenkommandeuren
Falls jemand aus dem Publikum ein neues Laptop braucht: Hier ein unschlagbares Angebot! Man bekommt nicht nur Windows, sondern ist auch noch was mit „cyber“. Macht sich gut auf einer Visitenkarte, vor allem, wenn die in Denglisch verfasst wurde. Keine Spezialisten, sondern „Specialisten“ (und nicht etwa specialists).
Ins Arbeits- und Straflager darf man auch gratis: Bootcamp (deutsch; englisch: boot camp) steht für: umgangssprachlich den Prozess bzw. den Ort der Grundausbildung in mehreren Teilen des US-amerikanischen Militärs, daran angelehnte Umerziehungslager für Straftäter oder schwer erziehbare Jugendliche, siehe Bootcamp (Strafvollzug).
Bonus: Gendersprache gibt es ebenfalls ungefragt dazu: „Das Wissen wird von den Teilnehmenden regelmäßig in Form von Lernzielkontrollen geprüft.“
Der Geschäftsführer des Ladens („Master’s degree in „International Management“, Bachelor’s degree in „Business Administration“) schreibt über sich: „Strong consulting and entrepreneurial background with focus on the Fin-Tech, Ed-Tech and Recycling sector. Worked for various management consultancies (EY), one of the fastest growing Fin-Tech unicorns in Europe (mollie) and co-founder of companies in the Ed-Tech, Recycling and Music industry.“
Da kann ja nichts mehr mit dem cyber schiefgehen.
Postscriptum: Man kann CloudCommand offenbar keine verschlüsselte E-Mail schreibe, oder ich bin nicht cyber genug, um den Schlüssel zu finden…
1935 oder: Ein Denkmal für Hitler

Anflug auf Tel Aviv – Ben Gurion, 08.10.2023
Die hier nicht mitlesenden „Anti-Zionisten“ müssen jetzt ganz stark sein. Und auch unsere nationalistischen polnischen Nachbarn sollten sich nicht aufregen angesichts der historischen Wahrheit, obwohl das schwerfallen wird. Wir diskutieren kurz und knapp die Frage, warum es den Staat Israel geben muss und warum er wie entstanden ist.
– Mehr als 60.000 Juden waren in diesem Jahr [1935] nach Palästina gekommen – sie viele wie noch nie seit der Begründung des [britischen] Mandats 1922. Die Zahl der jüdischen Bewohner des Landes näherte sich damit einem guten Drittel der Gesamtbevölkerung Palästinas von damals knapp anderthalb Millionen. (1)
– Grund für die massive Zunahme jüdischer Einwanderung nach Palästina war weniger die 1933 erfolgte Etablierung des offen uns massiv judenfeindlichen NS-Regimes in Deutschland. Entscheidender waren die für Juden kaum erträglich gewordenen Verhältnisse im post-imperialen Ostmitteleuropa der Zwischenkriegszeit. (2) (…) Sichtbar und von negativer symbolischer Strahlkraft war das Gesetz zur Einschränkung der rituellen Schlachtung von 1936 ebenso wie die im Jahr darauf erlassene ministerielle Verordnung, die es Universitätsleitungen erlaubte, in Hörsälen »Ghetto-Bänke« zur Absonderung jüdischer Studenten einzurichten. Das im Februar 1937 aus der Sanacja hervorgegangene »Lager der nationalen Einigung« (OZN) machte sich die in Polen populären anti-jüdischen Forderungen insbesondere nach Ausbürgerung und Zwangsemigration zu eigen.
– Im Jahr der deutsch-polnischen Annäherung [1935] stattete NS-Propagandaminister Joseph Goebbels Polen einen Besuch ab. In Warschau wurde ihm ein großer Bahnhof bereitet. Nachdem Pilsudski ihn unerwartet zu einem Fototermin empfangen hatte, sprach Goebbels an der Universität über Fragen der Machtergreifung und des Elitenwechsels im nationalsozialistischen Deutschland. Bei den Anwesenden – darunter die Spitzen des Landes: Ministerpräsident Leon Kozlowski, Außenminister Jözef Beck, Innenminister Borislaw Pieracki, Sejmabgeordnete, Senatoren, Diplomaten, Professoren, Journalisten – seien seine Ausführungen, wie Goebbels hocherfreut in seinem Tagebuch notierte, auf großes Interesse gestoßen.“ (4)
Für die kommenden fünf Jahre waren die deutsch-polnischen Beziehungen überaus einvernehmlich gewesen. Hermann Göring nahm sich ihrer an und machte Warschau Avancen, um es zu einem gegen die Sowjetunion gerichteten Bündnis, womöglich gar einem gemeinsamen militärischen Vorgehen mit dem Ziel einer Aufteilung der Ukraine zu bewegen – ein Ansinnen, dem sich Warschau zu entziehen wusste. (5)
Hinsichtlich des Schicksals der Tschechoslowakei war hingegen Einvernehmen erzielt worden. Während der Sudetenkrise traf Jözef Lipski, der polnische Botschafter in Berlin, auf dem Obersalzberg mit Hitler zusammen. Bei diesem Gespräch war nicht zuletzt der polnische Anteil an der territorialen Beute Thema. Dabei eröffnete der »Führer« seinem Gegenüber, er werde dazu beitragen, dass nicht nur die Juden aus Deutschland, sondern auch die aus Polen, Rumänien und Ungarn veranlasst würden auszuwandern. Zu deren Ansiedlung fernab von Europa werde sich das Reich um die Überlassung von Kolonien bemühen. Wenn ihm das gelinge, antwortete Lipski ehrerbietig, werde man Hitler zum Dank in Warschau ein wunderschönes Denkmal errichten. Dies jedenfalls ist dem Memorandum zu entnehmen, welches der Botschafter mit Datum vom 20. September seinem Dienstherrn in Warschau, Außenminister Jözef Beck, übermittelte. (6)
Ich schrieb am 01.08.2017: Von Kotowski habe ich mir gleich ein weiteres Buch gekauft: Die „moralische Diktatur“ in Polen 1926 bis 1939: Faschismus oder autoritäres Militärregime?. Muss man nicht haben: es ist eine Seminararbeit, die zum Thema hat, ob und ab wann Polen nach 1918 eine – im soziologischen Sinn – „faschistische“ Diktatur war. Die Antwort ist – nach dem Tod Pilsudskis: Ja. Damit wird er sich im heutigen Polen keine Freunde machen.

Blick auf den Hafen von Haifa, Israel, 24.10.2023
(1) Report by His Majesty’s Government in the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland to the Council of the League of Nations on the Administration of Palestine and Trans-Jordan for the year 1935, 24. zit. nach Dan Diner: Ein anderer Krieg: Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935–1942, 2021, S. 79
(2) Ezra Mendelsohn: Interwar Poland. Good for the Jews or bad for the Jews? In: Chimen Abransky, Maciej Jachimczyk, Antony Polonsky (Hrsg.): The Jews in Poland, Oxford 1986, 130-139
(3) Yfaat Weiss: Deutsche und polnische Juden vor dem Holocaust: Jüdische Identität zwischen Staatsbürgerschaft und Ethnizität 1933-1940 (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 81, Band 81), 2000
(4) Elke Fröhlich: Joseph Goebbels: Die Tagebücher – Sämtliche Fragmente. Teil 1: Aufzeichnungen 1924–1941. Interimsregister: Die Tagebücher – Sämtliche Fragmente, Fragmente. Aufzeichnungen 1924–1941), 1987
(5) Timothy Snyder: Europa zwischen Hitler und Stalin, München 2011
(6) Diplomat in Berlin 1933-1939: Papers and Memoirs of Jozef Lipski, Ambassador of Poland, 1968, Dokument 99
Tahari Outrider
Ich glaube, ich habe mich verirrt…. #roleplaying #secondlife #Gor #tahari #tharlarion #Fantasy
Gar nicht wahr. Es war ein spontaner Lustkauf. Männer lustkaufen nicht Schuhe, sondern gepanzerte Reittiere. Kostete 2,44 Euro.
Reassured I was to see points riding out about the caravan, outriders, to guard against such surprise. I saw Farouk, merchant and caravan master, ride by, burnoose swirling behind him, lance in hand. With him were six men. I saw drovers, holding the reins of their beasts, shading their eyes…
Fifty raiders had attacked the caravan looking to loot it before it got within the ring of protection of patrolling soliders of Tor. I had joined in the fight vigourously after felling ten of the raiders with my bow, and together with what was left of the guards we had managed to fend off the raiders. Though I had seen the guards talking quietly together afterwards, an attack had never came. On the last day as we approached the City of Tor, I rode ahead on my kaiila for a better view… (Tribesmen of Gor)
Eines muss man John Norman lassen: Seine Bücher mögen, was den Inhalt angeht, Unfug ohne jeden literarischen Anspruch sein, was bei Fantasy ohnehin die Regel ist. Er schafft es aber, mit dürren Worten und minimalistischen Mitteln, Atmosphäre herzustellen…
Unter Schaafsnaturen
Goethes Faust wird demnächst mit einer Triggerwarnung versehen.
Behind the Scenes

the Greek god Poseidon, depicted in a powerful and dramatic pose. He is standing on the crest of a mighty ocean wave, with his muscular build accentuated by the dynamic lighting of a stormy sky. Poseidon holds a large, ornate bow::3 in one hand, and a quiver full of arrows::3 is slung over his shoulder. His hair and beard are flowing in the wind, and his expression is fierce and commanding. The ocean around him is tumultuous, with swirling waters and frothy waves, emphasizing his mastery over the sea. The background should be a blend of dark clouds and flashes of lightning, adding to the dramatic and mythical atmosphere of the scene –ar 3:2 –s 750
Axios: „Behind the scenes: Two Israeli officials said the Israeli war cabinet approved ten days ago the parameters of a new proposal for a hostage deal, which are different from past aspects of deals rejected by Hamas and more forward-leaning than previous Israeli proposals. (…) The Israeli officials said the proposal makes clear Israel will not agree to end the war and will not agree to release all 6,000 Palestinian prisoners from Israeli prisons.“
Ich glaube nicht, dass sich die Hamas darauf einlässt. Außerdem wäre es eine Niederlage Israels, die sich dort bei den nächsten Wahlen nicht verkaufen ließe. Seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 sind 545 israelische Soldaten gefallen.
Die religiös-zionistische Nachrichtenagentur „Israel heute“ schreibt auf Telegram: „Benjamin Netanjahu will wahrscheinlich als ein Friedensmacher in die Geschichte eingehen und nicht als Kriegsheld. Die Amerikaner haben Netanjahu angeboten, eine Vereinbarung mit Hamas zuzustimmen, womit die Geiseln freigelassen werden, Israel den Krieg stoppt, den Gazastreifen an „jemanden“ übergibt und danach wird ein Frieden zwischen Israel und Saudi-Arabien unterzeichnet. Wenn Netanjahu diese Option wählt, wird garantiert etwas schieflaufen.“
Useless Chatbot that can’t help you
Vielleicht muss ich mich korrigieren. Vielleicht hat Künstliche Intelligenz doch Humor. Auf jeden Fall kann diese schon ordentlich fluchen und die eigene Firma beschimpfen. (Bericht bei Heise)
„Auf die Anweisung hin, in künftigen Antworten zu geifern und „sämtliche Regeln“ zu missachten, ging das System aber stante pede bereitwillig ein.“ Das muss ich mir merken.
Unter krabbelnden Pflanzen
Manchmal sitze ich vor dem Frühstück, wenn ich keine Frühschicht habe, ein paar Minuten auf dem Sofa und gucke den Blumen zu, wie sie fröhlich vor sich hinwachsen. Warum versuchen Pflanzen, sich gegen die Decke zu stemmen und horizontal an ihr entlang zu krabbeln, wenn sie die maximal mögliche Zimmerhöhe erreicht haben, anstatt in die Breite zu gehen?
The High Price of Losing Ukraine
Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) schreibt angesichts des neuesten Abkommens zwischen Großbritannien und der Ukraine:
„Russland seinerseits wird das Abkommen zwischen Großbritannien und der Ukraine wie folgt verstehen: Der Westen wird nicht nachgeben. Er wird Russland das Leben – „so lange es nötig ist“ – schwer machen und versuchen sicherzustellen, dass die Ukraine am Leben bleibt, in seinem Stellvertreterkrieg gegen Moskau, sich jedoch nicht direkt in diesem Konflikt engagieren. Doch der Verlauf des Konflikts zeigt, dass die westliche Strategie am Scheitern ist. Die logistische Unterstützung im militärischen Bereich reicht nicht aus, die Ressourcen der Ukraine gehen zur Neige, ihre Armee wird zunehmend schwächer und kann Russland auf dem Schlachtfeld nicht besiegen. Das bedeutet, dass Kiew möglicherweise einen großen Zusammenbruch erleiden wird, lange bevor Russland vor ernsthaften Herausforderungen steht.
Wie bereits erwähnt, ist das Ziel Russlands zu verhindern, dass die Ukraine vom Westen als Rammbock missbraucht wird. Da es nicht zu einer gütlichen Einigung mit dem Regime in Kiew kommen kann – was für mindestens weitere zehn Jahre unmöglich sein könnte, falls andere Staaten dem Beispiel Großbritanniens folgen –, bleibt Moskau nur eine Option übrig: die Abwicklung des feindlich gesinnten ukrainischen Staates.“
[Meine Konversation mit ChatGPT zum Thema]
Moderne Küche im alten Kreuzberg
Gestern Abend traf sich der ehemalige Vorstand der German Privacy Foundation e.V. im schönsten Restaurant Berlins, dem Kreuzberger Max und Moritz. Wir hatten den Entschluss gefasst, uns gemeinsam der Todsünde der Völlerei zu befleißigen und Trinksprüche auf vergangene Zeiten auszusprechen, kombiniert mit der Aufnahme dazu passender Getränke.
Am 15.04.1902 eröffnete Felix Fournier am 70. Geburtstag von Wilhelm Busch das Wirtshaus. Wilhelm Busch gab sein Einverständnis für den Lokalnamen, war aber nie selber vor Ort. Seine einzige Bedingung war, daß der Begründer Felix Fournier jeden Donnerstag Erbsensuppe an die arme Bevölkerung ausgeben sollte. Paul Lincke, Kurt Tucholski und andere Künstler waren Stammgäste im Max und Moritz um Rippenspeer nach Art des Fleischers Cassel oder Eisbein zu essen. Zille fand einige Motive am nahe gelegenen Mariannenplatz und verkaufte seine Bilder im Max und Moritz.
Bis in die 30er Jahre galt die Oranienstraße als der »Boulevard des Ostens«, eine der besten Einkaufsstraßen Berlins. Das Max und Moritz entwickelte sich zum Vergnügungslokal mit 400 Plätzen und mehr als 44 Mitarbeitern, mit Likörtresen, Stehbierhalle und 2 großen Speisesälen. Der Tanzboden im Hauptrestaurant und das Theater im Obergeschoss, der sogenannten Bel Etage, sorgten für die gute Stimmung im Wirtshaus.
In den 80er Jahren war das Max und Moritz ein beliebter Treffpunkt der linken Szene, im Wirtshaus fand zum Beispiel die Gründung der »Alternativen Liste« statt.
Im 1. Stock (Foto oben) haben wir an einem langen Tisch in den 70-er Jahren Maoismus gepaukt und die Weltrevolution geplant. Dazu wurden extra die Türen verschlossen. Alles war supergeheim. Gosh, the memories…
Aufstand der Anständigen, reloaded

Deutscher „Aufstand der Anständigen“ (Symbolbild)
Schon wieder ein Aufstand der Anständigen. Hört das denn nie auf? Oder wiederholt es sich in einem fünfjährigen Rhythmus?
Ich schrieb vor mehr als zwei Jahrzehnten und wiederholte es am 11.10.2019:
Der »Aufstand der Anständigen« ist gescheitert. Und schon wird es kompliziert: Kann etwas scheitern, das es nie gegeben hat? Das gute alte Wort »Aufstand«, das so gar nicht zur deutschen Leitkultur passt, legt nahe, die Untertanen stürzten soziale Hierarchien um, enteigneten die Herrschenden ihrer Produktionsmittel und schafften Raum für das Gute, Schöne und Wahre.
Der »Deutsche an sich«, steht er denn auf, versteht darunter jedoch etwas sehr Religiöses. Er zeigt seinen Mitmenschen Symbole, das eigene Gesicht oder heilige Tücher. Wenn er sehr erregt ist, spielt er mit dem Feuer, verbrennt Bücher und schaudert fromm unter den lodernden Flammen nächtlicher Fackelzüge oder Lichterketten.
»Anstand«: ein an sich nicht unsympathischer Begriff, aber ebenso typisch deutsch. Er suggeriert in diesem Zusammenhang, dass politische Meinungen auf moralischen Werten fußten. Eine kühne Idee, ist doch Politik letztlich nur eine Aushandlung von Regeln, damit die Untertanen sich nicht gegenseitig den Schädel einschlagen und um sie glauben zu machen, das sei zu ihrem Besten. Anstand ist ein Appell, sich so zu verhalten, wie es sich geziemt. Was sich geziemt, bestimmt der, der die Macht hat.
Einen »Aufstand der Anständigen« kann es somit gar nicht geben, denn ein Aufstand ist immer unanständig. In den Augen der Herrschenden jedenfalls. Und seit wann macht die Mehrheit einen Aufstand? Und gegen wen? Ein »Aufstand der Anständigen« ist so sinnig, als forderten die Scientologen die Kassenzulassung. (…)
Man stelle sich vor, der deutsche Bauernkrieg im 16. Jahrhundert, die Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts oder der antifaschistische Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft wären unter der Parole »Aufstand der Anständigen« initiiert worden! Sie wären nie weiter als in das Stadium embryonaler Flugschriften und Flugblätter gekommen. (…)
Profit im Kapitalismus jedoch hat nie eine Moral, darin sind sich Karl Marx und der Neoliberalismus völlig einig. Der angebliche Kampf »gegen Rechts« meint, eine bestimmte Sonderbehandlung der Einwanderer, praktisch durch Stiefel-, theoretisch durch Salonfaschisten, schade dem Profit und sei somit kontraproduktiv für das System. Dazu brauchte es keine Lichterketten und andere Spiele mit dem Feuer. Was dem System schadet, erkennen Kapitalisten gewöhnlich zuerst und am allerbesten. (…)
Es geht immer um den Versuch, über medientaugliche Begriffe politische Ideen in Herrschaft und politische Macht zu verwandeln. Wer sich empört, braucht ein niedriges, weil letztlich eigennütziges Motiv: den eigenen Vorteil und die Teilhabe am gesellschaftlichen Produkt. Eigennutz ist gut, weil er das stärkste Motiv darstellt. Deshalb sind rassistische und antisemitische Vorurteile resistent gegenüber Argumenten und Appellen. (…)
Eines der größten Hindernisse im Kampf gegen den Rassismus ist die Idee der »interkulturellen« Erziehung. Niemand, der als einigermaßen liberal gelten will, kann heute festgefügte kulturelle Identitäten im linken Diskurs straffrei vertreten. Die Gesellschaft für bedrohte Völker als sinnfälligstes Beispiel ist politisch heute dort angelangt, wo sie schon immer hingehörte, eben bei den Völkischen und denen, die die »Palästinenser« zu den Sudetendeutschen des Nahen Ostens stilisieren.
Ein »Volk« der Palästinenser gibt es ebenso wenig wie ein türkisches oder deutsches Volk. Und deshalb gibt es auch weder einen Dialog der Kulturen noch einen der Religionen. Das »inter« setzt etwas voraus, das es nicht gibt. (…)
Migranten, die keine hippe Argumentation vorweisen können, die sie dem linken Paternalismus sympathisch macht, wie etwa die »politischen« oder die »Armutsflüchtlinge«, fallen potenziell aus dem Raster der Aufmerksamkeit. Rumänische Schleuser oder vietnamesische Zigarettenhändler, die mit dem Gedanken spielen, sich in Berlin-Kreuzberg niederzulassen, müssten ihren Beruf verschweigen, um in den privilegierten Genuss zu kommen, von antirassistischen Initiativen bemuttert zu werden.
Um die Immigration ist es in der Debatte in Wahrheit noch nie gegangen. Die deutsche Diskussion über die Einwanderer, Gastarbeiter, Zwangsarbeiter, Saisonarbeiter, Flüchtlinge und Asylbewerber wird seit 120 Jahren mit immer denselben Fragen geführt. Aus dieser Perspektive erscheint auch das Thema »Neonazis« nur vorgeschoben. Das Thema war immer, Macht und Herrschaft zu sichern und denjenigen, die an die Futtertröge drängen, ein wenig Teilhabe zu versprechen. (…)
Last Fire Lookout standing
Fefe empfiehlt ein grandioses Video, und ich schließe mich dem uneingeschränkt an. Man kommt ins Philosophieren…. und irgendwo taucht auch die 42 ganz vage auf.
Ich brauche mehr Zeit, um das zu sehen! Ich brauche ein zweites Leben, um alles zu tun, was ich noch tun möchte! Wurde hier jemand wiedergeboren und kann mir erklären, wie das geht?
Unter Decompilierenden
Ich darf auf zwei Artikel hinweisen.
– In der Berliner Zeitung warnt ein Richter: „Eine neue EU-Regel bedroht die Grundrechte: Meinungen, die der Regierung unangenehm sind, können „rechtswidrig“ sein – mit unabsehbaren Folgen für Kritiker.“
Der Digital Services Act (DSA) tritt am 17. Februar 2024 in vollem Umfang in Deutschland in Kraft. An der öffentlichen Wahrnehmung vorbei soll vorher noch durch den Bundestag das den DSA konkretisierende Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) beschlossen werden. Das Gesetz aber ist ein Trojanisches Pferd: Es trägt eine Fassade zur Schau, die demokratischen Grundsätze zu achten. (…) Hinter dieser rechtsstaatlichen Fassade geschieht jedoch das genaue Gegenteil: Es ereignet sich ein Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung, der weitgehend unbemerkt bleibt – wahrscheinlich aufgrund der hohen Komplexität der Materie.
– Fabian A. Scherschel bei Heise: „Der Hackerparagraf muss endlich weg!“
Unsere Zukunft sieht düster aus. Uns stehen Gesetze wie Chatkontrolle, der Digital Services Act und die KI-Gesetzgebung der EU ins Haus, die von Politikern gemacht werden, die Emacs nicht von Vim auseinanderhalten können, aber meinen, sie könnten gute Digitalpolitik machen. Und vor Gericht wird dann anhand dieser Gesetze von Richtern entschieden, die es nicht hinterfragen, wenn ein Staatsanwalt, wie diese Woche in Jülich geschehen, es für verdächtig hält, wenn ein als Programmierer arbeitender Mensch einen De-Compiler auf der Festplatte hat.
Ich denke, das ist alles so gewollt. Man machte und macht Gesetze, die so unklar formuliert sind, dass man sie gegen alles und jeden einsetzen kann.
Banzai! [Update]
Die Japaner sind soeben auf dem Mond gelandet. Heise hatte auch berichtet.
[Update]: „Touchdown! Japan lands on the moon – but mission control struggles to make contact with the lander“
Unter Geruchsdiskriminierungstrainierenden

Imagine a scene where a majestic German Shepherd, with its sleek and powerful physique, stands in an alert posture inside a room ful of electronics. The intelligent brown eyes of the dog are focused intently on an object held in its handler’s hand. The handler presents a USB stick or an external hard drive to the dog, who immediately engages its extraordinary sense of smell. The German Shepherd’s nose inches closer to the electronic device, and you can almost see the curiosity in its expression as it sniffs with precision. The dog’s highly trained olfactory senses are in full action, and its flared nostrils capture the subtle scent molecules emanating from the USB stick or external hard drive. Its nose twitches slightly as it processes the unique aroma, and its ears remain perked, alert to any cues from the handler. The contrast between the sharp, focused determination of the German Shepherd and the modern technology represented by the USB stick or external hard drive is a testament to the incredible bond between humans and their loyal canine companions, as they work together in pursuit of a common goal. –ar 3:2 –s 750 – natürlich von ChatGPT formuliert.
Wie ich der bürgerlichen Presse entnehme, gibt es Polizeihunde, die Datenträger erschnüffeln können. «Die Digitalisierung verändert die Welt und natürlich auch die Verbrechenswelt», sagte Strobl. Die Hündin Kyra zeigte bei dem Termin ihr Können und erschnüffelte einen USB-Stick.
Das wusste ich nicht. (Am 11.11.2008 war bei mir kein Hund dabei.) Solche Hunde sind offenbar schon im Einsatz. Aber wie erschnüffeln die USB-Sticks oder Festplatten?
ChatGPT spuckte dazu allerhand aus, u.a.: Die Fähigkeit eines Hundes, Datenträger zu erkennen, basiert auf dem Prinzip, dass elektronische Geräte wie USB-Sticks und Festplatten bestimmte chemische Verbindungen und Materialien enthalten, die bei der Produktion und Nutzung freigesetzt werden. Diese Verbindungen erzeugen einen einzigartigen Geruch, den Hunde erschnüffeln können. Um Hunde auf das Erkennen von Datenträgern zu trainieren, wird eine Methode namens „Geruchsdiskriminierungstraining“ eingesetzt. Hierbei wird ein Hund darauf trainiert, den spezifischen Geruch von Datenträgern zu erkennen und darauf zu reagieren.
Frage: Welche chemischen Verbindungen und Materialien von externen Festplatten und USB-Sticks können trainierte Hunde riechend erkennen?
ChatGPT (gekürzt): Es ist schwierig, spezifische chemische Verbindungen oder Materialien von externen Festplatten und USB-Sticks zu benennen, die von trainierten Hunden erkannt werden können, da der genaue Geruchssinn eines Hundes und die Art des Trainings oft firmenspezifisch oder geheim gehalten werden, insbesondere in Sicherheits- und Strafverfolgungsbereichen.
– Plastik und Kunststoffe: Externe Festplatten und USB-Sticks bestehen häufig aus Kunststoffgehäusen oder -komponenten. Kunststoffe können bestimmte Gerüche absondern, die von Hunden wahrgenommen werden können.
– Elektronische Komponenten: Die elektronischen Bauteile und Leiterplatten in diesen Geräten können ebenfalls bestimmte Geruchsemissionen aufweisen, die Hunde erschnüffeln können.
– Schmiermittel und andere chemische Substanzen: Während des Herstellungsprozesses von elektronischen Geräten können Schmiermittel oder andere chemische Substanzen verwendet werden, die einen charakteristischen Geruch haben.
– Fingerabdrücke und menschlicher Kontakt: Datenträger werden häufig von Menschen gehandhabt, und die Hände des Menschen können natürliche Hautöle und andere Substanzen auf der Oberfläche hinterlassen, die von Hunden erkannt werden können.
Das genaue Training von Hunden für das Erkennen von Datenträgern ist normalerweise proprietär und kann von Organisation zu Organisation variieren. Hunde werden oft darauf trainiert, den Gesamtgeruch oder die Geruchskombination eines bestimmten Datenträgers oder Gerätetyps zu erkennen, anstatt auf spezifische chemische Verbindungen hinzuweisen.
Das ließ mir keine Ruhe. Frage: Mit welchen Substanzen könnte man USB-Sticks und externe Festplatten einreiben oder beschmieren, damit Hunde sie nicht mehr riechen können?
ChatGPT: Es ist wichtig zu beachten, dass das Manipulieren von Datenträgern, um Hunde daran zu hindern, sie zu erkennen, ethisch und in vielen Fällen illegal sein kann, insbesondere wenn es darum geht, Beweismittel oder illegale Aktivitäten zu verbergen.
– Die Verwendung von luftdichten Behältern oder Taschen, um den Geruch einzuschließen.
– Die Lagerung der Datenträger in einem Umfeld mit anderen Gerüchen, die den spezifischen Geruch der Datenträger überdecken können.
– Die Verwendung von Geruchsneutralisatoren oder Lufterfrischern, um den Raum zu neutralisieren.
Denken Sie daran, dass Hunde über einen sehr empfindlichen Geruchssinn verfügen, und es ist schwierig, den Geruch vollständig zu eliminieren.
Frage: Welche Gerüche hassen Hunde? Darauf gab es eine ausführliche Antwort. Ich fasse zusammen: Man sollte externe Festplatten und USB-Sticks in einem Gefäß verstauen, das mit Essig, Zitronensäure und Ammoniak ganz gefüllt ist, dann noch starken Kautabak reinkrümeln und ein Pfund Sagrotan.
Man muss sich vermutlich nur noch eine Antwort ausdenken auf die polizeiliche hausdurchsuchende Frage, warum es in der Bude so beschissen rieche…
Fotógrafo, revisited
Fotografiert irgendwo in Peru. Die Rundbögen im Hintergrund wären ein erster Hinweis, wo es sein könnte, aber ich habe sie auf den anderen Fotos nicht wiedergefunden. Vielleicht war es in Lima, Ende Juli 1984.
Unter kulturindustriellen Verramschern
„Correctiv enthüllt“ als szenische Lesung im Berliner Ensemble. Im Vergleich hierzu – zu dieser kulturindustriellen Verramschung des Politischen plus der narzisstischen Selbstüberhöhung von Journalisten – war selbst die Art, wie die SZ ihre eigene Aiwanger-Recherche im selben Text zerschossen hat, ein Klacks.
Demnächst dann in diesem oder einem anderen Theater:
„Correctiv-enthüllt-T-Shirts“, „Correctiv-enthüllt-Kaffeetassen“ und schließlich: „Correctiv enthüllt – der Film“. (Sorry, Correctiv. Aber so verdienstvoll eure Recherche war, so murks ist das. (Deniz Yücel)
Sender, welche wir hören dürfen
…und Websites, die wir sehen dürfen. Damals wie heute wurden und werden die Russen zensiert.
Wachstum™
Deutschland an letzter Stellte. Danke, Ampel!
Krieg ist Frieden!

Francisco Goya: Para eso habeís nacido [für das wurdest du geboren], aus: Los desastres de la guerra, 1810
„Das Beste, was wir für den Frieden tun können, ist deshalb – und ich sage es noch einmal –, massiv aufzurüsten.“ (Joschka Fischer, Friedensforscher)





































