Guerilla, aufgemerkt!

google

Ich habe neulich, wie schon erwähnt, „Hostages“ von Stefan Heym gelesen. Man stelle sich nur vor, wie heute der Widerstand gegen einen faschistischen Staat, eine Militärdiktatur oder nur gegen ein unterdrückerisches Regime aussehen würde, trügen die Guten Smartphones. Die Bösen würden jederzeit wissen, wo sie sind und wer mit wem Kontakt hat. Wer also eine Revolution plant, sollte darauf verzichten. (Ja, man kann das Feature auch ausstellen – in Maßen.)

Das klingt betrüblich

facebook

„Mit dem jüngsten Update verlangt die Facebook-App für Android, dass der Anwender ihr weitreichende Rechte einräumt. So will die App nun auch ‚SMS und MMS lesen‘ und darüber hinaus ‚Kalendertermine sowie vertrauliche Informationen lesen‘ und ‚ohne das Wissen der Eigentümer Kalendertermine hinzufügen oder ändern und E-Mails an Gäste senden'“. (Heise)

Nutzt Facebook! Eine Milliarde ScheißhausFliegen können nicht irren!

Donate to Support Encryption Tools for Journalists

Encryption Tools for Journalists

Ich bin erst einmmal skeptisch, wenn ich das lese:
Protecting the digital communications of journalists is now one of the biggest press freedom challenges in the 21st Century.(…) To that end, we’re providing you with an easy way to donate to support open-source encryption tools that can better protect the communications of journalists and sources.

Wer steckt dahinter? Es kann ja jeder so eine Website aufziehen. Empfohlen wurde sie in der Tor-Mailingliste.

The Freedom of the Press Foundation is dedicated to helping support and defend public-interest journalism focused on exposing mismanagement, corruption, and law-breaking in government. (…) You can go here to see a description of the organizations we are currently crowd-funding donations for.

Auch das hier klingt gut: „How to Protect Your Privacy in the Age of NSA Surveillance„.

Das deutsche Wikipedia hat gar keinen Eintrag über die Freedom of the Press Foundation. Wenn aber die EFF unterstützt, kann man der Sache vertrauen.

In Deutschland müsste man so etwas vereinsmeierisch aufziehen. Unser Verein German Privacy Fund ist ja so gedacht, da die alte German Privacy Foundation sich aufgelöst hat.

Protocols and procedures

„If one believes Snowden, our algorithms are OK, but our protocols and procedures are questionable.“ (Bill Frantz, cryptography — The Cryptography and Cryptography Policy Mailing List)

Interview mit Snodwden: „They will make mistakes“

…in der Washington Post.
His colleagues were often „astonished to learn we are collecting more in the United States on Americans than we are on Russians in Russia,“ he said. Many of them were troubled, he said, and several said they did not want to know any more.

Das ist bei deutschen Geheimdiensten (außer dem Inlandsgeheimdienst) natürlich gaaaaaaanz anders.

Hier noch ein Kommentar aus dem Heise-Forum:
‚Er habe der Gesellschaft eine Chance geben wollen, selbst herauszufinden, ob sie sich ändern wolle, sagte Snowden weiter.‘
Die Gesellschaft will sich nicht ändern, wie das Desinteresse der Massen sowie die Bundestagswahl gezeigt hat.“

Secret contract tied NSA and security industry pioneer

Reuters, Techcrunch.com, Arstechnica u.a.: Die NSA hat dem IT Security Branchenprimus RSA $10 Millionen bezahlt, um schwache Verschlüsselung zu promoten.
Reuters later reported that RSA became the most important distributor of that formula by rolling it into a software tool called Bsafe that is used to enhance security in personal computers and many other products. (…) The RSA deal shows one way the NSA carried out what Snowden’s documents describe as a key strategy for enhancing surveillance: the systematic erosion of security tools.

Verschlüsselt!

cacert

Heise: „Eine überwältigende Mehrheit von 91 Prozent lebt damit, dass ihre E-Mails nicht vertraulicher als Postkarten sind. (…) Für Verunsicherung gesorgt haben offenbar auch die Meldungen über das Knacken von Verschlüsselungsprotokollen durch Geheimdienste“.

Wenn die Medien so einen gequirlten Unsinn über das Thema schreiben, wundert mich das nicht. Was haben Verschlüsselungsprotokolle mit dem Verschlüsseln von E-Mails zu tun? Nichts, aber es wird gern alles durcheinandergewürfelt. Und das genau liegt auch im Interesse der Geheimdienste. Es war schon bei der so genannten „Online-Durchsuchung“ so: Der gemeine Nutzer sollte sich ohnmächtig fühlen und gar nichts tun.

Oder man bekommt es mit so Superoberexperten wie auf dem Screenshot zu tun. Das schreckt auch ab. Also jammert nicht, sondern schreibt verständliche Anleitungen.

GSM phreak und die Schnellmerker

Heise meldet ganz feierlich: „NSA kann auf breiter Front Handys abhören“ und beruft sich auf einen Artikel der Washington Post. Worum geht es?
The vulnerability outlined in the NSA document concerns encryption developed in the 1980s but still used widely by cellphones that rely on technology called second-generation (2G) GSM.

Ach? Da fällt mir doch etwas ein: „Ein Grossteil der weltweiten GSM-Netze kann nach dieser Entdeckung als unsicher gelten. Auch in GSM-Netzen ist es moeglich, auf Kosten fremder Kunden zu telefonieren.“, sagte CCC-Sprecher Frank Rieger.“

Das Zitat stammt aus dem Jahr 1998.

Warum die NSA-Affäre niemanden wirklich stört

Leitmedium.de (Caspar Clemens Mierau) über die Heuchelei deutscher Medien, die über Überwachung schreiben und gleichzeitig die LeserInnen exzessiv tracken und ausspionieren: „Süddeutsche (24 Tracker), Spiegel Online (18 Tracker), ZEIT Online (14 Tracker), Welt (24 Tracker), BILD Online (24 Tracker) – es ist überall die gleiche Situation.“

Vorratsdatenspeicherung verstösst gegen die Grundrechtecharta der EU

Spiegel online: „Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung verstößt nach Ansicht eines Gutachters am Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen die Grundrechtecharta der EU. Das geht aus einem am Donnerstag in Luxemburg veröffentlichten Rechtsgutachten von Generalanwalt Pedro Cruz Villalón hervor.“

Skandal, Skandal, Skandal!

„NSA späht Internetnutzer mit Google-Cookies aus“. Weitere Meldungen: „Skandal: Facebook späht Internetnutzer mit Google-Cookies aus.“ – „Skandal: Google späht Internetnutzer mit Google-Cookies aus.“ – Skandal: RenRen späht Internetnutzer mit Facebook-Cookies aus.“ – Skandal: [Bitte selbst ausfüllen] späht Internetnutzer mit [bitte selbst ausfüllen]-Cookies aus.“

Die Wahrung

Ab und zu gibt es auch gute Nachrichten: „Erklärung der Rechtsanwaltskammer Berlin, des Berliner Anwaltsvereins und der Steuerberaterkammer Berlin vom 02.12.2013″:

Als Berliner berufsständige Selbstverwaltungsorganisationen und Interessenvertretungen der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Steuerberaterinnen und Steuerberater fordern wir von der Bundesregierung sowie von allen politisch tätigen Kräften: (…)
Die Vertraulichkeit der elektronischen Kommunikation im Rechtsverkehr durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu gewährleisten und unsichere, weil potenziell beobachtbare und sogar veränderbare Kommunikationsverfahren (z.B. De-Mail) zu verhindern.

Geht doch. Die wissen, wovon sie reden.

Die schlechte Nachricht: Ohne Deutsch des Grauens kommen Anwälte nicht aus. „Die Wahrung und der Schutz des Berufsgeheimnisses“. Grusel.

Die Wahrung. Was soll denn das heißen? Ich denke gleich an „die Falschung“. Ist das ein deutsches Wort?

Die Wahrung der Hitze meiner Pizza in der Mikrowelle (die ich gar nicht besitze)? Die Wahrung der Integrität und Sicherheit des skelettösen Systems meines Körpers beim Kampfsport? Die Wahrung der Standhaftigkeit bestimmter männlicher Körperteile bei mechanischen Bewegungen, die der Fortpflanzung der Art dienen oder der Simulation derselben?

Zyniker und Rechtspopulist Gabriel

Sigmar Gabriel begründet die Vorratsdatenspeicherung mit den Anschlägen in Norwegen

Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.

Gabriel macht klar, warum die SPD für die Vorratsdatenspeicherung ist: Ohne die hätte man Breivik in Norwegen nicht gefasst. „Wir können ja nicht unsere Position verleugnen.“

Die Wahrheit ist: „Nachdem Polizisten einer Anti-Terror-Einheit auf die Insel gelangt waren, ließ sich Breivik gegen 18:35 Uhr widerstandslos von ihnen festnehmen.“

Bei Wikipedia lesen wir: Im Zuge der Anschläge in Norwegen 2011 forderten die CSU-Politiker Hans-Peter Uhl und Beate Merk erneut die Einführung der Vorratsdatenspeicherung, um besser gegen derartige Terrorakte gewappnet zu sein. Uhl sprach sich in diesem Kontext überdies für eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung aus, die über die ursprünglichen Pläne hinausginge. Diese Forderungen wurde von Seiten der SPD, der Grünen, der FDP sowie der Linkspartei scharf kritisiert. So sei es „geradezu zynisch“ und „populistisch“, die Anschläge für die „innenpolitische Agenda“ der Union zu benutzen, außerdem habe die Vorratsdatenspeicherung in Norwegen die Anschläge nicht verhindern können.“

Wie moralisch verkommen oder wie dämlich muss man eigentlich sein, um SPD zu wählen oder so ein Lügenmaul als Parteivositzenden zu akzeptieren wie die SPD-„Netzpolitiker“? Aber natürlich wird die Basis trotzdem die Koalition absegnen.

Ich bin dieses Duckmäusertum sowas von leid

Gregor Gysi (Die Linke) im Bundestag am 18.11.2013 über Deutschlands Nicht-Souveränität und den NSA-Skandal. Ansehen!

Als Kontrastprogramm dazu das so genannte Nachrichtenmagazin Focus: „Wie FOCUS aus Berliner Sicherheitskreisen erfuhr, können Staatsfeinde und Schwerverbrecher derzeit nur unzureichend überwacht werden. Gründe seien Personalmangel und fehlende technische Möglichkeiten.“

Verschlüsselung verboten

„Die IT-Abteilung hat das Verschlüsseln von E-Mails verboten“, schreibt Spon über die „gehackten“ E-Mail-Konten von EU-Abgeordneten. Die französische Quelle, von der die deutsche Medien ihre Informationen abschreiben, formuliert das noch schöner:
„A hacker using elementary computer equipment and what he described as “a few bits of knowledge that everyone is capable of finding on the internet” has succeeded in accessing confidential emails and personal files of Members of the European Parliament, their assistants and even the institution’s IT experts, Mediapart can reveal. The operation was, he said, mounted as a demonstration of the vulnerability of security at both the parliament in Strasbourg and also among many national administrations which use software, notably that of Microsoft, that experts have for years warned is exposed to espionage manipulations through fundamental.

So etwas kann man sich gar nicht ausdenken. Vermutlich werden sie jetzt De-Mail kopieren und die „verschlüsselten“ E-Mails vor dem Absenden auf einem vertrauenswürdigen NSA-Server öffnen, um sie „nach Viren“ zu durchsuchen.

Quantum Insert und Burks‘ Law

Nachtrag zu gestern. Heise schreibt: Wie die „Quantum Insert“ getaufte Methode genau funktioniert, beschreibt das Magazin nicht. (Gemeint ist der Spiegel). Falsch. Die „beschreiben“ sehr wohl, wie ein Angriff per „gefälschter Website“ angeblich funktioniert.

Der Spiegel beruft sich auf einen Artikel Bruce Schneiers im Guardian. Schneier:
To trick targets into visiting a FoxAcid server, the NSA relies on its secret partnerships with US telecoms companies. As part of the Turmoil system, the NSA places secret servers, codenamed Quantum, at key places on the Internet backbone. This placement ensures that they can react faster than other websites can. By exploiting that speed difference, these servers can impersonate a visited website to the target before the legitimate website can respond, thereby tricking the target’s browser to visit a Foxacid server. In the academic literature, these are called „man-in-the-middle“ attacks, and have been known to the commercial and academic security communities. More specifically, they are examples of „man-on-the-side“ attacks.

Zum einen geht es um Man-in-the-Middle-Angriffe auf Smartphones via GRX-Router einiger Mobilfunk-Netzbetreiber, was an sich keine große Kunst ist. Jedes Handy ist ein Überwachungwerkzeug. So what?

Zum anderen listet das Magazin (Printausgabe) einen Fall auf, wie ein „Computerfachmann“, der in einer indischen Firma arbeitet, ausgespäht wurde. Die Angreifer „brachten in Erfahrung, mit welcher IP-Adresse er dienstlich im Netz surft und mit weldher privat, einer indischen nämlich.“ Der benutzte auch Skype und sogenannte „soziale“ Netzwerke und natürlich einen Gmail-Account. Das muss ein merkwürdiger „Computerfachmann“ sein. Dem jubelten sie gefakte Linkedin-Versionen unter. Vermutlich haben sie ihn auch noch aufgefordert, Javascript einzuschalten, was der natürlich brav getan hat (sonst hätten sie ihm nichts unterjubeln können.)

Ich verkneife mir, ein „Burks‘ Law“ zu formulieren: „Wer Skype, Gmail und so genannte ’soziale Netzwerke‘ benutzt, hat auch immer Javascript eingeschaltet und lässt sich auch gern ausspionieren.“

Bitte eure Passwörter!

Die FAZ berichtet (via Fefe): „Eine weitere mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, Snowden habe insgesamt 20 bis 25 Kollegen mit der Begründung zur Herausgabe ihrer Passwörter gebracht, er benötige sie für seine Tätigkeit als System-Administrator.“

Muahahahaha. Das erinnerte mich an einen heutigen Tweet von Stefan Graunke: „Ich bin von Twitter als Administrator eingesetzt worden, bräuchte dazu jetzt aber von euch allen mal euer Accountpasswort.“

Ist der Wille erst da

Soeben bekam ich eine verschlüsselte (!) E-Mail:

Sehr geehrte Herren Schröder, Ude, Frau Arslan,
ich habe in den Nachdenkseiten Ihre Anleitung zur Verschlüsselung gefunden und gestern haben wir diesen Weg beschritten und wie Sie heute sehen funktioniert es wunderbar. Ich bin absoluter Anfänger und benötige Überwindung was das Netz angeht. (…) Ich betreibe eine Praxis für Naturheilkunde und bin Heilpraktikerin. (…)

Löblich! Geht doch!

CDU/CSU/NSA [Update}

Heise: „CDU und CSU wollen Internet im NSA-Stil überwachen“.

Das kommt jetzt nicht wirklich überraschend. Heuchlerische Bande, allesamt.. Und die SPD wird sowieso alles abnicken.

[Update] Angeblich war es ein Missverständnis und ein kleiner Referent ist (natürlich) schuld. Muahahahaha.

„So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“ (Johann Wolfgang von Goethe: Torquato Tasso)

Nationale imperialistische Interessen

„Gehen Sie davon aus, dass das geschieht. Die Überwachung von internationalen Kommunikationsverbindungen ist gängige Praxis der NSA und eine Doktrin zur Unterstützung nationaler amerikanischer Interessen.“ (Thomas Drake, ehemaliger US-Agent, laut Profil)

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